Titel: Beschreibung einer Maschine zur Bereitung Kartoffelmehls.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXV. (S. 257–265)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001025

XXV. Beschreibung einer Hand-Maschine, um Mehl aus den Erdäpfeln zu gewinnen89).

Mit Abbildungen. Tab. VII.

Herr Grouvel zu Cap-Breton im Bezirke von Dax, Departement des Landes, errichtete in dieser Gemeinde eine Anstalt im Großen, um mittelst einer Hand-Maschine von seiner Erfindung, deren Beschreibung und Abbildung er Se. Exc. dem Herrn Minister des Inneren übersandte, Mehl aus den Erdäpfeln zu gewinnen.

Der Verathungs-Ausschuß der Künste und Manufakturen, mit Untersuchung dieser Maschine beauftragt, erstattete einen günstigen Bericht über dieselbe, und hielt es für nüzlich, den Aufsaz des Herrn Grouvel durch das Bulletin de la Société d'Encouragement öffentlich bekannt zu machen, indem derselbe einige Details enthält. welche für viele Bewohner ärmerer Gemeinden sowohl, als kleiner Haushaltungen, theils in Rücksicht des Zerreibens der Knollen und des Trocknens des Mehles, theils in Hinsicht der Eigenschaften der erhaltenen Produkte und der verschiedenen Mengen derselben in Bezug auf den Urstoff interessant seyn dürften.

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Diesem zufolge hat der Herr Unter-Staats-Secretär des Departements des Inneren, nach vorher eingeholter Zustimmung des Herrn Grouvel, dem Administrations-Rathe alle betreffende Aktenstücke mit der Einladung zugesandt, die Kenntniß derselben im Publikum zu verbreiten. Sein Ersuchen wurde in der Sizung des lezten 15ten Julius angenommen; da aber der Aufsaz des Herrn Grouvel zu ausgedehnt ist, um in das Bulletin in seinem ganzen Umfange eingerückt zu werden, so wollen wir ihn hier nur im Auszuge mittheilen.

Der Mangel an Lebensmitteln, welcher im Jahr 1816 in allen Gegenden des Königreiches sich auf eine so verderbliche Weise fühlbar machte, veranlaßte die Orts-Administrationen, Aufmunterungs-Preise für diejenigen auszusezen, welche die Cultur der Erdäpfel verbreiten, und einfache und wohlfeile Mittel zur Gewinnung des Mehles aus denselben angeben würden.

Herr Grouvel glaubte dieser Aufforderung entsprechen zu müssen, und es gelang ihm, unterstüzt von seinem Eifer für das allgemeine Beste, eine Anstalt zur Erzeugung des Erdäpfelmehles zu gründen, welche in einem Gebäude aus zwei Abtheilungen besteht, wovon die eine zur Aufnahme der Mühle, der Presse etc., die andere aber als Darre zum Abtrocknen des Mehles dient. Die Knollen werden auf dem Boden aufbewahrt, von welchem sie durch eine Schütte oder Gosse auf die Reibmaschine fallen.

Diese Reibmaschine, welche durch Arme (Hände) bewegt wird, ist ganz aus Eichenholz gezimmert; selbst die Achsen, die man beständig fleißig schmieren muß, sind aus diesem Holze. Die walzenförmige Reibe, die einen Fuß im Durchmesser und 15 Zoll in der Lange hält, ist aus Tannenholz, welches, seiner harzigen Natur nach, besser als jedes andere Holz zu einem Werkzeuge dient, das beständig der |259| Feuchtigkeit und dem Wasser ausgesezt ist. Sie ist mit einem Blatte Eisenbleches überlegt, welches mit einer Menge Löcher durchbohrt ist, die im Verbande (en quinconce) und so dicht als möglich stehen. Eine Bürste aus Schweinsborsten, die in dem hinteren Querbalken eingesezt ist, und ein Wasserstrahl, der ohne Unterlaß auf dieselbe auffällt, dienen dazu, sie beständig rein zu halten. Auf diese Reibe ist eine Schütte aufgesezt, welche die Knollen aufnimmt, und mit ihren Zapfen auf einem Gebälke sizt, das 31/2 Fuß (pieds métriques) lang, und 22 Zoll breit ist. Ein einziger Mann reicht zu, um sie mit Leichtigkeit in Bewegung zu sezen; man braucht aber zwei Männer, wenn man die Arbeit auf derselben einen ganzen Tag lang fortsezen will. Ein Schieber, der aus einem Hebel mit zwei Flügeln besteht, und an den beiden Enden der Achse angebracht ist, dient, die Bewegung gleichförmig zu erhalten.

Die Nebentheile dieser Maschine sind: 1) Eine Schiffspumpe, die in einem 10 Fuß tiefen Brunnen steht, und mittelst einer Rinne das Wasser auf die Walze leitet; sie wird durch den Mechanismus der Mühle in Bewegung gesezt mittelst eines Hebelarmes, der auf der Kurbel der Achse ruht. 2) Ein Beutel von grobem hanfenen Zeuge, 2 Fuß im Durchmesser, und 2 1/2 Fuß in der Länge; er befindet sich am Ende der Mühle, und parallel mit der Achse derselben. Eine Rinne unten an der schiefen Fläche, auf welche der verdünnte Brei fällt, so wie er von der Reibe erzeugt wird, leitet ihn in den Beutel, dessen Kreisbewegung sich zu jener der Walze verhält, wie 1 zu 21/2. Der Beutel wird durch eine Laufschnur in Bewegung gesezt, welche, indem sie sich kreuzt, über eine Rolle läuft, die auf ihrer Achse steht, und mit einer zweiten Rolle in Verbindung ist, welche an der, der Bewegung der Pumpe gegenüberstehenden Seite den Baum der Reibe trägt. 3) Ein hölzernes Becken, welches |260| bis auf 6 Zoll von seinem Rande in die Erde eingegraben, und zur Aufnahme des Mehl-Wassers, und folglich auch des Mehles, das aus dem Beutel fällt, bestimmt ist. Sein Uebermaß ergießt sich durch eine Rinne in ein zweites, in der Trockenstube befindliches Becken, und dieses entleert sich in ein drittes, so daß das Wasser aus diesem lezteren, nachdem es das wenige Mehl, welches in demselben noch enthalten seyn mochte, abgesezt hat, in einen Graben außer dem Gebäude abläuft. Der Gehalt dieser Becken ist nach der Menge des Mehles berechnet, welches binnen 24 Stunden erzeugt und getrocknet werden kann. Ueber einem anderen, zur Sammlung der Ueberbleibsel bestimmten Becken befindet sich ein Steg. Zur Seite steht eine Presse, um das Wasser aus dem erhaltenen Trester auszudrücken, und das Trocknen desselben zu erleichtern. Dieses geschieht auf 2 1/2 Fuß breiten Brettchen, die in dem Inneren und an den Wänden der Trockenstube angebracht sind, welche mittelst eines gewöhnlichen Ofens, den Herr Grouvel aus Kacheln und Thon erbaute, und dessen Röhren gleichfalls aus Erde sind, geheizt wird.

Man wird die ganze Einrichtung dieser Mühle besser begreifen, wenn man die Abbildung derselben auf Tafel (162 im Originale) nachsieht, und mit folgender Beschreibung vergleicht.

Erklärung der Figuren der Tafel.

1. Fig. Aufriß der Erdäpfel-Reibmaschine von rückwärts und nach der Linie AB des Fig. 3. entworfenen Planes.

2. Fig. Aufriß von der Seite nach der Linie EF.

3. Fig. Grundriß der Mühle, des Beutels und der Becken, in welche der verdünnte Brei aufgenommen wird.

4. Fig. Durchschnitt der walzenförmigen Reibe nach der Linie CD.

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Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände in diesen vier Figuren.

a. Die walzenförmige Reibe, belegt mit einer Blech-Platte, die mit Löchern durchbohrt und mit rauhen Erhabenheiten besezt ist.

bb. Das Gerüst der Mühle.

c. Ein schief gelagertes Brett, in welchem sich, der Länge nach, mehrere Rinnen befinden, welche bis an den unteren Rand desselben sich hinabschlängeln. Dieses Brett, welches sich unmittelbar unter der Reibe befindet, nimmt den Brei auf, dessen Hinabgleiten ein auffallender Wassers strahl befördert.

d. Ein bewegliches Stück Holz, das schief gegen die Kante hin abgeschnitten ist, und die Knollen gegen die Reibe hin abdrücken hilft.

e. Ein Querholz, in welches eine Bürste von Schweinsborsten eingesezt ist, um die Reibe zu reinigen.

ff. Zapfen der Walze, die von Holz oder Eisen seyn können.

g. Rolle auf der Achse der Reibe zur Aufnahme einer Schnur, welche der Rolle l am Beutel Bewegung mittheilt; hie Schnur läuft, sich kreuzend, über beide Rollen.

i. Beutel, mit einer groben hanfenen Leinwand umgeben, in welchem sich der verdünnte Brei sammelt.

kk. Zapfen des Beutels.

l. Steg, auf welchem sie ruhen.

m. Großes viereckiges Becken zur Aufnahme des durchgebeutelten oder durchgesiebten Breies.

n. Zweites Becken zur Aufnahme der durchgebeutelten Reste.

o. Schütte oder Gosse über der Reibe zur Aufnahme der Knollen.

pp. Schweber aus einer hölzernen Stange mit viereckigen |262| Flügeln an beiden Enden zur gleichförmigen Bewegung der Maschine; sie sind auf die Achse der Reibe an jeder Seite der Mühle aufgesezt.

q. Hebelarm auf der Kurbel des Schwebers, um die Pumpe in Bewegung zu sezen.

r. Rinne oder Querkanal, unten an dem schief geneigten Brette c, zur Leitung des verdünnten Breies in den Beutel.

5. Fig. Durchschnitt des Gebäudes, in welchem die Maschine zur Erzeugung des Erdäpfelmehles aufbewahret wird.

6. Fig. Grundriß dieses Gebäudes:

A. Boden, auf welchem die Erdäpfel aufbewahret werden.

B. Stube, in welcher die Mühle sich befindet.

C. Stube.

D. Brunnen außer dem Gebäude.

E. Kleiner Ofen, um die Stube zu heizen.

F. Röhre zum Durchzuge für den Rauch.

GG. Bretter, um das Mehl auf denselben zu trocknen,

H. Rinne, die das Wasser auf die Reibe leitet.

I. Schiffspumpe.

K. Stange derselben.

L. Rinne zur Ableitung des Uebermaßes aus den viereckigen Becken des Beutels.

MMM. Andere kreisförmige Becken in der Stube, in gleicher Höhe mit dem Boden derselben, zur Aufnahme des Mehlwassers der vorigen.

O. Presse zum Auspressen des Wassers aus dem Rückstande.

P. Senkrechte Röhre über der Schütte oder Gosse, durch welche die Erdäpfel fallen.

Verfahrungsart. Wir haben oben gesagt, daß, um während eines ganzen Tages regelmäßig und ununterbrochen |263| zu arbeiten, zwei Männer nöthig sind, die sich wechselsweise ablösen. Diese Arbeiter müssen zugleich das Feuer im Ofen unterhalten, das getrocknete Mehl in Säcke bringen, dasjenige, was in den Becken zu Boden fällt, mit einer eisernen krummen Schaufel herausschaffen, und in einen Sack zum Adtröpfeln werfen, damit es in die Darrstube gebracht werden könne, und endlich hie Ueberreste, die man noch aufbewahren will, auspressen.

Da das Wasser bei dieser Art von Mehlerzeugung die Hauptsache ist, so muß ein Wasserstrahl von ungefähr einem Kubikzoll mittelst der Pumpe, welche durch die Mühle in Bewegung gesezt wird, auf die Walze geleitet werden, um die Wirkung per Reibe auf die Erdäpfel zu erleichtern, und den Brei, welcher auf das Brett c fallt, zu verdünnen und zu zertheilen. Dieses Brett ist unter einem Winkel von 45° geneigt, und seiner ganzen Länge nach in mehrere, schlangenförmig sich windende, Kanäle getheilt, die durch Leistchen von Holz gebildet werden. Die Regelmäßigkeit der Bewegung der Reibe, die die Erdäpfel-Knollen, ohne sie zu zerreißen, zu Brei zermalmt, und der schnelle Durchfall des auf diese Weise verdünnten Breies in den Beutel lassen alles Mehl erhalten, welches die Erdäpfel in mehr oder minder großer Menge zu geben fähig sind. Das Mehlwasser geht durch den Beutel und fällt in das Becken, aus welchem man es mit der eisernen Schaufel schöpft, während die übrigen, aus den Häuten der Erdäpfel bestehenden, Reste sich in das am Ende des Beutels befindliche Becken begeben, aus welchem man sie heraus nimmt, um sie unter die Presse und dann in die Darrstube zu bringen, in welcher sich das Mehl bereits befindet. In dieser Darrstube unterhält man einen hinlänglichen Grad von Hize, um diese beiden Produkte bis auf den zu ihrer Aufbewahrung nöthigen Grad der Trockenheit zu bringen.

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Die Kosten einer solchen Mühle sammt Beutel, Becken und Presse kommen auf ungefähr 300 Franken; sie ist so einfach, daß jeder Landmann dieselbe leicht bei sich errichten kann. Die einzigen Theile derselben, die öfters erneut werden müssen, sind die Bürste, das Eisenblech auf der Reibe, und die hänfene Leinwand um den Beutel, welche man auch durch ein Drathgewebe zu größerer Ersparniß ersezen könnte. Alle diese Dinge kosten jährlich nur ungefähr 30 Franken, unter der Voraussezung, daß die Mühle ununterbrochen arbeitet.

Auf dieser Maschine wird binnen 2 Stunden ein Hektolitre90) Erdäpfel in Brei verwandelt; diese Menge Erdäpfel giebt 14 Kilogramme91) rohes Mehl, welches, nach einem Versuche des Herrn Grouvel, mehr als zwei Drittel seines Gewichtes Stärkmehl giebt, während dieselbe Menge Weizenmehles nicht gar dasselbe Gewicht im Scheffel gibt, woraus erhellt, daß an lezterem die Kleie mehr beträgt, als die Abfälle (Recoupe) bei den Erdäpfeln. Diese Abfälle oder Erdäpfel-Kleie (die Herr Grouvel recoupe nennt) sind das grüzeartige Mehl, das in dem Beutel bleibt, und das sich sehr wohl zum Brodtbacken brauchen läßt, indem es im Wasser auflösbar ist; eine Eigenschaft, die die Weizen-Kleie nicht besizt. Man erhält noch überdies aus den auf diese Art behandelten Erdäpfeln den vielen Theil des Maaßes derselben an Rückstand oder grüner Trester, welchen man den Hausthieren zum Futter geben kann.

Aus diesen Versuchen erhellt, daß, während die Erdäpfel den fünften Theil ihres Gewichtes an Mehl liefern, und der Preis des Weizens sechsmal höher, als jener der Erdäpfel steht, der Consument für den Werth eines Hektolitres |265| Weizen sich 6 Hektolitre Erdäpfel anschaffen kann, deren Mehl, mit Weizenmehl gemengt, ein sehr gutes Brodt giebt.

Die Weise, wie die Darre geleitet wird, hat sowohl auf die Güte, als auf die Menge des erhaltenen Mehles Einfluß. Die Methode, welche Herr Grouvel befolgt, ist diese, daß er das Mehl, so wie es aus den Becken kommt und nach und nach erzeugt wird, in einem Sacke von dichter Leinwand einige Stunden lang abtröpfeln läßt. Die erhaltene Masse wird auf Brettchen in der Darrstube gelegt, und dann in dünne Lagen getheilt und zu Pulver gemacht; binnen 24 Stunden ist das Trocknen vollendet. Will man Stärkmehl daraus bereiten, so treibt man dieses Mehl, wie das Weizenmehl, durch ein Haarsieb.

Herr Grouvel versichert, daß das Erdäpfelmehl das Doppelte seines Gewichtes an Brodt giebt. 30 Pfund rohen Roggenmehles geben gewöhnlich 34 Pfund Brodt; als man aber 5 Pfund von diesem Mehle weniger, und dafür eben so viel rohes Erdäpfelmehl nahm, erhielt man 44 Pfund schöneres und besseres Brodt, als man aus gewöhnlichem Roggenmehle nicht erhielt.

Wörtlich übersezt aus: Description d'une machine á bras, propre á extraire la farine de la pomme de terre in Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale. XVII. année. 4. Paris 1818. p. 235-239.

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9363/100 Baiersche Maaß,

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Beiläufig 25 Pfund Wiener oder Baierisch oder 30 Pfund Leipziger Gewicht.

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