Titel: Georg Webb Hall über den Bau der Turnips.
Autor: Hall, Georg Webb
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. IX. (S. 82–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004009

IX. Ueber den Bau der Turnips11).

Von Georg Webb Hall, Esq.

Aus den Communications of the Board of Agriculture in Tilloch's Philosoph. Magaz. et Journal. August 1820. N. 268. S. 137.

Nachdem ich den Auftrag des Büreau des Ackerbaues erfüllte, »alles was in den verschiedenen Berichten und Mittheilungen an das Büreau über den Bau der Turnips Lehrreiches enthalten ist, zusammen zu ziehen« und einen allgemeinen Ueberblick zu geben, damit das Verfahren bei diesem höchst interessanten und wichtigen Zweige des Ackerbaues in allen Grafschaften Englands und Schottlands dem Publikum zum Vortheile aller derjenigen, welchen die einzelnen Berichte und Mittheilungen aus den Grafschaften unzugängig sind, in einem gedrängten Auszuge klar und deutlich vorgelegt |83| werde, bin ich in Versuchung gerathen, etwas über die Gränze meiner Instruktionen zu schreiten, und dem achtbaren Büreau einige meiner eigenen Erfahrungen über den Bau dieser unschäzbaren Wurzel vorzulegen, indem die mühsame Untersuchung, die ich über diesen Gegenstand angestellt habe, verbunden mit meiner eigenen Erfahrung, mich hierzu nicht ganz ungeeignet ließ.

Wenn bei der Vollendung dieses Werkes von dem achtbaren Büreau die Frage an mich gestellt würde: Welche Grafschaft ich, bei genommener Einsicht über das Verfahren bei dem Baue der Turnips auf unserer ganzen Insel der Vollkommenheit am nächsten glaube? so würde ich ohne Bedenken antworten: daß die Grafschaft Middlesex ohne Zweifel über alle andere im Königreiche in dieser Hinsicht erhaben steht, insofern man nämlich in derselben das System befolgt, die beste Ernte mit der geringsten Ausgabe zu erhalten, und zugleich die beste und reinste Samenernte zu fördern und sogar sicher zu stellen.

Wir wollen hören, was der sehr geschikte Berichterstatter von Middlesex, Joh. Middleton, Esqu., in dieser Hinsicht sagt, denn seine Worte können weder zu oft gedruckt, noch zu oft gelesen werden:

»Turnips« sagt er »sind ohne Zweifel die Basis der besten Landwirthschaft, und in jedem Theile unserer Insel werden sie stets eine Haupternte in der vollkommensten Methode der Kultur lehmiger Sandgründe seyn. Sie wachsen auch gut auf gehörig trocken gelegter schwarzer Torferde, und auf jenen starken Lehmgründen, die noch reich sind. Sie erhalten und mästen einen sehr großen Viehstand, und durch den Dünger und Harn des Mastviehes wird der Boden weit mehr bereichert, als durch jedes andere Mittel. Es ist ein Vortheil von hoher Wichtigkeit, daß die Turnips so spätes Aussäen fordern, daß der Pächter dadurch Gelegenheit erhält |84| in einem Jahre auf demselben Boden zwei Ernten von Grünfutter zu erhalten, welche beide dem Viehe als Nahrung dienen. Diese Ernten, Wiken12) und Turnips (tares et turnips) können solang in steter Aufeinanderfolge erhalten, und auf magerem Boden abgeweidet werden, bis derselbe irgend einen gewünschten Grad von Reichthum erhält, wo er dann mehr Rinder und Schafe nähren kann, als die beste Wiese im Königreiche; und, was von großer Wichtigkeit ist, das Land wird dadurch rein, und während der ganzen Zeit über zum Anbaue jeder Art von Getreides tauglich erhalten; allein diese Ernten sind durchaus unvertraglich mit unseren gewöhnlichen Feldern, und aus diesem Grunde mehr als aus irgend einem anderen, so wenig in England gepflogen. Man schließe die gewöhnlichen Felder ein, und die Wiken- und Turnips-Wirthschaft wird allgemein werden, und wir werden dadurch die kräftigste n Mittel erhalten, unsere Schlachthäuser mit Fleisch, und unsere Kornböden mit Getreide zu füllen.«

Wir wollen nun sehen, wie dieses System wirkt, »um,« wie ich oben behauptet habe, »die beste Ernte mit der geringsten Ausgabe zu erhalten, und zugleich die beste und reinste Samenernte zu fördern und sicher zu stellen.«

Wer, in dem Augenblike, wo sein Weizen geschnitten, und selbst ehe derselbe heimgefahren ist, anfängt seine Stoppeln umzubrechen und Wiken darein zu säen, hat dabei nicht mehr Ausgabe als derjenige, der sein Land für den Winter pflügt, um dasselbe auf Turnips zuzurichten, und im Frühjahre, wo lezterer mit vieler Mühe und mit großen Kosten sein Land drei, vier und zuweilen fünf mal pflügen muß, um dasselbe auf. Turnips herzurichten, und seinen Dünger ausführen |85| muß, wachsen seine Wiken auf dem für Turnips bestimmten Felde freudig her, und durch das Abweiden dieser Wiken von Schafen im Maien auf dem Felde, düngt er nicht nur mit ihrem Miste und Harne dasselbe auf eine viel reinere Weise als jene, die ihren Dünger für Turnips aus ihrem Pachthofe und Stalle auf den Acker hinaus fahren, sondern er ist auch später hin in den Stand gesezt, durch höchstens zweimaliges, in manchem Jahre und auf manchem Boden, auch nur durch einmaliges Pflügen eine Brache nach Abweidung der Wiken hervorzubringen, welche in Hinsicht der Reinlichkeit und Zerreiblichkeit, mit den durch das kostbarste Frühjahrpflügen, aber ohne Wiken erhaltenen Brachen wetteifern, ja sogar übertreffen kann. Doch dieß ist nur der halbe Vortheil, den diese Ackerbau-Methode gewahrt; denn wer das Wikensystem befolgt, erhält Ende Aprils und den ganzen Mai über eine solche Menge Grünfutters, daß er alle seine Sommerweiden für seine Schafe während des Maies einfangen kann, und da er solchen Vorrath an Wiken besizt, kann er dieselben im März und April ohne Scheu so kurz als möglich abweiden lassen, bis seine Schafe auf Wiken getrieben werden können. So wird durch dieses System des Ackerbaues jeder Landwirth in den Stand gesezt, seine Heerde auf eine Größe zu erheben, von welcher derjenige, der es nicht versuchte, sich keinen Begriff machen kann, und so kann er all seinen Hof- und Stalldünger auf seine Swedes, seine Erdäpfel, und vor allem auf sein Wiesenland verwenden. Und darin, daß er dieß bei dem trefflichen Zustande des Pfluglandes mittelst grüner Ernten und guter Bewirthschaftung ohne Dünger nöthig zu haben zu thun vermag, darin besteht, nach meiner Ansicht, die höchste Stufe, auf welcher ein Mann in der Kunst des Ackerbaues stehen kann.

Wer ferner das Wikensystem befolgt, und einen großen Theil seines Düngers auf seine Wiesen verwenden kann, wird |86| von einer solchen gedüngten Wiese durch Winter-Einfang derselben, ein Gras erhalten, welches in Hinsicht auf Grüne im Monat März mit jeder gewasserten Wiese im Königreiche wetteifern, und in Bezug auf Starke dieselbe noch übertreffen wird: dadurch wird er in den Stand gesezt, eine größere Heerde zu halten, als er bei irgend einem anderen Systeme nimmermehr zu thun vermöchte, und dadurch kann er, wenn er seine Gründe während der Weizenbrache nach dem Klee als Zugabe noch zu dem vielen Futter, welches er durch die Ernten des Grünfutters von dem Pfluglande erhält, pfercht, dieselben zu gleicher Fruchtbarkeit und noch höherer Reinheit bringen, als auf keine andere Weise geschehen kann, selbst dann nicht, wenn aller Dünger der Hauptstadt ihm für sein Pflugland zu Gebote stünde. Gerade in dem Verhältnisse also, als irgend ein Landwirth sich dem Wikensysteme, welches in der Grafschaft Middlesex, wie man sagt, befolgt wird, nähert oder von demselben entfernt, und zugleich auch von der Möglichkeit einen großen Theil seines Düngers auf seine Wiesen zu verwenden, gerade in diesem Verhältnisse betrachte ich ihn in dem Zustande der Kindheit, der Jugend oder der Mannbarkeit des Ackerbaues; und jene Pächter, denn Landwirthe, Ackerbauer, will ich sie nicht nennen, welche fortfahren Hof- und Stalldünger als Zubereitung auf ihre Weizenäcker auszufahren, wie noch so viele heute zu Tage thun, betrachte ich höchstens als erzeugt, nicht aber als bereits an das Licht des Ackerbaues geboren.

Da ich einen so strengen Blik auf eine so zahlreiche Masse von Menschen warf, als diejenige ist, welche in verschiedenen Theilen unseres Königreiches noch immer fortfährt ihren Hof- und Stalldünger auf ihre Weizenbrachen zu führen, so scheint es Pflicht von meiner Seite, die Gründe meiner Mißbilligung ihres Verfahrens anzugeben. Ich will dieß in wenigen Worten thun. Aller auf die Brachäcker gefahrene |87| Dünger muß Unkraut erzeugen: und daher muß er allgemein auf alle Felder unmittelbar vor einer Ernte Grünfutters gefahren werden, indem das Unkraut durch dieses und die Haue sich wohl unterdrücken läßt, ehe man eine Getreideernte dem Wetteifer des Unkrautes auf demselben Felde anvertraut.

Dünger auf Weizen-Brache gefahren, macht die Saat unvermeidlich wintergeil, lang und schwach im Strohe, und leicht in der Aehre, der endlosen kostspieligen und doch unnüzen Ausgaben für das Weizenjäten nicht zu gedenken. Wenn diese Gegengründe nicht stark genug sind, jeden, der sich nur einen Augenblik die Mühe gibt über diesen Gegenstand nachzudenken, von diesem absurden Verfahren abzuschrecken – denn ich kann kaum glauben, daß irgend Jemand, der dasselbe befolgte, sich diese Mühe genommen hat – so bin ich sicher, daß nichts, was ich vorzubringen vermag, dieses zu thun vermögen wird, und ich muß solche Pächter der Zeit und der Gelegenheit zur Besserung überlassen. Da die Denkschrift, welche ich im vorigen Jahre die Ehre hatte dem Bureau über die Kultur der Turnips statt der gedrängten Uebersicht des Verfahrens in allen Grafschaften über diesen Gegenstand, welchen ich jezt erfurchtsvoll demselben überreiche, zu unterlegen, seinem Zwecke nach so vollkommen einstimmig mit Hrn. Middleton's Berichte ist, den ich damals noch nicht gesehen habe, und da er zugleich einige Bemerkungen über den Dünger enthält, in welchen ich das Unglück hatte von einigen der höchsten Auctoritäten in diesem Königreiche abzuweichen, so füge ich diese Denkschrift diesen Bemerkungen bei, damit das Publikum über die Richtigkeit oder über das Unverdienst derselben entscheide.

Ich kann von Hrn. Middleton nicht Abschied nehmen, ohne seinem Berichte über die Grafschaft Middlesex verdiente Achtung zu zollen; man wird mich, indem ich dieses thue, |88| wie ich mit Zuversicht erwarte, von aller angeeigneten Partheilichkeit und Schmeichelei lossprechen, wenn ich erkläre, daß ich das Unglück hatte, diesen vortrefflichen Ackerbauverständigen nie gesehen, noch etwas von ihm gehört zu haben, ausser oberwähntem Berichte; in diesem fand ich aber die meisterhaftesten Darstellungen des Verfahrens der Grafschaft, die gesündesten und vernünftigsten allgemeinen Grundsäze des Ackerbaues eingeschärft, und den wahren Sinn und die Einwirkung der Geseze auf sein Gelingen beschrieben; mit einem Worte, es ist kein Theil der Landwirthschaft hier berührt, der von diesem sehr ausgezeichneten Schriftsteller nicht neues Licht erhalten hätte. Nur ein Gegenstand kam mir in diesem ganzen Berichte vor, in welchem wir wesentlich von einander abweichen, und dieser ist das Pferchen der Schafe (folding sheep), welches er tadelt, welches ich aber als die sicherste und ewige Basis des vollkommensten Ackerbaues, der jemals erreicht werden kann, betrachte.

Denkschrift, welche dem Büreau im März 1817 vorgelegt wurde.

Die Einführung der Turnips in unsere Insel, und der Bau derselben kann als eine beinahe eben so wichtige Epoche in der ökonomischen, als die Reformation in der moralischen Welt betrachtet werden, und die richtige Wartung und Pflege dieser Wurzel kann als die Achse betrachtet werden, um welche der Erfolg des Ackerbaues auf allen Turnips-Gründen sich dreht.

Denn, abgesehen daß dadurch die Sommerbrache auf allen solchen Gründen ganz überflüssig wird, glaube ich, daß das Gewicht, welches dadurch jährlich an Viehfutter erhalten wird, keinen unbedeutenden Einfluß an der Möglichkeit hatte, die immer zunehmende Bevölkerung der vereinigten Königreiche zu nähren, und zu jeder Jahreszeit regelmäßig |89| mit jenem Bedarfe von Fleischkost zu versehen, welcher, ehe der Bau dieser Wurzel allgemein wurde, nur während der Sommer- und Herbstmonathe herbeigeschafft werden konnte. Dieß allein kann, abgesehen von der allgemeinen Verbesserung jeder auf die Turnips folgenden Ernte, die sich von der gehörigen Kultur derselben ableiten läßt, als eine sehr schäzbare Folge der allgemeinen Einfuhr dieser Wurzel angesehen werden.

Wenn dann, zum allgemeinen Wechsel auf allen Turnips-Gründen, zwischen Turnips und Gerste, oder Hafer und Klee, ein Jahr, und hierauf Weizen, wie eine Zwischenernte von Winterwiken hinzufügen, wenigstens auf solchen Wechselfeldern, die zu Turnips bestimmt sind, weil sie nicht zu Swedes taugen, so hätten wir dann im Systeme, wie ich glaube, das Ne plus ultra eines vortheilhaften Ackerbaues auf allen Turnips-Gründen der vereinigten Königreiche erlangt, und nach dieser Anreihung wird der Erfolg lediglich von der Weise, wie dieser Plan ausgeführt wird, abhängen.

Ohne irgend ein Vorurtheil gegen das Drillsystem in der Landwirthschaft, oder ohne die Anwendung desselben an anderen zu tadeln, muß ich hier bekennen, daß ich nie die Einführung desselben als nothwendig erachtete, um einen reineren und vollkommneren Ackerbau zu erhalten, als derjenige ist, den man durch das System des weiten Wurfes beim Säen gleichfalls erhalten kann, und ich glaube, daß bei den meisten Versuchen, die man anstellte, um die Vorzüge des Drillsystems vor dem gewöhnlichen Wurfbaue zu beweisen, jede Parthei wechselseitig auf Gelingen und Mißlingen sich soviel zu Gute thun kann, daß die Frage noch immer unentschieden bleibt. Indem ich daher jeden bei seiner beliebigen Meinung über diese Frage lasse, will ich zur Betrachtung der besten Methode, das Feld für Turnips zu reinigen und zu bauen, übergehen, und zeigen, wie man die größte Menge dieser |90| schäzbaren Wurzel erzielen, und zugleich die möglich beste Wechselwirthschaft für die nachfolgenden Ernten erzwecken kann. Wenn ich mein Feld für Turnips zurichte, so wage ich, ungeachtet der Einführung der Methode frischen Dünger drillweise anzuwenden, welche von der höchsten praktischen Auctorität in diesem Königreiche, Hrn. Coke, herrührt, und die Sanction von der höchsten chemischen Auctorität bei uns, und bei jedem anderen Volke (? Uebers.), Hrn. Humphry Davy, erhielt zu erklären, daß ich gegohrenen faulen Dünger aus dem Düngershaufen, dessen zweckmäßige und hinlängliche Gährung nur allein aus dem Dünger des Hofes und Stalles hervorgehen kann, und ohne welche Gährung die Bestandtheile alles Hof- und Stalldüngers roh, kraftlos, und verglichen mit den Wirkungen eines gut gegohrenen Düngers, der ein Jahr lang über einander gelegen hat, und dann erst zu Felde geführt wird, nur sehr schwach sind, vorziehe, und unendlich vorziehe. Da ich es wagte, von diesen zwei höchsten Auctoritäten in einem so wesentlichen Puncte, als der Vorzug des verfaulten Düngers vor dem frischen, abzuweichen, so liegt es mir ob meine Gründe für diese Abweichung dem achtbaren Büreau vorzulegen, von welchem sowohl als von dem großen Professor, den ich nannte, alle Thatsachen und Beweise die demselben mit Unterthänigkeit (!) und Mißtrauen, wie ich dieß jezt unterthänig und mißtrauisch gegen mich selbst thue13), vorgelegt werden, aufrichtig und nachsichtig angesehen, und schön erwogen und bestimmt werden.

|91|

Die Gründe, welche mich seit mehr dann zwanzig Jahren bestimmten, faulen Dünger dem frischen vorzuziehen, und vor demselben zu gebrauchen, sind Folgende: ich habe stets und immer bemerkt, daß aller Dünger, Schafdünger ausgenommen, der von den Thieren abfällt, während sie grasen, dem Felde wenig oder gar keinen Nuzen bringt. Wir mögen geschnittenes oder langes Stroh zu dem auf diese Weise auf das Feld gebrachten Dünger bringen, die Wirkung davon wird nur sehr gering, oder wahre Spielerei seyn. Man sammle nun den Stall- oder Hofdünger im frischen Zustande, und bringe denselben auf das Feld, ehe Gährung und darauf folgende Fäulniß statt hatte, und er wird, nach meiner Erfahrung, nur etwas weniger bessere Wirkung haben, als Dünger, der von dem Thiere selbst auf das Feld abfiel. Man lasse aber denselben gähren und faulen, ehe er auf das Land gebracht wird, und man wird einen der kräftigsten und schäzbarsten Dünger erhalten, der jemals entdeckt worden ist. Sein Werth und seine Stärke stehen genau im Verhältnisse mit der Eigenschaft des Futters, welches das Thier, von welchen man ihn erhält, bekommen hat, und mit der daraus hervorgehenden Fäulniß und Stärke, nach welcher man seine Dauer und Wirkung auf das Feld praktisch bemessen kann.

Die höchste chemische Auctorität, die ich oben anführte, hat ausgesprochen, daß die flüchtigen Theile, welche während der Gährung von einem Düngerhaufen entweichen, das Vorzüglichste und Wirksamste am Dünger in Hinsicht auf Förderung der Vegetation sind. Ich habe in der Erfahrung nicht gefunden, daß dieß sich wirklich so verhält, indem mein verfaulter Dünger auf dem Wiesenlande stets und immer im zweiten, dritten, zuweilen sogar noch im vierten Jahre reichlichere Ernte gab, als im ersten. Wenn die flüchtigen Theile das Vorzüglichste und Wirksamste am Dünger in Hinsicht auf Förderung der Vegetation wären, so |92| sollte es scheinen, daß verfaulter Dünger diese Wirkung nicht hervorbringen könnte. Auf Ackerland aufgefahrener Dünger, er mag frisch oder verfault seyn, macht dasselbe untauglich zu irgend einer Getreideernte, bis nicht grüne Ernte und tüchtiges Pflügen den Dünger mit der Erde amalgamirte, und so das Land zur Getreideernte tauglich machte.

Ich halte jene Methode faulen Dünger in das Feld zu bringen für die vortheilhafteste, nach welcher derselbe erst über der Oberfläche ausgebreitet, dann untergepflügt und hierauf geeggt wird, wodurch wieder viel Dünger auf die Oberfläche heraufgezogen wird, indem, gegen die Meinungen derjenigen, welche annehmen, daß der ganze Reichthum des Düngers durch die Sonne in Dämpfen verdünstet wird, ich dem achtbaren Büreau unterthänig meine Meinung unterlege, welche darin besteht, daß die Wirkung einer sengenden Sonne, wenigstens in unserem Klima, auf einen reichen Dünger diese ist, alle Feuchtigkeit aus demselben abwärts in die Erde zu treiben, von welcher sie verschlungen wird, nicht aber in Dämpfen verdünstet. Durch dieses Einsaugen, welches bei jedem Regen, bei jedem starken Thaue, der auf den Dünger fällt, erneuert wird, und den Dünger in die Erde bringt, wird das Erdreich mehr, als durch alles andere, in Folge des Auffahrens des Düngers auf dasselbe verbessert, und auf diese Weise wird durch die Einwirkung der Sonne, der Luft und des Regens auf den Dünger, welcher an der Oberfläche des Erdreiches liegt, die Vegetation in dem Laboratorium der Natur glücklicher gefördert und vollendet, als durch irgend ein anderes Mittel. Wer hieran zweifelt, mag nur, wie ich oft gethan habe, die Wirkung eines Stückes verfaulten Düngers an der Oberfläche, die so eben um einen Erdapfel oder um eine Turnips behauen wurde, beobachten, und er wird sich bald von der Richtigkeit meiner Bemerkung überzeugen. Dieß sind die |93| Gründe und die Grundsäze, nach welchen ich, ohne übrigens im Stande zu seyn, chemisch darzuthun wie diese Wirkungen hervorgebracht werden, verfaulten Dünger dem frischen vorziehe. Ich breite meinen Dünger an der Oberfläche aus, pflüge denselben unter, und egge dann das Feld, statt daß ich denselben in der Furche begrabe, und darin liegen lasse, damit seine Wirkung soviel als möglich allgemein über die ganze Oberfläche verbreitet, und auf derselben fühlbar werde. Nach diesen Grundsäzen folgen meine Ernten in folgender Ordnung auf einander.

Sobald mein Weizen geschnitten ist, fahre ich meinen verfaulten Dünger auf das Feld zu vierzig bis fünfzig Fuhren auf einen Acre14); ich pflüge denselben mit den Stoppeln unter, egge das Feld, und säe Winterwiken; im April und Anfangs Mai lasse ich die Wiken von Schafen abfressen, und pflüge das Feld zwei oder drei mal, wie es die Jahreszeit fordert, auf Turnips; diese säe ich in weitem Wurfe, und fange also gleich an zu hauen, so lang nämlich Unkraut wächst: das dritte Hauen macht nur mehr wenig Mühe; ich weide die Turnips mit meinen Schafen ab, und pflüge zwei mal auf Gerste oder Hafer; ich egge und Harke mit der Hand die ganze Oberfläche nach jedem Pflügen, und nehme jedes Unkraut weg, welches ich sogleich auf einen verfaulten Düngerhaufen werfe, den ich für die Wiesen bereit halte; nun säe ich nur Klee mit Gerste oder Hafer, der nur ein Jahr bleibt, und zwei mal zu Heu gemäht wird; sobald die Ernte heimgefahren ist, breche ich das Kleelager auf, und fange an meine Schafe auf diesem Felde zu pferchen, und pflüge drei mal auf Weizen, den ich immer unter die Furche sie, wobei nicht vergessen wird gehörig zu eggen, und jedes Unkraut auf dem Felde wegzuschaffen und auf den Haufen zu |94| bringen. Damit ist nun mein Wechsel im Feldbaue geendet, der nun in Ewigkeit so fortgesezt werden kann, indem der Boden beständig in Hize bleibt, wie ein Pferd bei seiner Arbeit, und nur selten den fleißigen Landwirth, der ihn nie betrogen hat, täuschen wird. Auf diese Weise erhalte ich bei diesem Wechsel fünf Ernten in vier Jahren. Ich habe dieses System nun seit mehreren Jahren ohne Abänderung fortgesezt, und habe allen Grund dasselbe jedem anderen vorzuziehen, weil meine Ernten dabei sehr üppig ausfielen, meine Brachen sehr rein, und meine Gründe jährlich besser wurden. Das Pachtgut, worauf ich jezt lebe, war vor sechs Jahren, als ich dasselbe antrat, bedeckt mit Huflattich und Quecken; es war nicht im Stande Klee zu tragen. Zur Bestätigung der Nüzlichkeit meines Verfahrens darf ich nur sagen, daß ich wiederholt fünfzig Bushels bis acht Quarters15) Gerste und Hafer auf einem Acre erntete, obschon bei meinem Antritte die ganze Ernte auf dem Felde nicht mehr als zehn Bushel Weizen und fünfzehn Bushel Gerste auf jeden Acre betrug. Im lezten Jahre mähte ich zwei und dreißig starke Fuhren Klee auf zwei mal von sieben Acre Feldes. Ich kann bisher von nicht mehr als fünf und zwanzig Bushel Weizen auf jedem Acre sprechen16), weil da Weizen meine lezte Ernte nach Anwendung meines Düngers ist, ich, seit das Land gereinigt und gedüngt wurde, erst eine Weizenernte hatte. Daß im J. 1816 der Weizen nicht gerieth, weiß jeder. Im gegenwärtigen und in jedem künftigen Jahre bin ich bereit, meinen ganzen Wechsel von Ernten auf dem Felde jedem, den das Büreau des Ackerbaues |95| zur Untersuchung beauftragen wird, zu zeigen; und da mein Pachtgut kaum zwei Meilen von Clifton liegt, so könnte dieß mit weniger Mühe und ohne alle Kosten durch irgend Jemanden geschehen, der daselbst wohnt. Später will ich dann den Ertrag in Hinsicht auf Menge und auf Güte zur Vergleichung mit anderen ähnlichen Ernten, die auf irgend eine andere Weise, als nach der meinigen, irgendwo im Königreiche erhalten werden, vorlegen.

Chemisch kann ich es dem achtbaren Bureau des Ackerbaues nicht erklären, warum fauler Dünger besser ist als frischer, so wenig als ich erklären kann, warum Mehl und Wasser, nachdem beide mit einander vermischt worden sind, durch Kneten, Gähren und Backen die so höchst nahrhafte, kräftige und gesunde Speise wird, die man Brot nennt, und die, wie ich glaube, nie erhalten würde, wenn man Mehl und Wasser, als solches, zusammen in den Magen bringt; oder warum Würze, nachdem sie gehopft, gesotten, gegohren und aufbewahrt wird, ein stärkeres und geistigeres Getränk gibt, als wenn sie als bloßer Malzaufguß getrunken wird: ich kann mich hierüber nur auf die Erfahrung berufen, welche lehrt, daß es wirklich so ist. Ich habe immer geglaubt, daß diejenigen Ackerbauverständigen, welche frischen Dünger anwendeten und vor dem faulen Dünger empfahlen, in ihrem Urtheile und in ihrem Verfahren eben so irrig und unpolitisch sind, als diejenigen, welche behaupten würden, daß Mehl und Wasser für sich, ungegohren und ungebacken, dem Brote gleich kommt, oder daß ein Aufguß von Wasser und Malz, ungegohren und unaufbewahrt einen alten Stingo übertrifft17).

Brassica Rapa Linn. A. d. Uebers.

|84|

Vicia sativa Linn. Die Vicia biennis, die an Hecken und Zäunen so trefflich gedeiht, und eine Höhe von 6–8 Fuß erreicht, verdiente gleichfalls die Aufmerksamkeit der Landwirthe. A. d. Uebers.

|90|

Das ist doch eine Sprache, wie man sie ehe von einem J.....n als von Engländer erwartete, oder hat der Hr. Verfasser den Geist des sel. Sir Joseph Banks gesehen, und Hrn. Davy, Banks's Nachfolger, zugleich mit diesem Geiste beschworen? oder wollte er vielleicht gar beide mit einem alt englischen Sneer bedienen? A. d. Uebers.

|93|

1125 Wiener □ Klafter. A. d. Uebers.

|94|

Ein Quarter hält 8 Bushel, und ein Bushel ist 0,5734 Wiener Mezen. A. d. Uebers.

|94|

Seit ich dieses schrieb, wurde mein Weizen vom J. 1817 ausgedroschen; er gab genau 38 1/2 Bushel auf jedem Acre; der Bushel wog 58 1/2 Pfd.

|95|

Anmerk. d. Uebersezers. Es befremdet den Uebersezer, daß der Hr. Verfasser nicht gerade zu bemerkte, daß frischer Dünger, als solcher, für die Pflanzen wahres Gift ist, und dieselben zerstört, |96| wie man sich in jedem Mistbeete hiervon überzeugen kann, in welchem die Pflanzen, sobald sie mit ihren Wurzeln den frischen heißen Dünger berühren, davon getödtet werden. Es ist nur zu ausgemacht, daß Dünger, wo man ihn nicht als Wärmeerzeuger braucht, nur in dem Verhältnisse die Erde befruchtet, als er faul ist.

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