Titel: Merkwürdige Petrifikation..
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. LI./Miszelle 1 (S. 373–374)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/mi003051_1

Merkwürdige Petrifikation.124).

Vor ungefähr einem Monate kamen die Steinbrecher in einem dem Hrn. Leer gehörigen Steinbruche bey Glasgow auf das Lager eines Baumes noch ganz in dem Verhältnisse, wie dieser gewachsen war. Der Stamm hat gegen 26 Zoll im Durchmesser, ist nicht ganz rund, sondern etwas oval, indem der Baum auf der mittäglichen Seite schneller gewachsen war, als auf den andern drey Seiten; deßhalb auch der nördliche und südliche Diameter einige Zoll länger als der östliche und westliche ist. Der Baum-Stamm selbst bestehet aus Sandsteine, ganz dem übrigen Steinbruche ähnlich. Die Rinde war in vollkommene Braunkohle verwandelt, welche fest am Baume hängt, und das Entfernen des Gesteins, womit der Baum umgeben ist, sehr erleichtert. Gegen drey Fuß von unten waren Theile des Baumes unbedeckt. Dieser Theil liegt ungefähr 40 Fuß unter der Erdoberfläche in einem festen Sandsteinbruche. Der obere Theil des Stammes und der Aeste ist nicht entdeckt worden. Die obere Lage des Steinbruches war schon etwas länger abgeräumt. Die Wurzeln sieht man in die Erde gesenkt, gerade wie dieß bey den Wurzeln stehender Bäume der Fall ist. Vier vorzüglich große Wurzeln gehen vom Stammholze aus, einige davon dehnen sich einen Fußweit umher, ehe sie sich im anliegenden Steine verlieren. Ueber das Geschlecht des Baumes, dessen Form hier noch deutlich ist, findet sich jedoch kein näheres Kennzeichen. Die Rinde wurde durchaus harzig, so daß die gewöhnlichen charakteristischen Merkmahle ganz Verschwunden sind. Nach dem Aussehen der Wurzel war es keine Fohre; die Aehnlichkeit mit einer Buche ist stärker. Indessen ist diese Petrifikation nicht ohne Werth, und es läßt sich als erwiesen annehmen, daß sich der Sandstein erst nach dem Daseyn großer Bäume gebildet habe, und daß das von der Einwirkung des Wassers herrührende Aeußere von Quarz, woraus der Sandstein bestehet, keineswegs wie einige Geologen wollen, eine trügliche, sondern eine ganz bestimmte Indication ist. Wenn nun aber der Sandsteine der einen so großen Theil des Kohlen-Lagers ausmacht, später gebildet wurde, als die mit Holz bewachsene Erde, dann kann doch wohl kein Zweifel bestehen, daß dieß auch beym Schiefer und bey der Kohle, welche mit diesem Sandsteine alternirt, eben so sey. –

Wenn nun die Kohlen-Formation als ein Theil des ältern rothen Sandsteines erscheint, so kann vernünftigerweise man nicht zweifeln, daß auch dieser ältere rothe Sandstein nach der Zeit, wo die Erde mit Holz bewachsen war, sich gestaltet habe; daß also die bisherige neueste Annahme desselben als eines ursprünglichen Niederschlages unhaltbar ist. Ist es ferner wahr, wozu wirklich Gründe vor |374| handen sind, daß Urgestein mit dem alten rothen Sandsteine wechselt, so muß gefolgert werden, daß auch dieses Gestein erst nach dem Ueberwachsen der Erde mit Holz entstanden sey.

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Anales of Philosophy November. 1820. Nr. XCV S. 385.

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