Titel: Fortsetzung und Beschluß der Beschreibung der Instrumenten zu den meteorologischen Beobachtungen von Can. Stark.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1820, Band 3, Nr. LI./Miszelle 18 (S. 377–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj003/mi003051_18

Fortsetzung und Beschluß der Beschreibung der Instrumenten zu den meteorologischen Beobachtungen von Can. Stark.

Winde.

Die Veränderung und die Richtung der Winde wirb durch ein Anemoscop oder einen Windzeiger mit einer sehr empfindlichen Windfahne angegeben, welche vertikal zu oberst auf ein Gebäude mit einem Gegengewicht gesezt ist, und so wenig als möglich sich reibt. Die mit dieser Fahne verbundene, und mit ihr zugleich sich umdrehende Spindel geht durch das Dach bis an die innere Decke des Beobachtungszimmers und lauft in einer Pfanne, welche unterhalb eine Oeffnung hat, um das untere konische Ende der Spindel mit einem Zeiger in Verbindung bringen zu können. Dieser Zeiger, welcher sich unter einer an die Decke des Zimmers gezeichneten Windrose bewegt, muß in seinen Richtungen immer mit der Fahne übereinstimmen, er wird an die Spindel so befestiget, daß seine Spize mit dem Rüken der Fahne eine gerade Linie bildet. Auf der Windrose mußten die Zeichen der Winde genau nach der Meridian-Linie (zu deren Errichtung meine vollständige Beschreibung der meteorologischen Instrumente pag. 42 bis 51 mehrere Methoden angiebt) gestellt werden, folglich S (Süd) genannt gegen Mittag, und N (Nord) gegen Mitternacht zu stehen kommen u.s.w.

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Die Stärke der Winde nach ihren Graden zu erfahren, dien; ein anderes Instrument, Anemometer oder Windmesser genanntt man findet verschiedene Arten desselben beschrieben in Landriani's Anemometrograchie im Gothaischen Magazin XI. 3 St. 106. S. – Wilkens Anemobarometer – in den neuen schwedischen Abhandlungen. III. 85. Reinh. Woltmann's Theorie und Gebrauch des hydrometrischen Flügels. Hamburg 1790. – D. S. T. Gehlers physikalisches Wörterbuch IV. B. S. 757–769 und 773–781. V. B. S. 1016–1122. H. Oertels Ideen zur Einrichtung eines Windmessers in H. Lichtenbergs Magazin VI B. 1. St. S. 89. und 3 St. S. 84 etc. Da ich selbst keinen Windmesser besize, so pflege ich die Stärke der Winde nach der, von der ehemals Kurfürstlich-Baierischen meteorologischen Gesellschaft in Mannheim angenommenen Bestimmung des Hr. Professor Celsius nach folgenden Graden anzugeben: I. Grad, wenn der Wind die Blätter der Bäume; II. Grad, wenn er die kleinen Aeste; III. Grad, wenn er die größern Aeste bewegt, und IV. Grad, wenn er als heftiger Sturm Aeste abbricht und Bäume entwurzelt.

Diese vier Grade können auch den Raum anzeigen, welchen der Wind in einer Zeitsekunde durchlauft, und zwar der l. Grad einen Raum von 10 Fuß mit Bewegung der Blätter an den Bäumen, der II. Grad einen Raum von 20 bis 24 Fuß, der III. einen Raum von 30 bis 40 Fuß, und den IV. bey einem Sturm einen Raum von 50 bis 60 Fuß, wobey auf jeden Quadratfuß Raum eine Kraftäußerung von mehr als 5 1/2 Pfund Stärke kommt.

Witterung.

Um sowohl mich nach mehreren Meteorologen bey den Angaben der Witterung zu richten, als auch die Zeichensprache, deren sich ehemals die berühmte meteorologische Gesellschaft zu Mannheim in sechs Abstufungen bediente, zu vermeiden, wählte ich acht, leicht verständliche und der Mannigfaltigkeit der atmosphärischen Veränderung angemessene Abstufungen. Sie heißen: heiter 1 und 2, schön 1 und 2, vermischt 1 und 2, und trüb 1 und 2.

Heiter 2. Wenn der Himmel vollkommen rein, blau, und allenthalben wolkenlos ist.

Heiter 1. Wenn der Himmel zwar rein, doch etwas dünstig ist, und sich das Blaue mehr in eine weißliche Farbe verliert.

Schön 2. Bey sehr wenigen dünnen Wölkchen, die nur da und dort sich zeigen, ohne den freyen Anblick der Sonne bey Tag, und der Gestirne bey Nacht zu hindern.

Schön 1. Bey mehr blauen als wolkichtem Himmel; an welchem nur einige Stellen; mit Wolken bedeckt sind, wodurch der freye Anblick der Sonne bey Tag, und der Gestirne bey Nacht nur selten unterbrochen wird.

Vermischt 2. Wenn der Himmel ungefähr zur Hälfte klar oder blau, und zur Hälfte wolkicht oder grau erscheint, folglich an der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Gestirne oft wechselt.

Vermischt 1. Wenn der Himmel größtentheils trübe ist, mit Ausnahme einiger blauen Stellen, weßwegen Sonne, Mond und Sterne nur selten sichtbar, oder nur durch vorüberziehende, dünne Wolken bemerkbar sind.

Trüb 2. Wenn der Himmel so durchaus von dünnen Wolken bedeckt wird, daß gar kein Erscheinen der Gestirne statt findet.

Trüb 1. Wenn der ganze Himmel in schwarzgraue dichte Wollen eingehüllt ist.

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Für Nebel, Regen und Schnee machte ich ebenfalls zwey Abstufungen auf folgende Art:

Nebel 2. Dünner Nebel, welcher entfernte Gebäude noch bemerken, und die Sonne in weißer Farbe durchscheinen läßt.

Nebel 1. Dichter Nebel, bey dem nur sehr nahe Gegenstände gesehen werden können.

Regen 2. Staub und Nebelregen, auch sonst sanfter Regen.

Regen 1. Starker und heftiger Regen; auch Platz- und Gewitter Regen.

Schnee 2. Schneeflöckchen, sanftes Schneien und Rieseln.

Schnee 1. Dichtes Schneegestöber, und größere, neben einander fallende Schneeflocken.

Es zeigt also die Zahl 2 bey Heiter und Schön die bessere, die Zahl 1 die geringere Klarheit; bey Vermischt und Trüb 2 die schwächere, 1 die stärkere Vermischung und Trübung an. Bey Nebel, Regen und Schnee bezeichnet 2 eine dünnere, und 1 eine dichtere Masse. Man gewinnt auf diese Weise 14 Beziehungen der atmosphärischen Beschaffenheit, welche Untersuchung und Vergleichung der Witterung einen großen Vortheil gewähren. In Ansehung des Reifens, Hagels, Wetterleuchtens und der Gewitter fand ich eine solche Abstuffung in Zeichen unnöthig, weil diese Ereignisse, vorzüglich bey den Gewittern, in meinen vollständigen Beobachtungen ausführlich beschrieben sind, wozu aber in diesem Journale der Raum mangelt.

Nach diesen bisher gewählten Andeutungen der Beschaffenheit der Atmosphäre und ihrer Veränderung bey der an jedem Tage dreymal angezeigten Witterung wird die Beschaffenheit der Tage und Nächte bestimmt in der letzten Spalte unter der Aufschrift:

Summarische Uebersicht der Witterung.

Diese Uebersicht der Witterung ist um so bequemer, da sie nicht nur von jedem Monath gegeben ist, sondern auch vom ganzen Jahre die Anzahl der heiteren, schönen, vermischten und trüben Tage und Nächte mit ihren Abstufungen, und eben so die Tage und Nächte mit Nebel, Regen, Schnee, Reifen, Hagel, Wetterleuchten, Gewitter, und Winden, vor das Auge bringt. Man muß aber dabey das meteorologische Tagebuch zu Rathe ziehen, weil dieses in den meisten Fällen einen größern Aufschluß als die Tabellen, und besonders dann geben kann, wenn bey den drey Beobachtungszeiten jedesmal eine andere Beschaffenheit der Atmosphäre vorkömmt; z.B. es wäre früh 7 Uhr die Witterung vermischt, Mittags 2 Uhr schön, und Nachts 9 Uhr Regen, so entscheidet das Tagebuch ob ein solcher Tag zu den vermischten oder zu den trüben zu zählen sey. Gleiche Bewandtniß hat es mit der Beschaffenheit der Nächte und mit den Graden der Winde sowohl am Tage als zur Nachtzeit, auch hierüber spricht sich das Tagebuch aus.

Hyetometer.

Die Menge des gefallenen Regens und des Wassers von geschmolzenen Schnee genau zu bestimmen, hat man mehr als eine Art Hyetometer oder Ombrometer; ich will hier aber nur diejenigen beschreiben, die ich zu meinen Beobachtungen gebrauche.

Dieses von dem berühmten augsb. Hrn. Mechanikus Höschel, so wie meine übrigen meteorologischen Werkzeuge, verfertigte Instrumente, besteht in einem 16 Pariser Zoll hohen Glascylinder von 3 1/2 Zoll Durchmesser, welcher unten geschlossen ist; er ruhet auf |380| einer triangulformigen messingenen Platte innerhalb eines Reifes; eine ähnliche Platte des Cylinders. Durch zwey abgerundete Vorsprünge bey jeder Platte gehen zwey starke Dräthe von Messing, welche etwas länger als der Cylinder, und unten mit viereckigten Knöpfen, oben aber mit einem durch die obere Platte hervorragenden Gewinde versehen sind. Diesen Dräthen gegenüber ist eine eben so lange Schiene von starkem Messing an der untern Platte befestiget, sie hat ebenfalls ein Gewinde, das über die obere Platte hinausgeht. Zwischen den Dräthen und der Schiene ruhet der Cylinder, auf welchen die obere Platte gelegt, und mittelst jener Gewinde durch 3 Lappenschrauben befestiget wird. Rückwärts der Schiene befinden sich zwey starke Hacken, einen Schuh weit von einander entfernt, und in zwey länglichte Oeffnungen an einem starken Stück von Eisen vertical eingehängt. Dieses Eisen ist mit einer gegen 4 Fuß langen und starken eisernen Stütze verbunden, welche an der äußern Mauer des Beobachtungszimmers so angebracht ist, daß der Regen von allen Seiten ohne Hinderniß frey auffallen, die Höhe des gefallenen Regens, nachdem man die Stütze gegen sich angezogen hat, leicht abgelesen, und dann das Hyetometer ohne viele Mühe ausgehoben, der Cylinder ausgeleert, und nun das ganze Instrument wieder eingehängt werden kann.

Die obere Platte hat in der Mitte eine Oeffnung von 1 Zoll, in welche eine gestutzte viereckigte Pyramide von Kupfer, deren Basis einen Pariser Quadratfuß beträgt, in umgekehrter Richtung eingeschraubt wird. An die Begränzung der Pyramide ist noch ein messingner, 1 Zoll hoher Rahmen aufgelöthet, um den Raum von 144 Quadratzoll, welchen dieselbe einschließt, genauer berichtigen zu können. Auf die Basis dieser gestutzten Pyramide fällt der Regen, und wird durch die Oeffnung der obern Pyramide in den Glascylinder geführt, an welchem sich zwey mit Diamant gemachte Scalen befinden. Die erste Scale, welche von dem Boden des Cylinders bis zu dessen Extremität fortläuft, ist in französische Duodecimalzolle, und jeder Zoll in 12 Linien getheilt. Nach dieser Eintheilung ist der Cylinder durch das französische Grangewicht abgerichtet, und überall die entsprechende Zahl beygesetzt worden. Die zweyte, neben der ersten mit Diamant eingegrabene Scale gibt die Standhohe des auf die Begränzung von 1 Pariser Quadratfuß oder 144 Quadratzoll gefallenen Regens in Duodecimalzollen und Scrupeln an. Ein Duodecimalzoll der Standhöhe oder 144 Cubikzoll auf 1 Pariser Quadratfuß füllte den Raum des Glaßcylinders bis zu einer Höhe von 14 1/2 Duodecimalzoll. Dieß gab das Maaß zur Theilung dieser zweyten Scale bey einer Temperatur von x 7,6 Grad des 80 theiligen Quecksilber Thermometers. Es wurde das Maaß in 12 Theile, und jeder derselben wieder in 10 Theile genau getheilt, was also 120 Theile ausmacht, der zwölfte Theil davon beträgt 1 Duodecimallinie, und jedes Zehentel desselben 1 Scrupel; man kann auch noch ohne viele Anstrengung den 1/480 Theil eines Zolles schätzen. Durch diese zwey Scalen, welche der jetzt verstorbene Mechanikus Höschel mit außerordentlicher Genauigkeit getheilet hat, ist man im Stande, den Betrag des Regen- oder Schneewassers sowohl nach französischem Grangewichte, als dessen Standhöhe nach französischen Duodecimallinien und Scrupeln genau anzugeben.

Da jedoch dieses vortreffliche Hyetometer durch heftigen Sturm oder andere Ereignisse an seinem Glaßcylinder leicht Schaden leiden kann, überdieß zur Aufnahme des Schnees im Winter nicht tauglich ist, so habe ich noch ein besonders Gefäß verfertigen lassen, welches zur Aufnahme des Schnees so wie des Regens selbst bey |381| einem heftigen Sturm die besten Dienste leistet und keiner Gefahr unterworfen ist. Es besteht in einem viereckig prismatischen Kessel, von Kupfer, dessen Tiefe 1 1/2 Pariser Fuß hält, um den aufgenommenen Schnee gegen Wind vor der Zerstäubung zusichern. Zur Basis oder vielmehr zur obern Oeffnung hat dieser Kessel eine Begränzung von 1 Pariser Quadratfuß, welche, wie bey der vorher erwähnten gestutzten Pyramide, aus einem 1 Zoll hohen Nahmen von Messing besteht. Dieses Auffanggefäß, welches auch Schneemaß genannt werden kann, ist an einer seiner äußern Wände mit zwey flachen Hacken versehen, um es an der außerhalb dem Beobachtungszimmer befindlichen eisernen Stütze, anstatt des Hyetometers, ein- und aushängen zu können. Hat man nach gefallenen Schnee mit diesem Gefäße aufgefaßt, so wird dasselbe an einem temperirten Ort zur Aufthauung des Schnees gebracht, wo man daneben ein mit Regen- oder Schneewasser, oder in Ermangelung desselben mit reinem Wasser gefülltes Ausdünstungsgefäß setzet, durch welches die während der Aufthauung des Schnees vorgegangene Ausdünstung beobachtet und berechnet wird. Das aufgethaute Schneewasser wird vorsichtig in den Glaßcylinder geschüttet, und dabey so viel möglich untersucht, wie viel von der Flüßigkeit dey dem Umleeren durch Anhängen an die Winde des Auffangsgefäßes verloren gieng, was auch bey dem Regenwasser zu bemerken ist. Der berechnete Verlust bey dem Aufthauen des Schnees muß eben so, wie die durch das Ausdünstungsgefäß beobachtete Verdünstung zu der Höhe des in dem Glascylinder stehenden Schneewassers addiert, und hiezu noch die an den Wänden des Auffangsgefässes hängen gebliebene Flüssigkeit gerechnet werden, um die wahre Höhe des Regen- und Schneewassers möglichst genau zu bestimmen.

Von diesem vortrefflichen Hyetometer., dem Schneemaße und Ausdünstungsgefäße oder Atmometer findet man eine ausführliche Erklärung nebst Abbildung in meiner Beschreibung der meteorologischen Instrumente mit 5 Kupfer in groß Quart von Seite 28 bis 33, wo auch eine Reductions-Tabelle nach dem bairischen Civilgewichte beygefügt ist. In meinen vollständigen meteorologischen Jahrbüchern habe ich die Höhe des Regen- und Schneewassers an jedem Regen- und Schneetage auf ein Pariser Quadratfuß in Zolle, Linien, und Hunderttheile der Linien angegeben, bey jedem Monat aber den Totalbetrag ausgedrückt, und diesen zugleich nach dem bairischen Civilgewicht berechnet; auch bestimmte ich nach eben diesem Gewichte die Schwere des in jedem Monat auf die Quadratfläche der Stadt Augsburg, welche von der innern Glacis begränzt genau 666 69/100 bairische Tagewerk enthält gefallenen Regen oder Schnee. Eben so verfuhr ich in Angabe der täglichen Ausdünstung.

Da die in diesem Aufsaze aufgeführte Anzahl aller meiner Beobachtungen auffallend seyn könnte, so muß ich bemerken, daß diese Anzahl aus meinen vollständigen Beobachtungen genommen ist, welche nicht nur meteorologische Beobachtungen sind an dem Barometer, dem neben diesem befestigten Thermometer, dem Thermometer im Schatten, in der Sonne, dem Hygrometer, dem Manometer, Atmometer, Hyetometer, und an dem Luft-Electrometer, sondern auch in vielen meteorischen, und besonders astronomischen Beobachtungen bestehen.

Die Jahrbücher meiner vollständigen meteorologischen Beobachtungen sind vom Jahre 1813 bis 1820 entweder einzeln, oder zusammen, und so auch meine Beschreibung der meteorologischen Instrumente mit 5 Kupfern in groß Quart bey mir nach Belieben zu haben

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