Titel: Sam. Parkes über die Anwendung des gemeinen Salzes im Gartenbaue.
Autor: Parkes, Samuel
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. XXII. (S. 181–204)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004022

XXII. Ueber die Anwendung des gemeinen Salzes im Gartenbaue. Von Samuel Parkes, F. L. S. etc. in London.

Aus den Transactions of the Caledonian Horticultural Society in dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture II Series. N. CCXXII. 1820. p. 362.

Der Gegenstand, den ich hier zur Untersuchung und Erörterung wählte, ist die Anwendung des gemeinen |182| Salzes auf den Gartenbau, deren verschiedene Zweige ich in folgender Ordnung betrachten werde:

  • 1) Salz in gehöriger Menge angewandt fördert Gesundheit und Wachsthum der Pflanzen.
  • 2) Salz hat die Eigenschaft, Obstbäume und eßbare Pflanzen sowohl zur Wohnung als zur Nahrung der Insecten und Würmer untauglich zu machen.
  • 3) Salz ist eines der kräftigsten Mittel, welches man in Gärten zur Vertilgung der Insecten und Würmer anwenden kann.
  • 4) Salz kann ferner mit wesentlichem Vortheile zur Vertilgung des Unkrautes und anderer schädlichen Pflanzen angewendet werden.

Was den ersten Punkt betrifft, so muß man bemerken, daß der berühmte Dr. Darwin, wo er vom gemeinen oder Kochsalze als Düngungsmittel spricht, behauptet, daß diese Substanz »ein Reizmittel ist, welches die einsaugenden Gefäße der Pflanzen zu mehr als gewöhnlicher Thätigkeit erregt, und daß es, in gewisser Menge angewandt, das Wachsthum der Pflanzen fördert, indem es dieselben in den Stand sezt, während einer gewissen Zeit mehr Nahrung zu sich zu nehmen, und folglich ihren Umlauf und ihre Absonderungen mit erhöhter Thätigkeit zu verrichten.« Humphry Davy scheint nach seiner Aeußerung in seiner Agricultural Chemestry es gleichfalls wahrscheinlich zu finden »daß Küchensalz als Dünger wirkt, indem es in die Mischung der Pflanzen eintritt ungefähr auf dieselbe Weise wie Gyps, phosphorsaurer Kalk und die Alkalien.«

Diese Meinungen scheinen allerdings von großem Gewichte; da aber verhältnißmäßig nur Wenige im Stande sind, dieselben durch ihre eigene Erfahrung zu bestätigen, indem man bisher seine Aufmerksamkeit nur sehr wenig auf die Anwendung des Kochsalzes im Gartenbaue gerichtet hat, so |183| wird es vielleicht bei Behandlung dieses Gegenstandes nüzlicher seyn, wenn man der Gesellschaft die unbezweifelten Resultate solcher praktischen Männer vorgelegt, welche ihre Erfahrungen bereits bekannt gemacht haben, und hieraus solche Schlüsse zieht, welche ihre Mittheilungen zu rechtfertigen scheinen.

Dr. Brownrigg, welcher im J. 1748 ein schäzbares Werk über Kochsalzbereitung (On the Art of making common Salt) herausgegeben hat, macht folgende Bemerkung:

»Salz« sagt er »trägt sehr viel zur Fruchtbarmachung der Erde bei, und wenn man dasselbe gehörig als Dünger gebraucht, so gewahrt es dem Korne und anderen Pflanzen reichliche Nahrung, und macht ganze Königreiche reich und fruchtbar, wenn es in dem Boden häufig vorkommt.« S. 15845).

Hr. Hollingshead, ein Gentleman von bedeutendem Vermögen, der in der Nähe von Chorley in Lancashire wohnte, und viele Jahre mit Versuchen über die Anwendung des Kochsalzes als Dünger hinbrachte, der auch gewaltige Anstrengungen machte, um die Widerrufung der Salzgeseze zu bewirken, gab wenige Jahre vor seinem Tode eine sehr interessante kleine Schrift über diesen Gegenstand heraus. In diesem Werke, welchem ich sehr vielen nüzlichen Unterricht verdanke, erzählt er, daß, als »unreines Salz den Pächtern noch ohne Abgabe erlaubt war, ein Individuum bei Middlewich in Chesire seinen Garten im Herbste rigolte, und die Erde mit einer gewissen Menge unreinen Salzes mischte. Im folgenden Frühlinge wurde der Garten wieder auf die gewöhnliche Welse umgegraben und mit Erdäpfeln bepflanzt. Die hierdurch erhaltene Ernte überstieg bei weitem seine sanguinischsten |184| Erwartungen. Zwanzig Erdäpfel unter den erhaltenen wogen 60 Pfd.

Man könnte noch mehrere andere Zeugnisse über die wohlthätige Wirkung des gemeinen Salzes bei dem Baue der Erdäpfel anführen; ich erinnere mich aber keiner, die so entscheidend ausgefallen wären, wie jene des hochw. Dr. Cartwright, welche sich im IV. Bde der Communications tho the board of Agriculture befinden46).

Nachdem vorläufig ein Stück Grundes zu den Versuchen hergerichtet ward, wurde am 14. April 1804 ein Theil davon im Beete getheilt, die einen Yard breit, und vierzig Yards47) lang, und von welchen vier und zwanzig auf verschiedene Weise gedüngt waren; eines derselben blieb ungedüngt, und auf fünfzehn derselben wurde ein viertel Peck48) Salz über jedes hingestreut. An einem und demselben Tage wurden alle diese Beete mit Erdäpfeln bepflanzt, so daß auf jedes Beet eine Reihe derselben zu stehen kam; und damit der Versuch mit aller möglichen Genauigkeit durchgeführt werden möchte, wurde dieselbe Sorte auf alle Beete gepflanzt. Am 21. September wurden die Erdäpfel ausgenommen, und der Ertrag einer jeden Reihe mit Genauigkeit bestimmt, woraus erhellte, daß, mit Ausnahme eines einzigen Beetes, auf jedem anderen, auf welchem Salz angewendet wurde, die Ernte bei weitem ergiebiger war, so daß unter zehn verschiedenen Dungarten, von welchen die meisten von bekannter und anerkannter Wirksamkeit waren, Salz bei weitem als der beste Dünger sich zeigte, die Seifensiederasche (Chandler's graves) allein ausgenommen. Das Beet, in |185| welchem Salz mit Ruß gemengt war, gab unter allen die reichste Ernte. Der sonderbarste Umstand aber, und derjenige, der mich vorzüglich bestimmte der Gesellschaft von diesem Versuche Nachricht zu geben, ist der, daß dort, wo Salz gebraucht wurde entweder für sich allein, oder mit anderem Dünger gemengt, die Wurzeln von jener Schäbe, welcher die Erdäpfel so oft unterworfen sind, vollkommen frei waren, während keines der übrigen Beete, obschon deren, ausser denjenigen Erdäpfel-Beeten, die bloß des Versuches wegen bepflanzt wurden, noch an beinahe vierzig auf demselben Grunde lagen, vollkommen davon befreit war.

Auch bei dem Rübenbaue (culture of turnip) zeigt das Salz sich als sehr kraftiges Mittel. Im 27 Bande des Annals of Agriculture befindet sich ein von Davies Giddy, Esq., Präsidenten der Penzance Agricultural Society, mitgetheilter Aufsaz, welcher Nachricht von einigen sehr wichtigen Versuchen über diesen Gegenstand enthält. Herr Sickler, Mitglied dieser Gesellschaft, trat um Michaelis ein Landgut an, welches durch den vorigen Besizer so sehr erschöpft wurde, daß es kaum die Aussaat ertrug. Im Frühjahre 1791 richtete Hr. Sickler zwei Acres auf Rüben (turnips) zu auf demselben Grunde, der sieben Jahre lang nach einander Hafer trug. Die lezte Ernte brachte nicht einmal neun Bushel auf einem Acre49). In der ersten Woche des April wurde die Erde aus den Graben in das Feld geführt, und auf vier Haufen geschlagen: jeder derselben erhielt drei Fuhren Seemuschelsand, und fünf Bushel Salz. Die Erde eines anderen Grabens, die großen Theils aus ausgetragenem Grund bestand, der bei früherer Bearbeitung weggeschafft wurde, wurde auf drei andere |186| Haufen geschlagen, und jeder derselben erhielt wieder drei Fuhren Sand, aber ohne Salz, weil die Erde ziemlich reich schien. Die Hälfte des Feldes wurde mit den ersten vier Haufen gedüngt; da aber die drei lezten für die übrige Hälfte nicht hinreichten, wurde der ungedüngte Ueberrest mit Salz bestreut, so daß zehn Bushel Salz auf einen Acre gerechnet wurden.

Derjenige Theil des Feldes, auf welchem Salz gebraucht wurde, entweder allein, oder gemengt mit Erde, gab ungefähr eine halbe Rübenernte, allein, wo kein Salz hinkam, war auch durchaus keine Ernte.

Im Jahr 1792 wurden drei Acres, welche im J. 1791 eine Weizenernte trugen, die nicht über zwölf Bushel auf den Acre stieg, vor Weihnachten gepflügt, und in der Mitte des folgenden Sommers in schönes Ackerland verwandelt. Auf jedem Acre wurden zwanzig Bushel Salz ausgesäet, mit der Ausnahme jedoch, daß zwei Furchen gegen die Mitte des Feldes hin absichtlich ohne alles Salz gelassen wurden: auf diesen zwei Furchen schlugen die Rüben gänzlich um, während der übrige Theil des Feldes eine reichliche Ernte gab.

Im J. 1793 wurden vier Acres Landes, die durch vorausgegangenen Bau gänzlich erschöpft waren, vor Weihnachten umgepflügt. Drei Acres davon wurden mit Salz besäet im Verhältnisse von fünf und zwanzig Bushel, und der andere Acre mit achtzehn Bushel ohne allen anderen Dünger. Die Ernte war im Ganzen genommen, gut, aber sichtbarlich dort am besten, wo am meisten Salz angewendet wurde. Seit dieser Zeit wurden mit gleich gutem Erfolge durch Anwendung des Salzes mehrere Rübenernten erzweckt, und in dem strengen Winter von 1794–95 bemerkte man, daß diese Rüben durch den Frost weit weniger litten als andere, die auf ähnliche Weise gezogen und gepflegt wurden. Der Verfasser dieses Berichtes bemerkt, daß, wenn Rüben |187| welche mit Salz gedüngt wurden, weniger vom Forste litten, als solche, welche auf die gewöhnliche Weise gezogen wurden, dieser Umstand von einem ausserordentlichen Grade von Gesundheit und Stärke der Pflanze zeige: doch eine einzelne Beobachtung reicht nicht zu, um eine solche Erscheinung als Grundsaz aufzustellen.

Reichlicher Gebrauch des Salzes wurde auch bei der Cultur der Möhren sehr wirksam befunden. Daß bei allen eßbaren Pflanzen das Wachsthum, und folglich auch der Ertrag der Ernte durch Salz sehr vermehrt wurde, haben alle Gärtner in Amerika längst gewußt. Sir Joh. Sinclair belehrt uns gleichfalls, daß gedrillte Möhren in einem gesalzenen Beete sehr gut gedeihen, wenn das Salz mitten zwischen die Reihen so unter die Oberfläche gebracht wird, daß es in einiger Entfernung von den Wurzeln zu liegen kommt, und eher aufgelößet wird, als die Wurzelfasern dasselbe berühren können. Man sehe dessen Husbandry of Scotland, 2 edit. II. V. Append. p. 18250).

Vor einigen Jahren entdeckte Baron v. Humboldt, daß eine schwache Auflösung von irgend einem überoxydirten kochsalzsauren Salze die Eigenschaft besizt, das Wachsthum der Pflanzen zu beschleunigen und zu vermehren. Diese Wirkung mag wahrscheinlich von dem Umstande herrühren, daß überoxydirte kochsalzsaure Salze, wenn sie der Luft ausgesezt werden, sich in gemeine salzsaure Salze verwandeln.

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Es würde vielleicht noch innerhab der Gränzen des Planes und der Absichten ihrer Gesellschaft liegen, jenen Gärtnern Preise anzubieten, welche fernere Versuche mit den Rückständen der Bleicher anstellen wollten, mit einem Artikel, der wenig oder gar nichts kostet, und der, wenn er von dem stets in ihm enthaltenen schwefelsauren und salzsauren Braunsteine gereinigt ist, ohne Zweifel sich als kräftiger und wohlthätiger Dünger beweisen würde51).

Ein Gärtner von bedeutendem Rufe zu Chorley in Lancahshire, Nahmens Beck, bediente sich in seinen ausgedehnten Gartenbesizungen durch mehr dann dreißig Jahre, vorzüglich bei seinen Zwiebeln, des Kochsalzes, und er fand, daß das angewendete Salz bei weitem jeden anderen Dünger übertraf52). Er gab sich nie die Mühe, die Menge des anzuwendenden Salzes mit Genauigkeit zu bestimmen; wenn er aber über diesen Punkt gefragt wurde, so sagte er, er glaube, daß der gewöhnlich sechzehn Bushel Salz auf einem Acre Landes gerechnet habe. Sein Verfahren war. das Salz jedesmal unmittelbar, nachdem er den Samen mir Erde bedeckt hatte, auszustreuen; ein Umstand, der Beachtung verdient, indem man gefunden hat, daß wenn das Salz aufgestreut wird, nachdem die Pflanzen sich einmal über der Erde sehen, ließen, der ganze Ertrag derselben unvermeidlich zerstört wird53). Wenn hingegen eine kleine Menge Salzes, sobald der Same der Zwiebeln unter die Erde gebracht ist, aufgestreut wird, ungefähr sechs Pfund auf ein Quadrat Perch54) |189| Landes, oder acht Lothe auf ein Quadrat-Yard, so kann es nicht fehlen, daß der Erfolg hiervon auffallend und höchst vortheilhaft seyn müsse.

Man hat viel über das allgemeine Mißrathen der Zwiebel im lezten Jahre gesprochen; ich habe aber nicht von einem einzigen Gärtner, der Salz angewendet hat, gehört, daß die Erndte nicht sehr reichlich gewesen wäre. Zur Bestättigung dieser Thatsache will ich nur auf den Brief des Hrn. Wilh. Norton zu Biel verweisen, welcher in unserer Gesellschaft am 8. Sept. lezthin vorgelesen wurde, und welcher von den Vortheilen spricht, die er von einer Auflösung des gemeinen Kochsalzes in Wasser erhielt, womit er seine Zwiebel und Schalloten-Beete und andere Wurzelpflanzen begoß. Ich werde indessen vor Beendigung dieses Aufsazes noch einmal Gelegenheit finden auf Hrn. Morton's Brief zurück zu kommen.

Da wir nun das gemeine Kochsalz so auffallende Wirkung in der Cultur der Erdäpfel, der Rüben, der Möhren, der Zwiebeln und Schalloten etc. hervorbringen sehen, so kann ich mich nicht genug wundern, daß es nicht schon lang allgemein angewendet wurde, um so mehr, als unser Lordkanzler Bacon vor mehr als 200 Jahren die Anwendung desselben bei dem Gartenbaue auf die unzweideutigste Weise empfohlen hat. Er sagt: „Mehrere Kräuter, wie Rettige, Mangold, Raute, Polei, befinden sich am besten, wenn sie mit Salzwasser begossen werden55); und ich rathe dieses Verfahren auch auf einige andere Kräuter, vorzüglich auf solche, die scharf schmecken, wie Senf, Rauke und dergleichen auszudehnen.“Bacon's Natural History. Ich muß indessen fortfahren die Wirkung des Salzes in der Obstbaumzucht zu betrachten.

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Die Wirkung des Salzes auf Obstbäume, wenn dasselbe vorsichtig angewendet wird, ist nicht minder wohlthätig. In Gegenden, wo man Obstmost macht, ist es auf einigen Höfen, deren Besizer auf schöne Obstgarten stolz sind, allgemeine Sitte, einen kleinen Graben in einer Entfernung von einigen Yards um jeden Apfelbaum zu ziehen, und eine kleine Menge Salz in denselben zu werfen, welches durch den Regen allmählig aufgelößet, und nach und nach den Wurzeln des Baumes zugeführt wird. Durch dieses Verfahren wird, wie man sagt, die Menge des Obstes vermehrt, und die Bäume werden bei guter Gesundheit und in Kraft erhalten.

Hr. Hollingshead, dessen ich oben erwähnte, und der diesen Gegenstand durch mehrere Jahre studirte, bemerkt, daß „jene Pächter, welche nahe an der Meeresküste sizen, sich dadurch bedeutenden Vortheil verschaffen könnten, wenn sie ihre Gründe mir Seewasser wässern, oder wenn sie dieselben mit Sand vom Strande unter dem Hochwasserstande während des Frühlinges und des Herbstes bestreuen wollten, indem die darin enthaltenen Salztheilchen von großem Vortheile seyn würden, „Obstbäume“, sagt er, „und Hopfen sollten auch mit Seewasser besprizt, oder mit See- oder Salzsand in einiger Entfernung von ihren Stämmen umlegt werden. Die Baumwollenstaude und das Zuckerrohr in West-Indien würde gleichfalls durch ähnliche Behandlung bedeutenden Vortheil gewinnen.“ S. 21.

Man erinnert sich noch eines höchst auffallenden Versuches, welcher von dem sel. Hrn. Gilbert, Hausmeister bei dem sel. Herzoge von Bridgewater über die Wirkung des Salzwassers auf Aepfelbäume gemacht wurde. Da ich diesen Herrn selbst kannte, so nehme ich keinen Anstand zu sagen, daß ich glaube, man könne sich auf seine Angabe pünktlich verlassen. Dieser Herr, der nicht bloß des Herzoges Hausmeister, |191| sondern auch ein Salzmanufakturist im Großen war, besaß indessen in der Nahe seiner Salzgruben zu Winchham in Cheshire einen Hof, auf welchem er einen mit Aepfelbäumen bepflanzten Obstgarten hatte, der, da er alt zu werden anfing, im Frühjahre eine Menge von Blüthen trug, aber nie mehr eine Frucht zur vollen Reife brachte. Um diesem Uebel abzuhelfen, streute der Besizer um jeden Baum in einiger Entfernung von dem Stamme eine gewisse Menge kleingestoßenes Steinsalz, und seit dieser Zeit fuhren alle Bäume in diesem Obstgarten fort sehr fruchtbar zu tragen, und eine Menge schöner, großer, wohlschmeckender Aepfel zu bringen.

Ein Kaufmann zu Liverpool, mit welchem ich wohl bekannt bin, sandte mir einen Auszug aus einem Schreiben eines sehr achtbaren Correspondenten über den Zustand der Obstgärten zu Droitwich, einer Stadt in Worcestershire, und einem der bedeutendsten Salzmanufaktur-Orte in Groß-Britannien. Er lautet so:

„Ein merkwürdiger und beachtenswerther Umstand ist, daß um den 15ten Julius, wo das kleine Obst wegen der großen Dürre anfing zu fehlen, und auf dem Markte selten zu werden, das Obst in den Gärten von Droitwich nicht den mindesten Anschein hatte, sondern im Gegentheile in der möglich größten Ueppigkeit da stand: ich bin gewiß, nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß ich Hunderte von Johannisbeeren-Träubchen hätte pflücken können, deren jedes ein halbes Pfund schwer war56). Der gemeinschaftliche Blumenstiel dieser Träubchen war so lang, und die einzelnen Blumenstielchen waren so zahlreich, und die Beeren so groß, daß ich meinen Kindern, die mit mir waren, bemerkte, |192| ich könne diese von allen anderen Vettern jezt so auffallend verschiedene Größe des kleinen Obstes nur durch die Gegenwart des Salzes in der Atmosphäre, welches durch das Kochen desselben in so vielen Pfannen der hiesigen Salzwerke in die Luft getrieben wird, erklären.“

Als Zugabe zu diesen Thatsachen muß ich noch bemerken, daß die Anwendung des Kochsalzes im Acker- und Gartenbaue im Auslande viel häufiger ist, als in unseren Königreichen; denn ich habe die unbestreitbarste Auctorität, wenn ich behaupte, daß „Salz an den Ufern der Rhone in Obst- und Weingärten angewendet wird, und daß diese durch das Salz verbessert werden.“

Die meisten, welche für die wohlthätigen Wirkungen des Kochsalzes im Gartenbaue zeugten, bemerkten, daß Salz die Eigenschaft besizt, Feuchtigkeit aus der Atmosphäre anzuziehen, und davon können möglicher Weise viele der wichtigsten Resultate abgeleitet werden. Wahrscheinlich ist es dieser Eigenschaft des Salzes, Feuchtigkeit anzuziehen, zuzuschreiben, daß man gewöhnlich die fremden Weinfechser von besonderen Rebensorten in Salzwasser eintaucht, ehe sie zu Schiffe gebracht und heimgefahren werden. Man hat mir in der That versichert, daß Stecklinge von Myrten und anderen Sträuchern weit hergeführt werden können, und daß man ihres Lebens sicherer seyn kann, wenn sie vorläufig in eine Auflösung von Kochsalz getaucht werden. Stecklinge von der Trauerweide (salix babylonica Linn.) die im Oriente zu Hause ist, konnten nie lebendig zu uns gebracht werden, bis man den Kunstgriff befolgte, und sie in Salzwasser eintauchte.

Indem ich wegen dieser Abschweifungen um Vergebung bitte, will ich diesen Theil meiner Abhandlung mit den Worten eines achtbaren verstorbenen Schriftstellers beschließen, der wahrscheinlich mehr Versuche über die Wirkungen, |193| des Kochsalzes im Gartenbaue angestellt hat, als irgend ein anderes Individuum in Groß-Brittannien. »Alles« sagt er, »was in Gärten oder Treibhäusern gesäet oder gepflanzt wird, sollte eine bestimmte Menge Salzes auf der Oberfläche der Erde, in welche es gebaut wird, um sich her gestreuet erhalten. Durch dieses regelmäßige Treiben der Vegetation mittelst des Salzes würden alle Feld- und Gartenproducte drei oder vier Wochen früher als auf die gewöhnliche Weise zur Reife gebracht werden, und die verschiedenen Samen würden an Gewicht und Dichtigkeit eben so wie die Früchte an Reichthum und feinem Geschmacke gewinnen57).“ Sir Joh. Sinclair, der diese Stelle anführt, bemerkt daß »der Vortheil, den man von Anwendung der holländischen Asche (Dutch-Ashes), die so voll von Salztheilchen ist, in den niederländischen Gärten erhält, eine vollgültige Bestätigung dieser Lehre ist.«

Die zweite Eigenschaft, welche ich dem Kochsalze, wenn dasselbe im Gartenbaue angewendet wird, zuschrieb, ist diese, daß eßbare Pflanzen- und Obstbäume dadurch sowohl zur Nahrung, als zur Wohnung der Insekten und Wärmer untauglich werden. Hierüber sowohl, als über die übrigen Punkte dieser Abhandlung muß ich mich sehr kurz fassen; denn sonst würde dieser Aufsaz langer werden, als daß es möglich wäre, denselben in einer einzelnen Sizung vorzutragen.

Die Pächter in den Grafschaften, welche zunächst an der Hauptstadt liegen, und auch in mehreren anderen Gegenden Englands, werfen ihren Saatweizen nicht ehe aus, bis sie denselben nicht vorher in einer sehr starken Kochsalzauflösung eingeweicht haben, indem sie dieses Verfahren als ein specifisches Mittel gegen den Rost oder Brand im Weizen, und |194| gegen die Verheerungen der Insecten in den Körnern desselben befunden haben. Da dieses Verfahren sich bei Erhaltung des Saatkornes so kräftig erweiset, warum sollte es nicht auch bei den Gartensamen, bei Zwiebeln, Mohren, Rüben, Rettigen, Sellerie, Petersilie u.dgl. befolgt werden?

Der Honigthau, welcher jedes Jahr so große Verwüstungen an Obstbäumen anrichtet, wird, wie ich glaube, von kleinen Insekten erzeugt; und diesem Unfalle kann man dadurch vollkommen vorbeugen, daß man um den Baum herum Salz streut. Ameisen kommen nie an jenen Stellen eines Gartens zum Vorscheine, wo Salz gehörig ausgestreut ist, und wie verderblich diese kleinen Thiere für Bäume sowohl als für die Früchte sind, ist nur zu bekannt58). Ich zweifle nicht, daß auch die schädliche Hopfenfliege59) durch den gehörigen Gebrauch des Salzes vertrieben werden kann.

Im vorigen Jahre schrieb mir ein Herr vom Vorgebirge der guten Hoffnung, um mich zu fragen, ob ich kein Mittel ausfindig machen könnte, ein Insekt zu zerstören, welches in dieser Kolonie die Reben angreift, und nicht zu berechnenden Schaden hervorbringt. Er schrieb mir, daß dieß ein sonderbares Insekt, und ungefähr von der Form der Asseln wäre (millepedes or common wood-louss), auf die Reben hinankrieche, und an denselben solches Unheil anrichte, daß einige Pflanzungen durch dasselbe ganz unbrauchbar geworden sind. Es würde in der That jede Weinlese gänzlich zu Grunde gerichtet werden, wenn die Eigenthümer der Weingärten nicht eine große Menge von Weibern und Kindern hätten, um dieses Ungeziefer aufzuklauben. Diese sonderbaren |195| Insekten vergraben sich am Tage ganz seicht unter die Oberfläche der Erde, ungefähr einen Zoll tief, und kommen am Abende auf die Bäume hinauf. Die weiblichen Sklaven und ihre Kinder kommen jede Nacht zu dem Eigenthümer, und bringen das Produkt ihres Fleißes in ihren Hüten mit. Der Herr untersucht jedes besonders, und leert die Hüte dann in einen Wassereimer, der hierzu an seiner Seite bereit steht. Sklaven und Kinder werden dann nach ihren Verdiensten, und nach der Menge der Insekten, die jedes derselben eingebracht hat, belohnt, und die Faulen und Nachlässigen werden verhältnißmäßig bestraft. Mein Korrespondent versichert, daß die Verheerungen, welche diese Insekten anrichten, die Menge von Händen, die zu ihrer Vertilgung erfodert wird, und der hohe Arbeitslohn am Cap den Weinbau daselbst, und das dadurch nothwendige Gedeihen der Colonie mehr als alles andere hindern. Um diese Kreaturen auszurotten, rieth ich Salz auf die Erde zu streuen, wo die Reben hineingepflanzt werden sollen, und man versprach mir Nachricht über den Erfolg dieses Versuches. Sobald ich dieselbe erhalten werde, werde ich nicht ermangeln sie der Gesellschaft mitzutheilen.

Es ist keine bloße Spekulation, daß Kochsalz den Verheerungen der Insekten und Würmer in den Garten vorbeugt; denn Gärtner von Erfahrung haben dieß so oft versucht, daß kein Zweifel hierüber mehr übrig ist. Vor mehr dann fünfzig Jahren hat Hr. Thomas Hitt, der bei Lord Robert Manners zu Bloxholme in Lincolnshire, und später bei Lord Robert Bertie zu Chislehurst in Kent Gärtner war, ein sehr interessantes Werk über die Behandlung der Obstbäume mitgetheilt, in welchem er viele verschiedene Anleitungen zum Gebrauche des Kochsalzes gibt, die er auf eine Erfahrung von vielen Jahren gründet.

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Auf einer Reise im Sommer und Herbste des vorigen Jahres, die ich durch das nördliche England, und durch einen Theil von Schottland machte, hörte ich wiederholte Klagen über das Mißlingen der Zwiebelernte, die, wie man mir sagte, durch den Drathwurm (wire-worm)60), zerstört wurden. Dieß war vorzüglich der Fall um Edinburgh, und in der ganzen Grafschaft Fife. Briefe vom Hause meldeten mir auch, daß aus derselben Ursache seit einem Monate oder zwei die Zwiebeln in der Nachbarschaft von London sehr selten waren, bis man fremde Zwiebeln herbeibrachte, und daß man sie in Covent-Garden auf dem Markte beinahe so theuer wie Pfirsiche verkaufte. Ich hörte daher mit vielem Vergnügen während meiner Anwesenheit zu Edinburgh bei der jährlichen Zusammenkunft unserer Gesellschaft die Mittheilung des Hrn. Morton, Gärtners in der Nachbarschaft von Dunbar, welcher in einem Briefe an den Secretär uns versicherte, daß er seine Ernte durch den Gebrauch des Salzwassers rettete, während alle andere Zwiebeln in den Garten um ihn her zu Grunde gingen.

Drittens ist Salz nicht nur allein ein Vorbeugungsmittel gegen die Verheerungen der Raupen, Insekten und Würmer an Pflanzen und Bäumen, sondern auch eines der kräftigsten Mittel, dessen man in einem Garten selbst zur Zerstörung dieser Thiere sich bedienen mag. Von der Wahrheit dieser Behauptung kann jeder sich in sehr kurzer Zeit durch einen direkten Versuch überzeugen. Wenn man eine kleine Menge Salzes auf einen gemeinen Regenwurm (Earth worm) streut, so wird man die zerstörende Kraft des Salzes beinahe augenbliklich wirken sehen. Die Wirkung desselben auf Würmer zeigt sich auch höchst auffallend an |197| den Blutegeln. Wenn man dieses Thier statt der Lancette gebraucht hat, so pflegt man gewöhnlich ein wenig Salz in der Nähe seines Mundes auf dasselbe zu streuen; hierdurch wird der Blutegel gezwungen, alles Blut, das er einsog, augenbliklich auf den Teller, auf welchen man ihn gelegt hat, auszuspeien; nimmt man aber etwas zu viel Salz, oder bleibt der Blutegel zu lang mit demselben in Berührung, so wird dieses auch sehr leicht für ihn tödlich; daher pflegen einige, die mit Egeln Blut laßen, denselben das Blut lieber auszudrücken, als daß sie die Gefahr wagen, diese Thiere durch Anwendung des Salzes gänzlich zu verlieren. Der sehr achtbare Sir Joh. Sinclair erklärt die Wirkung des Salzes in einer schäzenswerthen, von ihm neu herausgegebenen Schrift auf folgende Weise. »Salz« sagt er, »zerstört das Ungeziefer in der Erde, indem es dasselbe zwingt, seinen Körper von demjenigen zu entleeren, was es zu sich nahm; diese Ausleerungen wirken zu kräftig auf diese Thiere, als daß sie denselben widerstehen könnten. Es hat«, fügt er hinzu, »hierbei noch der Nebenvortheil statt, daß das Ungeziefer dadurch Nahrung für diejenigen Pflanzen wird, welche es ohne dieses Gegenmittel aufgerieben haben würde.«

Der ausgezeichnete Joh. Evelyn, der berühmte Verfasser der Sylva, und anderer interessanten Werke, der selbst ein sehr eifriger Vervollkommner der Gartenbaukunst gewesen ist, scheint die Wirkung des Kochsalzes als Zerstörungsmittel der Erdschnecken (slugs), der Würmer und anderen kriechenden Ungeziefers, wohl gekannt zu haben, wie es aus einem Aufsaze im ersten Bande des praktischen Landwirthes und Pflanzers (the Practical Husbandman et Planter, 8. 1733. S. 53.) erhellt; es scheint aber nicht, daß er dasselbe regelmäßig zu diesem Zwecke angewendet hat.

Aus einem Versuche über Anpflanzungen (Essay on Plantership), welchen Hr. Samuel Martin auf der Insel |198| Antigua herausgab, scheint es, daß Kochsalz auf den westindischen Inseln zur Vertilgung der Engerlinge und Insekten angewandt wurde. »Gründe« sagt er, »die den Engerlingen sehr ausgesezt sind, und vorzüglich mit dem gewöhnlichen Dünger gedüngt wurden, welcher das eigentliche Nest für die Mutterkäfer ist, in welches sie ihre Eier legen, sollte man gehörig mit einer Salzauflösung wassern, nachdem der Dünger vorläufig gehörig zertheilt wurde: zwei starke Hogsheads61) Salz geben Salzwasser genug auf eine Dunggrube von fünfzig Quadratfuß. Dieses Mittel gegen die Engerlinge (grubs) ist eine neuere Entdeckung, welche ich einem einsichtsvollen Pflanzer verdanke, und die ich mit Erfolg versucht habe.«

»Ein Oekonomie-Inspektor von hohem Range in meiner Nachbarschaft, sagt der sehr ehrenwerthe Lord Kenyon in seiner »Evidence delivered before the Board of Trade betrachtet die Anwendung des Salzes als ein höchst schäzbares Mittel zur Vertilgung der Erdschneken, Fadenwürmer, Schneken etc., welche öfters ganze Ernten zu Grunde richten. Er erinnert sich auch noch wohl, daß Salz in der Nachbarschaft von Hoch- und Nieder-Wiches in Cheshire, ehe die Salzsteuer auf die gegenwärtige Höhe getrieben wurde, in großer Menge angewendet worden ist.«

Ein Schriftsteller in Dr. Rees'sCyclopedia bestätigt dieß unter dem Artikel Salz, indem er sagt, daß »in Cheshire und anderen Grafschaften das Wasser der dortigen Salzquellen als Düngungsmittel für die Felder häufig gebraucht wird. Sie lassen«, sezt er hinzu, »das Wasser dieser Quellen, nachdem es geregnet hat, eine Zeit über auf ihre Gründe, und dadurch wird das Salz, welches dieses |199| Quellwasser enthält, so sehr mit Regenwasser verdünnt, daß es zu schwach wird, um dem Korne oder Grase zu schaden, und jedoch stark genug bleibt, Würmer und anderes Ungeziefer zu tödten, und das Wachsthum der Pflanzen zu begünstigen.“

Die vierte Eigenschaft, die ich dem Kochsalze zuschrieb, wenn dasselbe im Gartenbaue angewendet wird, ist die Vertilgung der Unkräuter und anderer schädlicher Vegetabilien. In dieser Hinsicht ist der Nuzen so augenscheinlich, als ich gewünscht hätte62); folgende Zeugnisse scheinen indessen Aufmerksamkeit zu verdienen.

Der Verfasser eines Versuches über die Wirkung des Salzes auf die Vegetation (Essay on the effect of salt on vegetation), welcher in dem ersten Bande der Practical Husbandry, die wir oben anführten, erschien, drükt sich hierüber auf folgende Weise aus: »Ein schottischer Gentleman hat mich versichert, daß man lang schon in diesem Theile von Großbritannien des Salzes sich bediente, und stets zehn bis zwölf Bushel des dortigen groben, unreinen Salzes mit der Hand auf einem Acre jungen grünen Weizens zuweilen im November, Dezember, Jäner und Hornunge aussäete, indem dieses, verschiedenen Nachrichten zu Folge, die ich hierüber erhielt, in Vertilgung des zarten Unkrautes unter dem Getreide sich sehr kräftig bewies, zugleich aber dem Getreide sehr wohl bekam, und viel zur Güte und Schwere der Körner beitrug.« S. 48.

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Bischof Watson sagt in seinen chemischen Versuchen (Chemical Essays), daß »man in Cheshire, wo immer der Boden voll Unkraut und Binsen ist, gewöhnlich ein Stil Steinsalz hinlege, um das Unkraut dadurch zu zerstören.« S. 73. Bd. II.

Gervas Markham, der wohlbekannte Schriftsteller über landwirthschaftliche Gegenstände aus der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, empfiehlt den Gebrauch des Salzes als Düngungsmittels für die Felder nachdrüklich in seinem Werke: »a Farewell to Husbandry«, und schließt seine Beobachtungen mit der Bemerkung, daß »nichts so sehr, wie Salzigkeit, Unkraut und anderen Schaden im Grunde so sicher ertödte.«

Major Joh. Taubmann, Sprecher des Hauses Keys, auf der Insel Man, sagt in seiner Evidence before the Board of Trade i. J. 1817, daß »er ausgeschossenes Salz als Dünger auf Wiesen mit Vortheil angewendet hat, und dann mit der Hand aussäen ließ, ohne jedoch die Menge angeben zu können, die man angewendet hat; die Wiese war sehr mit Moos bedeckt, welches durch Anwendung des Salzes gänzlich zerstört wurde.«

»Hr. Sickler läßt einen kleinen Haufen Erde in der Mitte eines Feldes aufwerfen, auf dessen Gipfel er eine Fuhr Ausschußsalz schütten ließ; die Erde in dem Haufen sowohl als mehr als zwei Fuß tief unter demselben bis auf das Thonlager (nachdem nämlich der Haufen abgetragen war) ward dadurch so vollkommen untragbar, daß auch das gemeinste Unkraut nicht in derselben wachsen konnte. Diese untragbare Erde ward jedoch der reichste Dünger für den übrigen Theil des Feldes.« 63)

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Ich habe jezt alles offenbar Erwiesene, was ich in Bezug auf den Gebrauch des Koch- oder Seesalzes in dem Gartenbaue auffinden konnte, ihnen vor Augen gelegt. Ich fühle indessen noch sehr wohl, daß, obschon hierdurch für uns bereits genug erwiesen seyn mag, um zu der Entscheidung zu gelangen, daß die Anwendung des Salzes im Gartenbaue wesentlich ist, es wahrscheinlich noch mehrere andere wohl erwiesene Thatsachen geben mag, welche noch nicht zu meiner Kenntniß gelangten, und aus dem, was wir bisher hierüber erhalten haben, läßt sich vermuthen, daß unser Wissen über diesen Gegenstand noch sehr beschränkt ist.

Um dieses in der That kostbare Mineral auf dem möglich besten Wege zu benüzen, muß durch praktische Kenntniß, durch direkte. Versuche, und durch aufmerksame Beobachtung noch vieles geleistet werden. Jede einzelne Pflanze von dem Kraute bis zum stärksten Obstbäume, mag wahrscheinlich sowohl im Zustande des Samens, als in der Wurzel, und im reiferen Wuchse ihre Eigenheit und besondere Gewohnheit besizen. Die eine mag mehr, die andere weniger Salz fordern; die eine mag unmittelbare Anwendung des Salzes vertragen, während die andere fordern kann, daß das Salz in einiger Entfernung von ihr ausgebreitet werde. Es ist, mit einem Worte, klar, daß, da nun einmal die wohlthätige Wirkung des Verfahrens, welches ich versuchte zu ihrer Kenntniß zu bringen, im Allgemeinen durch Erfahrung begründet ist, uns nichts anderes mehr zu thun übrig bleibt, als dieselbe auf dem Wege des Versuches weiter zu verfolgen.


Als Dünger für das Feld wurde das Seesalz von dem Büreau des Akerbaues zu London (Board of Agriculture in London) und von der Highland Society in Schottland so wichtig erachtet, daß beide diese verbrüderten Institute Preise auf Versuche hierüber ausgeschrieben haben.

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Bei dem Interesse, welches ich seit langer Zeit an diesem Gegenstande genommen habe, bei dem Antheile, welchen ich an dem Erhalten der neueren Parlaments-Akte, durch welche die Abgabe auf Steinsalz zu landwirthschaftlichen Zweken vermindert wurde, besize, sah ich nicht ohne Vergnügen und mit Zufriedenheit diese Preist unter dem Publikum ausschreiben; ich bin geneigt, zu hoffen, daß diese neuerlich ertheilte Nachsicht des gesezgebenden Körpers der Vorläufer eines gänzlichen Widerrufes aller bestehenden Salzgeseze seyn wird, und daß die ausgeschriebenen Preise einen solchen Geist des Wetteifers unter den Pächtern weken werden, der auf eine ausgezeichnete Weise dazu beitragen muß, das Emporkommen des Akerbaues zu fördern. Ich wünsche sehnlich, daß die Akerbaugesellschaften in London und Edinburgh einen verhältnißmäßigen Grad von Wichtigkeit auf die Anwendung des Kochsalzes bei ihren Versuchen legen, und dadurch bestimmt werden mochten, solche Preise auszuschreiben, die nicht fehlen können, die Thätigkeit und Aufmerksamkeit aller unserer rationellen und wissenschaftlich gebildeten Gärtner anzuregen, und ihre Untersuchungen auf die Erforschung eines so interessanten und wichtigen Gegenstandes zu leiten. Sollte die gegenwärtige Sammlung von Thatsachen auch nur im mindesten dazu beitragen können, den Rath der Caledonian Horticultural Society einzuladen, einen solchen Preis auszuschreiben, so würde ich viele Genugthuung durch den Umstand erhalten, eine Maasregel veranlaßt zu haben, welche in jeder Hinsicht für den größten Theil der Einwohner aller Klassen in den britischen Besizungen so wichtig ist.64)

|183|

Sehr wahr. Daher die überschwengliche Fruchtbarkeit Ungerns, des nördlichen Afrika, Aegyptens etc. A. d. Uebers.

|184|

Siehe den VII. Bd. des Repertory, II. Series. S. 184.

|184|

Ein Yard ist 2' 10' 81/2''' Wien. M. A. d. Uebers.

|184|

Ein Yeck ist der vierte Theil eines Bushel, = 0,14225 Wien, Mezen, oder ungefähr 2 1/2 Wiener Maßel. A. d. Uebers.

|185|

Ein Acre ist 1125 Wiener □ Klafter. Ein Bushel = 9/16 Wien. Mezen. A. d. Uebers.

|187|

Man findet auch in Sinclair's Code of Agriculture (in der trefflichen, allen deutschen Landwirthen zu empfehlenden deutschen Uebersezung: Grundgeseze des Ackerbaues, nebst Bemerkungen über Gartenbau, Obstbaumzucht, Forstkultur und Holzpflanzung von Sir John Sinclair, a. d. Engl. übersezt von Jos. Ritter von Schreibers. 8. Wien 1819. S. 695.“) mehrere interessante Notizen über Salz als Düngungsmittel. A. d. Uebers.

|188|

Nach mehreren gemachten Erfahrungen geben diese Rückstände allerdings ein sehr wirksames Düngungsmittel, wenn die freie Säure vorhero durch Kalk neutralisirt wird. D.

|188|

Dieß ist durch die Kultur der Blumenzwiebel der Holländer, die die ganze Welt damit versehen, nur zu sehr erwiesen, als daß der Uebersezer es der Mühe werth fände, seine eignen diese Wahrheit bestätigenden Versuche hier anzuführen. A. d. Uebers.

|188|

Der Uebersezer hat daher sich des Begießens der Beete mit Salzwasser unmittelbar nach dem Besäen derselben sehr oft mit Vortheil bedient. A. d. Uebers.

|188|

Ein Perch ist 5 1/2 Yard. A. d. Uebers.

|189|

Kein Wunder; denn Mangold, Rauke, Poley etc. wachsen am Meere. A. d. Uebers.

|191|

Das englische Pfund ist etwas leichter als das deutsche, und zu Wiener Gewicht wie 31:38. A. d. Uebersez.

|193|

Hints to Country Gentleman etc. by John Hollingshead, Esqu. 3. Edit. p. 19.

|194|

In manchen Fällen nüzen jedoch selbst diese schädlichen Ameisen wieder; z.B. gegen Blatt- und Schildläuse. A. d. Uebers.

|194|

Bei uns ist keine Hopfen-Fliege (Fly in hops), wohl aber eine Phaläne, Ph. lupuli, höchst verderblich. A. d. Uebers.

|196|

Der Uebersezer weiß nicht, was dieß für ein Thier ist. Dem Nahmen nach scheint es ein Gordius zu seyn. A. d. Uebers.

|198|

Ein Hogshead ist 63 Gallonen; ein Gallon 3,264 Wien. Maß. A. d. Uebers.

|199|

Daß nicht alle Unkräuter durch Salzwasser vertilgt, daß sogar eigene Arten dadurch erzeugt werden, ist jedem Botaniker und Halurgen nur zu bekannt. Indessen muß man nicht vergessen, daß jene Unkräuter, die in sehr gesalzenem Boden gedeihen, kein Unkraut, sondern sehr nüzliche Pflanzen sind, und Soda liefern. Siehe den Auszug aus Pallas in diesem Journale. I. Jahrg. Bd. 2. S. 61 u. f. A. d. Uebers.

|200|

Case of the salt Duties, by Sir Thom. Bernard, Bart. p. 275.

|202|

Der Nuzen der Anwendung des Kochsalzes im Land- und Gartenbaue ist auch bei uns in Deutschland seit den ältesten Zeiten so allgemein bekannt, daß wir eine noch weit größere Menge deutscher Schriftsteller, die den Gebrauch des Kochsalzes in dieser Hinsicht |203| empfahlen, hier anführen könnten. Ist doch die Anwendung des Salzes als Düngungsmittel auch bei uns, wie in Frankreich, sogar bis zur schändlichsten Charlatanerie und Geheimnißkrämerei herabgesunken. Der Hr. Verfasser hat uns Deutschen hier nichts Neues gesagt; er hat uns aber auf etwas aufmerksam gemacht, was wir bereits vergessen zu haben scheinen, und es könnte wohl möglich seyn, daß wir jezt mehr auf den Gebrauch des Kochsalzes halten werden, weil ein Engländer uns denselben empfahl. Wir Baiern haben, verglichen mit England, so mäßige Salzabgaben, daß wohl kein gut konstitutioneller Baier Verminderung der Salzsteuer wünschen kann, wenn er anders nicht vergessen hat, wie hart und grausam mit uns ehevor die Bischöfe Salzburgs und Passaus verfuhren, ehe die Herzoge Baierns uns das für einen Groschen gaben, was wir ehevor mit Gulden bezahlen mußten, und nicht selten auch für diesen unmenschlichen Preis nicht erhalten konnten. (Man vergleiche Gemeiner's Gesch. d. Salzhandels in Baiern). Wehe uns, wenn wir den Chimären eines freien Salzhandels huldigend, wieder in die Hände der Salzwucherer fallen sollten. Allein das läßt sich zum Wohle der baierschen Staatskasse wie des Säkels des einzelnen baierschen Bürgers und Bauers wünschen, daß theils, zunächst an |204| den baierschen Salinen, die für und wider nichts abgelassene Salzsohle dem Landmanne für sein Vieh und für seine Felder auf eine solche Weise zu guten käme, daß er nur für diese, nicht für sich selbst davon Gebrauch machen könnte, theils für die von den Salinen entferntesten Gegenden des Königreiches solche Mischungen mit Stein- oder Sudsalz gemacht würden, welche für Acker- und Gartenbau, wie für die Viehzucht gleich wohlthätig wären, ohne daß der Landmann das Salz aus denselben auf eine wohlfeilere Weise ausziehen könnte, als er dasselbe durch die k. Salzämter erhält. Dadurch könnte der Ertrag der Salinen jährlich um Tausende, der Wohlstand des Landmannes aber um Hunderttausende, und der Reichthum des Landes durch schnelleren Umlauf um Millionen erhöht werden. A. d. Uebers.

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