Titel: Dingler über das Verfahren mit Krapp scharlachroth zu färben.
Autor: Dingler, Johann Gottfried
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. IV. (S. 59–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001004

IV. Ueber das Verfahren, Wolle und Tuch mit Krapp dauerhaft und schön scharlachroth zu färben.

Vom Herausgeber.

Die Scharlachfarbe macht in der Wollenfärberei einen sehr wichtigen Gegenstand aus. Diese schöne und kostspielige Farbe konnte bisher blos durch eine Zinnbasis mit dem Pigment der Cochenille oder dem des Färbelacks dargestellt werden. Lange schon wurde die Frage aufgeworfen, ob dieses schöne Roth nicht auch aus einem Pigmente von vaterländischem Ursprunge, und namentlich aus dem des Krapps, dargestellt werden könne; allein diejenigen frühern Versuche sowohl, welche die Hervorbringung dieser Farbe, als auch die, welche nur die Erzeugung eines gewöhnlich schönen Roth aus dem Krapp bezweckten, lieferten Resultate, welche die Unmöglichkeit, diesen Zweck zu erreichen, vermuthen ließen. In den neuern Zeiten, und zulezt während der Kontinentalsperre, kam diese Frage wieder in ernstliche Anregung, mehr aber in der Absicht, um sich von ausländischen Farbmaterialien, oder vom Tribut an das Ausland unabhängig zu machen, als um pekuniäre Vortheile dadurch zu erlangen. Die Societät d'Encouragement in Paris hatte, von der Wichtigkeit des Gegenstandes ergriffen, damals einen Preis von 6000 Franken auf die Entdeckung dieses Geheimnisses ausgesezt; allein bis jezt wurde diese Aufgabe noch nicht gelöst, und es ist daher noch immer der damit verbundene Preis zu gewinnen. Hr. Gonin aus Lyon hatte zwar dieser Gesellschaft im August 1812 Woll- und Tuchproben, welche mit Krapp scharlachroth gefärbt worden seyn sollen, vorgelegt; er wollte sich aber nicht zur Mittheilung |60| seines Geheimnisses verstehen, weil ihm der Preis von 6000 Franken für einen so wichtigen Gegenstand zu gering war, indem ihn, wie er sagte, seine dieser so wichtigen Entdeckung vorangehenden Versuche weit mehr gekostet hatten. Er fand es also seinem Vortheil angemessener, im ausschließenden Besize seiner Entdeckung zu bleiben.

Es mag indessen diese Entdeckung noch sehr zweifelhaft seyn. Die Preisaufgabe wurde erst noch im vorigen Jahre wiederholt.6) Auch hätte Hr. Gonin unmöglich so lange |61| im alleinigen Besize dieses Geheimnisses bleiben können, da dasselbe mehr in dem Färbeprozeß, als in der Anwendung ungewöhnlicher Basen zur Entwickelung und Befestigung des Pigments des Krapps zu suchen ist.

In Deutschland ist bisher diesem Gegenstande weder von Seiten einer Regierung, noch von polytechnischen Vereinen und gelehrten Gesellschaften, oder von Färbeanstalten einige Aufmerksamkeit zu Theil geworden. Je weniger mir es aber gleichgültig seyn konnte, mein deutsches Vaterland der Ehre |62| einer so wichtigen Erfindung beraubt zu sehen, desto mehr fühlte ich mich zu einer Reihe von Versuchen gedrungen, um, wo möglich, diese in finanzieller und industrieller Hinsicht gleich wichtige Aufgabe zu lösen.

Ehe ich nun die Beschreibung dieser Versuche und ihre Resultate mittheile, wird es nicht unzweckmäßig seyn, wenn ich dasjenige der Hauptsache nach vorangehen lasse, was Schriftsteller von Autorität über diese Färberei urtheilen.

Die HH. Berthollet (Vater und Sohn) sagen im zweiten Theile ihres Farbebuchs7) Seite 121:

»Die Wolle würde vom Krapp nur eine schwache und vergängliche Farbe annehmen, wenn man die Farbetheile nicht vorher durch eine Grundlage befestigte, die sie inniger mit dem Zeuge verbände, und sie zum Theil gegen die zerstörende Einwirkung der Luft sicherte. Zu dem Ende kocht man erst das Zeug zwei oder drei Stunden mit Alaun und Weinstein, läßt es alsdann abtröpfeln, drückt es gelinde |63| aus, und bindet es in einen leinenen Sack, den man einige Tage an einem kühlen Orte liegen läßt. Die Menge und das gegenseitige Verhältniß des Alauns und Weinsteins sind in den Werkstätten sehr veränderlich. Hellot nimmt auf ein gegebenes Gewicht Wolle etwas weniger als ein Drittel Alaun und Weinstein. Wollte man das Verhältniß des Weinsteins bis auf einen gewissen Punkt vermehren, so würde man statt Roth nur eine dunkle Zimmetfarbe erhalten, die aber dauerhaft ist, weil, wie man gesehen hat, die Säuren die Farbe des Krapps ins Gelbe ziehen. Pörner vermindert das Verhältniß des Weinsteins etwas; er schreibt nur 1/7 des Gewichts Alaun vor. Scheffer hingegen nimmt doppelt so viel Weinstein als Alaun; man hat aber gefunden, daß bei der Hälfte Weinstein die Farbe sich merklich ins Zimmetbraune zog, als wenn man nur 1/4 des Gewichts des Alauns davon nimmt.

Das Farbebad, wozu blos Krapp kommt, darf nicht kochen, weil sich bei diesem Wärmegrad die Farbesubstanz leicht verändert und dunkler wird.

Hellot will, man soll auf zwei Theile der zu färbenden Wolle einen Theil des allerbesten Krapps nehmen, ihn in Wasser werfen, welches so heiß ist, daß man noch die Hand darin leiden kann, vor dem Eintragen der Wolle recht gut umrühren, und leztere, ohne das Bad zum Kochen zu bringen, eine Stunde darinn lassen. Um indessen die Farbe desto dauerhafter zu machen, kann man sie gegen das Ende der Arbeit nur 4 oder 5 Minuten kochen lassen. Beckmann räth, dem Krappbade etwas Laugensalz zuzusezen.

Man erhält durch dieses Verfahren rothe Farben, die nie so schön als mit dem Kermes, viel weniger als mit Lack und Cochenille ausfallen. Da sie aber wenig kosten, so wendet man sie bei gewöhnlichen Zeugen an, deren niedriger |64| Preis keine theure Farbe erlauben würde. Man erhöhet zuweilen das Krapproth durch Orseille und Brasilienholz, um es schöner und satter zu machen, aber der dadurch mitgetheilte Glanz ist von keiner Dauer.

Pörner, Scheffer und Bergmann haben die Zinnauflösung auf mancherlei Art angewandt; aber unsere darüber angestellte vielfache Versuche bestätigten den Vortheil dieses Verfahrens nicht.« So weit die HH. Berthollet über das Krappfärben der Wolle. Ein prüfender Blick auf das Wenige, was hier über einen der wichtigsten Gegenstände der Färbekunde von diesen gelehrten Männern gesagt ist, könnte die Ueberzeugung nähren, daß mit dem Pigmente des Krapps niemals lüsterne rothe Farben auf der Wolle zu erzielen sind.

Weit interessantere Resultate von Versuchen gibt uns Hr. Roard, Mitvorstand der berühmten Gobelinmanufaktur in Paris, welcher aus Auftrag des Kriegsministers Versuche im Großen anstellte, um mittelst des Krapps rothe Farben zu erzeugen, wodurch die Cochenille erspart werden könne.

Unter allen färbenden Materien, sagt Hr. Roard, bietet uns der Krapp ein vorzügliches Interesse dar, weil aus ihm die schönsten und die schlechtesten Farben dargestellt werden können. Diese Vortheile des Krapps müssen uns daher aufmuntern, alle möglichen Untersuchungen mit demselben anzustellen, um seine Anwendung zu vervielfältigen.

Die vorzüglichsten Mittel hiezu werden darinn bestehen, mittelst des Krapps auf Seide und Wolle eben so schöne Farben zu produziren, als auf baumwollenen Zeugen; auch müßte man die Kultur desselben vervollkommnen und mehrere Arten dieser Pflanze, welche den Krapp liefert, anbauen.

Die nothwendigen Beizmittel, um die färbenden Theile des Krapps auf verschiedene Zeuge zu befestigen, können |65| nicht immer dieselben seyn; und man erhält daher, wenn derselbe als Farbmaterial angewendet wird, verschiedene Modificationen, die von der Natur der Zeuge und der Beizmittel abhängig sind.

Die langwierigen und kostspieligen Operationen, die man anwendet, um auf Baumwolle das türkische Roth zu produziren, leisten zwar mehr; als wenn man sie auf Seide oder Wolle in Anwendung bringt, weil diese durch die kalischen Substanzen, welche bei der Baumwolle angewendet werden, eine Zerstörung erleiden; und die Beizmittel, welche beim Färben der Wolle und Seide eine so günstige Wirkung machen, bringen auf Baumwolle kaum eine merkliche Veränderung hervor.

Beobachtet man die Art der Einwirkung der Kalien auf den Krapp sorgfältig, so sieht man, daß eine rothfahle Substanz darinn aufgelöst wird, die, indem sie sich mit den rothfärbenden Theilen verbindet, ihre Farbe ändert und ihre Lebhaftigkeit stört.

Der Krapp, so wie alle übrigen Vegetabilien, besizt mehrere Arten kleiner Häute, die die holzige Substanz umhüllen, und deren Vereinigung gemeiniglich unter dem Namen der Rinde bekannt ist. Die Botaniker unterscheiden sie in drei Theile, wovon die erstere äußere Hülle die Epidermis, die zweite die Rinde genannt wird, die beim Krapp die wichtigere ist, weil sie die färbenden Theile einschließt; die dritte innere Substanz ist der holzige Theil.

Die Operationen, denen man diese Wurzel zu unterwerfen pflegt, um sie für den Gebrauch vorzubereiten, sind sehr mannigfaltig. Zum Färben der Leinwand und des baumwollenen Garns muß die Wurzel gepulvert seyn, um alle Theile mit einander zu mengen; während sie zum Färben der Tücher anders zubereitet wird.

|66|

Das gewöhnlichste Verfahren, das man für die verschiedenen Arten des Krapps befolgt, besteht darinn, daß man die dicksten Wurzeln von den übrigen aussondert, worauf sie in einer Trockenkammer wohl aufgetrocknet werden. Die getrockneten Wurzeln werden sodann gemahlen, und das Pulver wird abgeschlagen, welches die schlechtere Sorte des Krapps darstellt. Wird diese Operation zum zweitenmal wiederholt, so gewinnt man einen Krapp von feinerer Qualität. Bringt man endlich den Rückstand zum drittenmal unter die Stampfe, so gewinnt man die feinste Art des Krapps.

Zwar findet man gemeiniglich im Handel nicht diese drei verschiedenen Qualitäten; man kann sich aber dieselben verschaffen, wenn man sich an die Krappfabrikanten unmittelbar wendet.

Hr. Roard hat mit diesen verschiedenen Arten des Krapps Versuche angestellt, um durch Vergleichung ihren Werth bestimmen zu können; und er hat sich überzeugt, daß die Quantität des rothfärbenden Stoffes in denselben allemal mit der Sorgfalt ihrer Zubereitung im Verhältnisse stehe. Er erhielt von Hrn. Gadiol zu Mastricht und von Hrn. Revel zu Straßburg so seine Sorten des Krapps, wie man sie selten im Handel findet, und die weit lebhaftere Farben darboten, als andere. Er sah hiebei, daß die falbe Substanz, deren Einfluß auf Wolle und Seide so nachtheilig ist, schon mit der Epidermis hinweggenommen werde; und er ist überzeugt, daß man sie durch eine öftere Wiederholung der Präparation des Krapps ganz davon würde trennen können.

Um indessen seine Versuche zu bestätigen, war es nothwendig, sie durch im Großen angestellte Arbeiten zu wiederholen. Um dadurch positive Resultate über die Farben, welche die feineren Sorten des Krapps liefern, zu gewinnen, |67| und die Befolgung einer selbstständigen Verfahrungsart, so wie den Preis jener verschiedenen Farben, darauf gründen zu können, wurden auf die vorhin erwähnte Veranlassung des Kriegsministeriums mit verschiedenen für die Armee bestellten Tüchern Versuche angestellt, wobei es einzig darauf ankam, die Cochenille durch den Krapp zu ersezen.

Durch folgende Verfahrungsart wurden vier selbstständige Farben aus dem Krapp gewonnen, nemlich ein lebhaftes Roth, Kapuzinerbraun, Aurora und Orange.

Das Krapproth.

Auf 5 Stück Tuch, welche 75 Kilogramme wogen, wurden angewendet:

Zum Ansud: Alaun 18 Kilog. 750 Grammen;8) weißer Weinstein 6 K. 250 G.; Krapp 1 K. 875 Gr.

Zum Ausfärben: Krapp 16 K. 875 Gr.; Zinnsoluzion 2 K. 343 Gr.

Zu Kapuzinerbraun auf 5 Stück zu 75 Kilogr.

Zum Sud: Zinnsoluzion 7 K. 500 Gr.; weißer Weinstein 7 Kilog. 500 Gr.

Zum Ausfärben: Krapp 16 K. 875 Gr.; Zinnsoluzion 7 K. 500 Gr.

Zu Aurora wurden genommen auf 5 Stück zu 75 Kil.

Zum Sud: Zinnsoluzion 6 K. 250 Gr.; weißer Weinstein 6 K. 280 Gr.; Krapp (mit einer kleinen Quantität Gelbholz 1 K. 250 Gr.)

|68|

Zum Ausfärben: Krapp 11 K. 250 Gr.; Zinnsoluzion 3 K.; Abkochung von Gelbholz so viel, als nöthig ist.

Auf 5 Stück Orange zu 75 K. wurde erfordert:

Zum Ansud: Zinnsoluzion 4 K. 166 Gr. weißer Weinstein 4 K. 166 Gr.; Krapp 500 Gr. und eine erforderliche Quantität Gelbholz.

Zum Ausfärben: Krapp 4 K. 500 Gr.; Zinnsoluzion 1 K.; Gelbholz so viel als nöthig ist.

Um den Sud zu geben, muß das Tuch zwei Stunden darinn gekocht seyn; auch kann man in demselben Bade den Sud zur Kapuzinerfarbe geben, wenn man die nöthigen Ingredienzien zusezt. Das Sieden darf in diesem Falle nur anderthalb Stunden dauern; dagegen das Aurora und das Orangegelb auf frischen Bädern zubereitet werden müssen; zu Aurora darf der Sud nur einige Stunden, und zu Orange nur 30 bis 40 Minuten währen.

Das Ausfärben im Krapp muß in allen Fällen bei 30 bis 40 Graden nach der hunderttheiligen Thermometerscala angefangen werden; und das Tuch muß gespült werden, sobald die Flotte zu sieden anfängt. Das Aurora muß mit einem frischen Bade zubereitet werden, das aber späterhin zu Orange dienen kann. Die Quantität des Gelbholzes, welches für diese Art Farbe angewendet wird, ist hier darum nicht genau bestimmt worden, weil die Quantität der färbenden Theile, die es enthält, sehr veränderlich ist, und weil die erforderliche Quantität desselben am besten durch die Probe bestimmt werden kann.

Die Zubereitung der Zinnauflösung ist gleichfalls sehr verschieden, und doch ist es für die Färberei sehr wichtig, sich immer nur einer solchen Zinnsoluzion zu bedienen, die einen gleichtheiligen Gehalt an Zinn besizt. Jener Unterschied im Gehalt an Zinn enthält den zureichenden Grund von den |69| mannigfaltigen Abweichungen, die man in den Resultaten der Färberei wahrnimmt.

Hr. Roard bedient sich zur Zubereitung der Zinnsoluzion am liebsten der von Hrn. Berthollet angegebenen Zusammensezung, die aus 8 Theilen von reinem Zinn gebildet ist. Sie wird nach vollbrachter Auflösung des Zinns mit dem vierten Theil ihres Gewichts Wasser gemengt.

Was den Alaun betrifft, so muß für die Farben aus dem Krapp der reinste, eisenfreieste angewendet werden, weil der geringste Eisengehalt die Farben dunkel macht.

Vom Krapp muß man billig die feinste, oben angegebene Sorte wählen.

Von jenen vier Farben ist zwar die rothe sehr lebhafte, sie besizt aber doch keineswegs den Glanz des Scharlachs. Die Kapuziner-, die Aurora- und die Orangefarbe aber unterscheidet sich so wenig von denen, die mit Cochenille erzeugt werden, daß diese ganz erspart werden kann; wie dieß auch wirklich in einigen guten Färbereien geschieht.

Der verdiente Bankroft ist, ohne von den Arbeiten des Hrn. Roard unterrichtet zu seyn, der Lösung dieser Aufgabe viel näher gekommen, worüber er im zweiten Bande seines Handbuchs der Färbekunst9) sehr interessante Beobachtungen und Erfahrungen mittheilt. Er sagt unter anderm:

»Obgleich die rothe Farbe, aus Krapp auf Schaafwolle gefärbt, welche mit einer alaunhaltigen Basis angesotten wurde, nicht so glänzend und schön ist, als die von der Cochenille, so hat sie doch den Vortheil, daß sie wohlfeiler und dauerhafter ist. Aus diesem Grunde wird sie häufig, besonders zu dem Tuche, das die englischen Soldaten tragen, angewendet.

|70|

Zur Darstellung dieser Farbe wird das Tuch mit einem Viertel oder Sechstel seines Gewichtes Alaun und einem Zwölftel oder Sechzehntel seines Gewichtes Weinstein und einer zureichenden Menge Wasser gesotten, wobei man den Weinstein zuerst, und den gepulverten Alaun zulezt ins Wasser gibt.

Die Hize des Wassers wird stufenweise erhöht, und auf dem Siedpunkt anderthalb oder zwei Stunden lang erhalten, während dessen das Tuch durch die siedende Brühe mittelst der Winde gezogen wird, damit die Beize sich gleichförmig anlege. Sodann wird es herausgenommen; man läßt es gewöhnlich bis zu dem nächsten Tag abtropfen, und wäscht es nun in klarem Wasser aus, um es zu färben.

Ist Schafwolle oder Tuch auf die am angeführten Orte beschriebene Art zubereitet worden, so gibt man guten Crop-Krapp,10)4 bis 8 Unzen auf jedes Pfund der zu färbenden Wolle oder des Tuches (im Verhältniß nämlich zur Güte des Krapps und zur verlangten Völle der Farbe), in einer gehörigen Menge Wassers in den Färbekessel, und läßt das Wasser stufenweise erwärmen, bis es beinahe so heiß ist, als es die Hand leiden kann; sodann wird die zubereitete und befeuchtete Wolle oder das Tuch auf die gewöhnliche Art darinn gefärbt. Man hüte sich aber, nicht mehr als Bähhize anzuwenden, bis der Färbestoff sich hinlänglich angelegt hat; hernach hält man es, um die Farbe besser zu fixiren, gewöhnlich für dienlich, die Farbbrühe einige Minuten lang kochen zu lassen, ehe das Tuch oder die Wolle herausgenommen wird.

In großen Färbereien werden gewöhnlich mehr als sechshundert Pfund Tuch in einer einfachen Operation mit |71| Krapp gefärbt, und wenn dies beendigt und der rothe Theil des Krapps von dem Tuche eingesogen ist, so zeigt sich die Farbbrühe stark mit dem zurückgebliebenen gelben (falben) Theil beladen, welcher, weil er nicht so viel Verwandtschaft als das Roth zur alaunhaltigen Basis hat, nicht in gleichem Verhältniß aufgenommen wird, wenigstens so lange nicht, als die Hize unter dem Siedpunkte bleibt.

Ob die Farbe wirklich fixirt werde, wenn die gefärbten Tücher einige Minuten lang, wie es gewöhnlich zu Ende der Operation geschieht, gesotten werden, ist eine Frage, die ich mich zu beantworten scheue, da die Resultate verschiedener Versuche, welche ich angestellt habe, nicht gleichförmig waren. Sollte man es dienlich finden, Siedhize zu diesem Zwecke anzuwenden, so kann alle Gefahr eines Schadens dadurch beseitiget werden, daß man diese Hize mit reinem Wasser in einem besondern Kessel gibt, wohin die Tücher gebracht werden können, nachdem sie bei einer geringern Temperatur vorher gehörig gefärbt worden. Bei dieser Methode hat man keine Gefahr, das Ausziehen des gelblichbraunen Färbestoffes zu vermehren oder sein Anlegen an das Tuch oder an die Alaunbasis zu befördern.

Um das Krapproth glänzender zu machen, als es durch Alaun und Weinstein (als Beizen) allein geschehen kann, pflegen einige Färber eine kleine Portion von salpetersalzsaurem Zinn zu den Beizen bei der Zubereitung des Tuches zuzusezen. Man erzweckt aber eine vortheilhaftere Wirkung, wenn man das salpetersalzsaure Zinn erst mit dem Krapp (indem man beide zu gleicher Zeit in das Wasser gibt,) bei der Färbeoperation anwendet; weil die mit dem Zinn verbundene freie Säure das Ausziehen des gelblich-braunen Theils des Färbestoffes des Krapps sehr verhindert.

Gleiche Wirkung wird man erhalten, wenn man ein wenig saure Kleyenflüssigkeit mit dem Krapp anwendet. |72| Manchmal werden Färbermoos (Orchatt, Orseille) und Brasilienholz mit dem Krapp verbunden, um ihn rosenfarbiger zu machen, aber dies hat, wie auch die HH. Berthollet bemerken, keine Dauer.

Was die Anwendung des Zinns, oder vielmehr die Auflösungen von diesem Metall, als Basis zum Krapp-Roth auf Schafwolle betrifft, so halte ich mich durch zahlreiche Versuche für hinlänglich befugt, sie da zu empfehlen, wo man Farben, die sich dem Scharlach aus Cochenille nähern, erhalten will; ob ich dies gleich gegen das gewichtvolle Ansehen der HH. Berthollet (Vater und Sohn) thue, welche versichern, daß ihre vielfachen Versuche mit dieser Beize weder eine vortheilhafte noch eine bemerkenswerthe Wirkung in Betreff der Krappfarbe hervorgebracht haben. Ich kann mir diese Behauptung, die so sehr von meiner eignen vielfachen Erfahrung abweicht, nur durch die Voraussezung erklären, daß jene Herren bei allen ihren Versuchen mit Krapp das salpetersalzsaure Zinn ausschließlich (wie es bei den Färbern geschehen ist,) zum Ansud des Tuches verwendet, dasselbe aber bei der zweiten oder Färbe-Operation mit Krapp gänzlich weggelassen haben. Gewiß, bei einem solchen Verfahren wird die Farbe nur wenig glänzend ausfallen und nicht verbessert seyn. Wenn jedoch ein Theil des salpetersalzsauren Zinns zurückbehalten und mit dem Wasser vermischt wird, ehe der Krapp hineinkommt, so daß die freie Säure der Zinnauflösung das Ausziehen des gelblich-braunen Theils der Krappfarbe verhindern kann, so wird es sich bald zeigen, daß die Farbe merklich lebhafter werde. Ist aber schon die ganze Zinnauflösung zur Zubereitung des Tuches angewendet worden, so kann man noch eine ähnliche Wirkung erhalten, wenn man eine Portion Weinstein zugleich mit dem Krapp in den Färbekessel mischt, indem die Weinsteinsäure eben so wirksam ist, als das salpetersalzsaure Zinn, um das |73| Ausziehen des bräunlich gelben Theils aus der Krappfarbe zu verhindern.

Auch die Wirkung des wenigen bräunlich-gelben Stoffes, welcher dennoch ausgezogen und von dem Tuch aufgenommen worden seyn möchte, wird man fast ganz überwältigen, wenn man eine kleine Portion Cochenille dem Krapp zusezt. Saure Kleienflüssigkeit wird beinahe auf dieselbe Art wie Weinsteinsäure wirken, aber man darf keine von beiden im Uebermaaß anwenden, weil sie sonst die rothe Farbe vermindern oder schwächen würden. Tuch, mit einer Auflösung von Zinn und Weinstein zubereitet, darf man nicht vor dem Färben auswaschen, ausgenommen, wenn die Auflösung im Uebermaaße angewendet worden ist.

Ich habe bereits erwähnt, daß die Krappfarbe, auf Zinnbasis gefärbt, meinen Erfahrungen nach, außerordentlich dauerhaft befunden worden, und wenn sie gehörig gefärbt wird, nur etwas weniger lebhaft als die Cochenillefarbe ist. Sie könnte vielleicht selbst so weit gebracht werden, daß sie die leztere überträfe, wenn der reine rothe Theil der Wurzel ausschließlich mit dem Zinnoxyd oder der Zinnauflösung angewendet werden könnte, oder wenn man, nach gemeinschaftlicher Anwendung des rothen Theiles mit dem bräunlich-gelben, den leztern von dem erstern zu trennen im Stande wäre, sey es durch Mittel, die man gebraucht, das Türkisch-Roth zu reinigen und zu erhöhen, oder durch jedes andere Mittel, welches weder dem Tuch, noch der Farbe Schaden zufügt. Da das Türkisch-Roth, das auf eine alaunhaltige Basis gefärbt ist, durch eine solche Reinigung oder Trennung an Lebhaftigkeit und Schönheit dem feinsten Cochenille-Scharlach, das auf eine Zinnbasis gefärbt worden ist, nahe gebracht werden kann, so hat man Grund zu schließen, daß bei Anwendung der leztern Basis eine Farbe, trefflicher als selbst der beste Scharlach, mittelst |74| einer solchen Reinigung erzielt werden könnte. Aber unglücklicher Weise ist die Anwendung der Zinnbasis weder auf Leinen noch Baumwolle thunlich, weil nur wenig Verwandtschaft zwischen ihnen und dem Zinnoxyd besteht; und wird diese Anwendung bei Schafwolle gemacht, so können die Mittel, durch welche die Krappfarbe auf Baumwolle hintendrein gereiniget wird, nicht angewendet werden, ohne die Schafwolle zu zerstören, wie dies bereits bemerkt worden ist.

Die Verwandtschaft des Krapps zur Schaafwolle ist so groß, daß, wenn beide in Wasser gethan und eine Stunde lang in der Bähhize gehalten werden, die Wolle eine volle, obgleich bräunlich-rothe Farbe einsaugt. Feines Tuch, eine halbe Stunde lang in Wasser gesotten, das nur sehr mäßig mit Schwefelsäure gesäuert war, und darauf unausgewaschen mit Krapp gefärbt, wird ein schönes Roth bekommen, welches, wenn es gleich weniger glänzend und weniger dauernd, als das auf alaunhaltige Basis gefärbte ist, dennoch Sonne und Luft zwei Monate lang ohne bedeutenden Nachtheil aushalten kann. Tuch, auf dieselbe Art in Wasser, das mit Salpeter- Salz- Weinstein- oder Citronensäure gesäuert wurde, behandelt und mit Krapp gefärbt, nahm rothe Farben von verschiedenen Schattirungen, aber fast von gleicher Dauer an. Diese Wirkungen waren mir ganz unerwartet. Leinen und Baumwolle nahmen jedoch bei derselben Behandlung und bei Anwendung derselben Mittel keine Farben an. Ein starker Beweis, daß die Verwandtschaft einiger Färbestoffe zu thierischen Stoffen größer ist, als zu Stoffen aus dem Pflanzenreiche.

Die merkwürdige Wirkung des Krapps, der seine rothe Farbe den Knochen, aber nicht den zartern Theilen der Thiere, mit deren Futter er vermischt worden ist, mittheilt, schien |75| eine bedeutende Anziehung zwischen der Kalkerde und dem Farbestoffe dieser Wurzel anzuzeigen. Ich wurde dadurch veranlaßt, die erstere als Basis für den leztern beim Schaf- und Baumwollenfärben anzuwenden; aber die Wirkung sagte meiner Erwartung nicht zu; denn weder frischgebrannter, noch kohlensaurer Kalk brachte, mit Krapp in Wasser vermischt, lebhaftere und dauerndere Farben hervor, als der Krapp allein. Aber feines Tuch in Wasser mit Kalk und Schwefelsäure in einem Verhältnisse, wodurch leztere neutralisirt wurde, gesotten und nachher mit Krapp gefärbt, nahm eine dauernde rothe Farbe an; doch war sie nicht so glänzend, als die auf alaunhaltige gefärbte.« So weit Hr. Bancroft über diesen wichtigen Gegenstand.

(Die Fortsezung folgt.)

|60|

Die von der Gesellschaft zur Aufmunterung des Nationalkunstfleißes zu Paris im Jahre 1817 wiederholt aufgegebene Preisfrage lautet, wie folgt: » Ein Verfahren zu entdecken, um die Wolle mit Krapp dauerhaft scharlachroth ohne Cochenille zu färben

Der Scharlach ist eine der glänzendsten, aber auch in manchen Hinsichten eine der am wenigsten dauerhaften Farben.

Der Krapp gibt der Wolle eine fast eben so glänzende, und in Hinsicht auf Dauerhaftigkeit eine der erstern vorzuziehende rothe Farbe.

Die Schaafwolle nimmt im Krappbad nur ein braunes, mehr oder weniger trübes Roth an; sie kann nicht, wie die Baumwolle, geschönt (avivirt) werden, weil sie durch die Wirkung des Kali, und durch langes Aufsieden in sehr hoher Temperatur, zersezt würde. Indessen ist der Gebrauch des Kali bei dieser Operation nicht unerläßlich, und man darf annehmen, daß es Mittel gibt, welche sich zum Schönen der Schaafwolle eignen.

Man mag entweder die Schaafwolle nach dem Färben schönen, oder vorher den ausziehbaren gelben (falben) Stoff, der im Krapp mit dem Purpurstoffe (fécule pourpre) vermischt ist, beseitigen, immer bleibt es gewiß, daß man die Schaafwolle mit Krapp glänzender färben kann, als es bisher geschehen. Es scheint, die Einführung der Cochenille in Europa sey der Vervollkommung jener Färberei im Wege gestanden. Die Versuche von Dambourney u.A., vorzüglich |61| jene, die 1808 Hr. Roard, damals Direktor der Färberei in der Manufaktur der Gobelins, veranstaltete, beweisen, daß man zur Lösung dieses Problems gelangen könne.

Die Kenntniß der Resultate, welche Hr. Roard mit Krapp auf Schaafwolle, nach den damals bekannt gewordenen Methoden, die man seitdem sehr im Großen für die Militär-Uniformen angewendet, erhalten hat, bestimmte die Gesellschaft im Jahre 1809, einen Preis auszusezen, den sie gegenwärtig wieder zum Concurs ausstellt. Im Jahre 1812 überreichten die Gebrüder Gonin, geschickte Färber, der eine zu Paris, der andere zu Lyon, Muster von gesponnener Schaafwolle und von Schaafwollentuch, welche sie nach ihrem Verfahren schön scharlachroth, blos mit Krapp, ohne Cochenille, gefärbt hatten. Die Gesellschaft fand sie dermaßen allen ihr bis dahin vorgelegten ähnlichen Mustern überlegen, daß sie jenen Künstlern eine goldene Medaille, 500 Fr. werth, als einen Beweis ihrer Zufriedenheit zuerkannte. Unglücklicher Weise zeigte die Erfahrung, daß die Farbe dieser Muster nicht die gewünschte Dauerhaftigkeit hatte.

Man darf gleichwohl annehmen, daß man durch Vervielfältigung dieser Versuche, und durch Abänderungen im Verfahren endlich dahin komme, auch diese wesentliche Bedingung zu erfüllen.

In dieser Hoffnung schlägt die Aufmunterungsgesellschaft, beseelt von dem Wunsche, den Verbrauch eines inländischen und so allgemein verbreiteten Farbematerials, als der Krapp ist, zu begünstigen, und zu den Fortschritten der Färbekunst |62| dadurch beizutragen, daß man einer der schönsten Farben auch den Werth der Dauerhaftigkeit verschafft, einen Preis von 6000 Fr. für denjenigen vor, der ein Verfahren ausfindig machen wird, der Schaafwolle mit Krapp ein eben so schönes Scharlach als mit Cochenille, von den dunkelsten bis zu den klärsten Schattirungen, zu geben. Diese Farben müssen aber von anerkannter Dauerhaftigkeit seyn, und, wie alle guten Farben, den Einwirkungen der Sonne und Luft widerstehen.

Die Gesellschaft verlangt nicht die Darlegung des Verfahrens, welches die Concurrenten angewendet haben mögen; aber sie verlangt, daß dies Verfahren in Gegenwart der von ihr ernannten Kommissäre wiederholt werde, damit diese sich überzeugen, daß die Schaafwolle blos mit Krapp ohne Zusaz von Cochenille gefärbt worden sey.

Die Muster sollten bis 1 Mai 1818 eingesendet werden; es scheint aber, daß dieser Termin weiter erstreckt worden sey.

|62|

Deutsche Uebersezung von A.F. Gehlen, Berlin 1806.

|67|

Es vergleicht sich: 1 Gramm mit 20,83 holländ. As, 1 Kilogramm mit 20830 holländ. As. Da das baierische Pfund 11647 holländ. As hat, so vergleichen sich 11647 Kilogramme mit 20830 baierischen Pfunden, oder 1 Kilogramm mit 1 Pfund 25,23 Loth baierisch. Ferner: da das Berliner Pfund 9750 holländ. As hat, so vergleichen sich 975 Kilogramme mit 2083 Berliner Pfund, oder 1 Kilogramm mit 2 Pfund, 4 Loth, 1,46 Quent Berliner Gewicht, wornach sich jeder wird leicht die Berechnung machen können.

|69|

Deutsche Uebersezung mit Anmerkungen und Zusäzen von Dingler und Kurrer. Nürnberg bei Schräg 818.

|70|

Unter Crop-Krapp wird der innere reine und glänzende Theil der Krapp-Wurzeln verstanden, was wir mit S.F. oder F.F. bezeichnen.

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