Titel: Voit über eiserne und steinerne Wasserleitungs-Röhren.
Autor: Voit, Richard Jakob August
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXVI. (S. 266–296)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001026

XXVI. Ueber eiserne und steinerne Wasserleitungs-Röhren, so wie über Wasserleitungs-Röhren überhaupt.

Von dem K. B. Kreisbauinspektor Voit.

Mit Abbildungen Tab. VIII.

Daß es in mancher Hinsicht sehr wichtig ist, einen Ort mit gesundem, frischem Quellwasser zu versehen, und daß dieser Gegenstand vorzüglich die Aufmerksamkeit des Technikers verdiene, wird Niemand in Abrede stellen.

In ältern Zeiten wurden, vorzüglich bei den Römern, prächtige Bauwerke zu diesem Zwecke aufgeführt, welche wir jezt noch in ihren Trümmern bewundern. Sie verwendeten die größte Sorgfalt und ungeheure Kosten auf massive Aquädukte (Wasserleitungen), um der großen Hauptstadt Wasser zuzuführen. Doch hatten die Römer auch, wie Vitruv berichtet, bleierne und thönerne Röhrenleitungen.

Unsere gewöhnlichen Wasserleitungen sind keine solche Werke, wie die Römer anlegten. Diese faßten das Wasser in steinerne, wohlverwahrte Kanäle, gaben demselben das erforderliche Gefalle, und führten die Kanäle, wenn sie durch Thäler hinstrichen, auf einen massiven Unterbau, oder errichteten Arkaden; waren Gebirge im Wege, so wurden Stollen angebracht. Nur unter gewissen Umständen und bei einem sehr großen Wasserbedarf werden auch in neuern Zeiten dergleichen kostbare Aquädukte aufgeführt; aber von solchen ist hier die Rede nicht.

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In den meisten Fallen ist auch nur nöthig, die Quelle auf dem Plaze, wo sie entspringt, zu fassen, und in Röhren an den Ort ihrer Bestimmung – welcher jedoch niedriger liegen muß, als der Ursprung der Quelle – zu leiten; oder man faßt die Quelle in einen von Holz oder Stein hergestellten Kanal, der so weit als möglich, das heißt, so weit natürliches Gefälle vorhanden ist, geleitet wird; wo man denn das Wasser, wenn es noch zu tief steht, durch ein hydraulisches Werk hebt. Hat aber der Kanal selbst nicht so viel Wasser, als zur Betreibung der Maschine erfordert wird, so ist das Wasser eines Baches, oder eines Flusses dazu anzuwenden. Fehlt es ganz an solcher Hülfe, so muß man für die Maschine zu andern Kräften, z.B. Wind oder Dämpfen, seine Zuflucht nehmen. Indessen ist hier nur in so ferne von Wasserleitungen die Rede, als das Wasser in Röhren fortgeleitet wird.

Nach meiner Einsicht ist bei einer Wasser- oder Röhrenleitung zu sehen:

1) auf das Terrain, durch welches die Leitung geführt werden, und

2) auf das Materiale, woraus sie hergestellt werden soll. Bei dem leztern hat man wieder besonders zu berücksichtigen:

a) Daß es dauerhaft,

b) daß es der Gesundheit nicht nachtheilig sey.

Hat man eine gesunde, ergiebige Quelle, welche einem Ort zugeführt werden soll, so ist vor allem ein genaues Nivellement vorzunehmen; ergiebt sich dann hieraus, daß zu einer anzulegenden Röhrenleitung hinlängliches Gefäll vorhanden ist; so muß auch der Boden, in den sie zu liegen kommen soll, untersucht werden. Das Steigen und Fallen des Bodens macht einige Vorsicht, eine Auswahl der Röhren nothwendig; auch ist Sand und Moorgrund den Röhren, |268| von welchem Materiale sie auch seyn mögen, nicht so zuträglich, als Lehm und Thon. Bei einem schlechten Boden sollte man, wo möglich, für eine Thonschichte um die Röhre sorgen, weil der Thon den Zutritt der äußern Luft mehr als jede andere Erdart abhält.

Das Wichtigste aber, worauf man nun bei den Röhren zu sehen hat, ist ihre Dauerhaftigkeit.

Hölzerne Röhren sind in dieser Hinsicht die schlechtesten; auch in Betracht der Gesundheit nicht die vorzüglichsten, in so fern sie dann, wenn sie in Fäulniß gerathen, dem durch sie fließenden Wasser einen faulen Geschmack mittheilen.

Die Dauerhaftigkeit betreffend, kommt nicht nur der Ankauf der Röhren und die Kosten, welche auf das Einlegen derselben verwendet werden, in Anschlag; sondern man muß auch die öfteren Reparaturen, welche dabei vorzunehmen sind, in Rechnung bringen; man muß bedenken, daß dergleichen Leitungen öfters unter einem Boden liegen, welcher sehr theuer ist, wie z.B. in Gärten, in angebauten Feldern und Wiesen; oder die Röhrenfahrt geht durch gepflasterte Straßen in Städten, wo das Aufreißen des Pflasters und das Wiederherstellen desselben viele Kosten verursacht. Ferner ist zu erwägen, daß eine Unterbrechung der Wasserleitung an sich schon sehr unangenehm ist, und unter gewissen zusammentreffenden Umständen sogar nachtheilig und gefährlich werden kann. Endlich hat man auch wohl zu überlegen, daß eine hölzerne Röhrenleitung, troz aller Aufsicht, die man auf dieselbe haben mag, doch in vielen Fällen der Willkühr der Arbeitsleute überlassen bleiben muß, daß diese aus Absicht und aus Nachlässigkeit viel versäumen können, und daß man dabei des Wassers zu keiner Zeit recht versichert ist.

Alle diese Umstände zusammen genommen, werden die Ueberzeugung hervorbringen, daß hölzerne Wasserleitungs-Röhren |269| nicht die wohlfeilsten sind, und es muß der Wunsch entstehen, daß, wenigstens bei großen Wasserwerken, Röhren von einem bessern, der Wichtigkeit des Zweckes mehr entsprechenden, Materials gewählt werden möchten.

Zwar habe ich selbst die Erfahrung gemacht, daß Brunnenröhren von Forlholz, welches sehr viel Harz hatte, in einem guten Boden, oder mit Thon eingeschlagen, über 30 Jahre ausdauerten; ich muß aber dabei bemerken, daß das Wasser keine sogenannte Spannung hatte, und daß die Röhren, als sie ausgegraben wurden, von außen und von innen angegriffen waren. Hätte das Wasser den geringsten Druck ausgeübt, so würden die Rohren viel früher zerstört worden seyn.

Ferner sind Brunnenröhren von Lerchenbaumholz äußerst dauerhaft, und es ist zu bedauern, daß dieser in mancher Hinsicht so nuzbare und schnell wüchsige Baum in unsern Forsten so selten angetroffen wird. Wenn das Wasser ohne Druck fließt, so kann es auch in Hohlziegeln oder in ausgehöhlten steinernen Rinnen, mit Ziegeln bedeckt, geleitet werden, und in manchen Ziegeleien macht man hiezu besondere Rinnsteine; aber auf eine solche Art ist selten eine ganze Röhrenleitung zu construiren.

Man hat daher Ursache, bei großen Wasserleitungen, vorzüglich unter einem kostbaren Boden, und wo man sich des Wassers versichern will, hölzerne Röhren zu vermeiden. Es wäre mir ein Leichtes, aus meiner Praxis Beispiele anzuführen und Berechnungen vorzulegen, woraus arithmetisch hervor gienge, daß im Laufe der Zeit hölzerne Brunnenröhren theurer als eiserne zu stehen kommen; indessen glaube ich, durch das bisher Gesagte, den Leser davon vollkommen überzeugt zu haben.

Bei solchen Erfahrungen war man schon lange auf |270| dauerhaftere Wasserleitungs-Röhren bedacht, und man brachte bleierne, eiserne und steinerne in Anwendung.

Bleierne Röhren hat man schon lange häufig gebraucht, weil sie dauerhaft und dabei leicht zu verfertigen sind; allein man ist nun darüber allgemein einverstanden, daß sie der Gesundheit schaden; gewiß ein hinreichender Grund, sie zu verwerfen.

Röhren von Gußeisen sind nicht weniger seit langer Zeit im Gebrauch, und mit Recht; denn sie sind bei großer Dauerhaftigkeit der Gesundheit nicht nachtheilig. Der Vorwurf, den man ihnen macht, daß sie bald vom Roste gefressen würden, ist nach meiner Erfahrung nicht gegründet. Vor ohngefähr 18 Jahren ließ ich eine entbehrlich gewordene Wasserleitung von gegossenen eisernen Röhren, welche über 60 Jahre in einem lehmartigen Boden gelegen hatten, heraus nehmen, und fand, daß die äußere Seite derselben nur an wenig Stellen vom Rost angegriffen, an der innern Seite aber nichts davon zu bemerken war.

Bisher hatte der hohe Preis der Röhren von Gußeisen von ihrer allgemeinen Einführung abgeschreckt; da sie aber in unsern Zeiten leichter, und mithin wohlfeiler, gedacht werden können, so verdienen sie auch, dringend empfohlen zu werden.

In reifer Erwägung dieser Umstände hat der hiesige Magistrat beschlossen, die Hauptäste der Augsburgischen Wasserleitung, nach Angabe des berühmten Königl. Baierschen Oberbergraths Ritter von Reichenbach, von gegossenen eisernen Röhren herstellen zu lassen. Man erwartet täglich Probe-Röhren von der Herzoglichen Leuchtenbergischen Eisenschmelz in Obereichstätt. Nach der Anordnung des gedachten Herrn von Reichenbach soll jede einzelne Röhre, ehe sie in den Boden kommt, eine Probe bestehen, ob sie den verlangten |271| Druck des Wassers aushalten kann. Unter solchen Voraussezungen wird sich Augsburg bald einer zweckentsprechenden Wasserleitung rühmen können.

Nach den eisernen Röhren werden wohl die steinernen den Vorzug behalten, wegen ihrer Dauerhaftigkeit, Reinlichkeit und Unschädlichkeit für die Gesundheit. Fester Sandstein, Marmor und feiner Granit geben Brunnenröhren. Diese Steine werden mit Handwerkszeugen oder auf Bohrmühlen durchlöchert. Es sind mir auch verschiedene Fabriken bekannt, welche dauerhafte Röhren aus Thon formen und brennen.

Bei der Wichtigkeit der Sache, von der hier die Rede ist, nämlich dauerhafte, gesunde und dabei verhältnißmäßig wohlfeile Brunnenröhren zu erlangen, wäre es gewiß sehr erwünscht, wenn ein mit diesem Zweige der Technologie vertrauter Mann die Mühe übernehmen wollte, alle bisher erschienenen Bekanntmachungen über Versuche, Proben und gelungene Ausführungen von Röhrenleitungen, aus welchem Materiale sie auch bestehen mögen, zusammen zu stellen, damit man eine Uebersicht über die Fabrikatur derselben und über die damit vorzunehmende Manipulation erhalte. Ich glaube hiezu einen Beitrag zu liefern, wenn ich alles, was mir von diesem Gegenstande bekannt wurde, zu einer künftigen weitern Bearbeitung hier niederlege.

I. Wasserleitungs-Röhren von Gußeisen.

Unter allen Wasserleitungs-Röhren werden die von gegossenem Eisen den ersten Rang einnehmen, und dem Techniker ist daran gelegen, zu wissen, von welcher Länge und von welchem Gewicht sie auf den Eisenschmelzen gegossen werden, und wie hoch die Preise derselben sind.

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a) Röhren aus Gußeisen von der Altgräflich-Salmischen Eisengießerei zu Blansko in Mähren92).

Bei meinem Aufenthalt in Blansko, wo ich im Laufs dieses Sommers einige Wochen zubrachte, die mir nicht allein im Genuß der mannigfachen Naturschönheiten, welche diesen Ort reichlich umgeben, sondern auch in Bewunderung mehrerer glücklich ausgeführter mechanischer, technischer und landwirtschaftlicher Vollkommenheiten zu Blansko und Raiz so schnell und angenehm dahin schwanden, ward ich in den Stand gesezt, über einen besonders wichtigen Zweig der Blanskoer Eisengießerei Bemerkungen zu machen, die ich hiemit zur gemeinnüzigen öffentlichen Kenntniß zu bringen für Pflicht halte, da dieser Gegenstand von großer Wichtigkeit ist.

Ich meine nämlich, die diesem Werke eigenthümliche neue Art Röhren aus Gußeisen, die man daselbst auf einem ganz andern, als bisher gewöhnlichen Wege sehr vollkommen herstellt; sie zeichnen sich vor allen anderen eisernen Rohren, hinsichtlich ihres geringen Gewichts, äußeren Ansehens, vollkommener Dichtigkeit des Gusses rühmlich aus, und werden von einem kaum glaublichen Durchmesser zu 1/2 Zoll bis zu den größten Durchmessern ihrer innern Oeffnung in Stücken zu 3 Fuß Länge angefertigt.

Der dortige Herr Hüttenverwalter Teubner, der sich um diese neue Formmethode dieser Röhren wesentliche Verdienste gesammelt, und der durch Nachdenken und Versuche seit 2 Jahren sie endlich zur jezigen Vollkommenheit gebracht hat, sagte mir unter andern, daß man auf diese neue Anfertigungsweise der Röhren um ein Privilegium exclusivum auf mehrere Jahre bei Sr. Majestät nachgesucht |273| habe, und ich zweifle gar nicht, daß solches erlangt werden wird93); da die neue Art, wie man diesen Gegenstand bei der Formerei behandelt, von den bisher bekannten Formmethoden, Röhren in Lehm oder Sand anzufertigen, bedeutend abweicht, und was das Wesentlichste dabei ist, an Zeit und Kosten viel erspart wird; daß selbst die größten Bestellungen mit weniger Förmerpersonal in kurzer Zeit unter billigen Bedingungen hergestellt werden können. – Bei meiner Anwesenheit wurden z.B. 500 Klafter oder 1000 Stück 5zöllige Wasserleitungs-Röhren nach Triest mit Scheiben und Ansäzen zum Zusammenschrauben in nur 3 dazu eingerichteten Formkästen gegossen, und man glaubte, mit der ganzen Bestellung in 3 bis 4 Monaten fertig zu seyn. – Welches, wie ich jezt in Erfahrung gebracht habe, auch glücklich bewerkstelligt worden ist. Von Röhren hingegen von 1, 2 und 3 Zoll im Durchmesser können wöchentlich in einem Formkasten wenigstens 25 Klafter oder 50 Stück erzeugt werden.

Ueber die eigenthümliche Art dieser neuen Formmethode ist übrigens mir nicht erlaubt, mehr zu sagen, aber über das, wodurch sich eigentlich diese neuen eisernen Röhren vor andern auszeichnen, und über die mannigfaltige Anwendung derselben erlaube ich mir noch, ausführlicher werden zu dürfen, wodurch ich insbesondere alle Stadtmagistrate, Baumeister, Technologen, Gutsbesizer und Landwirthe auffordere, von diesen neuen Erzeugnissen der Blanskoer Eisengießerei zu ihrem Vortheil nüzlichen Gebrauch zu machen.

Die in Blansko auf die neue Art angefertigten Röhren zeichnen sich vor den gewöhnlichen Röhren aus Gußeisen besonders aus:

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a) durch ihr geringes Gewicht;

b) durch ihre Güte und Reinheit des Gusses;

c) durch ihre schnellere Anfertigung, die mit wenigen Kosien verbunden ist.

Diese Vorzüge tragen dazu bei:

ad a) Daß zu einer Röhrenleitung dieser neuen Gattung in Bezug ihrer Länge und des erforderlichen Durchmessers viel weniger Gußeisen verwendet werden darf, daher viel wohlfeiler geliefert werden kann, als man dieses bisher nach gewöhnlicher Art im Stande war. Denn z.B.

1 Klafter 1/2 zöllige Röhren oder 2 St. Fig. 1. wiegen nur 6 ℔.

1 Klafter 1 zöllige Röhren oder 3 St. Fig. 2. wiegen nur 16 ℔.

1 Klafter 2 zöllige Röhren oder 2 St. Fig. 2. wiegen nur 32 ℔.

1 Klafter 3 zöllige Röhren oder 2 St. Fig. 4. wiegen nur 50 ℔.

1 Klafter 5 zöllige Röhren oder 2 St. Fig. 5. wiegen nur 86 ℔.

(Ein Pfund dieser fertigen Röhren kostet jezt mit Ausnahme der 1/2 zölligen 8 – 12 kr. WW. Indessen ändert sich dieser Preis stets nach dem steigenden und fallenden Werth des Gußeisens und nach den Zeitverhältnissen. Auch versteht sich von selbst, wenn die Röhren andere Einrichtungen bekommen, als z.B. Scheiben statt Muffen, Scheiben und Muffen zugleich, daß ebenfalls der Preis etwas erhöht werden muß, weil sie mehr Arbeit, auch zuweilen neue Modelle erfordern. Uebrigens bekommt man zu jeder Gattung auch die nöthigen Knieröhren Fig. 6., Spund- oder Wechselröhren Fig. 7., Theilungsröhren Fig. 8., Absperrpipen Fig. 9., Theilungs- oder Wechselpipen Fig. 10.).

Ad b) Daß diese neue Art Röhren ganz wasser-, luft- und dampfdicht herzustellen sind, daher ihre Anwendbarkeit bedeutend erhöht wird, was bei den frühern Methoden, aus Gußeisen Röhren anzufertigen, nicht immer auf einem so schnellen und leichten Wege erreicht werden konnte.

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Es wurden, um mich von der Wahrheit dieses Gegenstandes zu überzeugen, bei meiner Anwesenheit mehrere Röhren, die theils ganz in Lehm geformt, theils in Sand mit Lehmkern gegossen worden waren, unter dem Druck einer Wassersäule von bestimmter Höhe probirt, und es zeigte sich, daß die nach der neuen Art geformten Röhren stets, wenn sie keinen bedeutenden Gußfehler hatten, sich vollkommen wasserdicht verhielten; indessen die andern Röhren, die in Lehm und mit Lehmkern in Sand gegossen waren, bei zwei- bis dreimal stärkerer Eisendicke größtentheils nicht vollkommen Wasser halten wollten, sondern dieses durch das Eisen durchschwizte; obgleich alle Gattungen Röhren von einerlei Eisen zu gleicher Zeit aus dem Hochofen gegossen worden waren.

Diese Thatsache ist Beweis genug, daß die neue Art Röhren die besten sind, die aus Gußeisen zu Gas-, Dampf- und Wasserleitungen angewendet werden können. Auch befinden sich auf der Herrschaft Raiz und Blansko bereits Beispiele ihrer nüzlichen und zweckmäßigen Anwendung.

(So z.B. werden sie zur Windleitung aus dem Gebläse zum Hochofen und bei den Frischfeuern zur Leitung des Windes in 4 Feuer mit Vortheil benuzt.)

Ferner zur Wasserleitung in Röhren von 18 Zoll Durchmesser bei erwähntem Hochofen zum Betrieb des Gebläs- und Pochhammerrades, um den Bau und die Erhaltung eines kostspieligen Wasserfluthers von mehr als 29 Klafter Länge zu ersparen und für immer zu beseitigen.

Desgleichen zu einer anzulegenden Wasserleitung von Scheschufka bis nach Ostrof in den herrschaftlichen Mayerhof, welche über 1500 Klafter lang in 1zölligen Röhren geführt werden soll.

Zur Wasserleitung in das Raizer obrigkeitliche Schloßgebäude |276| und Schloßgarten zu einer Fontaine, zu Brunnen und in das Waschhaus in zwei- und 1zölligen Röhren.

Zu einer Dampf- und Wasserleitung bei der wichtigsten technischen Anstalt in Raiz, nämlich zu einer großen, zweckmäßig eingerichteten, durch Dampf betriebenen Erdäpfelbranntweinbrennerei; in 8-, 4-, 2-, 1- und 1/2zölligen Röhren.

Endlich zur Gasbeleuchtung bei Herrn Rath Andre in Brünn in 1- und 1/2zölligen Röhren.)

Ad e) Da die Eisengießerei zu Blansko durch die neue Anfertigungsmethode dieser Röhren in Stand gesezt worden ist, jede Bestellung in der kürzesten Zeit abliefern und befriedigen zu können, so wird jeder Besteller hier bald billig und gut bedient werden. Ja man wäre im Stande, daselbst in einem Jahre 15-20,000 Klafter Röhren anzufertigen, wenn sich dazu die Abnehmer finden sollten. – Auf welcher Eisengießerei des In- und Auslandes würde man mit so wenig Vorbereitungen, als hier erforderlich seyn möchten, eine solche Anzahl eiserner Röhren in der gegebenen Zeit zu Stande bringen?

So weit hat es hier Industrie und beharrlicher Gewerbsfleiß gebracht; an uns aber liegt es nun, auch das Ganze gehörig zu würdigen, und den zweckmäßigen Gebrauch dieser Röhren als eine nüzliche und vortheilhafte Sache anzuerkennen und überall in Anwendung zu bringen, wozu der äußerst billige Preis derselben hilfreich die Hand bietet.

Aber ich sehe gleich ein Heer von Gegnern auftreten, die viele und mannigfaltige Einwendungen gegen den Gebrauch dieser Röhren, besonders bei den allgemeinern zu Wasserleitungen haben. Diese sind:

1) Was nüzen uns eiserne Röhren zu Wasserleitungen, wenn sie nicht so wohlfeil sind, als hölzerne?

2) Eiserne Röhren, wenn sie so schwach wie die |277| Blanskoer in Eisen gegossen sind, werden bald von Rost zerstört, und haben keine lange Dauer.

3) Wasser in eisernen Röhren geleitet, hat einen tintenartigen Geschmack, ist zum Genuß der Gesundheit schädlich und der darin gewaschenen Wäsche nachtheilig.

4) Würde auch ihre Dauerhaftigkeit und ihr Nuzen zu gestanden, so fehlt es uns doch noch an einem allgemein bekannten Mittel, den wasserdichten Verschluß, ohne viel Mühe und Umstände bei Röhrenleitungen aus Gußeisen zu bewerkstelligen. Oder wenn dieser auch zu Stande gebracht ist, wie viel Mühe und Arbeit giebt es dann damit, wenn eine Verstopfung in der Wasserleitung oder eine schadhaft gewordene Röhre Veranlassung zu einer nöthigen Reparatur giebt?

5) Wird endlich eingewendet, daß das in eisernen Röhren geleitete Wasser viel leichter einfrieren und der Frost diese Röhren zersprengen könne.

Gemach, gemach meine Herren! Sind das alle Ihre Einwendungen gegen eiserne Wasserleitungen: so soll Ihnen bald aus dem Traume geholfen werden. Alle Ihre Anstände sind so wenig von Belang, daß, wenn Sie mich anhören wollen, Sie sich bald von der nüzlichen Anwendbarkeit eiserner Wasserleitungs-Röhren genugsam überzeugen, und Ihre Vorurtheile dagegen aufgeben sollen. –

Ad 1) Es ist allerdings wahr und gegründet94), daß eiserne Wasserleitungs-Röhren(selbst die Blanskoer nicht ausgenommen, welche um einen sehr billigen Preis erhalten werden können) immer mehr Anlagskosten verursachen, |278| als die Röhren zu einer hölzernen Wasserleitung; aber es wird wenig Fälle geben, wo sich nicht eine eiserne Wasserleitung gegen eine hölzerne in 30 Jahren bezahlt machen sollte, wenn nicht allein Anlagskapital und Interessen, sondern auch Interessen von Interessen gerechnet werden. Hiezu kommt noch, daß die baldige Zerstörbarkeit des Holzes bei Wasserleitungs-Röhren nicht allein zu berücksichtigen ist, sondern in den meisten Fallen die Ausgrabungs- und Wiederzumachungskosten gewöhnlich mehr betragen, als die einzulegenden neuen hölzernen Röhren, und daß diese Nebenkosten um so bedeutender werden, als die Röhren mehr oder weniger tief unter Gärten, Feldern, Gebäuden, oder, was auch öfters der Fall in Städten ist, unter dem Straßenpflaster weggeführt werden, und lezteres bei jeder Röhrenreparatur aufgerissen, und dann wieder neu gemacht werden muß. Auch tritt oft der Fall bei hölzernen Röhrenleitungen ein, daß sie, um Felder, Wiesen und Garten zu verschonen, in großen Umwegen geführt werden müssen, welches man bei eisernen, solid hergestellten Röhrenleitungen, nicht nöthig hat; diese können immer in der geradesten, kürzesten Linie bis an den Punkt ihrer Bestimmung geführt werden, welches auf die zu unterhaltende Länge einer Röhrenleitung von großem Einfluß ist. Ferner sind hölzerne Röhren, wo ein großer Wasserdruck statt findet, entweder gar nicht zu gebrauchen, oder müssen mit starken Ringen von geschmiedetem Eisen umgeben seyn, welche Vorrichtung dann oft mehr Kosten verursacht als ganz gußeiserne Röhren.

Ad 2) Wird ohne Grund den eisernen Röhren, besonders denjenigen, die nicht übermäßig stark in Eisen gegossen wären, ihre lange Dauer und Haltbarkeit abgesprochen. Denn wer diesen Saz behaupten will, hat über diesen Gegenstand |279| noch gar keine Erfahrung. Es ist ja schon längst erwiesen, daß auf Gußeisen der Rost nicht tief eingreift, und nur dann erst die Oxidation auf die Zerstörung dieses Eisens tiefer einwirkt, wenn es dem Luftzutritt, besonders unter verschiedenen Temperaturen ausgesezt ist. Auch weiß man aus Erfahrung mehrere Beispiele anzuführen; so erzählt unter andern Blumhof 95): „daß eiserne Röhren, welche über 50 Jahre in einer Wasserleitung bei Cassel gelegen hatten, und dann ausgegraben wurden, inwendig spiegelblank und auswendig nur an sehr wenig Punkten von Rost unmerklich angefressen waren. Sie hatten diese geraume Zeit in Thon eingefüttert gelegen.“

Diese Erfahrung beweist, daß eiserne Röhren, wenn darin beständig Wasser fließt, und sie von außen vor dem Zutritt der Luft geschüzt werden, unendlich lang vor Rost bewahrt werden, und lang zum Gebrauch dienen können. Man stampfe daher eine gelegte Röhrenleitung in Thon ein, oder umgebe sie nach neuern Erfahrungen fest mit Kohlengestöbe.

Ad 3) Die Einwendung, daß das Wasser, in eisernen Röhren geleitet, der Gesundheit nachtheilig werden könnte, ist ganz grundlos; im Gegentheile, ich möchte eher das Wasser aus einer alten, stockigen und fauligen hölzernen Röhrenleitung zum Genuß für die menschliche und thierische Gesundheit nachtheilig halten, auch Wasserröhren aus Blei in dieser Hinsicht ganz verwerfen. Allein bei eisernen Röhren wußten wir schon aus Erfahrung, daß sich das Gußeisen ohne Luftzutritt im Wasser nicht stark oxidiren kann, daher die innere Flache einer Röhre, in der beständig Wasser |280| fließt, immer blank bleibt, und wenig oder gar kein Eisenoxyd mit Wasser fortgeführt und darin aufgelöst werden kann, so daß es demselben einen herben tintenartigen Geschmack ertheilt, welches übrigens der menschlichen Gesundheit eben so wenig als der Genuß eines Sauerbrunnens schädlich wäre.

Auch hat man eben so wenig zu befürchten, daß weiße Wäsche durch Wasser aus diesen Röhren im geringsten leide, denn sonst müßte im Waschhause des Raizer Schlosses seit länger als Jahr und Tag eine Erfahrung vom Gegentheil gemacht worden seyn, da dieses ganze Waschhaus mit Wasser aus einer eisernen Röhrenleitung versorgt wird.

Nur versteht sich von selbst, daß überhaupt kein vitriolisches und anderes salzhaltiges Wasser in eisernen Röhren geleitet werden darf.

Ad 4) Es ist freilich nicht so leicht, eiserne Röhren wie hölzerne zusammen zu fügen und wasserdicht zu verschließen, indessen hat die Arbeit auch nur einmal zu geschehen, und es kommt dabei nur auf eine solide Unterlage und auf die Art der Zusammenfügung der Röhren und den dabei in Anwendung Kommenden Kitt, so wie auf die zu beobachtenden Vorsichtsmaaßregeln zur Auswechselung, von Distanz zu Distanz an, um diese Arbeit dauerhaft und zweckmäßig für immer zu vollenden.

Dann ist noch im Allgemeinen zu berücksichtigen, zu welchem Zweck eine Röhrenleitung verwendet werden soll; darnach richtet sich die Wahl der Vorrichtung zur Verbindung der Röhrentheile.

A. Zu Wasserleitungen, bei mäßigem Druck, wird immer eine Verbindung der Röhren mit angegossenen Muffen, nach Fig. 15. und Fig. 14. hinreichend seyn: nur kommt es dabei auf gewisse Vorrichtungen zur Auswechselung an, wenn in der Röhrenleitung eine Verstopfung96) |281| oder eine sehr selten vorkommende Reparatur vorfällt. Zu diesem Behuf müssen nämlich alle 10 Klafter in der Strecke der ganzen Röhrenleitung Wechselröhren Fig. 7., die zugleich auch Spundröhren sind, eingelegt werden; diese Wechselröhren allein, wie man aus Fig. 7. sieht, haben keine angegossenen, sondern abgesonderte Muffen Fig. 11. und 12.; diese Muffen werden, wenn die Wechselröhren mit den andern Röhren der Leitung verbunden sind, entweder darüber geschoben und nach der unten beschriebenen Art verkittet, oder man giebt über die Stellen, wo sie an die anderen Rohren anstoßen, zweitheilige Muffen Fig. 12., die mit Schrauben zusammengehalten werden, und die im Fall einer Herausnahme des Wechselrohres dann, ohne die Röhrenleitung zu erschüttern, leicht geöffnet und vom darunter angebrachten Kitt gelöst werden können. Auf diese Art ist man dann im Stande, ohne die ganze Röhrenleitung aufzureißen, in einer Distanz von 10 Klaftern den Fehler aufzufinden und zu repariren. Fig. 13. stellt die Verbindung eines Wechselrohres mit abgesonderten Muffen in einer Röhrenleitung dar, um das Ebengesagte durch sinnliche Darstellung noch deutlicher zu machen.

Außer diesen Vorsichtsmaaßregeln kommt es bei Zusammenfügung der Röhrenstücke mit Muffen noch auf den Kitt an, den man dazu verwendet. Folgende Kitte sind hiezu vorzüglich zu empfehlen:

a) Gleiche Theile frischgebrannter, ungelöschter, fein |282| gestoßener und gesiebter Kalk und frischer Käse vermengt, bis dieses Gemenge eine zähe breiartige Masse bildet, welche bald entsteht, wenn man diese beiden Bestandtheile fleißig mit einem Spathel zusammen knetet. Dieser Kitt muß aber gleich verbraucht werden, sonst wird er zu zähe und hält dann nicht gut auf dem Eisen. Um übrigens während des Verkittens (was in dem Bestreichen der innern Fläche der Muffe des einen Rohres und der äußern Fläche des andern Rohrendes, das dann in die Muffe hinein gesteckt wird, besteht) den Röhren eine gleiche feste Lage zu geben, sezt man zwischen den Kitt in die Fugen drei kleine hölzerne Keile in gleicher Entfernung, und klopft sie fest hinein. Auch bedient man sich zur gleichmäßigen Richtung der Röhren einer runden hölzernen Stange, die immer in 2 Röhren, die zusammengekittet werden, gesteckt wird, bis sie verkittet und mit Keilen an einander befestigt sind, damit eine Röhrenmündung genau auf die andere zu liegen kommt, und das darin zu leitende Wasser gehörigen Raum findet.

d) Der zweite Kitt besteht dem Gewicht nach aus gleichen Theilen Pech, Inselt und Ziegelmehl. Ersteres wird auf dem Feuer in einem eisernen Kessel zerlassen; dann das Inselt und zulezt das feingesiebte Ziegelmehl hineingerührt. Dieser Kitt muß warm, ehe er fest wird, verbraucht werden, auch müssen die damit zu verkittenden Röhren stets etwas erwärmt werden, daß sie ganz von daran befindlicher Feuchtigkeit befreit sind, sonst hält der Kitt nicht fest auf dem Eisen.

B. Zu Windleitungen und auch bei bedeutenderem Wasserdruck zu Wasserleitungen bedient man sich gewöhnlich der Röhren mit Scheiben und Schrauben Fig. 15. Dazwischen gelegte, wohl gefirnißte Bleiplatten, damit nicht ein galvanischer Zerstörungsprozeß |283| mit der Zeit zwischen dem Eisen und Blei statt finde, thun dabei die besten Dienste.

C. Zu Dampfleitung oder bei sehr großem Wasserdruck wird man am besten thun, Röhren mit Muffen und Scheiben zugleich Fig. 16. anzuwenden; man verwende als Kitt dazu das bekannte Eisencement aus Salmiak, Schwefelblumen und Eisenfeile. Nämlich 2 Theile Salmiak, dem Gewichte nach, mit 1 Theil Schwefelblumen und 16 Theile Eisenfeile mischt man in einem Mörser zusammen, und hält das Pulver trocken.

Soll der Kitt verbraucht werden, so nimmt man 1 Theil Pulver und 20 Theile blanke Eisenfeile, mischt beides genau in einem Mörser, dann wird das Gemenge mit Wasser zur nöthigen Consistenz gebracht, und mit einem hölzernen Spathel in die Fugen gestampft; in einigen Wochen wird der Kitt dann so fest, wie das Eisen selbst seyn.

Ad 5) Für diejenigen endlich, welche eiserne Wasserleitungs-Röhren nur allein deshalb verwerfen, weil sie befürchten, daß das Wasser leichter darin einfrieren und der Frost das Eisen wohl gar zersprengen könnte, habe ich weiter keine Antwort, als diese, daß man sich im Winter mit einem warmen Anzug bekanntlich gegen die Kälte schüzen kann; daher müssen auch eiserne Röhrenleitungen gehörig tief gelegt werden, daß der Frost nicht bis zu ihnen niederbringen könne, und, allenfalls sind vor Eintritt der Winterkälte alle jene Stellen, wo sie zu seicht liegen sollten, mit Dünger zu bedecken, welche Vorsicht man auch bei hölzernen Röhren im Winter nöthig hat, wenn sie vollkommen gegen Frost geschüzt bleiben sollen.

b) Röhren der Herzoglich Leuchtenbergischen Gießerei in Obereichstätt.

Die Herzoglich Leuchtenbergische Eisenschmelz in Obereichstätt liefert vorzüglich gute Wasserleitungs-Röhren, deren |284| Dauerhaftigkeit sich schon durch viele Erfahrungen bewährt hat.

Die Röhren, wie sie dort gewöhnlich und ohne besondere Bestellung gegossen werden, haben folgendes Maaß und Gewicht:

1 Röhre von 11/2 Zoll Oeffnung, 5 Fuß lang wiegt 40 Pfund

1 Röhre von 3 Zoll Oeffnung, 6 Fuß lang wiegt 82 Pfund

1 Röhre von 4 Zoll Oeffnung, 6 Fuß lang wiegt 128 Pfund

1 Röhre von 41/2 Zoll Oeffnung, 6 Fuß lang wiegt 135 Pfund

1 Röhre von 5 Zoll Oeffnung, 6 Fuß lang wiegt 150 Pfund

1 Röhre von 83/4 Zoll Oeffnung, 5',4'' Fuß lang wiegt 310 Pfund

An Pläzen, wo die Wasserleitung wenig Druck auszustehen hat, werden die Röhren stumpf zusammen gestoßen. Jede derselben hat unten und oben eine angegossene Scheibe, durch welche zwei Schrauben kommen. Zwischen die Scheiben wird etwas Kitt gebracht, und nachdem die Schrauben angezogen sind, liegen die Röhren wasserdicht. Diese Art gewährt den Vortheil, daß man ohne große Umstände eine neue Röhre einsezen kann.

Hat die Wasserleitung einen starken Druck zu erleiden, so werden an die Röhren auch Büchsen oder Muffen angegossen, und dann schiebt man das dünnere Ende in die Büchse. Dabei haben sie noch Scheiben, welche durch Schrauben zusammen gezogen werden. Es versteht sich von selbst, daß zwischen die Röhre und Büchse, so wie zwischen die Scheibe Kitt kommen muß. So wird eine Röhrenleitung vollkommen wasserdicht.

Außer den gewöhnlichen Röhren werden auch Kniestücke und Theilungsröhren gegossen. Das Pfund dieser gegossenen Röhren kostet gewöhnlich 61/2 kr. Bei großen Bestellungen aber wird das Pfund um 6 kr. abgegeben. Demnach |285| kommen die Röhren in Obereichstätt nicht theurer als die in Blansko, und an ihrer Dauerhaftigkeit ist nicht zu zweifeln, zumal da man annehmen darf, daß das Eisen in Obereichstätt von vorzüglicher Güte ist. Jede eiserne Röhre wird in Obereichstätt vor der Abgabe probirt.

Wenn man die Röhre an einem Orte zuschließt, und sie senkrecht gestellt mit Wasser füllt, so sieht man, ob sie Wasser durchlasse oder nicht; jede im Guß mißrathene Röhre wird dann verworfen. Bringt man in die gut befundenen Röhren nachher einen flüssigen Kitt, so füllen sich die etwa vorhandenen Zwischenräumchen aus, und die Röhre wird im Innern wie lackirt, wodurch ihre Dauerhaftigkeit befördert wird.

Bleierne Röhren glaube ich aus oben angeführten Gründen, nämlich weil sie der Gesundheit nachtheilig sind, ganz übergehen zu dürfen.

II. Wasserleitungs-Röhren von Stein.

a) Aus Thon gebrannte Röhren.

Wer jemals Gelegenheit hatte, große, aus hölzernen Röhren bestehende Wasserleitungen anzulegen, oder deren Unterhaltung in technischer Hinsicht zu besorgen, der wird wissen, welcher Kostenaufwand dazu nöthig ist, und wie holzfressend dergleichen Anlagen sind. Hiezu kommt noch, daß sie sehr oft durch Reparaturen unterbrochen werden.

Gehen solche Leitungen durch gepflasterte Straßen, so wird der Kostenaufwand noch größer, indem das Pflaster oft aufgebrochen und wieder hergestellt werden muß. Mögen also immer die hölzernen Röhrenleitungen bei ihrer ersten Einrichtung die wohlfeilsten seyn: in der Folge werden sie offenbar durch diese angeführten Umstände die theuersten.

Der Magistrats-Baurath Herr von Hößlin besizt in |286| Luisensruh bei Augsburg eine Steingut-Fabrik, welche Wasserleitungs-Röhren von vorzüglicher Güte liefert.

Ihre Masse besteht aus feuerbeständigem Thone, der, wenn er gebrannt ist, mit dem Stahl geschlagen, Funken giebt, den Einwirkungen der Witterung vollkommen widersteht, und in jedem Boden unzerstörbar liegt. Die daraus verfertigten Röhren halten, wie versichert wird, ohne zu zerspringen, den Druck einer Wassersäule von 80 Fuß Höhe aus.

Dies zeugt von der Güte der Masse; auch mag zu der Dauerhaftigkeit dieser Röhren der Umstand beitragen, daß jede einzelne Röhre nicht aus zwei Hälften zusammengesezt, sondern als ein Ganzes geformt wird. Dabei giebt man der Wand derselben eine verhältnißmäßige Dicke, z.B. eine Röhre von zwei Zoll Oeffnung im Durchmesser hat eine Wanddicke von einem halben Zoll, und so nimmt die Stärke der Wand nach dem innern Durchmesser der Röhre zu. Bei jedem Grad der Stärke aber kann die Masse gut ausgebrannt werden.

Die Länge einer einzelnen Röhre beträgt ohne den Falz, der 3 Zoll ausmacht, 2 Fuß. Der innere Durchmesser wächst, je nachdem es die Wassermenge nöthig macht, von einem bis auf 5 Zoll, wobei, wie gesagt, auch die Dicke der Wand verhältnißmäßig zunimmt.

Die Röhren passen in einander, weswegen das eine Ende eine Verstärkung Fig. A. Tab. VIII. hat, welche gleichsam einen 3 Zoll breiten Reif bildet, das andere Ende aber mit einem eben so langen Einsaze oder Falze versehen ist. So weit sie in einander greife, sind sie schraubenförmig gerifft, wodurch die Haltbarkeit der Zusammensezung vermehrt wird.

Um eine Wasserleitung in Aeste zu theilen, werden besondere gabelförmige Röhren, wie Fig. B. Tab. VIII. zeigt, |287| gemacht; eben so auch Röhren zu Hahnen und Anstichen. Damit aber eine schon bestehende hölzerne Röhrenleitung noch eine Zeitlang beibehalten, und an solche steinerne Röhren angeschlossen werden können, formt man dazu besondere Kolben, welche in die hölzernen Röhren paffen. Sollte es bei Quellen, welche stark inkrustiren, nöthig seyn, die Leitung von Zeit zu Zeit zu reinigen, so liefert diese Fabrik Rohren, welche Oeffnungen haben, um auf eine gewisse Lange mit einem Reise durchfahren zu können. Zum Ausflicken werden kürzere Röhren von verschiedenen Kalibern verfertiget.

Die bisher beschriebenen Röhren hat man auf folgende Art zusammen zu sezen und einzulegen. Der Boden, worauf sie zu liegen kommen, muß eine gleiche Compression erhalten; denn wenn eine Röhre in der Mitte hohl läge, oder an beiden Enden keine Unterlage hätte, so könnte sie durch den Druck des auf ihr liegenden Erdreiches abgesprengt werden. Beim Zusammensezen muß das dünne Ende der Rohre mit Werg oder Flachs, die zuvor in gekochtes Leinöl getaucht werden, umwickelt, und mit so viel Kitt überzogen werden, als nöthig ist, um die Zwischenräume der beiden in einander greifenden Theile auszufüllen. Beim Zusammendrücken der Röhren muß sich noch etwas Kitt herauspressen, zum Zeichen, daß der Zwischenraum ganz ausgefüllt ist. Zwischen Falz und Reif wird der Kitt mit den Fingern angedrückt. Die Manipulation des Zusammensezens ist mit keiner weitern Schwierigkeit verbunden, und wenn der Kitt gut ist, so wird er nach drei Tagen hart seyn, worauf man das Wasser in die Leitung einlassen kann. Sollte irgendwo die Zusammensezung rinnen, so tauche man Bindfaden in gesottenes Leinöl und umwickle damit den rinnenden Theil dicht und fest. Hierauf überziehe man das Gewinde mit etwas Kitt, und das Rinnen wird aufhören. Es dürfen nach |288| dem Einlegen keine großen Steine unmittelbar auf die Röhren fallen, damit sie nicht Schaden dadurch nehmen.

Die Röhren der Steingut-Fabrik in Luisensruh haben in Augsburg folgende Preise:

Ein Stück 2 Fuß lang, ohne den Falz, welcher 3 Zoll beträgt, mit einer Oeffnung

von 1 Zoll im Diameter kostet 20 kr.

von 2 Zoll im Diameter kostet 24 kr.

von 3 Zoll im Diameter kostet 30 kr.

von 4 Zoll im Diameter kostet 40 kr.

von 5 Zoll im Diameter kostet 50 kr.

Eine Länge von 12 Fuß kostet mit aller übrigen Zubehör, bei den am häufigsten vorkommenden Röhren, nämlich mit einer Oeffnung von 2 Zoll im Diameter laut nachstehender Berechnung 6 fl. 54 kr.

6 Stück Röhren, á 24 kr. 2 fl. 24 kr.
Fuhrlohn wird nicht gerechnet, weil die Arbeiter die erforderlichen Röhren leicht auf den gehörigen Plaz tragen können, und es wurde hierauf bei der Berechnung des übrigen Arbeitslohnes Rücksicht genommen. Die alten hölzernen Röhren auszugraben, und die neuen steinernen einzulegen und einzufüllen 1 – 50 –
Für Kitt und Flachs 1 –
Das Pflaster wieder herzustellen 2 – – –
––––––––
Summa 6 fl. 54 kr.

Um eine steinerne Röhrenleitung mit einer hölzernen, rücksichtlich der darauf zu verwendenden Kosten vergleichen zu können, stehe hier folgende Berechnung von dieser, ebenfalls auf eine Länge von 2 Fuß, und mit einer Oeffnung von 2 Zoll im Diameter.

|289|
Eine Röhre von 12 Fuß kostet 1 fl. 24 kr.
Diese zu bohren - – 20 –
Solche abzuschneiden und zu richten - – 6 –
Fuhrlohn auf den Plaz, wo sie verlegt wird - – 27 –
Die eiserne Büchse - – 36 –
Das Einlegen und Richten 1 – 30 –
Das Pflaster wieder herzustellen 2 – – –
––––––––
Summa 6 fl. 23 kr.

Demnach kostet eine steinerne Wasserleitung in der Länge von 12 Fuß 31 kr. mehr, als eine eben so lange hölzerne. Jene verspricht unfehlbar eine Dauer von 150 Jahren; diese aber muß in dem nämlichen Zeitraume, wenn sonst alles gut geht, und keine besonderen nachteiligen Umstände eintreten, 3mal erneuert werden. In diesem Zeitraum zeigt sich bei steinernen Röhren, nach genannter Länge, ein Gewinnst von 51 fl. 4 kr.; welche Ersparniß muß also bei einer großen einige 1000 Fuß fortlaufenden Wasserleitung statt finden, wobei noch der Vortheil zu erwägen ist, daß die Röhrenfahrt in einer so langen Reihe von Jahren nicht unterbrochen wird. Was bisher von diesen steinernen Wasserleitungs-Röhren hier gesagt wurde, beruht nicht auf oberflächlich angestellten Versuchen, sondern auf einer mehrjährigen Erfahrung.

Schon vor 10 Jahren wurden in einer Strecke von einigen 100 Fuß solche Röhren eingelegt, und sie erhielten sich bis jezt im besten Zustande, mit Ausdauer der Kälte und des Frostes und eines starken Druckes vom Wasser, ohngeachtet diese Röhren bei weitem nicht von der guten Beschaffenheit sind, wie sie jezt die Fabrik liefert.

Vorräthe an Röhren hat gegenwärtig die Fabrik nicht; denn es wurde bisher nur auf Bestellung gearbeitet; aber jede Bestellung kann befriedigt werden.

|290|

Die Masse, aus welcher die beschriebenen Brunnenröhren geformt werden, kann, wie ich glaube, noch zu andern Gegenständen des Bauwesens verwendet werden; ich will jezt am Schlusse dieses Aufsazes nur einen derselben anführen.

Bereits vor vielen Jahren sah ich ein altes Gebäude niederreißen, in dem sich sehr gut erhaltene Abtritts-Röhren von gebranntem Thone fanden. Der innere Durchmesser betrug nicht mehr als 8 Zoll, und die Wand des Cylinders mag allenfalls 1 Zoll stark gewesen seyn. Die Masse war eine Art Steingut, aber nicht so glatt und glänzend, wie das von Coblenz und Luisensruhe.

Man weiß, daß hölzerne Abtritts-Röhren sehr unvollkommen sind, bald schadhaft werden, und dann dem Gemäuer Feuchtigkeit mittheilen. Die Schärfe des Urins frißt das Mauerwerk, und Unreinigkeit und übler Geruch entsteht in den Häusern. Röhren von Steingut können diese Fehler und unangenehme Folgen nicht in solchem Grade haben; allemal aber versprechen sie eine größere Dauerhaftigkeit als die hölzernen. Sie werden auch hiezu um so eher in Anwendung zu bringen seyn, da man Röhren von 10 bis 12 Zoll im Diameter, und noch weiter formen kann. In wie ferne dieser Vorschlag ausgeführt werden könne, beruht freilich noch auf Versuchen; indeß bin ich eines glücklichen Erfolges zum Voraus gewiß.

Bei dem oben gedachten alten Gebäude hat man beim Abbrechen desselben bemerkt, daß die steinernen Abtritts-Röhren in keiner Verbindung mit dem Gemäuer waren, sondern ganz frei standen, und einen starken eisernen Ring, der in dem Mauerwerk auflag, zur Unterstüzung hatten. Diese Vorsicht ist auf jeden Fall bei hölzernen Abtritts-Röhren nothwendig; denn wenn diese am Gemäuer anliegen und nur |291| etwas schadhaft werden, so dringt Feuchtigkeit durch, und theilt sich den Steinen mit, was nicht geschehen kann, wenn sie um und um frei sind. Aber bei steinernen Röhren wird diese Vorsicht unnöthig seyn.

Wenn auch die Steingutmasse bei feuchter Witterung schwizt, weil die mit Dünsten angefüllte wärmere Luft sich an den kalten Stein in Tropfen ansezt, so dringt die Feuchtigkeit doch nicht ins Innere der Masse, die nur wenig porös ist, ein; und der Frost schadet derselben weniger, als selbst dem Marmor.

Es ist daher an ihrer Dauerhaftigkeit zu dem eben angegebenen Zweck nicht im Geringsten zu zweifeln; und wer für mehr als eine Generation bauen will, sollte sich eines einheimischen Fabrikats bedienen, welches Aufnahme und Ausbreitung verdient.

Im Kunst- und Gewerbsblatt des polytechnischen Vereins in Baiern, vom 20. Febr. 1819 Nro. 8. wird von dem Verwaltungs-Ausschuß dieses Vereins auf die steinernen Wasserleitungs-Röhren des Herrn Leers zu St. Georgien bei Baireuth aufmerksam gemacht. Aus dieser Anzeige glaube ich folgendes mittheilen zu müssen.

„Die steinernen Wasserleitungs-Röhren wurden früher in meiner Fabrik in Gyps-Formen gefertiget. Durch diese Formung entstanden aber auf zwei Seiten Nathen, welche sich öfters, besonders bei schnellem Trocknen und Brennen, theilweis auseinander gaben, wodurch mir immer viel Schaden wurde.

Um diesem Uebel abzuhelfen, und den Wasserröhren mehr Haltbarkeit zu geben, war mein Wunsch eine Preß-Maschine zu haben, durch welche das Rohr im Ganzen hervorgebracht, werden könnte.

|292|

Da wir hier aber an mechanischen Künstlern sehr arm sind, denen ich meine Idee zu einer dergleichen Preß-Maschine hätte mittheilen können, so war die Hervorbringung derselben sehr schwierig und zog sich in die Länge, weil nur durch ununterbrochene Versuche im Kleinen ein Modell hervorgebracht wurde, nach welchem ich eine große Presse bauen ließ, die aber noch vielen kostspieligen Aenderungen gegen das kleine Modell unterworfen war.

Nun steht aber zu meiner Freude in einem eigenen Gebäude die große Presse da, durch welche ein einziger Mann, ohne Beihülfe, das ganze 31/2 Fuß lange Rohr, welches nach dem Brennen 3 Fuß hat, fertig, bis auf den Büchsen-Absaz, welcher auch gepreßt wird, wegnimmt. Die Röhren sind wie gegossen und abgedreht, dabei nun ganz dauerhaft, weil das Rohr ganz rund ohne Zusammensaz, mit den egalsten Schieben hervorkommt.

Die Wasserröhren sind nun da, schön und dauerhaft, so daß sie gewiß mit den Ausländischen die schärfste Untersuchung bestehen werden, allein der Absaz fehlt, ich habe einen Vorrath von 4000 Stück Röhren, von welchen man keinen Gebrauch macht, man legt die hölzernen Röhren fort, weil man damit durch viele Abfälle, durch Ausgrabung von halbverfaulten Röhren, durch die immerwährenden große Legungs-Kosten, ein wollenreiches Schaf hat, das noch oft von den Jeztlebenden geschoren werden kann.

Durch viele Kosten wurden die so nüzlichen Röhren hervorgebracht.

Die Wasserröhren-Fabrik in dem Herzogthume Gotha Elgersberg ist nicht vermögend die Bestellungen gleich auszuführen, und bittet sich immer eine Lieferungs-Zeit von 1 bis 2 Jahren aus, und meine Fabrik hat keine Bestellung, vielmehr 4000 Stück Röhren auf dem Lager.

|293|

Ich lasse, um die abgerichteten Menschen fort zu beschäftigen, noch ein Jahr an den gepreßten Röhren fortarbeiten, hoffentlich wird unter der Zeit von obenher den Baubehörden aufgegeben werden, von der allgemein als nüzlich anerkannten Erfindung Gebrauch zu machen.“

Herr Stadtrath Leers klagt über Mangel an Absaz seines Fabrikats, und äußert den Wunsch, daß von obenher den Baubehörden aufgegeben werden möchte, von der als allgemein nüzlich anerkannten Erfindung Gebrauch zu machen.

Jeder patriotische Baumeister, welcher Sinn für das Gute hat, wird eine solche Erfindung benuzen, und bei jeder Gelegenheit empfehlen. Wo aber dieser Sinn fehlt, da sollten Geseze nachhelfen, und es wäre wirklich zu wünschen, daß unsere Bauordnungen einen Paragraphen enthielten, welcher auf nüzliche Neuerungen aufmerksam, und gründliche Versuche damit zur Pflicht machte. In solchen Fällen kann ein thätiger, verständiger Baumeister, der alles prüft, und das Gute in Anwendung bringt, zum allgemeinen Wohl sehr viel beitragen. Warum aber hat Herr Stadtrath Leers nicht den Preis seines Fabrikats angegeben? Ohne diesen zu wissen, kann man ja keinen Anschlag zu einer Wasserleitung machen, und keine Vergleichung anstellen, wie sich rücksichtlich die Kosten seiner steinernen Röhren zu hölzernen verhalten. Vielleicht hat Herr Leers dieses in andern Blättern gethan, wovon mir jedoch nichts zu Gesicht gekommen ist.

Im Herzoglich Leuchtenbergischen Orte Schönbrunn, Landgerichts Kupferberg im Regenkreise, wurde vor einigen Jahren eine Fabrik errichtet, welche eine Art Geschirr, wie das Coblenzer ist, liefert. Ob daselbst auch Brunnenröhren verfertiget werden, weiß ich nicht, wohl aber kann ich aus |294| Erfahrung bezeugen, daß die nicht weit vom Fabrikorte gegrabene, und in diesem verarbeitete Erde von vorzüglicher Güte ist, und die besten Röhren geben könnte.

b) Brunnenröhren von natürlichen Steinen.

Man hat schon öfters Versuche gemacht, Marmor und marmorartige Steine, harten Sandstein und Granit zu Brunnenröhren zu bearbeiten. Es gehören dazu Steine von besonderer Länge, ohne Lagerspalten. Dergleichen Steine aber, zuviel Marmor und Granit, sind schwer zu brechen, und die daraus verfertigten Brunnenröhren werden, weil sie viele Arbeit kosten, theuer zu stehen kommen.

Im Hesperus Nro. 23. vom Mai 1810 wird die Fabrikation solcher Röhren in der Schweiz erwähnt. Der Reisende, welcher von diesen Wasserleitungs-Röhren in dem angeführten Blatt Nachricht giebt, machte von Ballstatt aus, einem Flecken, der auf dem Wege von Basel nach Solothurn liegt, mit seinem Wirth einen kleinen Seitenausflug, und sagt davon Seite 183: „Unter andern kamen wir bei einer kleinen Werkstätte vorbei, wo ein Radwerk von einem Wässerchen getrieben wird, und wo uns Mentor referirte, daß hier auch etwas zu sehen wäre, wenn der Besizer nicht ein Geheimniß aus seinem Mechanismus gegen Jedermann machte, nämlich: Wie feste Kalk- und feine Granitsteine zu Wasserleitungs-Röhren auf eine einfachschnelle Weise ausgebohrt würden. Da wir nicht in das Innere der Werkstätte dringen konnten, so mußten wir uns begnügen, das Hervorgebrachte aus derselben zu besehen. Die Steine waren rund, abgearbeitet, hatten den Durchmesser gewöhnlicher hölzerner Röhren, und die halbe Länge derselben. Die Höhlung war eben so groß, und wie geglättet, rein gebohrt etc.“ Am Schlusse seines Aufsazes drückt sich der Verfasser also aus: „Haben wir nicht ganze Gebirge |295| von marmorfestem Kalk oder auch von festem Sandsteine? und würden unsere Mechaniker nicht leicht Mittel finden, diese Steine mit Wasserwerken auszuarbeiten?“

In Gegenden, wo dergleichen Steine brechen, möchte wohl eine Fabrik zur Bereitung steinerner Wasserleitungs-Röhren anzulegen seyn, und ich bin überzeugt, daß es nicht schwer halten sollte, eine vom Wasser getriebene Bohrmühle einzurichten. Indessen muß ich bemerken, daß der Transport fertiger Röhren sehr hoch zu stehen käme; auch dürfte manche auf einem weiten Wege zu Grunde gehen.

Die Zusammenfügung dergleichen Röhren wird immer durch eiserne Ringe geschehen müssen, oder das eine Ende der Röhre müßte conisch zugearbeitet, und die Mündung der andern erweitert werden, damit man sie einander stecken und mit Kitt versehen könnte. Der Verfasser jenes Schreibens giebt die Länge der Röhren, welche er in her Schweiz gesehen hatte, etwas unbestimmt an, indem er sagt, sie waren rund zugearbeitet, hatten den Durchmesser gewöhnlicher hölzerner Röhren, eine eben so große Höhlung und die halbe Länge derselben. Da nun die hölzernen Röhren gewöhnlich sehr lang gemacht werden, damit man nicht viele Anstöße bekomme, und da die kürzeste hölzerne Röhre wohl nicht weniger als 12 Fuß in der Länge hat, so müßten jene steinernen Röhren wenigstens 6 Fuß lang seyn; gewiß eine beträchtliche Länge für eine steinerne Röhre. Aber gesezt auch, daß nicht Steine von einer solchen Länge zu haben und die Röhren nur 3 Fuß lang wären, so könnte dies doch keine Hinderniß seyn, aus derselben eine Röhrenleitung zusammen zu sezen.

Es sind bereits einige Jahre, daß ich eine kleine Abhandlung mit Zeichnungen über eine Maschine, womit Sandsteine zu Brunnenröhren ausgehöhlt werden, zu lesen bekam. Diese Maschine wurde jedoch nur von der Hand bewegt, |296| und sie war mehr zum Stoßen, als zum Bohren eingerichtet.

Es wäre zu wünschen, daß über diesen wichtigen Gegenstand weitere Versuche angestellt würden; auch müßte dem Techniker die Mittheilung alles dessen, was hierin schon geleistet worden ist, höchst willkommen seyn.

|272|

Aus dem Hesperus Nro. 68. December 1819.

|273|

Ist bereits auf 8 Jahre erfolgt; man sehe Wiener Zeitung Nro. 241 im Amtsblatte Nro. 84 vom Jahre 1819. A.d.H.d. Hesp.

|277|

Nicht unbedingt, denn in Wien kommt eine 2zöllige Wasserröhre von Holz sammt Legen und Spundbüchsen dermalen auf 13 fl. A.d.H.d. Hesp.

|279|

Blumhofs Encyclopädie, 3. Band 1819 Seite 558. A.d.V.

|280|

Das Verstopfen der Röhren kann sehr leicht vermieden werden, wenn an den Fassungspunkt, wo das Wasser in die Leitung hineinströmt, ein siebartiges Gitter vorgesezt wird, das das Hineindringen solcher im Wasser schwimmenden Theile verhindert, die ein Verstopfen in der Röhrenleitung veranlassen können. A.d.V.

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