Titel: Poutet Methode, die Verfälschung des Oliven-Oeles mit Mohn-Oel etc.
Autor: Poutet,
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXXIV. (S. 357–361)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001034

XXXIV.  Methode, die Verfälschung des Oliven-Oeles mit Mohn-Oel und anderen aus Samen gepreßten Oelen zu entdecken.

Auszug aus einer diesen Gegenstand betreffenden Instruktion.

Von Herrn Poutet. Apotheker zu Marseille.

Auf Verlangen des Ministers des Inneren.

(Aus den Annales de Chimie et de Physique 128).)

Dieses Verfahren gründet sich auf die Eigenschaft der Auflösung des salpetersauren Quecksilbers (Pernitrate de Mercure), reines Oliven-Oel, wenn es damit geschüttelt wird, in wenigen Stunden zum Erstarren zu bringen, und in eine feste Masse zu verwandeln, während es auf die Flüssigkeit der übrigen aus Samen gepreßten Oele kaum einigen Einfluß äußert, sondern denselben eine Orange-Farbe mittheilt, und sie eine große Menge von Niederschlag bilden läßt, welcher niemals die Härte des Coagulums, des Oliven-Oeles erhält.

Man bereitet dieses salpetersaure Quecksilber, wenn man kalt sechs Gewichttheile Quecksilbers in sieben Theilen und |358| einen halben Salpetersäure von beiläufig 38° Reaumur's Areometer (beiläufig 1, 35 sp. Schw.) auflöset. Diese salzige Auflösung bleibt flüssig, weil der Ueberschuß von Saure ihre Kristallisation hindert.

Wenn man 8 Maaße dieser Auflösung mit 92 reinen Oliven-Oeles mengt, und von Zeit zu Zeit schüttelt, so erstarrt nach einigen Stunden die ganze Flüssigkeit zu einer gelblichen Masse, welche mit einem weißlichen Schaume bedeckt ist, und wird am nächsten Tage fest.

Reines Mohn-Oel auf dieselbe Weise behandelt, behält seine Flüssigkeit und wird orangegelb; der Niederschlag, den es bildet, ist blos unbedeutend, und von grünlich gelber Farbe,

Ein Gemenge von Oliven-Oel und einem Zwanzigstel Mohn-Oel erstarrt mit salpetersaurem Quecksilber nach wenigen Stunden, aber die Masse ist bei weitem weniger fest, als jene, die man aus reinem Oliven-Oele erhält.

Wenn die Menge des Mohn-Oeles bis zu einem Zehntel steigt, so erstarrt die Mischung mit der Mercurial-Auflösung zu einer gelblichen Masse, welche keine festere Consistenz als Honig oder andere fixe Oele besizt. Wenn das Verhältniß des Mohn-Oeles noch größer ist, so bleibt ein Theil der Mischung beständig flüssig und durchscheinend in der Quecksilber-Auflösung, und die Menge des Coagulums vermindert sich in dem Verhältnisse, als die Menge des Oliven-Oeles vermindert wird.

Da die Consistenz des Coagulums, welches durch das salpetersaure Quecksilber in dem Oele erzeugt wird, ein Kennzeichen liefert, welches nur wenig Bestimmtheit gewährt, indem es nicht so leicht nach irgend einem Maaßstabe bemessen werden kann, so muß nothwendig stets für Gleichförmigkeit der Umstände während der Operation gesorgt werden. So verspätet z.B. Wärme das Gerinnen, und macht das |359| Coagulum weniger häufig; Kälte auf der anderen Seite befördert dasselbe. Eben so beschleunigt das Schütteln, indem es die Berührungspunkte zwischen dem Oele und der sauren Auflösung vervielfältigt, die gegenseitige Wirkung derselben. Um daher Gleichförmigkeit in den zu vergleichenden Resultaten zu erhalten, sollten die Mischungen nach ihrer Bereitung in einem Keller aufbewahrt werden, in welchem die Temperatur im Sommer wie im Winter beinahe stets dieselbe ist. Eben so sollte die Art und die Dauer des Schüttelns der Mischung soviel als möglich bei allen Mischungen dieselbe seyn.

Herr Poutet räth das salpetersaure Quecksilber mit dem Oele in einem Fläschchen zu mengen, und in den ersten zwei Stunden nach geschehener Mischung es alle zehn Minuten stark zu schütteln, und dann bei Seite zu stellen. Wenn das Oliven-Oel rein ist, so erstarrt es im Winter binnen drei oder vier Stunden, und im Sommer binnen sechs oder sieben. Während des Schüttelns fallen die Streifen, die sich an der Fläche des Fläschchens bilden, nieder, und die Masse wird beinahe so dick, wie weiche Butter; aber am folgenden Tage ist alles erstarrt. Durch längeres Stehen wird reines Calabreser Oel viel weißer, und Provencer Oel auch zum Theile.

Man kann es aber als gewiß annehmen, daß das Oliven-Oel unrein, und mit Mohn-Oel verfälscht ist, wenn in einer halben Stunde, nachdem die Mischung in dem Fläschchen geschüttelt wurde, die Streifen an dem Fläschchen ungeachtet alles Schüttelns fest hangen bleiben, und die Flüssigkeit beinahe durchscheinend ist, und wenn endlich, sechs bis sieben Stunden nach der Mischung, das Oel unerstarrt bleibt, und, wenigstens theilweise, in diesem Zustande beharrt, so daß das Oel zwischen einem Viertel und der Hälfte auf der Oberfläche einer undurchsichtigen körnigen Masse von der Consistenz eines dicken Breies oben schwimmt. Ein Gemenge von |360| einem Drittel Mohn-Oel und zwei Dritteln Oliven-Oel bleibt großen Theils flüssig und durchsichtig, und harzige Concretionen fallen auf den Boden des Fläschchens.

Die Farbe der verfälschten Oele129) ist nach dem Schütteln mit der Mercurial-Auflösung mehr gelb, als an dem reinen Oliven-Oele, und Reps-Oel giebt ein tieferes Gelb als Mohn-Oel. Durch langes Aufbewahren wird es braun. Gleiche Theile Oliven- und Reps-Oel nehmen eine schone Orange-Farbe an, und nur die Hälfte der Mischung erstarrt. Mehrere andere salpetersaure Salze bringen eine ähnliche; Wirkung, wie salpetersaures Quecksilber, hervor, allein lezteres verdient den Vorzug.

Diese Methode des Herrn Poutet, die Beimischungen von Oelen zu entdecken, ist an sich gut, und gewiß die beste, die man bisher kennt; künftige Versuche können sie vielleicht zu jenem Grade von Bestimmtheit erheben, welcher ihr jezt noch fehlt, und sie vervollkommnen. Da ein großer Theil der Genauigkeit derselben von dem Verhältnisse zwischen der Flüssigkeit und den coagulirten Theilen abhängt, so sollte die |361| Mischung mit der Quecksilber-Auflösung vielmehr in graduirten Röhren als in Fläschchen geschahen.

Dieser Aufsaz ward auch in dem Repertory of Arts etc. Februar 1820 aufgenommen, und wir theilen ihn aus demselben mit.

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Der Uebersezer findet es nöthig zu bemerken, daß die Verfälschung des Oliven-Oeles durch Mohn-Oel der Gesundheit durchaus nicht nachtheilig ist; daß unsere deutschen Vorvorderen Mohn-Oel statt Oliven-Oeles bei ihrem Tische brauchten; und daß der brave alte französische Abbé Rozier seinen lieben Landsleuten, die doch mit Oliven-Oel handeln, bewies, daß sie jährlich Millionen gewinnen würden, wenn sie statt des gefahrvollen Oelbaumes die sichere Mohnpflanze bauten. Verfälschung des Oliven-Oeles mit Mohn-Oel ist bei weitem nicht so arg, als Verfälschung der edlen französischen und ungarischen Weine mit künstlichen oder anderen geringen Sorten. Anm. d. Uebers. – (Die Consumenten würden besser thun, das gegen das Provencer-Oel weit wohlfeilere Mohn-Oel unter seinem wahren Namen und reellen Werth zu kaufen, als dasselbe vermischt als Provencer-Oel theuer |361| zu bezahlen. Man bekommt jezt in den Detailhandlungen ohnehin sehr selten ächtes rein schmeckendes fettes Provencer-Oel; und bei dem Gebrauche des Mohnsaamen-Oels bliebe viel Geld im Lande, der Ackerbau würde bei häufigern Anbau des Mohns wesentlich gewinnen, ohne den Handel zu beeinträchtigen. Das Mohn-Oel wird aber nicht nur zur Vermengung mit Provencer-Oel, sondern auch mit Mandel-Oel, Hasel- und Wallnuß-Oel gebraucht, meistens aber bloßes Mohn-Oel statt des Nuß-Oels verkauft. So gehen aus Schwaben, dem Elsaß und andern Gegenden jährlich viele tausend Pfund Mohn-Oel nach Triest, das dorten die Taufe als Mandel- und Nuß-Oel erhält, und unter diesem Namen um theures Geld uns wieder zugesendet wird. Auch wird man in Apotheken, wo man das Mandel-Oel nicht selbst aus Mandeln preßt, selten wirkliches Mandel-Oel erhalten. Es wäre zu wünschen, daß die Aerzte zum ökonomischen Vortheil ihrer Kranken statt Mandel-Oel Mohn-Oel zu den Linimenten verordneten, da die Wirkung von beiden zu diesem Zwecke ganz gleich ist. Dingler.)

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