Titel: Bericht der Aufmunterungs-Gesellschaft für die National-Industrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 2, Nr. XXVII. (S. 214–229)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj002/ar002027

XXVII. Auszug aus dem, in der allgemeinen Versammlung der Aufmunterungs-Gesellschaft für die National-Industrie (Société d'encouragement pour l'industrie nationale) den 20. September 1819 abgestatteten Berichte, die Preisvertheilungen betreffend.95)

Montag den 20. September 1819 vereinigte sich die Gesellschaft in ihrem neuen Lokale, (rue du Bac Nro. 42.) und diese Versammlung wurde diesesmal um so zahlreicher, da die Vertheilung der königlichen Preise eine große Anzahl Mitglieder der Gesellschaft und Fabrikanten aus den Departements nach Paris gezogen hatte, die dahin gereiset waren, um aus den Händen des Souverains, edle Belohnungen zu empfangen.

Unter die Augen der Gesellschaft konnten diesesmal nur wenige Kunstgegenstände gebracht werden; die große National-Anstellung hatte alles an sich gelockt. Man sahe indessen doch mit Vergnügen Chenavard's Fußteppiche, wovon einige mit geschmackvollen Zeichnungen geziert waren, und die sich besonders durch ihren elastischen und geruchlosen Firniß auszeichneten; |215| dann die großen und blendendweißen Cocons des Herrn Rocheblave aus Alais, und Poidebard aus Lyon, und die Strasse und colorirten Steine, der Herrn Douault und Lançon, welche die ächten so nachahmen, daß ein geübtes Auge sie nicht unterscheidet.

Graf Chaptal präsidirte: Baron von Gerando, Sekretair der Gesellschaft stattete den Bericht über die für 1819 bestimmten Preise ab.

Nach einigen, auf die feierliche, von den Gliedern der Gesellschaft so sehnlich erwünschte, und endlich erfolgte Ausstellung der Produkte der französischen Industrie gerichteten Blicken, geht er zu seinem Gegenstande über.

Die Preisaufgaben für 1819 waren folgende:

1. Verfertigung einer neuen Art wohlfeiler Fußteppiche.

Ein besonderer Bericht über diese Aufgabe wird folgen;

2. Anwendung der Dampfmaschine auf die Buchdrucker-Pressen.

Mit Verwunderung sahe die Commission, daß sich für diesen Preis kein Bewerber vorfand.

3. Eine Maschine, vermittelst welcher, die von den Hutmachern verarbeiteten Haare, von den Häuten abgenommen werden können.

Herr Mathieu, ein Schlosser zu Paris, hat eine solche Maschine vorgelegt. Sie schien die Arbeit eben so genau zu verrichten, als es mit der Hand möglich ist. Sie spannet die Haut, führt das Messer zweckmäßig, und hebt sogar alle Haare davon weg, ohne die verschiedenen Arten zusammen zumischen. Man hat sie an Kaninchen- und Hasenhäuten versucht. Sie verrichtet die Arbeit von zwei sogar von drei Arbeitern; da indessen noch einige Zweifel über die Vollkommenheit dieses Werkzeuges erhoben wurden, und sie nicht, |216| der Bedingung nach, in einer Hutfabrike, zur Arbeit im Großen, ihre volle Wirksamkeit zeigte, so wurde auf Vorschlag der Commission die Vertagung dieses Preises beschlossen.

4. Fabrikation eines zu Nähnadeln brauchbaren Stahldrahtes.

Da sich kein Preiswerber gemeldet hat, wird der Concurs noch offen bleiben.

5. Bereitung eines unveränderlich bleibenden, dem Schelschen vorzuziehenden Grüns.

Man hat zwar in der Ausstellung grüne Tapeten gesehen, deren Grün vielleicht der Prüfung hätte unterworfen werden können; es hat sich indessen niemand gemeldet, und der Concurs wird noch offen gelassen werden.

6. Bestes Mittel die Wasser- und Oelfarben so fein zu zerreiben, als es zum Behuf der Künste erforderlich ist.

Ein Model zu einer solchen Farbmühle ist zwar eingereicht, aber von keiner Probe, und keinen vergleichenden Resultaten begleitet worden. Eine wesentliche Bedingung der Preisaufgabe. Sie ist zurückgenommen worden, weil die Gesellschaft sich überzeugt hat, daß der erwünschte Zweck durch mehrere bekannte Mittel und Vorkehrungen schon erreicht wird. So sieht man z.B., Straße Mouffetard, nahe an den Gobelius, einen zweckmäßigen Mühlenapparat, der aus zehn bis zwölf, durch das Wasser in Bewegung gesezten Mühlen, besteht, und im Großen mit aller möglichen Oekonomie arbeitet.

Später hat Herr Auger der Gesellschaft, in einem Briefe an dieselbe, die Mittel angezeigt die er zum Zerreiben der Farbestoffe anwendet. Die Commission glaubt, daß dieser sinnreiche Apparat zum Behuf der Pharmacie nüzlich seyn kann, und wird ihn in der Winterversammlung wieder zur Sprache bringen.

|217|

7. Fabrikation der thierischen Kohle, unter der Bedingung, daß sie nicht aus Knochen, auch durch andere Processe als die zur Fabrikation des Berlinerblaus gebräuchlichen, bereitet wird.

Die eingesandten Proben hatten nicht die verlangten Eigenschaften. Ihr Kalkgehalt, den der blosse Geschmack schon entdeckte, färbte die braunen Zuckerauflösungen dunkler, anstatt sie zu entfärben. Der Concurs bleibt offen, weil dieser Gegenstand für mehrere Zweige der Industrie von großer Wichtigkeit ist, und die Knochen nicht mehr zureichen.

8. Fabrikation des Fischleimes.

Da sich Niemand für diesen Preis gemeldet hat, und die Gesellschaft glaubt, daß sich ein geschickter Chemiker mit diesem Gegenstande wirklich beschäftigt, so bleibt der Concurs offen.

9. Ueber die beste Art den Straß zu fabriciren.

Dieser Preis ist errungen: Der Bericht hierüber wird folgen.

10. Preis für die Cultur der Seide, aus chinesischen Saamen.

Auch dieser Zweck ist erfüllt worden. Es wird der Gesellschaft vorgeschlagen, diesen Preis von 2000 Franks, zwischen dem Herrn Rocheblave aus Alais, und Poidebard aus Lyon zu theilen. Beide haben reichlich die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt. Herrn Rocheblave verdankt man die Erhaltung dieses Saamens in seiner Reinheit. Man versicherte sogar, daß diese Gattung Seidenwürmer in Frankreich veredelt worden ist. Man hat bemerkt, daß die Meisten, von denen, welche seidene Zeuge zur Ausstellung geschickt haben, Seidenwürmer aus chinesischem Saamen ziehen. Da |218| dieser Industriezweig naturalisirt scheint, wird die auf dieselbe ausgesezte Premie nunmehr zurückgenommen.

11. Bereitung eines gesunden, wohlfeilen und angenehmen Getränks, für die geringsten Haushaltungen der Landbewohner, und der Landarbeiter.

Es fanden sich hier viele Bewerber.

Der Verfasser der mit Nro. 1. bezeichneten Probe hat zwar Zeugnisse eingereicht, daß sein Getränk süßlich, und ungefähr wie Lakritzensaft schmeckt, aber keine Probe eingesendet, was doch Bedingung war. Sein Proceß beruht auf die Verwandlung der Weinblätter in einen zuckerartigen Stoff, was Aufmerksamkeit verdient.

Der Verfasser von Nro. 2. hat fünf verschiedene Proben eingeschickt. Von der ersten würde das Litre 30 Centimes kosten, und folglich zu theuer seyn: die vier andern waren schon verdorben; wahrscheinlich schmeckten sie wie jene Getränke die man in Paris aus gebackenem Obste bereitet, und bothen daher nichts Neues dar.

Der Verfasser, Nro. 3., hat 6 Bouteillen eines gut scheinenden Getränkes geschickt, dessen Erhaltung er durch Hopfen sicherte, aber 7 Centimes schien noch ein zu hoher Preis. Dieses Produkt hatte übrigens viel Aehnlichkeit mit einem, aus Stärkezucker und Hopfen bereiteten Getränke, worüber vor Eröffnung des Concurses der Versammlung eine Schrift zugesendet worden war.

Nro. 4. hätte in Bezug auf die Wohlfeilheit vollkommen befriedigt, 200 Litres hatten 1 Frank 25 Cent. gekostet. Die Stoffe zu diesem Getränke sind gemein, und gesund, aber es kam schon verdorben an. Die Hize während dem Transport scheint daran Schuld gewesen zu seyn. Die Versammlung wird, sobald die Jahreszeit es zuläßt den Versuch selbst anstellen.

|219|

Nro. 5. kam ebenfalls verdorben an. Die dazu angewendeten Ingredienzien lassen nicht viel Gutes erwarten.

Die 3 Muster, Nro. 6., kamen auch verdorben an, und die Natur der dazu benuzten Stoffe ist von der Art, daß sich dieses Getränke nicht gut halten kann.

Der Preis ist also noch zu erringen.

12. Entdeckung einer vegetabilischen Substanz, die als Nahrungsmittel für die Seidenwürmer, die Maulbeerblätter vollkommen ersezen könnte.

Ein einziger Preiswerber hat sich gemeldet. Er schlägt die Lucerne, und die gesottenen Erdäpfel vor; allein er stüzet sich nur auf entfernte Analogien.

13. Austrocknung des Fleisches.

Hierzu meldeten sich drei Concurenten.

Der erste aus dem Departement Maine et Loire. Das Fleisch war ziemlich gut erhalten, und verhielt sich auch, ziemlich gut im Sieden; allein er zeigte weder sein Verfahren, noch das Datum der Operation an.

Der zweite, ein Pariser Chemiker, hat sein Verfahren beschrieben. Das Fleisch gab eine vortreffliche Bouillon, ließ sich aber selbst fast nicht erweichen.

Der dritte, ein geschickter Pharmaceutiker im Departement Seine et Marne, lieferte ein Fleisch, welches in allen Hinsichten dem vorigen nachstand. Er meldete sich überdieses zu spät.

Alle drei haben die Hauptbedingung des Programmes unerfüllt gelassen, nämlich die Einschiffung und eine Ueberfahrt von vielen Monaten.

Der Preis wurde daher nicht ertheilt, und weiter ausgesezt.

Herr Pommier, Arzt zu Fontainebleau hatte ein Stück Fleisch, zu zwei Drittel eingetrocknet, vorgelegt; die Austrocknung |220| vollendete, ohne Verderbung des Fleisches; die Brühe wurde sehr gut, das Rindfleisch schmeckte angenehm, und war ziemlich zart; diese Behandlung des Fleisches würde der Einpöckelung weit vorzuziehen seyn: man bedauerte daß der Einsender nicht mitkoncuriert hatte.

14. Entdeckung eines Steinbruches, zur Lithographie.

Herr Duroche, Ingenieur desponts et cheaussées, hat, von Soissons aus, zwei weiche Kalksteine geschickt, die aber das Wasser an ihrer Oberfläche, und die zarten Striche der Kreide nicht gehörig festhalten.

Ein andrer thonhaltiger, leicht zerreiblicher Kalkstein hatte noch, neben jenen Fehlern, den wesentlichen, daß die Schwärze daran haftete, und daß, beim Abdrucke, die Kreidestriche verschwanden.

Es wird also vorgeschlagen, den Concurs noch offen zu lassen.

15. Kultur der Pflanzen, aus welchen sich Pottasche gewinnen läßt.

Ein besonderer Bericht des Herrn Dartigues wird folgen.

16. Vergleichende Kultur der Oelpflanzen.

Eine einzige Schrift ist eingelaufen. Acht Pflanzen sind versucht, und die Resultate ganz im Geiste des Programms gegen einander gestellt. Da aber weder Muster von diesen Pflanzen, noch Oelproben, noch Atteste von den Behörden mitgeschickt worden sind, so konnte, bei Ermangelung dieser wesentlichen Bedingungen, keine Belohnung, für eine sonst verdienstvolle und mit großer Sorgfalt gemachte Arbeit vorgeschlagen werden.

17. Eine Mahl- und Schrootmühle, die an jeder Wohnung des Landmannes angebracht werden kann.

|221|

Diejenigen die sich vergangenes Jahr gemeldet haben, sind dieses Jahr nicht wieder erschienen: aber drei neue Bewerber haben sich gemeldet. Der eine hat das Modell einer Mühle eingesandt, die ein Mann, in einem Rade in Bewegung sezt; da aber die Mühle durch den Wind bewegt werden sollte, konnte er nicht mitconcuriren.

Der andere hat sich zurückgezogen, weil sich einige Zweifel über die Kraft des Windes erhoben, die nöthig seyn würden, die Mühle zu bewegen, und man noch von ihm eine Reihe Versuche und Beobachtungen forderte.

Der dritte hat zwar ein Modell mit einer Beschreibung eingereicht, aber ohne Attest, daß seine Mühle auch wirklich 400 Kilogrammen Getreide, in 24 Stunden, mit einem Winde von 6 Metres Geschwindigkeit in der Secunde, verarbeitet.

Dieser Preis wird zurück genommen, und an dessen Stelle eine Prämie von 4000 Franks für denjenigen ausgesezt, der zwei Jahre hindurch eine solche Mühle in Thätigkeit gehabt haben wird.

18. und 19. Pflanzung der nördlichen oder Corsikanischen, unter dem Namen Laricio bekannten Fichte, und der schottischen Fichte, (pinus rubra) beide aus Saamen gezogen.

Beide Preise sind vor 5 oder 6 Jahren ausgesezt gewesen, aber die schlechte Saamenärndte hatte die Bewerbung nicht zugelassen.

Herr Pousson, aus Holland, hat vor dreißig Jahren beträchtliche Pflanzungen aus dem Saamen der Riga'schen Fichte gezogen. – Herr. Trochu, Gutsbesizer zu Belle-Ile-en-Mer, hat auf dieser Insel, wo bis dahin kein Baum wuchs, jene drei Arten Fichten, auf 3 Hektares, 15 Ares, angebauet. Da diese Aussagt im Jahre 1810 gemacht worden ist, so konnte der Preis nicht für Versuche gegeben werden, |222| die schon statt fanden, ehe er ausgesezt wurde. Die Gesellschaft erfuhr daher mit Vergnügen, daß die Regierung schon den ersten belohnt, und die königl. Central-Gesellschaft für den Ackerbau dem Zweiten eine goldene Medaille ertheilt hatte.

Nachdem die Vorschläge des Berichterstatters von der Versammlung angenommen worden waren, nahm Herr Jomard das Wort über die wohlfeilen Fußteppiche.

Die Gesellschaft, sagte er, hat einen Preis von 1200 Fr. für wohlfeile und dauerhafte Fußteppiche ausgesezt, welche weniger kosten sollen, als diejenigen, die bis jezt in den Handel gekommen sind: sie wünschte bis in die niedrigsten Klassen den Geschmack für die Reinlichkeit einzuführen, und diesen einen Genuß zu verschaffen, der bis jezt dem Reichen vorbehalten ist. In einem benachbarten Lande ist diese Sitte schon eingeführt; man hoffte unsere Künstler würden wetteifern, sie auch bei uns einheimisch zu machen, aber, vielleicht weil die Zeit zu kurz war, vielleicht auch weil dieser Industriezweig mehr Nuzen als Glanz verspricht, haben sich nur zwei Concurenten eingefunden.

Das Programm schloß keine Art von Material zu dieser Fabrikatur aus. Der erste hat die, auf eine besondere Art in einander geflochtenen, Tuchleisten angewendet. Zu solchen Teppichen aber reicht dieses Material nicht hin, sie sind überdieses der Reinlichkeit hinderlich, und an feuchten Oertern würden sie höchstens 6 bis 9 Monate dauern.

Die gegenwärtigen Preise der wohlfeilen Fußteppiche in Paris sind folgende:

Der Quadratfuß der Strohteppiche 20 Cent.
Der Quadratfuß der Schilfteppiche 35 Cent.
Der Quadratfuß der sogenannten Sparterie, aus spanischem Schilf, natürliche Farbe 90 Cent.
Der Quadratfuß des Holländischen Schilfs 75 Cent.

Sollten die Tuchabfälle zu Teppichen verwendet werden, so würden sie hoch im Preise steigen, und die angeführten weit übersteigen.

In London sind die Teppiche aus gefärbtem und gefirnißtem Papiere stark im Gebrauche, der Quadratfuß kostet dort ungefähr 3 Pences (30 Centimes) sie sind dauerhaft, man reinigt sie leicht mit einem nassem Schwamme. Man belegt damit die Vorzimmer, die Corridore, die Treppen, sogar die Stufen vor den Hausthüren. Sie widerstehn der Feuchtigkeit und der Reibung mehrerer Jahre hindurch, und mehrere sind mit sehr verschiedenen und dauerhaften Zeichnungen geziert, und dieses hat nicht wenig beigetragen sie unter den niedrigen Klassen beliebt zu machen. Diese sollte man nachmachen, noch besser machen; und solches hat ein zweiter Concurrent, Herr Ehenavard versucht. Seine Teppiche sind eine Art von Filz, den er aus Wolle und andren faden-artigen Stoffen zu jeder Größe, verfertigt, und dessen Theilchen mit Leim an einander gebunden sind. Sie werden wie Papier gefärbt, gemahlt und mit Firniß überzogen, und lassen sich mit großer Leichtigkeit reinigen.

Der Quadratfuß der wohlfeilsten Art kostet 10 Centimes, und die Preise der verschiedenen vorgelegten Muster steigen wie die Arbeit dauerhafter und geschmakvoller wird. Herr Chenavard versichert, daß seine Teppiche jede Probe aushalten; sollten sie sich durch solche Dauer empfehlen, so würden sie die Bedingungen des Programms erfüllen. Die Commission schlägt vor, ihm den Preis zuzuerkennen, unter der Bedingung, daß mehrere seiner Teppiche, von verschiedenen Preisen, in einer von der Versammlung angegebenen Wohnung wenigstens fünfzehn Monate dem fortdaurenden Gebrauche widerstehen, und daß der Firniß an denselben nicht brüchig sey: bis dahin solle ihm bloß eine silberne Medaille, |224| zur Aufmunterung gereicht, und der Preis noch fürs folgende Jahr ausgesezt bleiben.

Es wird hier bemerkt, daß Herr Chenavard sich nicht auf diese wohlfeile Waare beschränkt hat, er verfertigt von dem nämlichen Stoffe Tapeten, mit den schönsten Farben und den reichsten Zeichnungen geschmückt, deren Preis kaum höher als der der papierenen Tapeten ist. Auch fabricirt er solche Stoffe für Meubles, für Tischdecken etc. und diese Arbeiten fangen schon an im Handel gesucht zu werden.

Herrn Chenavard ist also, diesem Vorschlage gemäß, eine silberne Medaille gereicht worden.

Herr Cadet de Gassicourt stattete, im Namen des chemischen Ausschusses, einen Bericht über den Straß und die künstlichen gefärbten Steine ab.

Es wurden nämlich 1200 Franks für einen in Frankreich verfertigten Straß bestimmt, der dem ausländischen am nächsten kommen, die natürlichen Steine am besten nachahmen, und von welchem die Verfertigungsprozesse mitgetheilt werden würden.

Es meldeten sich Herr Douault-Wieland, Juwelier, und Herr Lançon, Steinschneider, beide zu Paris.

Die Versuche sind von beiden in Gegenwart der Commission gemacht worden.

Herr Lançon arbeitet schon seit 55 Jahren. Sein Ofen ist ohne besondere Kunst gebauet, ohne Aschenbehälter, hält 4 Fuß im Durchmesser, ist Cylindrisch, und schließt sich mit einem runden Gewölbe. An der Seite sind einige Oeffnungen, zu Luftzügen, angebracht, und er heizt ihn mit kleinen Scheiteln von trocknem Holze, 1 Fuß lang.

Herr Douault bedient sich zu seinen Schmelzungen eines Töpferofens, oder eines Porcelanofens, die ihm beide zu Gebote stehn; obgleich dieses sehr vortheilhaft wäre, so wird |225| er doch bald in einem besonders dazu verfertigten Ofen seine Stoffe behandeln.

Die von beiden Künstlern verfertigten Straße, übertreffen nach dem Urtheile der Parisischen Steinschneider, alles was dahin aus Deutschland und der Schweiz kommt.

Man erkennt in der Schrift des Herrn Lançon einen geschickten Praktiker, seine Verhältnisse sind gut; er braucht den Arsenik gar nicht, und hält ihn sogar für nachtheilig, er benuzet die Stoffe, wie der Handel sie liefert, er färbt sehr gut seine weiße Masse grün, blau und violet, und ahmet vollkommen den Schmaragd, den Saphier, und den Amethyst nach, sein angeblicher Proceß, den Topaz zu verfertigen kann schwerlich gelingen, und er hat ihn nicht in Gegenwart der Commission wiederhohlt, auch hat er nicht vom Rubin gesprochen, ein Edelstein der nicht leicht nachzuahmen ist.

Dagegen giebt Herr Douault Vorschriften zu allen Schattirungen. Er wendet sehr reine Stoffe an, und kennt ganz genau die Natur derselben; der Topaz und der Rubin gelingen ihm sehr gut, und er findet sogleich und ohne fehlzugreifen, die verlangte Schattirung der ersten Edelsteine.

Die Commission ist daher der Meinung, daß Herr Douault-Wieland die Bedingungen des Programms erfüllt hat, und den Preis verdient.

Da aber Herr Lançon der erste war, der hierin mit dem Auslande wetteiferte, wird für ihn die goldene Medaille vorgeschlagen, – und die Meinung der Commission von der Gesellschaft bestüzt.

Herr Lasteyrie berichtete folgendes über die Preisfrage, in Bezug auf die weißen Cocons aus chinesischen Saamen.

Eine Summe von 2000 Franks sollte unter diejenigen vertheilt werden, welche die größte Erndte solcher Cocons gewonnen haben würden. Vor mehr als 40 Jahren hatten |226| die Stände des Languedoc's schon versucht diese Art Seidenwürmer in Frankreich einheimisch zu machen, da diese Seide den französischen Fabricken unentbehrlich ist, und man sie bis dahin durch den Handel beziehen mußte; Vorurtheile vereitelten diese ersten Bemühungen; vor einigen Jahren lenkte das Ministerium von neuem die Aufmerksamkeit auf diesen Kultur-Zweig, und ließ Saamen vertheilen, den Herr Rocheblave sorgfältig hergezogen hatte. Zur nämlichen Zeit schrieb Herr Bardel (Bulletin N. 128 Seite 34) über die Ursachen und die Vorurtheile die sich der Fortpflanzung dieses Seidenwurms in Frankreich entgegensezen, und entwickelte darin alles, was über die Erziehung dieser Würmer, und über die Behandlung ihrer Seide zu wißen nöthig ist. Die vorgeschriebene Zeit war zu kurz, und die Menge der verlangten Cocons zu groß, als daß man viele Mitbewerber hätte erwarten können. Es meldeten sich nur Herr Rocheblave, im Gard-Departement, und Herr Poidebard aus Lyon. Die Gesellschaft hatte 250 Kilogrammen Cocons verlangt, Herr Rocheblave hat 2460 Kilogrammen eingeerndtet. Die Cocons sind sehr groß, und von einem sehr schönen Weiß. Herr Poidebard hat 900 Kilogrammen gesammelt, die etwas kleiner, aber noch weißer zu seyn scheinen. Sie sind aber nicht von so schöner Ründung. Das Beispiel und der Eifer dieser beiden Landwirthe haben schon mehrere Nachbarn zu dieser Kultur veranlaßt. Auf Vorschlag der Commissaire erhielt daher, Herr Rocheblave eine Prämie von 1200 Franks und Herr Poidebard ein von 800 Franks.

Herr Dartiques nahm jezt das Wort über die Pflanzen, welche Pottasche liefern.

Es war nämlich im Jahre 1818 ein Preis von 1500 Franks, für denjenigen, ausgesezt worden, der, vor dem 1. Mai 1819, durch authentische Atteste, beweisen würde, daß er ein, oder mehrere Jahre hindurch die, im Programm |227| bezeichneten, Pflanzen oder ähnliche, wenigstens auf einem halben Hectare, angebauet habe. Er mußte ferner die Pottasche, die sie liefern, gewonnen und diese gereiniget haben. Man verlangte über dieses von ihm eine genaue Bezeichnung der Natur des Bodens, der Art der Behandlung, des Zeitpunkts der Erndte, und des Zustandes der Atmosphäre den diese Pflanzen fordern, und endlich die Anzeige der zur Pottaschengewinnung angewendeten Processe; und der Menge der Pottasche, die jede Erndte gegeben hatte.

Die Gesellschaft wollte sich durch diese Vorarbeit Kenntnisse über die Kultur der Pflanzen verschaffen, die am meisten Pottasche liefern, um dadurch denjenigen, die sich mit dem Anbau dieser Pflanzen würden beschäftigen wollen einen Leitfaden an die Hand zu geben. Die mit Sorgfalt angestellten Versuche sollten die Resultate der, in verschiedenen Zeitpunkten abgeschnittenen Pflanzen, geben, weil man noch nicht ganz über die beste Erndtezeit zum Erwerb der Pottasche, einverstanden ist; endlich aber machte der Programm diese Bedingung nicht, man mußte mehrere Jahre hindurch diese Arbeit fortsezen, um die Produkte von frisch, oder früher gedüngten, oder auch von ungedüngten Aeckern zu vergleichen, denn viele sind der Meinung, daß die Menge der in den Pflanzen befindlichen Pottasche mit der Menge des Humus oder der vegetabilischen Erde im Verhältniß steht.

Nur eine einzige Schrift wurde von Herrn Boichoz, Gutsbesizer zu Braus, bei Dôle, Gera-Departement, eingesandt. Diese Schrift ist gut abgefaßt; der Verfasser hat alle Pflanzen angebauet, deren Saamen er sich verschaffen konnte; es fehlten aber viele von dem im Programm angezeigten. In Ansehung dieser Pflanzen, hat er fast alle Bedingungen des Programms erfüllt, und mehrere wollten ihm den Preis zuerkennen, andre indessen waren andrer Meinung, weil Herr Boichoz von einigen 30 verschiedenen Pflanzengattungen |228| bloß sieben angebauet hat. Ueberdieses hat er die Bedingungen in Bezug auf die Erndtezeit nicht erfüllt, denn er hat von jeder dieser 8 Pflanzenarten nur eine Erndte gemacht, so daß die Mehrheit entschied, daß Herr Boichoz auf den Preis keine Ansprüche machen kann.96) Da er indessen |229| manches geleistet hat, so wurde für ihn eine Summe von 500 Franks oder eine Medaille von demselben Werthe vorgeschlagen, ein Vorschlag den die Gesellschaft genehmigte.

Indessen hat die Commission bei dieser Gelegenheit eingesehn, wie wichtig diese Aufgabe und zugleich wie schwer die Auflösung derselben ist. Sie glaubt aber auch sich überzeugt zu haben, daß die bloße Gewinnsucht nicht geeignet ist, eine solche Aufgabe zu lösen, sie erfordert die mühsame Arbeit von Männern, die ununterbrochen die Sache selbst vor Augen, und zugleich die Gedult haben, sich mehrere Jahre hindurch mit dieser Arbeit zu beschäftigen; dazu haben sich nun die Herrn d'Arcet, Bosc, Silvester und d'Artiques angeboten, und die Gesellschaft selbst wird die Kosten dazu herschiessen.

Hierauf wurden zwei neue Preise ausgesezt, für 1822, der eine von 1500 Franks für die Vervollkommnung der Kunst des Darmbearbeiters (Boyaudier), der andere von 300 Franks für die Bestimmung der Vortheile oder der Nachtheile die aus der Zucht der Merinos oder ihren Bastartarten entspringen, je nachdem die Localitäten beschaffen sind. Den ersten Preis gibt der Herr Anglès, Herr Ternaux den zweiten.

Bulletin de la Société d'encouragement pour l'industrie nationale. Dix huitième année.

|228|

Einen sehr nüzlichen Vorschlag Pottasche aus verschiedenen Pflanzen zu gewinnen enthält der Schluß der Abhandlung über diejenigen die rußische Soda gewonnen wird Seite 61 dieses Journals. Erst kürzlich theilte ein Korrespondent aus Oesterreich folgendes Resultat von einem mit Wermuth auf Pottasche unternommenen Versuche mit. „Viertausend Quadratschuhe Land, wurden im Herbst oder vielmehr im Dezember 1818, mit 2 Wagen Dünger bester Art, wovon jeder etwa 16 bis 20 Centner wog, und 2 fl. WW. kostete, sorgfältig gedüngt, und gut untereinander gearbeitet. In diese wurden 25 Pfund Wermuthsaamen, der aus dem Thüring'schen um 10 fl. W.W. bezogen wurde, gesät, leicht geegt, gewalzt und so über Winter stehen gelaßen. Im Frühjahr 1819 gieng die Saat sehr dichte und schön auf. Als das Kraut nicht mehr wuchs, ward es gemäht und getrocknet. Im November wurde noch eine Erndte erhalten. Der von beiden Erndten erhaltene Wermuth wog getrocknet 30 Centner. Dieser wurde dieses Jahr unter einem Abdampfgefäß, wie ein anderes Feuermaterial allmählich verbrannt. Das Resultat gab 240 Pfund Asche, welche sich zu unserer Verwunderung fast ganz im Wasser auflösten, und nach dem Abdampfen und Calciniren, 201 Pfund gute Pottasche gaben. Sie enthielt zwar etwas schwefelsaures Kali, doch nicht mehr als jede andere gute Pottasche. An Unkosten kommen in Anschlag

Mist, Zins, Arbeit des Feldesfl. 10
Saamenfl. 10
Auslaugung, Abdampfung und Calcinirungfl. 10
–––––
fl. 30
Ertrag für 2 Centner Pottasche à 40 fl.fl. 80
ab an Unkostenfl. 30
–––––
bleiben Gewinnfl. 50
|229|

Nach dieser Berechnung würde ein Jauchert von 40,000 Quadratschuh, 500 fl. W.W. oder 200 fl. Conv. Mz. Nuzen abwerfen. Dieses Beispiel gibt uns einen neuen Beitrag zu sovielen anderen nüzlichen Gegenständen, welche von dem Land, wirthen alle Beachtung verdienen. Dingler.

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