Titel: Wilson über Verbesserung der Zuckersiederei.
Autor: Wilson, Daniel
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. V. (S. 76–91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001005

V. Ueber gewisse Verbesserungen bei dem Verfahren der Zuckersiederei und der Raffinirung des Zuckers.

Von Daniel Wilson in London, Earl Street. D. 3 Hornung 1818, worüber er ein Patent erhielt.11)

Mit Anmerkungen und einem Zusaze vom Herausgeber.

Ich Daniel Wilson erkläre, daß meine Erfindung in folgender Beschreibung angegeben ist, nämlich:

Der ausgepreßte Saft aus dem Zuckerrohr enthält zugleich mit dem Zuckerstoff eine Menge anderer Substanzen, welche die Krystallisation des Zuckers hindern, und, indem sie demselben theilweise anhängen, ihn zugleich verunreinigen. Dieser Beimischung fremder Ingredienzien ist es vorzüglich zuzuschreiben, daß der Saft aus dem Zuckerrohr eine so große Neigung besizt in Säure überzugehen; denn sie wirken als ein künstliches Ferment, und das, was von ihnen dem Rohzucker anhängt, fährt fort auf eine ähnliche Weise zu wirken, indem es allgemein bekannt ist, daß eine Auflösung von Rohzucker weit leichter in Säure übergeht, als ein Syrup von gleicher Sättigung, der aus raffinirtem Zucker erzeugt wurde. Es wird daher ein Gegenstand von Wichtigkeit sowohl bei Erzeugung des Rohzuckers in den Kolonien |77| als bei Raffinirung desselben, die Natur jener schädlichen Ingredienzen zu bestimmen, und durch chemische Mittel ihre Scheidung ohne Nachtheil des Zuckerkerns zu bewirken.

Ich finde es für die Beschreibung meiner Erfindung unnöthig, hier über die Bestandtheile des Saftes des Zuckerrohres oder des Rohzuckers im Allgemeinen mich einzulassen; ich beschränke meine Bemerkungen auf jene Substanzen, welche vorzüglich nachtheilig sind, und deren Trennung ich bewirke.

Der Saft des Zuckerrohres und die Auflösung von Rohzucker enthalten zwei verschiedene Arten von Unreinigkeiten, eine chemische und eine mechanische, d.h., leztere besteht blos aus Theilchen zerstampften Zuckerrohres, die in der Flüssigkeit schwebend erhalten, und auf eine mechanische Weise, nach welcher es auch gewöhnlich geschieht, von derselben getrennt werden; erstere aber, welche wirklich aufgelöst, und in inniger Verbindung mit derselben ist, kann nur durch chemische Kraft beseitiget werden, und für diese, für deren Entfernung bisher noch kein Mittel angegeben werden konnte, ist meine Erfindung berechnet. Ich bewerkstellige dies durch Zusaz gewisser in der Folge zu beschreibenden Substanzen, welche sich mit den chemischen Unreinigkeiten des Saftes des Zuckerrohres oder Rohzuckers verbinden, mit denselben eine unauflösliche Mischung bilden, und sie hierdurch in den Zustand mechanischer Unreinigkeiten versezen, welche man durch Seihung davon entfernen kann.

Eine dieser chemischen Unreinigkeiten, die zugleich die häufigste ist, nähert sich ihrer Natur nach demjenigen, was die Chemiker Extractiv-Stoff nennen; die andern sind Gärbestoff und Gallussäure, deren Daseyn im Safte des Zuckerrohres und im Rohzucker ich entdeckt habe. Diese Substanzen besizen die Eigenschaft mit Zinn- und Zink-Salzen und |78| Oxyden unauflösliche Zusammensezungen zu bilden; und dieser Theil meiner Erfindung besteht in dem Zusaze einer gewissen Menge dieser Ingredienzen zu dem Safte des Zuckerrohres oder der Zuckerflüssigkeit bei dem Raffiniren, wodurch die Farbe und die Leichtigkeit der Krystallisation des Zuckers gewinnt. Eine Auflösung von Zinn oder Zink in irgend einer Säure besizt die Eigenschaft, diese Unreinigkeiten zu coagulieren; ich ziehe aber jene in Schwefelsäure vor, aus dem Grunde, weil sie mit Kalk eine unauflösliche Mischung bildet, wodurch es möglich wird, sie zugleich mit dem Oxyde, das mit Gärbestoff und Gallussäure verbunden ist, aus der Flüssigkeit vollkommen zu entfernen.

Ich ziehe ferner in dieser Hinsicht die Auflösung des Zinkes in Schwefelsäure vor, welche den sogenannten Zinkvitriol gibt; und damit man die Methode, denselben zu gebrauchen, gehörig verstehen möge, will ich hier das Verfahren beschreiben: erstens, beim Verfeinern des Zuckers, und zweitens bei dem Gewinnen desselben aus dem Rohre. Bei dem erstern Verfahren wird die Pfanne mit starkem Kalkwasser gefüllt, der Zucker in dasselbe auf die gewöhnliche Weise eingetragen, und das Feuer angeschürt. Auf jeden Centner gewöhnlichen Zuckers kommt eine Auflösung von vier Unzen schwefelsauren Zinks12) in so wenig Wasser, |79| und ein starker Kern gefordert wird, nehme ich eine Unze gepulverten Kalkes auf jede vier Unzen schwefelsauren Zinkes, und seze demselben eine hinreichende Menge Wasser zu, um das, was man Kalkmilch nennt, zu bilden, und diese mische ich mit dem Zucker in der Pfanne gehörig, ungefähr fünf Minuten, nachdem die Zinkauflösung beigemischt wurde.

Einer der Hauptvortheile des Gebrauches dieser Ingredienzen besteht darinn, daß, während sie eine große Menge vegetabilischen Stoffes, welche die Zucker-Auflösung enthält, unauflöslich machen, sie diese leztere eines großen Theiles ihrer Viscidität befreien, und einer schnellen Durchseihung fähig machen, so daß sie, ohne Zusaz von Blut, vollkommen klar hergestellt werden kann. Die Menge des Schaumes wird dadurch bedeutend vermindert, und die Neigung zur Fäulniß, welche der thierische Stoff dem Syrupe mittheilt, wird gleichfalls vermieden. Diese Ingredienzen werden mit vielem Vortheile bei Raffinirung des Zuckers in Verbindung mit jenem Filtrier-Apparate angewandt, auf |80| als zu seiner gehörigen Auflösung nöthig ist. Wenn der Zucker in der Pfanne ganz zergangen ist, wird die Auflösung von schwefelsaurem Zinke zugesezt, und das Ganze gut umgerührt. Es wird dann eine wechselseitige Zersezung statt haben; das Zink-Oxyd wird sich mit dem Gärbestoffe und der Gallussäure verbinden, und dieselben unauflöslich machen, und die Schwefelsäure wird neutralisirt und durch den Kalk des Kalkwassers als schwefelsaurer Kalk niedergeschlagen werden, so daß durchaus nichts von dem schwefelsauren Zink in der Auflösung zurückbleibt.

Es ist in dem zur Auflösung des Zuckers angewandten Kalkwasser eine größere Menge Kalkes, als hinreichend ist die Schwefelsäure des schwefelsauren Zinkes zu neutralisiren; wenn aber der angewandte Rohzucker viele Säure enthält, |81| welchen Hr. John Sutterland neulich von Sr. Majestät ein Patent erhielt;13) wenn man sich dieses Apparates bedient, wird die Zucker-Auflösung, nachdem sie auf die bisher beschriebene Weise behandelt wurde, auf den Siedpunkt erhizt und durchgeseihet, wodurch sie vollkommen klar wird, und dann zur Probe gesotten.

Dieß ist die Art und Weise, den schwefelsauren Zink zu gebrauchen; in Fällen aber, wo der Gebrauch des Kalkwassers Ausnahme erleidet, schlage ich vorläufig das Zinkoxyd nieder, und bediene mich desselben in diesem Zustande. Dieses Oxyd kann durch Zersezung aus irgend einem Zinksalze mittelst Pottasche, Soda oder Kalk bereitet werden; allein es ist höchst nöthig, daß es sehr fein zertheilt werde, und ich ziehe folgendes Verfahren bei Bereitung desselben vor. Man bereite eine Menge Kalkwasser, und seze nach und nach demselben und solange eine Auflösung von schwefelsaurem Zinke zu, als noch Niederschlag sich erzeugt: wenn dieser aufhört, lasse man die unauflösliche Materie zu Boden fallen, und ziehe das Wasser ab. Man seze dann neuerdings Kalkwasser zu, und wieder schwefelsauren Zink, bis soviel zersezt ist, als man braucht. Es muß hierbey Acht gegeben werden, daß man nicht mit dem Zusezen des schwefelsauren Zinkes noch fortfahre, wenn er aufhört einen Niederschlag zu erzeugen. Man erkennt dieß daran, daß zugeseztes Kalkwasser trübe, oder Curcuma-Papier (turmeorie paper) nicht mehr braun wird. Ich bediene mich in diesem Falle derselben Verhältnisse, wie in dem vorigen, indem ich vier Unzen von dem niedergeschlagenen Zinkoxyde auf jeden Centner Zucker rechne, und dieselben genau auf die vorige Weise in die Pfanne eintrage und gehörig mische. Man |82| erhizt sie gleichfalls bis zum Siedpunkte, und kann sie dann mit derselben Leichtigkeit durchseihen.

In den Zuckersiedereien der Kolonien sollte man auf jedes Hundert Gallonen Saft des Zuckerrohres acht Unzen schwefelsauren Zinkes rechnen, und je früher diese dem Safte zugesezt werden, desto besser. Der gewöhnliche Zusaz von Kalkwasser kann dann in einigen Minuten darauf beigemischt werden. Die Menge dieses Zusazes muß in dem Verhältnisse von zwei Unzen Kalk auf hundert Gallonen Saftes vermehrt werden, damit die Säure des schwefelsauren Zinkes gesättiget werde; Erfahrung wird übrigens den Sieder bald in den Stand sezen, das gehörige Verhältniß zu treffen. Eine zweckmäßige Methode, durch schnelles Durchseihen den Saft des Zuckerrohres gehörig zu reinigen, ist bisher noch immer sehr wünschenswerth geblieben; der obenangedeutete Apparat in Verbindung mit der Wirkung dieser Ingredienzen scheidet vollkommen jedes in dem Safte schwebende Theilchen, so daß die Güte des Zuckers dadurch bedeutend verbessert wird. Der Saft des Zuckerrohres muß nach dem Zusaze des schwefelsauren Zinkes und des Kalkwassers in dem Klärer beinahe bis auf den Siedpunkt erhizt, und dann durch den Seiher in die Kessel (troches) zum Sieden gebracht werden.

Bei der Rohzucker-Erzeugung, wo stets ein Ueberschuß von Kalk in der Flüssigkeit vorhanden seyn sollte, wird schwefelsaurer Zink mit dem höchsten Vortheil angewendet; aber auch das Zinkoxyd kann gebraucht werden, nachdem es auf die obenbeschriebene Weise bereitet wurde, und zwar in den dort angegebenen Verhältnissen. Alles dasjenige, was in Bezug auf schwefelsauren Zink und Zinkoxyd oben erkläret worden ist, gilt auch von Zinnauflösungen und Zinnoxyden, insbesondere aber von schwefelsaurem Zinne: ich nehme aber im Allgemeinen die Anwendung der Auflösungen und Oxyde des Zinnes und des Zinkes in Anspruch, um dadurch den |83| Färbestoff und die auflöslichen Unreinigkeiten aus dem Safte des Zuckerrohres und aus den Auflösungen des Zuckers zu entfernen, dadurch die Farbe desselben zu verbessern, die Viscidität zu vermindern, und ihn einer schnellen Reinigung durch Durchseihung fähig zu machen.

Bei dem Sieden, wie bei dem Raffinieren des Zuckers, ist es von der höchsten Wichtigkeit, daß die Verdünstung schnell von statten gehe, ohne daß dadurch der Zuckerstoff angebrannt oder zersezt werde. Um dieses zu Stande zu bringen, erhielt ich von Sr. königl. Majestät ein Patent auf gewisse Verbesserungen bei dem Prozesse des Zuckersiedens und Raffinierens vom 23 Jäner 1817. Diese Methode besteht darinn, daß die zum Sieden und Verdünsten des Zuckers nöthige Hize durch einen Strom einer erhizten Flüssigkeit erzeugt wird, welcher unter und an den Seiten der Pfanne umherläuft, in welcher der Zucker gesotten und verdünstet werden soll. Die Flüssigkeiten, welche ich gebrauche, um die Hize umher zu leiten, sind: Wallfischthran, Wallrath oder Thran von Stockfischen, Seehunden, Häringen, Piltschen (Pilchards), oder irgend einem andern Fische, Lein- Reps- Hanf- Baum- Nuß- Palmen- Sonnenblumen- Mohnsamen-Oel, Biberfett, Talg, Butter, Schmeer, thierisches Fett und Wachs. Die Pfanne, in welcher der Zucker gesotten wird, besteht aus zwei metallnen Gefäßen, wovon eines in dem andern so steckt, daß zwischen beiden ein kleiner Raum übrig bleibt. Sie werden ohne Feuer unter denselben aufgestellt. Die äußere Pfanne steht durch Pipen oder Röhren mit einem Siedekessel in Verbindung, in welchem die zur Leitung der Hize nöthige Flüssigkeit erhizt wird, und die Verdünstung geschieht durch einen Strom erhizten Oeles oder fetter Materie, welcher, mittelst einer Pumpe, aus dem Gefäße, worin diese Materie erhizt wird, in den Zwischenraum zwischen beiden Pfannen gelangt, aus welchem |84| sie wieder in den Siedekessel zurückfließt, um dort neuerdings gehizt zu werden, wie es in besagtem, in der königl. Hofkanzlei, einregistrirtem Patente umständlich beschrieben ist. An diesem Apparate ist die Oberfläche, auf welcher die Hize aus dem Oele oder fettigen Mittel hingeleitet werden kann, durch die Fläche der inneren Pfanne begränzt, und in einigen Fällen wird eine noch schnellere Verdünstung erfordert.

Die Verbesserung, welche ich an diesem Apparate machte, und welche ich hier beschreibe, besteht darinn, daß ich die erhizte (und erhizende) Flüssigkeit in Pipen oder Röhren anwende, welche von den zu erhizenden oder zu verdünstenden Flüssigkeiten umgeben sind, so daß durch Vermehrung der Zahl der Pipen oder Röhren jeder Ausdehnungsgrad einer hizenden Oberfläche erhalten, und die Schnelligkeit der Verdünstung in demselben Verhältnisse erhöht werden kann.

In diesem verbesserten Apparate befindet sich der Zucker in einer einzelnen Pfanne, an deren Boden innerhalb eine Ring-Pipe angebracht ist, und diese Pipe steht an beiden Enden mit dem Siedekessel in Verbindung, in welchem die erhizende Flüssigkeit geheizt wird. Wenn an einem dieser Ende eine Kraftpumpe so angebracht ist, daß, während sie spielt, das erhizte Oel durch die Ringpipe durchgejagt wird, so wird, indem diese von der abzudampfenden Flüssigkeit gänzlich umgeben ist, die Hize des Oeles schnell eingesogen, und dieses kommt durch das andere Ende der Pipe in einer niedrigeren Temperatur wieder in den Siedekessel zurück, um auf diese Weise neuerdings gehizt zu werden, und so die Oberfläche der Pipe zu vergrößern. Die Schnelligkeit der Verdünstung kann, ohne alle Gefahr, daß der Zucker dabei litte, sehr bedeutend erhöhet werden. Ich ziehe für den Siedekessel, |85| in welchem das Oehl erhizt werden soll, geschlagenes Eisen und verzinntes Kupfer, oder auch nur Zinn für die Röhren vor, durch welche dasselbe geleitet wird.

Urkunde dessen etc.

Zusaz des Herausgebers.

Da es unsern Lesern angenehm seyn wird, auch die leztere Verbesserung in der Zuckerraffinerie, welche das voranstehende Patent zur Folge hatte, kennen zu lernen, so theilen wir sie hier mit. Diese Verbesserung gehört Hr. Howard zu, und hat den Hrn. Dr. Thomson zum Berichterstatter, welcher in dem Septemberhefte seiner Annals of Philosophy von 1816 einen Entwurf dieser Verfahrungsart, den Zucker zu raffiniren, mittheilt. Die nicht unwichtigen Vorzüge, welche Thomson diesem Verfahren, das er im Großen anwenden sähe, zugesteht, müssen uns die Beschreibung desselben, wenn sie gleich noch vieles zu wünschen übrig läßt, interessant machen. Er sagt davon Folgendes.

Der rohe Zucker wird mit einer geringen Menge Wasser in einem flachen kupfernen Kessel, den man durch Wasserdämpfe erwärmt, gemischt. Hierauf bringt man die Mischung in irdene Töpfe, um den Zuckersyrup ablaufen zu lassen. Um ihn vollkommener zu scheiden, gießt man, statt der Thonbedeckung mit Wasser, eine koncentrirte Zuckerauflösung auf die in den Töpfen enthaltene Masse. Auf diese Weise scheidet man ohngefähr 10 Pfund Syrup von jedem Centner Zucker, wogegen die gewöhnlichen Raffinirer 30 Pfund Syrup von derselben Menge Zucker erhalten.

Der so vom Syrup geschiedene Zucker wird nun durch Wärme von Wasserdämpfen aufgelöst, nachdem man ihn vorher mit einer Alaunauflösung vermischt hat, der man soviel |86| reinen Kalk zusezt, als zur Sättigung der Säure des Alauns nöthig ist,14)und ohne daß der weiße Niederschlag, der dabei entsteht, die Farbe des Curcuma-Papiers verändere. Auf einen Centner Zucker sind 2 Pfund Alaun nöthig. Ist die Zersezung des Alauns bewirkt, und das Ganze während des Erwärmens fleißig umgerührt worden, so wird die noch warme Auflösung filtrirt, um die Uneinigkeiten zu entfernen. Vor dem Filtriren ist der Syrup schwarz und undurchsichtig, nach demselben aber durchsichtig und bernsteinfarbig.

Die Filtrirmaschinen bestehen aus kupfernen Rahmen, welche unten mit Löchern versehen sind, woran starker russischer Kanevas befestiget wird. Es sind deren 50 in einem Filtrirgefäße, weil es nöthig ist, daß diese Operation mit Sorgfalt vorgenommen werde.

Der filtrirte Syrup wird nun in den Siedekessel gebracht, um ihm durch Verdünsten eines Theils des Wassers den gehörigen Grad der Koncentration zu geben. Es scheint, daß bei dem gewöhnlichen Verfahren die Temperatur, welcher die Zuckerauflösung während des Abdampfens ausgesezt ist, einen Theil des Zuckers in Syrup verwandele. Bei dem Verfahren des Hrn. Howard sind die Abrauchkessel kupferne Sphäroide (von länglicher Kugelform), und stehen mit einer Luftpumpe, die während der ganzen Operation im Gang erhalten wird, in Verbindung. Auf diese Art kann |87| man jeden einzelnen Kessel luftleer machen, und die darinn; enthaltene Flüssigkeit bei so niederem Grade der Temperatur ins Kochen bringen, daß man nicht den geringsten Zuckerverlust zu besorgen hat. Das innere elastische Fluidum ist so sehr verdünnt, daß es nur eine verhältnißmäßige Spannung von 1 bis 4 Zoll Barometer Höhe behält. Jeder Kessel ist mit einem Thermometer und einer Quecksilberprobe versehen, wornach man den Fortgang der Arbeit beurtheilen kann; auch hat man dabei einen besondern Mechanismus angebracht, durch den man Proben herausnehmen kann, um sich, wie gewöhnlich, von der Beschaffenheit des Syrups, ob er hinreichend gekocht ist, zu überzeugen.

Der koncentrirte Syrup kommt hierauf in ein offenes kupfernes Gefäß, um körnig zu werden. Dies leztere geschieht dadurch, daß man zuerst die Temperatur des Syrups durch das Dampfbad bis zu 82° erhöht, und ihn hernach wieder bis auf 65° (nach der 100theiligen Scale) erkalten läßt. Man gießt ihn hierauf in gewöhnliche irdene Formen, um ihn in Brode zu gestalten. Ist er sodann erkaltet, so läßt man die unkrystallisirbare Flüssigkeit ablaufen, und gießt oben darauf eine neue Quantität von koncentrirter Zuckerauflösung. Auf diese Weise scheidet man den gelben Syrup vollkommen ab, wobei an der Spize des Brodes nur wenig Syrup zurückbleibt, der leicht durch ein zu diesem Zwecke vorgerichtetes Instrument abgesondert wird. Der Zucker kann nun in den Handel gegeben werden. Hr. Professor Schweigger, welcher im Jahr 1816 in London war, gibt uns über das Howardische Verfahren, den Zucker zu raffiniren, noch folgende Ansicht:

»Zwei Vortheile sind es, welche man bei dieser Verfahrungsart zu erreichen trachtet:

A. Daß so wenig als möglich unkrystallisirbarer Zucker sich bei dem Kochen der Zuckerauflösung bilde.

|88|

Zu diesem Zwecke sucht man

a. die ungleichmäßige Erhizung der Masse zu vermeiden.

Dieß ist der Grund, weswegen in Kesseln mit doppeltem Boden durch Hülfe einströmender Dämpfe gekocht wird. In einer Zuckerraffinerie zu London, bei welcher schon früher (ehe Howard sich für diesen Gegenstand interessirte,) auf diese Art gearbeitet wurde, ist jedoch großes Unglück entstanden, indem der Dampfkessel zersprang und die Mauer des Hauses auf die Gasse hinauswarf. Eben daher kann bei Fabriken, wo man mit unvorsichtigen gemeinen Arbeitern zu thun hat, diese Verfahrungsart nicht empfehlungswerth scheinen. (Bedient man sich eines Dampfapparates, wie wir in unserer Schrift über die Benuzung der Wasserdämpfe Seite 112 erwähnten, so ist die Arbeit ganz gefahrlos, und gewährt sehr große Vortheile.) Welche mannigfaltige Operationen auf die leichteste Art durch die Heizung der Kessel mit Dampf in dem kleinsten Raum ausgeführt werden können, ist besonders in der Apothekaries Hall zu London (auch in den öffentlichen Anstalten und in mehreren Fabriken in Augsburg) recht schön zu sehen, wovon bei einer andern Gelegenheit die Rede seyn wird. Der Dampf braucht nicht viele Grade heißer als bei dem gewöhnlichen Luftdrucke des kochenden Wassers zu seyn, und doch werden dadurch die größten Kessel in der kürzesten Zeit zum Sieden gebracht. Vom Anbrennen irgend eines Stoffes (und von Zersezung des Zuckers) kann natürlich nie die Rede bei diesem Prozesse seyn. Daher eignet sich dieses Verfahren vorzüglich zur Gewinnung von destillirtem Wasser, das in Zuckerraffinerien große Vortheile gewährt.

Außerdem sucht man bei diesen Zuckerraffinerien, eben weil gefunden wurde, daß dadurch mehr krystallisirbarer Zucker zu gewinnen ist.

|89|

B. Die Abdampfung theils zu beschleunigen, theils sie bei einem möglichst niedrigen Hizgrade vorzunehmen.

Hierzu dient eine beständig in Bewegung erhaltene Luftpumpe vortrefflich. Denn man weiß, bei welchen geringen Wärmegraden unser vermindertem Luftdrucke das Kochen beginnt.

Noch ein anderer Gesichtspunkt wird bei dem von Howard empfohlenen Verfahren ins Auge gefaßt, nämlich:

b. den Syrup so schnell als möglich voll dem in den Formen krystallisirten Zucker zu trennen.

Bekanntlich bedient man sich zu diesem Zwecke der Deckung mit Thon. Diese Arbeit ist aber ziemlich langweilig. Sie abzukürzen, kann man eine Zuckerauflösung anwenden, nämlich eine solche, die mit krystallisirbarem Zucker gesättigt ist. Wird diese durch eine hiezu zweckmäßige Vorrichtung auf den in den Formen krystallisirten Zucker, zwischen dessen Theilen sich noch Syrup befindet, getröpfelt, so wird in kurzer Zeit aller Syrup ausgewaschen, indem dafür das Wasser den krystallisirbaren Zucker, der darinn aufgelöst war, absezt.

Ich hatte Gelegenheit, eine unserer deutschen Zuckerraffinerien zur Wiederholung dieses Verfahrens zu veranlassen. Es gelang vollkommen. Doch wurde die Bemerkung gemacht, daß der krystallisirende Zucker bei dieser schnelleren Auswaschung des Syrups mindere Festigkeit erhalte, als bei der langsameren Auswaschung durch die Deckung mit Thon. Dies scheint auch mit anderen bei der Krystallisation gemachten Wahrnehmungen ganz übereinzustimmen. Hier will ich noch eine Bemerkung anderer Art beibringen. Es wird bei dem Raffiniren des schon mehrmals zuvor mit Kalkwasser behandelten Zuckers doch immer wieder neues Kalkwasser zugesezt. Welche Säure soll denn dadurch hinweggenommen werden? In dieser Hinsicht ward schon bewerkt, |90| daß es scheine, als werde durch das Kochen der Zuckerauflösung selbst eine Säure gebildet.15)Indeß könnte es auch wohl seyn, daß man darum, weil bei dem Zusaze von Kalkwasser zur Zuckerauflösung in der Kochhize Flocken ausgeschieden werden, den Zusaz des Kalkwassers für nöthig hält in den Zuckerraffinerien, um eine noch etwa vorhandene vegetabilische Säure zu entfernen. Jedoch auch im reinsten Zuckerwasser entsteht durch Kalkwasser bei Kochhize ein Niederschlag, indem nämlich Kalkzucker zu den Körpern gehört, welche durch Hize in den festen Zustand übergehen (gerinnen), und durch Erkältung wieder schmelzen, von denen ich in der Abhandlung »über einige noch unerklärte chemische |91| Erscheinungen« (in dessen Journal für Chemie und Physik B. 5. S. 49.) mehrere anführt. In dieser kleinen Abhandlung habe ich auch schon der Eigenschaft des Kalkzuckers, in heißer Auflösung zu gerinnen, erwähnt. Diese Eigenschaft dürfte wohl in den Zuckerraffinerien nicht unbeachtet bleiben, und wir könnten also zur Untersuchung derselben durch einen praktischen Zweck anreizen. Wer jedoch die Wissenschaft selbst liebt, der verlangt solchen Nebengewinn nicht, sondern weiß, daß dergleichen Vortheile, wenn wir nur dem Wahren überhaupt nachstreben, wohl am Ende von selbst zufallen.«

Wörtlich übersezt, mit Hinweglassung des Juridischen, aus: Specification of the Patent granted to Daniel Wilson, of Earl Street, London, Gentleman; for certain Improvements in the Process of Boiling and Refining Sugar. Dtd. Febr. 3. 1818. in The Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. N. CCI. Second series. Febr. 1819. p. 134.

|78|

Der Zinkvitriol oder schwefelsaure Zink ist eine Verbindung von Zinnoxyd und Schwefelsäure. Im Handel kommt solcher unter dem Namen weißer Vitriol oder weißer Galizenstein, als eine trockne weiße Salzmasse vor, welche dem Hutzucker in Form und Festigkeit gleicht, und so in Goslar gewonnen wird. Zu diesem Zweck ist aber dieses schwefelsaure Zink nicht wohl geeignet, indem es ziemlich viel Eisenoxyd, zuweilen auch Kupfer und sonstige fremdartige Beimengungen enthält, und dem Reinigen des Zuckers nachtheilig werden kann. |79| Das schwefelsaure Zink, das als ein reines Salz angesehen werden soll, muß unmittelbar aus metallischem Zink und reiner Schwefelsäure dargestellt werden. Im Kleinen verfährt man dabei auf folgende Art. Man tröpfelt in 6 Pfund Wasser, welches man in einen Glaskolben gießt, nach und nach 1 Pfund koncentrirte Schwefelsäure (Vitriolöl). In diese Säure kommen dann von Stunde zu Stunde jedesmal ohngefähr 2 Loth von gekörntem Zink, welches sich sehr leicht unter Entwicklung von Wasserstoffgas (sogenannter brennbarer Luft) darinn auflöset. Man fährt so lange auf diese Weise fort, bis die Säure mit Zink ganz gesättigt ist, und sich kein Zink mehr auflöset, wozu ohngefähr 40 Loth erforderlich seyn werden. Der Kolben wird hierauf in ein Sandbad gesezt, und das Ganze bis zur Hälfte verdunstet; ist dies geschehen, so gießt man die wasserklare Flüssigkeit noch warm von dem sich zu Boden gesezten schwärzlichen Pulver in steinerne Schüsseln ab, und stellt sie bedeckt an einen kühlen Ort zur Krystallisation, wo nun das schwefelsaure Zink in dünnen säulenförmigen Krystallen daraus anschießt. Man läßt sodann die Flüssigkeit ablaufen, schwenkt mit etwas wenigem Wasser die Krystalle ab, und trocknet sie |80| auf Papier. Sämmtliche Flüssigkeiten kann man noch einmal verdampfen, und das schwefelsaure Zink sich gänzlich daraus krystallisiren lassen. Im Großen verfährt man umgekehrt, indem man in ein hohes hölzernes Gefäß ungefähr 100 Pfund gekörntes Zink bringt, daran 300 Pfund Wasser gießt, und nach und nach 50 Pf. koncentrirte Schwefelsäure hinzugibt, alsdann aber die Flüssigkeit durch Wasserdämpfe, welche man von einer Art Destillierblase (Dampfapparat) mittelst eines Bleirohrs hineinströmen läßt, am Sude erhält. Die Flüssigkeit wird hierauf durch einen Spizbeutel von Filz in hölzerne Gefäße filtrirt, und zur Krystallisation verkühlt. Hier ereignet es sich zuweilen, daß man von einer Krystallisation zwei- drei- bis viererlei Krystalle erhält. Wer sich mit der Erzeugung des schwefelsauren Zinks nicht befassen will, der kann bei mir den Centner zu 70 fl. in schönen Krystallen, vollkommen neutral, beziehen. Dingler.

|81|

Wir werden diesen Apparat in der Folge mittheilen. Dingler.

|86|

Es soll hier nicht blos die freie Säure des Alauns, wie zwei deutsche Uebersezungen irrig sagen, neutralisirt, sondern die sämmtliche Säure dieses Salzes an den Kalk gebunden und die Thonerde des Alauns ganz abgeschieden werden. Bei der Fällung der Thonerde und gleichzeitigen Bildung des Gipses verbinden sich mit ersterer die farbigen und schleimigen Theile des Rohzuckers, und lezterer begünstigt durch seine Schwere die mechanische Abscheidung dieser Theile.

|90|

Da die Säure, welche ursprünglich in dem Safte des Zuckerrohrs enthalten ist, nur sehr wenig beträgt, so kann der oft wiederholte Zusaz von Kalk und kalischen Substanzen beim Versieden des Zuckersaftes und Läutern des Zuckers unmöglich den Zweck haben, die Säure zu sättigen. Du Trone meint daher, daß diese Substanzen sich mit den Rückbleibseln des leimigen Sezmehles verbinden, und sie dadurch unauflöslich machen. Diese Erklärung scheint jedoch nicht hinreichend zu seyn, den Nuzen jener Zusäze in das nöthige Licht zu sezen, indem der angeführte Bestandtheil nicht in so großer Menge vorhanden seyn möchte, um den so oft wiederholten Zusaz jener Substanzen nothwendig zu machen. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß während der ganzen Dauer jener Operation durch die Einwirkung des Feuers eine Säure erzeugt werde, welche wieder hinweggeschaft werden muß, wenn die Arbeit gelingen soll. Chemisches Wörterbuch von Klaproth und Wolf. Bd. 5. S. 800. In einem Supplemente dieses Werkes heißt es ferner: die Säure, welche der Zusaz von Kalk sättigt, scheint in größerer Menge in dem nicht völlig reifen Zuckerrohr enthalten zu seyn, und sich mit dem Reifen desselben zu vermindern. Hr. Thomson erfuhr von seinem Freunde Dr. Clarke auf Dominika, daß die Menge von Kalkerde, welche zugesezt |91| werden muß, bedeutend vermindert werden könne, wenn das Rohr reich an Zucker und reif ist; was aber nicht statt findet, wenn es noch unreif ist, oder einige Zeit in den Vorrathshäusern gelegen hat, überhaupt wenn es erst nach einiger Zeit, nachdem es eingeärntet worden, auf die Mühle gebracht wird. Er fand, daß der Saft aus reichem Zuckerrohre (rattooncane) ohne allen Zusaz von Kalk beständige Zuckerkrystalle gab. Er machte den Versuch, anstatt des Kalkes Kali anzuzuwenden, fand aber, daß der auf diesem Wege erhaltene Zucker an der Luft zerfloß. Natrum machte das Korn fester, allein kleiner als gewöhnlich. Aus diesen Thatsachen findet Thomson es wahrscheinlich, daß die in der Melasse enthaltene Säure entweder Essigsäure oder Zitronensäure sey. Den Erfahrungen von Dr. Clarke zufolge, scheint sie weder Kleesäure noch Weinsteinsäure, noch Aepfelsäure seyn zu können. Man sehe: Thomson's System of Chemistry, the fifth edition, Vol. IV. p. 17.

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