Titel: Richard Ormrod über Verbesserung von kupfernen oder metallenen Walzen.
Autor: Ormrod, Richard
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. II. (S. 35–38)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001002

II. Ueber eine Verbesserung in der Erzeugung von kupfernen oder andern metallenen Walzen oder Rollen zum Calico-Drucke.

Von dem Eisenmeister Richard Ormrod von Manchester, in der Pfalzgrafschaft Lancaster, worauf ihm ein Patent ertheilt wurde, ddo. 22 Jul. 1818.2)

(Mit einem Zusaze des Herausgebers.)

Ich beschreibe und beurkunde hiermit die Art und Weise meiner Erfindung. Die Walzen werden auf die gewöhnliche Weise verfertigt, entweder aus Kupfer oder Messing, oder aus Kupfer und Messing zugleich, und sind entweder gegossen oder aus Platten zusammen gelöthet. Meine Erfindung paßt auf alle diese Walzen, sie mögen nach der einen oder nach der andern Art erzeugt worden seyn.

Ich seze zuerst die Walze ungefähr eine Viertelstunde lang in eine Mischung von Vitriolöl und Wasser, und scheuere sie hierauf tüchtig durch, bis jede Schuppe und jeder Schmuz weg ist. Diese Methode, Metallwalzen zu reinigen, ist weder neu, noch nehme ich sie als meine Erfindung in Anspruch. Nachdem die Walze gehörig gereinigt ist, seze ich sie auf eine Docke von Eisen oder Stahl (ich ziehe aber eine eiserne mit Stahl unterlegte Docke vor), die so genau als möglich in die Höhle der Walze paßt. Ich schiebe hierauf die Docke mit der darauf befestigten Walze durch einen eisernen oder stählernen Ring (ich ziehe einen eisernen

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Ring dem stählernen der Wohlfeilheit wegen vor). Der Durchmesser des Ringes ist etwas kleiner als jener der Oberfläche der Walze, wodurch nothwendig wegen des Druckes, der durch diese Operation erzeugt wird, die Poren des Metalles, aus welchem die Walze besteht, geschlossen werden, und das Metall selbst, insofern es gleichförmig auf die Docke zu drucken gezwungen wird, durchaus gleiches Gefüge und bedeutende Härte und Fertigkeit erhält.

Die Weise, wie die Docke und die Walze durch den Ring gezogen wird, läßt sich verschiedentlich bewerkstelligen, und ich erkläre keine der besonderen hierzu nöthigen Vorrichtungen für meine Erfindung. Ich habe es bequem gefunden, eine starke eiserne Platte oder Stange in senkrechter Richtung aufzustellen, und fest an einer hinlänglich stark und haltbar gebauten Tafel oder an einem Rahmen zu befestigen.

Der Ring ist in einer Höhle oder in einem Lager der eisernen Platte oder Stange befestigt, und zwar an der der Einwirkung der angewandten Kraft gegenüberstehenden Seite: eine Oeffnung in der Platte korrespondiert mit jener des Ringes. In dieser Platte können Ringe von verschiedenem Durchmesser in der Weite befestigt werden, indem die Oeffnung in der Platte oder Stange wenigstens so groß gemacht ist, als die Oeffnung irgend eines Ringes. Der Ring ist ungefähr 5 Zoll dick, und die Oeffnung verschmälert sich ein wenig, so daß der Durchmesser an der der angewandten Kraft gegenüberstehenden Seite etwas größer ist, und jenes Ende der Walze, welches zuerst in den Ring eingeschoben wird, ist gleichfalls gegen die Spize hin etwas verdünnt zulaufend.

Die Docke, welche nothwendig länger ist als die Walze, wird mit dieser auf der, der anzuwendenden Kraft gegenüberstehenden, Seite in den Ring eingeschoben, und da das Ende der Walze, so wie die Oeffnung des Ringes, wie oben bemerkt |37| wurde, sich allmählig verschmälert, so wird das Ende der Walze genau durch den Ring durchgehen. An dem einen Ende steht eine Kette mit der bewegenden Kraft, an dem andern mit der Docke mittelst Hacken und Dille in Verbindung. Das Ende der Docke steckt in der Dille, und ein stählerner Zapfen oder Stift läuft quer durch beide. Der auf diese Weise befestigte Hacken greift in ein Glied der Kette ein. Sobald nun die bewegende Kraft in Thätigkeit gesezt wird, wird die Docke sammt der darauf befindlichen Walze durch den Ring gezogen.

Damit während dieser Operation die Walze sich nicht von der Docke abstreife, ist ein Einschnitt oder eine Höhlung an dem Ende der Docke angebracht, in welche eine an der innern Seite der Walze gegen ihr Ende hin angebrachte Hervorragung einpaßt.

Diese Operation wird durch verschiedene Ringe wiederholt, deren Durchmesser allmählig abnehmen, bis die Walze den gehörigen Grad von Glätte und Dichtigkeit erreicht hat. Wie oft nun diese Operation wiederholt werden soll, dies muß nothwendig von der Natur des Metalles, von dem Durchmesser der Walze und von andern Umständen abhängen, und nach denselben verschieden seyn, und es läßt sich hierüber keine allgemeine Regel festsezen; es muß lediglich den Werkmeistern überlassen seyn, zu bestimmen, wann die Walze den gehörigen Grad von Vollkommenheit erreicht hat. Hierüber hat keine Schwierigkeit statt.

Die Kraft, deren ich mich zu dem oben erwähnten Zwecke bediene, kommt einer Kraft von ungefähr 100 Pferden gleich, nach der Stelle geschäzt, an welcher sie auf die Walze wirkt. Die Walzen haben gewöhnlich 26 Zoll und 36 Zoll in der Länge, ehe sie durch die Ringe gezogen werden, und die Operation wird gewöhnlich so lang wiederholt, bis sie zur Länge von 32 und 42 Zoll ausgedehnt sind. Der |38| Durchmesser des ersten Ringes ist gewöhnlich um den 84sten Theil eines Zolles kleiner als der Durchmesser der äußersten Oberfläche der Walze, und der des zweiten Ringes um den 84sten Theil eines Zolles kleiner als der des ersten Ringes und so fort; allein diese Verhältnisse sowohl als die Größe der angewandten Kraft müssen nothwendig manche Abänderung erleiden, und die Vorrichtungen hierzu, so wie die Art, in welcher die Kraft angewendet wird, können verschieden seyn. Die oben beschriebene Art und Weise dient nur als Beispiel, und als ein bequemes Verfahren, nach welchem ich meine Erfindung benuzen kann. Nachdem die Walze durch die verschiedenen Ringe gegangen ist, und einen gehörigen Grad von Glätte und Dichtigkeit erhalten hat, bringe ich sie, wie gewöhnlich, auf die Vollendungsdocke, um sie abzudrehen und zu polieren.

Urkunde dessen etc.

Zusaz des Herausgebers.

Diese Verbesserung des Hrn. Ormrod bei der Erzeugung metallener Walzen ist auch für unsere Künste, Manufakturen und Fabriken von großer Wichtigkeit, da das Metall durch das Ziehen durch Ringe einen großen Druck erleidet, wodurch die Walzen, wie der Erfinder ganz richtig bemerkt, ein gleichförmiges Gefüge und eine vorzügliche Härte und Festigkeit erhalten. Es ist daher zu wünschen, daß von dieser wichtigen Verbesserung auch auf dem Kontinent Anwendung gemacht werde, indem dadurch diejenigen unserer Fabrikate, welche durch solche glatte oder ponzirte Walzen ihre Ausarbeitung erhalten, einen höhern Grad von Vollkommenheit erreichen müssen. Die zu dem Durchziehen durch Ringe erforderliche große Zugkraft kann durch Winden oder Schrauben erreicht werden, wozu leztere sich dann noch vorzüglicher eignen, wenn an ihnen, gleichwie bei der Winde, eine Versezung angebracht wird.

Wörtlich übersezt aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture Nro. 203. April 1819. S. 266.; nur mit Hinweglassung des Juridischen.

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