Titel: v. Kurrer über die Darstellung des Carthamin und dessen Anwendung in den Färberei etc.
Autor: Kurrer, Wilhelm Heinrich
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. XLII. (S. 303–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/ar003042

XLII. Ueber die Darstellung des Carthamin; Verhalten desselben gegen chemische Agentien, und Anwendung in den technischen Gewerben.

Von W. H. v. Kurrer.

Mit dem Namen Carthamin, Rose vegetal, Rouge vegetal, (Pflanzenroth) bezeichnet man seit kurzer Zeit ein im Handel vorkommendes, uns zuerst durch die Franzosen überliefertes Farbematerial, welches in trocknem blättrigem Zustande mit bronzeartigem pfauengrünem Goldglanze auf der Oberfläche erscheint, und in cylinderförmigen blechernen, acht oder sechszehn Unzen enthaltenden Büchsen aus Lyon und Marseille bezogen wird.

Diese schöne, kostbare Farbensubstanz besteht aus dem durch Kunst gewonnenen reinen rothen Pigment des Saflor's, welches in einem Mischungsverhältnisse wie fünf zu tausend sich in den Saflorblumen befindet.

Der Preiß dieses Präparats erreichte in diesem Jahre wegen mißrathener Saflor-Erndte, von der sich Mahomed Alybay Pascha von Egypten so wie von andern Artikeln das Monopol zugeeignet hat, in Egypten und dem südlichen Europa eine solche Höhe, daß die Unze von 35 Franken bis auf 65, und bei der feinsten Qualität bis auf 100 Franken und darüber stieg; und selbst für diesen hohen Preiß ist es nur selten in Quantität zu bekommen.

Im Handel unterscheidet man zwei Sorten desselben, beide in trockner Form. Die erste Sorte: Prima Qualität, von brillant pfauengrün goldglänzender Oberfläche und stark hervorstechendem Citronen- oder Limonien-Geruch wird zu |304| den sogenannten Schminkblättern (Rouge en feuille) zu Rouge d'Espagne, Rouge de Portugal und Rouge en assiette ou en tasses gebraucht. Sie gilt stets 30–35 pCt. mehr als die zweite geringere Sorte. Diese unterscheidet sich durch eine bräunlichrothe Farbe ohne glänzende Oberfläche und durch etwas wiedrigen Geruch. Man bedient sich derselben in den Seiden- und Baumwollen-Färbereien.

Bei Bereitung der 2ten Sorte scheint weniger Sorgfalt, auch ein anderes Fällungsmittel als reiner Citronensaft, angewendet zu werden. Hinsichtlich ihrer Natur als rothe Farbe, und in Betreff der übrigen Eigenschaften beim Färben vegetabilischer und seidener Stoffe, verhält sich die zweite Qualität zur erstern fast ganz analog, nur enthält sie etwas weniger rothes Pigment als die Primasorte, auch eignet sie sich nicht zu Schönheitsblättern, zu Rouge d'Espagne, Rouge de Portugal, und Rouge en assiette ou en tasses, als Schminke für die Damen, weil man bei diesen Toilettengegenständen, den grünen Goldglanz nicht vermissen will, und weil der Geruch nicht angenehm ist.

Vor kurzem fingen die Lyoner und Marseiller Carthaminfabrikanten an, ihr Produkt in flüssiger Form zu verkaufen. Es ist der noch mit Wasser verbundene reine rothe Niederschlag des Saflors. Das Wasser kann durch Filtriren davon getrennt, und durch Abtrocknen das schönste Carthamin dargestellt werden. Die häufige Nachfrage mag Veranlassung gewesen seyn, das Präparat in flüssiger Form in den Handel zu bringen.

Unseren deutschen Käufern muß ich rathen, allemal die trockne Waare der flüssigen vorzuziehen, denn bei jener hat man nicht nöthig, den Gehalt an wahrem Carthamin erst auszumitteln, und man erspart zugleich in Fracht und Spesen. Eine Burgunder Bouteille flüssiges Carthamin leistete mir im Färben nicht mehr, als eine Unze trockener Waare; |305| ein Beweis, daß in beinahe zwei Pfund Flüssigkeit nicht mehr als eine Unze trockenes Carthamin enthalten war.

Zur Darstellung dieses kostbaren Pigments, eignet sich zwar jede Sorte Saflor, jedoch die eine besser als die andere. Der Vorzug beruhet auf dem innern Gehalte an rothem Pigment; in dieser Hinsicht giebt es vier Klassen von Saflor:

1) Den ersten Rang behauptet der egyptische oder Alexandrinische Saflor;

2) den zweiten der südamerikanische und der von einigen Antillen.

3) Auf diesen kommt der französische und spanische, und zulezt

4) der deutsche und der italienische Saflor, welche beide eine größere Menge gelbes, und desto weniger rothes Pigment, als die drei vorhergehenden Sorten enthalten, an Schönheit aber des rein dargestellten rothen Pigments ihnen nicht nachstehen. Nach dem innern Gehalt an rothem Pigment wird allemal die Saflorpflanze beurtheilt, sie gehöre übrigens zu dieser oder zu jener Varietät, zu der mit größern, oder zu der mit kleinern Blättern. Wir gehen nun zur Ausscheidung des reinen Carthamin aus dem Saflor über.

Fabrikmäsige Darstellung des Carthamin.

Man kann die Ausscheidung des Carthamin in allen Ländern und zu jeder Jahreszeit vornehmen. Daß diejenigen Länder, in denen Saflorbau einheimisch ist, den Vortheil genießen, diese Pflanze ohne theure Fracht und Abgaben benuzen zu können, bedarf keines Beweises. Ausscheidung und Darstellung des schönen rothen Farbestoffs erfolgt am besten an einem kühlen Orte, wo aller Zutritt des Lichts verhindert werden kann. Sie zerfällt in fünf Operationen.

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Erste Operation.

Ein hundert Pfund von gutem Saflor vertheile man des bequemern Auswaschens wegen in mehrere leinene Säcke, hänge dann diese in einen Fluß oder Bach, und knete sie so lange unter dem Wasser, bis keine gelbe Farbe mehr davon ablauft. Durch diese Manipulation wird das gelbe Pigment, welches in Wasser auflößlich ist, weggeschwemmt, das reine rothe Pigment hingegen bleibt in der Blume zurück. (An gelbem Pigment enthält der Saflor so viel, daß er nach Entziehung desselben, wenn er wieder getrocknet worden, fast um die Hälfte an Gewicht weniger hat). Zeigt sich beim Auswaschen keine gelbe Farbe mehr, so bringe man die Säcke in einen hölzernen Zuber, begieße sie mit frischem, vorher mit etwas Essig vermischtem Wasser, und zwar so stark, daß die Flüssigkeit gegen Lakmuspapier sauer reagirt, trette die Säcke so lange, als noch gelbe Brühe ausschweißt, und wasche sie nochmals am Bache oder Flusse gut aus. Diese Behandlung mit dem gesäuerten Bade dient dazu, den gelben Farbestoff vollends wegzuschaffen, ohne den geringsten Verlust an rothem Pigment.

Zweite Operation.

Die so vorbereiteten Saflorblumen werden nun in den von angemessener Größe errichteten Saflor-Apparat97)) eingeschichtet, und zwischen jede Schicht so viel gepulvertes krystallisirtes kohlenstoffsaures Natron gebracht, daß es für alle zusammen bei 16 Pfund beträgt. Man gebe hierauf nach und nach 240 Maas (die Maas zu 2 Pf.) klares Flußwasser |307| hinzu, rühre das Ganze, nachdem es eine Stunde lang ruhig gestanden, wohl durch einander, und lasse es wieder 10–12 Stunden, unbewegt stehen. Nach Verlauf dieser Zeit öffne man den Hahn, lasse die Flüssigkeit in eine reine Wanne ablaufen, und presse den Rückstand stark aus. Um keinen Verlust an Pigment zu leiden, hebe man den Deckel, schließe den Hahn und gieße 50 Maas frisches Wasser auf, wonach man mit Auspressen und Abzapfen eben so wie vorher verfährt. Beide Abgüsse zusammen gemischt, sind nun zu der folgenden Operation vorgerichtet.

Die Flüssigkeit zeichnet sich in diesem Zustande durch eine gelbliche, ins röthliche schielende Farbe aus, und macht eine Verbindung von kohlensaurem Natron und Wasser, in welcher sich das rothfärbende Pigment des Saflors in aufgelößtem Zustande befindet.

Dritte Operation.

Diese besteht darin, daß man eine verhältnißmäsige Menge von reinen weißgebleichten baumwollenen oder leinenen Lappen hineinbringt, und 16 Pfund frisch filtrirten Citronensaft zusezt. Beides wird dann gut untereinander gearbeitet. Es wird sich bald ein schwaches Brausen in der Flüssigkeit zeigen, welches so lange dauert, bis das kohlensaure Natron, durch die Citronensäure gebunden, und alle Kohlensäure ausgetrieben ist. In solchem Zustande läßt man die Lappen 24 bis 30 Stunden liegen, mengt aber alle drei Stunden das Ganze wohl unter einander. Indessen werden die Lappen alles Pigment der Flüssigkeit entzogen haben. Man nimmt sie jezt heraus, spühlt sie in klarem Flußwasser aus, und verwendet sie zur vierten Operation.

Bei obiger Behandlung verbindet sich die in dem Citronensaft enthaltene Citronensäure mit dem Natron und stellt aufgelößtes citronensaures Natron dar. Der rothe Färbestoff |308| wird ausgeschieden, und tritt mit der vegetabilischen Faser zusammen, wodurch leztere gefärbt erscheint.

Vierte Operation.

Man hat nun den reinen rothen Färbestoff, der sich mit der vegetabilischen Faser verbunden hat, wieder aufzulößen und für sich frei darzustellen. Zu dem Ende bereitet man ein Bad aus 200 Maas reinem Flußwasser, in welchem zuvor 10 Pfund reines krystallisirtes kohlensaures Natron aufgelößt wurde. Nach gehörigem Untereinanderrühren bringt man die rothgefärbten Lappen hinein, zieht sie einigemale hin und her, und läßt sie ein bis zwei Stunden darin liegen. Die kalische Lauge lößt den Färbestoff wieder auf. Jezt werden die Lappen in die Flüssigkeit möglichst ausgewunden, noch einmal mit Wasser stark genezt, und abermals tüchtig ausgewunden, damit alle noch Farbstoff enthaltende Flüssigkeit gewonnen werde. Die Natronflüssigkeit, in der sich der rothe Farbestoff aufgelößt befindet, filtrirt man durch ein reines weißes Tuch, um alle Fasern des Leinen und der Baumwolle zurück zu halten. Die gebrauchten Lappen werden in Wasser ausgewaschen, abgetrocknet, und für den künftigen Gebrauch aufbewahrt.

Fünfte Operation.

Der filtrirten Flüssigkeit wird nach und nach so viel Citronensaft zugesezt, als nöthig ist, um das kohlensaure Natron zu zersezen, und leztere Basis zu binden. Man erkennt dieses daran, als noch ein rother stockiger Niederschlag sich zeigt, und die Flüssigkeit auf der Zunge sauer reagirt. Lezteres kann man am leichtesten durch Lakmuspapier bestimmen, wenn dieses geröthet wird.

Das reine rothe Pigment schlägt sich in Flocken nieder. Ist alles gefällt, so gießt man die obenstehende Flüssigkeit ab, filtrirt den Niederschlag, und trocknet denselben auf |309| Porzelainplatten oder reinem weißen Papier, in welchem Zustande das Fabrikat als reines Carthamin oder Pflanzenroth erscheint. Es hat nun folgende besondere Eigenschaften:

a) erscheint es gegen das Licht gehalten in grünen Metall- oder goldglänzenden Schuppen, wie die Spizen der Pfauenfedern,

b) ist es sehr spröde und die Zertheilung im Wasser geht ohne Reiben langsam von Statten.

Ich glaube hiebei noch bemerken zu müssen, daß je größer die Quantität ist, in welcher man diesen schönen Farbestoff fabrikmäßig bereitet, desto ökonomischer und schöner auch das Resultat werde.

Verhalten des Carthamin gegen chemische Agentien.

Das Verhalten des Carthamin gegen chemische Agentien, bietet dem denkenden Baumwollen-, Leinen- und Seidenfärber eine wichtige Kenntniß dar, welche ihn in den Stand sezt, die auf Zeug getragene Farbe nach Willkühr abzustufen. Interessant scheinen mir meine Beobachtungenzu seyn. Ich will sie daher der Reihe nach, wie sie auf einander folgen, hier mittheilen. Die Niederschläge, welche ich dadurch erhielt, befinden sich in meinem Kabinete farbiger Erscheinungen, wo sie jeder in gefälligen Augenschein nehmen kann. Es sind Folgende:

a) Chemisch reine Essigsäure bildete in der wässerigen Auflösung des Carthamin einen schön dunkel carminartigen Niederschlag, welcher durch weißes Drukpapier filtrirt, und abgetroknet, auf der Oberfläche einen grünen feurigen Metallglanz zeigte;

b) Weinsteinsäure. Der Niederschlag erschien rosenroth, ins carmoisin sich neigend; getrocknet mit einem grünen Goldglanz ins Gelbe schielend;

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c) Salpetersalzsaures Zinn schlug das Carthamin dunkel orange, ins Scharlach spielend, nieder. Der Niederschlag erschien trocken, wie Gummigutt ohne grünlichen Metallglanz;

d) Schwefelsalzsaures Zinn gab einen dunkelscharlachrothen Niederschlag; welcher im getrockneten Zustand einen grasgrünen, ins Oliven sich neigenden, bronceartigen Glanz besaß;

e) Salpetersaures Zinn schlug einen hoch oraniengelben Präzipat nieder; getrocknet war derselbe gelblich braun, wie Gummigutt, ohne bronceartigen Glanz;

f) Weinsteinsaures Zinn erzeugte eine hell carminrothe, ins Gelbe sich ziehende Farbe. Der trockene Niederschlag hatte den grünen Metallschimmer mehr ins Gelbliche sich neigend;

g) Essigsaures Zinn brachte eine rosenrothartige Carminfarbe hervor, welche getrocknet den grünen Goldglanz ins Gelbe schillernd besaß.

h) Salpetersaures Wißmuth stellte Zinnoberroth dar. Die Wißmuthauflößung zersezte sich in der wässerigen Carthaminauflösung, und das weiße Oxyd wurde mit dem Pigment zugleich niedergeschlagen. Getrocknet erschien das Gemenge gelbroth, ohne Glanz;

i) Salpetersalzsaures Wißmuth. Die Zersezung erfolgte hier noch schneller und reichlicher, als bei h). Der oraniengelbe Niederschlag nahm getrocknet dunkel oranien ohne Glanz an;

k) Schwefelsaures Zink schlug das Carthamin schön Carminroth nieder. Nach dem Trocknen des Niederschlages hatte sich die Farbe in lebhaften grünen Taubenhalsglanz verändert;

l) Salpetersaures Zink lieferte einen scharlachrothen Niederschlag, der getrocknet bronceartigen, ins grüngelblich stechenden Glanz hatte.

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m) Salpetersaures Eisen gab Braun ins Violette spielend; trocken wurde dieses Schwärzlich braun, mit dunkelbraunem Glanz gegen das Licht gehalten;

n) Essigsaures Eisen-Dunkelviolett; trocken, Violett ins Schwarze übergehend, mit glänzender Oberfläche von derselben Farbe;

o) Salpetersaures Kupfer hatte einen Niederschlag von Oraniengelb ins Braune ziehend, trocken zeigte sich derselbe von matter taubenhalsgrüner Farbe;

p) Schwefelsaures Kupfer bildete einen braunrothen Niederschlag, welcher getrocknet, gelblich braunroth und mit einem dunklen taubenhalsgrünen Glanze bedeckt war;

q) Salpetersaures Blei produzirte ein carminartiges Scharlachroth; der getrocknete Niederschlag erschien in grünem, ins Oliven sich neigendem Metallglanze;

r) Essigsaures Blei gab Dunkelzinnoberroth, mit einem canelfarbenen Metallglanze im getrockneten Zustande.

s) Salpetersaures Silber ein prächtiges Carmoisinroth; getrocknet, mit einem olivengrünen Metallglanze;

t) arsenichte Säure (in Wasser gelößter weißer Arsenik) – einen schön carmoisinrothen Niederschlag von vielem Lüstre, welcher getrocknet einen gelblich grünen Goldglanz annahm;

u) Phosphorsäure bildete einen carminartigen, ins Carmoisin gehenden Niederschlag, welcher getrocknet einen gelblich grünen Metallglanz zeigte;

v) Boraxsäure – ebenfalls einen carminartigen ins Carmoisin stechenden Niederschlag; getrocknet hatte derselbe einen vortrefflichen grünen Goldglanz, der sich gegen das Licht gehalten ins Gelbliche verlor;

w) Essigsaure Thonerde stellte ein schönes Carmoisinroth, das zu der Farbe des Carmin sich neigte; am getrockneten |312| Niederschlag sahe man einen ins Gelbe schielenden grünen Metallglanz;

x) Schwefelsaure Thonerde ließ eine ins Carminrothe sich neigende carmoisin Farbe erscheinen. Getrocknet zeigte der Niederschlag einen brillanten grünen Metallglanz;

y) Salpetersaure Thonerde gab einen dem vorigen gleichen Niederschlag, der aber getrocknet einen dunkler grünen Metallglanz annahm;

z) Salpetersaures Kobalt – einen dunkel rosenrothen Niederschlag mit einem Stich ins Carmoisin; getrocknet mit einem lebhaft grünen, ins Helle sich ziehenden Goldschimmer;

aa) In Wasser aufgelößtes reines Zinnsalz (Salzsaures Zinn) bewirkte einen carminrothen Niederschlag, der getrocknet Zinnoberroth ohne Metallglanz sich darstellte;

bb) Salpetersäure mit vielem Wasser verschwächt, – einen carminrothen ins Scharlach stechenden Niederschlag; trocken erschien derselbe in gelblich grünem Metallglanz;

cc) Schwefelsäure mit vielem Wasser verdünnt, – ebenfalls einen carminrothen ins Scharlach ziehenden Niederschlag, welcher getrocknet, olivenartigen Goldglanz hatte;

dd) Salzsäure mit vielem Wasser verschwächt, – einen carminrothen Niederschlag; getrocknet von zeisiggrünem Metallglanze;

ee) Salzsaures Natron ( Kochsalz) erzeugte einen prächtig carmoisinrothen Niederschlag; der getrocknet in grünem Metallglanz erschien;

ff) Salpetersaures Kali (Salpeter) gab ebenfalls einen carmoisinrothen, aber weniger schönen Niederschlag, von olivenartigem Metallglanz im trockenen Zustande;

gg) Saures weinsteinsaures Kali (Weinstein) einen carmoisinrothen Niederschlag, getrocknet von einem lebhaften goldgrünen Glanz.

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hh) Chlorinkalk zerstörte augenbliklich das rothe Pigment, und schuf eine gelbliche, trübem Weißbier ähnliche Flüssigkeit, welche nach und nach wassertrüb wurde, und einen weißlichen Niederschlag absezte;

ii) Chlorinthon brachte dieselben Erscheinungen hervor.

Auf die Anwendung von hh) und ii) gründet sich ein neues Baumwolldruckfabrikat, welches aus der berühmten Manufaktur der Herren Gros Davillier Roman u. Comp. zu Wesserlingen in Frankreich, zuerst hervorgieng; nämlich das rothe Pigment auf baumwollne Gewebe uni zu sezen, und durch den Aufdruck von Chlorinverbindung, und Durchnehmen der gedruckten Waare durch ein schwaches schwefelsaures, pder auch pflanzensaures Bad, weiße Objekte in rothgefärbtem Grunde hervorzubringen.

Im Verfolge meiner Versuche zeichnete sich das Carthamin noch durch folgende Eigenschaften aus:

1) Es ist, wenn es etwas Säure enthält, mit vortrefflich carmoisinrother Farbe in Wasser auflößlich; säurefrei ganz unauflößlich;

2) Der Weingeist lößt es nicht auf;

3) Die Kalien lößen das Pigment mit gelblich brauner Farbe, und Pflanzensäuren fällen es daraus mit lebhaft carmin- und carmoisinrother Farbe. Hierauf gründet sich die Ausscheidung des Carthamins aus der kalischen Saflor-Infusion. Unter den Pflanzensäuren eignen sich hiezu am besten: a) die Citronensäure; b) der Saft der Berberizen; c) der Saft der rothen Vogelbeeren, wegen der ihnen beiwohnenden Spirsäure; d) die Weinsteinsäure und e) die Essigsäure98).

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Ohnlängst erklärte Herr Professor Döbereiner das reine Carthamin für eine Farbensäure, welche er Carthaminsäure nennt. Seine Behauptung stüzt sich auf folgende Gründe99):

»Die Sauerheit des Carthamins ist so stark, daß dasselbe sich nicht allein in Alkalien auflößt, sondern mit denselben sogar eigenthümliche Satzverbindungen bildet. Mit Natron z.B. stellt es ein Salz dar, welches in seidenartigen glänzenden nadelförmigen Krystallen erscheint. Dieses Verhalten bestimmt mich dasselbe als eine eigenthümliche Farbensäure zu betrachten, und Carthaminsäure zu nennen. Die Salze, welche diese Säure mit den Alkalien bildet, sind sämmtlich Farbenlos, und characterisiren sich dadurch, daß sie durch Berührung mit Weinstein-, Citronen- oder Essigsäure zersezt werden, und Carthaminsäure als eine glänzend rosenrothe Substanz entlassen.«

Sollten diese Gründe wohl ausreichen, die Identität dieser Säure herzustellen? anderweitige Untersuchungen und Beobachtungen werden in der Folge diesen Gegenstand mehr aufklaren, und entscheiden, »ob die Chemie eine neue eigenthümliche Säure mehr oder weniger besize

Ich komme nun zur technischen Anwendung unseres Pflanzenroths.

A. Anwendung des Carthamin zur rothen Schminke der Frauen.

Dieses Mittel, erbleichte Wangen des schönen Geschlechts neu zu beleben, machet durch ganz Europa einen nicht unbedeutenden |315| Handelsartikel aus. Es eignet sich dazu ganz vorzüglich das Carthamin, weil es nicht nur, mit Wasser fein zertheilt, das natürliche Roth der Wangen darstellt, sondern auch selbst auf die zarteste Haut keine nachtheilige Wirkung äußert. Andere Schminken, deren Farbe mehrentheils aus metallischen Oxyden oder erdigten Basen entwikelt worden, sind für die Epidermis der Gesichtshaut, und selbst für die Gesundheit nicht selten von traurigen Folgen. Allemal aber verursachen sie früher oder später eins spröde Haut, welche vor der Zeit runzlich wird.

Das reine Carthamin, bei dem diese Nachtheile nicht statt finden, weil es ein gelindes zartes Pflanzenroth ohne schädlichen Beisaz ist, wurde zuerst in Frankreich, zum röthen schnell verbleichter Wangen, und vermuthlich schon lange vorhergehe es durch den Handel allgemeiner bekannt wurde, am Bourbonischen Hofe angewendet.

Vor ungefähr 15 Jahren brachten es die Franzosen unter dem Namen »Chinesische Schminkblätter (Rouge en feuille) das erstemal auf die Messe nach Leipzig, von wo es sich allmählig auch dem östlichen und nördlichen Europa verbreitete.

Diese Schminkblätter bestunden aus feinem weißen Kartenpapier, auf welches die Farbe in eirunder Form 3 1/2 Zoll hoch und 2 1/2 Zoll breit aufgetragen war. Der Umschlag derselben von feinem weißen Papier hatte auf der Aussenseite, um der Sache ein chinesisches Ansehen zu geben, rothe oder blaue Hieroglyphen. Auf der Oberfläche dieser Schminke schimmerte ein lebhafter grüner Metallglanz, welcher anfangs; ehe man die Natur dieses schönen Produkts genauer kennen lernte, manche Bedenklichkeit gegen dasselbe erweckte.

Heut zu Tage unterscheidet man im Handel folgende Sorten dieser allbeliebten Schönheitsblätter:

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a) Chinesische Schminkblätter. Es sind dieselben, welche so eben beschrieben wurden;

b) Spanische Schminkblätter, auf denen die Farbe ebenfalls in eirunder Gestalt aufgetragen ist. Den hellblauen Papierumschlag zeichnen die Worte aus: COLOR FINA DE TIBURCIO PALAGIO ALA SUBIDA ASAN MARTIN DE MADRID. Die Kehrseite hat statt des Siegels, MADRID mit Rand und Schleife.

c) Französische Schminkblätter, mit Form der Schminke, wie die vorigen. Als Etiquette befindet sich auf dem Papierumschlage eine blaue oder rothe irregulaire Umfassung.

Diese Schminken werden alle aus dem feinsten Carthamin verfertigt, und unterscheiden sich von einander blos durch ihre verschiedene Etiquetten auf dem äußern Umschlage. Die Darstellung ist höchst einfach; man hat dabei nichts zu thun, als das Carthamin in einer Porzellain- oder Glasreibeschale mit Wasser zum feinsten Saft abzureiben, und die Farbe sodann mittelst eines Pinsels aufzutragen. Die Schönheit des grünen Metall- oder Goldglanzes, den die Franzosen die Vergoldung (le doré) nennen, hängt davon ab, daß man die Blätter gleich nach dem Auftragen der Farbe auf einer warmen Steinplatte schnell abtrocknet.

Mit diesem Farbenwechsel hat es für das Auge dieselbe Bewandniß, wie bei der Auflößung des Indigs in der Indigoküpe, oder mit dem topischen Blau, welches zuerst gelbgrün, an der Luft aber blau erscheint. Bei den Schminkblättern verwandelt sich ihr Roth durch die Einwirkung der Luft und des Lichts, nach dem völligen Trocknen in ein schönes Grün von brillantem Metallglanze. Dieser grüne Glanz verschwindet bei dem Gebrauche des Blatts an der naß gemachten Stelle, kommt aber durch das Trocknen fast augenbliklich wieder zum Vorschein, und stellt sich wieder vollkommen her.

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Das Rouge d'Espagne, Rouge de Portugal auf weiße gläserne oder porzellainene Tellerchen gebracht, zeigt nicht weniger eine glänzende Metallfarbe; eben so das Rouge en assiette ou en tasses. Sie bestehen, wie die Schminkblättchen, aus dem feinsten Carthamin.

Seit Kurzem ist auch ein sogenanntes chinesisches Theepapier von carminartiger, ins Carmoisin stechender Farbe mit schwarzem Hieroglyphen-Druck in den Handel gekommen, und ebenfalls mit Carthamin gefärbt. Um die Farbe für dieses Papier zuzubereiten, reibe man das rothe Pigment mit Wasser zum feinsten Safte ab, seze verhältnißmäsig bis zur gewünschten Nuance klares schwaches Gummiwasser hinzu, und erhöhe die Farbe durch eine kleine Zugabe von schwefelsaurer Thonerde (Alaun). Der schwarze Druck geschieht nach der Färbung des Papiers.

B. Anwendung des Carthamins in der Druck- und Färbekunst.

In der Druck- und Färbekunst ist das Carthamin als ausgeschiedene und für sich aus dem Saflor dargestellte Substanz, erst seit einigen Jahren im Gebrauch. Es läßt sich auf alle jene Artikel anwenden, welche früher ausschließlich mit Saflor gefärbt wurden.

In dieser Hinsicht besizt es vor dem gewöhnlichen Saflorfärben große Vorzüge, indem schon gedruckte oder gefärbte Farben, welche keine Säure vertragen, in dem Carthaminbade nicht angegriffen werden, wie dieses bei den Lapis Iris und Napoleonsgrün mit Goldgelb der Fall ist. Erstere werden dargestellt, wenn die Waare ganz wie Lapis ausgearbeitet, durch das Carthaminbad geröthet wird, wodurch der hellblaue Indigogrund als Lillas, die weißen Objekte als Rosa, die citronengelbe Farbe als Oraniengelb, und die grüne Farbe in einem eigenthümlichen Ton erscheint. Napoleonsgrün |318| mit Goldgelb wird ausgearbeitet, indem die Waare mit der weißen Thonreservage bedruckt, in der kalten Indigoküpe Mittelblau gefärbt, nach vorgegangener Reinigung das Ganze mittelst essigsaurer Thonerde imprägnirt und in einem gelbfärbenden Bade ausgefärbt wird. Wird dieses Fabrikat mittelst Carthamin geröthet, so verwandeln sich die hellgelben Objecte in Goldgelb, und der grüne Grund in Napoleongrün.

Zur nähern Kenntniß der Anwendung des Carthamins in der Kattundruckerei und der Baumwollenfärberei wird Folgendes dienen.

In den Kattundruckereien wird dieser schöne Färbestoff statt des Saflors für alle feinen Fabrikate fast ausschließlich verwendet. Hieher gehören unter andern

a) Lapis Iris;

b) Napoleongrün mit Goldgelb;

c) Schilder- oder Mahlerfarbe für den Pinsel;

d) Unizentifolienroth mit weißen Figuren. Man erhält dieses Fabrikat durch das Rothfärben der weißgebleichten Waare, Aufdruck einer Chlorinverbindung und Durchnehmen durch ein gesäuertes Bad, wie früher gezeigt worden;

e) Alle übrigen Fabrikationsartikel, bei welchen man sich ehedem des Saflors bediente.

f) In der Unifärberei, Färben der Mouseline, Schleier, baumwollenen Bänder, Garne u. dgl. m.

Es würde zu weitläufig seyn, alle einzelne Artikel namentlich aufzuführen, welche in der Baumwollendruck- und Färberei mit Carthamin roth gefärbt werden können. Die Manipulation beim Färben ist ein wie allemal dieselbe. Die salzigen Bäder zur Nüancirung der Farbe betreffend, verweisen wir auf das Verhalten des Carthamins gegen chemische Agentien.

Beim Färben der Waare wird das Carthamin in einer Porzellain oder Glasreibeschale mit Wasser zum feinsten |319| Saft abgerieben, und durch Zusaz von Wasser in wässerige Auflößung verwandelt. Das fein zertheilte Pigment seiht man durch ein feines weißes Taftsieb, und reibt den Rückstand so lange wiederholt mit Wasser ab, bis alles Pigment abgelaufen ist, und auf dem Siebe nichts mehr zurückbleibt. Je feiner diese Farbe mit Wasser zertheilt wird, um so ergiebiger zeigt sie sich in der Färberei.

Die zu färbende Waare bekommt nun keine andere Vorrichtung, als daß man sie trocken in die wässerige Carthaminflüssigkeit bringt, und darin so lange mit den Händen hin und wieder zieht, bis der gewünschte Farbenton erreicht ist. Die so gefärbte Waare wird auf den Ringpfahl geschlagen, und mittelst des Windestocks recht tüchtig ausgewunden, damit die ablaufende Flüssigkeit sich wieder in dem Gefäße sammle. Das Gefäß selbst ist nicht großer, und die Flüssigkeit beträgt nicht mehr, als zu einem Stück Waare erfordert wird. Beim zweiten Stück sezt man wieder abgeriebene Farbe hinzu, und fährt damit so lange wechselsweise fort, als man noch Waare zu färben hat. Ist die Waare gut ausgewunden, so facht man sie auf, lüftet sie, und bringt sie unmittelbar in ein schwaches Bad, worin zuvor eine Salzverbindung aufgelößt worden, von welcher Vorrichtung nun bald die Rede seyn wird.

Die Quantität des Carthamin beim Farben richtet sich nach der größern Dunkelheit oder Helle der Farbe, die man erzielen will. Ich habe nie mehr als fünf Stücke Iris 5/4 brabanter Ellen breit und 37 brbtr. Ellen taug mit einer Unze Carthamin kräftig röthen können. Das baumwollene Gewebe nahm den Farbstoff ganz auf, so daß die Flüssigkeit vollkommen erschöpft wurde, und eine schwach gelbliche Farbe annahm. Ein hineingelegter weißer Coupon Baumwollenzeug zeugte in einem dergleichen ausgefärbten Bade keine |320| rothe Farbe mehr an; ein Beweiß daß die Waare alles Pigment aufgenommen hatte.

Saures salziges Bad.

Interessant sind die Erfolge, welche wir früher durch das Verhalten dieses schönen Farbestoffs mit den chemischen Agentien kennen gelernt haben. Von diesen hängt die Abstufung der verschiedenen Schattirungen ab, welche die Waare nach dem Färben erhalten soll. Diejenige Salzverbindungen, welche man durch den Handel in den billigsten Preißen bezieht, und die mit dem Pigmente die schönsten Niederschlage darbieten, sind für die fabrikmäßige Darstellung der verschiedenen Abstufungen am vortheilhaftesten. Dahin gehören

a) Kochsalz;

b) Alaun;

c) Weißer Arsenik, und andere früher bezeichnete Salzverbindungen mehr.

Um das salzige Bad darzustellen, löße man die Salzverbindung in Wasser auf, und seze dann von der Auflößung dem kalten Wasserbade so viel zu, bis die Flüssigkeit etwas stark salzig reagirt. Man hasple nun die Waare in der Wanne, worin sich die bereitete Flüssigkeit befindet, einigemale hin und wieder, nehme sie heraus, spühle sie am Fluß oder Bach, winde sie aus, und trockne sie an einem schattigen Orte oder in einem mäßig erwärmten Zimmer sorgfältig ab.

Für den Hausbedarf unserer Frauen ist diese neue Farbensubstanz ein vortreffliches Mittel, mit leichter Mühe ihre Puzgegenstände selbst Roth zu färben. Sie können sich dadurch den Verdruß ersparen, welchen ihnen ein schlechter Saflor verursacht, und allezeit schön gelungene Resultate sich versprechen.

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Anwendung in der Leinenfärberei.

Auch in der Leinen- und Nesselfärberei kann das Carthamin überall, statt des Saflors, mit gleicher Wirkung und Zuverlässigkeit benuzt werden, bei Batist für rothe Unterkleider der Damen, Schetter für Huthfutter, Bänder u. dgl. m.

Anwendung in der Seidenfärberei und Druckerei.

In der Seidenfärberei nimmt dieses rothe Pigment eine bedeutende Stelle ein. Man kann nicht nur mit demselben alles das leisten, was sonst durch den Saflor bewirkt wurde, sondern es ist auch aus den nämlichen Gründen, welche wir bei der baumwollen Druck- und Färberei angegeben haben, in den allermeisten Fällen noch vorzuziehen.

Die zu färbende Seide soll entweder als gesponnene Seide, oder als gewebtes seidenes Zeug gefärbt werden. In jenem Falle vertheilt man sie mattoweise auf Stäbe, und bringt sie so in das Carthaminbad. Um rohe Seide zu färben, was im Allgemeinen sich leichter als mit der gekochten thun läßt, wähle man sehr weiße Seide, und behandle sie wie entschälte, nur daß man sie für Ponceau, Nacarnat und Kirschfarbe in Bädern durchnimmt, die zu diesen Farben für entschälte Seide bereits gebraucht wurden.

Die gewöhnlichsten Farben, welche in der Seidenfärberei mittelst Carthamin vortheilhaft dargestellt werden können, sind: a) Feuerfarbe; b) Ponceau; c) Nacarnat; d) Kirschroth; e) Rosa; f) Fleischfarbe.

Feuerfarbe.

Um eine schöne Feuerfarbe zu erhalten, wird die Seide mit Orlean vorgefärbt, gut ausgewaschen, durch ein schwaches pflanzensaures Bad genommen, wieder ausgewaschen, und |322| zu einem Carthaminbade bis zum gewünschten Farbeton ausgefärbt.

Ponceau.

Bei dieser Farbe ist es nöthig, daß man die mit Orlean vorgefärbte Waare in einem concentrirten Carthaminbade ausfärbe, oder auch in verschwächten Bädern zu wiederholten malen durchnehme. Auch wird die mit Orlean vorgefärbte Waare, ehe man sie in das Carthaminbad einbringt, durch ein schwaches Essigbad genommen, damit das der Orleanfarbe noch anhängende kalische Salz gebunden werde, um nicht nachtheilig auf das Carthamin einwirken zu können.

Nacarnat. Dunkelkirschroth.

Ist zu behandeln wie Ponceau, mit dem einzigen Unterschiede, daß man der Seide keine Vorfärbung mit Orlean giebt. Zur Darstellung dieser Farben kann man Carthaminbäder, aus denen man schon Ponceau gefärbt hat, anwenden, um den noch übrigen Färbestoff auszuziehen.

Hellkischroth. Rosa. Fleischfarbe.

Helle Kirschfarben, so wie alle Abstufungen von Rosenroth und Fleischfarbe, bekommen ebenfalls keinen Vorgrund durch Orlean. Man erzeugt diese Farben am vortheilhaftesten durch Bäder, welche früher schön zu dunklen Farben gebraucht worden. Um die allerhellste Farbenschattirung, eine Art feines Fleischroth, hervorzubringen, sezt man dem Carthaminbade eins ganz schwache Marseiller Seifenauflösung hinzu. Diese Flüssigkeit macht die Farbe heller, und verhindert sowohl das zu schnelle als das zu ungleiche Ansezen derselben. Nach dem Farben wird die Seide gespült, und man läßt die feine Fleischfarbe durch das schon zu Ponceau gebrauchte Wasserbad 4–5 mal passiren. Bei dunklen Farben kann man sich in der Seidenfärberei, um etwas zu |323| ersparen, der Orseille bedienen, mit welcher zuvor ein Grund gegeben wird, ehe man die Waare in dem rothen Bade ausfärbt.

Es lassen sich in dieser Art von Färberei auch noch andere schöne Farben durch die wässerige Carthaminauflösung hervorbringen, wenn man der Waare vorher Blau oder Gelb aufgesezt hat. Dieß gilt besonders

a) von Iris Violett in allen Abstufungen. Der Grund wird zuvor hellblau gefärbt, und dann erst mittelst Carthamin geröthet. Durch verschiedene Schattirungen von Hellblau bis Mittelblau erhält man bei nachheriger Röthung mehrfache Abstufungen dieser Irisfarben;

b) von allen Abstufungen des Chamois, Goldgelbs, Oraniengelbs, Hochoranges, und der Aurora. Der Vorgrund wird Citronengelb gegeben, worauf durch Anwendung mehr oder weniger starker Carthaminbäder alle jene Abstufungen in dem lebhaftesten Glanze hervortreten.

Werden die mit Carthamin gefärbten Seidenwaaren aller Art durch saure Salzbäder genommen, so erzielt man manchfaltige Abstufungen jener Farben. Die Seide und seidenen Stoffe, welche in das Gebiet dieser Färberei gehören, sind: a) entschälte Seide; b) rohe Seide; als gewirkte, gestrikte oder geklöppelte Fabrikate; c) Seidensammt glatt und gerissen; d) Taft, Croise und Levantine; e) Seidenkrepp, Flor, Bänder, u. dgl. m.

Seiden- und Seidensammt-Druckerei.

In der Seidendruckerei, welche die Farben vermittelst kochender Wasserdämpfe befestiget, läßt sich das Carthamin nur nach der Dämpfung anwenden, weil das Roth desselben durch die Einwirkung der Wasserdämpfe zerstört würde, und nur eine schwache Fleischfarbe zurückbliebe.

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Um ausgearbeiteten Seidendruck mit rothem Grunde zu erhalten, wird das gedämpfte und ausgewaschene Druckfabrikat in einem Carthaminbade, nach der bereits öfters gegebenen Vorschrift, geröthet. Sind es geeignete Dessein, mit den hier vorzugsweise erforderlichen Farben, so erscheinen durch die Röthung die weißen Stellen Rosa; Hellblau wird Lillas; Citronengelb Goldgelb, und Grün nimmt einen eigenthümlichen, für das Auge nicht unangenehmen Ton an. Auf der Wahl der Zeichnung beruht das Ganze zur Bildung brillanter Muster.

Will man nach Eindämpfung der Farben in dem Dessein die Rosen oder andere Blumen schön Rosen- oder Carmoisinroth haben, so bietet das Carthamin, mittelst des Pinsels aufgetragen, das beste Mittel dazu dar. Zum Verdickungsmittel für dergleichen Pinsel oder auch Druckfarbe taugt am besten ausgelesenes helles arabisches oder senegalisches Gummi, welches fein gestoßen und in heißem Wasser gelößt wird, worauf man nach dem Erkalten so viel wässerige Carthaminauflößung hinzufügt, als nöthig ist um die Farbe heller oder dunkler zu produziren. Wegen der Kostbarkeit dieses Pigments ist dasselbe, insonderheit bei starken Massen, weniger für den Druck als für den Pinsel geeignet, weil durch das Einstreichen in das Sieb zuviel Farbe unbenüzt verloren geht.

Die nun auf solche Weise gefärbte, gedruckte oder geschilderte Waare wird, und zwar die leztere nach dem Abtrocknen, durch ein Kochsalz-, Alaun- oder weißes Arsenikbad genommen, worauf die Farbe, nach Lösung und Wegschaffung des Verdickungsmittels, durch die Einwirkung jener Salzverbindungen in ihrer höchsten Lebhaftigkeit erscheint. Und so verhält es sich allgemein sowohl bei baumwollenen und leinenen, als bei seidenen Stoffen.

Durch Anwendung der Chlorinverbindungen bei Unirosa oder Carmoisin gefärbten seidenen Geweben jeder Gattung, |325| kann man weiße Muster in rothem Grunde darstellen, welche in der Seidenfabrikation einen neuen und schönen Puzartikel für unsere Damen erschaffen; wozu als Stoffe gehören: Seidensammt, Taft, Levantine, breite Bänder, u. dgl. m.

Bei dem Seiden- und Baumwollen-Sammt, wo die erstere Farben mittelst Wasserdämpfe befestigt, und der Grund hernachmals geröthet wird, lassen sich durch Gold- und Silberdruck100) kostbare Gegenstände des Luxus zum Daseyn bringen. –

Auf Unirosa oder Carmoisin gefärbte seidene baumwollne und feine leinene Stoffe kann man auch Farben als sogenannte gefärbte Reservagen anwenden; nämlich alle diejenigen, welche in kalischen Auflösungen erfolgen, und fähig sind sich mit der Faser zu verbinden. Gefärbte Reservagen dieser Gattung sind:

a) in kaustischem Ammonium aufgelößtes Schwefelarsenik. Diese Auflösung mit Gummitragant in druckförmigen Zustand versezt, und auf roth gefärbte seidene Gewebe getragen, bildet eine brillante reine goldgelbe Farbe;

b) Orlean mit kallischer Lauge abgerieben, mit Gummitragant verdickt, und der Druckfarbe vor der Verarbeitung eine angemessene Portion kaustisches Ammonium zugesezt, stellt eine schöne oraniengelbe Farbe dar;

c) Indigo-Mahlerblau, mittelst kaustischen Kalis und geschwefelten Arseniks den Indigo aufgelößt, die Auflösung mit Minnosen-Gummi verdickt, und kurz vor der Verarbeitung einen geringen Zusaz von kaustischen Ammonium zugegeben, bildet ein reines Blau auf unirothgefärbtem Grunde, welches um so reiner ausfällt, je frischer die Auflösung als Farbe angewendet wird;

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d) Kupferammonium, mit vorwaltendem kaustischen Ammonium und Gummitragant verdickt, bringt ein lebhaftes Kupfergrün zum Vorschein;

e) Applikationsschwarz, ohne den rothen Grund zu zerstören, ein schönes intensives Schwarz.

Alle diese Farben erscheinen rein, wenn durch Auswaschen der Waare die Verdickungsmittel gelößt und weggespühlt sind.

Aus diesen fünf verschiedenen Farben lassen sich herrliche Muster componiren, welche bei richtiger Wahl und geregelter Zeichnung einen nicht uninteressanten Neuen Fabricationsartikel, vorzüglich in der Seidendruckerei, begründen können.

Besondere Bemerkungen.

Schlüßlich ist noch in Ansehung des Carthamins zu bemerken:

1) daß es in der Schaafwollenfärberei so wenig als der Saflor Anwendung leidet;

2) daß es dagegen eine vortreffliche Farbe zum Mahlen auf Baumwollen-Sammt darbietet, um die natürliche Farbe der Rosen darzustellen;

3) daß es auch eine schöne Muschel- oder sogenannte Wasserfarbe zum Illuminiren auf Papier liefert.

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Die Konstruktion dieses Apparats findet man in meiner Abhandlung „über den Saflor und dessen Anwendung in der Druck- und Färbekunst“ in Dinglers neuem Journal der Druck-, Färbe- und Bleichkunst. B. 4. S. 383 beschrieben.

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Wer die Natur und Anwendung des Saflors seinem ganzen Um fange nach genauer kennen lernen will, findet Belehrung in meiner Abhandlung über den Saflor und dessen Anwendung |314| in der Druck- und Färbekunst. In Dinglers Neues allg. Journal. B. 4. S. 355–396.

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Neues Journal der Chemie und Physik von Schweigger und Meinecke. B. 26. S. 267.

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Siehe dieses Journal, B. 2. S. 160.

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