Titel: Einsle über die Bereitung des Elfenbein-Papiers.
Autor: Einsle, G. S.
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XLVII. (S. 473–477)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/ar001047

XLVII. Methode, Elfenbein-Papier zum Gebrauche für Künstler zu bereiten185).

Von G. S. Einsle, von Strutton Ground, Westmünster.

Was das Elfenbein für den Mahler und für andere Künstler zu einem wünschenswerthen Gebrauchs-Gegenstand macht, ist die Gleichheit und Reinheit des Grundes, ferner der Umstand, daß alle Wasserfarben, welche auf demselben aufgetragen werden, mit einem weichen benezten Pinsel hinweggewaschen werden können, endlich die Leichtigkeit, mit welcher der Künstler von einem einzelnen Theile mittelst der Spitze eines Messers oder eines andern ähnlichen Instrumentes die Farbe hinwegschaben kann, wodurch er weit schneller und sicherer, als es sonst der Fall ist, die Licht-Parthien seiner Mahlerei zu erhöhen und zu erheben vermag. Erschwert aber wird der Gebrauch des Elfenbeins zu diesem Zwecke dadurch, daß es in hohem Preise steht; daß man von demselben keine Tafeln von bedeutender Größe haben kann; daß bei den etwas breitern Platten der Grund rauh ist; daß dünne Stücke desselben beim Witterungswechsel sich werfen, und daß es, wenn |474| es längere Zeit dem Lichte ausgesezt ist, gelb wird, was von dem Oele herrührt, welches in demselben enthalten ist.

Der Unternehmer des Elfenbein-Papiers zeigte dem Kommitte verschiedene Proben desselben vor, welche ungefähr ein achtel Zoll dick waren und an Flächengröße jede Elfenbeinplatte weit übertreffen; die Oberfläche war hart, glatt und vollkommen gleich. Durch die von Künstlern unter den Gesellschaftsmitgliedern gemachten Versuchen ergab es sich, daß man die Farben von dem Elfenbein-Papier noch vollkommener, als vom Elfenbein selbst, verwaschen könne, und daß man dieses Verfahren drei- bis viermal auf der nämlichen Fläche wiederholen dürfe, ohne Nachtheil für den Grund des Papiers. Bei gehöriger Vorsicht verträgt es demnach auch das Abschaben mit der schneide eines Messers, ohne dadurch rauh zu werden.

Züge, welche auf der Fläche dieses Papiers mit einem harten Bleistift gemacht werden, lassen sich weit leichter wieder vertilgen, als auf dem gewöhnlichen Zeichnungs-Papier; ein Umstand, welcher in Verbindung mit dem, daß die harte gleiche Oberfläche dieses Papiers die feinsten Striche annimmt, dasselbe ganz für die zartesten Zeichnungen und Umrisse mit dem Pinsel eignet.

Ein in der Miniatur-Mahlerei sich auszeichnender Künstler, der aber kein Mitglied der Gesellschaft ist, versichert, er habe das Elfenbein-Papier oft gebraucht, und es vorzüglicher als das Elfenbein selbst gefunden, wegen der Weiße seiner Fläche, wegen des leichten Annehmens der Farben, und wegen des größern Glanzes, den bei der höhern Weiße des Grundes die aufgetragenen Farben erlangen. Farben auf Elfenbein können durch das Ausschwizen des thierischen Oeles leiden, ein Gebrechen, von dem das Elfenbein-Papier ganz frei ist.

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Einige sehr achtbare Kaufleute, welche mit Zeichnungs-Materialien handeln, bezeugen, daß sie Muster von Elfenbein-Papier längere Zeit im Verlage geführt hätten, ohne daß dadurch eine Mißfarbe eingetreten, oder das Papier gelb geworden wäre.

Da auf solche Weise die schäzbaren Eigenschaften dieses Papiers sich erprobt hatten, so wurde dem Erfinder ein Tag bestimmt, an welchem er sein ganzes Verfahren darstellen, und in Gegenwart des Komitte's eine Probe davon geben sollte. Einsle erschien zur festgesezten Zeit, und zeigte vor dem Komitte seine Bereitungsart; auch übergab er schriftlich seine Methode. Hieraus sowohl, als aus der während dieser Komitte's-Sizung erlangten Einsicht werden folgende nähere Aufschlüsse ertheilt:

Man nehme ein Viertelpfund feine Pergament-Abschnitte, und bringe sie in eine zwei Quart haltende Pfanne mit beinahe so viel Wasser als diese faßt. Hierauf koche man sie vier bis fünf Stunden wohl ab, gieße aber von Zeit zu Zeit so viel Wasser zu, als nöthig ist, um das durch Abdampfung verlohrene zu ersezen. Sodann lasse man sorgfältig die Flüßigkeit durch ein Tuch laufen, um sie von dem Saze zu sondern. Beim Erkalten derselben bildet sich eine starke Gallerte (Pergament-Leim), welche Kleister No. 1 heißen mag. Nun bringe man den Rückstand, der zurückgeblieben ist, wieder in die Pfanne, koche ihn vier bis fünf Stunden lang ab, und seihe die Flüßigkeit durch, dieß sey der Kleister No. 2.

Jezt beneze man drei Bogen Zeichnungs-Parier (auch Ausschußpapier eignet sich ganz zu diesem Zwecke, und ist bei seiner größern Wohlfeilheit noch vorzuziehen) auf beiden Seiten mit einem weichen in Wasser getauchten Schwamme, und klebe sie mittelst des Kleisters No. 2 zusammen. Während sie noch naß sind, bringe man sie auf eine Tafel und belege sie mit einer glatten Platte von Schreibschiefer, die |476| jedoch etwas kleiner als das Papier seyn muß, denn die Ränder des Papiers werden umgebogen, und auf der Rückseite der Schieferplatte angekleistert; das Papier selbst wird allmählig getrocknet. Vorher befeuchte man noch drei Bogen Papier von gleicher Art, klebe sie auf die andern, jedesmal einen, und schneide mit einem Messer hinweg, was über den Rand des Schiefers hinausragt. Nach dem vollkommenen Abtrocknen des Ganzen wickle man ein kleines glattes Stück des Schiefers in rauhes grobes Papier, und mache mit diesem Reiber die Fläche des Papiers ganz gleich und glatt. Hierauf ziehe man einen Bogen von reinem (nicht von Ausschuß) Papier, das von jedem Flecken, von jeder Unreinigkeit ganz frei ist, auf jenes, und schneide die vorspringenden Ränder hinweg. Ist es trocken geworden, so muß es mit feinem Glanzpapier gerieben werden, wodurch eine durchaus glatte Oberfläche bewirkt wird. Nun nehme man eine halbe Pinte von dem Kleister No. 1, löße ihn bei einer mäßigen Hize auf, und rühre drei Eßlöffel voll feinen Gips daran. Nach erfolgter gänzlicher Mischung gieße man dieselbe auf das Papier, und vertheile sie mittelst eines weichen angefeuchteten Schwammes auf der Fläche so gleich, als nur möglich ist. Dann lasse man diese Aussenseite allmählich trocknen, und reibe sie mit feinem Glanzpapier ab. Zulezt mische man einige Löffel voll vom Kleister No. 1, mit dreimal so viel Wasser, und befördere diese Mischung durch eine mäßige Hize. Sobald die Masse so abgekühlt ist, daß sie sich in einem halbsulzigen Zustande befindet, schütte man ein Drittheil auf die Papierfläche, und vertheile sie ganz genau mit dem Schwamme. Nach der Trocknung gieße man eine zweite Portion, und sodann das Uebrige darauf. Ist es wieder trocken geworden, so überfährt man das Papier ganz leicht mit feinem Glanzpapier. Nun kann man das Papier von der Schiefertafel wegschneiden, und es ist fertig zum Gebrauch.

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Die Quantität der oben erwähnten Ingredienzien reicht für ein Papier von 17 1/2 bis 15 1/2 Zoll. Der Gips schaft der Fläche eine vollkommene weiße Farbe, Zink-Oxyd mit diesem vermengt, in der Proportion von 4 Theilen des erstern, zu 3 Theilen des leztern, giebt eine Nüance fast ganz dem Elfenbein ähnlich, präcipitirter kohlensaurer Baryt aber eine Tinte, die zwischen beiden die Mitte hält.

Transaction of the Society, for the Encouragement of Arts, Manufactures and commerce. For 1819. Herrn Einsle wurde für diese Mittheilung die Summe von 30 Guineen zuerkannt, und Proben des Elfenbein-Papiers in das Repositorium der Sozietät hinterlegt.

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