Titel: Voit über die Bedeckung der Gebäude mit Metallblechen.
Autor: Voit, Richard Jakob August
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. VI. (S. 92–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001006

VI. Einige Worte über die Bedeckung der Gebäude und über Dächer von Messingblech.

Mit Abbildungen. Tab. II.

Vom k. b. Kreisbauinspektor Voit in Augsburg.

Nebst einem Zusaze des Herausgebers.

Wenn der Grundbau die erste Sorge des Architekten verlangt, so gebührt der Bedeckung seines Gebäudes die zweite. Zur Erhaltung eines Bauwerkes ist wohl nichts nothwendiger, als eine dauerhafte Bedachung, welche das ganze Gebäude gegen die Einwirkung der Witterung, bei den wenigsten Reparaturen, auf längere Zeit vollkommen sichert.

Es ist hier die Rede nicht von der Holzverbindung, oder von dem Dachstuhle, sondern von dem Materiale, welches angewendet wird, die äußere Fläche dieses Gerüstes zu bedecken.

Dabei aber leidet es keinen Widerspruch, daß die Form des Dachstuhls sich nach dem Materiale richten muß, welches zur Eindeckung gebraucht wird; ein Kalksteinschieferdach z.B. muß eine ganz andere Form haben, als ein Ziegeldach. Auch das Klima kommt in Betracht bei der Form, welche man dem Dachstuhle gibt, und in südlichen Ländern können die Dächer viel flächer gelegt werden, als in nördlichen. In vielen Fällen ist man aber auch zu einer gewissen Form des Daches unvermeidlich gezwungen, wenn man z.B. nicht Höhe genug für ein gemeines Dach hat; ein solcher Umstand bestimmt dann den Baumeister, nach einem dauerhaftern Deckungsmateriale zu greifen, das bei flachen Dächern angewendet werden kann.

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In den meisten Fällen, vorzüglich bei landwirthschaftlichen Gebäuden, wird dem Baumeister zur Pflicht gemacht, das Gebäude so wohlfeil als möglich aufzuführen, und der kameralistische Architekt wird diese Aufgabe nie aus dem Auge verlieren. Dabei wird aber selten bedacht, daß nicht immer das Wenigstkostbare auch das Wohlfeilste ist. Will der Baumeister eine kostbare Konstruktion, ein theures Materiale in Anwendung bringen, so sind tausend Stimmen gegen ihn, ohne die Sache gründlich untersucht und erwogen zu haben. Man sollte dagegen nicht nur den Ankaufspreis, sondern auch die Dauerhaftigkeit des anzuwendenden Materials und den positiven Werth, den dadurch das Gebäude erhält, in Anschlag bringen, und nicht übersehen, daß auf diese Weise viele und kostbare Reparaturen in der Zukunft erspart werden können.

Wer nur für seine eigene Lebensdauer, oder für den Genuß des Augenblicks schaffen will, der braucht freilich nicht so sorgfältig in der Wahl seiner Baumaterialien zu seyn, wie der, welcher seine Schöpfung auf seine Nachkommen zu bringen wünscht. Daher erwägt der denkende Baumeister immer alle Umstände, und wenn ihn unvermeidliche Sparsamkeit zu den wohlfeilsten Materialien nöthiget, so wird er allemal den haltbarsten, obgleich theurern, den Vorzug geben, indem er die längere Dauer seiner Bauwerke und die Ersparniß an Reparaturen in Rechnung bringt.

Mit solchen Ueberlegungen sollte man sowohl in der landwirthschaftlichen, als in der schönen Baukunst zu Werke gehen, um überall, wo es seyn kann, das Beste und Dauerhafteste zu seinen Zwecken zu wählen. Verdient unläugbar die Bedeckung unserer Gebäude alle unsere Sorgfalt, so müssen wir uns auch mit den dazu erforderlichen Materialien bekannt machen; und tritt dann die Nothwendigkeit gebieterisch auf, uns zur Anwendung wohlfeiler Stoffe zu bestimmen, |94| so können wir doch unter diesen die vortheilhaftesten wählen.

Die bekanntesten, und bei uns gebräuchlichen Deckungsmaterialien sind folgende: Rohr, Stroh, und dieses mit Lehm gegen Feuergefahr gesichert, Lehmschindeln. Nur bei ländlichen Gebäuden kommen Dächer von diesen Materialien vor, unter denen ich den Lehmschindeln den Vorzug gebe, weil sie weniger feuergefährlich sind, und weil ein, auf ein bloßes Stroh- oder Rohrdach abgezimmerter, Dachstuhl ein Lehmschindeldach zu tragen vermag. In vielen Gegenden sind bloße Stroh- und Rohrdächer, der Feuersgefahr wegen, verboten. Bretter; diese werden nur bei ganz geringen Gebäuden, z.B. bei Holzremisen u. dgl. angewendet. Schindeln, von Eichen, Tannen oder Forln-Holz. Man hat sogenannte Legschindeln, und aufgenagelte. Die ersteren werden in einigen Gegenden auf dem Lande angewendet; sie geben kein schönes Dach und sind sehr feuergefährlich. Der aufgenagelten Schindeln bedient man sich auch bei eleganten Gebäuden, bei Gartenhäusern und bei Wohngebäuden auf dem Lande und in Städten, weil sie keinen so hohen Dachstuhl verlangen, als Ziegeldächer, und sehr leicht sind; dabei geben sie ein wasserdichtes Dach. Um sie dauerhafter zu machen, erhalten sie einen Anstrich von Oelfarbe. Der größte Fehler, den diese Dachungsart hat, ist ihre Feuergefährlichkeit. Ein den Brand abhaltender Anstrich könnte diesen Schindeln einen großen Vorzug geben, und sie einer allgemeinen Einführung empfehlungswerth machen. Ziegel. Die meisten Dächer in den Städten, so wie die besser gebauten Oekonomie- und Wohngebäude auf dem Lande, sind mit Ziegeln bedeckt. Will man ein noch besseres Dach dieser Art, so wird dasselbe doppelt belegt, so daß ein oberer Ziegel die Fugen, welche zwei untere machen, überdeckt. Bei minder wichtigen Gebäuden wird, um Kosten |95| zu ersparen, nur ein einfaches Dach gewählt, und unter die Fugen werden dünne Spähne von Holz eingeschoben. Ein Ziegeldach erfordert öfters Reparaturen, und seine Dauerhaftigkeit hängt größtentheils von der Güte der Ziegel ab. Auch bei einem Doppeldach muß man die Fugen mit Mörtel verstreichen, um zu verhindern, daß Schnee auf den Boden geweht werde.

Ein sehr dauerhaftes Dach geben Hohlziegel, besonders wenn immer über zwei derselben sogenannte Preiße gelegt werden. Aber dergleichen Dächer belasten das Gebäude, und verlangen einen sehr dauerhaft abgebundenen Dachstuhl. Aus dieser Ursache scheinen sie nach und nach außer Gebrauch gekommen zu seyn.

Da in neuern Zeiten das Ziegelmateriale nicht mehr so sorgfältig gearbeitet wird, wie ehemals, so fehlt es auch unseren Dächern an der gewünschten Dauerhaftigkeit. Man hat zwar bereits allerlei Mittel versucht und angerühmt, um dauerhafte Ziegel zu gewinnen; noch ist aber keines dieser Mittel allgemein geworden. Auch fieng man an, den Ziegeln, größerer Haltbarkeit wegen, eine Glasur zu geben; dies hat jedoch wieder aufgehört, weil der Kostenaufwand dabei zu groß war.

Schiefer. Es gibt Thon- und Kalksteinschiefer. Der erstere hat eine schwärzlich graue Farbe, und kann mit Nägeln auf eine Bretterschelung genagelt werden. Der Kalksteinschiefer wird ohne alle Bedeckung aufgelegt. Beide geben ein schweres Dach, und vorzüglich macht der leztere einen dauerhaft abgebundenen Dachstuhl nothwendig. Sie zerspringen im Feuer, daher sie bei einem entstandenen Brande den Rettenden gefährlich werden. Dergleichen Schiefer können nur in der Nähe der Schieferbrüche mit Nuzen angewendet werden, weil sie zu schwer sind, und der Transport zu viel kosten würde.

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Steinpappe oder künstlicher Schiefer. Die damit angestellten Versuche haben, so viel ich weiß, der Erwartung bisher nicht entsprochen. Indessen wäre zu wünschen, daß dieses leichte Deckungsmateriale in Zukunft eine größere Vollkommenheit erlangen möchte.

Die bisher beschriebenen Materialien sind alle noch sehr unvollkommen zur Bedeckung der Dächer; sie sind entweder zu schwer, oder nicht dauerhaft genug, oder auch zu feuergefährlich.

Zu Gebäuden von höherm Werth geben Metalle die beste Eindeckung; aber sie sind auch sehr theuer, und daher werden sie gewöhnlich nur bei schwierigen Dachflächen, bei Hohlkehlen, Dachfenstern u.s.w. verwendet. Doch siehet man auch ganze Gebäude mit Blei- Eisen- Zink- und Kupferblech bedeckt. Auch hat man schon Platten von Gußeisen, in Form der Dachziegel, welche aber in einander greifende Falze haben, gebraucht.

Dächer von Bleiblech haben eine ziemliche Dauer, wenn sie mit Oelfarbe angestrichen werden. Man nimmt dazu das sogenannte Rollenblei, wovon ein Quadratfuß 2 – 2 1/2 Pf. wiegt.

Das Eisenblech ist entweder schwarz oder verzinnt. Da es in Ansehung der Dicke sehr ungleich ist, so werden die damit bedeckten Dächer an den dünnen Stellen vor der Zeit schadhaft. Man muß das schwarze Blech mit Oelfarbe anstreichen, um den Rost daran abzuhalten. Der Quadratfuß kostet ohne Anstrich 24 kr. (Das gewalzte Eisenblech ist von gleicher Stärke.) Das weiße oder verzinnte Blech ist zu Dächern besser als das schwarze, und man erspart dabei den Anstrich mit Oelfarbe. Ein Quadratfuß kostet 28 bis 30 kr. Wird das alte Blech auf einem Dache unbrauchbar, so hat es keinen Werth mehr.

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Das Zinkblech wurde schon früher in Frankreich und in Norddeutschland, in neuern Zeiten aber auch in Süddeutschland, zu Dachungen verwendet.

Der hiesige eben so geschickte als thätige Hofstückgießer, Herr Reiser, hat auf seinem neueingerichteten Blechwalzwerk mehrere gut gelungene Proben dieses Fabrikats geliefert, womit bereits einige Dächer in München von Zink und Blei, und in Augsburg mit Messing gedeckt wurden.

Außer diesem Blechwalzwerke in Augsburg, welches vorzügliches Messing- Zink- und Bleiblech liefert, und jezt auch zum Walzen der Kupferbleche eingerichtet wird, findet sich im Königreiche Baiern nur noch ein einziges ähnliches Werk, im Fichtelgebirge zu Unterlind, das aber blos auf Eisenbleche angelegt seyn soll.

Die geschlagenen Kupferbleche, welche bisher zu Dächern verwendet wurden, sind von ungleicher Dicke, weswegen man gezwungen war, stärkere Bleche auszuwählen, wodurch der Aufwand noch größer wurde. Waren die Bleche nicht besonders stark, so rechnete man vergeblich auf die gewünschte Dauerhaftigkeit, weil die schwachen Stellen sehr leicht zerspringen, ein Uebel, dem keine Vorsicht abhelfen konnte. Nur durch Walzwerke bekommt man ein vollkommen gleich dickes Blech, von dem man dünnere Tafeln anzuwenden wagen darf, und das folglich eine wohlfeilere Dachung giebt.

Wenn der Quadratfuß Zinkblech 3/4 Pfund wiegt, so darf man sich bei einer guten Bretterverschalung ein dauerhaftes Dach auf ein gewöhnliches Gebäude versprechen. Ein Pfund von diesem Blech kostet 30 kr., wozu noch die Arbeit des Kupferschmids oder des Spenglers beim Auflegen kommt, die gewöhnlich mit 8 oder 9 kr. für das Pfund bezahlt wird. Ehe die Zinkbleche aufgelegt werden, erwärmt man sie durch Kohlenfeuer, oder mit erhizten Eisenstäben |98| und Kolben, weil sie sich dann besser biegen und auffälzen lassen. Ihre größte Geschmeidigkeit zum Fälzen erhalten sie bei einer Temperatur zwischen 200 und 300° Fahrenheit.

Die Kosten eines Quadratfußes Zinkbedachung berechnen sich demnach folgendermaßen:

24 Loth Blech auf 1 Quadratfuß = 22 1/2 kr.
Der Erfahrung zufolge muß man den sechsten
Theil des Werths vom Blech auf die Falze
rechnen, also 3 2/3 kr.
Das Aufdecken für 1 Pfund 8 1/2 kr. und für den Quadratfuß 6 kr.
––––––––
Summa 32 1/6 kr.
oder in runder Zahl für einen Quadratfuß 33 kr.

Hat man ein Gebäude von einer großen Dachfläche zu bedecken, so kann man stärkeres Zinkblech wählen, allenfalls den Quadratfuß ein Pfund schwer.

Kupferblech behält unter den bisher beschriebenen Dachungsmaterialien den Vorzug, weil es das dauerhafteste ist. Zwar ist es auch das theuerste; aber es schüzt ein Gebäude lange Zeit, ohne die geringste Reparatur, vollkommen gegen Regen und Schnee.

Ein Quadratfuß Kupferblech wiegt gewöhnlich 1 1/4 Pf.; nur bei Hohlkehlen nimmt man es etwas stärker. Dabei ist zu bemerken, daß wir bisher nur geschlagenes Kupfer anwenden konnten; dieses muß, wegen seiner ungleichen Dicke, die eben angegebene Stärke haben. Wird aber das Kupferblech auf einem Walzwerk bereitet, so kann es füglich so dünne genommen werden, daß der Quadratfuß nur ein Pf. wiegt. Auch bei diesem Bedeckungsmateriale ist der bekannte Umstand zu berücksichtigen, daß das alte, als schadhaft abgehobene, Kupfer noch einen Werth hat.

Der große Vortheil der Blechwalzwerke fällt auch hier in die Augen; denn es macht einen bedeutenden Kostenunterschied, |99| wenn bei gleicher Haltbarkeit der Quadratfuß Bedeckung 1/4 Pfund leichter seyn darf. Diesen Unterschied recht deutlich zu machen, stehe hier eine zweifache Berechnung.

1) Ein Quadratfuß Kupfereindeckung von geschlagenem Blech, wenn derselbe 1 1/4 Pfund wiegt, kostet:

1 1/4 Pfund Kupfer à 1 fl. 1 fl. 15 kr.
Vom Pfund aufzudecken 9 kr. - 11 1/4
Auf Fälze - 12 1/2
––––––––
Summa 1 fl. 38 3/4

2) Die Kosten eines Quadratfußes Kupfereindeckung von gewalztem Blech, welcher 1 Pfund wiegt, sind:

1 Pfund Kupfer auf 1 Quadratfuß 1 fl. –
Auf die Fälze 1/6 – 10 kr.
Dieses aufzudecken vom Pfund – 9 kr.
––––––––
Summa 1 fl. 19 kr.

Demnach kommt der Quadratfuß Entdeckung von gewalztem Blech um 19 3/4 kr. wohlfeiler als von geschlagenem, ein Unterschied, welcher bei einer großen Dachfläche keine kleine Summe ausmacht.

Bei obigen Berechnungen ist jedoch zu erinnern, daß dabei die nöthige Bretterverschalung nicht berücksichtiget worden ist.

Messing, welches aus einer Mischung von Kupfer und Zink besteht, wurde, so viel mir bekannt ist, bisher noch zu keiner Dachbedeckung gebraucht. In Ansehung des Werths nach dem Gewichte, und in Hinsicht der Dauer, wird es dem Kupfer gleich seyn.

Auf dem neuerrichteten Walzwerke des Hrn. Reiser wird Messingblech von vorzüglicher Güte und durchaus gleicher Dicke geliefert, so daß ein Quadratfuß, welcher 24 Loth wiegt, eine vollkommen dauerhafte Eindeckung verspricht. Der erste Versuch mit einer solchen Eindeckung eines Gebäudes wurde mit dem besten Erfolg angestellt. Die beiliegende |100| Zeichnung theilt den Grund- und Aufriß, so wie den Durchschnitt dieses kleinen tempelartigen Gebäudes mit, welches in dem Garten des Hrn. Banquier Süßkind vor dem rothen Thore, von dem hiesigen geschickten Maurermeister Hrn. Gelb mit vieler Reinheit der architektonischen Glieder und Verzierungen aufgeführt worden ist.

Die Bedeckung einer Kuppel ist immer mit mehr Schwierigkeiten, als die eines gewöhnlichen Daches, verbunden; sie erfordert weit mehr Pünktlichkeit in der Arbeit, und die Kosten erhöhen sich dadurch etwas. Um aber dadurch, daß die einzeln aufzudeckenden Blechtafeln zugespizt seyn müssen, keinen großen Abfall an Blech zu bekommen, wurden die Blechtafeln auf dem Walzenwerke, nach der verlangten Form bearbeitet. Durch dieses geschickte Verfahren haben sich die Kosten wieder etwas vermindert.

Damit der Leser im Stande sey, eine Messingblech-Bedeckung mit einer von Kupferblech zu vergleichen, so gebe ich folgende Berechnung:

1 Quadratfuß Messingblech wiegt

24 Loth; das Pfund 1 fl. 45 kr.
Aufzudecken für 1 Pfund 9 kr. 6 3/4 kr.
Auf die Falze 1/6 7 1/2 kr.
––––––––
Auf einen Quadratfuß 59 1/4 kr.
Oder in gerader Zahl 1 Gulden.

Dabei ist noch zu bemerken, daß der Arbeitslohn des Aufdeckens im vorliegenden Falle etwas größer, als in obiger Berechnung war, weil in dem obern Theil des Kugel-Abschnitts, mehr Fälze vorkamen, als bei einem geraden Dache. Da ich aber die Berechnung der Kupferbedachung auf eine gerade Fläche herstellte, so mußte ich es auch hier beim Messingblech thun, um beide mit einander vergleichen zu können.

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Die zu bedeckende Fläche des Kuppeldaches auf dem genannten Gartengebäude hat folgenden Inhalt:

Die Kuppel ist ein Abschnitt von einer Kugel, deren Diameter cm Fig. A . 17 Fuß beträgt; die Höhe des Abschnitts he ist 7 Fuß. Nun aber wird der Flacheninhalt dieses Abschnittes erhalten, wenn man die Peripherie des größten Zirkels der Kugel mit der Höhe des Abschnitts multiplicirt.

Das Verhältniß des Diameters zum Umkreis sey , mithin

Textabbildung Bd. 1, S. 101

Dieses in Zahlen ausgedrückt:

100 : 314 = 17 = 53 19/50 × 7 = 375 32/50,

Aus der angestellten Berechnung gehet hervor, daß 1 Quadratfuß Messingbedachung 59 1/4 kr., oder in einer runden Zahl 1 fl. koste; mithin käme obiges Kuppeldach auf 375 fl.

Von Kupfer hätte es nach der Berechnung Nro. 1. gekostet, 617 fl. 18 kr.; mithin 242 fl. 2 kr. mehr.

Nach der Berechnung Nro. 2. 493 fl. 45 kr. oder 113 fl. 45 kr. mehr.

Hieraus ist offenbar, daß man mit solchem Messingbleche bei einer großen Fläche eine wesentliche Ersparung erziele, wobei man zugleich eine eben so dauerhafte Bedeckung, wie von Kupferblech, erhält, auch an dem als unbrauchbar abgenommenen Messingblech nicht alles verliert, weil es noch einigen Werth hat.

Das Kupfer besizt eine größere spezifische Schwere, als das Messing; nach Muschenbroek findet folgendes Verhältnis dieser beiden Metalle zu einander statt:

Kupfer (japanisches) 9,000
Kupfer schwedisches 8,784
Messing, gegossenes 8,000
Messing, geschlagenes 3,349

Daher hat man bei gleich dicken und schweren Blechen dieser beiden Metalle einen etwas größern Flächeninhalt beim Messing.

Dagegen aber haben die Theile des Messings einen stärkern Zusammenhang durch einander, als die des Kupfers.

Nach Muschenbröck wurden cylindrische Fäden von Messing und Kupfer, deren Durchmesser 0,1 rheinländischer Zolle betrug, von nachstehendem Gewichte zerrissen:

Drath aus Messing von 360,00 Pfund.

Drath aus Kupfer von 299,25 Pfund.

Man kann sich also von dem als Deckungsmaterial hier angewendeten Messing ein möglichst gutes Dach versprechen, und im Verhältniß zum Kupfer um so gewisser davon seyn, da die Einwirkung der Witterung auf beide gleich, das heißt, auf beide von geringem Einfluß ist.

Ein mit Messingblech belegtes Dach macht auf einem, in schönem Styl aufgeführten, Gebäude eine herrliche Wirkung, und der ästhetische Baumeister wird es bei allen Bauwerken anzubringen wünschen, auf die er einen artistischen Werth legt.

Nimmt man nun alle die Vortheile zusammen, welche das Messing als Deckungsmateriale hat, so wird man gestehen müssen, daß die Anwendung desselben ein wahrer Gewinn für die schöne Baukunst seyn würde. Ich hoffe daher, es werde nicht bei dem ersten, hier gemachten und so vollkommen gelungenen Versuche bleiben, sondern dieses Metall noch öfter zur Bedachung vorzüglicher Gebäude angewendet werden, zumal da die Eindeckung eines geraden Daches bei weitem nicht soviel Schwierigkeiten verursacht, als die in unserer Zeichnung vorliegende Kuppelform.

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Wenn auch die Kosten der Anlegung eines solchen Daches groß sind, so hat man doch nicht nur einen bleibenden Werth an demselben, sondern man erspart auch sehr viel sowohl an Reparaturen, als dadurch, daß man keinen so schweren, kostbaren Dachstuhl aufzustellen nöthig hat.

Zu einem Ziegeldache müßte der Dachstuhl unter dem Winkel bac Fig. B . aufgeführt werden. Soll aber ein Dach auf dieselbe Balkenlänge mit Kupfer- oder Messingblech belegt werden, so genügt der Winkel bad, wodurch man eine schönere, rein architektonische Form erhält. Dabei ist leicht begreiflich, daß man viel Holzwerk erspare, welches das Mauerwerk belastet, daß man dadurch viel brennbaren Stoff aus dem Gebäude entferne, und sich in dieser, wie in ästhetischer, Hinsicht immer mehr dem Vollkommenen nähern könne.

Zusaz des Herausgebers.

Nach den Resultaten, welche die vielen Versuche des Hrn. Reiser in Augsburg darboten, dürfte nun die Bedeckung der Dächer mit Zinkplatten leichter als bisher zu bewerkstelligen seyn, wenn, seinen Erfahrungen zufolge, der Zink mit etwas Zinn und Blei legirt wird. Die Platten von legirtem Zink werden etwas biegsamer bleiben aber noch immer kompakt genug, um allen Forderungen einer Metallbedachung zu entsprechen. Durch diese Biegungsfähigkeit lassen sich die legirten Zinkplatten ohne Erhizung falzen, wodurch bei der Bedachung die Feuersgefahr, welche durch das Erhizen der Metallplatten herbeigeführt werden könnte, vermieden wird.

Von besonderm Interesse sind auch die Versuche, welche Hr. Reiser angestellt hat, um gewalzte Eisenbleche dauerhaft |104| zu verkupfern. Eine mit verkupfertem Eisenblech belegte Bedachung wird sich, gleich dem Kupfer, sowohl gegen die atmosphärischen Einflüsse als auch gegen Feuersgefahr dauerhaft verhalten. Auch kann man die Bedachung leicht und durch jeden Feuerarbeiter zu Stande bringen, und der Preis dürfte kaum die Hälfte gegen das Kupfer betragen.

Ueber diesen höchst wichtigen Gegenstand hoffe ich den Lesern bald etwas Ausführlicheres mittheilen zu können.

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