Titel: Anton Radford Strutts Verbesserungen in dem Baue der Schlösser, Klinken oder Fallen.
Autor: Strutt, Anthony Radford
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. XL. (S. 289–297)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/ar003040

XL. Erklärung des dem Anton Radford Strutt, Baumwollen-Spinner zu Mackeney in der Grafschaft Derby, ertheilten Patentes auf Verbesserungen in dem Baue der Schlösser und Klinken oder Fallen (Locks et Latches) dd. 18. Oct. 1819.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. II. Series. N. CCXXII. November 1820. S. 231.

Mit Abbildungen auf Tab. XXII.

Ich erkläre, daß meine Erfindung in Folgendem beschrieben ist: sie besteht erstens in einer Anzahl von Hebeln, auf welche ein Schlüssel nahe bei ihrem Mittelpunkte wirkt, und die am Umfange ihre Ausschnitte besizen, welche dem Riegel erlauben zu schließen, sobald sie alle unter einander korrespondiren; diese Hebel oder Platten können entweder so vorgerichtet seyn, daß sie mittelst einer Feder auf ihre vorigen Stellen zurückkehren, oder durch ihre eigene Schwere, wenn diese hinreicht, zurückfallen. Auf diese Weise wird eine kleine Bewegung des Schlüssels eine große an dem Umfange hervorbringen; man erhält einen großen Raum für die blinden und Raum genug für mehrere treibende Kerben, welche, wo es nöthig ist, durch verschiedene Schlüssel, die durchaus nicht unter sich gleich sind, in Thätigkeit gebracht werden können. |290| So wird hier Schlüssel, und halber und ganzer Hauptschlüssel (sub-master et grand-master key) anwendbar. 2tens in der Befestigung des Schlosses an der Thüre, oder des Deckels (lid) an dem Schlosse, so daß es weder von der Thüre abgenommen, noch in Stücke zerlegt werden kann um den inneren Bau desselben, zu sehen, außer wenn man einen Musterschlüsssel bei der Hand hat. Ein entschiedener Unterschied zwischen diesem Schlosse und den gewöhnlich gebräulichen Schlössern ist dieser, daß in den lezteren der Schlüssel durch die Bogte der Wach-Balken (wards) geht, oder dieselben wenigsten in gehörige Lage zu bringen hat, und der Riegel mit der Hand bewegt wird.

In Tafel XXII. Fig. 1 (im Original Tab. XVI.) ist A eine dünne Platte oder ein Hebel von Eisen, Messing oder einem anderen schiklichen Materiale, dergleichen mehrere in beliebiger Anzahl parallel neben einander liegen können, je nachdem man nämlich mehr oder minder Sicherheit verlangt. Diese Hebel oder Platten können entweder durch Federn auf ihren Plaz zurückgefürt werden, oder durch ihr eigenes Gewicht, wo dieses hinreicht, zurückfallen.

B ist ein Central-Stift, un welchen sich alle, wie um ihren Mittelpunkt bewegen.

C zeigt das Schlüsselloch, und die punctirte Linie die Weite, in welche der Schlüssel gelangen kann.

D ist der Schlüssel, und 1, 2, 3, 4 u. 5 sind Stufen oder Ausschnitte, die nach Belieben gemacht wurden. Wenn der Schlüssel eingeführt wird, so wirken diese Einschnitte oder Stufen auf die Hebel, und erheben sie zu verschiedener Höhe: einige mehr, andere minder.

EE ost der Riegel.

F der Tummler (tumbler).

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G eine dünne Platte, die an lezterem befestigt ist, und wenn dieser gehoben wird, gegen die Kante aller Hebel oder Platten drückt.

H ein Knopf, durch dessen Mittelpunkt der Griff geht. Wenn nun der Schlüssel eingeführt und so weit gedreht ist, als die punktirte Linie zeigt, und alle Hebel in neue Lagen kommen, wird der Tummler F versucht werden aufzusteigen, und wo die Kanten der Hebel oder Platten von der Platte G berührt werden, ist in jeder Platte oder in jedem Hebel ein Einschnitt angebracht. Es ist nun offenbar, daß der Tummler F gehoben, und G in die Einschnitte der Hebel oder Platten eingreifen kann. Wenn man den Griff und Knopf H dreht, so wird dadurch der Tummler F gehoben, und schließt den Riegel GG. Der Riegel EE wird durch den Stift L, welcher in F befestigt ist, in seiner Lage erhalten, indem dieser in die Kerben M und N des Riegels fällt. Die Kante einer jeden Platte ist in kleine Ausschnitte ausgefeilt, die den Sägezähnen etwas ähnlich sind, und jeden, der versucht das Schloß zu stehlen, hindern zu erkennen ob er einen der Hebel oder Platten bewegt hat, bis einer der tieferen wirkenden Einschnitte oder einer der kleineren (die bloß da sind um zu täuschen) G gegenüber stehen.

Ich betrachte den Grundsaz der Hebel als anwendbar aus alle Arten von Schlössern. Der Riegel und der Tummler können verschieden seyn, so wie, nach Umständen, auch die Methode dieselben zu bewegen; z.B. Fig. 2, wo A die Hebel und Platten sind, wie vorher; C das Schlüsselloch; F der Tummler; G die Spize, welche in die Einschnitte der Hebel oder Platten gehoben werden muß, wenn diese durch den Schlüssel in die gehörige Lage gebracht worden sind; EE der Riegel. Es ist nun offenbar, daß der Riegel weder vorwärts noch rückwärts durch das Daumenstück O gebracht werden kann, ohne den Tummler F und die Platte G zu |292| heben; und dieß kann nicht geschehen, bis nicht die Hebel oder Platten mittelst des Schlüssels in die gehörige Lage kommen. Es ist überflüssig der verschiedenen Arten zu erwähnen, nach welchen dieser Grundsaz auf verschiedene Schlösser angewendet werden kann. Der Riegel oder die Schließung kann auf mehrere verschiedene eben nicht neue Weisen verfertigt werden. Der Grundsaz des Schlosses ist, daß der Riegel oder die Schließung durch irgend ein Hinderniß fest an seiner Stelle erhalten wird, welches Hinderniß nur dann entfernt werden und den Riegel schließen lassen kann, wann die Hebel durch den Schlüssel in ihre gehörige Lage gebracht sind.

Ein anderer Theil dieses Schlosses nach einem neuen Grundsaze, den ich hier als Verbesserung anspreche, ist, daß wo es nöthig ist, das Schloß an die Thüre und den Deckel, oder die Schale des Schlosses an das Schloß, (jedes einzeln, oder beide zugleich) anzuschlagen, sie so befestigt werden können, daß, ohne den eigenen Schlüssel, das Innere des Schlosses nicht untersucht werden kann.

Fig. 3. ABCD ist eine seichte Büchse oder Schale von irgend einem tauglichen Materiale, welche das innere Werk des Schlosses aufnimmt.

Q ist eine kleine in die Kante der Büchse gefeilte Vertiefung.

SS sind zwei kleine an der gegenüber stehenden Seite der Büchse an der Kante derselben befindliche Löcher.

RR ist ein dünnes Stück Metall mit einem anderen Stücke T, welches auf demselben unter einem rechten Winkel angebracht ist.

Wenn der Schlüssel eingeführt wird, wird RR um seinen Mittelpunct V bewegt, und eine Anzahl von Einschnitten in den Hebeln oder Platten, um die Spize T in der angezeigten |293| Richtung sich bewegen zu lassen: XX wird daher nothwendig sich von der Kerbe Q entfernen.

ABCD Nro. 2. ist der Deckel oder die Schale.

SS sind zwei kleine Stifte, die in die Löcher von Nro. 1. passen.

W ist ein kleines an dem Deckel befestigtes Stück Metall mit einem Vorsprunge zwischen demselben und dem Deckel.

Y ist ein kleines längliches Loch in dem Deckel, welches einem Stifte oder Drahte den Zutritt in Pas Loch Z Nro. 1. gestattet.

Jezt soll nun der Deckel aufgesezt werden. Wenn vorerst der Schlüssel eingesteckt worden ist, und die Hebel in ihre gehörige Lage gebracht sind, so ist es offenbar, daß R in der angezeigten Richtung bewegt und von Q entfernt werden kann. Während nun die Theile in dieser Lage sind, wird der Deckel aufgesezt, und zwar werden zuerst die Stifte SS Nro. 2. in die Löcher SS Nro. 1. gebracht. Der Theil W Nro. 2. kommt in den Einschnitt Q Nro. 1. In dieser Lage wird ein Stift oder Draht durch Y in das Loch Z eingeführt, und RR wird wieder zurück bewegt, und zieht XX hinter W, wodurch nun der Deckel angeriegelt ist. Die Hebel fallen dann in ihre gewöhnliche Lage zurück, und es ist offenbar, daß RR nicht wieder bewegt werden kann, bis nicht der Schlüssel neuerdings auf die Hebel wirkt, und der Theil T in die Einschnitte eingreift. Wenn nun die Schrauben durch die Löcher PPPP in die Thüre eingeschraubt werden, und der Deckel hierauf aufgesezt wird, so ist offenbar, daß dasjenige geleistet ist, was versprochen wurde.

Ich will nun diesen Grundsaz auch auf eine Klinke oder Falle, und zwar auf folgende Weise anwenden: diese Weise läßt sich jedoch nach Umständen mannigfaltig abändern.

Fig. A. sind die Hebel oder Platten; C das Schlüsselloch, und F der Tummler wie vorher. EE ist die Falle, |294| welche sich um denselben Stift, wie der Tummler F dreht. U ist der Knopf und der Griff. Wenn die Falle innenwendig an der Thüre, und die Thüre geschlossen ist, so kann die Klinke oder Falle über den Fänger S aufsteigen, indem sie durchaus unabhängig von dem Tummler F oder irgend etwas anderem ist. Es ist auch offenbar, daß die Falle oder Klinke nicht von außen an der Thüre durch das Drehen des Griffes H gehoben werden kann, ohne zugleich den Tummler F zu heben, was nicht möglich ist, wenn nicht vorerst der Schlüssel eingeführt, und die Hebel in die gehörige Lage so gebracht sind, daß G in die Einschnitte einpaßt.

Bemerkungen des Patentträgers.

Die Vortheile, welche der Patentträger durch dieses Schloß (welches ursprünglich zum Privatgebrauche erfunden wurde) zu erhalten hoffte, waren: vollkommene Sicherheit, Einfachheit, Stärke, und Dauerhaftigkeit; geringe Kosten und ein solcher Bau des Schlosses, daß Ein Haptschlüssel eine große Anzahl von diesen Schlössern sperren kann.

Die Sicherheit dieses Schlosses beruht auf weit aussehender Umsicht, die sogar soweit reicht, daß Niemand, der mit dem Grundsaze des Baues desselben bekannt ist, jemals auf die Idee kommen kann, ein Schloß dieser Art stehlen zu wollen. Ja, was noch mehr ist, die falschen Kerben an den Kanten dieser Hebel oder Platten müssen nothwendig den Schloßdieb auf das gröblichste täuschen, und ihn glauben machen, er verfahre ganz in der Ordnung, wenn er himmelweit von dem wahren Verfahren entfernt ist.

Man hat sehr viel über die Leichtigkeit gesprochen, mit welcher man falsche Schlüssel zu irgend einem wohlfeilen Schlosse machen kann; an diesem Schlosse wirkt der Schlüssel auf die Platten nahe an ihrem Mittelpuncte, und die Ausschnitte |295| (welche dem Riegel erlauben zu schließen, wenn sie zusammentreffen) befinden sich an dem Umfange; die kleinste Abweichung an dem falschen Schlüssel von dem wahren muß daher machen, daß diese Ausschnitte nicht zusammentreffen, und bis dieß nicht geschieht, kann das Schloß nicht geöffnet werden. Man muß auch bedenken, daß der wahre Schlüssel bloß nach Willkür gemacht ist, und die Einschnitte in den Platten später erst gemacht werden. Es läßt sich denken, daß unzählige Fälle Statt haben können, in welchen die Einschnitte oder Stufen (Steps) an dem Barte des Schlüssels ehe irgend etwas anderes, als eine regelmäßige krumme Linie, werden, oder daß die krumme Linie eines Einschnittes jener eines anderen ähnlich ausfalle. Es ist auch unmöglich, daß irgend jemand mit Sicherheit bestimme, an welchem Theile eines jeden Einschnittes des Schlüssels jede Platte oder jeder Hebel ruht, und die Schwierigkeit, einen Abdruck in Wachs etc. davon zu nehmen, der genau genug wäre, um nach demselben arbeiten zu können, wird jedem auffallen müssen, der mit diesem Gegenstande vertraut ist.

Was die Stärke, Einfachheit und Dauerhaftigkeit dieses Schlosses betrifft, so ist es bloß nöthig dieß zu bemerken, daß alle seine Theile groß und stark sind, die Reibung an denselben unbedeutend ist, und daß der Gebrauch von Federn bei allen größeren Arten von Schlössern an Thüren, Thoren u. dgl. unnöthig ist. Dieß trägt an dumpfigen Oertern und an Stellen, die der Witterung ausgesezt sind, wesentlich zur Dauerhaftigkeit bei.

Dieses Schloß gestattet den Gebrauch eines Hauptschlüssels bei irgend einer Menge von Schlössern seiner Art, und selbst den Gebrauch eines halben Hausschlüssels95), |296| (Submaster's key), ohne daß dadurch der Bau des Schlosses vergrößert oder die Einfachheit desselben auch nur im Mindesten vermindert würde: denn man nehme an, daß irgend eine Anzahl von Schlössern von derselben Größe gemacht werden soll, und jedes seinen eigenen Schlüssel habe, so wird, wenn an einem anderen Schlüssel die Einschnitte nach Willkür verfertigt werden, und er in jedes dieser Schlösser eingeführt, und darnach eine Reihe von Einschnitten in die Platten gemacht wird, welche den Riegel schließen lassen, dieser Schlüssel ein Hauptschlüssel, mit welchem man alle diese, so verfertigten Schlösser öffnen kann. Man nehme ferner an, daß wieder ein anderer Schlüssel verfertiget, und in diese Schlösser zu 10, 20 oder 30 eingeführt werde, und darnach Einschnitte in die Platten gemacht werden, welche den Riegel sich schließen lassen, so hat man dann einen halben Hauptschlüssel, der diese 10, 20 oder 30 Schlösser öffnen wird, aber keine andere. Man muß bemerken, daß der Raum, welchen man an dem Umfange dieser Platten erhält, so groß ist, daß er mehrere Reihen von Einschnitten gestattet, und doch noch immer eine unendliche Menge von Abwechslungen übrig läßt. Diese Schlösser sind also Millionen von Abänderungen fähig. Ein anderer Vortheil an diesen Schlössern ist dieser, daß, wenn der Hauptschlüssel zu einer großen Anzahl derselben verloren geht, (was bei allen übrigen Schlössern nicht etwas Unbedeutendes ist) die Einschnitte in den Platten, welche durch den Schlüssel in Thätigkeit gesezt werden, mit geringen |297| Kosten verlöthet oder auf irgend eine andere Weise ausgefüllt, und neue Einschnitte und neue Schlüssel gemacht werden können, so daß der verlorne Schlüssel auf diese Weise durchaus unbrauchbar wird.

* * *

Schlösser etc. nach dieser neuen Erfindung werden in den zweckmäßigsten Formen und Größen bei C. und H. C. Windle, Walsall, den einzigen Eigenthümern dieses Patentes, verfertigt.

|295|

Der Gebrauch eines halben und eines ganzen Hauptschlüssels ist für wohlhabende Leute höchst wichtig, welche mit einem |296| Schlüssel alle Schlösser ihres Hauses, und wären sie noch so zahlreich, öffnen, und doch verschiedene Abtheilungen desselben besonders getrennt haben wollen, so daß z.B. der Hausmeister oder Aufseher eine gewisse Menge von Schlössern mit seinem halben Hauptschlüssel öffnen kann, aber kein anderes; eben so der Gärtner, der Kellermeister etc., während nur ein Schlüssel alle diese Schlösser zugleich sperrt.

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