Titel: Barnet über Treibbetten von Flachsagen.
Autor: Barnet, Peter
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXXI. (S. 345–347)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001031

XXXI. Ueber Treib-Betten aus den Abfällen bei der Flachs-Bereitung, die gewöhnlich weggeworfen werden.

Von Herrn Peter Barnet 117).

(Aus den Verhandlungen der kaledonischen Garten-Cultur-Gesellschaft118))

Die Hize, welche sich während des Gährungs-Prozesses der Pflanzen oder Pflanzenstoffe entwickelt, war bisher das Hauptmittel, dessen man sich bediente, um die zum Treiben der Ananas, Melonen und Frühgurken in unserem Klima nöthige Grundhize zu erzeugen.

Wenn Pflanzen in grünem Zustande in Gährung gerathen, so ist die dadurch erzeugte Hize sehr groß, aber schnell vorübergehend; je trockener und fester hingegen das Gewebe derjenigen Stoffe ist, die man diesem Prozesse unterwirft, desto weniger heftig und desto mehr anhaltend ist die dadurch erzeugte Hize. Daher hat man bisher immer Eichenrinde, nachdem der Gärbestoff aus derselben ausgezogen wurde, und trockenes Baumlaub als die schicklichsten Materialien zu Ananas- und Melonen-Betten gefunden, wo es immer an Fütterung derselben fehlte119).

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Pferdemist und Streu werden gewöhnlich zur Anlage der Melonen- und Gurken-Bette genommen. Pferdemist erhält man aber selten ohne Zank von den Aufsehern einer Wirthschaft, indem diese Leute meinen, daß sie ihren Dünger mit mehr Vortheil auf ihre Erdapfel- und Brachfelder verwenden können. Auch der Gärtner, obschon er weniger dagegen sagt, weiß, wie viel der Dünger durch Auflösung und Ausdünstung wahrend der fortgesezten Gährung verliert, welche nothwendig durch Fütterung unterhalten werden muß, wenn man seiner Melonen sicher seyn will.

Da nun, wie man allgemein zugestehen wird, Dünger eine zu kostbare Sache ist, als daß man sie muthwillig verderben dürfte; da Eichenrinde (Gärberlohe) zu sehr im Preise gestiegen ist, seit sie an vielen Orten zum Compost 120), zur Vermehrung des Düngers benüzt wird; so scheint es ein Gegenstand von Wichtigkeit, wenigstens für diejenigen, deren Verhältnisse es gestatten, davon Gebrauch zu machen, wenn man etwas, das bisher allgemein für unnüz angesehen und weggeworfen wurde, mit Vortheile zum Treiben der Pflanzen anwenden kann.

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Und dieses Etwas ist das, was man Agen (bei uns im Provincial-Ausdrucke rolling shows) nennt, das Mark des Flachses, welches bei dem Walzen desselben vor dem Schwingen (scutching) abfällt. Diese Agen halten, wie ich aus Erfahrung weiß, durch mehrere Monate fortwährend einen bestimmten und regelmäßigen Grad von Hize, ohne viele Umstände zu machen. Ich überzeugte mich hievon auf das Genaueste bei öfterem Nachsehen in einer benachbarten Flachs-Mühle, wo Haufen von Agen sorglos aufgethürmt waren, und 14 Monate lang an einer und derselben Stelle liegen blieben. Während dieser Zeit blieben sie nahe am Grunde so warm, daß Fahrenheit's Thermometer bis zu 64° stieg. Erdäpfel wuchsen oben am Gipfel dieser Haufen ohne alle Erde; allein der Müller verlor den Ertrag derselben, da er die Agen um den Stamm umher, wie man es mit der Erde zu thun pflegt, aufhäufeln wollte; er erzeugte dadurch eine so heftige Hize, daß die Erdäpfel in einer Nacht davon verbrannt wurden. Ich versuchte die Agen auch unter den gewöhnlichen Glasfenstern. Die Gährung trat beinahe augenblicklich ein, und eine regelmäßige Hize hielt lange Zeit über an; und nach dieser Länge der Zeit, während welcher ich die Agen bei mir in Gährung sah, ehe sie gänzlich zersezt wurden, glaube ich mit Sicherheit schließen zu können, daß ihre hizende Kraft länger anhält, als jene der meisten, bisher zum Treiben angewendeten Stoffe. Ich kann noch hinzufügen, daß diese Agen, nachdem sie durch die Gährung zersezt wurden, sich als trefflicher Dünger bewiesen haben121).

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. II. Series. N. CCXIII. Februar 1820. p. 183.

Transactions of the Caledonian Horticulture Society.

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Der berühmte Garten-Direktor in Paris, Herr Thouir, hat zu Treib-Betten in Glas-Häusern Schmiede-Schlacken |346| (in den Annales du Musée) vorgeschlagen, theils um die theuere Lohe zu ersparen, theils um den Nachtheilen zu entgehen, welche die Insekten in Lohe-Betten gewöhnlich anrichten. Mehrere deutsche Gärtner bedienen sich bei ihren Ananas-Betten mit großem Vortheile des Mooses. Anm. d. Uebers.

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Compost (sprich Campaßt) nennen die Engländer eine Mischung (Compositum) von allerlei faulenden animalischen und vegetabilischen Substanzen, deren sie sich als künstlichen Düngers zur Vermehrung des natürlichen bedienen. Es scheint, daß wir diesem Worte das Bürgerrecht in der deutschen Sprache ertheilen können, da wir kein deutsches Wort für Compost besizen. Anm. d. Uebers.

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Da in denjenigen Gegenden Deutschlands, wo der Flachsbau stark betrieben wird, die Agen fast durchgängig als unnüz auf die Straße geworfen werden, so verdienet diese Beobachtung auch bei uns alle Aufmerksamkeit. Dingler.

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