Titel: Barometer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 1, Nr. XXXVII./Miszelle 13 (S. 380–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj001/mi001037_13

Barometer.

Dieses von Herrn Meckanikus Höschel verfertigte Instrument besteht aus einem gläsernen, das Quecksilber enthaltenden Cylinder, dessen Höhe 2 Zoll 2 Linien mit einem Durchmesser von 1 Zoll 4 Linien Pariser Maaß; betragt. Dieser Cylinder ist bis auf den dritten Theil seiner Dicke in ein viereckigtes Stück von hartem Holze, unter welchem eine eben so große 2 Linien dicke Stahlplatte fest angefügt ist, eingedreht und luftdicht eingekittet. Sowohl die Stahlplatte als das hölzerne Stück ist mit einer kleinen Oeffnung versehen, durch welche das Quecksilber des Cylinders von dem Druck der Luft afficiert wird. Durch die Stahlplatte geht von oben herab eine hohle stählerne Schraube, in welche die 31 Zoll lange und überall 3 Linien weite Barometerröhre fest eingekittet ist; diese reichet mit ihrem untern offenen Ende durch die Masse des Quecksilbers bis auf den Grund des Cylinders. Dieser Grund ist in Form eines Deckels gemacht, der mit sämischem Leder überfüttert ist, und genau auf den untern Theil des Cylinders passet, an welchem der Deckel mittelst einer messingenen Zwinge und dabei angebrachten Stahlschraube fest angedrückt wird. Dieser Deckel hat unten etwas seitwärts von außen hinein eine kleine runde Oeffnung mit einem kleinen Zäpfchen von Elfenbein, wodurch das Quecksilber herausgelassen werden kann. Auf dem gläsernen Cylinder ist eine Scale von 12 Pariser Linien mit Diamant eingegraben, von welchen die mittelste Linie das Niveau bestimmt; die unten und über dem Niveau stehenden Linien geben an, wie viel zu der beobachteten Höhe addiert, oder von derselben abgezogen werden muß, wenn nämlich der Merkur im Cylinder unter oder über der mittelsten Linie steht, weil von dieser = ○ die Theilung der Zolle und Linien anfängt. Diese zum Cylinder gehörige Anrichtung ist unten an ein prißmatisches Brett befestiget, in welches die Barometer-Röhre bis auf die Hälfte ihrer Weite eingelassen ist; hinter der Röhre befindet sich bis auf die Höhe von 17 Zoll ein Band von schwarzem Sammet, auf welches die Glasröhre durch den am Nonius angebrachten Zeiger sanft angedrückt wird. Von dem 17 Zoll bis an den oben zugeschmolzenen Theil der Glasröhre ist hinter derselben das prismatische Brett ganz durchgeschnitten, und in einer Entfernung von 2 Pariser Zoll ein 7 Zoll langer und 2 1/2 Zoll breiter Planspiegel mit Scharnieren senkrecht angebracht, um durch dessen rückwärts auf die Barometer-Röhre reflektirtes Licht das Zusammentreffen |381| der Schneide des Nonins-Zeigers mit der Oberfläche des Merkurs, das ist die genaue Höhe vollkommen richtig zu erhalten.

Zur genauen Vertikal-Befestigung des Barometers ist von oben hinter dem prismatischen Brett ein Senkel angebracht, dessen Aufhängepunkt mit der Mitte des obersten Theil der Glasröhre zusammentrifft, und dessen seine Seidenschnur immer mit der Mitte der Röhre herab entsprechen muß, welches durch zwei unten gegen das prismatische Brett an beiden Seiten desselben angebrachte Stellschrauben erhalten wird.

Die Barometer-Röhre, welche mit so viel als möglich gereinigten Quecksilber gefüllt, und mit vieler Mühe ausgekocht ist, wurde von 19 Zoll an bis oben auf der Vorderseite Plan abgeschliffen, und die Theilung der Pariser Zoll und Linien auf dieselbe mit Diamant aufgetragen, um durch dies und dessen mit dem Auge des Beobachters parallel entgegengesezten Befestigung alle mögliche Parallaxe zu vermeiden. Nebst dieser Theilung auf die Glasröhre befindet sich noch auf der einen Seite des Brettes eine eben so, und mit der Glastheilung genau korrespondirende Scale von Messing, auf welcher der in Decimaltheilen getheilte Nonius vermittelst eines Getriebes sehr sanft auf und ab bewegt, und mit dessen mit einer Schneide versehenen Zweige an die Oberfläche des Quecksilbers genau kann gebracht werden.

Wie aber dieser Barometer auch zugleich auf Reißen kann gebraucht werden, muß ich die verehrlichen Leser an meine vollständige Beschreibung der meteorologischen Instrumenten hinweisen, wo die Verfahrungsart durch das in derselben abgebildete Kupfer erleichtert wird.

Das Niveau dieses Barometers befindet sich in einer Höhe von 35 Pariser Fuß vom Erdboden an in einem Observations-Zimmer, (dessen Erhöhung über die Meeresfläche später angegeben wird) welches von Nordost und Südwest bis gegen Nord 1/4 Nordwest, besonders aber von Süd bis 1/4 Nordwest einen Bogen freien Horizont hat; zugleich aber ist der Barometer so angebracht, daß keine Sonnenstrahlen auf denselben direkt wirken können.

Nach diesem beschriebenen Barometer sind die in dieses Journal aus meinen vollständigen Beobachtungen übertragene Barometerstände früh 7, Mittags 2, und Nachts 9 Uhr, wie auch sowohl aus diesen, als auch aus allen Barometerhöhen zusammen das Mittel angegeben, und zwar ohne Correktion, das ist ohne Rücksicht der durch Kälte oder Wärme vergrößerten oder verminderten Ausdehnung der der Quecksilbersäule.

Da aber die Ausdehnung einer Quecksilbersäule von 27 Pariser Zoll Höhe bei einer Wärme-Veränderung an dem vom Eis- bis zum Siedpunkte des in 80 Grade getheilten Reaumurschen Quecksilber Thermometer nach Roy 5,5262 (Philosoph. Trans. Vol. LXVII. n. 34.) nach Rosenthal 5,56 (Beiträge zur Verfertigung Kenntniß und Gebrauch meteorol. Werkzeuge Band I. und II.) nach Luz 5,5 (Beschreib, v. Barom. §. 78.) nach de Luc 6 Pariser Linien (Recherches §. 364.) und nach Gay-Lussac's neuern Versuchen aber 5,98 Pariser Linien betragt, was mit de Luc und Schukburgh zunächst übereinkömmt, folglich den Barometerstand um so viele Linien durch die Verlängerung oder Verkürzung verändert, so wird zur Erhaltung der wahren Barometer-Höhen erfordert das Thermometer neben dem Barometer.

(Die Fortsezung folgt.)

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