Titel: Voit über Stellschüzen und Schlammfänge.
Autor: Voit, Richard Jakob August
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XIV. (S. 161–182)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001014

XIV. Ueber eine nüzliche Vorrichtung bei Stellschüzen an Bächen und Entwässerungs-Gräben, und über sogenannte Schlammfänge.

Von dem Königl. Baierschen Kreis-Bauinspektor Voit .

Mit Abbildungen. Tab. V und VI.

Um einen tief liegenden Boden zu entwässern oder trocken zu legen, werden Gräben gezogen, welche das stehen bleibende Regenwasser, so wie die Quellen, die keinen natürlichen Abfall haben, auffassen und abführen. Dadurch werden versumpfte, oft zu Viehweiden nicht wohl taugliche, ausgedehnte Strecken in Wiesgründe verwandelt, die mit der Zeit nicht nur futterreicher werden, sondern auch eine verbesserte und veredelte Grasart erhalten. Je beträchtlicher der Flächeninhalt so tief liegender nasser Gründe ist, desto größern Vortheil bringt eine vollkommene Entwässerung, welche man nur durch zweckmäßig gezogene Gräben bewirken kann. Hat man zu einem Hauptabziehungs-Graben kein natürliches Gefäll, so entsteht die Nothwendigkeit, entweder den erhöhten Boden zu durchschneiden, bis man auf die Stelle kommt, wo ein freier Ablauf des Wassers statt findet, oder man muß das stehende Gewässer mittelst Maschinen auf diejenige Höhe zu heben suchen, von welcher ein Graben so viel Gefäll erhält, als er nöthig hat. – Davon aber ist gegenwärtig die Rede nicht; ich behalte mir jedoch es vor, diesen Gegenstand bei einer andern Gelegenheit abzuhandeln.

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Faßt ein durch eine lange Strecke gezogener Abzugsgraben mehreren Quelle auf, welche auch im trockensten Sommer nicht versiegen, so wird ein kleiner Bach daraus. Gewöhnlich leitet man in den Hauptgraben viele Seitengräben von erforderlicher Breite und Tiefe, und so kann es geschehen, daß eine versumpfte, mehrere Tagwerke große, Strecke vollkommen trocken gelegt, und in Hinsicht der Vegetation veredelt wird.

Im Frühjahr und Herbst, aber auch bei starken, heftigen Regengüssen, sind dergleichen Gräben mit Wasser angefüllt; im trocknen Sommer hingegen führen sie nur die beständig fließenden Quellen ab. Daher können sie auch bei anhaltend trockener Witterung zur Wässerung der Wiesen benuzt werden, wenn man an geeigneten Stellen Stauschüzen anlegt. Bei schnell einfallenden Regengüssen aber können dergleichen kleine Schleusen Ueberschwemmungen verursachen, die dann nachtheilig werden, wenn hohes Gras auf der Wiese steht, oder Heu und Omat auf derselben liegt.

Oft sind dergleichen Schüzen sehr weit von den Wohnungen der Besizer entfernt, und oft kommen auch Regengüsse so schnell, daß an keine Hebung der Schüze mehr zu denken ist; dann entsteht Streit unter den Wieseneigenthümern, deren Grundstücke dadurch beschädiget worden sind.

Das Angenehme großer Gärten wird durch fließendes Wasser sehr erhöht, und nicht minder das Nüzliche derselben, wenn das Wasser eines nahen Baches zum Begießen der Pflanzen und dergleichen verwendet wird. Wem es möglich ist, der wird sich diesen doppelten Gewinn zu verschaffen suchen. Aber in den meisten Fällen ist damit ein großer Nachtheil verbunden. Gewöhnlich fließen dergleichen Bäche durch Thäler, und es sind gegen sie die Abdachungen der Berge, oder auch nur eine weite Strecke der Ebene, durch die sie fließen, geneigt. Sie müssen nun alles, von Regengüssen |163| ihnen zuströmende Wasser abführen. Bei heftigen Regengüssen und Wolkenbrüchen, welche nicht selten zu der Zeit, wenn die Gärten in voller Blüthe und Zierde stehen, erfolgen, wachsen sie zu einer ungewöhnlichen Höhe, richten Verwüstungen an, und die von den Anhöhen und Feldern oft in Menge zusammengeschwemmte Erde sezen sie an seichten Stellen ab. Ist ein solcher Graben bestimmt, in einem Garten einen kleinen Teich zu bilden, so wird dieser mit Schlamm angefüllt, gerade dann, wenn dem Besizer die Reinigung unangenehm seyn muß. Der Techniker, dem aufgegeben wird, einem solchen Uebel abzuhelfen, oder wenigstens dasselbe zu vermindern, wird nun die Lage des Baches gegen den übrigen Raum außerhalb des Gartens genau untersuchen. Er hat es dann entweder in seiner Gewalt, den Bach bei eintretender Ueberschwemmung zu theilen, und dem größten Theile des wilden Wassers einen andern Lauf zu geben, oder er muß einen sogenannten Schlammfang anlegen, um die zusammengeflößte Erde so viel möglich von dem Garten abzuhalten. Im ersten Falle wird er sich einer Stellschüze bedienen, im zweiten aber eine Art von Teich außer dem Garten graben lassen.

Um einer Mühle das erforderliche Gefälle zu geben, wird der Mühlbach entweder aufgedämmt, oder auf eine höher gelegene Stelle geleitet. Ich seze dabei natürlich noch immer voraus, daß durch eine solche Aufdämmung oder Leitung keine Ueberschwemmung der oberhalb gelegenen Grundstücke, selbst bei den meisten großen Wasserständen, entsteht. Um großen Ueberschwemmungen vorzubeugen, wird allenfalls ein Ueberfallwehr angelegt werden; aber es ist dabei wohl zu überlegen, ob zu einem Ueberfallwehr noch ein Grundfallwehr, oder eine Schleuse, welche bei dringenden Fällen gezogen werden kann, nöthig sey. Soll aber, wovon weiter unten die Rede seyn wird, bei einer Mühle noch ein |164| etwas niedriger fließendes Wasser benuzt, und bei geringem Wasserstande in den Mühlbach geführt werden, so kann dieses nur durch eine Stellschleuse geschehen. Damit aber bei einer Ueberschwemmung den anliegenden Grundstücken und dem Wiesgrunde oberhalb der Schleuse kein Nachtheil zuwachse, so hat man dann die Stellschleuse zu ziehen, um dem Wasser seinen natürlichen Lauf zu lassen.

Es betrifft hier nicht große Stromseparationen, wo ein Theil des Wassers zum Betrieb sogenannter gehender Werke aufgestaut, und ein anderer Theil zur Schiff- und Floßfahrt benuzt wird, durch dabei anzubringende Ueber- und Grundfallwehren oder Schleusen, sondern es ist blos von kleinen Flüssen und Mühlbächen, und von den dabei nöthigen Schüzen die Rede, welche nach Erforderniß der eintretenden Umstände entweder gezogen oder niedergelassen werden.

Ich will jezt aus meiner Praxis drei besondere Fälle ausheben, wo ich Stellschleusen oder Schüzen mit vielem Vortheil angebracht hatte, indem ich dazu eine Vorrichtung anlegte, durch welche sich dieselben von selbst hoben oder niederließen, das heißt, den Bach nach Erforderniß schlossen oder öffneten.

Im ersten Falle ist es ein Entwässerungsgraben, durch welchen eine große Strecke Moorgrund mit der Zeit in futterreiche Wiesen umgewandelt wurde. Der Boden war bereits früher trocken gelegt; die Abzugsgräben nahmen nur die verschiedenen, im Wiesgrunde entspringenden, Quellen auf. Diese Quellen wollte man in der trocknen Jahreszeit zur Wässerung der Wiesen benuzen, daher die Besizer der leztern den Hauptgraben an verschiedenen Stellen aufdämmten, so daß das Wasser in Seitenrinnen zurückstaute, und somit die Wiesen wässerte. Traten nun plözliche Regenströme ein, so hatte das Wasser, der eingelegten Dämme |165| wegen, keinen schnellen Abfluß mehr, und auf den Wiesen wurde Schaden angerichtet.

Unter diesen Umständen war kein anderes Mittel übrig, als Schüzen anzubringen, welche sich von selbst heben, sobald das Wasser in dem Abzugsgraben eine gewisse Höhe erreicht.

Nun kam es hauptsächlich darauf an, eine Vorrichtung anzugeben, welche an sich einfach und wenig kostbar, dabei dem Zweck entsprechend, und von gemeinen Werkleuten leicht ausführbar wäre. Eine solche Vorrichtung hatte aber viele Schwierigkeiten, und es fanden manche Abänderungen statt, ehe sie völlig gelang. Da jedoch die hier anzubringende Schüze nicht groß seyn durfte, so ließ sich die Aufgabe leichter lösen. Der Abzugsgraben hatte nämlich in seiner Normalbreite nicht mehr als vier Fuß, daher auch die Schüze nicht größer seyn mußte. Die Tiefe des Grabens betrug ebenfalls 4 Fuß, und im trockenen Sommer hatte er 1 1/2 Fuß Wasser. Um den Graben zur Wässerung benuzen zu können, mußte er zu einer Höhe von 3 Fuß aufgestaut werden, und dann zog Wasser in die Seitengräben. Füllte sich der Hauptgraben mehr, so war es dem Wiesgrunde alsdann schädlich, wenn Heu oder Omat lag. Ueberhaupt muß bemerkt werden, daß der gedachte Graben wenig Gefäll hat, vorzüglich am Ende, ehe er in den Mühlbach eintritt. Daher war jede Stemmung in dem Bache, welche nicht bei schnell einfallenden Regen plözlich weggeschafft werden konnte, gefährlich. Man suchte also die zu Stellschüzen wirksamsten Pläze aus, und diese waren immer da zu finden, wo sich die Seitengräben am stärksten füllten, und das meiste Wasser in dem Wiesgrunde verbreitete.

Bei einer solchen Stelle wurden nun beide Seiten des Grabens sowohl, als auch der Boden desselben, in einer |166| Länge von 16 bis 18 Fuß mit zweizölligen Dielen ausgewandet und mit Pfählen befestiget.

Bei lit. A. und B. Tab. I. ist der Grundriß und der Aufriß einer solchen Wandung zu sehen. Drei Fuß vom Ende derselben befindet sich das Fallen- oder Schüzengerüst, und dieses bestehet aus den beiden Pfählen a und b im Grundrisse, und lit. c. im Aufrisse. Beide Pfähle sind an der innern Seite gefälzt, und auf den Falz ist eine Leiste d genagelt, wodurch die Vertiefung entstehet, in welcher das Fallbrett auf und nieder geht.

Diese beiden Pfähle a und b sind mit einem Querholze f verbunden, und an demselben mit eisernen Schrauben oder auch nur mit Klammern befestiget, wie lit. C. zeigt. In manchen Stellen des Grabens darf die höchste Aufstauung des Wassers 3 Fuß, in andern wieder etwas mehr betragen, und es kommt dabei auf die Tiefe des Grabens an, wie er ausgehoben ist.

Die Bedielung des Bodens wird auf die in das Erdreich eingegrabenen Ripphölzer hh etc. der Länge nach gelegt, und derselben eine Neigung gegen die Schüze von ohngefähr 2 Zoll gegeben. Ist die Eindielung und Auswandung des Baches hergestellt, so kann man genau bestimmen, welche Höhe die Schüze haben müßte, um gerade so viel Wasser in den Seitengraben zu stemmen, als verlangt wird. Im vorliegenden Falle wurde diese Höhe zu 3 Fuß angenommen. Bei derselben fiel nebst dem Wasser, welches die Schüze an den Seiten fallen ließ, noch eine Wassermasse von etwa 1/2 Zoll über das Schuzbrett, oder durch einen in dasselbe gemachten Einschnitt, wie Fig. C . lit. 1. zu sehen ist. Dabei war der Zweck der Wiesenwässerung erreicht, das heißt, es zog sich so viel Wasser in die Seitengräben, als verlangt wurde.

Füllt sich durch einen Regenguß der Graben so sehr, |167| daß das Wasser 6 Zoll über das Schuzbrett fällt, so ist der rechte Zeitpunkt vorhanden, die Schüze zu heben. Das Schuzbrett aber muß sich 2 1/2 Fuß über den gewöhnlichen Wasserspiegel erheben, und deswegen erreicht das Fallbrett eine Höhe von 5 1/2 Fuß, vom gewöhnlichen Wasserspiegel bis an das Ende derselben gemessen. Nach dieser Höhe muß sich das Schüzengerüste mit seinen Pfählen richten. Es ist aber besser, dem Gerüste etwas mehr Höhe zu geben, um auf alle Fälle Plaz genug über dem Brette zu haben.

Die beiden Säulen ab, Fig. A und C , Fig. B werden in den Boden eingegraben; sie bleiben so weit, als sie in den Boden zu stehen kommen, unbezimmert; man sezt sie aber um so tiefer, je sumpfiger der Boden ist. Um sie gegen frühe Fäulniß zu sichern, werden sie unten etwas verkohlt; und damit sie nicht wanken und sich verschieben, legt man die kurze Schwelle k, und giebt dieser den Schubbieg l. Aber auch zu beiden Seiten sind solche Schwellen und Biege nothwendig. Sie erscheinen in der Zeichnung Fig. C . lit. m und n. Ist dieses Gerüst hergestellt, so kann in demselben das Fallbrett oder die Schüze lit. e senkrecht auf und nieder bewegt werden. Um die gesenkte Schüze zu heben, bringt man den Hebel Fig. B. lit. o an, welcher sich um einen eisernen Nagel Fig. B . und D. bei pp bewegt. Dabei ist folgendes zu beobachten. Man muß auf die Höhe Rücksicht nehmen, um welche die Schüze gehoben werden soll. Diese Höhe bestimmt dann allenfalls die Länge des kleinen Hebelarmes bis zum Ruhepunkte, und die Höhe des Ruhepunktes selbst. Es ist aber genau darauf zu sehen, daß man die Hubhöhe nicht zu gering annehme, und derselben lieber etwas mehr gebe, als nöthig ist.

Nach obiger Angabe muß das Schuzbrett von I bis II gehoben werden. Diese Hubhöhe wird dann von II bis III getragen, und bei IV in zwei Theile getheilt. Durch diesen |168| Punkt zieht man die wagrechte Linie IV V, und diese bestimmt die Höhe des Ruhepunktes p. Wenn man die Entfernung des Ruhepunktes von II bis y gleich der Hubhöhe macht, so erhält der kleine Hebelarm das rechte Maas. Ein zu langer Hebel ist nicht rathsam, weil er sich leicht biegt, und dann brechen kann. Da die Hebelarme selbst eine Schwere haben, und das Gewicht der Schleuse, so wie der Druck des Wassers auf dieselbe nicht ohne große Schwierigkeiten zu finden ist, so bemerke ich hier, daß bei den oben angegebenen Maaßen die Schüze gehoben wurde, wenn sich der kleine Hebelarm zum großen wie 2 zu 5 verhielt. Kann man nach diesem Verhältnisse den großen Hebelarm nicht lang genug machen, so muß man ein Gegengewicht anbringen, oder jenen brechen, wie aus der Zeichnung lit. B. wahrzunehmen ist. Das Holz, welches dem gebrochenen Hebelarme zur Befestigung dient, vermehrt die Schwere, und daher ist kein Gewicht nöthig.

Der Hebel selbst wird auf folgende Art angebracht. Zu beiden Seiten der Wandung stehen die Säulen Fig. B . und D . lit. q durch ein Querholz lit. r mit einander verbunden, auf welchem die Aufsattlung s mit dem daran befestigten und zum Ruhepunkte dienenden Nagel p angebracht ist. Damit aber der Hebel nicht tiefer sinken konnte, als es seyn soll, so hat das Querholz r einen Ansaz t erhalten.

Die Fallschüze wird vermittelst einer Kette an den kleinen Hebelarm angehängt und so durch die Kraft des Hebels aus dem Wasser in die Höhe gezogen, wenn man sie nicht auf irgend eine Art in der Tiefe fest hält.

Das Fallbrett hat, wie Fig. E . zeigt, zwei Arme oder Schenkel, durch welche oberhalb Löcher gebohrt sind. Hängt es an dem Hebel, so ist die Kraft eines Mannes hinreichend, es niederzudrücken, und sizt es nun auf dem Boden des Gerinnes, so passen die Löcher u auf die Löcher v, welche in |169| das Querholz f eingebohrt sind; vermittelst eiserner Nägel aber, welche man durch beide Löcher steckt, wird der Hebel gehindert, das Fallbrett wieder in die Höhe zu heben.

Nun ist noch eine Vorrichtung nöthig, damit die Schüze sich von selbst hebe, sobald das Wasser die verlangte Höhe erreicht. Hiezu wird zwischen den Säulen q ein Brett lit. w angebracht, das eiserne Zapfen hat, und zwischen jenen beiden Säulen leicht beweglich ist. Um aber dasselbe beständig senkrecht hängend zu erhalten, giebt man dem eisernen Zapfen etwas über dem Mittel von der Höhe seine Stelle. An der obern kleinern Hälfte ist bei lit. x eine Kette befestiget, welche von x bis v reicht, und mit einem Hacken versehen ist. Der eiserne Nagel, welchen man zum Festhalten des Schuzbrettes bei lit. v eingeschoben hat, hat einen Ring, in den man den Hacken der Kette einhängt. Bei Fig. F . ist dieses in größerm Maaßstabe gezeichnet. Schwillt nun das Wasser an, so wird das Brett w von y nach z getrieben, der obere Theil des Brettes bekommt sodann die Richtung von x nach α, die eisernen Nägel v werden dadurch heraus gerissen, und das Schuzbrett hebt sich.

Nach der bisherigen Beschreibung und der damit verbundenen Zeichnung könnte man glauben, daß die Anrichtung einer solchen Wässerungsschüze eine sehr weitläuftige Sache sey, und daß die darauf zu verwendenden Kosten von dem Nuzen derselben nicht ersezt würden; allein die Ausführung ist nicht so umständlich, als sie scheint, und die Kosten nicht viel größer, als bei einer gewöhnlichen Stellschüze; denn den Mehraufwand verursacht blos die Anrichtung des Hebels, und bei genauer Anweisung ist jeder gemeine Zimmermann im Stande, das Ganze herzustellen; auch ist dabei zu bemerken, daß die Auswandung des Baches nur im Moorgrunde nothwendig wird, bei einem festen Boden hingegen unterlassen werden kann.

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Eine solche Stellschüze dient nicht nur zur Wässerung der Wiesen, sondern auch noch zu vielem andern Gebrauche.

Der zweite Fall, bei welchem ich eine Stellschüze anbrachte, verlangte, daß das Schuzbrett bei anwachsendem Gewässer eines Baches niedersänke. Es kam nämlich darauf an, einen durch einen Garten fließenden Bach bei Ueberschwemmungen von jenem zum Theil abzuhalten. Die Richtung dieses Baches und die Lage des Gartens ist folgende:

In einen Wiesgrund, gegen den sich zu beiden Seiten angebaute Hügel abdachten, zieht sich ein Mühlbach herab. Ungefähr 800 Fuß vom Garten entfernt verläßt der Bach den niedrigsten Punkt des Grundes, und lenkt sich bei noch ziemlich lebhaftem Gefälle gegen den Garten. Diese Richtung des Grabens scheint ein Werk von Menschenhänden zu seyn, und es war derselbe wahrscheinlich schon vor langer Zeit ausgehoben worden, um dem Garten fließendes Wasser zu geben. Das rechte Ufer des Baches ist aufgedämmt, und nur bei großen Ueberschwemmungen überschreitet das Wasser diesen Damm. Aus den angebauten Feldern wird vieles Erdreich in den Bach geschwemmt, und dieser führt es dem Garten zu. Hier, nämlich im Garten selbst, theilt sich der Bach in zwei Arme, welche erst am Ende desselben sich wieder vereinigen, wo wenig Gefälle ist, daher auch auf dieser Stelle der meiste Schlamm angehäuft wird. Der sich trennende Bach bildet demnach bis zu seiner Wiedervereinigung eine Insel, und auf dieser erhebt sich mitten im Garten das Wohngebäude. Da die schönsten Gartenpartien an den Ufern dieser Bäche liegen, so ist das Ausheben und Aufräumen des eingeflößten Schlammes beschwerlich und unangenehm. Inzwischen gewährt das Wasser des Baches dem Garten zu viele Annehmlichkeit und Bequemlichkeit, um es ganz aus demselben zu entfernen. Auch kann |171| dies darum nicht geschehen, weil sich auf einer Seite Brunnenabfälle aus den Gebäuden in den Bach ergießen, welchen kein anderer Abfall zu geben ist. Man mußte also auf Mittel bedacht seyn, die größten, den meisten Schlamm dem Garten zuführenden Ueberschwemmungen von diesem abzuhalten.

An der andern Seite des Gartens zieht sich ein Graben hin, welcher die Gränze sichert, und das jenseits kommende Wasser aufnimmt. Dieser Bach liegt 4 Fuß tiefer, als der, welcher durch den Garten fließt, welchen man in jenen hätte leiten können, wenn nicht obige Umstände zu berücksichtigen gewesen wären; ich machte daher die Einrichtung, daß bei einer einzutretenden Ueberschwemmung, durch die der meiste Schlamm in den Garten geführt wird, der Mühlbach mittelst einer Schüze geschlossen werden konnte. Den Mühlbach sezte ich durch einen neu ausgehobenen Graben mit jenem niederer liegenden in Verbindung, welcher, wie ich bereits anführte, an der Gränze des Gartens hinfließt.

Diesen Graben legte ich ohngefähr 400 Fuß außer der Gränze des Gartens an, und hier erbaute ich eine Stellschüze, welche sich bei wachsendem Wasser selbst schließt. Der Mühlbach hatte, so weit er schon vor langer Zeit künstlich hergestellt war, eine Breite von 6 und eine Tiefe von 3 Fuß. Dem neuen Graben, den ich vom Mühlbache in den tiefer liegenden führen ließ, gab ich eine solche Richtung, daß er unter einem spizigen Winkel in den untern einmündete, der bei einer Tiefe von 3 Fuß eine Breite hat, welche am obern Rande 8, und am untern 4 Fuß beträgt. Auf diese Art erhielten die Seiten des neuen Grabens eine schräge Richtung, worauf ich um so mehr zu sehen hatte, weil dem neuen Graben ein großes Gefäll zukam.

Wenn der Mühlgraben 2 Fuß Wasser führt, so ist für den Garten hinlänglich gesorgt. In dieser Höhe legte ich vor dem neuen Graben, mit den Mühlbachufern parallel, |172| ein kleines Ueberfallwehr 12 Fuß lang an. Führt nun der Mühlbach mehr Wasser als zwei Fuß in der Dicke, so theilt sich hier die Wassermenge, und ein Theil fällt in den neuen Graben. Wächst es aber so stark an, daß es allenfalls 6 Zoll über das Wehr fällt, so ist die im Mühlbache befindliche Schüze so eingerichtet, daß sie von selbst niederfällt. Man ist daher auch dann außer Sorge, daß der Garten nicht verwüstet wird, wenn bei Nacht ein starker Regen fällt.

Diese Fallschüze hat folgende Construction.

Die Zeichnung Fig. G und H . Tab. V.enthält einen Durchschnitt nach der schmalen und langen Seite. Die Breite des Baches beträgt 6 und die Tiefe 3 Fuß. Auch hier wurde das Ufer auf eine Länge von 12 Fuß mit bezimmerten Hölzern ausgewandet, und mit Erdreich befestiget. Lit. a. Fig. G und H . sind die in der Erde befestigten Säulen, an welchen die Schleuse auf- und nieder geht. Diese Säulen haben einen Falz, auf welchen starke Leisten b genagelt, wodurch für das Schuzbrett eine Nuth lit. c entstehet. Beide Säulen sind mit dem Kronholz d verbunden, und bei lit. e ist eine Welle zum Aufziehen der Schüze angebracht. Das Schuzbrett hängt an den beiden Ketten lit. f, und diese sind an der obigen Walze befestiget und um dieselbe gewunden. In die Walze aber sind an beiden Enden auf der Peripherie herum vier Löcher g eingestemmt, und in diese werden die kleinen Hebel h gesteckt, womit die Walze herum gedreht und die Schüze gehoben wird. Bleibt einer von diesen kleinen Hebeln stecken, und spreizt oder drückt sich an das Kronholz, so bleibt die Falle in der Höhe. Nun muß ein Brett mit zwei Armen Fig. I. gemacht werden, und dieses wird, wie Fig. H . im Profil zeigt, eingesezt, so daß das Brett 6 Zoll höher steht, als der gewöhnliche Wasserstand im Mühlbach ist. Bei dem Punkte i kommen durch die Arme eiserne Nägel, welche in die Säulen befestiget sind. Auf |173| diese Art sind die beiden Arme mit dem unten befindlichen Brett beweglich, und zwar bewegen sie sich um die in den Säulen befestigten Nägel. Oben in den beiden Armen sind wieder starke eiserne Nägel lit. k angebracht, und diese greifen in Löcher der Welle, wenn die Schüze gehörig aufgezogen ist. Dieses ist vorzüglich bei Fig. H. lit. k zu sehen. Dadurch wird an der Welle das Fallbrett oder die Schüze in der Höhe gehalten. Die kleinen Hebel h, welche nur zum Aufziehen und Umdrehen der Welle dienen, werden nun ganz bei Seite gelegt. Schwillt nun das Wasser an, und stößt an das Brett, welches an den Armen befestiget ist, so wird es vorwärts gedrückt, und die obern Nägel in den Armen lit. k aus der Welle heraus gezogen. Dann fällt das Schuzbrett, und der Bach ist geschlossen. Die Löcher in der Welle, in welche die Nägel lit. k greifen, kann man mit Eisenblech ausfüttern lassen, weil sich dann die Nägel um so leichter heraus ziehen. Außerdem drücken sich die eisernen Nägel in das Holz, und erweitern die Löcher zu sehr. Diese Fallschüze ist sehr einfach; weil sie nicht mehr Raum einnimmt, als eine gewöhnliche, kann sie überall gewendet, und von jedem Zimmermann leicht hergestellt werden. Die Wirkung dieser Fallschüze war unter den dabei beschriebenen Umständen diejenige, welche man sich davon versprochen hat. Die Ueberschwemmungen haben bei weitem nicht mehr so viel Schlamm in den Garten geführt, wie vormals; aber das rückwärts heraufstauende Wasser erreichte noch eine beträchtliche Höhe. Wenn man nach der Errichtung der Fallschüze eine Ueberschwemmung im Garten betrachtete, so war das zurückgestaute Wasser im Garten ruhig; aber der Graben an der Gränze hatte dagegen mehr Geschwindigkeit. Man gewann nun dabei so viel, daß weniger Schlamm in den Garten geführt wurde, und daß der reißende Mühlbach keine Verwüstungen daselbst mehr anrichtete.

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Um aber dem Mühlgraben außer dem Garten mehr Gefälle zu geben, soll derselbe gereiniget, und die zusammengesunkenen Ufer abgestochen, und überhaupt mehr erweitert werden. Ich bin überzeugt, daß, wenn einmal dies geschehen seyn wird, auch das Wasser keine solche Höhe im Garten mehr erreicht.

Ein dritter, mir vorgekommener Fall, welcher mich bestimmte, eine Schüze anzubringen, war von weit größerer Wichtigkeit, als die bisher beschriebenen, weil der davon zu erwartende Nuzen auf der einen, und der Schaden auf der andern Seite viel größer war.

Der Austrocknung großer Moorgründe, und der Auswässerung der darin gezogenen Kanäle und Gräben können in der Nähe angelegte Mühlen schädlich seyn. Dagegen leidet auch oft ein großer Distrikt von Dörfern und einzelnen Höfen durch Mangel an nahen Mühlen. Zwei Uebel, denen schwer auf einmal zu begegnen ist. Nicht nur das Privat-, sondern auch das allgemeine Interesse tritt hier ins Spiel, und es ist nicht leicht auszumitteln, welches die meiste Berücksichtigung verdiene.

Einen speciellen Fall, welcher diese Motive umfaßt, kann ich hier aus gewissen Ursachen nur im Allgemeinen vortragen; jedoch wird diese Allgemeinheit der technischen Anordnung und der wissenschaftlichen Behandlung, welche dabei beobachtet wurde, nichts schaden. Zeit und Ort tragen ohnehin wenig zur richtigen Ansicht und Erläuterung der nun folgenden Beschreibung bei.

Die Entwässerung einer großen versumpften Gegend ist, wie gesagt, mit vielen Schwierigkeiten verbunden, und erfordert nicht nur einen erfahrnen, sondern auch einen mit allen theoretischen Kenntnissen ausgerüsteten, und mit allen dazu gehörigen Hülfswissenschaften vertrauten Mann. Eine geometrische Aufnahme des Bodens, und ein genaues Nivellement |175| verschaft ihm die allgemeine Uebersicht, und dann treten erst die wichtigsten Arbeiten ein, welche Fleiß, Anstrengung und Beharrlichkeit erfordern.

Wenn man zur Trockenlegung eines Moorgrundes freie Hand hat, so ist die erste Behandlung desselben vielleicht nicht mit so vielen Schwierigkeiten verbunden, als wenn der Boden schon durch ein fehlerhaftes Verfahren, durch unschicklich gezogene Gräben u.s.w. verdorben ist. Dergleichen Fehler sind schwer zu verbessern, und bei ungeschickten Maaßregeln wirkt die geringste Vernachläßigung der gezogenen Gräben, welche sich, weil sie fehlerhaft sind, leicht verschlammen, nachtheilig aufs Ganze. Es sind viele Beispiele vorhanden, daß schon so ziemlich trocken gelegte Moorgründe durch einige Vernachläßigung wieder versumpften, blos deswegen, weil die ersten getroffenen Maaßregeln nicht fehlerfrei waren. Von dieser Wahrheit überzeugte ich mich, als ich den Auftrag erhielt, eine versumpfte Gegend zu untersuchen, und Mittel zu ihrer Wiederaustrocknung anzugeben.

Damit der Leser von dieser Untersuchung und von den vorgeschlagenen Mitteln zur Verbesserung des Bodens eins Uebersicht erhalte, füge ich auf der Tab. V. einen Situations-Plan bei, den ich nun vorläufig erkläre.

Lit. abcd und e ist ein Bach, welcher der Mühlbach heißt, weil er die bei lit. m befindliche Mühle treibt. Dabei muß ich kürzlich bemerken, daß diese Mühle in der ganzen Gegend die einzige und für viele Dörfer und einzelne Höfe Bedürfniß ist. Der gedachte Mühlbach hat oberhalb Quellen, und einen großen Zufluß erhält er durch einige Seitengräben aus dem Moorgrunde, dann nimmt er auch zur Regenzeit das von den Anhöhen zusammenfließende Wasser auf. Auf der rechten Seite des Baches fängt ein großer, mehrere hundert Tagwerke haltender, versumpfter Boden an. Diesen, kaum zu einer Viehweide nuzbaren Grund auszutrocknen; |176| hat man schon vor langer Zeit die Gräben oder Kanäle fg, hi, kig gezogen. Der Graben kigd ist einer der bedeutendsten, und führt der Mühle lit. m das meiste Wasser zu. Bei lit. g war die Eiche oder das Mühlwehr, über welches das für die Mühle überflüssige Wasser fiel, und in den Graben glne weiter lief. Die Gräben opq und qr entwässerten den Grund auf der andern Seite. Durch den Moorgrund zog sich ein gemachter Weg stuv, welcher zu beiden Seiten gewöhnliche Gräben hat, und wenn bei starken Regengüssen der Kanal kig das Wasser nicht mehr fassen kann, oder wenn er verwachsen ist, wie ich bei der Untersuchung fand, so zieht sich das Wasser in den Weggräben nach der Richtung stub fort, und fällt in den Bach lne.

Das bloße Anschauen der Zeichnung wird die fehlerhafte Richtung der sämmtlichen Gräben deutlich zeigen. Der Graben kig geht quer über den Grund, und liegt ziemlich hoch, um der Mühle Wasser zuführen zu können. Auf diesen stößt der Wassergraben hi senkrecht, und eben so der Kanal fg. Die Richtung gh war ebenfalls senkrecht auf dem Mühlbach, und wurde erst abgerundet, um dem Graben eine bessere Einmündung zu geben.

Durch den hochgeführten Graben kg entstand für den obern Distrikt ein eigentlicher Damm, welcher sich der Entwässerung entgegen stellte. Daher war auch bei lit. A. eine ganz versumpfte Strecke, welche nicht einmal mehr zu einer Viehweide dienen wollte.

Um den obern Distrikt auszutrocknen, hätte man nach der Richtung wx einen Graben ziehen sollen, und auf diesen wären dann die Gräben hi und fg in einem spizigen Winkel gefallen, wodurch ein besserer Abzug entstanden wäre. Aber dann hätte auch die Mühle weit weniger Wasser gehabt. Unter diesen Umständen war die Austrocknung des obern Distrikts |177| unmöglich, so lange die Mühle in der Art besteht. Nun entstand die Frage: finden sich Mittel vor, wodurch die Trockenlegung des Grundes möglich gemacht, und die Mühle für die Gegend doch erhalten werden kann? Die Folge wird diese Frage beantworten. – Der Graben hi führt zwar Wasser, aber er hat bei weitem nicht so viel genüzt, als er sollte. Um die versumpfte Strecke A auszutrocknen, sollte ein neuer Graben gezogen werden, und zwar nach der Richtung yz, die spizwinklicht auf den Graben fg stößt. Nach einem angenommenen Nivellement hat sich ergeben, daß der Graben fg von oben bis zum Punkte n 6 Fuß Gefäll hatte, und dieses war so ungleich vertheilt, daß von f bis g zwei, und von g bis n 4 Fuß waren.

Wird nun dieses Gefäll gleichmäßig vertheilt, so wird es möglich, den obern Distrikt auszutrocknen. Man hat nun ferner gefunden, daß der Mühlbach abcd und der Graben kigd der Mühle Wasser genug zuführen. Nun wurde folgendes vorgeschlagen:

Der Graben kigd soll geräumt und erweitert werden, so daß er mehr Wasser fasse. Dann soll man die Einmündung des Grabens hi nach der punktirten Linie αβ verbessern, und eben so die Richtung gdm abrunden. Der Graben fgln aber soll so vertieft werden, daß sich das sämmtliche Gefäll gleichmäßig vertheile, und dieser Graben soll bei g unter dem Kanal oder unter einem daselbst anzulegenden Gerinne durchgehen. Dieses geht um so eher an, da unter dem Bett der Wasserleitung eine Vertiefung von 4 Fuß anzubringen ist. So weit die Wasserleitung über den Bach gehen soll, ist, wie gesagt, ein Gerinne von eichenen Dielen auf Pfählen und Zwingen herzustellen, und unter diesem zieht sich der Graben fl hindurch. Die rechte Seite des Gerinnes wird auf eine gewisse Länge nur so hoch gemacht, als |178| es der Eichpfahl der Mühle verlangt, und dann bildet sich hier eine Wehr oder der Mühlabfall.

Durch diese Vorkehrung ist für den obern auszutrocknenden Distrikt schon sehr viel, ja ich möchte sagen, alles gewonnen, was hier zu gewinnen ist, denn bei lit. g liegt der von oben herunter kommende Entwässerungs-Graben 4 Fuß tiefer als sonst. Der neu zu ziehende Graben yz entwässert den Sumpf A vollkommen, weil der Graben bei z eine Tiefe von 2 1/2 bis 3 Fuß erhielt. Zu diesem kommt noch, daß der neue Graben yz oben sich sehr nahe an den Graben hαβ hinzieht, und mithin alles Wasser dieser Gegend aufnimmt und in den vertieften Graben führt. Unter solchen Umständen wird der Graben oder die Wasserleitung lit. kg für den obern Distrikt unschädlich.

Wenn der Graben bei lit. z auf eine Vertiefung von 3 Fuß bekommt, so ist es unter gewissen Umständen doch noch möglich, das hier zusammenfließende Wasser für die Mühle zu benuzen, wenn man einen neuen Graben zc führt. Wollte man jedoch den Hauptgraben hier wieder aufdämmen, um alles Wasser auf die Mühle zu gewinnen, so würde die ganze, bisher vorgeschlagene, Verbesserung zernichtet und aufgehoben, weil dann wieder jede Ueberschwemmung zurücktreten, und den obern Boden versumpfen würde.

Bei gewöhnlichem Wasserstande kann der Graben ohne allen Nachtheil so hoch gestemmt werden, daß das Wasser auf die Mühle fließt. Wenn man daher bei lit. B. eine Schleuse in dem Kanal fg anbringt, so kann bei geringem Wasserstand das Wasser auf der Mühle benuzt werden. Aber diese Schleuse muß sich öffnen, sobald das Wasser anschwillt. Um aber das Ziehen der Schüze nicht Menschen zu überlassen, welche es leicht versäumen können, habe ich folgende Vorrichtung angerathen: eine Schleuse nämlich, welche sich von selbst öffnet, sobald das Wasser groß wird.

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Die Breite des Baches ist 12 Fuß, und auf diese Breite würde eine Aufziehschüze zu schwer werden, weshalb man auf eine andre Art denken mußte.

Lit. C. ist der Grundriß und lit. D. der Aufriß einer hier anzuwendenden Schleuse. Lit. a und b sind die Säulen an den beiden Ufern des Baches, und diese können mit Strebebiegen gegen das Schieben nach der Seite verwahrt werden. In der Mitte des Baches ist das Holz c angebracht, und mit der Bedielung des Bodens befestiget. Nun werden zwei Thüren, wovon lit. E. eine ist, gemacht. Unten haben sie starke eiserne Zapfen dd, welche in die eichene Fallthür eingelassen und mit Schrauben befestiget sind. Diese eisernen Zapfen stecken in den Angeln der Säulen ab und des Pfostens c Fig. E . Um diese Angeln beschreiben sie nun einen Viertels-Zirkel xy, und können zugemacht und niedergelassen werden. Wenn die Schleusenthüren auf dem Boden liegen, gehen sie bündig mit der Bedielung oder Ausbettung des Baches, und das Wasser streicht ungehindert darüber hin. Bei lit. e stehen zwei starke Säulen, welche oben eine Welle f haben, durch welche die Thüren mittelst der Ketten gh aufgewunden werden. Nun aber liegt quer über den Bach der Riegel ik, welcher in der Mitte durch einen starken Bieg l unterstüzt wird. Jede Thüre hat in der Mitte einen Schenkel Fig. E. m. n, und C und D. lit. n. Ueber den Schenkel und die Thüre geht die eiserne Schiene no. Fig. E . Oben bei n ist ein Scharnier, an dem sich die andere eiserne Schiene p bewegt, und diese ist bei q unterwärts mit einem Zapfen versehen. Sind die Thüren mittelst der Welle f aufgezogen, so wird die eiserne Schiene p nieder und auf den Riegel k gedrückt, wo dann der Zapfen q eingreift und die Thüre so fest hält, daß sie dem Druck des Wassers rs widerstehen kann. Ferner ist zwischen den beiden Säulen e eine bewegliche Welle t angebracht, und an diese ist durch |180| die ganze Breite des Baches ein Brett u befestiget, welches 6 Zoll höher steht, als der gewöhnliche Wasserstand im Kanal. Bei v ist ein eiserner Hebezapfen. Wächst nun der Bach an, so stößt das Wasser an das Brett u, bewegt es vorwärts, und die Welle t mit dem Hebezapfen q drückt die Schiene p in die Höhe. Nun wird die Thüre niedergeworfen, und das Wasser fällt darüber hin, so daß der Bach seine vollkommene Tiefe erhält.

Eine solche Schüze ist vermöge ihrer einfachen Struktur sehr dauerhaft; sie läßt sich leicht richten, und verfehlt ihre Wirkung nie. Die bisher beschriebenen Stauschüzen können in verschiedenen Fällen angewendet werden; vorzüglich eignet sich die lezte zu großen Materialfängen, um diese ganz wasserleer zu machen.

Schließlich habe ich mir vorgenommen, noch einige Worte über kleine Material- oder Schlammfänge vorzutragen, weil diese für Oekonomen und Gutsbesizer nicht ohne Interesse seyn werden.

Bäche, welche viel Gefäll haben und durch Thäler fließen, die zu beiden Seiten mit Bergen eingefaßt sind, von denen bei Regengüssen viel Wasser zusammen strömt, solche Bäche führen viel Schlamm, Erde und Kies mit sich. Dieses Material wird dann in dem Bache, vorzüglich da, wo er weniger Geschwindigkeit hat, abgesezt, oder es werden wohl gar die Wiesgründe damit angefüllt. Beides ist schädlich; denn wird der Bach mit Schlamm und Erde angefüllt, so faßt er die gehörige Wassermenge nicht mehr, so daß die künftigen Ueberschwemmungen um so gefährlicher sind, und werden die Wiesen und Felder mit Schlamm überdeckt, so wird das Futter schlechter, oder wohl gar unbrauchbar. Wenn dergleichen Bäche blos Sand und Kies führen, so ist eine Ueberschwemmung unter allen Umständen und zu jeder Jahreszeit schädlich. Führen sie aber Schlamm und Erde |181| so können solche als ein Düngungs-Mittel benuzt werden; nur sollten dann die Ueberschwemmungen nicht zur Unzeit eintreten.

Einer Ueberschwemmung ist nicht wohl vorzubeugen; aber durch die Anlegung eines sogenannten Schlammfanges kann man das meiste Materiale von den Wiesen und Feldern abhalten. Ein solcher Schlamm- oder Material-Fang wird da angelegt, wo der Bach am meisten Materiale absezt und auf die Wiesen führt, oder wo es sonst hie Umstände räthlich machen.

Kommen Bäche von Anhöhen, die zur Regenzeit viel Wasser haben, und in einen Hauptgraben fallen, so sollen sie, ehe sie einmünden, dergleichen Fänge haben, damit der Hauptbach weniger angefüllt wird.

Ein Schlammfang ist nichts als ein kleiner Teich von einigen Quadratruthen. Auf der einen Seite fließt der Bach in denselben und auf der andern wieder ab. Jedoch hat man dahin zu sehen, daß der Einfluß und Abfall nicht einander gegenüber stehen. Ist der Schlammfang ein langes Viereck, so mag der Einfluß auf der einen schmalen Seite seyn, und allenfalls in der Mitte von der langen ist der Abfall angebracht. Der Schlammfang wird 2-3 Fuß tiefer gegraben, als das Bett des Baches, und er soll so verwahrt werden, daß das Wasser nichts ausreißen kann.

Vor dem Ausfluß liegt ein kleines Ueberfallwehr, so hoch als es die Umstände erlauben, und so lang als es angeht. Hat man festes Erdreich, so ist es nicht nöthig, die Seiten des Schlammfangs auszuwanden, sondern nur abzuflächen; legt man ihn aber in ein sumpfiges Erdreich, so wird eine Auswandung nothwendig werden.

In einer solchen Vertiefung sezt sich nun viel Schlamm ab, und nach vorüber gegangenem Regen kann man ihn |182| ausheben. Daher soll man einen solchen Schlammfang an einen solchen Plaz legen, wozu man beständig kommen kann, um den eingeflößten Schlamm abzuführen.

Ist der Schlamm nicht mit Sand und Steinen zu sehr vermischt, so giebt er ein treffliches Düngungsmittel. Mit Sand gemischte Erde ist starker Feldung zuträglich; fetter Schlamm aber, wenn er über Winter auf einen Haufen zusammengeschlagen wird, taugt auf Wiesen und magere Felder.

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