Titel: Nachricht von einem, vom Professor Jan in Parma herauszugebenden, technologisch-ökonomischen Herbarium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXIV./Miszelle 2 (S. 251–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/mi001024_02

Nachricht von einem, vom Professor Jan in Parma herauszugebenden, technologisch-ökonomischen Herbarium.

Wir hoffen unseren Lesern keinen unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn wir ihnen das Unternehmen eines der thätigsten Botaniker Italiens, der ursprünglich ein Deutscher, unser Landsmann, ist, hier mittheilen. Herr Georg Jan, Professor der Botanik an der Universität zu Parma, besorgt die Ausgabe eines technologisch-ökonomischen Herbariums, welches den Technologen und Fabrikanten nicht anders als höchst erwünscht kommen kann. Der Plan, welchen er hiebei befolgt, ist aus folgender, in der Biblioteca italiana 87) mitgetheilten, Ankündigung ersichtlich, die wir im Auszuge mittheilen.


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Herbarium technico-georgicum

Je rascher die Fortschritte sind, welche die Botanik in unseren Tagen machte, desto schwerer wird es auch für den Oekonomen, den Gartenfreund und Gärtner, den Künstler, den Manufakturisten, sich die nöthige Kenntniß jener Pflanzen zu verschaffen, die ihn zunächst interessiren. Der botanische Unterricht, den man von Lehrkanzeln herab erhält, der meistens nur für Aerzte und Apotheker berechnet ist, gerade als ob diese ein ausschließliches Privilegium auf das Gebiet der Flora hatten, reicht nicht hin, um eine solche Schwierigkeit zu beseitigen. – Obschon nun Kenntniß der Gewächse für diese Individuen von höchster Wichtigkeit ist, so ist sie doch nicht minder wichtig für diejenigen, welche sich mit dem Baue derselben beschäftigen, die sich derselben täglich bei ihren Gewerben bedienen, und die sie der Natur nachbilden. – Wenn es wahr ist, daß genaue Kenntniß der Gegenstände, mit welchen man sich beschäftigt, der einzig richtige Führer wird, um neue Entdeckungen zumachen88), so glaube ich auch, daß die Ausgabe eines technisch-ökonomischen Herbariums keine eitle und unfruchtbare Arbeit ist.

Zur Bequemlichkeit der Abnehmer, denen ich diese Sammlung widme, habe ich die in derselben enthaltenen Pflanzen in folgende 10 Klassen abgetheilt, welche in eben so vielen Centurien herauskommen werden, 1) Pflanzen, welche dem Menschen als Nahrungsmittel dienen. 2) Pflanzen, welche den Hausthieren als Futter dienen (Futterkräuter). 3) Oehlpflanzen (aus denen Oehl gewonnen wird). 4) Pflanzen, die als Spinnmateriale dienen. 5) Färbepflanzen. 6) Pflanzen, welche außer der 4ten und 5ten Klasse von Künstlern und Manufakturisten gebraucht werden. 7) Giftpflanzen. 8) Pflanzen, welche den Feldern und den Weiden schädlich sind. 9) Forstpflanzen. 10) Pflanzen, die zur Heilung der Krankheiten der Hausthiere dienen.

Alle Pflanzen dieser Sammlung sind mit der möglichst größten Sorgfalt getrocknet, und in einem Bogen Papier, worauf der systematische und gemeine Name mit Angabe des natürlichen Standortes, der Blüthezeit, des Gebrauches und ihres besonderen Nuzens gedruckt ist. – Der Preis einer jeden Centurie ist für diejenigen, welche das ganze Herbarium, d.h. alle 10 Klassen abnehmen, 16 Franken, und für jene, welche nur eine oder mehrere Centurien nehmen, wird er sich auf 20 Franken belaufen. – Im laufenden Jahre kommen 4 Centurien heraus, welche die Pflanzen der 2ten und 5ten Klasse enthalten. Die erste Centurie, welche im Monate Januar erscheint, wird die Färbepflanzen nach folgenden Unterabtheilungen geordnet enthalten:

Fünfte Klasse. Färbepflanzen, 1ste Ordnung: Pflanzen, welche blaurothschwarzgelbgrünbraun färben. Von jeder Pflanze wird der färbende Theil genannt; man wird auch außer denjenigen Pflanzen, die allgemein in der Färbekunst angewendet werden, jene inländischen Pflanzen |253| aufnehmen, die von verschiedenen Schriftstellern als tauglich zum Färben angegeben werden, und man wird diese Schriftsteller anführen, damit jeder sich selbst von der Wahrheit ihrer Behauptung überzeugen kann. Die zweite Centurie wird die Fortsezung der Färbepflanzen enthalten. Die dritte Centurie jene Pflanzen, welche den Hausthieren als Futter dienen; sie erscheint im Monat April und ist in folgende fünf Ordnungen abgetheilt: 1) Gräser. 2) Kleesorten und Pflanzen mit Schmetterlingsblumen, welche den Hausthieren als Nahrung dienen. 3) Pflanzen mit Schmetterlingsblumen, welche von den Thieren bloß vor ihrer Blüthe gefressen werden. 4) Pflanzen, welche als Futter dienen, ohne zu den zwei lezten Ordnungen zu gehören. 5) Verschiedene andere Futterkräuter, welche jedoch nicht so wichtig sind, wie die vorhergehenden. Die Pflanzen dieser Ordnungen werden noch nach der Blüthezeit wieder abgetheilt. – Zulezt wird Ende Novembers die vierte Centurie erscheinen, welche als Fortsezung der vorhergehenden dienen soll. – Im künftigen Jahre wird ein Supplement der zwei angeführten Klassen und die Fortsezung der übrigen erscheinen. – Man ersucht diejenigen, die entweder alle oder nur einige der oben angezeigten Herbarien wünschen, uns bei Zeiten mit ihren Briefen zu beehren. – Die Subscription bleibt bis Ende Februar 1820 offen. Wer sich bis zu dieser Zeit nicht subscribirt, und glaubt, es später thun zu können, wird nicht mehr so leicht befriedigt werden, theils wegen Mangel an Pflanzen, theils wegen gewisser Schwierigkeiten, die sich jeder leicht selbst denken kann. – Die Namen der Pflanzen, welche in jeder Centurie enthalten sind, werden in die Monatshefte der Biblioteca italiana eingerückt, bei deren Redaktion in Mayland zugleich ein solches Herbarium zur Bequemlichkeit derjenigen, die es dort einsehen wollen, niedergelegt ist. – Man bemerkt noch, daß diejenigen Sudscribenten, welche sich im ersten Jahre nicht alle 8 Centurien oder Bände zur gehörigen Zeit anschaffen wollen, nicht daran gehalten sind, wenn sie nur bei ihrer Subscription anzeigen, wie viel Centurien und zu welcher Zeit des Jahres sie dieselben zu erhalten wünschen. Diejenigen, welche das ganze Herbarium oder alle im Jahre 1820 versprochenen Centurien auf einmal zu erhalten wünschen, werden, wenn sie sich durch Briefe an Herrn Georg Jan, Professor der Botanik an der Universität zu Parma, wenden, bedient werden.

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Wir halten es zugleich für unsere Pflicht, alle Deutsche, denen es um Kenntniß der Fortschritte der Wissenschaften, Künste und Gewerbe in Italien zu thun ist, auf die vortreffliche Biblioteca italiana, welche der berühmte Acerbi zu Mailand redigiert, aufmerksam zu machen. Wir müssen mit Bedauern gestehen, daß wir in Deutschland gegenwärtig keine ähnliche, so tief in das Leben eingreifende, Zeitschrift besizen; es gereicht den Italienern eben so sehr, wie dem Redakteur zur Ehre, daß die früheren Jahrgänge derselben selbst nach einem Absaze von einigen 1000 Exemplaren schon im ersten Jahre nach ihrer Erscheinung eine 2te Auflage nothwendig machten.

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Cognitione specierum inititur omnis solida eruditio physica, medica, oeconomica. Linne Philos. bot.

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