Titel: Andr. Knight über die Verheerungen der Wespen am Obste.
Autor: Knight, Thomas Andrew
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. XXIX. (S. 221–225)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/ar003029

XXIX. Ueber die Verheerungen, welche die Wespen am Obste verüben. Von Andr. Knight, Esq. F. R. S. Präsident der Horticultural Society.

Aus den Transactions of the Horticultural Society im Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. II. Series N. CCXXI. Octob. 1820. S. 315.

Die Verheerungen, welche die Wespen anrichten, sind so ungeheuer,59) und die besten Mittel, welche der Gärtner zur Sicherung seiner Früchte gegen dieselben anwenden kann, sind gewöhnlich so unzulänglich, daß ich folgende Mittheilung, obschon meine Beobachtungen bloß auf ein einzelnes Lokal-Verhältniß gegründet sind, der Aufmerksamkeit der Horticultural-Society werth glaubte.

Man pflegte bisher zu Downton immer die Hauptlese der Trauben in dem Traubenhause60) bis spät in den Herbst zu verschieben, und mußte daher nothwendig viele Aufmerksamkeit auf ihre Sicherung vor den Wespen richten.

|222|

Man brauchte Gitter von schottländschem Gase (blinds of Scotch-gause) mit ziemlich gutem Erfolge; indessen fanden doch immer einige Wespen ihren Weg zwischen denselben durch, und waren sie einmal darin, so gefiel ihnen der Aufenthalt daselbst so wohl, daß sie nie wieder herausgingen. Man hatte ferner noch mit der Schwierigkeit zu kämpfen, bei windstillem und schwülen Wetter den gehörigen Luftzug zu erhalten, und wenn die Trauben auch nur einmal eine Neigung zum Schimmel bekommen, so wird es äußerst schwer sie für die Folge zu erhalten.

Seit ungefähr zehn Jahren hörten bei mir die Wespen auf meinen Trauben irgend eine Aufmerksamkeit zu schenken, und seit dieser Zeit haben sie denselben auch nicht den mindesten Schaden mehr zugefügt, obschon die Fenster, sobald die Trauben reif waren, den ganzen Tag über, wann die Witterung trocken war, offen standen. Im Sommer 1815 waren die Wespen-Nester so zahlreich, daß, obschon meine Leute eine ungeheuere Menge derselben zerstörten, und wenigstens eben so viele noch durch eine zahlreiche Colonie von Dachsen in der Nachbarschaft aufgerieben wurden, auf jedem Acre Landes61) wenigstens noch eines übrig war. Dessen ungeachtet konnte ich, bei täglich vorgenommener genauer Untersuchung des Traubenhauses, nicht den mindesten von den Wespen an meinen Trauben verübten Schaden wahrnehmen, und mein Gärtner versicherte mir, daß auch nicht eine einzige Traube gelitten hat.

Ich konnte keinen einzigen Umstand auffinden, dem ich diese sonderbare Gleichgültigkeit der Wespen gegen meine Trauben während jener Zeit auch nur einiger Masten hätte zuschreiben können, wenn es nicht der ist, daß eine Menge junger Eibenbäume, die zunächst um das Haus standen, |223| gerade zu dieser Zeit das erste mal anfingen Früchte zu tragen. Diese Bäume haben seither in jedem Herbste eine reichliche Menge Früchte getragen, auf welche die Wespen mit vieler Begierde Jagd machten, und welche sie wahrscheinlich den Beeren der Traube vorzogen. Die Früchte des Eibenbaumes verrathen allerdings dem Geschmacke nach das Daseyn einer großen Menge von Zuckerstoff, welcher in einem sehr concentrirten Zustande mit Schleime gemengt, und daher wahrscheinlich sehr nahrhaft ist.

Im J. 1815 und in verschiedenen anderen Sommern seit der oben bemerkten Zeit wurde das Obst in meinem Obstgarten (der ungefähr 900 Fuß von meinem Traubenhause entfernt ist) beinahe gänzlich von Wespen zu Grunde gerichtet; und es entsteht nun allerdings die interessante Frage, ob, wenn meine Obstbäume eben so mit tragbaren Eibenbäumen umgeben gewesen wären, wie mein Traubenhaus, mein Obst nicht wohl erhalten geblieben wäre. Ich kann mir zwar kaum schmeicheln, daß alles Obst davon gekommen seyn würde; ich zweifle aber kaum, daß die Aufmerksamkeit der Räuber dadurch nicht sehr getheilt worden wäre; ein Umstand, der in einer Gegend, wo bloß ein Obstgarten einzeln daliegt, einige Aufmerksamkeit verdient. Weder mein Garten, noch die nächste Nachbarschaft desselben besizt gegenwärtig auch nur einen einzigen weiblichen Eibenbaum; da aber diese Eibenbäume eine Holzart sind, die sehr viel Schuz gewährt, so habe ich mir vorgenommen, sobald als möglich eine bedeutende Menge derselben zu pflanzen, und werde immer einen mänlichen Baum zwischen sechs weibliche stellen.

Der Eibenbaum läßt sich durch starke Stecklinge, und folglich auch durch Ableger fortpflanzen;62) und jede Abart |224| desselben läßt sich durch Pfropfen, und wie ich nicht zweifle, auch durch Aeugeln, wenn man das Holz nicht aus dem Auge herausnimmt, vermehren. Ich habe Ursache zu glauben, daß man durch Auswahl einer guten Abart einigen Vortheil mehr gewinnen kann; denn ich habe bemerkt, daß die Wespen die Frucht eines meiner Eibenbäume den Früchten aller übrigen vorziehen; wahrscheinlich weil sie süßer war, oder einen besseren Geschmack hatte: mein Gaumen ist aber nicht fein genug um mich irgend einen Unterschied bemerken zu lassen.63).

|221|

Der Uebersezer weiß sich keines Sommers zu erinnern, in welchem die Wespen häufiger gewesen wären, als in dem dieß jährigen, wenigstens in der Mitte Baierns. Mitten in der Stadt, in welcher er wohnt, hat er in seinem Arbeits-Zimmer von 11–3 Uhr mehrere Wochen lang 20–40 in mancher Stunde gefangen. A. d. U.

|221|

In England kann man Trauben mit Vortheile nur in eigenen besonders dazu gebauten Glashäusern ziehen, und doch ist auch diese mühselige Art von Weinbau dort einträglich. Manche Rebe trägt dort im Hause gezogen 10 mal soviel als eine bei uns am Mayne oder am Rheine im Freien. A. d. U.

|222|

Eine Acre ist gleich 1125 □ Klafter Wiener Maßes, oder 38376 franz. □ Fuß. A. d. Uebers.

|223|

Aus Samen ist er nicht wohl zu ziehen; die Samen bleiben 2 Jahre lang unter der Erde, und der ganze Baum wächst äußerst langsam.

|224|

Mehrere unserer Leser werden sich erinnern, daß unsere Alten mitten in ihren Obstgärten Eibenbäume (den Taxus baccata Linn.) pflanzten, den die spätere ausgeartete Gartenkunst zu allerlei Figuren, Pyramiden, Candelabern, Adam und Eva u. dgl. Possierlichkeiten mit der Scheere zuschnitt. Die neuere Gartenkunst verbannte ihn aus unsern Gärten, und gestattet ihm nicht einmal mehr das Recht, als immer grüne Hecke zu dienen. Sollten vielleicht die Alten die schüzende Kraft dieses Baumes gegen die Wespen gekannt haben? Es läßt sich, da wir der immer grünen Bäume und Sträucher mehrere bei uns haben, und selbst unsere Fichte (Pinus Abies Linn, Pin. picea du Roi) die Scheere verträgt, wirklich nicht leicht ein Grund denken, warum man den Eibenbaum den übrigen immer grünen Bäumen und Sträuchern vorgezogen haben soll. Wollte man heute zu Tage diesen Wespen-Ableiter bei uns in Deutschland in den Obstgärten pflanzen, so würde man Mühe haben, Stechlinge genug, zumahl von den weiblichen Bäumen zu finden. Daß man eine Reihe von Jahren warten müsse, bis sie Früchte tragen, ließe sich allenfalls noch verschmerzen, da man immer mehr für die Nachwelt, als für die Gegenwart bedacht seyn muß, wenn man verdienen will gelebt zu haben. Der Eibenbaum, der von dem lügenhaften Arzte, Valent. v. Hildebrand, als Mittel gegen die Hundswuth gepriesen wird, ist leider kein Mittel gegen diese schreckliche Krankheit. Er soll den Pferden gefährlich, nach einigen sogar tödtlich seyn; |225| verdächtig ist er auf jeden Fall. Sein Holz ist wunderschön, und liefert, unter dem Nahmen Rotheiben, gehörig geschnitten und polirt, feine Meubeln beinahe von der Schönheit des Mahagony. Der Uebersezer weiß, daß Engländer Rotheiben aus Kärnthen nach England zu feiner Tischlerarbeit kommen ließen. Vergl. Böhmer's Techn. Gesch. der Pflanzen. I. 218. II. 281. A. d. Uebers.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: