Titel: Ueber die ausgestellten Erzeugnisse des französischen Kunstfleißes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. XXXI. (S. 229–250)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/ar003031

XXXI. Auszug aus dem Berichte der Central-Jury über die im Jahre 1819 im Louvre ausgestellten Erzeugnisse des französischen Kunstfleißes.

Aus den Annalen der Chemie und Physik der Hrn. Gay-Lussac und Arago. Tom. XIII.

Auf Befehl des Ministers des Innern, wurde der Bericht der Zentral-Jury, welche mit der Untersuchung der im Jahre 1819 im Louvre ausgestellten Erzeugnisse französischen Kunststeines beauftragt war, der Oeffentlichkeit übergeben; er ist in 8° ohngefähr 500 Seiten stark und enthält die Namen jener Fabrikanten und Künstler, welche Medaillen oder sonstige Auszeichnungen erhielten. Hr. L. Costaz, Verfasser dieses Werkes, hat es sich vorzüglich angelegen seyn lassen, durch kurze und dennoch sehr interessante Anmerkungen, die Fortschritte, welche in jedem Zweige der Industrie von der Ausstellung im Jahre 1806 an bis auf die von 1819 gemacht worden sind, nachzuweisen.

Bei dieser wirklich mühvollen Ausarbeitung hatte Hr. Costaz stets die einzelnen Berichte der verschiedenen Kommissionen der Jury vor Augen. Dieß allein wäre genug um jeden Argwohn eines eingeschlichenen Fehlers zu entfernen, wenn nicht schon au und für sich die Bielseitigkeit der Kenntnisse, das lange pracktische Leben, und die anerkannte Unpartheilichkeit des Hrn. Verfassers, hinlängliche Bürgschaft gewahren sollten. Wir haben diese Notizen gesammelt, und werden sie nach und nach den Lesern als ein treues Gemählde des gegenwärtigen Zustandes der französischen Industrie mittheilen.

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Wir beginnen für jezt mit den sich auf Chemie beziehenden Artikeln.

Chemische Künste und Erzeugnisse.

Frankreich hat die chemischen Künste seit der Epoche, wo ihre Mutter die Wissenschaft unter den Augen dieser lebenden Generation ihre Kräfte so herrlich entwikelte, beinahe gänzlich aus sich groß geschaffen. Die Jahre 1780 und 1790 müssen wir hervorrufen, um in die Presenwerkstätte dieser Wissenschaft einzudringen; sie sind es, die sie zu dem Range der sicheren Wissenschaften dadurch erhoben, daß sie dieselbe auf eine unerschütterliche Grundlage gestellt haben, und ihr eine erforderliche und regelmäßige Sprache erhellten.

Von diesem Zeitraume bezogen wir beinahe lediglich vom Auslande die Alaune für unsere Färbereien, die unentbehrliche Sode für unsere Glasfabriken und Seifensiedereien, eben so schwefelsaures Kupfer, schwefelsaures Eisen, Schwefelsäure, kurz eine Menge anderer theils als chemisches Agens oder Ingredienz nöthigen Substanzen. Heutigen Tages liefert Frankreich alle diese Gegenstände selbst von vorzüglicher Güte und in solchem Ueberflusse, daß es andern Nationen davon abtreten könnte. Es liegt ausser unserm Zwecke umständlich alle Dienste aufzuzählen, welche die Chemie seit 30 Jahren den Künsten leistete. Wir beschränken uns auf einen uns näher liegenden Zeitraum, nämlich auf den von der lezten Ausstellung im Jahre 1806 bis auf den gegenwärtigen Tag.

Die Fortschritte, welche die Chemie in dieser Epoche gemacht hat, sind außerordentlich und merkwürdig.

Die Bereitung der Säuren und die der Salze haben sich sehr vermehrt. Ganz Frankreich wetteifert in dieser Beziehung. Das Verfahren dabei hat sich sehr vervollkommnet, und der Ankaufspreiß der Erzeugnisse ist bedeutend gefallen.

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Als ein Beispiel davon führen wir die Preise von der Schwefelsäure und der Soda an: sie sind beinahe um das 10te ihres ehemaligen Preißes gesunken.

Soda.

Das Verfahren Soda durch Zersezung von Meersalz (sel marin) zu erhalten, verdankt man dem verstorbenen Hrn. Leblanc; er hat die ersten Versuche im Großen gemacht; allein dem Reverbier Ofen hatte er noch nicht die geeignete Form gegeben; er erzielte daher nur unvollkommene Resultate, und erlebte es nicht aus diesem Verfahren die Grundlage eines vortheilhaften Zweiges der Industrie hervorgehen zu sehen. Hr. d'Arcet beobachtete, daß die Unvollkommenheit der Resultate von der Form des Ofens herrühre, und änderte diese mit dem größten Erfolge ab. Von dem an wurde die Bereitung der künstlichen Soda (dieß ist her Name für die aus der Zersezung des Meersalzes sich ergebenden) ein fortlaufender Industrie-Artikel. Lange wurde die künstliche Soda von Vorurtheilen verworfen; aber die Erfahrung hat sie alle niedergekämpft.

Bei der Ausstellung von 1806 bemerkte man, daß die Spiegelgläser von Saint-Gobin, die schönsten, die man jezt in Europa kennt (?), aus französischer Soda gemacht waren, welche aus Meersalz erzeugt wurde71): seit der Zeit war die Bereitung der Soda für gut gesprochen. Die Kunst diese Substanz zu erzeugen ist auf einen so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht worden, daß sie gegenwärtig ein Handelsartikel geworden ist, welcher für das Bedürfniß jeder andern Kunst nach den eigenthümlichen Graden bereitet, abgegeben |232| wird. Vor der Einrichtung dieses neuen Industriezweiges lieferte das Ausland beinahe allein die für unsere Künste nöthigen Soden. Sie wurden unter dem Namen Soda von Alicante, Asche von Sizilien, egyptisches Natrum eingeführt. Heutzutage erhält Frankreich nur mehr sehr geringe Quantitäten von diesen Soden72).

Alaun.

Die Bereitung des Alauns hat sich seit der Ausstellung von 1806 sehr verbessert, und erhielt einen hohen Grad von Vollkommenheit. Allein der Gebrauch seiner Erzeugnisse hat mit den vorgefaßten Meinungen einiger Manufakturisten immer noch einen Zweikampf zu bestehen, und jedes Jahr wird eine bedeutende Menge des Alauns von Rom eingeführt. Am den Grund dieser Vorurtheile kräftig zu beleuchten, erachtete es die Jury für nöthig, alle auf der Ausstellung erschienene Alaune einer genauen Untersuchung zu unterwerfen.

Eine unter der besonderen Begünstigung der Aufmunterungs-Gesellschaft im Jahre 1805 durch die Hrn. Roard und Thenard übernommene Arbeit73) bestättigte, daß die Ursache der Verschiedenheit der Alaune in Anwendung auf Färberei, von dem Verhältnisse herrühre, in welchem sie mehr oder minder schwefelsaures Eisen enthalten. Dieser Eisenstoff ist nicht einmal immer schädlich; im Gegentheil ist ein solcher eisenhaltiger Alaun für Arbeiten in Leder, |233| für Wollenfärberei, wenn man eine dunkle Farbe erzeugen will, vorzüglich gesucht; aber er hat dabei das Unangenehme, daß er die lebhaften und lichten Schattirungen etwas matt macht, was vornehmlich der Fall ist, wenn man ihn bei Seidenstoffen anwendet. Der Alaun von Rom enthält gar kein Eisen, oder doch nur in sehr geringem Grade, daher ihn die Färber für den lezteren Gebrauch dem gewöhnlichen Alaune, welcher weit mehr Eisen hält, vorziehen. Die Hrn. Roard und Thenard aber haben gezeigt, daß man vermittelst der Krystallisirung jede Art von Alaun ganz rein herstellen könne.

Nicht auf bloßem Ausspruch der Theorie beruhet die Behauptung, daß die durch eine sehr sorgfältige Krystallisirung gereinigte Alaune den Alaun von Rom vollkommen ersezen. Hrn. Roard bewiesen häufige Versuche, die alle mit der diesem Chemiker ganz besondern eigenen Genauigkeit angestellt wurden, daß die französischen Alaune, gut zubereitet, für die zartesten Schattirungen auf Seidenstoffe ebenso vortheilhafte als der römische sind. Diese Resultate bestätigt der Graf de la Boulaie-Marillac, durch seine Versuche mit den Gobelins. Er ließ, der Vergleichung wegen, mehrere Seidenbüschel mit Cochenille, Wau und gelben Färbeholz färben, und nahm zu den einen römischen, zu den andern nach der Manier des Hrn. Chaptal und d'Arcet gereinigten Alaun; bei keinem dieser Büschel zeigte sich eine Verschiedenheit in den Farben.

Essigsäure aus Holz bereitet.

Die Bereitung der Essigsäure durch Verkohlung des Holzes ist eine neue Erfindung. Vor dem Jahre 1806 hatte man zwar bereits einige Versuche gemacht; aber erst in der gegenwärtigen Zeit wurde das Verfahren in seinem ganzen Umfange festgestellt, und hie Anwendung desselben |234| mit großem Erfolg eingeführt. Mehrere Künste von Belang, wie die Färbereien, die Zeugdruckereien gebrauchen die Essigsäure unter Gestalt des essigsauren Bleies oder Eisens.74).

Die Herrn Mollerat zu Pouilly (an der Gold-Küste), Payen und Pluvinet haben Salmiack aus ihrer Fabrik auf die Ausstellung gebracht, welcher den ausländischen ganz ersezt.

Herr Jakob von Marseille hat Borax geliefert, den er aus Boraxsäure erzeugte: dieß ist eine neue Erfindung.

Bleiweiß (feines).

Unsern Bedarf an Bleiweiß lieferte größtentheils das Ausland bis zur Entstehung der Fabrik von Clichy. Das Bleiweiß von dieser Fabrik ist von erster Qualität. Bei der Ausstellung wurde eine mehrere Jahre hindurch in den Conservatorium der Künste und Gewerbe aufbewahrte Tafel vorgezeigt, auf welcher das Bleiweiß von Clichy neben holländischem zu sehen war. Die eine Hälfte der Tafel war mit jenem, die andere mit diesem überzogen. Das Bleiweiß von Clichy hatte seine Weiße unverändert behalten; während das von Holland matt geworden war, und ins Gelbe hinüber spielte75). Eine zweite Tafel diente zum Beweise, daß es die Farben, mit denen es gemischt wird, besser erhält.

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Hr. Desmoulins, Zinnoberfabrikant, stellte Muster seines Zinnobers aus; es ist der schönste, der in Frankreich bereitet wird.

Hr. Rouques, d'Aby (Tarn) zeigte Pastell-Indigo vor, der dem besten indischen Indigo nicht nachgiebt.

Seifen.

Die Bereitung der Seife ist seit der Ausstellung von 1806 sehr vorgeschritten. Früher war sie etwas ganz Fremdes in Paris. Die am meisten gesuchte Seife wird aus bisher wenig geschäzten Stoffen bereitet76). Das Verfahren dabei verdankt man dem Hrn. d'Arcet.

Erzeugnisse von Nahrungs-Stoffen.

Zucker.

Die Verfertigung des Runkelrübenzuckers hatte vorzüglich deshalb guten Fortgang, weil derselbe wegen den starken |236| Taxen-Auflagen für die Einfuhr des Zuckers, selbst in hohem Preise stand; nachdem aber der Abschlag oder wenigstens die Verminderung der Einfuhrzölle, den ausländischen Zucker mit dem in Frankreich bereiteten in Konkurrenz gesezt hatte, glaubte man, das Unternehmen aufgeben zu müssen, weil nun wenig Sicherheit dabei wäre. Doch hat Hr. v. Chaptals Beharrlichkeit, und die Vollkommenheit, die er allen Theilen des Verfahrens dabei zu geben wußte, diese Kunst so sehr gehoben, daß wir hoffen dürfen, Frankreich könne sich seinen nöthigen Bedarf an Zucker selbst bereiten77).

Es ist entschieden, daß der aus Runkelrüben bereitete Zucker mit dem, welchen das Zuckerrohr liefert, von gleichartiger Substanz ist. Auch hat die Erfahrung bewiesen, daß der Anbau der Runkelrüben zur Zuckerfabrikation das Wachsthum des auf solche Felder unmittelbar hernach gesäeten Kornes befördere, und daß der Abfall von den Runkelrüben ein ganz vorzügliches Futter für das Vieh gebe.

Ausser dem Zucker liefern die Runkelrübenzucker-Fabriken auch aus dem Syrup eine bedeutende Menge Brandwein, und beschäftigen den Winter über eine große Anzahl Arbeiter. Demnach verdient in vielfacher Hinsicht dieser neue Industrie-Zweig die öffentliche Aufmerksamkeit und die Unterstüzung der Regierung. Seit 1806 hat die Kunst den Zucker zu läutern, große Fortschritte gemacht. Hr. Charles von Rosne wendet |237| dabei die thierische Kohle an, wodurch die Verfertigung des Runkelrübenzuckers sehr erleichtert, und die Läuterung des Zuckers aus Zuckerrohr sehr vervollkommt wird.

Gallert.

Lange schon hatten Männer, welche sich mit dem öffentlichen Wohl und der Verbesserung des Schiksales der ärmern Klasse beschäftigten, ihr Augenmerk auf die in den Knochen befindlichen Gallerte, und auf die bedeutende Menge des daraus zu erzielenden Nahrungsstoffes gerichtet. Um den Extrakt zu erhalten, machte man den Vorschlag, die Knochen durch Zerstoßen in den Zustand der Verschmelzung zu bringen, oder dazu den papininischen Topf zu gebrauchen; bald aber gab man diese Mittel wieder auf, oder brachte sie nur mit geringem Erfolg in Anwendung. Endlich schlug Hr. d'Arcet vor, durch Salzsäure den phosphorsauren Kalk, der einigermaßen in den Knochentheilen sich findet, aufzulößen, und so die reine Gallerte, der diese Säure unschädlich ist, darzustellen. Dieses Verfahren krönte der beste Erfolg.

Bei der Ausstellung sahe man Köpfe von Ochsen, welche, auf diese Art behandelt, noch die ganze Form des Skelettes beibehalten hatten78).

Die so aus den Knochen bereitete Gallerte dient zu mannichfaltigem |238| Gebrauch. Verschiedenartig bereitet benüzt man sie zur Nahrung; auch liefert sie den besten Leim. Es hat sich gezeigt, daß diese Substanz als Nahrungsmittel angewendet sehr nahrhaft, leicht verdaulich und heilsam ist.

Der Menschheit leistet demnach einen wesentlichen Dienst die Entdeckung eines Verfahrens, welches eine gesunde und angenehme Nahrung aus Stoffen bereitet, die sonst als unnüz weggeworfen wurden. Noch einen andern Vortheil gewährt diese Kunst dadurch, daß sie die Salzsäure, die in Ueberfluß in den Sodafabriken durch Zersezung des Meersalzes bereitet wird, aber nur sehr wenig Abgang hatte, in Preiß gesezt hat.

Flüßige Nahrungsmittel.

Hr. Clement hat das Verfahren, Brandwein aus Kartoffelabfällen zu brennen, vervollkommnet. Seine vorgezeigten Muster von solchem Brandwein waren von vorzüglicher Güte, und trefflich der aus diesem erzeugte Anisett.

Töpfer- und Porzellain-Waaren.

Hr. Utzschneider von Saargemünd (Moselle) ist Erfinder der schönen, bei der Ausstellung bewunderten, gebrannten Erden. Sie ahmen den Porphyr, Agat und Jaspis im Ansehen sowohl als in der Härte nach; auch in gemeinen Töpferwaaren hat er sehr vieles mit Erfolg geleistet.

Die Verfertigung von Porzellain ist um die Mitte des 18 Jahrhunderts in Frankreich einheimisch geworden79).

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Diese Kunst erblüht recht erfreulich durch die Aufmunterung der Regierung. Anfangs betrachtete man sie hie und da nur als einen Gegenstand des Luxus; aber sie ist nun so ziemlich ins Leben getreten, und ward dadurch ein bedeutender Zweig der National-Industrie, der sich durch sich selbst erhält, und ergiebigen Handel treibt.

Frankreich hat hierin entschieden die Oberhand. Ganz Europa sucht Porzellain von Sevres. Diese berühmte Manufaktur, unablässig bemüht die Arbeit zu vervollkommnen |240| und das Verfahren zu verbessern, kann man als die Mutter der in Frankreich nun begründeten Verfertigung von Porzellain betrachten. Durch ihr Beispiel treibt sie täglich zur Vervollkommnung dieser Kunst an. Ihre Belehrungen sind vorzüglich, ihre Arbeiter unterrichtet, und der Nachahmungseifer bei den verschiedenen Privatunternehmern brennend.

Gegenwärtig zerfällt die Verfertigung des Porzellains in zwei verschiedene, für sich allein bestehende Industriezweige: der eine behandelt die unmittelbar weiß gebrannten Stücke, der andere die hernach anzubringenden Verzierungen.

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Weißes Porzellain.

Um gutes Porzellain zu verfertigen sind zwei Dinge nothwendig.

1) Muß die Masse fest seyn, d.h. sie muß den Veränderungen der Temperatur, und selbst dem Anstoßen im häuslichen Gebrauche widerstehen.

2) Muß die Glasur nicht jenen Fehler haben, den man Aufriß (tresaillure) nennt, und der sich dadurch zeigt, daß bei der geringsten Veränderung die Glasur Risse bekömmt.

Noch andere Eigenschaften, als z.B. die Weiße der Masse, die vollkommen reine Glasur, die Leichtigkeit des Stückes, die Reinheit der äußern Seiten, die Feinheit und Richtigkeit der Ränder, gehören zu einer vorzüglichen Bearbeitung, und vermehren die Schönheit und den Werth des Porzellains. Wo indessen hieran es fehlt, da kann man die Preiße herabsezen, aber nichts kann die Fehler der Zerbrechlichkeit und der Einrisse vergüten. Alles so verunstaltete Porzellain ist durchaus schlecht; die Käufer mögen es zurück schieben; und aus der Werkstätte eines sorgsamen Fabrikanten sollte nie solches hervorgehen.

Zur Zeit der Ausstellung von 1806 war die Kunst, Porzellain zu machen, vorzüglich den Teig dazu zu bereiten, ziemlich vorgerückt; es hielt schwer, neue Fortschritte darinn zu machen; dem ohngeachtet haben sie einige Fabrikanten noch mehr vervollkommnet, sie haben die Masse noch fester gemacht, und den Formen mehr Reinheit, den Verzierungen mehr Gefälliges gegeben. Nichts desto weniger ist das weiße Porzellain in seiner äußeren eigentlichen Güte merkbar gehaltiger geworden. Der Wetteifer der einzelnen Fabrikanten hat vielmehr Verminderung der Preiße bewirkt, was aber von eben so großer Wichtigkeit ist.

Die Arbeiter, die mit jedem Tage sich mehr Uebung und Geschicklichkeit erworben hatten, konnten nun auch desto |242| bessere und wohlfeilere Waare liefern; und es ist der Preiß der Handarbeit für viele Stücke, namentlich für Teller, um 2/5tel gesunken, ohne Nachtheil der innern Güte derselben.

Man bemühte sich am Brennmaterials zu ersparen; nicht sowohl durch Veränderung der seit 10 Jahren beinahe sich ganz gleich bleibenden Form der Oefen, als durch deren bessere Benuzung, so daß man jezt fast um 1/3 mehr Teller, als vor 10 Jahren in einen Ofen bringt, wodurch die Kosten des Brennmaterials sich auf eine größere Menge von Erzeugnissen vertheilen. Das Brennmaterial kommt in Betreff des Verkaufspreißes des Porzellains vorzüglich in Betrachtung. Ueberall, wo der Preiß dieses Materials zu hoch ist, befinden sich die Manufakturen von weißen Porzellain in einer nicht sehr vortheilhaften Lage. Seit mehreren Jahren fühlte man die Nothwendigkeit, die Ausgabe für Brennmaterial zu verringern, recht stark; dieß leitete nicht nur auf die eben genannte Oekonomie beim Brennen, sondern bestimmte auch mehrere Fabrikanten, in jenen Departements, wo Holz im Ueberfluß wächst, Manufakturen zu errichten, und bis in die dicksten Wälder die Verfertigung des weißen Porzellains zu versezen. Dieß ist auch die Ursache, daß in Paris seit 1810 die Zahl dieser Fabriken abgenommen hat; und man darf diese Verminderung nicht als einen Verfall dieser Kunst ansehen, sie ist im Gegentheil die Folge einer verständigem und den Regeln der Oekonomie abgemessenern Einrichtung des Geschäftes. Die Bereitung des Porzellains, die sich Anfangs blos in Paris festsezen zu wollen schien, hat sich nach und nach über ganz Frankreich ausgedehnt. Paris wird jedoch immer seinen Vortheil durch die Verzierungen haben; da man nur hier und nirgend sonst alle Hülfsmittel zur Ausführung in Modellen und die gesamtesten Künstler findet. Es läßt sich aus der gegenwärtigen Bewegung und dem Gange des Geschäftes die Epoche voraussehen, wo das |243| in den Manufakturen der Departements bereitete weiße Porzellain nach Paris geliefert werden wird, um dort verziert zu werden. Unter solchen günstigen Umständen können die Preiße fallen, ohne mit verminderter Güte der Waare verbunden zu seyn, und dadurch wird der Verbrauch des Porzellains um so größer, und der Handel, den Paris und die Departemental-Städte damit treiben, um so blühender werden. Doch können die Fabrikanten in den Departementen zu diesen Vortheilen nur dadurch gelangen, daß sie alle mögliche Mühe und Sorgfalt anwenden, ihren Erzeugnissen jene nothwendigen Eigenschaften zu geben, die ein gutes und schönes Porzellain haben muß. Sie müssen sich die Schönheit der Form angelegen seyn lassen. Die Jury wird ihnen dann mit der von 1806 zurufen: »Die schöne Form trägt viel zum Preiße des Porzellaines bei. In der Ausführung kostet sie nicht mehr als die geschmacklose, oft noch weniger. Wie bedeutend auch immer die Ausgaben für Modelle von den besten Künstlern der Hauptstadt seyn mögen; auf die Menge der nach diesen Modellen verfertigten Stücke berechnet, werden sie nicht merklich stärker seyn.« – Die Jury wird dabei bemerken, daß die Form der zum gewöhnlichen Gebrauche bestimmten Stücke der Bequemlichkeit nicht nachtheilig seyn dürfe, daß aber durch Fleiß und Sorgfalt sich sehr leicht Bequemlichkeit und Zierlichkeit mit einander vereinigen lassen80).

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Verzierung der Fayence und des Porzellains.

Das Porzellain kann verschieden verziert werden. Die Hand eines geschikten Künstlers vermag die kostbarsten Mahlereien darauf anzubringen: dann aber ist der Stoff nur noch ein untergeordneter Gegenstand, und der Leinewand bei einem Gemählde zu vergleichen, deren Werth im Verhältnisse zu dem Gemählde verschwindet. Arbeiten dieser Art verlangen ein ganz besonderes, ja gewissermaßen ein individuelles Talent; sie können nicht in so vielen Erzeugnissen bestehen, daß dadurch ein fortlaufender Handelszweig gebildet würde; nebstdem gehören sie auch gar nicht Mehr zu den Künsten der Industrie, deren Zweck einzig und allein ist, Mittel zur Ausführung anzugeben, die von einer mit gewöhnlicher Geschiklichkeit ausgerüsteten Arbeiterklasse mit Erfolg ergriffen werden können. Gut gelungene Verzierungen können nicht wohlfeil im Preiste seyn, besonders wenn sie reine Handarbeit sind, nur allein durch ein mechanisches Verfahren gelingt es, Geschmack, richtige und sorgfältige Ausführung mit Wohlfeilheit zu vereinen.

Es mag nun ohngefähr 15 Jahre seyn, daß man sich in Frankreich mit dem Druck von Verzierungen auf Porcellain und Fayence beschäftiget. Hr. Gonord brachte zu der Ausstellung von 1806 Porzellain, auf welches durch ein mechanisches Verfahren Kupferstiche aufgedruckt waren. Bei der dießjährigen Ausstellung hat er ähnliche Stücke vorgezeigt. Er ist dabei auf ein höchst sonderbares, und nicht zu bezweifelndes Resultat gestoßen: er giebt nämlich eine Kupferplatte her, um Stücke von verschiedener Größe damit zu verzieren; er dehnt oder verkürzt sodann die Zeichnung nach Verhältniß der Größe des Stückes, durch ein mechanisches |245| schnelles Verfahren, und zwar ohne die Kupferplatte selbst zu verändern. Wir werden noch Gelegenheit haben, über diese neue Entdeckung, welche die Gränzen der Kupferstecherkunst ziemlich erweitert, zu sprechen81).

Seit ohngefahr 10 Jahren gehen aus der Werkstätte des Hrn. Legros d'Anisy Fayence und Porzellainarbeiten hervor, welche durch Druck und Stich verziert sind.

Die Mahlerei auf Porzellain hat seit 25 Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Man verdankt sie größtentheils Hrn. Dilh; er verfertigt gute Farben, und giebt sich viele Mühe bei ihrer Mischung. Dieser Industriezweig verbreitete sich bald ausser den Werkstättendes Hrn. Dilhs; dadurch hat nun die Porzellainmahlerei eine Vollkommenheit im Colorit und in den feinen hellen Schattirungen erhalten, die sie vordem nicht hatte.

Die Palette des Porzellainmahlers ist mit mehreren neuen Farben bereichert worden, unter denen wir das Grün aus Chrom anführen, welches man nicht mit jenem aus |246| Chrom für die große Ofenhize bereiteten und für einfache Färberei bestimmten grünen Farben verwechseln darf, von denen man Muster auf der Ausstellung von 1806 sah. Das Grün von dem wir sprechen, ist eine Farbe, die für Schattirungen sehr empfänglich ist, und mit welcher Landschaften so vollkommen wie mit Oehlfarben gemahlt werden können.

Ein Stück Porzellain ohne alle Verzierung, ist weit mehr werth, als ein ähnliches mit Halbgold überdecktes. Ein Fabrikant, der sich hierin einer Nachlässigkeit schuldig macht, kann unmöglich das Zutrauen seiner Käufer behalten. Die Wohlfeilheit kann einen solch groben Fehler unmöglich entschuldigen, und eine Manufaktur, die solche Erzeugnisse gewöhnlich liefert, muß nothwendig ihren Ruf verlieren und zu Grunde gehen82). Hr. Legros d'Anisy hat bei der Vergoldung des Porzellains sehr glücklich das Verfahren des Steindrucks anzuwenden versucht.

Bisher war mit dem Aufdrücken der Vergoldung das Unangenehme verbunden, daß manche Stellen sehr unvollkommen blieben; man mußte sie entweder so lassen, oder mit der Hand nachhelfen; bei Lezterm kostete die Façon beinahe eben so viel. Bei der Ausstellung sah man porzellainene Teller, auf welchen ein Frieß in Gold breit und fortlaufend durch das oben angeführte Verfahren aufgedrückt war, vollkommen ähnlich der Handvergoldung. Ein Stück dieser Art kostete sonst wenigstens 10 Franken; gegenwärtig wird es um 1 Franken verfertigt.

Bereitung der Farben zur Porzellainmahlerei.

Ehemals bereiteten sich die Porzellainmahler selbst ihre nöthigen Farben. Jezt macht diese Bereitung eine besondere |247| Kunst aus, und ist ein eigener von der Porzellainmahlerei getrennter Industriezweig. Diese Trennung ist sehr vortheilhaft. Man erhält dadurch Farben, die ihrer Bestimmung mehr entsprechen, weil sie von Leuten gemacht werden, die den Effekt beurtheilen können, wenn die damit bemahlten Stücke in den Ofen kommen. Der Porzellainmahler braucht jezt nicht mehr seine Arbeit zu unterbrechen, um erst Farben anzureiben, er kann sogleich seine Palette mit allen ihm nothwendigen Schattirungen versehen. Nichts giebt wohl einen sprechendern Beweist von der Verbreitung der Porzellainfabrikation, als das Emporkommen einer Kunst, welche einzig den Zweck hat, jener die Farben zu liefern83).

Spiegelglas.

Die Spiegelgläser, die die Manufaktur von St. Gobin zur Ausstellung sendete, zeichnen sich alle durch eine vorzügliche Behandlung und besondere Reinheit des Glases aus; sie sind zugleich von ausserordentlicher Größe.

Diese Erzeugnisse beweisen, daß die Glasfabrik von St. Gobin, die seit langer Zeit als die erste europäische in Verfertigung von Spiegelgläsern galt, ihren Ruhm zu behaupten versteht.

Die Compagnie der Manufakturen von St. Quirin (Meurthe), von Montherme (Ardennen) und von Cirey liefert Fensterglas, weißes Glas, Halbweißes, sogenannte Tisch-Gläser, farbige Gläser, Glocken über Uhren, Spiegelgläser etc. Die Spiegelgläser verfertigt man in St. Quirin. Diese Fabrik, die zur Zeit der lezten Ausstellung, Spiegelgläser von gewöhnlicher Größe durch das Blasen erzeugte, hat jezt |248| das vollkommnere Verfahren des Gußes gewählt84). Eben diese Compagnie hat in der Glasfabrik zu Cirey die Verfertigung kleiner Spiegel nach Nürnberger Art, unternommen, welche sonst allein Deutschland lieferte, wodurch bedeutende Summen außer Lands giengen85). Alle Erzeugnisse der verschiedenen Fabriken dieser Compagnie sind sehr sorgfältig gearbeitet; die färbigen Gläser haben besondere Schönheit.

Belegung der Spiegelgläser.

Die Belegung macht bei einiger Große des Glases wegen der nöthigen Länge der Zinnfolie, die der des Glases gleich seyn muß, viele Schwierigkeiten. Auch den Transport verzinnter Gläser von besonderer Größe begleiten mißliche Umstände; es ist schwer, denselben zu unternehmen ohne Verlezung des Stanniols, wodurch den Spiegel entstellende Flecken entstehen, denen man nur durch eine neue Ueberzinnung des ganzen Glases abhelfen kann; eine sehr kostspielige Arbeit, zu der Apparate gehören, die nicht immer bei der Hand sind. Der Stanniol am Spiegel ist auch der Einwirkung der Mauer oder eines sonst feuchten Zimmers unterworfen.

Hrn. Lefévre, Spiegelfabrikanten von Paris, gelang es diese Unannehmlichkeiten zu entfernen, wenigstens sie sehr zu vermindern. Er hat ein Verfahren erfunden, wodurch man ein Spiegelglas mit mehreren an einander gesezten Blättern verzinnen kann. Auf diese Weise bedeckt er auch ein koch |249| in dem Stanniol, ohne dem Spiegel einen Flecken zuzuziehen; den Stanniol aber schüzt er durch einen Firniß gegen den Einfluß der Feuchtigkeit. Dadurch hat er der Spiegelverfertigung einen wahren Nuzen geleistet.

Krystallverfertigung.

Seit langer Zeit bezog Frankreich seinen Bedarf an Krystallgläsern vom Auslande; heutzutage versieht es sich selbst damit. Unsere Manufakturisten in diesem Fache nehmen es mit jeder Nation hinsichtlich der Reinheit und des Werthes der Krystalle auf. Diese Kunst ist bei uns so bekannt, daß die Jury es für unnöthig hielt, Auszeichnungen dafür zu ertheilen. Eine andere mit der Krystallverfertigung verwandte Kunst aber verdient noch besondere Aufmerksamkeit in der Aufmunterung, nämlich das Krystallschneiden. Tausende von Arbeitern sind damit beschäftigt, dem Krystall die Façettirungen und Verzierungen zu geben, die ihn so kostbar, schön und gesucht machen. Der Geschmack und die gute Ausführung hat auch diese Kunst unter uns gehoben; und sie ist ein bedeutender Handelsartikel geworden.

Verschiedene Gegenstände.

Hr. Lutton ist schon lange mit dem Aufsuchen eines Mittels beschäftigt, auf den Glasgefäßen, in welchen Säuren aufbewahrt werden, Aufschriften anzubringen, die durch die stärksten Säuren nicht vertilgt werden können. Die Resultate seiner Bemühung erwarben ihm bei der Ausstellung 1806 eine Medaille von Bronze. Gegenwärtig hat er sein Verfahren noch verbessert, und Neues erdacht.

Inkrustationen.

Die Inkrustation auf Krystall hat sich vervollkommnet, und ist gegenwärtig ein beträchtlicher Industriezweig. Länger schon brannte man Figuren in Glas, Erden, Farben, u. dgl. ein; heutigen Tags ist diese Arbeit in der Manufaktur zu Creusot |250| zur vollendeten Kunst erhoben worden. Die ausgestellten Gegenstände haben das Publikum sehr angezogen.

(Wird fortgesezt.)

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Man vergl. die 28te Anmerk. S. 165 in diesem Hefte. Die deutsche Glasfabriken, die doch bis jezt die schönste Spiegelgläser erzeugten, bedienen sich ausschließlich der Pottasche. D.

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Vorzüglich noch für die Adrianopolrothfärbereien, für die sich troz aller Anpreisungen dann doch die durch Ausscheidung gewonnene Soda noch nicht ganz eignet, indem man mit einer von solcher Soda bereiteten schwachen Lauge keine, sich nicht leicht zersezende, gleichförmige öligseifige Verbindung darstellen kann. Man vergl. hiemit die Abhandlung des Hrn. Morian im 2 Bd. 1 Heft S. 68. in diesem Journale. D.

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Wir theilten diese Untersuchung in unserm neuen Journal für die Druck-Färbe- und Bleichkunst im 1 Bde. S. 128 u.f. mit. D.

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Hr. Mollerat hat die Kunst, Essigsäure (acidum aceticum) aus Holz zu erhalten, darinn vervollkommnet, daß er dieses verkohlt: er konzentrirt diese Säure dergestalt, daß sie sich bei einer mäsigen Temperatur krystallisirt, und er bringt sie in den möglichst reinsten Zustand, so daß die einzelnen Krystallisationen weiß und durchsichtig sind, wie Eiß vom reinen Wasser. Dadurch hat er den Künsten, die Essigsäure brauchen, großen Dienst geleistet. (Das Verfahren die Essigsäure aus der Holzsäure rein darzustellen, werden wir in einem der nächsten Hefte dieses Journal mittheilen. D.)

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Der Hr. Berichterstatter hätte uns auch sagen sollen, ob das |235| zur Vergleichung der Güte gewählte holländische Bleiweiß auch reiner Bleikalk (kohlensaures Blei) gewesen ist; denn auch in Holland wird wie in allen andern Bleiweißfabriken der Bleikalk mit wohlfeilern Materialien zur Malerfarbe vermischt und das Präparat dadurch verfälscht. Diese Verfälschungs- oder wie man in diesen Etablissements sagt Prolongationsmittel sind: schwefelsaures Blei, schwere Kreide, Gyps, Kalkspat, Schwerspat, Talkerde, Thonerde u.s.w. wie sie sich durch ihre örtliche Lage die Fabriken am wohlfeilsten anschaffen können. Die Menge des Zusazes des einen oder andern der eben genannten Materialien zu dem Bleikalk richtet sich nach dem höhern oder geringern Verkaufspreiß des Farbmaterials. D.

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Die Wahl solcher Stoffe welche bisher wenig beachtet und gute Seife liefern, verdienen unsere ganze Aufmerksamkeit. Das Seifesieden dürfte bei uns sowohl in den Verhältnissen der Lauge zu den Fetten, als auch im Sieden selbst auf festere Grundsäze zurück geführt werden, dann würden wir nicht nur bessere, sondern auch viel wohlfeilere Seife erhalten. D.

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Auch bei uns in Deutschland dürfte die Gewinnung des Zucker aus Runkelrüben für die Unternehmer noch mit großem Vortheil verbunden seyn, wenn die zahlreichen Erfahrungen benüzt und die Fabrikation auf einem hierzu geeigneten landwirthschaftlichen Lokale unternommen würde. Ist die Angabe des Hrn. Ferdinand Müzel in Krayn in Schlesien, welche derselbe im Allg. Anzeiger der Deutschen Nro. 101. 1819 mittheilte richtig, so dürfte jedem wohlhabenden Güterbesizer zu diesem Unternehmen zu rathen seyn. D.

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Noch hat sich kein deutscher Chemiker ernstlich die Mühe genommen das Verfahren des Hrn. d'Arcet die phosphorsaure Kalkerde durch Salzsäure von der Gallerte auszuscheiden, zu prüfen und das Verfahren zur Darstellung im Großen bekannt zu machen. Es wäre der Gemeinnüzigkeit des Gegenstandes wegen recht sehr zu wünschen, daß sich jemand dieser höchst dankbaren Arbeit unterzöge und das ausgemittelte Verfahren mittelst Salzsäure den phosphorsauren Kalk von der Gallerte im Großen mir Sicherheit abzuscheiden faßlich und verständlich mittheilte. D.

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Nach Chaptal sollen sich in Frankreich sechzig Porzellainfabriken, und davon ein und zwanzig in Paris befinden. Hr. Brogniart kannte im Jahre 1808 in Paris nur fünfzehn, die zusammen im Durchschnitte achthundert Arbeiter beschäftigten. In den Departements waren ihm die Fabriken von Fontainebleau, Limoge und Paen bekannt. Jezt befinden sich in dem Departement Haut-Vienne fünf Porzellainfabriken, |239| die mit 200,600 Fr. Unkosten 230,400 Fr. Waare erzeugen und zweihundert Menschen beschäftigen. Sie beziehen ihre Porzellainerde sämmtlich von Limoge. Die älteste und vorzüglichste ist die königl. Fabrik zu Sevres, welche im Jahr 1769 anfing ächtes Steinporzellain (porcelaine dure) zu verfertigen. Die Ehre der Erfindung des Porzellain gehört wie so manche andere wichtige Erfindung den Chinesen. In Deutschland ist der Apotheckergehülfe Joh. Friedr. Böttger aus Schleiz im Voigtland (am 4. Febr. 1682 geboren) Erfinder dieser wichtigen Fabrikazion. Im Jahre 1710 wurde durch ihn die Porzellainfabrike in der Albrechtsburg zu Meißen errichtet, und in diesem Jahre das erste europäische Porzellain auf der Ostermesse zu Leipzig verkauft. Die erste Tochter der Meißner Porzellainfabrike war die Wiener, welche in verbothener Liebe erzeugt wurde. Die Gesellschaft erhielt am 27. Mai 1718 von Kaiser Karl VI. ein ausschließendes Privilegium auf 25 Jahre. Pasquier, Mitgründer und Besizer dieser Fabrik, mußte sie im Jahre 1744 gegen Uebernehmung von 45,459 fl. Schulden dem k. Aerar überlassen, in dessen Besize sie sich dermalen noch, und zwar in einem blühenden Zustande befindet. Die Porzellainfabrike zu Höchst wurde im Iahte 1740 durch Mitwirkung eines Arbeiters Namens Ringler aus der Wiener Fabrike errichtet. Dieser hat das Geheimniß der Massemischung und eine Zeichnung vom Ofen dahin gebracht, und sofort aus Passauer Erde gutes Porzellain erzeugt. Diese Fabrik gieng 1795 durch den Krieg zu Grunde. Die Fabrik |240| zu Fürstenberg an der Weser wurde 1744, die zu Ludwigsburg 1758, jene zu Bruckberg im Anspachischen 1759 errichtet. Die Gründung der Nymphenburger Porzellainfabrik fällt in das Jahr 1747. Die im Jahre 1754 zu Frankenthal in der Rheinpfalz von Ringler errichtete Fabrik wurde im Jahre 1799 mit der Nymphenburger vereinigt. Die Porzellainmanufaktur in Berlin wurde 1751 von dem Kaufman Wegeli gegründet, und 1763 von der Regierung um 225,000 Thaler übernommen. Die Fabriken von Florenz und Neapel sind von neuerer Entstehung. Die Porzellainfabrik in Koppenhagen entstand im Jahre 1778. Auch hat Rußland fünf Porzellainfabriken, wovon die zwei großen (die kaiserl. zu St. Petersburg, und die einem Engländer gehörige zu Dimitrow in der Stadthalterschaft Moskwa) über sechshundert Arbeiter beschäftigen sollen, die aber bis jezt noch keines dem ausländischen gleichkommendes gutes Porzellain liefern. Die drei kleineren sind zu Riga, Sjemsk, und in Oberzahlen in Liefland. Bei dem täglich größer werdenden Bedarf an diesen Geschirren könnten noch mehrere Etablissements ihre Rechnung finden, vorzüglich wenn bei einer mehr ökonomischen Regie sich Gefälligkeit in den Formen und Geschmack in der Mahlerei vereinen. D.

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Es wäre zu wünschen gewesen, daß der Zuruf der Jury von 1806 in unsere deutsche Porzellainfabriken gedrungen wäre; gewiß würde eine noch größere Sorgfalt auf die Erreichung zweckmäsigerer und gefälligerer Formen ihrer Gefäße etc. verwendet worden seyn. Daß es oft nur einer offenen Erinnerung bedarf, um Vorstände solcher Fabriken für die Vervollkommnung ihrer Fabrikate zu interessiren, davon haben wir uns auf unsere Bemerkung in dem Berichte über die Frankfurter Herbstmesse von 1818 in der Allg. Zeit, überzeugt, indem |244| es sich die uns zunächst gelegene Porzellainfabrike bisher mir Erfolg angelegen seyn ließ, gefälligere Formen hervorzubringen. D.

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Hier ist der Bericht, auf den Hr. v. Costaz sich bezieht Hr. Gonord hat eine Entdeckung gemacht, deren Ankündigung das Publikum in Erstaunen sezte. Wenn man ihm eine gestochene Kupferplatte giebt, so bedient er sich derselben nach jedem beliebigen Maßstabe. Er macht sie größer oder kleiner als das Muster ist, und dieß in wenigen Stunden, aber ohne irgend eine andere Platte dazu zu nehmen. Giebt man ihm z.B. eine Kupferplatte von großem Atlasformat, wie die Beschreibung von Egypten hat, so verkleinert er den Stich zu Oktavformat, ohne die Platte selbst zu verändern.

Die Wahrheit der Sache haben mehrere Glieder der Jury, die Hr. Gonord in seine Werkstätte eingeladen hatte, bestättiget. Auf ihren Bericht erhielt Hr. Gonord eine goldene Medaille. Er wendet sein Verfahren gleichmäsig auf alle Arten von Substanzen, auf Papier so wohl als Metalle, Porzellain etc. an.

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Wo bei freier Konkurrenz mehrere Etablissements bestehen; anders ist es aber bei Aerarialfabriken, wo die Liebhaber oft gezwungen sind entweder schlecht geformte Fabrikate zu kaufen oder auf diese Geschirre zu verzichten. D.

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Diese Porzellain-Farbenfabriken erleichtern auch die Gründung neuer Porzellainfabriken wesentlich. Auf diesen Gegenstand werden wir bei einer andern Gelegenheit zurück kommen. D.

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In den deutschen Glasfabriken hat man von jeher die Glastafeln zu großen Spiegeln gegossen. D.

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So entreißt man uns einen Industriezweig um den andern, ohne daß wir durch etwas anders einen Ersaz erhalten. Hätten wir indeß Freiheit des Handels und dürften unsere Nürnberger Spiegelgläser frei in Frankreich eingeführt werden, so würden die französische Fabrikanten doch wohl schwerlich mit unsern Landsleuten Concurrenz halten können. D.

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