Titel: Hayward über die Bestandtheile und Einwirkung der Erdarten auf die Vegetation.
Autor: Hayward, Joseph
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XX. (S. 200–211)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001020

XX. Ueber die Bestandtheile des Bodens und die Einwirkung der Erdarten auf die Vegetation. Aus der Wissenschaft der Garten-Cultur etc.

Von Joseph Hayward, Gent37).

Mit Anmerkungen des Uebersezers.

Obschon die Erde allerdings ein mannigfaltiges Compositum in Bezug auf Vegetation ist, so ist es doch nicht nöthig, dieselbe weiter als bis auf folgende einfache Zerlegung zu verfolgen, nämlich in Kalkerde, oder in ihren kalkartigen Bestandtheil, in Kieselerde oder den kieselerdigen, Thon oder den thonartigen, Bittererde oder den bittererdigen, und Kohlenstoff oder den kohlenstoffhaltigen Bestandtheil, gewöhnlich Humus (Dammerde, Moder, (Mould) genannt.

Die vier ersten Bestandtheile sind das, was Miller 38) eigentlich den enthaltenden Theil, den Körper, das |201| Bett, das Lager nennt; den fünften oder Humus (Moder 39)), das Resultat verwitterter thierischer und Pflanzenstoffe) nennt er den enthaltenen Theil.

Es ist klar erwiesen, daß keiner der vier Bestandtheile, weder Kalk- noch Thon-, weder Bitter- noch Kieselerde in reinem Zustande, sowohl jeder einzeln für sich, als mit anderen gemengt, eine Pflanze erhalten kann, und daß hie Vegetationskraft eines jeden Bestandtheiles des Bodens durch die Menge des Moders, oder des thierischen und Pflanzenstoffes bestimmt wird, welche derselbe enthält.

Erde ist allerdings, wie man erwiesen hat, ein wesentlicher Bestandtheil der Pflanzen, allein die Menge dieser in den Pflanzen entdeckten Erde ist so gering und von solcher Art, daß sie in dem Wasser enthalten und von demselben zu- und abgeführt werden kann.

Eine zu große Anhäufung oder Vereinigung thierischer und Pflanzenstoffe auf einem Punkte macht den Boden untauglich zur Fortpflanzung und Erhaltung der meisten Gewächse: wir finden jene auch in der Natur selbst immer zertheilt und verdünnt durch die Dazwischenkunft und Beimischung anderer Urstoffe, und in diesem Zustande oder in dieser Verbindung bilden sie das, was man eigentlich Grund (loam) nennt.

Jeder Theil der Oberfläche unseres Erdballes, welcher Pflanzen trägt, besteht aus einer Mischung oder Decke von Grund, in mehr oder minder mächtiger Tiefe, und diese Mächtigkeit seiner Tiefe, das Verhältniß der Mischungen |202| desselben, der Grad, in welchem er der Sonne und der Luft ausgesezt ist, und die Beschaffenheit seiner Unterlage bestimmen den Ertrag des Bodens oder der Erde im Allgemeinen.

Es ist eine ziemlich allgemein angenommene Meinung, daß kohlensaures Gas oder fixe Luft die Hauptnahrung der Pflanzen bildet, allein dies ist nicht erwiesen. Kohlensaures Gas, welches aus Kohlenstoff besteht, der in einer großen Menge von Sauerstoff aufgelöset erhalten ist, besteht allerdings aus den zwei großen Grundstoffen der Vegetation; es scheint mir aber weder wahrscheinlich noch nothwendig, daß dasselbe in einem zusammengesezten oder gasförmigen Zustande als Nahrung für die Pflanze anwendbar seyn sollte: wenn es aber durch die kalkartigen Erden zersezt, seine Säure neutralisirt, oder der überflüßige Sauerstoff, indem er eine andere Verbindung eingeht, demselben entzogen ist, und der Kohlenstoff sich mit Wasser verbindet, dann kann es in Nahrungsstoff für die Pflanze verwandelt werden.

Es kann vielleicht nöthig seyn, daß der Kohlenstoff auf denselben Zustand zurückgeführt werden muß, in welchem sich derselbe befindet, wenn er mit Sauerstoff vereint, kohlensaures Gas bildet, ehe er von dem Wasser aufgelöset und von den Pflanzen aufgenommen, verzehret, und denselben angeeignet werden kann.

Alle Beobachtungen stimmen darin überein, daß ein Uebermaß von Sauerstoff den Pflanzen nachtheilig ist; es ist auch gewiß, daß die Fruchtbarkeit einer Pflanze durch die Bildung oder durch das Weglassen des kohlensauren Gases sowohl von Seiten des Bodens, als von Seiten der Pflanze vermindert wird.

Die befruchtendsten Düngerarten sind diejenigen, welche durch Zersezung von thierischen oder Pflanzenstoffen durch solche Prozesse entstehen, welche die Bildung des kohlensauren Gases hindern oder unmöglich machen.

|203|

Ohne einen Ueberschuß von Wasser in fortdauerndem Zustande wird der Kohlenstoff unfähig zu jenem Grade von Säuerung, welcher nöthig ist, um denselben in eine Säure umzubilden, und wird dann nur, wie man sagt, in ein kohlensaures Oxyd verwandelt, welches, wie es mir scheint, jener Zustand ist, in welchem er sich am leichtesten in Pflanzen-Nahrung verwandeln läßt; daher finden wir auch, daß stehendes Wasser den Pflanzen nachtheilig ist.

Wenn der Boden schon vorläufig mit einer hinlänglichen Menge von Kali oder Säure versehen ist, um beide in einem neutralen Zustande darbieten zu können, wenn er durch die Dazwischenkunft von kiesel- und kalkhaltigen Erden so zertheilt ist, daß jede Vereinigung auf einem Punkte gehindert wird; so wird jeder Zusaz von einem oder von dem anderen der hier bemerkten Dinge denselben unfruchtbar und für die Vegetation nachtheilig machen.

Gegohrene Flüssigkeiten, welche eine große Menge kohlensauren Gases oder fixer Luft enthalten, wie Bier, verspäten oder hindern den Wachsthum, wenn sie in gewöhnlichem Boden an die Wurzeln der Pflanzen gebracht werden; stärkere Säuren, wie Essig oder Essigsäure, zerstören, wenn sie mit den Wurzeln in unmittelbare Berührung gerathen, das Leben der Pflanze.

Man hat beobachtet, daß Pflanzen, wenn sie im Schatten wachsen, kohlensaures Gas entwickeln; Sauerstoffgas hingegen allein, wenn sie den Strahlen der Sonne ausgesezt werden; wir dürfen hieraus nicht schließen, daß kohlensaures Gas, als solches, schon vollkommen ausgebildet, von den Blättern und Wurzeln als Nahrung aufgenommen, und in demselben Zustande wieder ausgeschieden wird, sondern es scheint, daß eine Auflösung des Kohlenstoffes in Wasser als Nahrung aufgenommen wird, und daß die Sonne die Pflanze in den Stand sezt, diese Nahrung, welche aus |204| Wasser besteht, worin Erde und Kohlenstoff aufgelöset sind, zu verdauen, und zu ihrem verschiedenen Bedarf anzuwenden; daß die Sonne, während sie die Entweichung des Sauerstoffgases erleichtert, der Bildung des kohlensauren Gases, und dem dadurch nothwendig entstehenden Verluste des Kohlenstoffes, dieses für die Pflanze so wichtigen Stoffes, vorbeugt; daß, wenn die Sonne auf die Pflanze nicht einwirkt, diese Zersezung oder Verdauung nur unvollkommen geschieht, und die Nahrung dann unverdaut, als kohlensaures Gas, ausgeschieden, die Pflanze selbst aber schwach, ungesund und kränkelnd wird.

Ohne Anwendung einer außerordentlichen Hize, die jener des freien Feuers nahe kommt, kann die Kunst den Kohlenstoff in reinem Zustande nicht erzeugen, und es scheinen triftige Gründe uns zur Annahme zu berechtigen, daß, ohne Hülfe der Sonnenstrahlen oder der Verdauung in den Eingeweiden der Thiere, eines Grades von Hize, der nach jenem der Gährung und des Feuers zu stehen kommt, der Kohlenstoff der nöthigen Auflösung im Wasser, in welchem Zustande er allein als Nahrung für die Pflanzen dient, nicht fähig werden kann; denn wir finden, daß thierische oder vegetabilische Substanzen, wenn sie in einem organischen Zustande unter die Erde gebracht und dort zersezt werden, den Pflanzen nur wenig heilsame Nahrung darbieten, so lange sie von der Einwirkung der Sonne und des Feuers etc. ausgeschlossen sind, während, wenn sie später in was immer für einer Periode der Einwirkung der Sonne und der Luft ausgesezt, oder in Berührung mit einer ähnlichen Wärme, mit kalkartigen Erden oder mit absorbierenden und durch das Feuer kaustisch gewordenen Substanzen gebracht werden, sie dadurch in einen Zustand gelangen, in welchem sie die Erde fruchtbar machen, und Nahrung für die Pflanzen werden können.

|205|

Durch den Harn und durch die thierischen Excremente, durch die Einwirkung des Feuers auf thierische und vegetabilische Stoffe, durch das Aussezen derselben an die Sonne und durch einen Ueberschuß von Wasser werden alkalische Salze erzeugt, während durch die natürliche Zersezung von Thieren und Pflanzen mittelst der Gährung Säuren gebildet werden, kohlensaures Gas, gekohlstofftes Wasserstoffgas, Ammoniakgas u. d. gl. Daher glauben auch Einige, daß diese das Hauptprincip der Nahrung und des Unterhaltes der Pflanzen wären: allein es ist erwiesen, daß weder alkalische oder andere Salze, noch Säuren für sich allein eine Pflanze erhalten, oder einen Wachsthum in derselben hervorbringen können.

Man sieht zuweilen üppig und geil Gewächse an solchen Orten aufschießen, wo diese verschiedenen Gasarten in großer Menge entwickelt werden; sie scheinen die Auflösungen der sich zersezenden Substanzen in dem unreinsten Zustande zu verschlingen. Dies läßt sich am deutlichsten an der Familie der Kohlgewächse beweisen, und besonders am See-Kohle, wenn er für die Tafel gezogen wird; wenn dieser auf frisch und reichlich gedüngtem Grunde gebaut wird, so bekommt er einen so starken und üblen Geschmack, daß er kaum genießbar ist; ist er aber in reinem Grunde, oder in einem solchen gewachsen, der bereits vor einigen Jahren gedüngt wurde, so schmeckt er süß und kostbar40).

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Pflanzen, die zu schnell und zu üppig wachsen, sind gewöhnlich kränkelnd, und tragen selten Früchte. Die Ursache hiervon ist offenbar. Die Stoffe, welche das Gas liefern, sind mit einer Menge Wasser in Verbindung, und liefern dadurch einen großen Vorrath von Nahrung für die Pflanzen: allein diese ist in einem solchen Zustande oder Mißverhältnisse, so verdünnt, wässerig und unrein, daß eine weit größere Oberfläche am Stängel wie am Laube der Einwirkung der Sonne und der Luft ausgesezt werden muß, wenn sie fruchtbringend werden soll, als eine einjährige Pflanze füglich zu ertragen vermag; sie muß also nothwendig zu Boden fallen.

Wenn Bäume und Sträucher einander beschatten, die Strahlen der Sonne ausschließen, und ein großer Theil des Kohlenstoffes in Verbindung mit Sauerstoff als kohlensaures Gas entwickelt wird, so bleiben die beschatteten in einem Zustande von Schwäche, der nothwendigen Erhaltungsmittel beraubt, und Krankheit, Fäulniß und Tod ist nicht selten hiervon die Folge.

Ein Boden, der durch seine Lage gegen Sonne und Luft, oder durch Einwirkung des Feuers, oder durch seine gehörige Mischung aus Kalk, Kiesel und Thonerde so beschaffen ist, daß er die Zersezung thierischer und vegetabilischer Produkte durch Ablassung des überflüssigen Wassers und Hinderung der Bildung des kohlensauren Gases und gekohlstofften Wasserstoffgases und der dadurch nothwendigen Entweichung des Kohlenstoffes gehörig leitet, bringt und erhält die gesundesten Pflanzen, und macht diese höchst fruchtbar an Samen und Früchten.

Als Zusaz zu obigen Behauptungen wollen wir bemerken, daß Jethro Tull in seiner Abhandlung über das Roß-Harken (Treatise on Horse-Horing) vom Jahr 1733 die Meinung aufstellte, daß sehr kleine Erdtheilchen die Nahrung |207| der ganzen vegetabilischen Welt bilden; daß Luft und Wasser zur Erhaltung dieser Theilchen aus dem Boden vorzüglich nüzlich sind, und daß der Dünger auf keine andere Weise, als dadurch wirkt, daß er das Gefüge des Bodens verbessert.

Van Helmont glaubte im Jahr 1610 durch entscheidende Versuche bewiesen zu haben, daß alle vegetabilische Produkte im Wasser erzeugt werden können41).

Es läßt sich erweisen, daß eine unendliche Menge Wassers von unserer Erde durch Ausdünstung aufsteigt. Einstimmig hiermit und mit der Meinung, daß die Blätter die Nahrung der Pflanze einsaugen und zuführen, und diese durch das ganze Gebäude derselben geleitet wird, bemerkte ein ausgezeichneter Ackerbauer und Schriftsteller unserer Zeit, J. C. Curwen, Esqu., daß Pflügen und Aufrühren des Bodens diese Verdünstung erleichtert und vermehrt, und daß, wenn diese Arbeit statt hat, der Wachsthum der Pflanzen durch den Dunst, der dann aufsteigt, und von den Blättern verzehrt wird, sich neu belebt und vermehrt. Obschon keine dieser Behauptungen durch Demonstration erwiesen werden kann, so sind doch die Beobachtungen dieser ausgezeichneten Männer keineswegs grundlos, sondern verdienen alle Aufmerksamkeit; denn wenn auch ihre Theorien und Meinungen über die große wirkende Ursache Sophisterei sind, so bleiben doch die wohlthätigen Wirkungen, welche von der praktischen Anwendung ihrer Lieblings-Prozesse für den Landbau überhaupt entstehen, unbezweifelt.

|208|

Van Helmont's Ideen, daß alle vegetabilischen Produkte aus dem Wasser allein erzeugt werden können, sind, strenge genommen, nicht richtig; es ist aber gewiß, daß die Pflanzen ohne Wasser nicht wachsen können, und daß ihr Wachsthum wirklich ganz und gar von dem Wasser abhängt, welches ihre Wurzeln erhalten42).

Jethro Tull's Meinung, daß der ursprüngliche Boden alles in sich enthält, was zur Erhaltung der Pflanzen nöthig ist, ist durch die jährliche Erfahrung aller Gärtner und Landwirthe hinlänglich widerlegt; allein seine Methode und sein Grundsaz, nach welchem der Landbau getrieben werden soll, wird immer die Fruchtbarkeit des Bodens vermehren. Herrn Curwen's Schluß, daß die aus dem Boden, wenn dieser umgekehrt wird, aufsteigenden Dämpfe den Pflanzen einen Zuschuß an Nahrung gewähren, indem sie von den Blättern verschlungen und in das Gebäude der Pflanze aufgenommen werden, ist eben so trügerisch; denn wenn dies wirklich der Fall wäre, so müßten, da diese aus der Erde aufsteigenden Dämpfe so leicht sind, daß sie durch das leiseste Lüftchen verwehet werden können, auch jene Pflanzen, welche neben dem Lande, das aufgeharkt wurde, stehen, davon Vortheil ziehen, was aber nicht der Fall ist. Indessen ist das Harken selbst doch unbezweifelt nüzlich43).

|209|

Die wahren Grundsäze, auf welchen das Ganze beruht, scheinen folgende:

Wasser, welches gewisse Substanzen aufgelöset enthält, liefert die einzige Nahrung der Pflanzen.

Nachdem die Wurzeln denjenigen Theil des Wassers, welchen sie für sich tauglich fanden, ausgezogen und verzehret haben, wird das noch Uebrige für sie unnüz und schädlich, und erzeugt, wenn es nicht entfernt wird, Krankheit.

Um also einen beständigen und regelmäßigen Vorrath von Nahrung und die Pflanzen zugleich gesund zu erhalten, wird für diese ein Wechsel und Umlauf des Wassers eben so nöthig, als Wechsel und Umlauf der Luft für die Thiere nöthig ist.

Der Grund und Boden (als dem Einflusse der Cultur unterworfen) ist für die Erhaltung der Pflanzen in keiner anderen Rücksicht, denn als Laboratorium, Lager oder Bett nothwendig, in welchem die Nahrung bereitet wird, und die Wurzeln sich ausbreiten, nähren und ruhen können.

Jede Art von Erde kann durch die Anziehungskraft der Haarröhrchen eine gewisse Menge Wassers in sich fassen, und, nach ihrem verschiedenen Gefüge, demselben einen schnelleren oder langsameren Durchgang gewähren.

Die Schwere des Wassers, welches als Regen, oder wie immer auf die Oberfläche der Erde auffällt, veranlaßt die absteigende Bewegung oder das Eindringen desselben in die Erde, und wenn diese durch die Sonne an ihrer Oberfläche erhizt wird, wird das Wasser an derselben verdünnt, steigt auf, und geht in Dampfgestalt davon; und da die Anziehungskraft dadurch vermehrt wird, so entsteht eine aufsteigende Bewegung.

Da nun das Wasser während seines Auf- und Niedersteigens in der Erde mit dem in derselben enthaltenen Kohlenstoffe in Berührung kommt, so löst es einen Theil desselben |210| auf, und wird dadurch mit der für die Erhaltung der Pflanzen nöthigen Nahrung versehen, welche, während sie durch die Wurzeln durchgeht, gehörig in denselben vertheilt wird.

Es ist durch Analyse erwiesen, daß diejenigen Gründe die fruchtbarsten sind, welche so beschaffen sind, daß in ihnen die größte, unmittelbarste und bis in das Kleinste gehende Zertheilung, Ausdehnung und Verbreitung des Wassers während seines Durchganges durch dieselben möglich wird, und die zugleich eine hinlängliche Menge auflöslichen Kohlenstoffes und kalkartiger Erde zur Verbesserung der Säure und Fäulniß enthalten.

Die wirksamste Weise, jeden Boden fruchtbar zu machen, muß daher diejenige seyn, durch welche diese wesentlichen Eigenschaften an demselben hervorgebracht und unterhalten werden44).

Dies ist die wahre Ursache der Vortheile, welche durch Tull's und Hn. Curwen's Methode entstehen.

Je mehr der Boden gehörig und vollkommen zertheilt wird, desto vollkommener und gleichförmiger wird auch das Auf- und Niedersteigen der Feuchtigkeit geschehen können, und je kleiner das kohlenstoffhaltige oder große Princip aller Fruchtbarkeit zertheilt, je gleichförmiger dasselbe überall in der Erde verbreitet wird, desto leichter wird es sich von dem Wasser auflösen lassen, und mit demselben verkörpern, desto vollkommener wird es zubereitet, und in den Bereich der Wurzeln der Pflanzen gebracht.

Man muß ferner noch bemerken, daß es diese Grundsäze |211| sind, auf welchen die wohlthätigen Resultate der Ackerbau-Verrichtungen, des Trockenlegens und Wässerns, des Kalkgebens, des Reinigens der Oberfläche vom Unkraute, und des gehörigen Ausstellens derselben gegen Sonne und Luft etc. beruhen.

Wir müssen ferner aus den vorhergehenden Beobachtungen schließen, daß nicht blos die Bildung des Lagers oder Bettes unsere besondere Aufmerksamkeit verdient, sondern daß auch die Beschaffenheit der Unterlage, worauf dasselbe ruht, von sehr wesentlicher Wichtigkeit ist. Wenn diese so beschaffen und gebildet ist, daß sie das überflüßige Wasser zurück hält, und um die Wurzeln her still stehen läßt, so wird sie Unfruchtbarkeit, Krankheit und den Tod herbeiführen; wenn sie aber zu offen und trocken ist, so wird sie, indem sie das Wasser zu schnell durchlaufen läßt, bei ihrer Unfähigkeit, dasselbe zurückzuhalten, den Grund seines Kohlenstoffes berauben und denselben unfruchtbar machen.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei Pflanzen wie bei Thieren die Menge und Beschaffenheit der Nahrung, der Schuz und die Wartung, die man ihnen angedeihen läßt, ihre Stärke und ihren Ertrag bestimmen; es müssen daher in dem ganzen Verlaufe ihrer Cultur alle Vorrichtungen so getroffen werden, daß sie mit dem beabsichtigten Zwecke im Einklange stehen, und unsere Forderungen dürfen nie unsere Mittel übersteigen. Es wird verderbliche Thorheit seyn, ein Bett oder Lager und hinlängliche Nahrung für einen großen starken Baum herzurichten, wenn wir nur für den Stamm oder für die Aeste eines kleinen Strauches Raum genug besizen, und umgekehrt45).

Aus dem Repertory of Arts Manufactures et Agriculture. Second Series. N. CC. Jan. 1819. p. 93. From the Science of Horticulture etc. Eine sehr umfassende Abhandlung über denselben wichtigen Gegenstand verdanken wir dem Herrn Professor Schübler in Hofwyl, welche wir in der Folge, mit Anmerkungen begleitet, in diesem Journale mittheilen werden.

|200|

Einer der ersten und bis auf den heutigen Tag noch immer unübertroffenen Gartenmeister, dessen unsterbliches Werk, Garten-Lexikon, 19 Auflagen erlebte. Vergl. Schultes Grundriß einer Geschichte und Literatur der Botanik, 8. Wien 1817. S. 377. 378. Anmerk. d. Uebers.

|201|

Wir werden uns künftig dieses Ausdruckes statt des lateinischen Humus bedienen, weil er erstens bezeichnender, ganz die Eigenheit der Sache ausdrückend, und endlich auch zweitens nicht gelehrt und deutlich ist. Anmerk. d. Uebers.

|205|

Möchten sich dies doch unsere Erdäpfel-Fabrikanten in Baiern gesagt seyn lassen, die, um ja nur recht viele Knollen zu fabriciren, das Feld, auf welchem sie Kartoffeln bauen, wenige Tage vorher recht tüchtig düngen, und so aus den feinsten und schmackhaftesten englischen und holländischen Zucker-Erdäpfeln immer nur Schweins-Kartoffeln, die im Halse krazen und brennen, zu Markte bringen. Anmerk. d. Uebers.

|207|

Thales hat eben dasselbe schon einige halb Duzend Jahrhunderte vor Van Helmont behauptet. Wenn diese beiden – Philosophen eben dies von unseren heutigen mystikvollen Poeten behauptet hätten, würde ihnen kein Mensch widersprochen haben.

|208|

Es ist aber eben so wahr, daß die allersaftigsten Pflanzen, die Crassulen, Mesembryanthemen, Cactus, Euphorbien, Aloën etc. auf dem allerdürresten Boden der heißen afrikanischen Wüsten, so wie unser Mauerpfeffer und unsere Hauswurzen auf unseren trockenen Mauern, am besten gedeihen, und daß alle diese Pflanzen, wenn man ihren Wurzeln reichlich Wasser giebt, in wenigen Tagen zu Grunde gehen. Anmerk. d. Uebers.

|208|

Wo es zur rechten Zeit geschieht. Anmerk. d. Uebers.

|210|

Hoc opus, hic labor est! Es muß daher ewig Boden geben, die zur ewigen Unfruchtbarkeit verdammt bleiben müssen, weil der Aufwand mehr kosten wird, als der Ertrag. Non omnis fert omnia tellus. Anmerk. d. Uebers.

|211|

Die gewöhnliche Geschichte der Cultur tropischer Bäume in unseren Vogelbauern von Glashäusern. Anmerk. d. Uebers.

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