Titel: Brierly's Streckrahmen für Wollenweber.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XLII. (S. 420–423)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001042

XLII. Beschreibung eines Streckrahmens für Wollenweber.

Von der Wittwe des sel. S. Brierly.

Mit Abbildungen Tab. 10.

Aus den Transactions of the Society for Encouragement of arts, Manufactures u. Commerce. 160)

Zehn Guineen wurden für diese Mittheilung der Wittwe Frau Brier votiert.

Auszug aus einem Schreiben des Herrn Josua Thom. Horton an Herrn Taylor, M. D. Sekretär der Gesellschaft etc. dd. 11. Novemb. 1816.

|421|

Eine arme Wittwe in dürftigen Umständen sagte mir, daß ihr seliger Mann, obschon mehr ein gemeiner Weber oder Mechanikus, eine Maschine erfand, die jezt von den Webern in ihrem Bezirke stark gebraucht wird. Vor der Erfindung dieser Maschine mußte der Weber, nachdem er die Werfte zugerichtet hatte, dieselbe auf einem übel eingerichteten Streckrahmen ausdehnen, um dieselbe an der freien Luft meistens auf der Straße oder an irgend einem ungelegenen Orte zu trocknen, und wenn nicht eine Person dazugestellt ward, um darauf Acht zu haben, hatten nicht selten Windstöße und weidendes Vieh dieselben ihre Nachläßigkeit bedauern lassen. Der Nachtheil hievon ward vorzüglich im Winter fühlbar, wo die Leute oft bis zur Erscheinung eines trockenen Tages mit ihrer Arbeit aussezen mußten. Diese Erfindung besteht in einem Rahmen, welcher mit beweglichen Rollstäben oder Walzen so eingerichtet ist, daß die Werfte für den Stuhl in einem Zehntel der sonst nöthigen Zeit gestreckt, zubereitet, und mit Sicherheit an dem Ofen des Webers getrocknet werden kann.

Da ich selbst über diese Sache nicht urtheilen konnte, so zog ich von allen Seiten Erkundigung ein, und hörte überall den Nuzen dieser Erfindung preisen, und dieselbe allgemein dem Samuel Brier, dem Gatten dieser armen Frau, zuschreiben. Ich empfehle demnach diese arme Wittwe, als Repräsentantin des Erfinders, zur verdienten und andere ermunternden Belohnung.

Auszug aus einem Schreiben des Herrn J. T. Horton, an Herrn A. Aikin, Esqu., Sekretär der Gesellschaft etc. dd. Rochdale, 29. Mai 1817.

Dankend für die Aufmerksamkeit auf mein voriges Schreiben übersende ich dem Verlangen des Comittees der Manufakturen gemäß zwei Zeichnungen von der Maschine. Sie sind nicht besonders gut, da wir keinen guten Werkstücke-Zeichner |422| hier besizen. Vielleicht genügen sie indessen doch, um eine Idee von dem Instrumente zu geben: wenn nicht, so will ich mich anderswo um eine bessere Beschreibung umsehen.

Ich schließe hier ein Certificat, wie es das Comittee verlangte, von 22 der ältesten Weber in der Grafschaft, bey. Ich kann von meiner Seite versichern, daß diese Erfindung dem Handel unendlichen Vortheil brachte, und für das ganze Land von allgemeinem Nuzen ist. Die Länge und Breite dieser Vorrichtung ist von der Art, daß sie in jeder Stube gebraucht werden kann. Ehemals waren die Straßen voll mit Webern, die ihre Werften trockneten, zum großen Nachtheile der Reisenden und der Landwirthe. Da ehevor Weber gar nicht in einer Stadt wohnen konnten, so verdanken wir jezt die Zunahme an Gebäuden in der unsrigen lediglich dieser Erfindung. Der zweite Streckrahmen, den Brierly machte, ist noch vorhanden, und wird als Schaustück von Abraham Healey aufbewahrt.


Certificat

unterschrieben von 21161)Webern zu Rochdale den 28sten April 1817; daß Sam. Brierly im J. 1797 diesen Streckrahmen (Stretis) erfand; daß er in wirklichem und beinahe allgemeinen Gebrauche steht und von allen Webern in der Nachbarschaft gut befunden wird; daß er ungefähr zwei Pfunde kostet; daß er vom Tage seiner Erfindung an bis auf den heutigen Tag sich zum großen Vortheile des Handels und der Weber immer mehr und mehr verbreitet, welche leztere bei dem Trocknen ihrer Werften lediglich von der Witterung und dem guten Willen der Landwirthe abhiengen; daß die Werften sowohl durch Vieh, als durch andere unter freiem Himmel unvermeidliche Nachtheile öfters litten.

|423|

Erklärung der Abbildungen.

Fig. 5 zeigt die Werfte von der Seite, wie sie in Zigzag über die Walzen hingespannt ist von unten bis oben. Unten sind die vier Kurbeln, durch welche sie aufgezogen wird.

Fig. 6 zeigt die Walzen von der Endseite des Rahmens. Sie passen an den Pfosten zur rechten Hand in die Löcher KKKK, Fig. 7. und laufen in Einschnitte des Postens zur Linken UU Fig 6-8.

Maßstab, ein Zoll auf einen Grad oder drei engl. Fuß.

Der Uebersezer erinnert sich vor mehr denn 30 Jahren eine ähnliche Vorrichtung bei einem armen Leinweber in Wien zu Jumpendorf gesehen zu haben.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. Second Series No. CCXI. III. Decemb. 1819. p. 15 im Auszuge übersezt. Da diese Beschreibung in 3 Briefen enthalten ist, so finden wir es nicht nöthig, die breiten englischen Komplimente unsern Lesern in einer deutschen Uebersezung mitzutheilen, und heben nur dasjenige aus, was zur Sache gehört. (Anm. d. Uebers.)

|422|

Oben hieß es 22. (Anm. d. Uebers.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: