Titel: Mackenzie über Salben der Obstbäume mit Oel.
Autor: Mackenzie, J. S.
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXXII. (S. 348–356)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001032

XXXII. Ueber die Wirkungen des Salbens der Stämme und Aeste der Obstbäume mit Oel, und über die Mittel Insekten zu vertilgen.

Von Sir J. S. Mackenzie, Baronet122).

(Aus den Transactions of the Caledonian Horticultural Society.)

Mit Anmerkungen des Uebersezers.

Da die Bäume in meinem Garten im Jahre 1815 von Insekten sehr heimgesucht wurden, so sann ich ängstlich auf Mittel ihrer Vermehrung zuvorzukommen. Ich erinnerte mich in dem Garten des Herzogs von Buccleuch zu Dalkeith einen Apfelbaum von dem Insekte, das unter dem Namen Scaly-Insekt (Schuppen-Insekt)123)bekannt ist, beinahe zu Grunde gerichtet gesehen zu haben; er kam aber auf die |349| Anwendung einer Mischung von Oel, Schwefel und Ruß wieder glücklich davon. Es ist bekannt genug, daß Oel den Insekten tödtlich ist, und diesem schrieb ich in der erwähnten Mischung die Erhaltung des Baumes zu124). Ich dachte mir, daß Oel, wenn es auf die Stämme und Aeste der Bäume angewandt wird, auf doppelte Weise wirken mag; daß es die Eyer und Puppen der Insekten, die sich bereits auf denselben befinden, zerstören kann, und daß es auch für die Zukunft den Angriffen dieser Thiere vorbeugt. Es schien mir auch, als ob Oel, indem es die harten und kranken Theile der Rinde erweicht, in dieser Hinsicht für die Gesundheit und den Wachsthum des Baumes wohlthätig werden, und die Vegetationskraft desselben ermächtigen könnte, solche Theile auf eine natürliche Weise abzustoßen, was dem gewaltthätigeren Verfahren beim Abkrazen der harten zusammengezogenen Rinde vorzuziehen seyn dürfte.

In dieser Hinsicht befahl ich meinem Gärtner eine beträchtliche Anzahl verschiedener Bäume zu salben. Ohne irgend einen Nachtheil zu besorgen, der entstehen konnte, wenn das Oel mit den Knospen in Berührung kommt, rieb er fleißig in jedem Winkel, in welchen möglicher Weise Eyer hatten abgesezt werden können. Auf diese Weise kam ich zu meiner Entdeckung, und zwar in einem ausgedehnteren Umfange, als es sonst geschehen seyn würde; ich sah nämlich die Wirkungen des Oeles in Hinsicht auf Nuzen und Schaden, obschon lezterer mich in eine kleine Verlegenheit brachte. Ich werde nun diese Wirkungen detailliren.

Aepfelbäume. Ueberall, wo die Knospen vom Oele frei blieben, die wohlthätigste Wirkung in jeder Hinsicht auf Stamm und Aeste. Die Tragknospen, wo sie vom Oele |350| berühret würden, waren dahin, und selbst die Blattknospen, wenn sie etwas vorgerückt waren. Später aber kamen neue Knospen beider Art in großer Anzahl zum Vorscheine, und ich bemerkte an zwei jungen Bäumen mit langen nackten Stämmen, daß Knospen an dem Stamme selbst sich bildeten, wo sonst niemals sich solche zeigten. Dies läßt sich leicht erklären. Da der Saft an dem gewöhnlichen Orte durch Entfaltung der Knospen des vorigen Jahres keinen Ausweg finden konnte, so bildete er neue Knospen und Aeste auf dieselbe Weise, wie wann der Baum niedergeschnitten ist. Gegenwärtig sind viele Trag- oder Blüthen-Knospen an diesen Bäumen, die ehevor nur wenige hatten, und diese wenigen sind vollkommen zerstört;

Birnbaume. Obschon die mehr vorgerückten Tragknospen litten, litten diese Bäume doch weniger als die Apfelbäume. Ihr Wachsthum war ungewöhnlich stark, und eine große Menge von Knospen hatte sich gebildet, und bedeckte die Aeste, die ehevor nackt waren. Dies bemerkte ich vorzüglich an einer Jargonelle.

Pflaumenbäume. Sie schienen in keiner Hinsicht zu leiden, und trieben kräftig Holz und Blüthe.

Pfirsichbäume. Ein Baum, ein alter, schien gänzlich zu Grunde gerichtet. Als ich ihn aber genauer untersuchte, fand ich einige Knospen, die noch lebendig zu seyn schienen. Ich schnitt alle Aeste bis zu diesen Knospen nieder, die dann wunderschöne Schößlinge trieben. Ein junger Baum, der seit ein paar Jahren so wenig Fortschritte machte, und so zu kränkeln schien, daß ich ihn zum Wegwerfen verdammt hatte, trieb auf eine bewundernswerthe Weise, und wurde ein recht artiger Baum. Ich war anfangs nicht sehr aufmerksam bei Untersuchung dieses Baumes, da ich mich wegen seines früheren Aussehens nicht viel um ihn kümmerte. |351| Es ist indessen wahrscheinlich, daß seine besten Knospen vom Oele frei geblieben sind.

Aprikosenbäume wurden so sehr durch das Oel angegriffen, daß ihre Triebe nur schwach waren, und sie am Ende gänzlich zu Grunde giengen. Ich weiß noch nicht, was mit ihnen geschehen würde, wenn die Knospen sorgfältig vor der Berührung mit Oehl verwahret werden.

Kirschbäume haben sehr hart gelitten. Wenn ich von Leiden spreche, so meine ich blos, daß in jenen Fällen, wo die Knospen nicht geschonet wurden, keine neuen nachtrieben, und Gesundheit und Stärke des Baumes im Ganzen geschwächt schien.

Reben, wenn sie auf diese Weise behandelt werden, ohne daß man ihre Knospen verschont, sterben nieder bis zur Wurzel, aus welcher später starke Schößlinge auftreiben. Wenn die Knospen verschont werden, so wachsen sie kräftig. Da aber an den Reben das jährliche Abschälen der Rinde leicht die Entfernung derselben gestattet, so finde ich mich im Ganzen gar nicht geneigt, das Oel bei denselben zu empfehlen.

Stachel- und Johannisbeeren schienen mir durch Anwendung des Oeles vielmehr zu leiden, als Vortheil hievon zu erhalten.

Die Pfirsichbäume, welche nicht mit Oel bestrichen wurden, wurden wie gewöhnlich von Aphiden, Blattläusen, heimgesucht, während auf jenen, welche gesalbt wurden, sich durchaus kein Insekt sehen ließ.

Die Apfel-Blattlaus (Aphis lanigera)125) wurde aus einem Garten gänzlich ausgerottet, indem man an jeder Stelle, wo sie sich zeigte, Oel angewendet hat, und ich zweifle nicht, daß man sie bald in jedem Bezirke des Königreiches |352| vertilgen kann, wo sie sich findet, wenn man sich derselben Mittel bedienen will.

Während die Versuche im Gange waren, die mich auf diese Resultate führten, hörte ich, daß eine Dame, die eine Gartenfreundin ist, verschiedene Bäume, die am Krebse litten, dadurch heilte, daß sie zuerst die kranken Theile wegnahm, und dann die Wunde mit einem Stücke Leinwand bedeckte, welches mit Speck bestrichen war. Es läßt sich wohl mit Recht vermuthen, daß Oel dieselbe Wirkung haben muß.

Ich bemerkte bei der Fortsezung meiner Versuche sehr bald, daß die kranken Theile und die Stellen, wo Aeste weggenommen wurden, an den Stämmen und Aesten, welche gesalbt worden sind, eine von der übrigen Rinde verschiedene Farbe annahmen; es schien eine Exfoliation zu beginnen, und im Herbste konnte man deutlich neu gebildete Rinde wahrnehmen, welche die alte kranke und todte so weggeschoben hatte, daß man sie leicht wegnehmen konnte.

Ich habe das Vergnügen aus dem, was ich hier erzählte, zu bemerken, daß die Bäume, wenn man anders dafür sorgt, daß ihre Knospen, zumal wenn diese angefangen haben, bereits zu schwellen, nicht mit dem Oele berührt werden, von dem Gebrauche desselben sehr vielen Vortheil ziehen.

Außer den Feinden der Früchte, welche in der Rinde lauern, haben wir auch noch mit jenen zu kämpfen, welche ihre Eyer auf die Blätter und Blüthen legen. Von jenen Bäumen, welche an Mauern oder in Spalier gezogen werden, lassen die Raupen sich wohl mit leichter Mühe entfernen; wenn man es aber versucht, hochstämmige Bäume davon zu reinigen, wird man schwerlich erwarten dürfen, für die aufgewendete Mühe und Zeit belohnt zu werden. Gärtner haben die Gewohnheit, an Bäume, welche sie an einer Wand ziehen. Fläschchen mit etwas Zucker oder Honig und |353| Wasser aufzuhängen, um die Insekten wegzufangen, welche den reifenden Früchten nachstellen. Wenn sie diese Fläschchen im Frühjahre bei Zeiten, sowohl an Spalierbäume, als an hochstämmige aufhängen, und damit den ganzen Sommer über fortfahren würden, so würden sie erstaunen über die Verheerung, die sie dadurch unter den Insekten angerichtet haben. Tausende derselben, die einen ihrem Futter nachgehend, die meisten trächtig und einen Ort suchend, wo sie ihre Eyer ablegen können, werden zu ihrem Untergange in die Falle gelockt, und nur wenige werden übrig bleiben, um im Herbste Schaden anzurichten. Die Fläschchen, deren ich mich bediene, sind am Halse enge, und unter den Schultern etwas niedergedrückt.

Es giebt indessen noch einen Feind, der mehr Unheil stiftet, als vielleicht alle anderen zusammengenommen, und der auf diese Weise nicht vertrieben werden kann. Da er seine Verwüstungen nur bei der Nacht anrichtet, so ist er nicht allgemein bekannt. Birnbäume und Weinstöcke scheinen den Angriffen dieses lauernden Feindes am meisten ausgesezt, man hat ihn indessen auch auf anderen Arten von Bäumen gefunden. Die Zerstörungen, die man so oft an Pfropfstellen findet, sind das Resultat der ungehinderten Vermehrung dieses Geschöpfes. Es ist, wie ich glaube, der Curculio vastator, ein Rüsselkäfer, der am Tage sich unter kleine Erdschöllchen zurück zieht, von welchen man ihn, seiner graubräunlichen Farbe wegen, kaum unterscheiden kann, da er sich nie regt, wenn man ihn berührt. Wenn man verübte Zerstörung am Baume wahrnimmt, und den Thäter nicht alsogleich entdeckt, wird man ihn, wo man unten am Fuße des Baumes auf der Erde nachsieht, gewiß finden. Dieses schädliche Thier kann nur dadurch vertilgt werden, daß man ihm fleißig nachspürt, und jedes Individuum tödtet, das man aufgefunden hat. Die einfachste und wirksamste |354| Weise zu seiner Vertilgung, die ich kennen lernte, ist diese, die Erde um den Baum, wann es dunkel wird, fest niederzutreten, und Stücke von Schiefer, Ziegeln oder kleinen Steinen rings um den Fuß des Baumes zu legen. Am folgenden Morgen werden sich die Rüsselkäfer unter diese Steine verborgen haben, und können dann aufgehoben werden. Risse in der Rinde, die Stellen, wo die Aeste sich theilen, Löcher in der Wand, und jeder Spalt, in welchen sie sich verkriechen können, müssen sorgfältig durchsucht werden. Vielleicht würde ein Stück Bindfaden, um den Baum gebunden, wenn derselbe vorher mit einer klebrigen Mischung, wie das Unguentum Basiliconis, bestrichen worden wäre, diese Insekten von dem Versuche abhalten, an dem Stamme des Baumes hinanzuklettern126).

|355|

Man hat den Curculio abietis einst an einer Rebe gefunden. Er ist bedeutend größer, als der Vastator, und hat einen verlängerten Rüssel. Wenn die Gärtner sich die Mühe geben wollen, gelegentlich des Nachts an ihren Bäumen und Büschen nachzusehen, so werden sie mehrere nächtliche Verheerer und ihre Schlupfwinkel kennen lernen, von welchen sie bisher wenig Kunde hatten. Es wäre der Mühe werth, jeden neu entdeckten Feind an die Gesellschaft zu senden, und derselben Bericht über die Weise, wie er seine Verheerungen verübt, welche Theile der Pflanze er vorzüglich |356| angreift, und über die übrigen bekannt gewordenen Nebenumstände zu erstatten .

Ein Mitglied der Gesellschaft, Herr Johann Linning, sagte mir, daß er ein wenig Oel auf den Stängel der gefüllten Nelke gebracht, als ein sehr kräftiges Mittel gegen die Verheerungen der Ohrkäfer gefunden hat.

Da dieses Mittel überall bei der Hand ist, und leicht angewendet werden kann, so werden Garten- und Blumenfreunde, wie ich hoffe, die gemachten Versuche wiederholen und weiter verfolgen..

Das Oel, dessen ich mich bediene, ist Fisch-Oel (Thran). Wallfisch-Thran, die gemeinste Sorte, wird eben so gut seyn, und überhaupt jedes schmierige Wesen. Man braucht nicht mehr davon anzuwenden, als eben nöthig ist, um die Oberfläche davon glänzend zu machen.

Uebersezt aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. Second Series. CCXI. Dec. 1819. p. 48.

|348|

Die Schuppe (Scale) wurde, wie ich höre, neuern Entdeckungen zu Folge als das Nest erkannt, in welches ein geflügeltes Insekt seine Eyer legt. Man sah Larven aus diesem Neste kommen, hat sie aber noch nicht im Puppen-Zustande gefunden. Anm. d. Verf. – Wahrscheinlich ist dieses Insekt ein Coccus. Man würde sich leicht haben Puppen und vollkommene Insekten verschaffen können, wenn man die Raupen hätte auffüttern wollen. Anm. d. Uebers.

|349|

Schwefel ist aber auch für viele Gift, und Oel ist es nicht für alle. Anm. d. Uebers.

|351|

Vielleicht ein Chermes. Anm. d. Uebers.

|354|

Der Uebersezer weiß noch ein besseres und zuverläßiges Mittel, alle Insekten, die von der Erde auf Bäume hinaufkriechen, von denselben abzuhalten. Er lernte es von dem sel. Herrn Professor Kitaibel in Pesth, der sich dieses Mittels mit dem besten Erfolge bediente. Bekanntlich vermag nichts die Insekten so sehr zu vertreiben, als das ihnen unerträgliche Quecksilber. Wenn man eine Raupe auf ein Brett legt, und mit Quecksilber-Salbe einen Kreis um sie her auf diesem Brette zieht, so wird sie, wenn man ihr Futter außerhalb dieses Kreises umherlegt, lieber verhungern, als diesen magischen mit Quecksilber-Salbe um sie gezogenen Kreis zu überschreiten. Man darf also nur einen starken Bindfaden mit der äußerst wohlfeilen grauen Quecksilber-Salbe dicht bestreichen, und unten am Stamme um den Baum binden, so kann man sicher seyn, daß kein Insekt von der Erde auf den Baum hinan kriecht. Herr Prof. Kitaibel bediente sich des Quecksilbers noch auf eine andere Weise, um sein Herbarium und seine Pelze vor den Zerstörungen der Motten (vulgo Schaben) und anderer Insekten zu sichern. Er bereitete eine starke Auflösung von Sublimat, und zersezte dieselbe |355| durch Seife. Dem Rückstande von Quecksilber-Oxyde und Fette sezte er, nach abgegossenem Wasser, soviel Wachs zu, als nöthig war, das Fett um sein schmieriges Flecken erzeugendes Wesen zu bringen, ließ dieses alles bei gelinder Wärme flüssig werden, und tränkte darin Lagen von Papier. Das auf diese Weise erhaltene Quecksilber-Cerat-Papier legte er in einzelnen halben Bogen zwischen 50 und mehr Bogen seines Herbariums, oder legte es zwischen 2 Blätter Papier, in welche er Pelzwerke eingewickelt hatte, und sicherte seine Sammlungen dadurch vor den Verheerungen der Insekten. Man wird vielleicht eine einfachere, vorteilhaftere Weise zur Bereitung eines Quecksilber-Cerat-Papieres finden; indessen ist es gewiß, daß auch durch obiges Papier Insekten und Motten sicher abgehalten werden. In Wollenlagern, Tuchmagazinen, u.d. gl. müßte, wenn Wolle und Tücher durch solche mit Quecksilber-Cerat getränkte Cartons (so lang sie frisch und neu und von Insekten noch unangestekt geblieben sind) umhüllet werden, die Anwendung dieses einfachen Mittels von sehr großem Vortheile seyn. Daß weder Gesundheit noch Farbe und Güte des Tuches durch Anwendung dieses Mittels leidet, braucht wohl nicht erinnert zu werden; jedoch würden wir nicht rathen, goldgestickte Uniformen dadurch vor Motten bewahren zu wollen. Anm. d. Uebers.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: