Titel: Morrison's Verfahrungsart, thierische und vegetabilische Nahrungsmittel lange Zeit über zu erhalten.
Autor: Morrison, Aeneas
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. V. (S. 65–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004005

V. Erklärung des dem Aeneas Morrison, Schreiber zu Glasgow, ertheilten Patentes auf gewisse Verfahrungsarten und Bereitungen, wodurch thierische und vegetabilische Nahrungsmittel eine lange Zeit über erhalten werden können. Dd. 23. März 1819.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. Second Series. N. CCXXIII. December 1820. S. 20.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Ich Aeneas Morrison erkläre hiermit, daß meine Erfindungen in Folgendem bestehen; und zwar die erste darin, daß ich das Nahrungsmittel in Gefäßen einschließe und koche, aus welchen während des Kochens die atmosphärische Luft ausgetrieben wird, und daß ich diese Gefäße für immer Luftdicht mache, so daß jeder neue Zutritt der atmosphärischen Luft verhindert wird, was auf folgende Weise geschieht: man bereite einen Koch-Ofen aus mehreren hohlen Eisenblöcken, die so eingesezt werden, daß während man von außen in ihre Mündungen gelangen kann, die Hize an ihre Körper von innen vertheilt, und jeder Block ein besonderer Ofen wird. An jedem Blocke bringe man einen Schieber an, der mit Trägern versehen ist, um die angewendeten Gefäße mittelst derselben zu stüzen, und durch den Mittelpunckt eines jeden Schiebers leite man eine eiserne Röhre, die als Schraube wirkt, und an ihrem unteren Ende einen Behälter, an dem oberen einen Trichter hat, der unten mit einem und zwischen dem Behälter und dem Füll mit einem zweiten Sperrhahne versehen ist: das untere Ende der Röhre muß in die Mündung |66| der unten zu beschreibenden Zinnröhre passen, und mit dieser luftdicht verbunden werden. Man nehme Krüge oder Flaschen, bei welchen vorzüglich darauf zu sehen ist, daß sie vollkommen luftdicht sind, sich gleichförmig ausdehnen, wenn sie erhizt werden, daß ihre Mündungen sich so verengen, daß sie einen Pfropf fest halten, wenn von außen auf denselben gedrückt wird, und daß sie überhaupt so gestaltet sind um den Druck der Atmosphäre ertragen zu können. Gefäße von Steingut (salted ware) sind am besten hierzu zu gebrauchen. Man schneide Pfropfe oder Spünde von Pantoffelholz auf die gewöhnliche Weise, und durchbohre sie in der Mitte zur Aufnahme der Röhre, von welcher wir unten sprechen. Der untere Theil und die Seiten müssen mit nasser Blase bekleidet werden. Wenn die Blase vollkommen trocken geworden ist, mache man eine Oeffnung an der entgegengesezten Seite des Loches im Korke, und führe durch dieselbe eine Röhre von Blockzinn oder anderem Metalle mit einem Knopfe, um an dem einen Ende auf die Blase zu drücken, und mit einer Schraube an dem anderen. Man lege Kitt rings um den oberen Theil der Röhre, und auf den Pfropf ein kreisförmiges Stück Blase, das groß genug ist, um die Mündung des Gefäßes ganz zu bedecken, und während man die Röhre durch eine Oeffnung in der Blase führt, bindet man mittelst eines Wäschers und einer Nuß an der Schraube am Ende der Röhre Pfropf und Blase fest zusammen. Man schneidet jenen Theil, der über die Nuß hervorragt, ab, und versieht die Röhre mit einem Mittel-Mundstücke (centre-bit) oder mit einem anderen tauglichen Instrumente, bringt den Pfropf in die Mündung des Gefäßes, welches das aufzubewahrende Nahrungsmittel enthält, und stellt dieses auf einen Block mit einer Oeffnung im Mittelpunckte, welche groß genug ist um die Nuß der Schraube durchzulassen. Mittelst einer Schraubenpresse drückt man den Pfropf unter das Niveau der Lippe |67| des Topfes, und legt zwischen das kreisförmige Stück der Blase und den Pfropf soviel Kitt als nöthig ist um eine Rinde oder einen Kuchen zu bilden, bindet die Blase fest um den Hals des Gefäßes, und sezt oben eine Kappe darauf mit einer Oeffnung in der Mitte, um der zinnernen Röhre freien Durchgang zu gestatten. Man bringe das Gefäß in eine bewegliche Presse, und schraube die Kappe fest auf den Pfropf nieder. Mittelst eines Trichters lasse man soviel taugliche Flüssigkeit in das Gefäß, als nöthig ist dasselbe vollkommen zu füllen. Man stelle das Gefäß auf den an dem Schieber des Ofens befindlichen Träger, fülle die Behälter, die an der eisernen Röhre befestigt sind, mit einer dem Inhalte der Gefäße correspondirenden Flüssigkeit; schraube das untere Ende der eisernen Röhre in die Mündung der zinnernen, drehe den unteren Sperrhahn so, daß der Inhalt in dem Behälter mit dem Inhalte in dem Topfe in Verbindung kommt; bringe das so vorgerichtete Gefäß in den Ofen, und wenn das, was darin enthalten ist, gekocht ist, drehe man den oberen Sperrhahn, und nehme das Ganze aus dem Ofen.

Nachdem das Sieden aufgehört hat, und hinlängliche Zeit verflossen ist um aus dem Behälter soviel in das Gefäß eindringen zu lassen, als nöthig ist das leztere vollkommen zu füllen, stecke man in die eiserne Röhre, so wie sie über dem oberen Sperrhahne steht, einen metallnen Stift, der lang genug ist um die Hälfte der zinnernen Röhre auszufüllen und sich an dem unteren Ende derselben zu befestigen und sie dadurch luftdicht zu machen. Man drehe nun den Sperrhahn und bringe alsogleich, indem man eine Stange durch die eiserne Röhre einführt, den Stift durch einen Stoß zurück. Man drehe beide Sperrhähne um zu hindern, daß die in dem Behälter enthaltene Flüssigkeit nicht entweiche, schraube die eiserne Röhre ab, wische die Mündung der zinnernen Röhre sorgfältig ab, und fülle sie mit Kitt oder |68| Schlagloth. Wenn alles vollkommen erkaltet ist, nehme man das Gefäß aus der Presse, und die Bereitung ist vollendet. Wenn man Korkpfropfe braucht, bilde man dieselbe auf die gewöhnliche Weise, und mache eine Oeffnung in der Mitte derselben um die unten zu beschreibende Röhre aufzunehmen, bekleide sie mit einer Blase und drucke sie durch eine Schraubenpresse nieder bis zum Niveau der Lippe des Gefäßes; man richte eine kegelförmige Röhre von Zinn oder anderem Metalle vor, die an dem einen Ende mit einem Knopfe und mit einem kegelförmigen Griffel versehen ist, der die Röhre ausfüllt, gleichfalls einen Knopf hat, und so lang ist, daß er mit seiner Spize über die Spize der Röhre hervorragt; man bringe den Griffel in die Röhre, und führe die Spize derselben und des Griffels durch ein kreisförmiges Stück Blase, welches groß genug ist, um den Hals des Gefäßes zu bedecken. Man befestige die Spize des Griffels in dem Loche des Korkes, kitte den Kork, und binde die Blase fest um den Hals des Gefäßes, führe den Griffel und die Röhre mittelst einer Schraubenpresse zurück, nehme den Griffel zurück, und verfahre mit dem Gefäße, wie oben angegeben wurde.

Eben dieses Verfahren kann auch durch Anwendung eines heißen Wasserbades statt der Oefen vollbracht werden, mit dem Unterschiede, daß dann eine Querstange statt des Schiebers an dem Ofen gebraucht wird, durch welche die Schraube der eisernen Röhre geführt werden kann, und daß der Zwischenraum zwischen dem Trichter und dem Behälter größer werden muß, so daß, wenn das Gefäß und der Behälter aus dem siedenden Wasser emporragt, man zu dem oberen Sperrhahne frei gelangen kann.

Wenn die Nahrungsmittel, die man aufbewahren will, nicht eine hinlängliche Menge von Flüssigkeit gewähren um das Gefäß zu füllen, so ziehe man den Stift zurück ehe das |69| Gefäß aus dem Ofen oder aus dem Bade kommt, und während das Gefäß noch hinlänglich mit Dampf versehen ist. Zinn oder andere metallne Gefäße können statt der Töpfe oder Flaschen gebraucht werden; und in diesem Falle läßt man die zinnerne Röhre in eine tonische Hervorragung oben an dem Gefäße zulöthen, und das Gefäß in einer beweglichen Presse befestigen, und verfährt übrigens so, wie vorher bei Anwendung der Töpfe oder Flaschen angezeigt wurde. Man hat Mühe Korkholz zu bekommen, welches stark genug wäre dem Drucke der Atmosphäre zu widerstehen, wenn der Durchmesser der Mündung (des Spundes, bung) über vier Zoll beträgt, und es ist daher nöthig, wenn diese Mündung sehr groß ist, sie durch Vermehrung der Breite des Wäschers zu verstärken.

Der Kitt kann aus irgend einer Materie bestehen, welche eine luftdichte Paste gibt; Eiweiß mit Reißschrot, oder eine Mischung aus einem Drittel Talg und zwei Drittel Harz dienen in dieser Hinsicht sehr wohl.

Wenn man den Spund und Kork bildet, ist es vortheilhaft, die Blase mit Eiweiß an jener Stelle zu befeuchten, wo der Knopf der Röhre mit ihr in Berührung kommt, und bei dem Verpfropfen die Kante des Spundes oder Korkes und die Mündung des Gefäßes mit derselben Substanz zu befeuchten.

Die Kappe der Gefäße kann von gegossenem Eisen, und unten mit einem Kissen von Filz oder einem anderen weichen Körper versehen seyn. Man lasse unten in der Seite der eisernen Röhre in gleicher Höhe mit dem oberen und unteren Ende des Trichters Oeffnungen, damit die Luft entweichen und die Flüssigkeit durchlaufen kann, und die Röhre selbst lasse man über die Spize des Trichters emporragen, um die Nadel aufzunehmen. Die Blase, ehe sie auf den Kork oder das Gefäß angewendet wird, muß auf 24 Stunden in eine |70| Mischung von Sumach, thierischer Kohle und Wasser getaucht werden.

Ich erkläre, daß meine zweite Erfindung darin besteht: daß ich die Nahrungsmittel in Gefäße einschließe, welche vor und während des Prozesses des Kochens vollkommen luftdicht gemacht wurden und zwar mittelst eines Spundes oder Korkes, der auf folgende Weise bereitet ist: man schneide Spunde oder Korke auf die gewöhnliche Weise, und bekleide sie unten und an den Seiten mit Blasen auf die oben beschriebene Weise; man bringe den Kork in die Mündung des Gefäßes, und drücke ihn mittelst einer Schraubenpresse auf ein Viertel Zoll unter die Lippe des Gefäßes; man bedecke den Kork mit einem solchen Kitte, der, wenn er trocken ist, an demselben als feste Masse anklebt, bedecke die Mündung des Gefäßes mit einer Blase, und binde diese fest um den Hals desselben; hierauf seze man eine Kappe auf die Mündung des Gefäßes, welche unten mit einem Kissen von weichem Hanfe oder irgend etwas anderem versehen ist, wodurch ein dampfdichter Schluß entsteht; man bringe das Gefäß in eine Presse, und schraube die Kappe so fest nieder, daß alle Gemeinschaft von Dampf oder Wasser mit der Blase verhindert wird; man stelle das Ganze in ein Dampf oder Wasserbad, bis das, was in dem Topfe enthalten ist, vollkommen gar gekocht ist, und wenn es aus dem Bade genommen und vollkommen kalt ist, nehme man das Gefäß aus der Presse, und die Arbeit ist vollendet. Kitt aus einem Drittel Talg und zwei Theilen Harz dient sehr gut.

Eine erklärende Zeichnung der hierin enthaltenen Beschreibungen begleitet diese Erklärung.

Fig. 18. Tab. I. stellt einen Ofen mit drei Blöcken dar.

  • A, ist ein Block mit einem Schieber.
  • B, ist ein Block ohne Schieber.
  • C, das Innere des Blockes.
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Fig. 19. stellt den Schieber eines Blockes dar.

  • A, den, auf die Mündung des Schiebers angepaßten Deckel.
  • B, die Träger, die eiserne Röhre, den Trichter, den Behälter.
  • C, den an den Trägern befestigten Boden.

Fig. 20. zeigt die bewegliche Presse.

  • A, die Querstange, die auf die Kappe niedergeschraubt ist.
  • B, den Körper der Presse.
  • C, den Boden der Presse.

Fig. 21. stellt einen Spund dar.

  • A, das Obertheil desselben.
  • B, das Mittelstück oder den Körper.
  • C, den Boden, mit drei Fangstiften, 1, 2, 3, um die Röhre fest zu halten, während man die Nuß heim schraubt.

Fig. 22. zeigt einen Griffel mit der konischen Röhre.

Ich erkläre endlich noch, daß ich die Erhaltung der Nahrungsmittel in luftdichten Gefäßen nicht als meine Erfindung in Anspruch nehme, sondern die Combination der hier oben beschriebenen Verfahrungsarten, durch welche, auf die verschiedenen Weisen, die ich oben anführte, dieser Zweck erreicht werden kann.

Urkunde dessen etc.6)

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Der Uebersezer zweifelt sehr, daß, so treu er auch übersezte, irgend ein deutscher Leser die Verfahrungsweise des Hrn. Patentträgers aus diesem Aufsaze und der beigefügten Zeichnung leicht verstehen und begreifen wird. Indessen wird mancher derselben einige der hier gegebenen Ideen benüzen, erweitern, und vervollkommnen können. Und diese Ideen sind allerdings einer Erweiterung und Vervollkommnung werth, freilich mehr für ein seefahrendes Volk, als für uns Continentalen; indessen haben auch wir Continentalen schon Hunderte |72| von Festungen, Tausende und Tausende von tapferen Vaterlands-Vertheidigern, und Millionen von Ducaten dadurch verloren, daß wir die ersten Bedürfnisse des Lebens nicht gehörig aufzubewahren verstehen. Es scheint, daß wir bisher mehr dasjenige, was dem Tode als dem Leben angehört, zu erhalten suchten und zu erhalten wußten; denn schon vor Jahrtausenden hat man es in der Kunst der Bereitung der Mumien weiter gebracht, als man es seit Jahrtausenden in manchem Lande in der Bereitung der Schinken bis zur Stunde noch nicht gebracht hat. Den Wein durch Jahrhunderte aufzubewahren haben uns die Mönche gelehrt; nicht aber das, was der Krieger zur Vertheidigung seines Vaterlandes bedarf, auch nur durch ein halbes Jahr zu erhalten. Es ist leider bekannt, daß starke Trinker schlechte Esser sind; aber eben so bekannt ist es auch, |73| daß starke Trinker schwache Hinker sind, wenn ihr Bauch auch noch drei mal dicker wäre als der des olim feistesten Prälaten. Nicht die Kunst des Apicius, nicht die Forderungen der Akademie des Gourmands, sondern Sicherung und Befriedigung der ersten Bedürfnisse des Lebens in den wichtigsten Augenblicken desselben, wo das Vaterland in Gefahr ist, wo es nicht blos gegen die Schwerdter auswärtiger Feinde sondern auch gegen die Raubsucht der inneren, der Liferanten, Verpflegungs-Kommissäre etc. zu kämpfen hat, Erhaltung der Nahrungsmittel, nicht der Leckerbissen, durch welche allein Leben und Gesundheit von Tausenden erhalten werden kann, dies ist ein auf dem festen Lande noch zu wenig beachteter, und der Aufmerksamkeit unserer ersten Chemiker und Techniker würdiger Gegenstand.

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