Titel: I. L. Lassaigne über die Anwendung des chromsauern Blei auf Seiden, Baumwollen etc.
Autor: Lassaigne, Jean Louis
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. XLVI. (S. 354–357)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/ar003046

XLVI. Ueber die Anwendung des chromsauern Blei auf Seiden, Baumwollen, Leinwand und Kattun.

Von Herrn I. L. Lassaigne.

Aus den Annales de Chemie et de Physique. Tom. XV. Septembre 1820.

Mit einem Zusaze des Herausgebers.

Alle früher bei der Färberei der Zeuge angewandten Färbestoffe wurden aus dem organischen Reiche gezogen.

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Das Mineralreich allein, obschon so viele Farbenmischungen in sich enthaltend, alle von den Einwirkungen der Luft nicht affizirbar, lieferte keine Stoffe für die Färber. Nur erst seit wenig Jahren begann man einige mineralische Erzeugnisse bei der Färberkunst anzuwenden.

Herrn Raimund von Lyon gebührt die Ehre des rohern Gebrauches dieser Stoffe. Durch eine eben so einfache als künstliche Verfahrungsart befestigte er preußisch Blau auf Seide, die Farbe war ausnehmend glänzend, und von der Luft unversehrbar119).

Im vorigen Jahr lieferte Hr. Brakonnot von Nancy durch die Verwendung des Schwefel-Arseniks (Auripigmentes) auf alle Arten Zeuge, eine gelbe Farbe, nicht weniger haltbar als die vorige120). Nachdem ich nun bereits mehrere Versuche mit dem chromsauern Blei angestellt hatte, kam ich darauf; dieß Salz auf alle Gewebe zu befestigen, und zwar durch ein Verfahren ganz dem ähnlich, welches Hr. Raimund angewendet hatte, um seine Seidenzeuge mit blausaurem Eisen zu färben.

Ich ließ bei gewöhnlicher Temperatur einige Strähne ausgesottener Seide eine viertel Stunde lang in eine schwache Auflösung von essigsauerm Blei (sous acetate de plomb) |356| tauchen, sie sodann herausnehmen und im Flußwasser waschen, diese Vorbereitung bezweckte die Verbindung eines gewissen Theils des essigsauern Blei mit der Seide.

Diese so zubereiteten Strähne wurden hierauf in eine schwache Auflösung von neutralen chromsauren Kali121) gelegt; unmittelbar nach dem Eintauchen, nahmen sie eine schone gelbe, immer mehr wachsende Farbe an, nach Verlauf von 10 Minuten war die Wirkung vollendet; d.h. die Seiden-Strähne hatten den höchsten Punkt der Färbung im Verhältniß des ihnen beigemischten essigsauern Bleies erhalten; sie wurden nun gewaschen und getrocknet.

Diese Farbe, so wie die übrige aus demselben Reiche, wird nicht von der äußern Luft versehrt.

Nachdem man verhältnißmäßig mehr oder weniger essigsaures Blei und chromsaures Kali nimmt, kann man das lichteste Hellgelb bis zum dunkelsten Goldgelb erhalten.

Ganz dasselbe Verfahren findet bei der Färbung der Wolle, des Leinen und der Kattune statt; doch ist es zuträglicher diese verschiedenen Gewebe in die Auflösung des essigsauern Bleies bei einer Temperatur von 55°–60° zu legen.

Das Unangenehme bei dieser Farbe, so wie bei den vorhergehenden, daß sie sich nämlich in Seifenwasser etwas zersezen, hat mich auf die Meinung gebracht, daß sie nur zur Seidenfärberei anzuwenden sei.

Zusaz des Herausgebers.

Wir haben das Verfahren des Hrn. Lassaigne mittelst chromsaurem Blei (Chromgelb) die verschiedenen Gespinnste und Gewebe Gelb zu färben, wiederholt und durch die erhaltene Resultate bestättigt gefunden, was Hr. L. darüber sagt. Für das praktische Leben hat aber diese Art zu färben |357| gar keinen Werth, weil man durch wohlfeilere Mittel und leichtere Verfahrungsarten auf allen genannten Thierischen- und Pflanzenstoffen nicht nur ebenso schöne, sondern auch noch weit solidere gelbe Farben darstellen kann. Wir glaubten dieses Gelb vortheilhafter mit topischem Blau (Malerblau) auf grüne Farben verwenden zu können; der Erfolg entsprach aber auch dann unserer Erwartung nicht, als wir Baumwollengewebe mit verdicktem essigsauren Blei bedruckten, und nach dem Trocknen und Reinigen typisches Blau mit chromsaurem Kali verbunden darauf brachten. Die Farbe fiel zwar beim Einhängen ins Wasser sehr schön grün an; bei dem darauf folgenden Auswaschen verlor sich aber das schöne Grün, und es blieb auf dem Zeuge nur ein schmuziges Grün zurück. Die Versuche Chromgelb und blausaures Eisen durch Vorbereitung der Zeuge mittelst essigsaurem Blei und essigsauren Eisen, und nachherigem Behandeln mit blausaurem- und chromsauren Kali, um gleichzeitlich grün hervorzubringen, waren ebenfalls von keinem günstigen Erfolg. Wir machen die Leser mit diesen ungünstigen Resultaten deßhalb bekannt, damit niemand seine Zeit mit diesen Versuchen versplittere. Nur mit andern Metallfarben läßt sich dieses Gelb als Mischungsfarbe nüzlich anwenden. Auf diese Anwendungsart werden wir nächstens zurückkommen.

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Die Ehre der Erfindung, mit blausaurem Eisen Wolle, Seide und Baumwolle zu färben, gehört nicht dem Hrn. Raimund, sondern den Engländern, welche schon im Jahre 1800 mit blausaurem Eisen gefärbte Baumwollenzeuge auf den Kontinent brachten. Das Geschichtliche so wie das Verfahren die verschiedene Stoffe mit blausaurem Eisen blau zu färben, findet man im zweiten Bande des Bancroftischen Färbebuch (Nürnberg bei I. L. Schrag 1818) S. 67–111 vollständig zusammengestellt. D.

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Dieses Verfahren, sowie die Berichtigung dieser Färberei findet sich im zweiten Bande S. 343 in diesem Journal. D.

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Die Lauge von natürlichen chromsauern Eisen mit salpetersaurem Kali behandelt und mit Salpetersäure gesättigt, leistet dieselben Dienste.

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