Titel: Marechaux über die neuen Brenneinrichtungen mit und ohne Zutritt der atmosphärischen Luft.
Autor: Marechaux, Peter Ludwig
Fundstelle: 1820, Band 2, Nr. XLIII. (S. 377–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj002/ar002043

XLIII. Geschichtliche Darstellung der neuen Brenneinrichtungen, mit und ohne Zutritt der Atmosphärischen Luft.

Von Professor Marechaux in München.

Mit Abbildungen auf Tab. XII. XIV. XV. und XVI.

1. Aelteste Grundsäze welche die Form der Destillirwerkzeuge bestimmten.

So einfach auch die Grundsäze sind, auf welchen die Kunst zu destilliren beruht, so waren doch Jahrhunderte nöthig, ehe sie deutlich eingesehn, und in Anwendung gebracht wurden. Vorgefaßte grundlose Ansichten hemmten alle Fortschritte zu besseren Einrichtungen.

Man war der Meinung, daß die Produkte der Destillation, desto feiner, reiner und geistiger würden, je höher man die Dämpfe, in schmalen Röhren steigen ließ, und verfertigte nach diesen Ansichten Kessel mit langen schmalen Halse, aus deren halbkugelförmigen Haube eine schmale Röhre in das Kühlfaß geleitet war.

Arnauld de Villeneuve scheint der erste gewesen zu seyn, der solche Destillirapparate beschrieben hat. Wenn auch einige die deutliche Ansicht gewonnen hatten, daß die Güte der Produkte nicht von dieser Form der Gefässe, sondern von der schicklichen Leitung des Feuers abhieng, so blieb die einmal übliche Form doch, bis in die neueren Zeiten vorherrschend.

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2. Erste Veranlassung zu besseren Vorkehrungen.

Die schottländischen Branntweinbrenner waren die ersten, die von der alten Bahn abgiengen. Schon im Jahre 1770 fieng man an wahrzunehmen, daß sie nicht nach den bekannten Grundsäzen arbeiteten: allein man errieth nicht ihre Verfahrungsart. Es war den Branntweinbrennern in London nicht möglich mit ihnen die Concurrenz auszuhalten, und viele giengen dabei zu Grunde. Die Regierung, an welche sie sich in dieser Noth wendeten, unterstüzte sie dadurch, daß sie, im Jahre 1786, die Brenntare für die Schottländer so erhöhete, daß sie eine dem höchsten Produkte der täglichen Destillation gleichkommende Summe zahlen mußten, bei welcher Bestimmung aber, man von der Voraussezung ausgieng, daß ihre Blase innerhalb 24 Stunden nur einmal gefüllt würde, und folglich nur einmal ablief. Nie hatten die Londner Destillateure mehr leisten können, und die meisten konnten nicht einmal dieses Ziel erreichen.

Wie die Taxe sich vermehrte, veränderten sie die Form ihrer Destillirgefässe. Nun gelang es Ihnen, innerhalb 24 Stunden, fünf bis sechsmal, und 5 Jahr später, ihren Kessel zwanzig Mal leeren zu können. Im Jahre 1797 brachten sie es sogar dahin, ihre Blase in derselben Zeit 72 Mal zu füllen und zu leeren: so blieb die Concurrenz fortdauernd zu ihrem Vortheil, eine Blase von einem bestimmten Inhalt, für welche im Jahre 1786 anderthalb Pfund Sterling gezahlt wurden, wurde 10 Jahre später, im Jahre 1796 mit einer Abgabe von 54 Pfund Sterling beschwert.

Da indessen die Reklamationen immer lauter wurden, erhielt der Doktor Jeffrey von den Lords der Schazkammer den Auftrag, die Sache an Ort und Stelle zu untersuchen. Auf diese Untersuchung wurde im Jahre 1799 im Unterhause |379| ein weitläuftiger Bericht erstattet, durch welchen nun das ganze Verfahren der schottischen Branntweinbrenner aufgedekt wurde. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man daß ein gewisser Millar schon seit zwei Jahren einen Destillirapparat in Thätigkeit gesezt halte, den er in einem Tage 480 Mal füllen und ablaufen lassen konnte.

Dieser Apparat, der übrigens zur Verhinderung des Anbrennens sehr künstlich eingerichtet war, faßte im Ganzen nur 128 Baierische Maaß, und die ganze Tiefe desselben, vom Mittelpunkt aus gerechnet, betrug nur 2 1/2 Zoll. Die Destillation des ersten rohen Stoffes war innerhalb 3 Minuten vollendet, und in dieser Zeit war die Blase auch schon zur neuen Destillation geladen. Herr Jeffrey der eine volle Stunde dieser Arbeit bewohnte, sahe diesen Apparat innerhalb dieser Zeit 21 Mal leeren und wieder füllen. 30 Sekunden dienten zur Füllung. Die verschiedenen Arbeiter, zur größten Pünktlichkeit abgerichtet, standen auf jeden Wink des Vorstehers der Brennerei bereit. Eine Beschreibung und Zeichnung dieser Apparate findet man in den Annalesdes Arts et manufactures. Band 3 und 4.

Jezt erst erkannte man, daß sie die Vortheite ihrer Destillationen der Anwendung des Grundsazes verdankten, daß die Produkte der Verdünstung mit den erwärmten Flächen der Flüssigkeiten, wachsen, und daß bei gleichen flüssigen Massen, diese sich um so schneller erwärmen, je niedriger sie im Kessel stehen. In diesen längst anerkannten Wahrheiten hatte jedoch kein Londner Brenner das Geheimniß der Schottländer vermuthet.

3. Gleichzeitige Verdienste der Franzosen um die Destillirapparate.

Indessen waren die früheren Reklamationen der Londner Brenner mit den Verhandlungen der Kammern in Paris angekommen, |380| und mußten nothwendig den Geist dieser, für alles gemeinnüzige so empfänglichen, Nation regen; und schon ehe die Noth die Londner Brenner zu lauten Reklamationen bewog, konnten die Fortschritte der Schottländer in der Destillirkunst einem Volke, das mit England so viele Berührungspunkte hat, nicht unbekannt geblieben seyn, und mußten Männer die schon mit den älteren Destillirapparaten unzufrieden zu werden anfiengen, zum Nachdenken mächtig reizen. Im Jahre 1777 wurde von der damaligen Aufmunterungs-Gesellschaft, (Societé libre d'emulation pourl'encouragement des arts, mètiers, et inventions utiles) in Paris, ein Preis, für die beste Bauart der Oefen, und die beste Form der Destillirapparate ausgesezt. Der geschickte Pharmaceutiker Beaumè errang den ersten, und der Abt Moline den Zweiten. Beide Schriftsteller drehten sich indessen nur um das obige Princip. – Bessere Anwendung und Benuzung der Wärme, – minder hohe, aber breitere Breunkessel. – Auch Chaptal, der sich später mit diesem Gegenstande besonders beschäftigte, drang nicht weiter. Eine neue Form des Helms, der Mohrenkopf, von dem man sich anfänglich viel gutes versprach, wurde hinterher wieder verworfen, und findet sich nur noch, ob mit Grund oder Ungrund, in einigen Pharmacien, und Liqueurfabriken, als unentbehrlich zu gewissen Destillationen.

Ungefähr von 1777 bis 1801, war man in allen Brennereien Englands, Frankreichs und Deutschlands beschäftigt, die alten Formen der Destillirgefässe nach den neuen richtigen Grundsäzen umzuwandeln: besonders als im 10. Jahre der Republick die Schottischen Brennapparate in den Annalen der Künste und Manufakturen zur Kenntniß aller gebracht worden waren. Indessen erkannte man bald, daß es nur ein gewisses Verhältniß der Breite zur Höhe giebt, bei welchem Oekonomie des Brennmaterials, Zeit und Güte der |381| Produkte vereinbar sind, und man hatte kaum in den meisten Brennereien in Frankreich, diese erste an sich schon sehr wichtige Revolution vollendet, als eine neue Epoche für die Destillirkunst begann.

4. Merkwürdige aber unbenuzt gebliebene Erfahrung eines Deutschen.

In dem Werke eines geschickten Brenners, über die Branntweinbrennerei, Neuenhahn, aus Nordhausen, findet sich eine Wahrnehmung aufgezeichnet, die wenn sie damals mit naturwissenschaftlichem Scharfsinn aufgefaßt worden wäre, uns Deutschen die Ehre diese Revolution bewirkt zu haben, leicht verschaffen konnte.

Dieser geschickte Mann spriche in jenem Werke von vielen Versuchen die er, um die Brennereien zu verbessern, anstellte, die ihm leider! viel Geld kosteten, und keinen Nuzen brachten.

Damals wurde von den sogenannten Mohrenköpfen viel Wesen gemacht. Man versprach sich von dem unmittelbar über dem Helm angebrachten Condensator in Bezug auf die Beschleunigung der Destillation einen großen Vortheil. Auch unser thätige Mann wollte in seiner Brennerei die Vortheile dieser gepriesenen Einrichtung einerndten. Es müßte allerdings einen Nuzen gewähren, so dachte er, wenn man die vielen Dämpfe die kondensirt längst den inneren Wänden des großen Helms unnüz in den Kessel zurückfließen, auffangen, und in die Ableitungsröhre vereinigen könnte! Er ließ sich also einen Mohrenkopf zu seiner Blase die auf 9 bis 10 Schäffel eingerichtet war, verfertigen. Wie groß aber war sein Erstaunen, als er sah, daß anstatt der geistigen Flüssigkeit die er sonst, mit Anfang der Destillation, von seiner Maische erhielt, er 3 bis 4 Maaß Wasser bekam; und daß nach dieser Menge Wasser sich erst eine geistigere |382| Flüssigkeit zeigte. Diese Sprache der Natur verstand unser sonst geistreiche Mann nicht, eben so wenig als seine Zeitgenossen, denen er seine Erfahrung mittheilte. Gewiß viele Destillateure, die mit Mohrenköpfen arbeiteten, haben bei ihren kleinen Apparaten, obgleich im kleinen, dieselbe Erscheinung gehabt, ohne daß sie solche sich zu erklären wußten: so nahe geht der Mensch an den ihm zu wichtigen Entdeckungen gegebenen Momenten vorüber ohne die Bedeutung derselben zu ahnen: und doch liegt in dieser Thatsache der Grundsaz auf welchem die neue Destillirkunst beruht. Sie beruht nämlich auf dem Mittel von den sich erhebenden Dämpfen die wässrigen Theile, so viel wie möglich, abzusondern, um die geistigeren in größerer Menge zu erhalten: unser Brenner hatte die Aufgabe umgekehrt; dem Kessel hatte er die geistigen zurückgegeben, und das Wasser zur Ausbeute erhalten: Wie wenig Nachdenken war nöthig, um die Umkehrung dieses Prozesses zu bewirken, um das Wasser dem Kessel, die geistigen Produkte dem Kühlfaß zuzuführen, und den nöthigen Mechanismus dazu auszudenken! Die Lösung der Aufgabe, durch eine einzige Destillation Produkte von beliebiger Stärke zu bekommen, blieb also einem andren, und zwar einem Franzosen vorbehalten. Ein Zufall führte dahin.

5. Veranlassung zu Edouard Adam's Destillir-Apparat.

Im Jahre 1799 wohnte Edouard Adam, zu Montpellier einer chemischen Vorlesung bei. Hier wurde der Woulfische Apparat vorgelegt, und seine für die Chemie wichtigen Resultate entwickelt. Dieser Apparat besteht aus einer beliebigen Reihe von Gefässen, die mit dem Halse der Retorte in Verbindung stehn, und die Produkte der Destillation empfangen: Diese Gefässe werden durch zweischenklich gebogene |383| Communikationsröhren mit einander so verbunden, daß der eine längere Schenkel jeder Röhre bis auf den Boden der nächstfolgenden Flasche reicht.

Dieser Apparat gewährt einen doppelten Nuzen: Wir können einerseits durch ihn, gleichzeitig, saure Flüssigkeiten in verschiedenen Concentrations Graden erzeugen, anderseits die wäßrigen Produkte, und die condensirbaren Dämpfe von den Gasen oder den nicht condensirbaren Dämpfen scheiden, und beide Produkte besonders erhalten.

Diese Entwikelung weckte augenblicklich in Edouard Adam einen Gedanken, der ihn seither nicht mehr verließ. Es schien ihm, daß er, vermittelst eines solchen Apparats die Produkte der Weindestillation ebenfalls in gesteigertem geistigen Zustande erhalten müsse. Diese dunkle Ansicht eines möglichen Erfolges, die er auf keine klare Begriffe der Prozesse die hier vor sich gehn würden, zurückführen konnte, verwickelte ihn, zwei Jahr hindurch, in eine Reihe kostspieliger Versuche, die seine Erwartungen lange täuschten, ehe sie ihn zu erwünschten Resultaten führten. Als er nun, vermittelst seines großen Apparats, wirklich, aus einer ersten Destillation, sogleich Branntwein, und sogar Alkohol erhalten konnte, suchte er sich den Erfolg dieser Entdeckung zu sichern, und erhielt unter dem 1. Junius 1801, auf 14 Jahre, ein Erfindungs-Patent. Bis dahin hatte er seine Arbeiten so geheim wie möglich betrieben; jezt, da er sich gesichert glaubte, gestattete er die Ansicht seines prachtvollen Apparats, der damals die Neugierigen in Menge anzog, und allgemeine Bewunderung erregte.

6. Beschreibung des Adam'schen Destillier-Apparats.

Durch die Entdeckung, daß der woulsische Apparat mit Erfolg auf die Destillation der geistigen Produkte angewendet |384| werden kann, machte die Destillir-Kunst einen neuen großen Schritt vorwärts.

Deshalb verdient auch, diese an sich noch sehr unvollkommne Einrichtung, die aber zu mannigfaltigen Modifikationen, welche der Scharfsinn denkender Köpfe nunmehr daraus ableitete, nicht nur eine ehrenvolle Erwähnung in polytechnischen Zeitschriften, sondern zugleich auch eine umständliche Abzeichnung derselben, in ihrer Urform.

Diese Abzeichnung findet sich Tab. XIV. Fig. 1.

A Ofen, mit dem Brennkessel B, dessen gewölbter Obertheil allein, über das Mauerwerk hervorragt. Die punktirten Linien bezeichnen seine Gestalt. Die Röhre C mit ihrem Hahn versehn, dient zur Ausleerung des Kessels, und der Eierförmigen Körper, die wir mit Adam die Eyer nennen werden. Die kleine Röhre D, mit ihrem Hahne, giebt das Zeichen, daß der Kessel bis zu zwei Drittel gefüllt ist. Unmittelbar über der Wölbung des Kessels B ist an der Röhre I eine kleine Röhre E, mit einem Hahne, angebracht, die sich in die lange Röhre xxxx öffnet, welche das lezte Ei, und die dazwischenliegenden, mit dem Brennkessel B in Verbindung sezen kann, und mit der kleinen in dem Faße F befindlichen Schlange in Verbindung steht, und dazu dient, nach Belieben den jedesmaligen Zustand der Dämpfe in dem einen oder dem andren Ei zu prüfen. Man empfängt das Produkt derselben aus der mit ihrem Hahne versehenen Röhre G.

HHH eierförmige Gefässe, die neben einander auf einem festen Zimmerwerke PQ ruhen. Jedes Ei steht aufrecht in einer, in diesem Zimmerwerke angebrachten runden Oeffnung. Das Zimmerwerk selbst stüzt sich mit dem einen Ende auf das Mauerwerk des Brennkessels, und mit dem andren auf das Mauerwerk, auf welchem das Faß U steht.

I Röhre, die den Brennkessel mit dem ersten Ei in Verbindung sezt. Sie reicht bis gegen das unterste Ende desselben. |385| Hier erweitert sie sich, und bildet einen mit unzähligen Löchern (von 3 Milimetres jedes) durchbohrten Seiger. Dieses Rohr ist an das Ei luftdicht angelöthet. Das erste Ei ist mit dem zweiten, das zweite mit dem dritten, u.s.w. durch die Röhre M, in Verbindung gesezt, welche wie die Röhre I gestaltet, und an die Eier luftdicht angelöthet ist. Auch reichet sie, so wie diese, bis gegen das unterste Ende des Eies.

Das lezte Ei ist bis gegen seine Mitte mit einem Kühlfaß umgeben, um einen Theil der Dämpfe, die man nach Belieben in dieses Ei leiten kann, zu verdichten. Der Hahn O dient, das zu warm gewordene Wasser abzulassen.

Die Röhre R öffnet eine Verbindung zwischen den zweiten Ei und der Schlange; und vermittelst dieser Vorkehrung erhält man aus der Destillation des Weins, durch eine einzige Operation, Branntwein zu 18 Grad. Zwei Eier reichen dazu hin. Alsdann aber muß der Hahn M die Verbindung des zweiten Eies mit dem dritten unterbrechen.

Die Röhre S sezt das dritte Ei mit der Schlange in Verbindung. Sollen alle 3 Eier thätig werden, so öffnet man die Hähne M und S, und schließt den Hahn R.

Das 3. Ei H, mit seinem Mantel N versehn, kann mit Branntwein zu 18 Grad gefüllt werden, wenn man Alkohol zu 29 Grad haben will: wollte man stärkeren, so müßten die Dämpfe noch durch ein zweites ähnliches, mit Branntwein gefülltes, Ei streichen, ehe sie die Schlange erreichen.

U ein hermetisch geschlossenes mit einer Schlange versehenes Faß; es wird mit Wein angefüllt, welchen die aus den Eiern sich entwikelnden Dämpfe, bei ihrem Durchzuge erwärmen. Von dem gewölbten Deckel a erhebt sich die Röhre b, welche die sich in diesem Fasse bildenden Dämpfe, entweder in das Gefäß T, oder, nach Belieben, in eines von den Eyern, oder auch in den Brennkessel leitet, um sie |386| so mit den übrigen Dämpfen vereiniget, der Schlange des Kühlfasses zuzuführen. Die lezte Verbindungsröhre, nämlich mit dem Kessel, die man sich leicht denken kann, ist hier nicht abgezeichnet worden.

V großes Kühlfaß, mit der Hauptschlange. Das Wasser wird durch die Röhre c zugeleitet, welche bis auf den Boden des Fasses reichet, und von unten auf das obere warme Wasser abtreibt: Drei eiserne Klammern ddd heften die Ableitungsröhre an das Faß.

fff ist die Röhre, durch welche der Wein, aus einem großen gemauerten Behälter, in das Faß V gepumpt wird, und die ebenfalls bis auf den Boden dieses Fasses reicht. ggg Verbindungsröhre des Fasses U mit dem Brennkessel B und den Eiern.

hik Hähne, welche die Verbindung der Eier mit der Röhre ggg zulassen oder hemmen, llmn Hähne, welche jedes Ei mit dem Kessel B, wenn es geleert, und mit dem Fasse U wenn es gefüllt werden soll, in Verbindung sezt.

ooo Röhre mit trichterförmiger Oeffnung P, durch welche man die lezten, zu schwachen Produkte der Destillation, und schwache Branntweine überhaupt, in den Kessel giessen kann. L kurze Röhre gegen die Mitte eines jeden Eies: sie zeigt an, daß die Eier bis dahin mit Wein gefüllt sind. Man verstopft die Oeffnung mit einem kleinen korkenen Stöpsel.

7. Verfahrungsart mit diesem Apparate.

Um diesen Apparat in Thätigkeit zu sezen, werden der Kessel, und die Eier auf folgende Art mit Wein gefüllt. Man schließt zuerst die Hähne kih welche die Verbindungsröhre ggg mit den Eiern verbinden; und öffnet die an dieser Röhre befindlichen Hähne llmn. Nun fließt der in dem Fasse U enthaltene Wein in den Kessel B. Unterdessen pumpt ein Arbeiter frischen Wein in das Faß, und |387| hört mit dem Pumpen auf, wenn der kleine Hahn D am Kessel B zeigt, daß dieser seine Ladung hat. Nun wird dieser Hahn geschlossen, und zugleich auch der Hahn n, der dem Kessel am nächsten liegt. –

Jezt erst werden die Eier gefüllt, und zuerst das erste Ei, durch Oeffnung des Hahns k, und man weiß daß es seine Ladung hat, wenn der Wein aus der kleinen Oeffnung L sich ergießt, die man alsdann, so wie den Hahn k schließt: so verfährt man mit jedem Ey, ausgenommen mit denen, die mit einem Mantel versehen sind, und die in diesem Apparat die Condensatoren genannt werden.

Sobald der Wein im Kessel erwärmt genug ist, streichen die Dämpfe, durch den, in den Eiern befindlichen Wein, begeben sich in die Schlangen und von dort condensirt in das unterstehende Fäßchen. Zwei Eier sind nöthig um Branntwein von 18 Grad zu bekommen; mit mehreren würde er stärker werden, es ist aber leichter sich dazu der Condensatoren zu bedienen.

8. Theoretische Ansicht des hier angewendeten Verfahrens.

Es ist klar, daß die mechanische Einrichtung dieses Apparats mit der des Woulfischen vollkommen übereinstimmt: allein dieser Umstand ist auch das einzige, worin eine Uebereinstimmung gefunden werden kann. Wenn auch der Woulfische Apparat die erste Idee zu der neuen Destillirmethode weckte, so hat man doch unrecht gehabt, sie eine blosse Copie desselben, wie sich le Normand Essai sur la distilation, Paris 1811, S. 118“ ausdrückt. Es kommt hier nicht auf die Form der Gefässe, sondern auf die inneren, in diesen Gefässen vor sich gehenden chemische Prozessen an. Sobald diese lezten deutlich erkannt sind, ist es ein leichtes, die äusseren Formen, und die Nebenumstände des Apparats, |388| unmittelbar nach den Forderungen des vorwaltenden Princips einzurichten.

Es ist gewiß, daß Edouard Adam, als er seine Versuche anstellte, von den chemischen Prozessen, welche die Resultate seiner Versuche herbeiführten, nicht einmal eine dunkle Idee hatte, und sehr wahrscheinlich, daß er die geistigen Stoffe mit den Gasen verglich, die nach Zurücklassung der gröberen oder der wässerigten Theile, sich in den äussersten Flaschen sammeln.

Le Normand, der das Verdienst hat, die neuen Apparate beschrieben, und zur allgemeinen Kenntniß gebracht zu haben, war in Errathung des vorherrschenden Princips in Bezug auf den Adamschen Apparat nicht glücklicher; er sagt nämlich in dem eben angeführten Werke, Seite 135. „Adam leitet die Dämpfe durch Flüssigkeiten, die, weil sie eine größere Verwandtschaft zu dem in jenen Dämpfen enthaltenen Wasser haben, dieses lezte zurückhalten, und dadurch immer wässerigter werden.“

Diese dunkele Ansicht, des hier obwaltenden chemischen Prozesses, muß besonders erwähnt werden; weit sie von dort aus, in deutsche Schriften, die nach le Normand den Adamschen Apparat beschrieben und erklärt haben, übergegangen ist.

Die wahre Ursache der Rectification der Alkoholdämpfe, wenn sie durch ein erwärmtes flüssiges Mittel streichen, liegt im folgenden, und läßt sich sowohl auf den Adamschen als auf alle folgende Destillirapparate anwenden.

Wenn zwei Flüssigkeiten von verschiedener Wärmekapacität, wie hier Wasser und Alkohol, der Wirkung der Wärme ausgesezt werden, so vertheilt sich diese, zwischen beiden, nach dem Capacitäts-Verhältniß, bis für beide, die Veränderung des Aggregats-Zustandes eintreten kann. Das Wasser bedarf dazu 80 Grad, der Alkohol ungefähr 62 Grad; woraus folgt, daß eine Mischung aus Wasser und Alkohol |389| den Siedpunkt um so eher erreicht, je mehr Alkohol darin enthalten ist.

Streichen nun die Dämpfe beider, gemischt, durch ein flüssiges Mittel, dessen Temperatur unter 80 Grad steht, so kann sich der Wasserdampf darin, als solcher, nicht erhalten, er wird um so schneller condensirt, je niedriger die Temperatur ist.

Der Alkohol-Dampf würde sich eben so wenig in diesem Mittel als Dampf erhalten können, wenn nicht die schnell erfolgende Verdichtung des ihn begleitenden Wassers, auf seinem Wege, durch die Flüssigkeit, zur Erhöhung der Temperatur des Mittels eine große Menge freie Wärme entwikelte, die bei der schnellen Bewegung, das Erkalten verhindert. Ohne diese, und bei längerem Verweilen würde sich die Temperatur des Alkoholdampfes mit der des flüssigen Mittels ins Gleichgewicht sezen, und die Dampfform verschwinden.

Es ist, bei dieser Ansicht, klar, daß es ein Grad der Temperatur des flüssigen Mittels geben muß, der so niedrig ist, daß die durch die Verdichtung des Wassers freigewordene Wärme nicht mehr hinreicht die Erkaltung des Alkoholdampfes zu verhindern, und bei welchem er sich gar nicht als Dampf aus dem flüssigen Mittel erheben würde. Die Beobachtung hat bis jezt diesen Punkt noch nicht aufgesucht, wenigstes nicht bestimmt: es scheint aber, daß er bei einer Temperatur von nahe an 36 bis 40 Grad eintreffen wird. Ueber diese Normaltemperatur hinaus bis nahe an 80 Grad hin, ist eine Breite, innerhalb welcher die Wasserdämpfe sich verdichten, und die Alkoholdämpfe durchstreichen werden, ohne wesentlicher Verminderung ihres Alkoholgehalts.

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9. Anwendung dieser theoretischen Säze auf die beiden ersten Mittelgefässe dieses Apparates.

Wenn man nun von diesen Säzen ausgeht, so wird es leicht seyn, die Wirkungen derselben an dem Adam'schen Apparat zu verfolgen, und zugleich die durch Mangel an deutlicher Einsicht in die Natur der Sache beigefügten störenden Kräfte aufzudecken.

Adam läßt die Dämpfe in zwei sehr grosse, halb mit Wein gefüllte, eierförmige Körper, und zwar vertheilt aus seigerförmigen Oeffnungen, eindringen.

Der Widerstand der hohen Säule der Flüssigkeit die sie zurückdrängen müssen, vermehrt ihre Spannung, und könnte, wenn nicht darauf besondere Rücksicht genommen wäre, das Zersprengen der Gefässe nach sich ziehen. Da jene sehr zertheilt in die kalte Flüssigkeit kommen und folglich derselben viel Oberfläche darbieten, so werden sie anfangs beide, die Wasser- und die Alkoholdämpfe, verdichtet, bis endlich der Wein eine Temperatur erlangt, die das Durchstreichen der Alkoholdämpfe gestattet. Dann hört man in den Gefässen das Geräusch der zerplazenden Dämpfe, die Le Normand sehr mit Unrecht das Sieden der Flüssigkeit nennt: allein in diesem ersten Ei, ungeachtet der kupfernen Hülle, die ein guter Wärmeleiter ist, muß sich, zumal bei der großen Wärme, welche die Dämpfe, wegen der Spannung die sie im ersten Kessel erfahren, der Wein nach und nach bis zum wirklichen Siedepunkt erwärmen, der hier weit eher, als im Kessel selbst eintreten wird, weil sich eine geraume Zeit lang die ganze Masse der an Alkohol reichhaltigeren Dämpfe der ersten Destillations-Periode in diesem ersten Ei verdichteten. Es entstehen also von dem Zeitpunkte an, wo der Wein im ersten Ei zu sieden anfängt, zwei von einander sehr verschiedene |391| Prozesse; vermittelst des ersten erfolgt eine Verminderung der Wasserdämpfe, weil die Temperatur des Weins in dem Ei doch immer unter der des siedenden Wassers selbst bleibt, durch den andren erfolgt eine förmliche Destillation, der des ersten Kessels vollkommen gleich. Diese lezte erhebt mit den Alkoholdämpfen eine große Menge Wasserdämpfe; und da bei der hohen Temperatur des flüssigen Mittels nur wenige von diesen bei ihrem Durchzuge verdichtet werden können, so giebt die Destillation des ersten Eies ein Produkt, das dem anfänglichen des ersten Kessels nicht selten an Alkoholgehalt nachsteht.

Nun häufen sich, unter der Wölbung des ersten Eies, die Dämpfe so lange zusammen bis sie durch Zurückdrängung der zweiten Wassersäule des andren Eies, in den darin enthaltenen Wein dringen. Mittlerweile aber verlieren die Wasserdämpfe, durch den Unterschied der Temperatur der warmen kupfernen Wände an welche sie durch ihre große Spannung stark angedrückt werden, einen Theil ihres Wassers, und so kommen sie, durch diese erste Läuterung, reicher an Alkohol, zum zweiten Ei hin.

Das zweite Ei muß indessen auch zuerst bis zu dem Punkt erwärmt werden, wo das Durchstreichen der Alkoholdämpfe möglich wird. Da aber diese die Wasserdämpfe in kleinerer Menge und minder erwärmt mit sich führen, so bleibt in diesem Ei die Flüssigkeit unter dem Siedepunkt, und da sich, bei einem größeren Unterschied in der Temperatur mehr Wasserdämpfe verdichten, und das flüssige Mittel überdieses nicht den Siedepunkt erreicht, so erheben sich nur wenige Wasserdämpfe von der Oberfläche. Solcher Gestalt wird die eigentliche Destillation unbedeutender, die Scheidung der Wasserdämpfe aber beträchtlicher, und das Produkt kann bis zu 18 Grad gesteigert werden; ein an sich niedriger Grad, der weit höher ausgefallen wäre, wenn die störende Wirkung |392| einer wirklichen unvermeidlichen Destillation im ersten Ei, nicht dazwischen getreten wäre.

Die Erwärmung des Weins, vermittelst der ersten Schlange, ist daher, für diesen Apparat, ein wesentliches Erforderniß, ohne welches wahrscheinlich an Zeit und Holz was der Fabrikant an innerem Alkoholgehalt gewonnen hätte, verloren gegangen wäre.

10. Verhalten der eierförmigen Gefässe, welche Adam Condensatoren nannte.

Wenn sich auch wirklich begreifen ließ; wie die verwickelten, sich durchkreuzenden chemischen Wirkungen in den beiden ersten Eiern, dem Erfinder dieser wesentlich verbesserten Destillation, die wahre Bewandtniß der Sache aus dem Gesichtspunkte verrückten, so bleibt es unerklärbar, daß die, durch die Condensatoren erzielten, Phänomene, ihn nicht unmittelbar auf die Natur der Sache führten, und ihn zur Umänderung mehrerer Theile seines Apparats bewogen.

Seine mit Wasser umringten leeren Eier gaben ihm zum zum Resultat, der darin erfolgten Condensation, ein wässerigtes Produkt, das er zur wiederholten Destillation in das lezte Ei goß.

Dieses Pflegma war die Wirkung der Verdichtung der Wasserdämpfe an den Wänden des kupfernen Gefässes; eine Verdichtung die weit beträchtlicher gewesen wäre, wenn die Erkältung sich tiefer in die Masse der Dämpfe hätte verbreiten können.

Der Durchmesser des Eies wirkte also wiederum hier störend, indem er der erkaltenden Wirkung der Seitenwände des Eies zu viel Dämpfe entzog.

Da nun Adam aus der Verdichtung der wässerigten Dämpfe in seinen Condensatoren, das Räthsel seiner eigenen Erfindung nicht aufzulösen wußte, so fanden sich andre, bis |393| durch ihren Scharfsinn, ihm sogar die Ehre der Erfindung raubten, indem sie auf die Entdeckung und die richtige Anwendung des hier vorherrschenden Princips gerechte Ansprüche machen konnten, und Adam wurde bei jeder Klage auf seinen Woulfischen Apparat zurück gewiesen.

11. Einige Hauptmomente.

Wenn man das bisher gesagte zusammenfaßt, so ergeben sich daraus folgende Hauptmomente, die bei der Einrichtung der Destillirapparate zu beachten sind, wenn man vermittelst derselben Alkohol von beliebigen Graden erhalten will.

1. Hauptmoment. Es giebt zwei Mittel die mit dem Alkohol sich erhebenden Wasserdämpfe zu verdichten: man kann sie entweder durch ein flüssiges Mittel, oder durch einen, von einem festen Körper gebildeten Hülle eingeschlossenen Raum durchführen.

Führt man sie durch ein flüssiges Mittel, so kann dieses entweder aus Wasser, oder aus Alkohol, oder aus dem zu destillirenden Stoffe, oder aus dem, sich durch Condensation in einem Mittelgefässe sammelnden Pflegma, bestehen.

Das Wasser ist nicht rathsam: wozu neues Wasser, wo bereits Wasser entzogen werden soll? Alkohol! aber die Aufgabe soll so aufgelöset werden, daß aus den rohen Stoffen Alkohol nach beliebigen Graden erzeugt werden das ist eben ein Fehler des Adam'schen Apparats, daß um stärkeren Weingeist zu erzeugen, Branntwein wenigstens zu 18 Graden nöthig ist, wenn die Eier nicht zu sehr vervielfältigt werden sollen. – Die zu destillirende Stoffe. Aber sie bewirken eine zweite Destillation in dem ersten Ei, und heben durch die Wasserdämpfe die sie darunter mischen, die Früchte der ersten Rectification. Will man die Wärme der sich aus dem Kessel entwickelnden Dämpfe mit Vortheil |394| benuzen, so ist es weit vortheilhafter, daß man sie unmittelbar, vermittels einer Schlange, in ein mit dem zu erwärmenden rohen Stoffe, gefülltes Faß steigen lasse. Hier werden sie schon einen Theil ihres Wassers absezen, und noch viel mehr wenn man die Schlange so einrichtet, daß jene Dämpfe schon darin einige Rectification erfahren, ehe sie sich durch die eigentlichen Rectificatoren nach dem Kühlfaß hin begeben. – Es bleibt also nur noch das durch Condensation der Dämpfe gesammelte Pflegma. So bekommt man freilich nur anfänglich die geistige Flüssigkeit, wie der erste Kessel sie unmittelbar giebt, aber wie die Mittelgefässe sich durch die Dämpfe erwärmen, sammelt sich darin das Pflegma, das sich längst den Wänden des Gefässes condensirt, und sobald das Ende der Röhre dadurch geschlossen wird, geht die Rectification vor sich. Breite metallene Gefässe, welche die Wärme schnell ableiten thun dazu die besten Dienste. Das Pflegma sammelt sich höchstens einige Zolle hoch, die wässerigten Dämpfe condensiren sich schnell, die geistigen verlassen schnell das erkaltende Mittel, und es erfolgen erwünschte, durch keine Destillation geschwächte, Produkte. – Die seiherförmigen Oeffnungen, mit ihren vielen kleinen Löchern sind nicht zu rathen; sie zerstäuben zu sehr die Dämpfe, vermehren zu sehr die Oberflächen, und befördern die Verdichtung des Alkohols selbst. Bei großen Massen besser weitere Röhren, die von einem Mittelpunkt aus, die Dämpfe in mehreren von einander entfernten Punkten in die erkaltende Flüssigkeit führen! Sollte sich, bei gar großen Kesseln, die Temperatur im Mittelgefäß so sehr erhöhen, daß einiger Nachtheil daraus erwüchse, zu läßt sich leicht, durch zweckmässige Anwendung des Wassers das Uebel heben.

Was das zweite Mittel anbetrift, so folgen aus dem Princip selbst von welchem die Verdichtung der Wasserdämpfe |395| hier abhängt, die Bedingungen, unter welchen sie möglich werden wird.

Erste Bedingung. Die Seitenwände müssen eine höhere Temperatur haben; ist sie zu niedrig, so verwandeln sich in der Röhre selbst die Wasserdämpfe in leichte Nebel, die mit dem Alkoholdampfe fortgerissen werden. Sie verdichten sich ehe sie die Seitenwände berühren, und schlagen sich an denselben nicht als Tropfen zusammen: dis Produkte ziehen davon keinen Nuzen.

Zweite Bedingung. Die Masse der Dämpfe die durch diese Hüllen durchziehn, muß wenig Tiefe haben. Sind die Seitenwände zu sehr von einander entfernt, so wirkt ihre Temperatur nicht tief genug in die durchziehende Dämpfe, und die Meisten entziehn sich ihrem Einfluß. Das ist der Fall mit den Adam'schen Eiern. Breite Kanäle, mit geringer Tiefe, werden die besten Dienste leisten.

Dritte Bedingung. So wie eine zu niedrige Temperatur hier schadet, so schadet auch eine zu hohe. Dieselbe hohe Temperatur an metallenen Wänden, und in einem flüssigen Mittel muß nothwendig auf die durchziehenden Dämpfe sehr verschiedene Wirkungen äussern. In dem flüssigen Mittel ist die kleine Dampfblase von der erkaltenden Flüssigkeit ganz umringt, sie wird kleiner in dem Verhältnisse, wie sie mehr wässerigte Dämpfe verliert, wie sie sich weiter hinaufwälzt, wird sie von frischen Wassertheilchen umhüllt; nicht so wenn sie sich in erwärmten metallenen Kanälen fortwälzen, ist ihre Temperatur sehr hoch so verdichtet sie nur einen sehr kleinen Theil der durchziehenden Dämpfe, so daß die Wirkung dieser Verdichtung fast unmerklich bleibt. Hieraus folgt als

vierte Bedingung, die Nothwendigkeit einer Vorkehrung die dahin wirke, die Wärme des Kanals, in welchem sich die Wasserdämpfe niederschlagen sollen, bei der dazu schicklichsten |396| Temperatur zu unterhalten. Dazu ist Wasser das brauchbarste Mittel; um so mehr da sich leichte Einrichtungen erfinden lassen, durch welche es bei der nöthigen Temperatur erhalten werden kann. Endlich, als

fünfte und lezte Bedingung wird es nüzlich seyn, den zu schnellen Lauf der Dämpfe in solchen Rectificatoren etwas aufzuhalten, damit die erkaltenden Wände auf sie zu wirken, die nöthige Zeit bekommen; ein Aufenthalt den man am füglichsten durch winkelförmige Beugungen erzielen wird. Der sich sehr schnell fortwälzende Dampf an diesen Beugungen zurückgestossen, und dadurch in seinem Flug aufgehalten, wird um so länger der verdichtenden Wirkung des Apparats ausgesezt bleiben, und desto mehr Wasser zurücklassen.

Da nun kein drittes Condensationsmittel der wässerichten Stoffe bei der Destillation der geistigen Flüssigkeiten möglich ist, sehen wir jezt welchen Nuzen das Genie verschiedener Erfinder aus solchen Betrachtungen gezogen hat.

12. Solimani, erräth das Princip des Adam'schen Verfahrens.

So geheim auch Adam seine Einrichtungen zu verfertigen bemühet gewesen war, so geheim blieben doch nicht seine Hoffnungen, und die Resultate seiner Arbeiten.

Es war schon genug, daß man wußte, daß es ihm gelungen war, durch eine einzige Operation Kaufmannsgut zu erzeugen, um Nacheiferung, und ernstes Nachdenken über die dazu schicklichen Mittel zu wecken. Oft darf man nur wissen, daß eine Sache möglich ist, um zur Erfindung derselben schnell zu gelangen.

Edouard Adam fand einen gefährlichen Nebenbuhler in Laurent Solimani, Professor der Chemie an der Centralschule, im Gard-Departement. Es sey nun daß dieser Mann einige Kunde von Adam's Vorkehrungen erhalten, oder daß |397| er bloß Kenntniß von den erzielten Resultaten bekommen hatte, genug; es gelang ihm das reine, in jenen Prozessen vorwaltende Princip zu entdecken, und nach den Forderungen desselben einen Destillirapparat zusammen zu sezen, der mit Leichtigkeit Resultate lieferte, die nur mit Mühe und durch complicirte Prozesse durch die Adam'sche Combinationen erreicht werden konnten.

Sein Erfindungspatent ist vom 6. Juni 1801. Er erhielt es also acht Tage später als Adam das Seinige.

Wenn man in dem Adam'schen bloß die Wiege der neuen Destillirkunst erblickt, so blicken aus dem Solimani'schen die mannigfaltigen Kenntnisse eines mit den Naturkräften, und den Wirkungen derselben vertrauten Mannes. Von dem Baue des Ofens an, bis zu dem lezten Ziel der Destillation hin, beruhen sämmtliche Einrichtungen auf den richtigsten Grundsäzen der Wissenschaft, und auf den erprobtesten Erfahrungen.

13. Beschreibung des Solimani'schen Apparats.

Solimani ließ diesen Apparat zu Calvisson im Gard-Departement aufrichten.

Fig. 14. Tab. XV. zeigt den Apparat in Thätigkeit.

Fig. 15. Ein Durchschnitt desselben, um das innere des Ofens desto deutlicher darzuthun.

Der Apparat in dieser Brennerei ist doppelt, auf der rechten Seite dieser beiden Figuren steht man an der Zeichnung die Linie die den Bruch andeutet, es wäre überflüssig gewesen den Apparat zweimal zu zeichnen. Sie stehen gegen einander umgekehrt, so daß die beiden Fäßchen S in welchen der Alkohol sich sammlet, neben einander stehen.

AA Röhre die den Wein, nach Oeffnung des Hahnes B, durch die Röhre CC in den Kessel leitet.

|398|

DD zwei nebeneinander mittelst der Röhre E in Verbindung gesezte Kessel: sie sind doppelt genommen, zur Vermehrung der Oberflächen; beide viereckig, oben gewölbt, mit rundem Halse, und gewölbter Haube. Aus jeder Haube geht seitwärts eine conisch gebildete Röhre gg, hervor; und beide öffnen sich in die Röhre EE, welche die Dämpfe in das Faß F, das zur Läuterung derselben dienet, führt, von wo aus sie durch die Röhre G, in den Rectificator, (der Erfinder nennt diesen Theil des Apparats, der Alkogen) H geführt werden, in welchen sie steigen, und rectificirt, durch die Röhre I zu dem Kühlapparat im Fasse V gelangen, und sich von hier aus, condensirt, in das Fäßchen S ergiessen.

LL Röhre, die das kalte Wasser in das Abkühlungsgefäß des Rectificators führt.

M Heberförmige Ableitungsröhre, welche die im luftdicht verschlossenen Fasse F abgeschiedenen wässerigten Theile zu der Pumpe N führt, von wo aus sie alsdann, vermittelst des Pumpenarmes O in die Röhre VVV, zu dem Kessel hin, hinauf getrieben werden.

P kleine Thüre, die zu nöthigen Reparaturen den Eingang in den Ofen gestattet.

Q Ofenthüre, fürs Brennmaterial.

R Thüre des Aschenbehälters.

h Röhre, welche das Wasser zum Dampfkessel aa führt.

d gläserne Röhre, die mit dem Dampfkessel aa in Verbindung steht, um den Wasserstand desselben anzuzeigen.

S Fäßchen, für die Produkte der Destillation.

T Rauchfang.

XX Wasserleitungsröhre für das Kühlfaß, und das Abkühlungsgefäß des Rectificators.

Y Wasserbehälter für den Verdichtungsapparat, der hier die Stelle der gewöhnlichen Schlange vertritt, und für die |399| beiden Brennapparate die hier zusammenstossen geräumig genug seyn muß. Er ist aus Quadersteinen aufgeführt.

aa große kupferne Pfanne, unter welcher gefeuert wird. Vermittelst dieser werden die Kessel durch Dämpfe erwärmt.

bb Gestalt des Mauerwerks. Der Ofen ist nach Servau's Principien, um die Wirkung des Feuers zu verstärken, gebauet. Die Flamme, gezwungen, sich unter der kupfernen Pfanne, in mehreren kreisförmigen Bewegungen fortzuwälzen, findet, wie sie fortschreitet, Hindernisse, gegen welche sie anstößt, und die dadurch, ihre Lebhaftigkeit vermehren. Die Wirkung ist dermaassen groß, daß, obgleich der Heerd für die Steinkohlen kaum 3 Decimetres intz gevierte hält, und die Steinkohle wenig Flamme giebt, die Flamme dennoch in einem ununterbrochenen 11 Metres langen Strich, nach Verzehrung alles Rauches den Rauchfang erreicht. Die Breite des Kanals in welchen sich die Flamme fortbewegt, ist ungefähr von 2 Dec. an seinem Ursprunge, und wird von dort an immer schmäler.

cccccc eiserne Stangen, auf welchen der Dampfkessel ruht.

fff Gewölbe aus Quadersteinen, um dem Drucke der Dämpfe zu widerstehn.

Z Fig. 1. Sicherheitsventil, welches man mehr oder weniger belastet, wie man mehr oder weniger Wärme nöthig hat.

Fig. 16. zeigt einen Durchschnitt des Kühlapparats. Der Condensator ist aus zwei verzinnten Kupferblechen gemacht, die dazwischen einen Raum von 2 Linien lassen, und die 6 Beugungen, jede unter einem Winkel von 45 Grad bekommen, wie man es an der Zeichnung sieht.

a Eingangsröhre für die Dämpfe.

k Röhre, die den fertigen Alkohol in daß Fäßchen S führt.

|400|

abc Raum, mit kaltem Wasser angefüllt, und vermittelst der Röhre XX voll gehalten.

Fig. 17. Durchschnitt des Gefässes worin der Rectificator (Alkogen) sich befindet. Der Rectificator ist gerade wie der Condensator verfertigt, nur daß er eine Beugung weniger hat, und daß er in einem hölzernen Faße steht. Die Dämpfe begeben sich darin, durch die Röhre b, verbreiten sich zwischen den beiden metallenen Wänden, und gehn von hier in den Condensator. Dieses Gefäß wird vermittelst des Regulators e immer voll Wasser erhalten.

Fig. 5. stellt diesen Regulator nach einem größeren Maaßstabe vor.

AAAA senkrechter Durchschnitt des Gefässes, worin der Rectificator.

B Besondere Abtheilung dieses Gefässes, die mit demselben, durch die conische Oeffnung CC, und nach Aussen hin, durch die Oeffnung Z in Verbindung ist.

DDD senkrechter Kanal, durch welchen das Wasser aus einem Behälter fließt, der etwas höher als der Rectificator steht, in den hohlen Raum B fließt.

EE Oberfläche des Wassers im Behälter.

F Seitenöffnung zum Abfluß des überflüssigen Wassers.

GH eine Art Aräometer, oben mit einer kleinen Schaale G zur Aufnahme von Gewichten eingerichtet, unten mit einem kleinen Ring.

MN horizontal liegende und in dieser Richtung verschiebbare Register. Es endiget sich nach Aussen hin mit einer kleinen Kugel N, nach innen zu mit einer Platte M, durch deren Mitte der obere Stiel IH des Aräometers geht.

OP feste Unterlage, auf welcher das Register MN sich bewegt.

ST kleine Stange, die in S befestigt ist, und oben in einen Ring ausgeht.

|401|

XY kleine Horizontalstange, mit einem Ende in Y befestigt, am andren mit einem kleinen Ringe X versehn.

QR kleine horizontale Stange, die mit ihrem kleinen Hacken in R eingreift, durch den Ring T geht, und an ihrem andren Ende eine kleine Kugel trägt.

UV senkrechtes Stängchen; das obere Ende desselben hängt in den Hacken R, das untere ist, an dem konischen Körper V befestigt, der die Stelle einer Klappe vertritt, und die Oeffnung ce vollkommen verschliessen kann. Dieser kleine Körper V, muß wenigstens so schwer seyn, daß er dem Andrang des kalten Wassers widerstehen kann, welches durch die Oeffnung cc in das Behältniß des Rectificators dringen will.

Das Aräometer muß so beschwert werden, daß, bei dem Grade der Temperatur die man verlangt, die Oeffnung cc, durch den conischen Körper V vollkommen verschlossen sey.

Sobald sich die Temperatur erhöht, so sinkt das Aräometer; und drückt auf den horizontalen Arm QR, der in T unterstüzt, als Hebel wirkt, das Ventil V hebt, und dem kalten Wasser den Zutritt gestattet.

Ist die Normaltemperatur wieder hergestellt, so erhebt sich das Aräometer wieder zu seinem vorigen Standpunkt, und beharrt in demselben, bis die erhöhete Temperatur des Wassers ein neues sinken veranlaßt.

Merkt man daß die Bewegung des Aräometers zu viel Wärme erfodert, so darf nur das Register NM etwas vorgeschoben werden: dadurch wird der Arm des Hebels verlängert, und die Empfindlichkeit des kleinen Instrumentes vermehrt.

14. Einige Bemerkungen über diesen Apparat.

Man wird sich einen Begriff der Vorzüge dieses Apparats und der neuen Destillirmethode überhaupt machen, wenn man, |402| dem Berichte der Commission der Akademie des Gard-Departements zufolge, erwägt, daß eine nach den Chaptal'schen, folglich nach den älteren Principien, sehr vortheilhaft eingerichtete Brennerei der Gebrüder Argand, von 6 Zentnern Wein, innerhalb 9 Stunden, 1/5 bis 1/3 des Gewichtes an Branntwein lieferte, und daß dagegen, der Solimani'sche Apparat in derselben Zeit, nämlich in 9 Stunden 105 Zentner Wein destillirt, und daß man aus diesem Weine 1/6 seines Gewichtes an Alkohol zu 33 Grad erhält. Hierzu werden 3 Centner Kohlen verbraucht.

Vielleicht wäre dieser Apparat dadurch vereinfacht worden, daß man durch höhere Stellung des Läuterungsgefässes F vermittelst der heberförmigen Röhre, ohne Hülfe der Pumpe das überflüssige Pflegma in die Destillirgefässe, von selbst hätte ablaufen lassen.

Man sieht daß Solimani beide Rectificationsmittel auf die Dämpfe, die sich vom Kessel erheben angewendet hat. Er führt wie Adam die Dämpfe durch ein flüssiges Mittel, aber diese Flüssigkeit, bildet sich aus den sich nach und nach verdichtenden Wasserdämpfen, und sein sinnreicher Rectificator (Alkogen) ist zur Erreichung des Zweckes ganz anders geeignet als die Adamschen eierförmigen Condensatoren.

Die eben so sinnreiche Einrichtung des Aerometers, um die Temperatur gleichförmig zu erhalten, war hier um so zweckmässiger angebracht, da man solchergestalt die Temperatur finden, und festhalten konnte, die sich zum Zwecke am besten paßte, und aus der Theorie nicht herzuleiten war.

Der 2 Linien breite Raum den die Dämpfe zwischen den Seitenblechen des Rectificators durchwandern, ist durch die Erfahrung streng bedingt: im kleinen Apparat war eine Schlange an der Stelle, und that gute Wirkung, im Großen aber leistete sie gar nichts. Zu viele Dämpfe waren, bei dieser Form, dem kühlenden Einfluß der Seitenwände entzogen. |403| Diese Bemerkung ist für diejenigen besonders belehrend, die nach den neuen Destillirgrundsäzen, Apparate einrichten wollen, und sie muß sie auf die täuschenden Wirkungen blosser arbeitender Modelle aufmerksam machen.

15. Thätigkeit der Franzosen, um neue Modificationen zu finden, die zu Erfindungspatenten einige Hoffnung geben konnten.

Die grossen Vortheile, welche diese neuen Apparate den Destillateuren verschaften, regten von allen Seiten den Erfindungsgeist.

Vom 6. Juni 1801 an, bis zum 20. September 1807, folglich innerhalb 7 Jahren, hatten die Adam'schen Fortschritte in der Destillirkunst 16 Concurrenten geweckt, die alle Erfindungspatente erhielten. Die Einrichtungen die sie wählten, und die ihr Eigenthum wurden, sind größtentheils nicht zur Kenntniß des Publikums gekommen, vielleicht deßhalb weil sie nicht so wesentliche Vortheile darbieten. Unter diesen kam der Isaac Berard'sche Apparat zu seiner Zeit viel zur Sprache, weil er deßhalb mit Adam in einen Prozeß gerieht, welcher aber für diesen lezten verloren gieng. Von dem Berard'schen Apparat hat man eine Zeichnung, die zur Belehrung über Constructionen ähnlicher Einrichtungen nüzlich seyn kann, und daher hier ihren Plaz verdient. Ein Erfindungs-Patent wurde ihm unter dem 16. August 1805 also 4 Jahr später als das Adam'sche, ausgefertigt.

16. Beschreibung des Isaac Berard'schen Apparats.

Fig. 11. Tab. XV. zeigt den Apparat in voller Thätigkeit.

A der Ofen nach Rumfordschen Principien.

B der Kessel.

|404|

C die Haube. Die punktirten Linien in derselben, so wie im Kessel, zeigen die Lage mehrerer Querbleche an, an welchen die Sicherheitsröhre Fig. 2., und mehrere kleine Röhren, die hier als Rectificatore wirken, angebracht sind.

DD Schnabel des Helms, der die Dämpfe zum Rectificator leitet.

E Seitenröhre, welche die Dämpfe in den unteren Theil des Rectificators führt.

F andre Seitenröhre, die von der Röhre des Helms ausgeht, und sich in dem höchsten Theil V des Rectificators öffnet.

H Hahn mit 3 Oeffnungen, der die Dämpfe nach Belieben, entweder in die Seitenröhren (E oder F) durchläßt, oder sie in der Röhre D weiter leitet, um sie nach H oder nach G zu führen, je nachdem die Stärke des Weingeists seyn soll.

I Hahn mit 3 Oeffnungen dem vorigen gleich.

LL Leitungsröhre für die Dämpfe die aus dem Rectificator kommen, und sich durch diese Röhre in die, in einem mit Wein angefüllten Fasse O befindliche Schlange, begeben.

MN Verbindungsröhre zwischen dieser Schlange und der im Kühlfasse.

O mit Wein angefülltes Faß, worin die erste Schlange, in welcher sich ein Theil der Dämpfe bereits condensirt; aus ihrem gewölbten Deckel erhebt sich eine Röhre, welche die Dämpfe nach Belieben in den einen oder den andern Theil des Apparats leitet. Man hat sie nicht abgezeichnet um die Verwirrung zu vermeiden.

P Faß voll Wasser, worin die zweite Schlange. Es ruht auf einem Mauerwerk, und trägt selbst das Gefäß worin der Rectificator sich befindet.

|405|

Q Fäßchen, zum Empfang des Alkohols.

R unteres Ende der Schlange.

S Ofen-Thüre.

T Thüre des Aschenbehälters.

UU Röhre welche das Pflegma von dem Rectificator in den Kessel leitet.

V Oberster Theil des Rectificators.

X andrer Theil des Rectificators, der nach dem Kessel zu geneigt ist, um das Ablaufen des Pflegmas zu erleichtern. Der mittlere Theil kann in dieser Stellung nicht gesehn werden.

Y Röhre, die vermittelst ihres Hahnes eine Verbindung zwischen dem mit Wein angefüllten Fasse O und dem Kessel herstellt, damit dieser sobald es nöthig ist, mit erwärmten Weine, gefüllt werden kann. Das Faß O wird vermittelst einer Pumpe gefüllt, die hier nicht gezeichnet worden ist, eben so wenig als der große Weinbehälter.

A' Röhre mit ihrem Hahne, um das Pflegma aus dem Helm in den oberen Theil des Kessels zu führen.

B' ähnliche Röhre, um das Pflegma in den unteren Theil des Kessels zu leiten.

C' Hahn mit drei Oeffnungen, der zu erkennen giebt ob der Kessel hinlänglich gefüllt ist.

D' Hahn um den Kessel zu leeren.

Fig. 12. stellt einen Durchschnitt der Querwand in dem Helm vor. Dieser Schnitt geht Mitten durch die Sicherheitsröhre, und die Röhre, welche die Dämpfe rectificirt. Er ist nach einem größeren Maaßstabe gezeichnet, als Fig. 11. damit man desto deutlicher beide Röhren sehn könne.

A Röhre die an der Querwand angelöthet, und an beiden Enden offen ist. Sie wird mit einer cylindrischen, oder verschlossenen Hülse BBB bedeckt; und so an die Querwand befestiget, daß sie, in allen ihren Theilen, von der Röhre A, um einen Centimetre entfernt ist.

|406|

DD Sicherheitsröhre: sie ist an der Querwand angelöthet, und ragt von beiden Seiten um gleich viel hervor. An ihrem oberen Ende sind zwei Reihen Löcher E angebracht, durch welche das Ueberflüssige ablaufen kann. Der untere Theil dieser Röhre ist wie in A, mit einer Hülse bedeckt, und eben so an der Querwand befestigt.

Fig. 13. zeigt den Condensator von oben gesehn. Hier, wie in Fig. 11. bezeichnen dieselben Buchstaben, dieselben Stücke. Man sieht hier, wie die 3 Cylinder zusammenhängen und wie sie durch zwölf Querwände, in dreizehn Fächer getheilt sind. Diese 3 Cylinder liegen nicht in einer und derselben Ebene: der Theil F liegt höher, als das Ende G des ersten Cylinders. Der Theil G des zweiten Cylinders liegt höher als der Theil H, und dieser Theil H, höher als der Theil E, um das Ablaufen der Pflegmas durch die Röhre U in den Kessel zu befördern.

17. Einige Bemerkungen über diesen Apparat.

Auch Berard hat in diesem Apparat beide Rectificationsmethoden angewendet. Die Querwände in der Blase selbst, und in dem Helm, lassen die aus dem Kessel sich erhebenden Dämpfe durch mehrere kleine Röhren durch; diese Dämpfe erfahren eine erste Rectification, in dem Pflegma, welches sich, bis zu einer gewissen Höhe auf den Querwänden sammelt: allein die hohe Temperatur, zu welcher sich sowohl die Querwände selbst als die condensirten Flüssigkeiten in diesem Theil des Apparats erheben, macht die daraus entspringende Vortheile sehr unbedeutend, und der Erfinder hat wahrscheinlich nur dazu seine Zuflucht genommen, um den Vorwurf zu vermeiden, daß er die patentirten Apparats nachgemacht habe.

Dagegen hat er die Zeit sehr geschickt zu benuzen gewußt, welche die Dämpfe in Röhren die mit warmen Wasser umgeben |407| sind, zubringen, um solchergestalt geistige Produkte von verschiedener Stärke zu erzielen. Je nachdem die Dämpfe durch eine oder durch mehrere Röhren seines Rectificators durchgehn, wird das Erzeugniß schwächer oder stärker. Der Zig-Zag des Solimani'schen Apparats liefert diese Bequemlichkeit nicht; dessen winkelförmige Beugungen werden aber hier durch die Querbleche der Zellen ersezt, und um die Dämpfe noch mehr darin aufzuhalten, sind die oberen Oeffnungen, die den Durchgang der Dämpfe von einer Zelle zur Andern gestatten, nicht einander gegenüber angebracht. Die wässerigte Flüssigkeit die sich in diesem Condensator niederschlägt wird durch kleine unten an den Querwänden angebrachte Oeffnungen, in die Blase zurückgeführt.

Durch alle drei, bisher beschriebene Apparate herrscht folglich dasselbe Rectificationsprincip; nur wußte Berard durch die größere oder geringere Dauer des Einflusses der niedrigeren Temperatur auf die, durch den Rectificator durchziehenden Dämpfe, Produkte von verschiedenem Alkoholgehalt zu erzielen. Alle drei lassen ihre Dämpfe sowohl durch, mit Wasser umgebene Gefässe, als auch mittelst ihres Durchzuges durch ein flüssiges Mittel von niedrigerer Temperatur, rectificiren: aber keiner von den dreien hatte Wasser von verschiedener Temperatur benuzt, um Alkohol von verschiedener Stärke zu bekommen. Auf dieser lezten Modifikation beruht das eigenthümliche eines Apparats, den Augustin Menard, ein Pharmaceutiker zu Lunel, im Herault-Departement, ersann, und ohne sich darauf patentiren zu lassen in einer kleinen Schrift bekannt machte.

18. Beschreibung des Apparats von Augustin Menard.

A Fig. 1. Tab. XVI. der Kessel.

B breite Röhre, die sich gegen c verjüngt, und mit ihrer Verlängerung ccc, deren Ende gebogen ist, in den Rectificator |408| D bis nahe an den Boden desselben, hinunter geht. Sie ist in D angelöthet.

E Seitenröhre die von C ausgeht, und bis gegen den Boden der ersten Zelle reicht sie ist bei F an den Rectifikator angelöthet.

G trichterförmige Röhre durch welche man Flüssigkeiten in die erste Zelle giessen kann.

H eben solche Röhre, an der lezten Zelle, zu demselben Zwecke.

Man gießt vermittelst dieser Röhren Branntwein oder Alkohol in diese Zellen, wenn man stärkere Produkte verlangt.

II Die beiden äussersten Zellen des Rectificators, die um das doppelte größer sind als die übrigen.

K Die sechs mittleren Zellen.

LL Röhren, welche die Dämpfe von einer Zelle in die andre leiten. Sie öffnen sich am obersten Theile einer jeden Querwand, und reichen bis gegen den Boden des Apparats.

MM Röhren, welche den Boden einer jeden Zelle mit der Röhre N in Verbindung sezen. Durch diese Röhre wird nach Oeffnung der Hähne, das Pflegma in den Kessel geführt.

NNN Röhre durch welche sich das Pflegma in den Kessel ergießt.

O Röhre die an den obersten Theil der lezten Zelle des Rectificators angelöthet ist. Sie führt die Dämpfe zum Kühlfasse hin.

PPPP Abkühlungsgefäß, in welchem der Rectificator liegt. Man hat hier die vordere Seite desselben weggelassen, damit man den darin liegenden Rectificator sehn konnte.

Q Kühlfaß, in welchem die Schlange.

R äusserstes Ende der Schlange, von welchem das Destillat in das Fäßchen fließt.

|409|

S Hahn mit drei Oeffnungen. Er läßt nach Belieben die Dämpfe entweder in die Röhre E, oder in die Verlängerung der Röhre C.

TU Rectificator.

VV Füsse des Rectificators. Man sieht bloß die beiden Vorderfüsse.

X Röhre um die Flüssigkeit in die Blase einzugiessen.

Y Ausleerungsröhre.

Z Hahn den man öffnet, wenn man den Kessel füllt, und der anzeigt, wenn er seine Ladung hat.

a Ofen.

b Ofenthüre.

c Thüre des Aschenbehälters.

19. Einige Bemerkungen über diesen Apparat.

Vermittelst dieses Apparats kann man das Destillat nach allen beliebigen Graden erhalten, von 18 Grad an bis 35 oder 36 Grad.

Will man ordinären Branntwein zu 18 Grad bis 19 Grad so öffnet man den Hahn S so, daß die Dämpfe durch die Röhre CCC unmittelbar in die lezte Zelle gelangen, aus welcher sie alsdann hinreichend rectificirt in das Kühlfaß kommen. Hier sammelt sich das Pflegma, und erhebt sich über die Oeffnung der Röhre C immer höher, wie die Destillation fortrückt; die Dämpfe, die mit der fortgesezten Destillation immer ärmer an Alkohol werden, bleiben solchergestalt länger der Wirkung der niedrigen Temperatur ausgesezt, und lassen daher auch mehr Wasser zurück.

Will man Branntwein zu 22 Grad, so verfährt man auf die nämliche Art, mit dem Unterschied, daß man gleich anfangs in die achte Zelle ungefähr 14 Maaß Branntwein von eben dieser Stärke, durch die Röhre H gießt.

|410|

Sollte der Geist genau zwischen 22 1/2 und 22 3/4 Grad stehen müssen, so sorgt man bloß daß das Wasser, worin der Rectificator liegt, etwas kälter gehalten werde, und folglich in größerer Menge vorhanden sey.

Von 22 3/4 Grad an bis 23 Grad muß schon die Röhre C geschlossen, und die Dämpfe durch die Röhre E geleitet werden. Nun ziehen sie durch alle Zellen durch, zum Kühlfasse hin. Zu diesem niedrigeren Grade muß das Wasser um den Rectificator wärmer und folglich nicht in so großer Menge vorhanden seyn.

Alle Mittelgrade zwischen 23 und 33 werden durch niedrigere Temperaturen des Wassers erzielt.

Verlangt man aber Alkohol zu 35 Grad so muß man in die erste Zelle gleich anfangs ungefähr 14 Maaß Branntwein zu 22 Grad giessen, und die Temperatur des Wassers dazu einrichten.

Wollte man Alkohol zu 38 Grad, so müßte man entweder in den Kessel Branntwein anstatt Wein giessen, oder wenn man den Kessel mit Wein füllt, ungefähr 14 Maaß Alkohol zu 33 Grad in die erste Zelle giessen, und die Temperatur des Wassers darnach reguliren.

Man sieht hieraus, wie sorgfältig der Erfinder dieses Apparats die Wirkungen der höheren oder niedrigeren Temperatur studiret hat, und daß hierin das Eigenthümliche seiner Vorkehrung liegt.

20. Die Beschreibung andrer nach denselben Principien zusammengesezten Apparate ist überflüssig.

Aus der Auswahl der Apparate, deren Beschreibung man sich hier angelegen seyn ließ, wird der Leser eingesehn haben, daß man dabei nicht willkührlich verfuhr; man hat mit nöthiger Klarheit das Princip aufgestellt, von welchem |411| die neue Destillirmethode ganz allein abhängt, und die Anwendungen desselben verfolgt.

Man findet noch in den Annalezdes Arts und andren Schriften ähnliche Apparate beschrieben, allein sie unterscheiden sich nur von den bereits beschriebenen, durch die Form, oder die Zusammenstellung der Gefässe durch welche die Dämpfe ziehn, und bieten keine neue Anwendung des Princips an. Ob man die Gefässe die zur Rectification dienen rund oder viereckig, etwas höher oder etwas flacher macht, ob der Apparat aus einem einzigen, in mehr oder weniger Zellen getheilten Gefässe besteht, oder ob die Gefässe, getrennt, neben einander gestellt werden, das alles trägt zur Erzielung des Hauptzweckes gar nichts bei: jede Brennerei wird sich, bei Einrichtung ihres Apparats hauptsächlich nach der Geschicklichkeit ihres Kupferschmieds richten, und von dieser die Form ihres Brennzeuges abhängen lassen müssen.

Die in vielen Zellen getheilten Apparate, sind nicht nur nicht leicht herzustellen, sondern auch, was wohl zu beachten ist nicht leicht zu reinigen, und zu repariren; getrennte Rectificatore, die leicht zusammengestellt, und leicht auseinander genommen werden können, werden immer am meisten zu empfehlen sey.

21. Apparat des Professors Marechaux.

So z.B., bin ich von der Königl. Baier. Regierung für einen Destillirapparat patentirt, der vielleicht unter die allereinfachsten gehört.

Ich habe indessen noch nichts darüber bekannt gemacht, weil ich keinen Schluß vom Kleinen aufs Große machen, und Niemand bis jezt, in meiner Umgebung, bei dem höchst niedrigen Stande der Branntweine, die Kosten der Mittelapparate, und einer Helmveränderung, daran wagen wollte. |412| Erst in diesen Winter wird mir ein günstigeres Lokal die Verfertigung eines größeren Apparats gestatten.

Meine jezige Blase hält nur 35 Maaß; es sind nur zwei Mittelgefässe, zwischen dem Kessel und dem Kühlfasse. Diese sind getrennt, und werden, wenn der Apparat vierzehn Tage oder 3 Wochen hindurch gearbeitet hat, auseinander genommen und gereinigt. Ein sehr einfacher Kitt, aus Mehl und Eiweiß hält allen Alkohol zurück, und dauert die ganze Zeit durch, ohne erneuert werden zu müssen.

Diese Blase ist also nur ein arbeitendes Model: ich brauche gar keinen Kühlapparat für die Rectificatoren; das Pflegma, welches sich in denselben sammelt, rectificirt zu meinem Zwecke hinreichend, denn 35 Maaß Branntwein zu 20 Grad geben mir mit einer einzigen Destillation 12 Maaß Alkohol zu 38 Grad Beaume, und ungefähr 6 Maaß zu 26 bis 28 Grad. Er leistet also alles was der lezt beschriebene, der Menard'sche leistet, wenn die Blase mit Branntwein angefüllt wird, und die Dämpfe durch alle seine acht Zellen durchziehn. 35 Maaß von einer alkoholhaltigen Flüssigkeit von 11 Grad, giebt mit einer einzigen Destillation, 6 Maaß Alkohol von 26 bis 27 Grad, und einige Maaß eines Branntweins von 18 bis 20 Grad. Es scheint also bloß, daß man der Blase zugleich den Durchmesser der Mittelgefässe vergrößere, damit die Ableitung der Wärme in dem Verhältnisse der zunehmenden Maasse der Dämpfe, vermehrt werde: und dieses dürfte alsdann eine neue Anwendung des hier obwaltenden Princips seyn, welche bei den obenbeschriebenen Vorkehrungen ausser Acht gelassen wurde.

22. Entfernung der atmosphärischen Luft beim Destilliren.

Die neue Form der Apparate, bringt den Umstand mit sich, daß der ganze innere leere Raum des Kessels Luftleer, |413| und bloß mit den Wasser- und Alkoholdämpfen gefüllt ist: es ist klar, daß alle atmosphärische Luft ebenfalls aus den mittleren, zur Rectification bestimmten Gefässen getriehen wird, sobald die Destillation vor sich geht, und daß die äußere Luft auf die eigentliche Bildung der Dämpfe gar keinen unmittelbaren Einfluß hat. Die äussere Luft wirkt also bloß nur noch, durch die unterste Oeffnung der Schlange, auf die lezte Zelle, oder auf das lezte Gefäß des Rectificators. Es ist nicht nur wahrscheinlich, sondern, man darf es sagen, gewiß, daß es ein nicht schwer zu ersinnendes Mittel geben wird, auch ohne Anwendung irgend eines künstlichen Mittels die Luft aus dem Zwischenraume, von dem lezten Mittelgefässe zum Fasse hin, worin die Produkte der Destillation sich sammlen, zu entfernen.

23. Besonderer Nuzen der Entfernung der Luft bei Destillationen.

Der Nuzen der Entfernung der Luft, bei Verdampfungsprozessen ist in neueren Zeiten allgemein anerkannt. Die sonst zur Verdampfung nöthige Wärme, wird dadurch um ein beträchtliches vermindert. Bei vielen Stoffen ist dieses sehr wichtig, weil eine höhere Temperatur die Qualität der Mischungsverhältnisse modificirt; bei der Erzeugung unserer Branntweine ist die Verminderung der Wärme deßhalb wichtig, weil die dicken, schleimigen, zur Destillation gebrachten Stoffe, nicht sobald zu der Temperatur gelangen, die den empyreumatischen Geschmack hervor bringt, und überdieses eine große Holzersparniß dabei erzielt werden kann. Im luftleeren Raume geht die Destillation schon bei 80 Grad Fahrenheit, oder 20°, 5 Reaumur vor sich.

Dieses neue Princip ist indeß noch zu wenig auf die Destillation der Branntweine, angewendet worden, als daß man mit Bestimmtheit angeben könnte, ob sich auch wirklich hier der beabsichtigte Nuzen daraus ergeben wird. Die sich |414| entwickelnden Dämpfe werden immer auf die Oberfläche der zu verdampfenden Flüssigkeit einen Druck ausüben; bei Anwendung von Rectificatoren, wird dieser Druck in jedem Falle durch den Widerstand gemessen werden können, den die Säule der Flüssigkeit durch welche sie sich weiter fortwälzen, ihnen entgegensezen wird. Gesezt sie ziehen durch zehn Zellen durch, und jede Zelle stellt ihnen den Widerstand einer dreizölligen Säule entgegen, so hätten sie freilich nur den Druck von einer dreißigzölligen Säule zu überwinden, was allerdings weit geringer ist als wenn sie das Gewicht von einer 32 füssigen Wassersäule zu tragen hätten; allein es können noch hier Modifikationen erfolgen, die sich nicht so gerade zu aus der Theorie herleiten lassen, und wozu die Erfahrung erst das Nähere an die Hand geben muß.

24. Lenormandischer Apparat in Paris.

Wir erfahren, daß in Paris ein patentirter Apparat existirt, der Lenormandischer, der von dem Augenblicke an, wo die Destillation vor sich geht, in allen Theilen des Apparats, eine Luftleere herstellt, die so groß ist, als sie nur in jenen seyn kann, bei welchen man eine Luftpumpe anwendet.

Wir lesen nämlich, im Bulletin de la Societe d'encouragement, für das Jahr 1817 folgendes.

„Wir sahen beim Herrn Lenormand, Verfasser des Werkes über die Destillirkunst, einen Destillirapparat, der uns sehr sinnreich, und die Vortheile der Schottischen Apparate, ohne die Fehler derselben zu besizen schien. Der Erfinder hat die Gefälligkeit gehabt, uns alle Theile desselben zu zeigen, da er sich aber, durch ein Erfindungs-Patent dessen Eigenthum vorbehalten hat, so können wir denselben bloß nur sehr im allgemeinen bekannt machen.“

„Der Apparat, der aus drei Theilen, dem Kessel, dem Rectificator, und dem Kühlapparate, besteht, ist einfach |415| und elegant. Der Kessel hält 5 Fuß im Durchmesser, und faßt acht Hectoliter Maische, (ungefähr 12 3/4 Eimer Baierisches Maas.) Die Oberfläche der Flüssigkeit, beträgt 25 Quadratfuß. Obgleich keine mechanische Vorkehrung angebracht ist, um die Maische umzurühren, so kommt sie doch in Bewegung, sobald die Flüssigkeit sich erwärmt, so daß die festen und schleimichten Stoffe, nie anbrennen können, und die Dämpfe keinen empyreumatischen Geschmack bekommen.“

„Sobald die Destillation anfängt, so wird die atmosphärische Luft aus dem Apparat getrieben, und kann nicht wieder hineindringen. Herr Lenormand wendet indeß keine Luftpumpe an, wie dieses bei einem englischen patentirten Apparat der Fall ist; er destillirt in dem luftleeren Raume eben so gut, als Herr Tritton, der Erfinder jenes Apparats es nur immer thun kann, aber ohne alle Mühe, ohne alle Schwierigkeit. Ehe die Destillation vollendet ist, braucht er keinen Hahn anzurühren, und dann nur bloß diejenigen, die zur Ausleerung der Gefässe dienen. Er hat alles vorhergesehn, und so lange die Destillation vor sich geht, kann kein Unglück geschehn.“

„Herr Lenormand kann seinem Alkohol die Stärke geben, die er verlangt, und dieser Grad erhält sich, so lange die Destillation dauert. Anfänglich fließt aus dem Kühlapparat ein starker Strahl, der indessen immer schwächer wird, bis er sich in Tropfen auflöset. Ihm bleibt kein Pflegma zur wiederhohlten Destillation übrig. Das zurückgebliebene zeigte Null am Aräometer; der erzeugte Branntwein war 39 Grad stark. Dieser Apparat ist in Paris in voller Thätigkeit.“

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25. Einige Bemerkungen bei Gelegenheit dieses Apparats.

Diese räthselhafte Beschreibung, diese so wichtigen Resultate, spornen zum Nachdenken. Weilen wir daher etwas bei dieser merkwürdigen Erfindung.

Die obige Notiz spricht nur von drei Theilen; von dem Kessel, von dem Rectificator, und vom Kühlapparate.

Erwägen wir zuerst, was uns vom Kessel selbst gesagt wird. Er enthält nämlich acht Hectolitres, und seine Grundfläche 25 Pariser Quadratfuß, oder 3600 Pariser Quadratzolle: da nun ein Hectoliter 5041, 5 Pariser Cubiczolle hält, so betragen acht Hectoliters 40332 Par. Cubiczolle, und hieraus läßt sich die Höhe der Flüssigkeit im Kessel finden: Nennt man diese Höhe x, so ist 3600 x = 40332 und x = 40332/3600 = 12,5 Pariser Zoll.

Ein Baier'scher Eimer zu 60 Maaß, enthält 3001,4 Pariser Cubiczolle, folglich faßt dieser Kessel ungefähr 12 3/4 Eimer.

Es läßt sich aus jener Notiz nicht auf die Beschaffenheit des Rectificators schliessen, der zu diesem Apparat gewählt worden ist. Es giebt nur zwei Arten: entweder ziehen die Dämpfe durch eine Flüssigkeit, oder durch Röhren die in erwärmtem Wasser bei einer bestimmten Temperatur erhalten werden. Es ist wahrscheinlich, daß die erste Art gewählt worden ist, und zwar nach der Menard'schen Angabe, weil Branntwein und Alkohol nach beliebiger Stärke erfolgen.

Eben so wenig kann man, aus obiger Angabe einen Schluß auf die Beschaffenheit des angewendeten Refrigerators machen. Aus Lenormand's Vorliebe für den schwedischen kegelförmigen Apparat, könnte man vielleicht schliessen, daß er diesen gewählt hat, und um so mehr da er zur Abkühlung mehr Fläche als die Schlange darbietet, und weniger Raum einnimmt.

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Da Lenormand aber in einem Luftleeren Raum destillirt, so müssen nothwendig dieser Refrigerator und das Gefäß, worin der Alkohol gesammelt wird, in Luftdichter Verbindung mit einander stehn, und da ich vor zwei Jahren, mit meinem kleinen Apparat über eben diesen Gegenstand Versuche anstellte, will ich hier diejenige Vorkehrung mittheilen, die mir zum Zweck zu führen schien, und die ich damals nicht fortsezen konnte, weil mein zu schwacher Apparat dem Druck der Dämpfe nicht widerstehn konnte, und schon mit Gefahr gedroht hatte. Wahrscheinlich verfährt Lenormand auf eine ähnliche Art.

Die Schlange und die Vorlage, so wie alle übrigen Theile des Apparats waren Luftdicht verschlossen. Aus der Vorlage gieng eine gebogene Röhre heraus, die in ein etwas tiefes, mit Wasser gefülltes Gefäß, beinahe bis auf den Grund desselben reichte; da die Röhre nicht mit einem Hahn versehen war, mußte das mit Wasser gefüllte Gefäß, so weit seyn, daß man mit der Hand hinein reichen, und die Röhre mit einem Stöpsel verschliessen konnte. So bald der Siedepunkt des in der Blase enthaltenen Branntweins eintrat, drangen mir Gewalt die Dämpfe durch den ganzen Apparat, und trieben durch die kleine ins Wasser gesenkte Röhre die darin enthaltene Luft, mit Ungestümm, heraus: sobald man glaubte, daß die Luft hinreichend verdünnt war, wurde Wasser ins Kühlfaß gegossen, und die Oeffuung der kleinen Röhre unter Wasser mit dem Stöpsel verstopft, und die Destillation gieng nun gut und ruhig vor sich. Die Dämpfe erhoben sich sehr schnell, beim geringen Zuwachs des Feuers, und nachdem ich einige Tage so gearbeitet, und mich von der Möglichkeit dieser Vorkehrung überzeugt hatte, mußte ich aus oben angeführten Gründen, von dieser Verfahrungsart abstehn.

Zu dieser kleinen Blast ist ein so dünnes Kupferblech genommen worden, daß es, bei der fast gänzlichen Luftleere, |418| die dann herrscht, den Druck der äusseren Luft nicht aushalten konnte, wenn das Kupferblech etwas stark erwärmt, und die Destillation geendigt war. Ich hätte mir die Sache gar nicht als möglich gedacht, aber den Kessel fand ich einst ganz zusammendrückt, und die eine Seitenwand tief hinein gebogen und eben dieser Umstand ereignete sich zum Zweitenmale, als man nach geendigter Destillation versäumt hatte, die Luft wieder hineinzulassen.

Mein jeziges Local erlaubt mir noch nicht einen andren größeren Apparat verfertigen zu lassen. Diesen Winter aber, denke ich jene Versuche zu wiederhohlen, und die Einrichtung so zu treffen, daß sie auf große Apparate anzuwenden sey.

Aus der merkwürdigen Lenormand'schen Angabe, daß die festen Stoffe in seinem Apparate, ohne künstliches Umrühren, sogleich mit der ersten Wärmemittheilung in Bewegung gerathen, ein Umstand der für unsere Branntweinbrenner äusserst wichtig ist, scheint zu folgen, daß diese leichte Beweglichkeit der schwereren Stoffe, von dem sehr geringen Drucke herrührt, den die Flüssigkeit im Kessel erfährt, und daß der angeführte Umfang der Blase, bei der oben angegebenen Höhe der Maische, diese günstigsten Resultate herbeiführt.

26. Beschreibung des Tritton'schen Apparats.

Indessen wir etwas näheres über die Einrichtungen des Lenormand'schen Apparats erfahren, und die Fortsezung meiner Versuche uns etwas bestimmtes und belehrendes verschaft, theile ich hier (aus dem Bulletin de la Soc. d'encouragement, 17. Jahrg. Seite 221) die kurze Beschreibung eines Apparats mit, aus welchem die Luft vermittelst einer Luftpumpe ausgepumpt wird, und für welchen der Erfinder, Herr Tritton, den 15. Juli 1817 pöttentirt worden ist.

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Schon vor einigen 20 Jahren, hatte der General Mennier zu Cherbourg Apparate einrichten lassen, vermittelst welcher die Destillation im Luftleeren Raume vor sich gehn sollte, allein es sind keine Zeichnungen davon ins Publikum gekommen. Lebon, Montgolfier und später Smithson Tennant haben sich mit demselben Gegenstande beschäftiget. Das Bulletin der Société d'encouragement, Nro. 135, 14. Jahrgang, Seite 224, spricht von dieser lezten Erfindung; da ich aber diesen Jahrgang, nicht in Händen habe, begnüge ist mich bloß mit der Anzeige, daß auch hier die Luft durch die Dämpfe selbst vertrieben wurde.

Herr Tritton destillirt im Wasserbade. Seinen Apparat siehet man Fig. 2. Tab. XVI.

A ist die Blase.

B der Condensator.

C der Refrigerator, oder der Kühlapparat mit seiner Luftpumpe D und eine mit einem Hahne versehenen Röhre E

F Kessel, in welchem die Blase sich befindet, er ruhet auf dem Ofen G.

H Röhre, vermittelst welcherer ausgeleert wird.

I Röhre, die Blase zu leeren.

K Oeffnung, die mit einer Schraube verschlossen ist. Man füllt durch diese die Blase.

L der Hals der Blase.

M Gefäß für den Condensator.

N die Röhre, zum Ausleeren desselben.

O Verbindungsröhre zwischen dem Condensator und dem Refrigerator.

P Hahn an dieser Röhre.

Q Röhre, den Refrigerator abzulassen.

R Spund, und Oeffnung, um das innere desselben zu reinigen.

S Gefäß worin dieser Refrigerator steht.

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T Hahn an diesem Gefässe.

VVV Unterlage der Apparate in ihren respectiven Gefässen.

Man kann zu jeder Zeit, ohne die Destillation aufzuhalten, die Produkte der Destillation untersuchen. Man schließt zuerst den Hahn P, um die Verbindung mit dem Condensator zu hemmen: alsdann öffnet man den Hahn Q, um die Flüssigkeit abzulassen, und den Hahn E, um Luft einzulassen. Dieser lezte Hahn muß immer unter Wasser seyn.

Der Erfinder zeigt an, daß dieser Apparat zahlreiche, und wichtige Vortheile darbietet. Da die äußere Luft auf die Oberfläche der Flüssigkeit nicht wirkt, so erfordert die Destillation eine sehr mässige Hize, und das Kühlfaß nur wenig Wasser. Dieser Apparat ist in London, und die Commissarien, die ihn untersucht haben, sprechen von demselben sehr günstig.

27. Umstände, unter welchen die neuen Apparate einen wesentlichen Nuzen verschaften.

Die Apparate, welche zugleich destilliren und rectificiren, hatten für Frankreich, zur Zeit als sie erfunden wurden, einen wesentlichen Nuzen. Den Fabrikanten der französischen Branntweine war die See zum Absaze ihrer Erzeugnisse verschlossen; die Landfrachten vertheuerten die Waare, und verminderten den Debit. Die Branntweine mußten daher, zur Erleichterung der Transportkosten, in Alkohol umgewandelt werden, und das nöthige Wasser, um sie in trinkbare Getränke zu verwandeln, wurde alsdann an Ort und Stelle zugegossen. Bei solcher Bewandtniß der Dinge, wurde das Bedürfniß, die Operationen zu vereinfachen, und die wiederholten Destillationen zu vermeiden sehr lebhaft empfunden, und diese Noth wurde hier die fruchtbare Mutter neuer Erfindungen.

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28. Bleibender Nuzen der neuen Erfindungen, nach veränderten Umständen.

So lange der Krieg dauerte, und die See gesperrt blieb, konnten daher die französischen Branntweine auf dem Continent, bei mässigeren Preisen gehalten werden. Indeß bei der großen Vervielfältigung der neuen Apparate, und der Concurrenz, die dadurch unter den Fabrikanten eintrat, gieng für diese der Vortheil der neuen Erfindung sehr bald verloren, und der Nuzen derselben blieb allein für die Consumenten, die nunmehr ihre Branntweine etwas wohlfeiler einkaufen konnten. Dle Preise sezten sich bald mit dem geringeren Aufwande an Zeit und Kosten in Verhältniß, so daß diejenigen Fabrikanten, die in Frankreich den älteren Methoden treu bleiben wollten, nicht mehr Preis halten konnten.

29. Einfluß der gesunkenen Preise der französischen Branntweine auf die Preise der übrigen Sorten.

Da indeß die französischen Branntweine, abgesehen von allen übrigen Umständen, welche die Preise herabsezen, schon durch die Fabrikationsmethode allein wohlfeiler geworden sind, so ist dadurch das Verhältniß der Preise der verschiedenen Gattungen von geistigen Getränken gegen einander verrückt worden. Dieses Verhältniß ist nicht willkührlich; ausser den andren Umständen, die es bedingen, hängt es hauptsächlich mit von der Qualität der Produkte ab. Der Consument, der bei einem größeren Unterschiede im Preise, sich für die minder gute Waare entschließt, zieht die bessere vor, sobald die Differenz im Preise nur gering ausfällt: dadurch wird der Absaz der schlechteren vermindert. Man kauft nicht mehr nachgemachte französische Branntweine, wenn man sich die ächten um dasselbe Geld verschaffen kann, und in eben diesem |422| Verhältnisse wird der Absaz des vaterländischen rohen Materials, welches auf die Fabrikation derselben verwendet wurde, vermindert. Denselben Ausfall erfahren jezt die vaterländischen Alkohole, die vollkommen gereiniget, zu vielen Zwecken verwendet wurden, zu welchen die französischen nicht bessere Dienste leisten, die aber zurückgesezt werden, weil die vollkommen gereinigten nicht zu dem Preise gegeben werden können, um welchen man die gemeine Waare einkäuft, und der Abstand der Preise nicht mehr so groß ist als sonst.

30. Eine Reform ist in den deutschen Branntweinbrennereien nothwendig.

Wenn wir daher zur Erzeugung unserer Branntweine die älteren Fabrikationsmethoden beibehalten wollten, so müßten wir auf die Verfeinerung derselben verzichten, weil diese mit Kosten verbunden ist, welche die Preise der veredelten Waare erhöhen, und bei niedrigen Preisen der ausländischen guten Branntweine, den Absaz derselben erschweren, oder unmöglich machen könnten: Es wird in dieser Hinsicht schon vieles gewonnen werden, wenn der zweite Fabrikant, der die Verfeinerung des rohen Guts besorgt, dem ersten, die Kosten der zweiten Destillation, oder der sogenannten Weinung, nicht mehr zu zahlen hat: diese Verminderung wird dadurch erzielt, daß man das Princip der neuen Destillirapparate, auf Apparate anzuwenden sucht, die für unsere gemeine Brennereien geeignet sind.

Man sage nicht, daß diese schlechte Waare den Kostenaufwand nicht verdient, den die Umschaffung der bestehenden Apparate nach sich zieht, und daß dieses Getränk, seiner Natur nach, nur für die niedrigen Klassen brauchbar, nie für die höheren wird genießbar gemacht werden können. Selbst die niedrigeren wollen unsere Branntweine nicht mehr in ihrem rohen Zustande. Die Zeit ist vorüber, wo der gemeine Mann |423| an dem Fusel einen Wohlgefallen fand, und den ungereinigten Korn dem veredelten Branntwein vorzog. Viele Landbrennereien, um sich ihren unmittelbaren Absaz in den Landschenken, und in den gemeinen Bier- und Branntweinschenken unserer Städte zu erhalten, aromatisiren selbst ihre rohen Produkte. Sie mischen den Lutter unmittelbar mit den aromatisirenden Stoffen, und weinen ihn; wodurch sie ihn freilich wohlfeiler geben können, als der städtische Fabrikant, der den rohen Branntwein von ihnen abkaufen, und von Neuem bearbeiten muß: um dieses Getränk einigermaassen genießbar zu machen, sind aber sehr starke Arome nöthig – Wachholder, Anis, Kümmel – diese Arome indeß, so durchdringend sie auch sind, können doch nicht das hervorstechende Fuseloel überwinden; beide Arome modificiren sich einander, bilden ein unreines Produkt, und das minderflüchtige, der Fusel, bleibt immer am Ende auf der Zunge zurück: wie sich der Geschmack im Volke immer mehr und mehr verfeinern wird, werden auch diese schlechten Erzeugnisse, so wie früher der rohe Kornbranntwein, nach und nach aus den gemeinen Schenken verbannt, und reiner schmeckende Branntweine gefordert werden; alsdann kehrt aber die Fabrikation derselben wieder von den Landbrennereien zur städtischen Industrie zurück; denn die Reinigung unserer Branntweine erfordert Sorgfalt, und besondere Kunstgriffe.


Indeß sind diese stark aromatisirenden Stoffe nicht geeignet, den Geschmack der gebildeten Klassen zu befriedigen; diese lezten erhohlen sich an Obstbranntweinen verschiedener Art, und an den guten ausländischen geistigen Getränken, wodurch der Verbrauch dieser lezteren ausserordentlich groß ist, und der Abgang unserer inländischen Fabrikate sehr vermindert wird: daher bleibt noch immer die Auflösung folgender Aufgabe für die vaterländische Industrie höchst wichtig; |424| Den vaterländischen Branntwein so zu behandeln, und zu veredeln, daß er sich, wie die ausländischen, durch einen feinen, angenehmen Geschmack auszeichne, und zu allen Zwecken gebraucht werden könne, zu welchen jene dienen.

Um diese Aufgabe zu lösen, muß man zuerst unserem Korn- oder Erdäpfel-Branntwein, das Getreide-Oel, (den Fusel) nehmen, der ihn begleitet; denn dieses Oel ist die Ursache seines widrigen Geschmacks; und diese Reinigung muß so sorgfältig vorgenommen werden, daß kein Atom zurückbleibe. Jedes feinere Arom wird von demselben sogleich verunreinigt.

Ist diese erste Umarbeitung vor sich gegangen, dann kann man darauf bedacht seyn, ihn in ein lieblichschmeckendes Getränk zu verwandeln.

Der Geist der Spekulation hat bisher den Erfindungsgeist auf einen Weg geleitet, den höhere Industrie nicht hätte betreten sollen. Man hat sich bemüht, die beliebten ausländischen geistigen Getränke nachzumachen. So lange diese sehr hoch im Preise standen, wurde damit viel gewonnen. Der Fabrikant lieferte seine Waare sehr wohlfeil, denn sie kostete ihm wenig, und der Kaufmann, der das Unächte für das Aechte ausgab, gewann von derselben hohe Procente. Der Cousument allein war der Betrogene; denn alle diese Nachahmungen stehn so tief unter den Originalen, daß man die lezten nicht kennen muß, wenn man sich wirklich durch die ersten täuschen läßt. Jezt, da die ausländischen Branntweine von dem Handelsstande sehr wohlfeil eingekauft werden, hat diese Spekulation viel von ihrer Einträglichkeit verloren; indeß verführt noch immer der kleine Vortheil mehrere Krämer, mit solchen Nachahmungen auf Kosten der Consumenten, Unfug zu treiben. So werden fortdauernd, besonders |425| im Norden, aus gemeinen Branntweinen sogenannte Franzbranntweine fabricirt, und vor kurzem noch wurden inländische Arakfabriken angekündigt, und Vorschriften dieses Getränk zu verfertigen, feilgebothen.

Mir scheint indeß dieser Weg nicht geeignet zu seyn unsere inländischen Branntweine in Aufnahme zu bringen. Man vermindert freilich auf diese Weise die Einfuhr des ausländischen Guts, und das ist Etwas; es befriediget wenigstens diejenigen wird mir entgegnet, die das Bessere nicht kennen, auch das mag für Etwas gelten, aber man giebt dadurch unseren vaterländischen Erzeugnissen keinen eigenen Werth. Sollen sie einen eigenen Werth haben, so muß man sie so modificiren, daß aus ihnen etwas eigenthümliches werde, und daß man sie, dieser Eigenthümlichkeit wegen, suche.

31. Der Monaco.

Von dieser Ansicht bin ich ausgegangen, um eine Veredlung unserer vaterländischen Branntweine zu versuchen, und so ist ein neuer Branntwein entstanden, der unter dem Namen Monaco, (München, wo er erfunden worden ist,) im deutschen Vaterlande Bürgerrecht und freundliche Aufnahme zu erlangen sucht; der Bericht, den eine polytechnische Commission, ernannt um ihn zu prüfen, über denselben abgefaßt hat, ist im Kunst- und Gewerbs-Blatt des polytechnischen Vereines für Baiern (Jahrgang 1820 No. 34) abgedruckt worden.149) Ich darf hier als Erfinder, zu seiner Empfehlung nichts zusezen, werde aber nach und nach dafür sorgen, daß er auf dem Wege des Handels in Deutschlands Städten Eingang finde.

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32. Vorläufige Betrachtungen über die Qualität der Stoffe, die in unsern Rohbrennereien erzeugt werden.

Unsere Roh- oder Raubrennereien liefern uns also nur die Stoffe, aus welchen Branntweine verfertigt werden sollen, – ein erstes Erzeugniß, welches der Veredlung bedarf, |427| um Handelsgut zu werden. So wie der französische Destillateur aus den bereits verfertigten Weinen das geistige Wesen absondert, welches sie enthalten, eben so sondert aus den ersten rohen Produkten unserer Brennereien der deutsche Destillateur den darin enthaltenen geistigen Stoff ab, um ihn von allen fremden Stoffen zu trennen, die ihn begleiten. Da der deutsche Destillateur in dieser Hinsicht auf derselben Stufe mit dem französischen steht, so kann er zur Behandlung der Branntweine, die er von ihren Nebensioffen reiniget, sich unbedingt der neuen französischen Apparate bedienen, und diejenigen, die dort vorzügliche Dienste leisten, werden für ihn gleich brauchbar seyn.


Da aber der erste rohe Stoff nicht, wie die französischen Weine, durch bloße Gährung und Abklärung der gegohrenen Masse entsteht, und er bloß des geistigen Prinzips wegen erzeugt wird, – das einzige darin als Handelsgut enthaltene brauchbare Wesen, – so sieht sich der Brenner genöthigt, diesen Stoff davon abzusondern, und je leichter und schneller diese Absonderung bewirkt werden kann, desto größer wird der Nuzen; oder wenn es um Absaz der rohen Waare zu thun ist, desto wohlfeiler kann sie gegeben werden.

Nun sind aber die französischen Apparate ersonnen worden, um vermittelst einer einzigen Operation, aus einer gegebenen, der Gährung bereits schon unterworfenen Masse, die größtmöglichste Menge Geist von den darin enthaltenen wäßrigen und schleimigen Theilen zu trennen, und da unsere Rohbrennereien eben diese Absicht haben, so würden sie offenbar ihren Vortheil verkennen, wenn sie nicht auf dasselbe Ziel hinarbeiten wollten. Die nach den neuen Prinzipien eingerichteten Brennereien würden, zur Beförderung ihres Absazes, Preise machen und eine Concurrenz bilden, die für die übrigen sehr nachtheilig ausfallen müßte.

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Es ist ferner hier zu bemerken, daß wenn die deutsche Industrie sich einmal mit Ernst mit der Veredlung unserer rohen Branntweine beschäftigt, die Arbeit der Veredler dieser rohen Produkte um vieles erleichtert seyn wird, wenn ihnen starke Branntweine geliefert werden; je stärker sie gleich anfangs erzeugt werden, desto weniger schleimige Stoffe führen sie mit sich, und da die Kosten ihrer Erzeugung nicht größer sind, als zu den gemeinen Branntweinen, und der Apparat, nach Belieben, die Stärke derselben bestimmt, so gewinnt offenbar der höhere Zweig dieser schäzbaren Industrie, durch die Einführung der neuen Apparate in unsere Rohbrennereien.

Nicht minder wichtig ist für den Brenner selbst die Ersparung des bedeutenden Kapitals, das er auf Fäßer verwenden muß, wenn er bloß gemeine Branntweine erzeugt. Sind seine Apparate so eingerichtet, daß er nach Belieben Alkohol und Branntwein verfertigen kann, so hängt es von ihm ab, feine Destillation nach seinem Verschleiße einzurichten, und alles, was längere Zeit auf dem Lager bleiben muß, als Weingeist zu verarbeiten, wodurch mehr als die Hälfte der Fässer erspart wird.

33. Die Qualität unserer rohen Stoffe muß, bei Anwendung des neuen Prinzips auf die Destillation derselben, besonders beachtet werden.

Aus dem bisherigen folgt schon, daß unsere Rohbrennereien, mit den Anstalten, die bloß Weine destilliren, nicht verglichen werden können. Die Stoffe, die in beiden der Destillation ausgesezt werden, unterscheiden sich wesentlich von einander.

In den französischen Anstalten ist das zu destillirende Gut flüßig, es enthält keine schwere Theile, die zu Boden fallen, sehr wenig Schleimstoff: grade das Gegentheil findet |429| bei uns statt; eine große Menge unaufgelößter Stoffe, die sich auf den Boden der Blase sezen, viele in der Flüßigkeit aufgelößte Schleimtheile, die sehr leicht anbrennen, erschweren hier die Arbeit.

Diese Umstände müßen erwogen werden, und es erfolgt aus den Betrachtungen, zu welchen sie veranlassen,

1) daß keine Einrichtung für uns taugt, bei welcher das Anbrennen der schweren und schleimigen Theile zu besorgen ist, oder nicht verhütet werden kann;

2. daß wir keine Apparate wählen dürfen, deren Theile nicht leicht auseinander zu nehmen und zu reinigen sind;

3. daß verschiedene zur Erleichterung der Manipulationen, und zur Ersparung des Holzes angebrachte Vorkehrungen, nicht leicht bei uns anzuwenden seyn werden.

34. Erster Umstand: Verhütung des Anbrennens.

In großen Brennereien muß der ungeheure Helm wenigstens einmal abgenommen, und die Maische umgerührt werden. Alle Brennereien, welche dieser Methode treu bleiben wollen, müßen auf die neue Einrichtungen verzichten. Es würde zu umständlich seyn, Helm, Rectificatore und Schlange während der Destillation auseinander zu nehmen, und dann wieder in einander zu fügen, und zuweilen diese Operation in 24 Stunden Zeit öfters vorzunehmen.

Wer sich daher zu der neuen Destillir-Methode entschließen will, muß eine von den vier folgenden Einrichtungen wählen.

1. Er muß eine mit Flügeln versehene Stange durch den Helm in den Kessel einlassen, die der Brennknecht von Zeit zu Zeit, um das Anbrennen des Sazes zu verhüten, in Bewegung sezt: allein wie leicht verfehlt der Knecht den wahren Zeitpunkt, und rührt die Maische um, wenn das |430| Uebel bereits geschehn ist. In einer zwekmäßig angeordneten Brennerei muß dieses Mittel verworfen werden. Da indeß Rectificatore mit einem so eingerichteten Kessel, die ganze Brennzeit hindurch, in Verbindung bleiben können, so ließe sich allenfalls eine solche Brennerei nach den neuen Grundsäzen einrichten und benüzen.

2. Oder er stellt den Brennkessel in ein Dampfbad. Eine solche Einrichtung zu großen Brennereien ist in der Solimannischen Brennerei meisterhaft durchgeführt. – Es ist indeß zu bemerken, daß die erste Anlage kostspielig ist, daß sie eine starke Feuerung erfordert, daß man nicht, wie an der Solimannischen, den Vortheil hat, die Maische so erwärmen zu können, daß ein geringerer Zuwachs von Hize die Flüssigkeit zur Destillation befördert, und daß die Destillation in unseren Rohbrennereien, nicht wie in jenen französischen Tag und Nacht ununterbrochen fortgeführt werden kann. Mit jeder neuen Ladung des Kessels fängt die Operation immer wieder von Neuem an. Es scheint daher nicht, daß es unsern Rohbrennern zu rathen sey, ihre Kessel im Dampfbade zu erwärmen.

3. Die Lenormandische Methode, im luftverdünnten Raume zu destilliren, ist noch zu unbekannt und folglich zu unsicher, um Einrichtungen dieser Art zu provociren. Noch müßen Versuche vorangehn. Es ist indeß wahrscheinlich, daß, wenn der Druck der Luft nicht mehr auf die Oberfläche der Flüssigkeit wirken kann, die darin enthaltenen Stoffe sich leichter bewegen werden, und die Destillation bei einem Wärmegrad vor sich gehn wird, bei welchem das Anbrennen nicht zu besorgen ist. Ich wiederhole es: es ist sehr wichtig für unsere Brennereien, daß die Wahrheit dieser Muthmaassungen durch entscheidende Versuche geprüft werde: denn der Zweck würde ohne Complication der Apparate, und mit großer Holzersparniß erreicht werden.

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4. Bis dahin verdient das vierte Mittel, das Anbrennen zu verhüten, um so mehr erwogen zu werden, da der Erfolg bereits die Erfahrung für sich hat. Es besteht darin, die Dämpfe des siedenden Wassers, durch Röhren, in die Maische selbst zu führen, um diese solchergestalt zu erwärmen.

Vor ungefähr acht oder zehn Jahren legte ein französischer Fabrikant, Herr Reboul zu Pèzènas eine Brennerei aus Trebern, nach diesem lezten Systeme an. Die Destillation gieng sehr gut von statten. Mitten in seiner Brennerei steht eine große, mit Wasser angefüllte Blase: um diese herum sind große, mit eisernen Reifen versehene, hermetisch geschlossene, mit Weintrebern angefüllte, Kufen geordnet, welche aus jener Blase, den Dampf, der sie erhizt, empfangen. Jede Kufe hat ihr Kühlfaß mit seiner Schlange.

Schon im Jahre 1816 machte ich im Kunst- und Gewerbsblatte des polytechnischen Vereins für Baiern, (Jahrgang 1816 Nro. 24. Seite 390) unsere Branntweinbrenner auf diese Methode aufmerksam, die mir für unsere Brennereien so ganz geeignet schien, und führte, zur besseren Begründung jener Ansicht, Herrn Reboul's Beispiel an. Mir ist nicht bekannt geworden, daß in meinem Vaterlande irgend eine Brennerei darauf Rücksicht genommen hat.

Der Graf Dmitri Subow, in Rußland, scheint der erste zu seyn, der diese Idee auf Korn-Brennereien anwendete. Er hat sie in einer kleinen, sehr schäzbaren Schrift, nach seinen Tagebüchern, durch die beiden Herrn Nikolai Vsewoloschski, und Sobolewski sehr umständlich, theoretisch und praktisch durchführen lassen. Das Werk ist erst im Jahre 1819 erschienen; die Vorrede dazu, die vom Jahre 1816 datirt ist, ist von der Hand des Herrn Grafen selbst. Das Werkchen führt folgenden Titel: Beschreibung der Branntwein-Destillation, und Maische-Bereitung, vermittelst der Wasserdämpfe. Nach den Erfahrungen des Grafen Dmitri von |432| Subow entworfen. Mit 4 Kupfern, St. Petersburg, gedruckt bei M. E. Iverson. 1819.

35. Erster Vorzug dieser Methode, Kostenersparniß an Brennapparaten.

Ein erster nicht unbedeutender Vortheil dieser Methode besteht darin, daß man die starken Auslagen für die kupfernen Brennkessel nicht zu machen nöthig hat: der Dampfkessel wird von geschlagenem, nach gewöhnlicher Art zusammen gefügten und genieteten Eisenbleche, so wie die Dampfkessel zu den Dampfmaschinen, verfertigt.

Die Kufen, in welchen die Destillation vor sich geht, können von Holz seyn, und sind sogar den Kupfernen vorzuziehn, weil das Holz ein schlechter Leiter ist. Die Leitungs-Röhren allein, mit ihrem Zubehör, sind von Kupfer.

Man befestigt alle Röhren und Hähne, welche an den Dampfkessel, und den Destillirkufen angebracht werden müssen, durch Schrauben, auf einen Kitt, der unter dem Namen Eisenkitt bekannt ist.

Man verfertigt ihn aus 16 Theilen unverrosteter Eisenfeilspäne, 3 Theilen gestossenen Salmiak, und 2 Theilen Schwefelblumen, und hebt diese Mischung an einem trocknen Orte auf.

Wenn man diesen Kitt gehrauchen will, so nimmt man einen Theil dieser Mischung und sezt 12 Theile reiner Eisenfeilspäne hinzu. Ist dieses gehörig gemischt, so feuchtet man es mit Wasser an, und beim Gebrauche selbst, tröpfelt man 5 oder 6 Tropfen Vitriolöl hinzu. Wenn die zu verschmierenden Fugen viel Kitt erfordern, so kann man zur Ersparniß desselben etwas gereinigten Flußsand hinzusezen, jedoch nicht mehr als ein Drittel der ganzen Mischung.

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36. Zweiter Vortheil dieser Methode. Die Einmaischung wird dadurch erleichtert.

Als der Herr Graf diese Methode in seine Brennerei einführen wollte, überzeugte er sich bald, daß die gewöhnliche Art einzumaischen, hier nicht angewendet werden konnte.

Eine solche Maische, mit Dämpfen behandelt, wurde freilich bis zum Destilliren gehörig erwärmt, aber sie gab einen so wässrigen Branntwein, daß jeder andre, dadurch abgeschreckt, die Methode ohne weiters, als unbrauchbar, verworfen hätte.

Herr von Subow sahe bald die Ursache dieser Erscheinung ein. Nach der allgemein eingeführten Methode, wird die anfangs dünnere Maische, wie die Destillation weiter vorrückt, durch die Verdünstung eines Theiles der Flüssigkeit, immer dicker: man ist hier genöthigt sie anfangs dünner zu machen, weil später hin das Anbrennen derselben unvermeidlich seyn würde: dagegen wird, in dem neuen Systeme, die Maische beim Fortschreiten der Destillation immer dünner; es verdichten sich nämlich in derselben mehr Dämpfe, als sich durch die Verdünstung aus derselben wieder erheben, so daß sie dadurch fortdauernd an Wässerigkeit zunimmt.

Diese Betrachtung veranlaßte eine Reihe neuer Versuche über die Menge des Wassers, die schlechterdings zum Gährungsprozesse nöthig ist, wenn er am vortheilhaftesten gelingen soll, und es ergab sich aus denselben, daß er noch vollkommen gelingt, wenn man auch weniger als die Hälfte des dazu gewöhnlich genommenen Wassers anwendet; nämlich auf 29 1/4 Pfund Mehl 57,72 Maaß Wasser, (Baier. Gewicht und Maaß.)

Hieraus entsprang nicht nur eine Ersparniß an Einmaischungsgefässen, die kleiner oder in geringerer Zahl seyn können, sondern es wurde dadurch auch möglich, die Dämpfe |434| mit Erfolg zu benuzen. Die Maische enthielt bei gleichem Volumen weit mehr Alkohol, sie konnte ohne Nachtheil durch die Verdichtung der Dämpfe verdünnt werden, und ließ sich weit schneller erwärmen.

Der Herr Graf gieng noch weiter; er schafte in seiner Brennerei die Einmaischung mit siedendem Wasser ganz ab. Es fand sich, daß bei seiner Art einzumaischen, und dann die Maische mit Dampf zu behandeln, das kalte Wasser dieselben Dienste leistete, und überdieses die Arbeit besonders verkürzte.

In der Graf Subow'schen Brennerei wurde freilich nur Getreide auf Branntwein verarbeitet; und man würde Gefahr laufen, irre zu gehn, wenn man von dem einen Pflanzenstoff unbedingt auf den andren schliessen wollte; es ist indeß doch sehr wahrscheinlich, daß unsere aus Erdäpfeln bereitete Maische sich, unter denselben Umständen, eben so verhalten werde.

37. Dritter Vortheil dieser Methode. Holzersparniß.

Endlich empfiehlt sich noch diese Methode, durch ansehnliche Holzersparniß. Beinahe in allen Brennereien, gehn zur Bereitung von 193 Eimern Kornbranntweins 35 bis 37 Faden dreischeitiges Holz auf; der Apparat des Grafen Subow erfordert in gleichem Falle nur 8 Faden.

Der Grund dieser Ersparniß liegt darin, daß man hier nur die Hälfte der Maische zu erwärmen hat, und daß diese fast um die Hälfte an Alkohol reichhaltiger ist, als die gewöhnliche. Daher braucht man weniger Wärme um die Masse zu erhizen, und die Operation ist um vieles früher geendigt.

Um nach der alten Art 193 Eimer (Baier. Maaß) Kornbranntwein zu erzielen, muß man in verschiedenen Aufgüssen |435| mehr als 5195 Eimer Flüssigkeit zum kochen bringen, und sie in diesem Wärmegrad erhalten, bis mehr als 1536 Eimer Flüssigkeit davon abgezogen sind. Nach der neuen Art hingegen erhielt man 384 Eimer Branntwein aus 1498 Eimern Maische, welche man höchstens nur so lange kochen läßt, bis 299 Eimer Flüssigkeit daraus abgezogen sind. Man muß daher nach der gewöhnlichen Methode fast viermal so viel Flüssigkeit zum kochen bringen, und sie fünfmal so lange darin erhalten.

38. Verhältniß der Menge des Dampfes, die in einer gegebenen Zeit zur Destillirung einer gegebenen Menge Maische erforderlich ist.

Da die Destillation der Maische, nach diesem Systeme, vermittelst des, in der Maische selbst verdichteten Wasserdampfes bewerkstelligt wird, so ist es wichtig, die Menge des Dampfes zu kennen, die zur Abdestillirung einer gegebenen Quantität Maische erforderlich ist, um darnach die Größe der Oberfläche des Kessels einzurichten, welche die unmittelbare Wirkung des Feuers erfahren muß.

Nach den Versuchen des Herrn Grafen Subow wird auf 5,9487 Baier. Quadratfuß (eine Quadratarschine) der Oberfläche, die der unmittelbaren Wirkung des Feuers ausgesezt ist, 33,0642 Baier. Pfund Wasser (1 1/2 Ruß. Eimer) in einer Stunde verdünstet. Dieses stimmt mit dem Verhältnisse überein, welches die Herrn Watt und Bolton bei Verfertigung der Dampfmaschinen, beobachten, und nach welchem, um in einer Stunde einen Cubikfuß Wasser zu verdampfen, das Feuer wenigstens auf 8 Quadratfuß des Dampfkessels unmittelbar wirken muß.

Es muß ferner, zu einem Branntwein von 20 oder 21 Graden, aus der Maischkufe 1/6 bis 1/5 der ganzen Masse überzogen werden. Dazu sind auf jede 0,496 Baierische |436| Cubikfuß (1 Ruß. Eimer) destillirter Flüssigkeit, im Durchschnitt 1. 243 Baiersche Cubikfuß (2 1/2 Ruß. Eimer) Wasser, in Dampf verwandelt, nöthig. Ein Verhältniß, welches nicht befremden wird, wenn man erwägt, daß der aus siedendem Wasser erzeugte Wasserdampf, obgleich er einerlei Wärmegrad mit dem Wasser zeugt, doch beinahe sechsmal so viel Wärmestoff als das siedende Wasser enthält: daher kann ein Gewichtstheil Dampf ungefähr sechs Gewichtstheile Wasser vom Frostpunkt bis zu 100 Grad (100 Theil. Scal.) erwärmen, jedoch nicht in Dampf verwandeln.

Aus obigen Angaben läßt sich nun leicht die Größe des Dampfkessels bestimmen, der zur Destillation einer gegebenen Quantität Maische, in einer bestimmten Zeit nöthig ist.

Wenn man die Eimerzahl der Maische n nennt, so wird die Quantität der abgezogenes Flüssigkeit 1/5 n, und die Menge des zu verdampfenden Wassers 1/5 n × 2 1/2 seyn = n/2.

Da nun in einer Stunde auf 5, 9487 Quadratfuß Oberfläche 0, 288 Baier. Eimer Wasser verdünsten, so folgt aus diesen Angaben, daß zur Destillation von n Eimern Maische das Feuer eine Oberfläche von 10, 327 × n Quadratfuß umfassen muß.

Hat man die Oberfläche eines Kessels gefunden, auf welcher in einer Stunde eine gegebene Quantität Wasser verdampft, so findet man sehr leicht diejenige Oberfläche, auf welcher dieselbe Quantität Wasser in einigen Stunden verdampfen kann. Man darf nur obige Zahl, nämlich 10,327 × n durch die Zahl der Stunden dividiren.

Hieraus sieht man, daß die Oberfläche des Dampfkessels wachsen muß, wenn die zur Destillation bestimmte Zeit verkürzt werden soll. Ein wichtiger Umstand bei der Dampfdestillation, denn um die erforderliche Oberfläche zu bekommen, darf man sie nur auf mehrere Kessel vortheilen. Will mag daher eine Brennerei auf den doppelten Ertrag, |437| in derselben Zeit bringen, so braucht man bloß einen zweiten Dampfkessel von der Größe des ersten, und eine verhältnißmässige Menge Fässer, zur Bereitung der Maische, die Zahl der Destillirkufen, und der ganze übrige Apparat bleiben unverändert.

39. Zweite Bedingung. Die neuen Apparate können in unseren Brennereien Anwendung finden, wenn sie leicht zu reinigen, und folglich leicht auseinander zu nehmen und wieder zusammenzusezen sind.

Es ist schon oft erinnert worden, daß unsere Maische, durch die Menge der Schleimtheile, die sie enthält, schon in dieser Hinsicht mit den französischen Weinen, nicht verglichen werden kann. Diese Schleimtheile verdichten sich durch die Wärme an den Seitenwänden unserer Gefäße, und häufen sich immer mehr und mehr an, weßwegen es nöthig wird, die Destillir-Apparate oft zu reinigen.

Schon deshalb sind alle Rectificationen nicht anwendbar, die aus vielen künstlich zusammengesezten Zellen bestehen, die sauren Theile der Maische würden bald die inneren Theile angreifen, die Verzinnung wegfreßen, und die Wände mit Kupferoxyd belegen. Auch hier würden die schleimigen Theile der Flüßigkeit sich an den inneren Wänden ansezen, und wenn man auch wirklich alle diese Zellen mit Wasser anfüllen wollte, so würde diese Reinigungs-Art nicht hinreichen, jenen Schleim zu lösen; sie sezen sich so feste an, daß mein kleiner Destillirapparat, ungeachtet er nur zur Destillation des schon fertigen Branntweins dient, nicht zur Wasserdestillation verwendet werden konnte, selbst nicht, nachdem er mit siedendem Wasser ausgebrüht, und 3 Tage hindurch Wasser überdestillirt worden war: am vierten Tage schmekte das übergegangene Wasser noch sehr widrig: Da der fertige |438| Branntwein dergleichen Resultate nach sich zieht, was hat man nicht von dem ersten Uebergang der Maische zu erwarten.

Dieses Hinderniß ist indessen nicht das einzige. Unsere wenigsten Kupferschmiede würden, besonders in den kleinern Landstädten, die Fertigkeit besizen, die nöthig ist, um so zusammengesezte Apparate, wie die französischen, zu verfertigen, und sie würden sich dafür Summen zahlen lassen, die für die Rohbrennereien viel zu groß ausfallen würden.

Unsere Brenner fordern daher mit Recht einfache Vorkehrungen, die dem Zwek ihrer Brennereien anpassen, die Kräfte der Kupferschmiede, die ihnen zu Gebote stehen, nicht übersteigen, und leicht gereinigt und reparirt werden können: deßhalb muß man sie leicht in einander sezen, und leicht auseinander nehmen, und ins Innere derselben leicht gelangen können.

Dritter Unterschied. Die französischen Apparate können so eingerichtet werden, daß mehrere Nebenkosten vermindert werden.

Die französischen Destillateure können sich endlich große Vortheile durch Einrichtungen verschaffen, die auf Holz-Ersparniß und Verminderung der Arbeit hinzweken, indem sie in ihren Brennereien große mit Steinen ausgemauerte Behälter für ihre Weine haben, aus welchen sie diese, auf leichte Weise, vermittelst Pumpen, in hermetisch geschlossene Fässer bringen, in welchen dieser Wein schon, ohne neuen Kostenaufwand beträchtlich erwärmt, und so zur Destillation, die ununterbrochen vor sich geht, bereitet wird. Diese Vorzüge ihrer Brennereien sind sehr groß; sie können aber in den unserigen nicht gut angebracht werden, erstlich weil unsere Maische, wie die Weingährung sich zeigte, übergezogen, und |439| also nicht in großen Behältern vorräthig gehalten werden kann; und dann weil sich die gröberen Theile derselben nicht leicht durch Pumpenwerke in die Kessel bringen lassen, und die Absondrung dieser Theile, durch Filtrirung und Auspressen, einen Zeit- und Kosten-Aufwand verursachen dürfte, den die Preise unserer Roh-Branntweine nicht leicht gut machen werden. Wir müssen also selbst in unseren großen Brennereien, die Maische aus den Gährungsfäßern in unsere Kessel tragen lassen.

Ich sage, nicht leicht! denn ich halte es noch nicht für ausgemacht, daß diese Methode, die ich schon in einigen Brennereien vorgeschlagen habe, unanwendbar sey, wie man es mir jedesmal, aber ohne sich auf Versuche zu stüzen, entgegnete. Aus den flüßigen Theilen der Maische entwikelt sich allein der geistige Stoff, den wir erzielen wollen; aus den Trebern erzeugt das Sieden keinen Weingeist mehr. Sie füllen daher vergebens den Kessel, der einen bedeutenden Theil Maische mehr faßen könnte. Ein dazu zwekmäßig eingerichteter Apparat würde die Arbeit sehr erleichtern, der zurük gebliebene dike Stoff, mit wenigem warmem Wasser verdünnt und ausgepreßt, würde keine geistigen Theile zurükbehalten, und unser Vieh würde es, mit der Schlampe vermengt, eben so gern roh als gesotten, genießen. Wenn irgend eine Brennerei den Kostenaufwand für diese Versuche in Großen, daran wagen wollte, so dürfte sie es durch den Erfolg nicht bereuen. Ich habe den Versuch nur ein Jahr hindurch, und zwar sehr im kleinen gemacht: denn meine Blase hielt nur einen Eimer, am Destillat aber habe ich keinen Verlust bemerkt: Ich versuchte diese Methode, um mich vor dem Anbrennen der Treber der geraspelten Runkelrüben, aus welchen ich damals Branntwein bereitete, zu schüzen.

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40. Folgerungen, in Bezug auf die bestehenden französischen Apparate.

Aus den bisherigen Bemerkungen wird der Leser schon den Schluß gezogen haben, daß kein einziger von den, in diesem Aufsaze beschriebenen Apparaten, so wie sie zusammengesezt sind, für unsere Brennerei anwendbar seyn kann. – Der Adamsche schon gar nicht, weil seine mit Maische anstatt mit Wein gefüllten Eier, unter der Blase, zur hinlänglichen Erwärmung derselben, ein solches Feuer erfordern würden, daß selbst ein Umrührer nicht zureichen würde das Ansezen der schweren Stoffe, und das branstig werden derselben zu verhindern. Der Solimannische, dessen Rectificatoren zwar einfach sind, denn sie bestehen aus einer hölzernen Kufe, und aus einem, von dünnem Bleche verfertigten, und im erwärmren Wasser gehaltenen Zig-Zag, den unsere Kupferschmiede allenfalls noch zusammenbringen würden, ist in seiner ganzen Anordnung zu kostspielig für uns, und könnte überdieß nur in sehr großen Brennereien seine Anwendung finden. Der Bérardsche, mit seinen Qeeerwänden, in der Blase selbst, in dem Helm, in den drei horizontal in Wasser liegenden Röhren, ist in keine unserer Brennereien zu empfehlen, weil die Queerwände in der Blase, mit ihren vielen kleinen Röhren, unter der rohen Hand unserer Brennknechte, häufig beschädigt werden, und die vielen Zellen des Hauptrectificators sich nicht reinigen lassen würden; es bleibt noch der Menardsche, der aber mit seinen vielen inneren zusammenhängenden Zellen, in deren Innern nicht zu kommen ist, dieselben Hindernisse darbietet; so daß von dem Allen uns nichts übrig bleibt als das Prinzip selbst, auf welchem jene Apparate sich gründen, und welches wir dem Bedürfnisse unserer Brennereien anpassen müssen, so wie die Franzosen es in Bezug auf die ihrigen thaten. – Sehn wir also |441| jezt, was in dieser Hinsicht in Deutschland geschehn, so weit es zu unserer Kenntniß gekommen ist.

41. Apparat des Oberamtmanns Reitz, zu Waltersdorf bei Berlin.

Eine zu sklavische Nachahmung jener Apparate scheint über ihren Werth ungünstige Vorurtheile geweckt und die Fortpflanzung derselben gehindert zu haben.

Eine unrichtige Ansicht ihres eigentlichen Zwecks hat ihrerseits auch dazu beigetragen. Der Oberamtmann Reitz sagt in einer kleinen, 1820 in Berlin, in der Schüppelschen Buchhandlung erschienenen Schrift, die den Titel führt: Abbildung und Beschreibung eines neu erfundenen, einfachen und wenig kostspieligen Brenn- und Destillirapparats, daß vermittelst der neuen Apparate in der Vielheit und reinen Ausbeute, eben so wenig als in der Feinheit und dem Wohlgeschmacke des Fabrikats etwas gewonnen worden ist.

Wenn man auf die Vereinfachung der Operationen keinen Werth sezt, Zeit und Holz nicht in Anschlag bringt, und vermittelst der neuen Apparate eine Veredlung und Verfeinerung des rohen Produkts zu erzielen hofft, so muß man sich freilich in seinen Erwartungen gewaltig getäuscht finden.

Noch abschreckender sind für unsere Brenner, die keine Chemiker sind, noch seyn können, Urtheile, wie die folgenden: Da ich oft genug Gelegenheit hatte, (sagt Herr Reitz Seite 4) faßt alle neu erfundene Brennapparate kennen zu lernen, und ihre Produkte zu prüfen, so habe ich die sichere Ueberzeugung erhalten: daß der Spiritus, sey es aus Getreide oder aus Früchten, nie so rein und vollständig entwickelt werden kann, als wenn er zuvor den ersten Prozeß des Lutters überstanden hat, und dieser Lutter durch eine neue Auflösung |442| in reinen Spiritus übergehn kann; daß ferner ein zu weitläuftiger Gang durch warme kupferne Röhren, dem Branntwein einen brandigen Geschmack giebt; daß aber auch der Lutter, wenn er sich durch freie atmosphärische Luft ziehen muß, durch Einmischung der Luftsäure, einen übeln Geruch und Geschmack annimmt, welcher nur durch mehrere Destillationen hinweggeschaft werden kann; wie man dieß in den Destillateurwerkstätten häufig sieht, wo die stärksten Branntweine, wenigstens noch zweimal gereinigt werden müssen, ehe man den sogenannten Fusel herausbringen kann.“ Unser Verfasser scheint nicht zu wissen, daß der sogenannte Fusel ein flüchtiges Oel ist, welches sich während des Gährungsprozesses entwickelt, mehr oder weniger empireumatisch werden kann, je nach dem die angewendete Hize größer oder geringer ist, und von dem Spiritus wirklich abgesondert werden muß, wenn dieser rein genannt werden soll. Da dieses Oel einen geringen Grad von Flüchtigkeit besizt, so bleibt vieles davon, bei langsamer Destillation, zurück, und schwimmt in grossen Tropfen auf dem Pflegma. Dieses Oel ist es, was die gemeinen Frucht-Branntweine so widrig macht, nicht die Luftsäure. Es kann wie die Schleimtheile die den Spiritus begleiten in langen zu stark erwärmten Röhren brandig, und daher noch widriger werden, und es ist wohl möglich, sogar wahrscheinlich, daß die Produkte, welche der Verfasser zu prüfen Gelegenheit bekam, in Apparaten erzeugt worden sind, die so angeordnet waren, daß eine größere Hize, um die Destillation zu bewirken angewendet werden mußte: welches der Fall wirklich bei allen neuen Apparaten ist, deren Rectificatoren aus Röhren bestehn, welche aus Blasen, die der Einwirkung des Feuers unmittelbar ausgesezt sind, die Dämpfe durch eine Flüssigkeit leiten, die sie durch ihren Druck, elastischer machte. Unter diesen Umständen trift der Vorwurf bloß die Art der Vorkehrung, nicht das Princip |443| selbst auf welchem sie sich gründet. Bei Anlegung jener Apparate nahm man auf die Natur des zu destillirenden Stoffes nicht genug Rücksicht, und wenn man mit solchen Brennapparaten nicht so viel Branntwein erhalten konnte, als mit den gewöhnlichen, so lag sehr wahrscheinlich die Schuld an eben diesem größeren Druck, auf welchen die Behandlungsart der Maische nicht gehörig berechnet, und die Brennknechte nicht gefaßt waren. Es gieng wahrscheinlich durch die Fugen und die schlechte Lutirung mehr Geist verloren, als aus den gemeinen Kesseln, in welchen der Dampf sich freier bewegen kann: und so lassen sich die, gewiß richtigen Beobachtungen des Verfassers leicht und befriedigend erklären. Denn die Annahme, daß eine zu große Erhizung unserer Maische, eine Zersezung des darin enthaltenen Alkohols nach sich ziehn könnte, scheint gewagt, obgleich sie nicht gerade zu widersprochen werden dürfte, weil von mehreren Seiten her, besonders bei Benuzung des Adam'schen Apparats, man eine Verminderung im Alkoholgehalt bemerkt haben will. Die nähere Prüfung dieses Gegenstandes hat selbst für die Wissenschaft Interesse.

Indeß verdanken wir jenen irrigen Ansichten einen neuen sinnreich ausgedachten Apparat, bei welchem der Zweck der neuen Apparate erreicht, das Princip derselben aber nicht angewendet worden ist.

Herr Oberamtmann Reitz leitet aus einer gewöhnlichen Blase den Lutter in einen ersten Kühlapparat, wo er sich condensirt, und aus welchem er nach und nach, in eine kleine Blase fließt, die in einem Dampfbade erwärmt, die Weinung dieses Lutters bewirkt; so daß der fertige Branntwein so zu sagen, durch eine einzige Operation erzeugt wird. – Der erste Refrigerator thut hier die Dienste eines Maischwärmers, und besteht aus drei Fässern die ineinander stehn. Zwischen dem äussersten und dem zweiten ist ein leerer Raum der mit |444| Wasser angefüllt wird. Zwischen dem zweiten und dem innersten ist wieder ein leerer Raum, worein die Dämpfe aus der Maischblase treten; das innerste Faß enthält die zu wärmende Maische, welche aus diesem in die Blase geführt wird, sobald die Destillation vollendet, und die Schlempe abgelassen worden ist.

42. Beschreibung dieses Apparats.

Den Branntweinbrenner, der diesen Apparat einführen will, muß ich auf die oben angeführte Schrift hinweisen. Für die Leser dieser Blätter wird folgende Beschreibung und die Zeichnung genügen.

a Fig. 3. Tab. XVI. der Helm der Maischblase.

b die Oeffnung und das Rohr wodurch die Maische aus dem Maischwärmer in die Maischblase gelassen wird.

c der Maischwärmer.

d das Rohr, mit seinem Hahne, wodurch der Lutter in die Weinblase geleitet wird.

e das Kühlfaß, welches den Maischwärmer umgiebt.

f ein Hahn, um warmes Wasser abnehmen zu können.

g Wasserblase, in welcher die Weinblase hängt.

Die Maischblase und die Wasserblase, werden durch dieselbe Feuerung zum sieden gebracht und stehn folglich nebeneinander über demselben Feuerkanal.

h die Oeffnung der Wasserblase, woraus der Dampf durch die blecherne Röhre i, durch den Boden, zur Erwärmung einiger Zimmer, oder aus dem Gebäude geleitet werden kann.

k eine andre Oeffnung der Wasserblase, durch welche mittelst des Wasserrohrs l, aus dem großen Kühlfaß m durch den Wasserhahn n, von Zeit zu Zeit Wasser in die Blase gelassen werden kann.

o der Wolf im Kühlfasse.

p das Vorlegfäßchen.

|445|

q der Wasserhahn, um zu jeder Zeit heisses Wasser ablassen zu können.

r der Hahn aus der Weinblase, den Nachlauf abzulassen.

a die Wasserrinnen, und t die Treppe zum Maischwärmer.

43. Einige Bemerkungen über den Reitzischen Apparat.

Beurtheilt man diesen Apparat in Bezug auf die Güte der Produkte, die er liefert, so sieht man, daß er ungeachtet des angebrachten Rührers, schlechte und brandige Branntweine liefern kann, wenn der Brennknecht, die darin enthaltene Maische nicht zur rechten Zeit in Bewegung sezt, oder wenn ein zu starkes Feuer, eine anfängliche Zersezung der schleimigen Theile nach sich zieht.

Beurtheilt man ihn in Bezug auf Holzersparniß, so wird man von dieser Seite nichts zu hoffen haben. Da der Dampfkessel, in welchem die Weinblase hängt, die ganze Brennzeit hindurch, im starken Sieden erhalten werden muß; und man hier annehmen kann, daß die Zeit, die zur Ueberdestillirung zweier Massen Flüssigkeit nöthig ist, selbst bei verschiedenem Alkoholgehalte, ungefähr in geradem Verhältnisse zu jenen Massen steht, so würde man in einer sechsmal kürzeren Zeit die Weinung des Lutters erzielen, der aus der Maischblase in einer verhältnißmässig längeren Zeit gewonnen wird, und folglich in eben diesem Verhältnisse weniger Holz verbrennen: sollte nun die Richtigkeit dieser lezten Bemerkung nicht in Zweifel gezogen werden können, so folgt, daß man zu dem Reitzischen Apparat weit mehr Brennmaterial bedarf, als in gewöhnlichen Brennereien, und daß die scheinbare Ersparniß nicht in der gleichzeitigen Verbindung beider Operationen, sondern in einer vorzüglich guten Anordnung des Heerdes und der Feuerkanäle, gesucht werden muß, die in unseren gewöhnlichen Brennereien sehr mangelhaft |446| ist, und die man dort um so mehr zu erwarten berechtigt seyn muß, weil der Herr Oberamtmann, als ehemaliger Architekt, sich auf Feuerungsanlagen versteht.

Der Vortheil, daß man zu jeder Zeit siedendes Wasser haben, und im Winter die abzuleitenden Dämpfe zum Heizen einiger Zimmer anwenden kann, ersezt diesen Schaden nicht.

Wollte man diesen Apparat in Bezug auf Zeit und Arbeitslohn beurtheilen, so würde hier ein kleiner Nuzen zu finden seyn, der doch in geringen Anschlag zu bringen ist, weil er durch den Aufwand an Brennmaterial bei weitem überwogen wird.

Auf Einfachheit kann dieser Apparat keinen Anspruch machen, und er steht hierin den französischen nach. Es ist allerdings verdienstvoll die Maischwärmer in unsere Brennereien einzuführen, allein die gegenwärtige Einrichtung scheint dem Zwecke noch nicht zu entsprechen. Da die Hälfte der Wärme an das umliegende Wasser verloren geht, kann nur die andre Hälfte die Maische erwärmen, und wenn man ohne directe Erfahrung hierüber zu haben, eine Meinung äussern dürfte, so könnte man aus andren Erfahrungen dazu berechtigt behaupten, daß in dem mittleren Gefäß, die Maische nicht über 40 Grad erwärmet wird, was nicht bedeutend ist. Die Franzosen, welche einen Rectificator in ihrem Weinfasse anbringen, sind darin glücklicher. Die ganze Wärme, welche sich aus den verdichteten Wasserdämpfen entbindet, geht doch in den zu erwärmenden Wein hinein, und überdieses wird der Branntwein zugleich rectificirt.

Die Idee des Verfassers, zugleich zu Luttern, und zu Weinen könnte indeß für diejenigen Brennereien, die sich auf Branntweine von gewöhnlicher Stärke beschränken wollen, willkommen seyn, und ich wage es hier, ihn zu ersuchen, den Vorschlag zu überlegen, die Weinblase mit der Maischblase in einen Körper zu vereinigen, und folglich diese Lezte durch |447| die in der Maische selbst erzeugte Wärme zur Destillation zu bringen. Da die Maischblase höchstens zwischen einem Sechstel und einem Fünftel Lutter producirt, so braucht die Weinblase, die den Branntwein den sie zu erzeugen hat, nach und nach absondert, die Größe nicht, die sie in diesem Apparate hat. Ich bin überzeugt, daß es dem Erfinder dieser Einrichtung keine Schwierigkeit machen wird, diese Idee zu verwirklichen, und wenn er alsdann in dem Maischwärmer, anstatt des Geddaischen Refrigerators, das Solimanische Zig-Zag, mit einer zweckmässigen Ableitung nach der Maischblase hin, deren Möglichkeit ich mir sehr gut denke, anbringet so wird er nur zum Maischwärmer ein einziges Faß brauchen, und sein Branntwein wird an Störke gewinnen.

Diese Einrichtung bringt eine Vereinfachung mit sich, die der Aufmerksamkeit und des Nachdenkens eines sinnreichen Mannes gewiß werth ist, und den Nuzen dieses Apparats nicht wenig erhöhen wird; erst dann wird Brennmaterial erspart, und stärkeres Gut übergehn.

Da, durch die Erwärmung der Maische, vermittelst der langsamen Verdünstung, Alkohol nothwendig verloren geht, so erlaube ich mir den würdigen Verfasser dieses Apparats zu ersuchen, nach dem Beispiele der Franzosen, dahin zu sehn, daß der aufsteigende Alkoholhaltige Dunst nicht verloren gehe, sondern sich zu der Weinblase begebe, was den Apparat freilich etwas complicirter, aber desto ergiebiger machen wird, überhaupt bitte ich ihn diese Bemerkungen nicht als einen Tadel, sondern als ein Mittel zu betrachten, den Nuzen seiner sinnreichen Idee zu erhöhen.

44. Schrift des Herrn Ferdinand Ernst.

Wenn theoretische irrige Ansichten den Herrn Oberamtmann Reiz bewogen, von der Straffe abzugehn, auf welcher die Franzosen so eben ihr Glück gemacht hatten, so versuchte |448| Herr Ferdinand Ernst, Gutsbesizer zu Almstedt im Fürstenthum Hildesheim, die Erfindungen der lezteren, auf unsere Brennereien anzuwenden, und ließ sich darauf patentiren. Die Schrift, worin er seine angebliche Erfindung bekannt macht, führt den Titel: „Beschreibung eines neu erfundenen Destillirapparats für Branntweinbrenner, Destillateurs, Apotheker, etc. als Manuscript mit Handzeichnungen. Von Ferdinand Ernst, Gutsbesizer zu Almstedt im Fürstenthum Hildesheim. 1819 bei J. D. Gerstenberg in Commission.“

45. Beschreibung dieses Apparats.

aa Tab. XIV. Fig. 2. Rand des Kessels, auf welchem der Bort des Helms mit Schrauben befestigt ist.

hh Deckel des Helms, in welchem das Rohr CC befestigt ist. Auch dieser wird abgeschroben um die Abtheilungen bbbb hineinzusezen.

bbbb wasserdichte Gefässe, die in o und p genau an die Wände des Helmes anschliessen, cccc, ccccc 8 gebogene, auf dem Boden dieser Gefässe befestigte Röhren, die mit ihren offenen Enden 1 1/2 Zoll vom Boden reichen. Unter ihrer Mündung u ist im Boden eine kleine Vertiefung angebracht.

def drei messingene Einsäze, die verjüngt zulaufen.

DDDD der Maischwärmer. E ein in dem Maischwärmer tyer freistehender kugelförmiger Kessel, der oben angelöthet ist.

CCK Rohr durch welches die Dämpfe in diesen Kessel zugeführt werden. In v ist dieses, Rohr an dem Maischwärmer, und in ww an dem Kessel befestigt.

K ein Knie, das der Reinigung wegen abgenommen werden kann. Zwei Hacken befestigen es am Rohr.

I Rohr, durch welches das, sich in dem Kessel E sammlende Pflegma abgelassen werden kann.

ll Hahn an diesem Rohr.

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G Kasten, um durch den Hahn x die Maische einzulassen.

H Rohr, welches mit dem Helm der Blase in Verbindung ist, und durch welchen die erwärmte Maische in die Blase gelassen wird.

kn Rührstange unten mit 4 Flügeln, um den Saz der Maische im Maischwärmer umzurühren, wenn die Blase gefüllt wird. Bei T ist ein messingener Einsaz in welchem sich die Stange bewegt, und bei n läuft sie in einem messingenen Pfännchen.

N Röhre und Hahn, zum ablassen des Spieligs, (der Schlempe).

Sobald die Schlempe abgelassen wird, lüftet man die Stange gfed, um alles Pflegma aus den Einsäzen op, ph abzulassen. Alsdann öffnet man den Hahn H und läßt aus dem Maischwärmer die Maische in die Blase herein, wenn einige Eimer in derselben sind, wird die Stange gfed wieder in ihre Oeffnungen hineingelassen, sie wird alsdann gefüllt bis auf 3 oder 4 Zoll, unter die erste Abtheilung.

tcu Oeffnungen, durch welche die Dämpfe hinaufsteigen, und durch die in den Einsäzen gebliebene Maische durchströmen. Von hier steigen sie durch CCK in den Kessel E. In diesem Kessel werden sie durch die kalte Maische, die sie umgiebt, zum Theil verdichtet, sie sammeln sich auf dem Boden des Kessels, verstopfen bald die Mündung der Röhre CCK, und lassen in diesem Pflegma ihre wässerigten Theile zurück, von hier aus erheben sie sich rectificirt durch die Siebe SSSS in den leeren Raum F, und aus demselben begeben sie sich in das Kühlfaß. Die Siebe sind mit Kohlenpulver angefüllt.

Häuft sich im Kessel E zu viel Pflegma an, so kann es in die Blase durch den Hahn l abgelassen werden.

Bei H und l sind an dem Helm kleine Röhren angebracht, worin die aus dem Maischwärmer kommenden Röhren eingepaßt, |450| und gehörig verkittet werden, wenn der Apparat zum Gebrauche zusammengesezt wird.

46. Einige Bemerkungen über diesen Apparat.

Zu diesem Apparate sind die Einsäze in den Helm eine unglückliche Nachahmung der Isaac Berard'schen Idee, den Dämpfen, bei ihrem Aufsteigen, Hindernisse in den Weg zu legen, in der Absicht sie, durch den Widerstand, den sie bei ihrem Durchgange finden, zu nöthigen, das sie begleitende Pflegma zurückzulassen. Da das Metal dieser Einsäze, mit der darauf sich sammelnden Flüssigkeit, sich mitten in den aufsteigenden Dämpfen befindet, so nehmen beide bald eine Temperatur an, die nicht sehr von der der Dämpfe selbst verschieden ist, und die Rektification wird dadurch von geringer Bedeutung: der Verfasser scheint selbst diesen Theil seines Apparats wenig nüzlich gefunden zu haben, denn er giebt eine zweite Zeichnung desselben, Fig. 3. in welcher derselbe weggelassen ist, mit der Bemerkung, (Seite 49) daß die dadurchbewirkte Vereinfachung, die Vortheile der obigen Vorrichtung hinlänglich aufwiegt. – Hätte er die Natur des hier obwaltenden Rectificationsprozesses deutlicher begriffen, so würde er auf eine weit zweckmässigere Art einen weit größeren Effekt bewirkt haben.


Die Erwärmung der Maische wird hier besser bewirkt als in dem Reitzischen Apparate, die Blase aber, die weder Rührer noch andre Schüzungsmittel vor dem Anbrennen hat, würde oft ein sehr brandiges Produkt liefern, wenn der Verfasser, in seinen 5 mit Kohlenstaub gefüllten Sieben nicht ein Gegenmittel sehr sinnreich angebracht hätte. In einem jeden andren Apparat, wo der Branntwein nicht brandig wird, dürfte eine solche Vorkehrung zur Entfuselung des Destilats, vorzügliche Dienste leisten. Er wird freilich dadurch nicht ganz fuselfrei werden, aber vieles würde schon, zur |451| vollständigen Reinigung desselben, auf diesem einfachen Wege, vorbereitet seyn.

Der eigentliche Rectificator E hat den wesentlichen Fehler, daß er in einem flüssigen Mittel steht, der lange Zeit kalt bleibt, und daher viel zu lange als Condensator wirkt: das vier bis fünf Schuh lange, und fast sechs Zoll breite Rohr, welches die Dämpfe des Kessels durch die Maische leitet, verrichtet zum Theil die Dienste eines Helms, und condensirt mehr als es rectificirt; es sammelt sich daher zu viel Pflegma in dem Kessel E, an welchem keine Vorkehrung angebracht ist, die Höhe desselben darin zu reguliren: und da die Maische in dem Maischewärmer höchstens nach dem beigefügten Maaßstabe, 1 1/2 Fuß hoch sein kann, so wird sie am Ende hier so stark erwärmt, daß das Pflegma selbst in dem Kessel zu destilliren anfangen muß, so daß die sich erhebenden wässrigen Dämpfe die Vortheile der nur eine Zeit lang statt findenden Rectification wieder heben. Dieser Apparat ist übrigens seiner Complication wegen, nicht zu empfehlen.

47. Apparat des Herrn Strauß in Ulm.

Herr Strauß, in Ulm brennt mit folgendem Tab. XVI. Fig. 4. abgebildeten weit einfachern und zweckmässig eingerichteten Apparat.

A die Blase, aus welcher die Dämpfe durch ein aus ihrem Helm sich erhebenden heberförmig gebogenen, und bis gegen den Boden der ersten Zelle reichenden Röhre, sich in die erste Zelle begeben. Aus der vorliegenden Zeichnung kann ich nicht ersehn, ob sie im Dampfbade arbeitet, oder nicht. Das erste wäre allerdings besser.

BBBB vier metallene Abtheilungen, sie können aus einem Stücke seyn, und dann sind die 4 leeren Räume von einander durch Querbleche getrennt, oder aus vier besondren Behältern zusammengesezt werden. In diesem lezten Falle, |452| kann man nach Belieben mehr oder weniger solcher Gefässe an einander reihen, und die Rectification solchergestalt so weit treiben als man will.

C hölzerner Trog oder Kasten in welchem diese Gefässe stehen.

ddd punktirte Linien, welche die aus Kupfer bestehende innere Belegung dieses Kastens anzeigt.

So hoch diese kupferne Belegung geht, wird dieser hölzerner wasserdichter Kasten oder Trog mit Wasser gefüllt.

DD Schrauben von Zinn, zur Reinigung dieser Zellen.

EEE heberförmig gebogene Röhren; sie leiten die Dämpfe, die durch das Pflegma rectificirt werden, von einer Zelle zur andren. Das eine Ende derselben reicht bis nahe an den Boden jeder Zelle. Diese Röhren sind seigerförmig an ihrem längeren Ende durchbort, und diese Löcher, die wie große Erbsen sind, sind noch einige Linien hoch, um die Mündung angebracht.

F Röhre welche die rectificirten Dämpfe aus der lezten Zelle des Rectificators in die mit punktirten Linien bezeichnete Schlange GG führt.

H hölzernes Gefäß, das zur Erwärmung der Maische dient; sie wird darin vermittelst der Schlange GG erwärmt, die nur zwei Gewinde hat.

I Refrigerator, die darin befindliche Schlange hat drei Gewinde.

H Aeusserstes Ende der Schlange, L das Vorlagefäßchen.

MMMM Hähne, durch welche die in den Zellen gesammelte Flüssigkeit, abgezapft werden kann. Die Bemerkung des Besizers dieses Apparats, daß diese Hähne zweckmässiger am Boden desselben angebracht wären, ist sehr richtig.

48. Einige Bemerkungen zu diesem Apparat.

Dieser Apparat ist, wie der Leser es von selbst sehen wird, der Menard'sche, der dadurch vereinfacht ist, daß er |453| nur auf Branntwein, von eben derselben Stärke, berechnet ist.

Der Maischwärmer ist hier vollkommen zweckmässig angebracht. Er stört nicht, wie in dem vorigen, den Rectificator in seiner Wirksamkeit; er befördert vielmehr die Erkaltung der Dämpfe, die im eigentlichen Kühlapparat vollendet wird.

Räthselhaft bleibt mir die Bemerkung des aufmerksamen Besizers dieses Apparats, daß die Erdäpfel vermittelst desselben mehr Branntwein geben, als das Getreide, wenn man die erhaltenen Produkte mit denen vergleicht, welche man durch die gewöhnliche Methode erhält. Ich kann diese Beobachtung mit keiner bis jezt bekannten Erscheinung verbinden; und wenn es wahr seyn sollte, daß der in der Getreidemaische gebildete Alkohol bei einer etwas größeren Hize, als die gewöhnliche zersezt werden sollte, so müßte ein so unerwartetes Ereigniß näher geprüft werden, und ich ersuche den würdigen Verfasser der Briefe, die ich hierüber unter Augen habe, diesen Umstand sorgfältiger noch zu erforschen, bis man überzeugt seyn kann, daß er nicht in Nebenumständen liegt, die von der Wirksamkeit des Apparats unabhängig sind.

Dieser Apparat ist meinem patentirten sehr ähnlich. An dem Meinigen sind die kupfernen Rectificatoren getrennt; sie unterscheiden sich von dem Menardischen dadurch, daß sie nicht im Wasser arbeiten. Sie sezen ihre überflüssige Wärme bloß an die atmosphärische Luft ab. Die Bemerkung des Herrn I. Gg. Strauß, daß frisch zugegossenes Wasser den Gang des Apparats stört, rechtfertigt vollkommen meine auf bestimmte Versuche sich gründende Einrichtung. Desto einfacher unsere Destillirapparate werden, desto eher können sie auf günstige Aufnahme rechnen.

An dem Apparate des Herrn Strauß wünscht ich den kleinen Helm des vorigen Apparats mit seinen, zu Kohlen |454| bestimmten Sieben angebracht. Ein besseres Produkt wäre die unausbleibliche Folge. Dieser Apparat könnte aus einer fünften Zelle bestehn, worin die Siebe angebracht wären. Das Ganze würde dadurch nicht complicirt, und gewiß sehr nüzlich werden.

49. Elglund'scher Apparat in Stockholm.

Es existiren in Deutschland mehr Apparate, aus welchen durch eine einzige Operation fertiger Branntwein erzeugt wird. Sie sind aber nicht zu meiner Kenntniß gekommen, und schwerlich wird irgend ein andrer den eben beschriebenen, nach angebrachten vorgeschlagenen Verbesserungen, an Einfachheit und Brauchbarkeit übertreffen.

In Stockholm gab Herr Elglund im Jahre 1817 eine mit einer deutlichen Abbildung versehene Beschreibung eines nach den neuen Grundsäzen verfertigten Apparats heraus.

Man sieht in Fig. 5. Tab. XVI. diesen Apparat im Profil, und Fig. 6. im Grundriß. In Fig. 7. zeigt sich der Rectificator, und in Fig. 8. der Refrigerator.

Dieser Apparat besteht in Folgendem:

aa Mauer des Blasenkessels.

b oberer Theil der Blase; ihren unteren Theil deutet die punktirte Linie an.

c Oeffnung an der Brust der Blase, durch welche die Maische eingeführt wird.

d Metallener Hahn zum Abtreiben der Schlempe.

e Helm der Blase. Er wird auf der Blase mit Mehlkleister, auf Leinwand gestrichen, aufgekittet, und mit Bindfaden umgewickelt.

f Rohr am Helme, um die Treber abzulassen, die sich dort anhäufen könnten. Bei großen Blasen wird es mit einem Metalpfropf, bei kleinen mit, einem Korkstöpsel verschlossen.

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g Verbindungsrohr des Helms mit dem Rectificatorh.

h Rectificator: man sieht ihn in Fig. 3. Er ruht auf einem Gestell x.

iiiiii Röhren um das Pflegma abzulassen, welches sich darin sammlet.

k Kühlgeräthe womit der Refrigerator zum Theil umgeben ist.

I Abkühler, der den oberen Theil der Blase umringt. Er wird mit Wasser gefüllt, wenn die Maische zu kochen anfängt, und das Wasser wird nicht erneuert.

tv Röhren, durch welche das warme Wasser abläuft.

su Röhren, um alles Wasser aus den Refrigeratoren k und l abzulassen.

Erst wenn aus dem lezten Rohre des Apparats Branntwein abzulaufen anfängt, ist es nöthig, das Abkühlungswasser in dem Gefässe k des Rectificators zu erneuern, dann aber muß immerfort kaltes Wasser hineingeleitet werden, während das heisse durch die Röhre t abläuft, und je schneller dieses geschieht, desto stärker wird der Branntwein.

n Condensator, man sieht ihn Fig. 4.

m Röhre die den Condensator mit dem Rectificator verbindet.

P Rohr durch welches der Branntwein, in den Trichter r, und dann ins Fäßchen q fließt.

50. Einige Bemerkungen über diesen Apparat.

Die Zeichnung dieses Apparats ist aus dem Jahrgange 1820 der Annalen der Physik des Herrn Prof. Gilbert entlehnt.

Der Rectificator, der ein cylinderförmiger, halb in Wasser eingelassener Körper ist, ist der vereinfachte Isaac Berard'sche, aus dem die Zellen weggelassen sind, welche Berard bloß deßhalb angebracht hatte, weil seiner Idee gemäß, |456| man den Dämpfen, wenn sie sich läutern sollen, Hindernisse in den Weg legen müsse.

Herr Elglund entschied sich für eine einzige Röhre, weil er nicht, wie Berard, Branntweine von verschiedener Stärke nach Belieben erzeugen wollte. Er begnügte sich mit einem reinen starken wohlschmeckenden Branntwein.

Da ein Rectificator dieser Art, den Dämpfen freien Lauf gestattet, so braucht die zur Entbindung desselben nöthige Hize, nicht größer als zu den gewöhnlichen Kesseln zu seyn, und die Gefahr ein brandiges Produkt zu bekommen, wird nicht so groß. Das Umrühren der Maische kann nöthigenfalls durch die, an dem Bruch der Blase angebrachte Oeffnung c geschehen.

Noch nüzlicher würde an diesem Apparate der Solimani'sche in Zig-Zag gebildete Rectificator angebracht werden, indem er zugleich als Maischwärmer sehr vortheilhaft dienen könnte; er würde ohne andere Rectifications-Mittel sehr wahrscheinlich Branntwein von gewöhnlicher Stärke liefern.

51. Der Subowische Apparat.

Unter allen Apparaten, die in neueren Zeiten erfunden worden sind, bietet, meiner Ansicht nach, kein einziger die Vortheile des Subowschen dar, und das polytechnische Journal wird sich um unsere Brennereien durch die Bekanntmachung desselben in Deutschland Verdienste erwerben.

In den Zeichnungen Tab. XII. Fig. 11. 12. 13. und 14; sind die Buchstaben des Originals beibehalten worden.

aa der Ofen aus gewöhnlichen Ziegel, mit seinem Feuerkanal, seinen Aschenbehalter, seinen Rauchfang, der mit einem Schiefer versehen ist, um den Luftzug zu reguliren. Der Eleganz wegen, ist er mit einer eisernen Belegungumfaßt, und mit ausgeschraubten Pilastern geziert.

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b der Dampfkessel aus dickem Eisenbleche. Er wird bis zum Drittel mit Wasser angefüllt.

c Hölzerne Maischkufen. In der Brennerei des Herrn Grafen v. Subow sind zwei solche, an jeder Seite des Dampfkessels eine. Die Zweite, so wie sie hier gezeichnet ist, ist ohne Rectificator, und die Destillation würde hier nach der gewöhnlichen Art vor sich gehn.

d Ziegelbelegung um diese hölzernen Maischkufen. Zwischen dieser Belegung und der Kufe bleibt ein leerer Raum, der mit Asche oder Kohlenstaub gefüllt wird, um die Wärme, in der Kufe zurückzuhalten.

nn Röhre, welche die Wsserdämpfe aus dem Dampfkessel in die Maischkufen cc führt.

oo Hähne, welche im Nothfall, den Durchzug der Dämpfe nach der einen oder nach der andren Maischkufe hin, aufhalten.

mmm Oeffnungen im Dampfkessel, wodurch man in denselben steigen kann, wenn das Innere besichtigt werden muß, und an den Maischkufen, zur Eingiessung der Maische.

Bei aller Sorgsam auf die Verfertigung des Kessels kann man nicht kleine Zwischenräume vermeiden, durch welche etwas Dampf durchdringt. Deßhalb müssen alle Fugen an demselben, sobald er an Ort und Stelle ist, mit dem oben erwähnten Eisenkitte bestrichen werden. Auch auf diesen Kitt werden durch Schrauben alle Röhre und Hähne befestigt, welche an dem Kessel und an den Maischkufen angebracht sind. Er wird nach einigen Stunden so hart, daß er an Festigkeit dem Eisen gleich kommt.

q Fig. 11. (g soll heissen q Fig. 12.) Röhre welche die in der Maischkufe c entwickelten Dämpfe in die Beikufe e führt. Fig. 12. zeigt Krümmung und die Lage derselben.

e hölzernes Gefäß. Der Rectificator. Dieser bleibt leer. Nach und nach häufen sich die Dämpfe darin an, verdichten sich, und verstopfen bald die Oeffnung des Rohrs q, |458| (g Fig. 12.) weil dieses Rohr bis auf den Boden dieses Gefässes reicht. Eine Beikufe kann zu mehr als einer Maischkufe dienen. Gewöhnlich sammelt sich in ihr, durch die Verdichtung der Dämpfe, ungefähr 1/8 oder 1/7 der ganzen in der Maischkufe befindlichen Flüssigkeit, daher sie wenigstens dreimal so viel fassen muß, als die sich darin sammelnde Flüssigkeit beträgt, ein Spielraum den der Verfasser zur Scheidung der spirituösen Theile von den wässerigen nöthig erachtet.

f Ziegelbelegung um den hölzernen Rectificator e.

v Fig. 12. Helm des Rectificators (Beikufe): kupfernes Gefäß, in welchem das Rohr r sich öffnet. Es ist mit warmen Wasser angefüllt.

Man kann mit einer kleinen Beikufe Branntwein bekommen, wenn man durch die Verminderung des Druckes in der Maischkufe, die Elasticität der Dämpfe im Kessel vermindert, und oft das Wasser verändert, welches in v gegossen wird. In diesem Falle geht die Destillation dem Anscheine nach langsamer, sie wird aber schneller beendigt.

Der kupferne Helm ist luftdicht mit der Beikufe verbunden.

g Kühlapparat. Er wird aus dünnen Blechplatten verfertiget, die einen Zig-Zag bilden. Dieser Refrigerator scheint eine Nachahmung des Solimanischen zu seyn: er ist leichter zu bearbeiten als die Schlange, und da er mit Zinn zusammengelöthet ist, so kann er zuweilen auseinander genommen werden, um ihn von neuem zu verzinnen.

l Kühlfaß, zu diesem Apparat: er ist mit Brettern belegt.

t ein eiserner oben bedekter Wasserbehälter, der so in den Schornstein gemauert wird, daß der darin aufsteigende Rauch, der noch ziemlich warm ist, den Kessel umziehn, und das darin enthaltene Wasser erwärmen kann.

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2. kleine trichterförmige Röhre, um diesen Kessel t mit Wasser zu füllen.

p Röhre die fast bis auf den Boden des Dampfkessels geht. Sie muß eine hinlängliche Länge haben, weil das Wasser, durch den Druck der Dämpfe, darin erhoben wird.

3. kurze Röhre, die den Wasserkessel t, mit der Röhre p verbindet.

4. ein metallener Stöpsel, der etwas niedriger steht, als die Röhre 4. Er ist kegelförmig gebildet, damit er desto besser die Röhre p verschliessen könne.

7. 8. Hebel mit welchem das obere Ende der an diesem Stöpsel befestigten Stange vermittelst eines Scharniers verbunden ist.

7. Punkt um welchen sich der Hebel 7. 8. dreht.

6. Ein Stein, oder ein Stück Eisen, der zum Theil ins Wasser taucht.

5. Ein eiserner Drath, an welchem dieser Stein hängt. Das oberste Ende dieses Draths ist am Hebel 7. 8. befestigt.

8. Ein Gegengewicht zu dem Stein 6, der im Wasser des Dampfkessels zum Theil hängt. Wenn das Wasser im Kessel verdampft, so sinkt der Stein, indem er alsdann schwerer wird. Die Hebelstange dreht sich um ihre Axe 7; der metallene Stöpsel 4. wird hinauf gezogen, das Wasser des Kessels t kann in das Rohr p fliessen, und durch dasselbe in den Dampfkessel, bis das Gleichgewicht zwischen 6. und 8. wieder hergestellt ist.

Damit man sicher sey, daß dieser Prozeß auch immer richtig vor sich gehe, sind am Dampfkessel selbst zwei kleine Röhrchen angebracht. Die eine geht ins Wasser, bis zu der Tiefe, unter welcher es nie stehn muß, die andre aber wird in der Entfernung von der Oberfläche des Wassers angebracht, welche dasselbe nie erreichen soll: sie sind beide mit Hähnen versehn. Wenn man beide öffnet, und es strömt aus jeder |460| entweder Dampf oder Wasser, so ist dieses ein Zeichen, daß im ersten Falle zu wenig, im lezten aber zu viel Wasser im Dampfkessel ist.

9. 10. 11. 12. Sicherheitsventil.

uu Hähne, um das Wasser aus dem Kessel und den Maischfässern zu lassen.

52. Einige Bemerkungen über diesen Apparat.

Aus dieser Beschreibung sieht man, daß dieser Apparat zwar zusammengesezt, daß aber der Mechanismus desselben nicht complicirt ist.

Von allen bisher beschriebenen, und mir bekannten eignet sich kein einziger, so wie dieser zur Fabrikation unserer Branntweine, und es ist kaum zu zweifeln, daß so bald nur einige große Gutsbesizer, oder wohlhabende Brenner einen ähnlichen werden aufgestellt, und die Vortheile desselben anschaulich gemacht haben, die größere Anzahl, die nur auf gute und belehrende Beispiele wartet, keinen Anstand nehmen wird, ihn einzuführen.

Die Vortheile der Subow'schen Methode, sind groß.

Man erspart das beträchtliche Capital, das man auf die Anschaffung, und auf die Erneuerung der kupfernen Kessel verwenden muß, deren Boden vorzüglich von der anhaltenden starken Feuerung leidet. Alles Kupfer, welches an diesem Apparate ist, leidet Nichts von der Wirkung des Feuers, und kann sehr lange dauern.

Die Verkittung der verschiedenen Theile der Röhren, und ihre Verbindung vermittelst Schrauben, sezet Anfangs freilich etwas mehr voraus, als man von unseren gemeinen Brennknechten erwarten darf, allein der dazu nöthige Mechanismus ist so leicht, daß sie sich bald darein finden werden.

Es ist keine geringe Ersparniß, daß die Destillation aus hölzernen Kufen betrieben werden kann, weit besser als in Metal läßt sich darin die Wärme concentriren, und Herr |461| Graf von Subow hat überdieses die dazu schicklichsten Mittel gewählt. In kleinen Brennereien könnte bei einer aus starken Bohlen zusammengesezten Maischkufe die steinerne Belegung wegfallen. Wer indessen schon kupferne Brennkessel besizt, kann sie in die Stelle dieser Maischkufen brauchen, und darf nur mit Wegwerfung des Helms, sie zum neuen Gebrauche einrichten lassen; er hat alsdann keine andre Hauptausgabe als die des eisernen Dampfkessels.

Besonders wichtig ist die neue Art der Einmaischung, die auf diesen Apparat berechnet ist; die jedoch auch auf Destillationen im luftverdünnten Raume anzuwenden seyn dürfte, weil die Destillation in diesem bereits durch eine Wärme von 45 bis 50 Grad bestimmt wird. Rathsam ist es indeß, sich, wie schon oben gesagt an der erprobten Methode zu halten, bis die neue durch zweckmässige Versuche, ihren Nuzen bewährt haben wird: alsdann wird man nach Belieben entweder den Dampfkessel ersparen, oder wenn man diesen schon hat, mit der Hälfte des Dampfes, dasselbe leisten.

Die Wichtigkeit dieses Vortheils sieht man besonders ein, wenn man erwägt, daß dadurch die hier anwendbare Methode der Einmaischung, das zu derselben nöthige Wasser in dem Verhältnis von 2,5 zu 1 vermindert ist, die Zeit die auf die Einmaischung verwendet werden muß, ferner die Zeit zur Abdünstung der respectiven Wassermengen, und endlich, das zu dieser Verdünstung nöthige Holz in demselben Verhältnisse stehn. Kömmt hiezu noch die Vereinfachung der Operation durch Rectificatore, so wird man einsehn, daß wenn man, nach der gewöhnlichen Methode mit 8 bis 10 Klafter auskommt, man hier mit einer Klafter fertig werden muß.

Was den Rectificator betrift, so besteht der untere Theil aus einer hölzernen Kufe, und der obere aus Metal. Der obere wird mit Wasser angefüllt, und durch dieses Wasser |462| geht die Röhre, welche die Dämpfe, die sich aus dem Rectificator erheben, ins Kühlfaß leiten.

Wenn wir hier verschiedene Beobachtungen zusammenstellen, zu welchen die Rectificatoren verschiedener hier beschriebener Apparate die Veranlassung geben, so dürfte diese Vergleichung für manchen belehrend ausfallen.

Herr Strauß hat bemerkt, daß wenn er in den Trog seines Rectificators kaltes Wasser hinzugießt, die Bildung und das Aufsteigen der Dämpfe wenigstens eine viertel Stunde ganz aufhört: – Herr Elglund bemerkt, daß je kälter das Wasser ist, welches die Hälfte seines Rectificators umringt, desto stärker wird der Branntwein; – Herr von Subow hat gefunden, daß wenn das Wasser über dem Rectificator sich auf 50 bis 60 Grad erwärmt, dann erst strömen die Dämpfe ins Kühlfaß aber: er bemerkt ferner, daß sich durch die Verdichtung der Dämpfe in dieser Kufe 1/8 oder 1/7 der ganzen anfänglich in der Maischkufe befindlichen Flüssigkeit sammlet. Endlich macht er noch die Bemerkung, daß wenn man durch Verminderung des Drucks in der Maischkufe, die Elasticität der Dämpfe im Kessel vermindert, und oft das Wasser im oberen Theile des Rectificators verändert, man stärkeren Branntwein bekommen kann.

Alle diese Beobachtungen zusammengenommen, müssen in der Theorie der Dampfbildung und der Dampfverdichtung überhaupt ihren Grund haben, und sich folglich daraus erklären lassen.

Da der Rectificator des Herrn Strauß nicht ganz mit Wasser umgeben ist, so wird derselbe bloß so weit oder ungefähr so weit mit Wasser umringt, als sich darin das Pflegma sammelt. Bringt man plözlich kaltes Wasser hinzu, so wird dieses Pflegma so abgekühlt, daß die Dämpfe, sowohl des Wassers als des Alkohols, sich darin verdichten, bis die Wärme des Pflegmas wiederum die Absonderung beider möglich |463| macht: sollte dieser Rectificator ganz im Wasser stehn, so würde sich der Branntwein, nach den Graden der Temperatur des Wassers, und nach der Menge desselben bald etwas schwächer, bald etwas stärker zeigen.

Nur der obere Theil des Elglund'schen Rectificators ist im Wasser. Je kälter dieses Wasser ist, desto stärker wird der Branntwein; aber es muß wohl bemerkt werden, daß die Dämpfe sich unmittelbar in denselben, und nicht durch eine sich darin sammelnde Schichte wässeriger Flüssigkeit, begeben. Ihr Pflegma wird bloß durch die Kälte der oberen Theile des Rectificators verdichtet, und von den geistigen, elastisch gebliebenen Theilen, geschieden, da dieser Rectificator einen großen inneren Raum hat, so erstreckt sich diese Rectification desto tiefer in die Masse der Dämpfe, desto größer die Kälte der Abkühlung ist, und folglich je mehr sich rectificirte Dämpfe in den Refrigerator begeben, um so stärker wird der Branntwein seyn.

Herr Graf von Subow dagegen, hat an seinem Rectificator die beiden Rectificationsmittel angewendet: je größer der Druck ist, unter welchem die Dämpfe sich erzeugen, desto mehr Wärme ist mit denselben verbunden, desto geringer wird die Rectification in dem gesammelten Pflegma seyn, durch welches sie ziehn. Ist nun, unter diesen Umständen, der Durchmesser der Kufe und folglich ihres metallenen Rectificators, groß, so bietet dieser, den sich erhebenden Dämpfen, eine breite Fläche dar, und kann daher, indem er viele wässerige Dämpfe mit einem Mal condensirt, den Nachtheil des größeren Druckes einigermassen wieder gut machen; und man bekommt guten starken Branntwein. Ist aber die Kufe kleiner, und sind zugleich die Dämpfe sehr elastisch, so lassen sie bei ihrem Durchzuge durchs Wasser, so wie im vorigem Falle zu wenig Wasser zurück. Eine weit kleinere Wasse Dämpfe kann indessen, in derselben Zeit, die Einwirkung des |464| metallenen Abkühlers erfahren, und in demselben Verhältnisse gehn mehr wässrige Dämpfe über: man bekommt also mit einer kleineren Kufe einen stärkeren Branntwein, wenn die Dämpfe minder elastisch sind, das heißt, wenn sie unter einem minder grossen Drucke erzeugt werden, und man das Wasser des Abkühlers am Rectificator kälter hält, folglich öfters erneuert.

Auf jeden Fall würde der Rectificator am Subow'schen Apparat bei einer kleineren Kufe einen stärkeren Branntwein geben, wenn der Solimanische Zig-Zag in dem metallenen Wasserbehälter, der den oberen Theil dieser Kufe ausmacht, angebracht worden wäre. Indeß wenn man bloß einen starken Branntwein weil er einfacher ist, hinreichen.

Herr von Subow bemerkt, daß sich in diesem Rectificator 1/8 oder 1/7 der ganzen in die Maischkufe befindlichen Flüssigkeit sammelt. Dieses Verhältniß scheint mir bei der dickeren Maische, die zu diesem Apparate erfordert wird, etwas groß; und kännte vielleicht zu breiten Röhren zugeschrieben werden müssen; da die Erfahrung mich gelehrt hat, daß sie eine wahre Destillation bewirken, die den Rectificator mit unnüzen Wasser füllt.

Es ist kaum zu bemerken nöthig, daß man vermittelst dieses Apparats, Alkohol nach beliebiger Stärke bilden kann, wenn man die Zahl der Rectificatoren zwischen der Maischkufe und dem Kühlfasse vermehrt, in welchem Falle aber die folgenden Rectificatoren beträchtlich kleiner seyn, und nach demselben Systeme eingerichtet werden können.

Die Subow'sche Destillirmethode würde alle bis jezt bekannte und bewährte Vorzüge eines Destillirapparates vereinigen, wenn zur Reinigung des Branntweines, die Ernst'sche Kohlensiebe, oder irgend, ein andres Läuterungsmittel angebracht wären, was nicht schwer ist: auch vermißt man an der Kufe, die zum Rectificator dienet, einen Hahn, der an |465| einer gewissen Höhe befestigt, das überflüssige Pflegma ablassen könnte.

Schließlich theile ich noch dem Leser eine Tabelle mit, welche die Hauptvortheile jenes Apparats zusammenstellt, und habe nur zur besseren Uebersicht derselben, die Rußischen Maasse auf Baierische zurückgeführt.

|zu_Seite_465|

Vergleichungs-Tabelle

der drei unten genannten Methoden, Branntwein zu brennen, in der Voraussezung, daß nach einer jeden derselben in 7 Monaten, während welcher ununterbrochen gebrannt wird, 6732,55 Baierische Eimer (35,000 Russische) Kornbranntwein geliefert werden sollte, angenommen, daß, nach allen drei Methoden, bei gleicher Quantität Roggen, der Ertrag an Branntwein gleich sey.

Textabbildung Bd. 2, zu Seite 465

* Nach der gewöhnlichen Methode muß man im Kochen erhalten, bis man, als leztes Produkt, den Branntwein erhält: 5229,16 E. Flüßigk. Nach der Subowschen nur 157,63 E.

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|425|

In Berichterstattern wurden ernannt die HH. Dr. Vogel, v. Yelin, Vorherr, und J. Utzschneider. In dem Gutachten heißt es: „Die zu untersuchende Probe hatte mit dem Arrack, |426| wie er in den Handel kommt, gleiche Stärke, und zeigte an dem Baume'schen Aräometer 25°. Die Farbe ist hoch goldgelb; ein Umstand, den wir hier blos erwähnen, weil sie diesem Getränke eigenthümlich zu seyn, folglich von den Bestandtheilen der Composition, und nicht von einer absichtlichen Färbung mit gebranntem Zucker oder andern färbenden Stoffen herzurühren scheint. Sein Geruch ist nicht stark aber fein, aromatisch, angenehm. Sein Geschmack ist lieblich und mild, von eigner Art, doch erinnert er, obgleich entfernt, an den der Pomeranze. Er giebt dem Thee ohne Milch und mit Milch einen sehr angenehmen und mit keinem bekannten Arom zu vergleichenden Geschmack. Mit siedendem Wasser, Citronensaft und Zucker bildet er ein lieblich schmeckendes Getränk, wiederum von einem eigenthümlichen von dem im Thee ganz verschieden Geschmacke, der sich eben so wenig mit etwas bekannten vergleichen läßt. – Aus diesen Resultaten ergiebt sich: Daß der Monaco nicht als ein Surrogat für den Arrack und Rhum gehalten, sondern als ein eigenthümliches Getränk betrachtet werden muß: denn er ist nicht nur von diesen beiden durch seinen Geschmack, sondern auch hauptsächlich dadurch verschieden, daß er, je nachdem er in Thee oder als Punsch getrunken wird, seinen eigentlichen Geschmack verliert, und einen von diesem ganz verschiedenen, obgleich nicht minder angenehmen annimmt, wogegen der Arrack und der Rhum sowohl im Thee als im Punsch unverändert bleiben. Die Berichtserstatter glauben daher das vorgelegte Erzeugniß als einen neuen Gewinn für die vaterländische Industrie betrachten zu können, und nehmen keinen Anstand, es als unmittelbares Getränk, zum Thee, und als punschartiges Getränk zu empfehlen“, welchem wir den angestellten Versuchen zufolge ganz beipflichten. Dingler.

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