Titel: Literatur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. XVI. (S. 111–123)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/ar003016

XVI. Literatur.

Chemie.

Handbuch der allgemeinen und technischen Chemie. Zum Selbstunterrichte und zur Grundlage seiner ordentlichen und außerordentlichen Vorlesungen entworfen von P. T. Meißner etc. II. B. In 2 Abtheilungen. Chemie der nicht metallischen Stoffe. Mit 2 Kupfertafeln. 8. Wien 1820. Gedruckt und im Verlage bei K. Gerold. 874 S. Auch unter dem Titel: Anfangsgründe des chemischen Theiles der Naturwissenschaft.


Der 1. Theil dieses achtbaren Werkes wurde in unserer Zeitschrift I. B. 4. H. S. 499 angezeigt, und zwar von einem anderen Mitarbeiter, dessen Ansichten auch der gegenwärtige, |112| in sofern sie dem wackeren Hrn. Verfasser Gerechtigkeit wiederfahren lassen, huldigt, obschon er nicht alle mit ihm theilt. Voluminös wird dieses Werk allerdings werden, aber wer kann heut zu Tage Chemie in 2–3 Bänden gründlich behandeln. Schreibt sie ein Meißner, so kann man wohl sagen, je mehr desto besser: allein wir müssen dessen ungeachtet den Hrn. Verfasser an jene Aufschrift am Tempel zu Delphos erinnern: Μηδεν ἀγαν! Ne quid nimis! Dieß ist das Einzige, was wir uns zu bemerken erlauben; denn wir sind des Glaubens, daß in dem Gebiethe einer Erfahrungs-Wissenschaft Niemand berechtigt ist dem andern Bahn und Grenze vorschreiben zu wollen. Das ist die Sache der Tanzmeister, die einen Menuet herstreichen lehren, oder eine Quadrille hinschweben, und in dem kritischen Augenblicke immer aus vollem Halse schreien: Balancez les quatre avec grace! Im Gebiethe der Erfahrungs-Wissenschaft muß volle Freiheit herrschen; jeder muß seinen Gang gehen können, frei und ungestört in jeder Wendung die er nimmt. Man wird am Ende schon sehen, was herauskommt. Die Nachwelt allein wird vielleicht richtig urtheilen über manches, worüber wir abgesprochen haben, ehe die Acten geschlossen waren. Dieß ist unser Glaubensbekenntniß über jedes mögliche Handbuch einer allgemeinen Chemie.

Da aber das vorliegende zugleich ein Handbuch der technischen Chemie seyn soll, so gestehen wir frei, daß wir dasselbe in dieser Hinsicht, bei allen den Vorzügen die es besizt, nicht eben so hoch schäzen können, als wir es als Handbuch der allgemeinen Chemie ehren; wir glauben sogar, daß es, bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft, durchaus unmöglich ist, die allgemeine Chemie mit der technischen in einem und demselben Werke zu verbinden, und daß die Chemie, nun so innig verwandt mit |113| der Mathematik, sich, wie diese, in zwei ganz disparate Theile trennen muß, in die reine Chemie, und in die angewandte, wovon die leztere die erstere nothwendig voraussezt in ihrem ganzen Umfange. Es gibt Mathematiker vom ersten Range, die von jedem Comptoristen, von jedem Feldmesser zu Schanden gerechnet und gemessen werden, ohne daß sie dadurch in ihrer Würde und in dem Verdienste um die reine Wissenschaft auch nur das Mindeste verlören; und so giebt es Chemiker, die vielleicht die Welt zersezen könnten, die aber keine Retorte einsezen können, und die des Hungers sterben müßten, wenn sie auch nur eine Salzsiederei leiten sollten, von welcher doch selbst ganze Staaten sich oft reichlich nähren. Das bekannte: divide, et impera, ist nicht bloß für die Politik, es ist auch für die Wissenschaften ewige Wahrheit. Pluribus intentus minor est ad singula sensus. Wir leben nicht mehr in jenen schändlich-philosophischen Zeiten, in welchen der laut verlachte Eigendünkel der eingebildeten Philosophen die Anwendung der Wissenschaft auf das Leben als rohen Technicismus, als rohe Empirie schelten darf: wir verehren die Kunst, und schäzen die Wissenschaft. Je mächtiger die Fortschritte der Wissenschaft sind, desto größer müssen auch jene der Künste werden, und eine technische Chemie unserer Tage hat einen ganz anderen Umfang, eine ganz andere Gestalt als sie auch nur vor wenigen Jahren noch hatte. Die Aufgabe, eine technische Chemie zu liefern, die den neuesten Entdeckungen und Fortschritten in der Chemie, dem ungeheueren Umfange, den die Wissenschaft erreicht hat, auch im kleinsten Detaile entspricht, ist vielleicht noch schwieriger zu lösen, als jene, ein allumfassendes Handbuch der allgemeinen Chemie zu schreiben, die der Hr. Verfasser so glücklich gelöset hat. Diese Bemerkungen sollen indessen dem Werthe dieses Buches auch für Techniker nichts entziehen, und wir glauben nicht zuviel für |114| die chemische Kunst zu verlangen, wenn wir es in der Hand jedes technischen Chemikers zu sehen wünschen.

Der Hr. Verfasser handelt in diesem Bande I. vom Aräoticon, zwar eine neue, aber allerdings richtigere Benennung als die des Caloricums oder Wärmestoffes, den man sich bisher so oft wie einen armen Neger-Sklaven geknebelt und gebunden denken mußte. II. vom Oxigen. S. 97. III. vom Hydrogen. S. 287. IV. vom Azot. S. 343. V. vom Murium. S. 438. VI. vom Fluor. S. 515. VII. vom Jod. S. 524. VIII. vom Carbon. S. 550. IX. vom Boron. S. 627. X. vom Phosphor. S. 642. XI. vom Schwefel. S. 699. XII. vom Selen. S. 805. Alle diese werden hier in ihren verschiedenen Verbindungen unter einander betrachtet. Ein Anhang von S. 829–874 enthält 22 für Techniker sehr brauchbare Tabellen, von welchen der Hr. Verfasser mehrere ganz neu bearbeitet hat.

Chemischer Katechismus. Mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Landwirthe, Gewerbtreibenden und überhaupt aller jener, welche die Chemie nicht bloß als Studium, sondern auch zur Anwendung im Leben sich eigen zu machen wünschen. Unter steter Beachtung der neuesten Entdeckungen der Engländer, Franzosen und Deutschen bearbeitet von Dr. Adolph Heinrich Meineke, ehmaligem constituirenden Mitgliede der philomatischen Gesellschaft in Berlin etc. Prag 1820, bei Friedrich Tempsky. Firma: J. G. Calve. (VIII. und 653 S. in gr. 8.)


Man darf den Herrn Verfasser, welcher dermalen in Blansko bei Brünn lebt, nicht verwechseln mit Hrn. Dr. Joh. Ludwig Georg Meineke, welcher in Halle lebt, und gegenwärtig Mitherausgeber des Journals der Chemie ist. Während sich lezter vorzugsweise mit der Stöchiometrie beschäftiget, scheint sich unser Hr. Verfasser mehr mit der Anwendung der Wissenschaft auf Oekonomie und Technologie |115| zu befassen. In der Vorrede sagt er, daß er nicht Willens gewesen sei die große Anzahl der chemischen Lehr- und Handbücher noch zu vermehren, daß er aber diesen Katechismus welcher ursprünglich nur für seinen eigenen Gebrauch beim mündlichen Unterrichte bestimmt war, denn doch auf Zureden mehrerer Sachkundigen herauszugeben sich entschlossen habe. Er macht dabei S. IV. sehr richtig folgende Bemerkung: „Ich weiß zwar wohl, daß niemand Chemie aus einem bloßen Katechismus erlernen wird; dazu war er aber auch nicht bestimmt, sondern er sollte nur hauptsächlich zum Anhaltspunkte bei der Repetition der bereits erlernten Wahrheiten dienen.“ Dieses ist nach unserer Ueberzeugung der einzig wahre Gesichtspunkt aus welchem man diesen Katechismus betrachten muß. Chemie daraus erlernen zu wollen, rathen wir Niemanden, denn dieß wäre ein ziemlich müheseliges Studium, weil der Vortrag durch die Fragen beständig unterbrochen wird; allein wenn zwei oder mehrere zusammen Repetitionen veranstalten wollen, so zwar daß der Eine immer zuerst eine Frage aus dem Buche abliest, der Andere aber sie auswendig zu beantworten sucht u.s.w., so kann dieser Katechismus sehr nüzlich seyn; denn es ist die Chemie darin kurz, deutlich und in einer guten Ordnung enthalten, auch findet man die wichtigern von den neuen Entdeckungen ziemlich beisammen. Wir sagen ziemlich, denn vieles, was dem Verf. im Jahr 1820, wo dies Buch gedruckt worden ist, wohl hätte bekannt seyn können, wird man vergebens darin suchen, z.B. Thorinerde, hyposchwefelichte Säure, Hyposchwefelsäure, Hypophosphorsäure, Mekonsäure, Schwefelweinsäure, Lampensäure, Purpursäure, das Thenardische oxygenirte Wasser, die neu entdeckten Pflanzenbasen, z.B. das Morphium, Strychnin u.s.w.

Diese Gegenstände haben zwar für die Landwirthschaft und die Gewerbe kein nahes Interesse, allein berührt hätten |116| sie denn doch werden sollen, so wie manches andere was im Buche wirklich vorkömmt.

Das Selenium hat der Verf. unter die Metalle gebracht, wir glauben, daß es gleich hinter dem Phosphor besser an seiner Stelle gewesen wäre. Auf die Lehre von den bestimmten Mischungsverhältnissen, auf die Stöchiometrie hat sich der Verf. gar nicht eingelassen, was wir keineswegs billigen können. Uebrigens hat das Buch, wie bereits erwähnt, viele Brauchbarkeit, und wir wünschen, daß es recht häufig gelesen und benuzt werde, und in den Ständen, wo die Chemie am meisten nuzen kann, diese herrliche Wisschaft immer mehr und mehr zu verbreiten.

A. B.

Physik.

Lehrbuch der Physik von Johann Ph. Neumann, Professor am k. k. polytechnischen Institute in Wien. Erster Theil. Mit 12 Kupfertafeln. Wien 1818. Gedruckt und verlegt bei Carl Gerold. (XX. und 558 S. in gr. 8.) Zweiter Theil. Mit fünfzehn Kupfertafeln. Ebendas. 1820. (XVI. u. 783 S. in gr. 8)


Der Verf. hat schon im Jahr 1808, als er noch Professor in Gräz war, ein Lehrbuch der Physik in lateinischer Sprache herausgegeben unter dem Titel: Compendiaria physicae institutio. Sein neuer Wirkungskreis, in welchem er die Physik in deutscher Sprache vorzutragen hat, veranlaßte ihn, ein neues Lehrbuch der Physik aus einem etwas veränderten Gesichtspunkte zu bearbeiten. In seinem lateinischen Compendium hatte er nämlich die ganze allgemeine Naturlehre abgehandelt, sein deutsches Lehrbuch hingegen beschränkt sich nur auf dasjenige, was man Physik in der engsten Bedeutung des Wortes nennt, es schließt daher die Chemie aus, was sehr zu billigen ist. Daraus ergiebt sich also schon, daß das vorliegende deutsche |117| Lehrbuch nicht etwa eine Uebersezung des lateinischen, sondern durchaus ein ganz anderes Werk ist. Auch ist es kein bloßer Leitfaden für Vorlesungen, sondern ein sehr ausführliches Handbuch zum Nachlesen, auch zum Selbstunterrichte geeignet. In der Anordnung der einzelnen Theile der Physik weicht der Verf. von anderen Physikern in vieler Hinsicht ab. Sein Lehr-Gebäude ist nämlich auf folgende Art eingerichtet:

Einleitung. Bestimmung der Begriffe von Physik, Natur, Materie, Körper u.s.w.

Erstes Hauptstück. Von den allgemeinsten Erscheinungen der Körper. Allgemeine Eigenschaften der Körper. Von der Bewegung im Allgemeinen, ohne Beziehung auf specielle Bewegungskräfte.

Zweites Hauptstück. Vom Weltgebäude. (Was man sonst unter physischer Astronomie begreift.) Wir müssen gestehen, daß es uns überrascht hat, gleich von vorn herein in das große Weltgebäude eingeführt zu werden, noch ehe wir die allgemeinen Geseze der Bewegung, Anziehung, Abstoßung etc. vollständig kennen gelernt hatten. Wir sind der Meinung, daß dieses Hauptstück ganz am Ende des Werkes an der rechten Stelle gewesen wäre.

Drittes Hauptstück. Von den Erscheinungen der Anziehung überhaupt und der in jeder denkbaren Ferne insbesondere. Mit diesem Hauptstücke, welches die allgemeine Bewegungs-Lehre enthält, beginnt derjenige Theil der Physik, welchen man sonst Experimental-Physik nennt.

Viertes Hauptstück. Von den durch die Schwere bewirkten Bewegungen, in wiefern sie durch die Form der Körper nicht modificirt werden. Freier Fall der Körper. Hinabgleiten über eine schiefe Fläche. Wurfbewegung, Centralbewegung u.s.w.

|118|

Fünftes Hauptstück. Phänomene der schweren festen Körper. (Mechanik.)

Sechstes Hauptstück. Phänomene der schweren tropfbarflüßigen Materien. (Hydraulik und Hydrostatik.)

Siebentes Hauptstück. Phänomene der schweren ausdehnsamen Flüßigkeiten. (Aerostatik und Pneumatik.)

Achtes Hauptstück. Erscheinungen der vorherrschenden Anziehung in der Berührung oder in unmerklichen Abständen. Cohäsion. Theilbarkeit der Körper. Aggregationsformen. Krystallbildung. Adhäsion. Erscheinungen durch chemische Verwandschaft. Chemische Bestandtheile u.s.w. Hier hat der Verf. die Grenze zwischen der Naturlehre im engern Sinne und der Chemie ziemlich gut getroffen.

Neuntes Hauptstück. Von den Schwingungs Bewegungen elastischer Körper, besonders in Beziehung auf das Hörbare derselben. (Akustik.)

Zehntes Hauptstück. Von den Erscheinungen der Wärme.

Eilftes Hauptstück. Von den Erscheinungen des Lichtes. (Optik. Katoptrik. Dioptrik.)

Zwölftes Hauptstück. Von den Erscheinungen der Elektricität.

Dreizehntes Hauptstück. Von den magnetischen Erscheinungen.

Vierzehntes Hauptstück. Einiges von den irdischen Erscheinungen im Großen. (Physische Geographie und Meteorologie).

Der Vortrag ist durchaus bestimmt, deutlich, und wohlgeordnet. Was uns bei diesem ausführlichen Lehrbuche ganz |119| besonders wohl gefällt, ist die Einrichtung, daß alle Hauptsäze der Wissenschaft mit größerer Schrift gedruckt sind, die Zusäze und Erläuterungen aber mit kleinerer Schrift dazwischen sich befinden. Dadurch gewinnt man den Vortheil, daß sich die Grundlehren leichter und schneller auffassen lassen, und auch für sich studiert werden können, ohne in das ausführliche Detail einzugehen. Ueberhaupt gehört dieses Werk unstreitig zu den bessern Lehrbüchern der Physik; wir können es denjenigen, welche sich in dieser Wissenschaft gründlich unterrichten wollen, sehr empfehlen.

Auch von Seite des Verlegers ist das Werk gut ausgestattet; der Druck ist schön, und ziemlich korrekt, die Abbildungen sind gut. Mehrere Tabellen und Uebersichten, welche sowohl dem ersten, als zweiten Bande beigegeben sind, tragen viel dazu bei, um die Brauchbarkeit des Lehrbuches zu erhöhen.

A. B.

Technologie.

„Taschenbuch für Tischler, Drechsler und Holzarbeiter, oder Anweisung ihre gefertigten Arbeiten zu lakiren, zu poliren, zu beizen, und ihnen Glanz, Schönheit und Dauer zu geben. Aus langjähriger eigener Erfahrung, von einem Freunde dieser Künste. Mit einem Kupfer. Halberstadt. 1820. In H. Voglers Buch- und Kunsthandlung.“ (101 S. 8. VIII. Vorrede.)


Es fehlt uns keineswegs an größern Werken, worin diese Künste zusammengestellt mitgetheilt werden, so wie wir auch bereits eine Menge kleiner Schriften besizen, welche diese Gegenstände einzeln vortragen. Dem ungeachtet ist die vorliegende Schrift keineswegs als überflüßig zu betrachten. Die Holzarbeiter, und überhaupt diejenigen, welche sich mit solchen Arbeiten beschäftigen, gehen gemeiniglich nicht vorwärts in ihrer Kunst, sondern bleiben bei alten Recepten |120| stehen, welche sie zufälligerweise erhaschten, oder von dem Vater ererbten; an den Ankauf eines größern Werks ist bei ihnen gar nicht zu denken. Es ist daher gut wenn man sie mit den Fortschritten, welche bei dem einen oder andern Theil ihrer Kunst oder ihres Handwerkes statt fanden, in einzelnen kleinen Abhandlungen bekannt macht. Der Verf. geht die verschiedenen Arten der Firnisse und Lacke durch, und giebt die nöthigen Vorschriften dazu nebst den Regeln ihrer Verfertigung. Er lehrt auch die Verbesserung des Leims, und beschreibt verschiedene Farben, welche zu den verschiedenen Lakirungen verwendet werden können. Daß er, wie auf dem Titel gesagt ist, alles aus eigener Erfahrung habe, möchte nicht ganz gegründet seyn, denn sonst müste er wissen, daß, wenn man Schellack in Oel, (fettem Oel) auflösen will, dieses nicht die geringste Wirkung darauf habe; ferner, daß sich der Kopal schlechterdings nicht in Weingeist, am allerwenigsten aber in dessen Dampfe ganz auflöße, wenn man ihn in einen Kolben aufhängt und Weingeistdämpfe daran strömen läßt; auch würde ihm manche Vorsichtsregel nicht entgangen seyn, z.B. daß man keine Zwiebel in das glühend heiße Oel werfen darf, wenn man nicht das Ueberlaufen und seine Folgen erwarten will. Das Kupfer stellt die Maschine zum Bernsteinschmelzen dar, welche aber ebenfalls noch ziemlich unvollkommen ist.

Oekonomie.

Kurze Abhandlung den Hopfen, dieses so nüzliche, wie auch zum Bierbrauen unumgänglich nothwendige Produkt in Baiern mit Nuzen anzubauen. Nach eigener Erfahrung entworfen und herausgegeben von F. X. Ludsteck Senior, bürg. Bierbrauer in Straubing. 8. ohne Druckort. 1819. 68 S. Auf der lezten Seite: Straubing mit Lerno'schen Schriften.


Je wichtiger der Hopfenbau für Baiern ist und jemehr er, leider, bei uns vernachlässigt wird; je größer der Verlust, den |121| Baiern jährlich durch diese Nachlässigkeit erleidet, (der Herr Verfasser berechnet die Summe, die jährlich allein nach Böhmen für Hopfen aus dem Lande geht, auf 360,000 fl. Im J. 1801–2 betrug sie über 1 1/2 Millionen), desto nothwendiger wird es von Zeit zu Zeit den baierschen Landmann auf die Nothwendigkeit wie auf die Vortheile des Hopfenbaues aufmerksam zu machen, und desto verdienstlicher wird es einen zweckmäßigen auf Erfahrung gegründeten Unterricht ertheilt zu haben. Es fehlt oft nur an Fleiß und Mühe, wie der Hr. Verf. sehr richtig bemerkt; denn daß der baiersche Hopfen, wo er gehörig gewartet und gepflegt und aufbereitet wird, eben so gut ist, als der böhmische, unterliegt keinem Zweifel, und mit Recht zählt der Hr. Verfasser den eitlen Glauben auf die Vorzüge des böhmischen Hopfens unter die »landschädlichen« Vorurtheile.

Wir können dem von dem Hrn. Verf. gegebenen Unterrichte unsern Beifall nicht versagen; denn, wenn auch hier und da, z.B. S. 31, noch einige alte Vorurtheile vorkommen, wie Glauben auf den Einfluß des abnehmenden Mondes u. dgl., so finden wir uns dafür durch sehr wahre und richtige, aus der Erfahrung abgezogene Bemerkungen, die wir in manchem rein theoretischen Werke über den Hopfenbau vermissen belohnt.

Möchte diese kleine Schrift als Schulgeschenk in den Landschulen vertheilt werden; sie würde dem Lande mehr Vortheil bringen als mancher ascetische Wisch, der Kopf und Herz des Baiern verdirbt, und den Boden des Landes um nichts bessert. Da hier der treuherzige Baier bloß zu seinem Landsmanne spricht, von dem er in der Landessprache leichter verstanden wird, als in der hochdeutschen, so wäre es unbillig, Styl und Sprache nach der hochdeutschen Regel bekritteln zu wollen.

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Englische Literatur.

Ein neues System des Pferde-Beschlagens, mit einer Darstellung der verschiedenen bei verschiedenen Nationen in Anwendung gekommenen Beschlag-Arten, insbesondere eine Vergleichung der in Frankreich und England üblichen Methoden, sammt Beobachtungen über die mit dem Beschlagen in Verbindung stehenden Krankheiten. Von Joseph Goodwin, Veterinärarzt in k. Diensten. 8. S. 309.
A new System of Shocing Horses, with an Account of the various Modes practised by different Nations, more particularly a Comparison between the English and French Methods and Observations on the Deseases of the Feet connected with Shocing. By Jos. Goodwin. 18)


Der Verfasser hat in Ansehung des wichtigen Theiles der Veterinärkunst, wovon sein Werk handelt, gegründeten Anspruch auf die Theilnahme des Publikums durch das gewichtigste aller Motive; durch eine lange Erfahrung; denn er war zwanzig Jahre mit den Pferde-Krankheiten aller Art und der Heilung derselben häufig beschäftiget. Zu seinem System, welches dem in England üblichen ganz entgegen ist, wurde er durch die Aeußerung englischer Kavallerie-Offiziere und anderer Personen, daß das Verhältniß strupirter Pferde in Frankreich weit geringer sey, veranlaßt; indem er nun der Ursache nachdachte und sie in der Vorzüglichkeit der französischen Beschlag-Methode entdeckte. Eine merkwürdige Stelle berührt die Fuß-Krankheiten der Pferde.

»Bei den bisher für unheilbar gehaltenen Lähmungen, z.B. bei allen so häufig vorgekommenen permanenten Fuß-Krankheiten schlug Hr. Sewell vom Vetrinär-Kolleg vor, einen Theil der an den Fuß reichenden Nerven zu trennen oder besser zu amputiren. Diese Operation wird manchmal |123| unter dem Hufhaare-Gelenk auf beiden Seiten, manchmal über dem Gelenke vorgenommen. Der Erfolg dieser neuen und großen Entdeckung giebt den entschiedensten Anspruch auf die Belobung von Seite der Sachkenner, wie von Seite des Publikums.«

Bücheranzeigen, entnommen aus dem Morning-Chronicle vom 19. Aprill 1820.

Praktische Anleitung zum Landschaftzeichnen und Mahlen mit Wasserfarben nach der Natur, in einer Reihe von Unterweisungen zur Erleichterung des Fortschreitens der Anfänger, in 4. mit Kupfern.

The Practice of Drawing and Painting Landscape from nature in water colours, exemplified in a Series of instructions calculated to facilitate the Progress of the Learner etc. in 4. with Plates. –

Anfangsgründe der Chemie, erläutert durch Experimente und Kupferstiche; nebst einem Anhange, welcher von den neuesten chemischen Entdeckungen Nachricht giebt, – von Samuel Parkes.

The Rudiments of Chemistry, illustrated by Experiments and Engravings, with an Appendix, containing an account of the latest chemical discoveries. by Samuel Parkes.

Untersuchung über die Ursachen der fortschreitenden Entwerthung der Landbauarbeit in der neuern Zeit, mit Angabe der Gegenmittel von Joh. Barton.

An Inquiry into the Causes of the Progressive Depreciation of Agricultural Labour in modern Times, with Suggestions for its Rhemedy, by John Barton.

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Philosophical Magazine and Journal by Alex. Tilloch. Numb. CCLXIV. April 1820.

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