Titel: [Wirkung des Berlinerblau's auf Stärkmehl.]
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. X. (S. 110–111)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001010

X. Wirkung des Berlinerblau's auf Stärkmehl.21)

Mit einer Anmerkung von Dr. J. A. Buchner.

Dr. Vincent, ein Apotheker in Frankreich, hat folgende interessante Thatsache bekannt gemacht. Wenn man 4 Theile Stärke und 1 Theil Berlinerblau in einem Mörser zusammen reibt, und das Gemisch in einer beträchtlichen |111| Menge Wasser kocht, so bekommt die Flüssigkeit, noch ehe sie den Siedepunkt des Wassers erreicht, eine grüne Farbe; hernach wird sie braun, und es bleibt ein Niederschlag zurück, welcher seine blaue Farbe nicht wieder erlangt, selbst wenn man ihn mit einer Säure behandelt. Die Flüssigkeit aber hat die Eigenschaft, ein sehr schönes Berlinerblau zu bilden, wenn sie mit einer Auflösung von schwefelsaurem Eisen, die mit einem gleichen Volum einer Chlorin-Auflösung vermischt ist, behandelt wird. Beim Abdampfen der Flüssigkeit bleibt keine kleisterartige Substanz zurück; wird sie aber auf ein kleines Volum koncentrirt, so gibt sie nach dem Erkalten eine klebrige Substanz, welche an der freien Luft austrocknet, und im Wasser leicht auflöslich ist. Das Stärkmehl ist also gänzlich verändert, und in eine gummiartige Substanz umgebildet worden.22)

Journal de Pharmac. 1818. Juny. Pag. 325.

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Wenn das Berlinerblau mit einer verhältnißmäßig geringern Menge Stärkmehl behandelt wird, so ist die Veränderung nicht so auffallend. Die Berlinerblau-Fabrikanten pflegen bekanntlich die gewöhnliche Sorte Berlinerblau mit Stärkkleister zu versezen, und die Masse hierauf zu trocknen. Hierbei scheint weder das Berlinerblau, noch das Stärkmehl eine auffallende Veränderung zu erleiden. Der Stärkkleister, wenn er für sich eingetrocknet wird, hinterläßt eine durchscheinende tragantartige Substanz, welche im Wasser zwar aufquillt, aber nicht mehr vollständig auflöslich ist. Das nämliche ist auch der Fall mit dem Stärkmehl, welches sich im gewöhnlichen Berlinerblau befindet; man kann diesen eingetrockneten Kleister weder durch kochendes Wasser, noch durch verdünnte Säuren wegbringen. Mit Kalien darf man die Masse nicht behandeln, weil diese zersezend auf das Berlinerblau selbst einwirken. Büchner.

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