Titel: Geschmeidig gemachtes Gußeisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXXVII./Miszelle 7 (S. 377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/mi001037_07

Geschmeidig gemachtes Gußeisen137).

Die französische Aufmunterungs-Gesellschaft hat vor mehr als 14 Jahren einen Preis ausgesezt für ein Verfahren, das Gußeisen so geschmeidig zu machen, daß es zu gewöhnlichem Küchengeschirr, als Pfannen, Kessel u. dgl., wozu gewöhnlich Kupfer angewendet wird, verarbeitet werden könnte. Am 3. Sept., 1818 wurde dieser Preis den Herren Baradelle und Deodor zuerkannt, nachdem man die von Herrn Bergwerks-Direktor Beauchet, und Herrn Mayor von Loulans vorgelegten Proben einer Prüfung unterworfen hatte. Das Gußeisen war in die Form, welche das Geschirr erhalten sollte, gegossen, und hierauf einem besondern Prozeß unterworfen, um ihm den erforderlichen Grad von Geschmeidigkeit zu geben. Die vorgelegten Stücke hielten Schläge aus, welche das gemeine Gußeisen zertrümmerten; auch zerbrach es nicht, wenn man es 10 Fuß hoch auf Steinpflaster fallen ließ. Jedoch gieng es bei einem Fall von 20 bis 30 Fuß Höhe auf einem Steine in Trümmer. Diese Utensilien waren auf einer Drehbank abgedreht, und so glatt polirt wie Zinn. Die Bruchflächen waren körnig wie Stahl. Nägel und Schlüssel aus diesem Gußeisen verfertiget, entsprachen ihrem Zwecke vollkommen.

Thomson, welcher diese Nachricht auch in seinen Annals of Philosophy mittheilt, bemerkt dabei, daß die Entdeckung der Herren Baradelle und Deodor wahrscheinlich nichts anders sein wird, als das englische Verfahren, weiches Gußeisen (soft cast iron) zu machen, welches schon seit längerer Zeit für die oben genannten Zwecke verfertiget wird. Dieses englische weiche Gußeisen hat einen körnigen Bruch wie Stahl, und ist weit weniger zerbrechlich als das weiße (grelle) Gußeisen, welches auf dem Continent ausgeschmolzen wird.

Thomson versichert, Schlüssel und selbst Barbiermesser gesehen zu haben, welche zu Scheffield in England aus weichem Gußeisen verfertiget werden, schön aussehen und sehr wohlfeil sind. Dieses Gußeisen ist aber nur für schneidende Instrumente gut.

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Aus der Bibliotheque Universelle 1819. Mars. p. 213.

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