Titel: Bemerkungen über die bequeme und schickliche Anordnung des Innern der Wohngebäude etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. XXIV. (S. 230–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004024

XXIV. Bemerkungen über die bequeme und schickliche Anordnung des Innern der Wohngebäude etc. Veranlaßt durch eine Abhandlung des königl. bairischen Kreisbau-Inspector's Herrn Voit. – Polytechnisches Journal. Bd. 2. Heft 3. S. 306–340. Mit einem Zusaze des k. b. K. B. Inspectors Voit.

Zu den Hauptrücksichten beim Aufführen und Einrichten eines Wohngebäudes – namentlich für die höhern und wohlhabenden Stände und Klassen – gehört, ausser denen, welche Hr. Voit, als gründlicher Kenner seines Fachs, auf S. 307 u. f. anführt, wohl auch die Rücksicht a) auf die Landes-Sitten und Gewohnheiten, und b) auf Reinheit und Richtigkeit aller Verhältnisse, soweit es irgend möglich:

ad a. In Frankreich z.B. ist das Schlafzimmer der Frau vom Hause in der Reihe der Empfangzimmer; es stößt sogar gewöhnlich an den Salon, und es steht immer offen, wenn Besuche angenommen werden. Häufig findet man es eben so im südlichen Deutschland; – dagegen im nördlichen mit seltenen Ausnahmen, das Vorhandenseyn eines solchen Zimmers zwar vorausgesezt, aber desselben in Gegenwart fremder Personen gar nicht erwähnt wird. In England wäre es die höchste Frechheit dieses Zimmers – oder das Bett in demselbigen – zu nennen; während darin die französische Dame, ohne alle Zweideutigkeit, männliche Besuche anzunehmen gewohnt ist.

Den Angaben des Hrn. Voit S. 309 – über die angemessene Eintheilung des Hauses eines vornehmen Mannes möchte nicht ganz beizustimmen seyn, wenn gleich vieles sehr |231| richtig aufgefaßt und vorgetragen ist. – Zwei Appartements sind allemal in einem solchen Hause nothwendig; nie kann eines genügen. Die Zimmer des Mannes liegen am schicklichsten und bequemsten, wenn die Straße nicht gar zu enge ist, und die frühere Anlage des Hauses es gestattet, – im Erdgeschosse (Rés de Chausée) und zwar ohngefähr so: das Souterain sei etwa 4 Fuß über dem Straßenpflaster, d.h. die Decke der Zimmer oder Keller in ersteren: dann kommt das Erdgeschoß: 13 bis 14 Fuß im Lichten hoch; – an der einen Seite der Einfahrt (Porte cochère) in der Mitte der Façade, reihen sich die Zimmer des Herrn vom Hause: Vorzimmer, (Billard), Bibliothek, Schreibzimmer, Schlafzimmer, Garderobe u.s.w. Aus einem der leztgenannten – nach dem Hofe liegenden – Zimmer führt eine geheime Treppe zu dem Schlafzimmer der Frau vom Hause, auf der andern Seite der Einfahrt – par terre – sind die Geschäftszimmer, Büreaux, Wohnung der Sekretairs etc., oder, falls der vornehme Mann nicht in Staatsdiensten ist, die Zimmer seiner Söhne, ihrer Lehrer u. dgl., welche sonst in den Seitenflügeln oder im zweiten Stok wohnen. – Da hier von einer Stadtwohnung – nicht aber von einem Landhause oder Schlosse eines vornehmen Mannes, die Rede ist, so hat man auf Zimmer für Fremde (S. 309 unten) wenig Rücksicht zu nehmen, indem man in Städten solche selten in seinem Hause beherberget, um sich und ihnen keinen Zwang anzuthun, sonst gehören diese Zimmer allerdings in die zweite Etage. – Den Küchen ist ihr Plaz entweder in dem Kellergeschoß anzuweisen, oder zu ebner Erde, ohne Keller darunter, nur 1 Fuß über dem Pflaster, (wegen der Höhe, da eine Küche nie hoch genug seyn kann) im Hofe, und in demjenigen Flügel des Hauses, in welchem sich die Speise- und Tanzsäle befinden, in der Regel muß die Küche – möglichst flach – gegen Widerlager und Anker von Gußeisen in den Scheidemauern – gewölbt seyn; die Portiers- und Bedientenzimmer sind im Souterrain, an beiden Seiten der Einfahrt; die Offiziantenzimmer im zweiten Stoke! An einer Seite der immer in der Mitte des Hauses anzubringenden Einfahrt liegt die Haupttreppe, so eingerichtet, daß sie geheizt, und durch Glaswände eingeschlossen werden kann; hinter oder neben ihr, aber verborgen, muß eine Nebentreppe für Bediente seyn. Auf ersterer gelangt man 1) in ein für die wartenden Bedienten bestimmtes Vorzimmer (le Tambour), welches sein Licht vom Hofe, oft auch nur von der Treppe erhält; 2) aus diesem in das eigentliche Vorzimmer (la première Antichambre), wo sich die Hausoffiziere, Kammerdiener etc. aufhalten, die zu meldenden Personen |232| ihre Namen angeben u.s.w. (nach dem Hofe). Von da 3) in das zweite Vorzimmer, welches schon zu den Gesellschafts- oder herrschaftlichen Zimmern gehört, und fast eben so sorgfältig und geschmakvoll meublirt seyn muß als die Salons: hier warten die gemeldeten Personen, wenn ihr Besuch nicht erwartet, oder schon angenommen ist. An dieses Zimmer stoßen an einer Seite das Wohnzimmer, Kabinet, Boudoir, Schlafzimmer, Garderobben u. s. w der Frau vom Hause, und die Zimmer der Töchter – wie auch aller kleinen Kinder (beiderlei Geschlechts), theils gegen die Straße, theils in dem betreffenden Flügel gegen den Hof: – und zwar: wenn die Hauptfronte des Hauses nach Süden oder Norden gerichtet ist, nach Osten: ist sie nach Osten oder Westen gerichtet, nach Süden; aber nicht nach Westen und nicht nach Norden, wenn es irgend zu vermeiden ist. Alle vorgenannte Zimmer bekommen die nöthigen Degagements, Treppen, Cabinets d'aisance u.s.w. An der andern Seite des zweiten Vorzimmers gelangt man zum ersten und zweiten Besuchzimmer (Salon), deren jedes 26 bis 36 Fuß Länge, und 18 bis 22 Fuß Tiefe hat, neben dem leztern ist, wo möglich, ein elegantes Cabinet. Mit dem ersten oder zweiten Salon verbindet sich nach dem Hofe zu ein Speisezimmer für 20 bis 24 Personen, und mit diesem ein Zimmer zum serviren, wohin die Speisen durch einen geheimen Gang aus der Küche gebracht werden. An das Speisezimmer kann ein größerer Speise- oder Tanzsaal, 45 bis 50 Fuß lang, und an denselben, wo der Hofraum es erlaubt, in dem nämlichen Flügel oder Quergebäude, ein großer Saal, zum soupiren, oder zum tanzen, wenn dem Ball kein Souper folgt, angränzen. Daß hinter diesen Sälen etc. ein Corridor, an der Seite des Nachbars Hauses, sey er auch dunkel, laufen muß, versteht sich von selbst. Bei dieser Beschreibung hat man ein Haus von 11 bis 13 Fenstern Hauptfronte (110 bis 130 Fuß rheinl.), und 50 Fuß Tiefe im Hauptgebäude, nebst gehörigen Hintergebäuden angenommen; mit einem Rés de Chaussée von 13 Fuß, und einem Hauptgeschoß von 15 Fuß, und einem Halbgeschoß von 11 Fuß Höhe im Lichten. – Die 2 Hauptsäle im Flügel mögen resp. 18 und 20 Fuß Höhe erhalten, der Häuser, welche ohngefähr auf diese Art eingerichtet sind, gibt es gar viele, man hat also kein bestimmtes Haus bei dieser Beschreibung vor Augen gehabt.

Das Schlafzimmer der Frau vom Hause muß allerdings groß (tief), und mit einem Alcoven versehen, letzterer aber um vieles größer seyn, als Hr. V. verlangte. Zwei Betten erfodern allein 7 Fuß Länge, und 7 Fuß Tiefe, = der Alcoven |233| muß also mindestens 13 Fuß lang, und 9 Fuß tief seyn. Mag dann noch an jeder Seite ein Pfeiler von 4 Fuß bleiben, so wird die Länge des Schlafzimmers 21 bis 22 Fuß, seine Tiefe aber inclus. des Alcovens 28 Fuß betragen, die Höhe (es liegt im Flügel) ist 14 Fuß (der Leibstuhl kommt in ein Seiten-Cabinet neben dem Alcoven – in einen der Pfeiler). – Das Palais von 160 Fuß Länge und 60 Fuß Breite, welches Hr. V. beschreibt (S. 312. 313), hat eine ganz ausser gewöhnliche Größe, und ist fast zu groß für jeden Nicht-Fürsten, möge seine Würde im Staate noch so groß seyn; doch will ich hierüber nicht streiten, daß aber der große – durch zwei Stokwerke gehende Saal in der Mitte des Hauptgebäudes liegt, das ist in jeder Hinsicht ein großer Baufehler; man findet es freilich so nicht selten in den Berliner Hotels, aber zur großen Unbequemlichkeit der Bewohner!

Was die Festigkeit und eigentliche Konstruktion eines solchen Hauses betrifft, so möchte das Verrücken der Wände gar nicht zu gestatten seyn, es muß immer Wand auf Wand stehen, bloß mit Ausnahme ganz leichter Bretter- oder Fachwerkswände, ohne Ausmauerung der Fächer, auf beiden Seiten schräg mit Brettern bekleidet, welche, auf bekannte Art als Sprengwerke verbunden, und gegen die Seitenwände, zwischen welchen sie stehen, aber nicht nach unten drücken und lasten, deshalb kommen die kleinern Zimmer in das Erdgeschoß, die größern in das erste Stokwerk. – Findet man die Zimmer im obern Halbgeschoß zu groß, so theile man sie durch leichte Wände der beschriebenen Art, nach der Tiefe, d.h. senkrecht auf die Hauptfronten. – Alle Kamine müssen vom Grunde des Kellers, bis auf den Hausboden senkrecht aufsteigen, oder in der massiven Mittelwand, wenn diese stark genug dazu ist, geschleift werden. Auf dem Hausboden kann man denn die Schornsteine, sey es der Symetrie willen, oder aus andern Gründen zusammen wölben, oder auf Gewölben schleifen; nie darf es auf Holz geschehen. – Zu dem, was Hr. V. S. 316 und 317 über das Rauchen der Kamine sagt, mögen noch einige Zusäze erlaubt seyn. In Städten rauchen zuweilen fast alle Kamine, deren Röhren nicht eben so hoch sich erheben, als die Forsten der nahe liegenden Häuser; diesem Uebel ist selten anders ganz abzuhelfen, als durch das Erhöhen der Schornsteine, soviel es möglich ist. – Jedes Kamin muß besonders abgeschlossen seyn, und zwar unmittelbar unter dem Punkte, wo der Rauch des oder der Oefen (Küchen, Kessel etc.), für welche er dient, in ihn eintritt. Dieses Abschließen geschieht durch einen eisernen Rahmen, auf dessen Stäbe flache Dachsteine (Biberschwänze) |234| doppelt in Lehm gelegt werden; d.h. wo das Kamin so weit ist, um dieses zu erfordern, in der Mitte bleibt eine Oeffnung von etwa 16 Zoll □ mit einer genau schließenden eisernen Thür, welche beim Oeffnen des Wirbels, herunter (in das Einheizloch oder Vorkamin, Vorgelege etc.) schlägt, und an ihren Haspen hängen bleibt, diese wird nie geöffnet als zum Einsteigen des Schornsteinfegers. Ein so abgeschlossenes Kamin raucht niemals (ausser durch äußern Widerstand des Windes, wenn höhere Gegenstände ihn aufhalten), weil keine kalte Luft von unten einströmen kann: bei jeder Küche ist dieses unerläßlich. Zum Abführen der Dämpfe aus derselben dient ein neben dem Rauchkanal liegender, durch eine Zunge von ihm getrennter, Dampfkanal, 18 Zoll tief, 4 Zoll breit, mit einer leicht zu regierenden Klappe. Zu S. 320. 321 erlaube ich mir, der für Gesellschafts- und Schlafzimmer vortrefflichen Berliner Kaminöfen, von weiß glasurten Fayencekacheln, zu erwähnen. Das Kamin von Gußeisen dient als gewöhnliches offenes Kamin, heizt aber zugleich einige Züge im Ofen. Der eigentliche Ofen wird von aussen, oder im Zimmer an der schmalen Seite, geheizt; so daß man den Ofen ohne das Kamin, und lezteres ohne den Ofen, oder beide zugleich heizen kann. Das Ganze ist nur wenig größer als jeder gewöhnliche Ofen von Töpferkacheln.

Abtritte sollten in herrschaftlichen Wohnhäusern nirgend sonst geduldet werden, als auf dem Hofe, für das Gesinde, über der Dunggrube des Pferdestalls. Selbst in Kasernen, Arbeitshäusern u. dgl. müßten sie nie in den Gebäuden, und nie anders als ganz unten, abgesondert von dem Wohngebäude – angelegt werden. Wollte man dagegen einwenden, es sei leichter dieß zu fordern als es auszuführen, so läßt sich darauf antworten, daß die Ausführung weder sehr kostbar noch schwierig, der Gegenstand aber einiges Aufwandes werth ist. In Lazarethen, Hospitälern, Kriminalgefängnissen und Straf- oder Zuchthäusern, werden allerdings Leibstühle (von Gußeisen mit Eimern von Zinkblech) nicht ganz entbehrt werden können; das Ausleeren der leztern aber, welche natürlich in doppelter Zahl vorhanden seyn müssen, in eine dazu besonders vorbereitete, gehörig entfernte, und über der Erde angelegte Dungstelle, kann durch sehr einfache mechanische Vorrichtungen sehr erleichtert werden.

In neu erbaueten herrschaftlichen, und in allen Häusern, welche nur von einer Familie (aus den wohlhabendern Klassen) bewohnt werden, sollten die s. g. Water Closets (Lieux à l'Anglaise) nie fehlen. Jeder Baumeister weiß, wie leicht und wie wohlfeil sie beim Neubau anzulegen |235| sind, und daß das Füllen der Zisterne auf dem Dachboden, wenn der Regen ausbleibt, bei nicht zu hohen Häusern, durch ein Druckwerk nicht sehr kostbar ist. Fast jedes nur einigermaßen gut gebauete englische Landhaus hat seine Water-Closets, und eine s. g. forcing pump, beide werden auch in Hamburg von J. Peat sehr gut gemacht, sowohl feststehende als tragbare. Bei ältern Gebäuden muß man sich mit leztern begnügen. Will man auch dieses nicht, sondern die gewöhnlichen Leibstühle beibehalten, so werden folgende Regeln mit Nuzen anzuwenden sey.

1) Man stelle den Leibstuhl, wie sich ohnehin von selbst versteht, in ein besonderes Kabinet, und wo möglich neben eine Schornsteinröhre. Aus dem mit Zinkblech ausgeschlagenen Kasten oder Stuhl lasse man, gleich unter dem Sizbrett, eine Knieröhre von 2 à 3'' im Diameter aus, und unter einem Winkel von 45° in den Schornstein treten; wenigstens haue man oben, einige Zoll von der Zimmerdecke herunter, ein Loch mit beweglicher Klappe in den Schornstein, und öffne leztere von Zeit zu Zeit; dieses Mittel wird, solange der Schornstein erwärmt ist, fast allen Geruch abziehen. Die Eimer müssen von Fayence oder Zinkblech, nie von Kupfer seyn.

2) Man lege an passenden Stellen, in s. g. todten Winkeln, und immer an einem Corridor, so versteckt es nur seyn kann, einige vertikale Röhren von gezimmerten Holze mit Brettern verkleidet, also Schachten, die aus dem Keller bis über die obersten Balken reichen, von 3 Fuß □ an, mit Thüren in jedem Stockwerke. In jedem dieser Schachte bewegt sich ein passender Kasten oder dergl. durch eine einfache Winde auf und nieder, und dient sowohl zum Herablassen der auszuleerenden Eimer, des Auskehrichts, der Asche u.s.w. als auch zum Heraufziehen des nöthigen Feuermaterials, Wassers u. dgl., – so daß von allem diesen nichts über die Treppen kommt. Ein solcher Schaft findet sich z.B. im herzoglichen Schlosse zu Wörliz, auch sieht man dort eine zweckmäßige Handdruck-Pumpe im Keller, die das Wasser auf den Boden treibt. Dergleichen Druckwerke, welche zugleich das Bad, den Stall, die Küche und das Waschhaus versorgen, und als sehr wirksame Schlauchsprüzen bei entstehendem Feuer dienen, weßwegen im Hofe, und nicht im Keller stehen, findet man in Berlin nicht selten, z.B. in dem Hotel des auswärtigen Departements; und ihre Zahl vermehrt sich alljährlich.

|236|

Zusaz von dem k. b. Kreisbau-Inspektor Voit.

Der anonyme Hr. Recensent meines Aufsazes: »die innere Einrichtung der Wohngebäude betreffend«, macht darüber Bemerkungen, die Sachkenntniß beweisen, und mir daher willkommen sind; denn alles, was zu meiner Belehrung dient, nehme ich mit Dank und Vergnügen auf.

Der Herr R. beschreibt die innere Einrichtung eines Wohngebäudes für einen großen Herrn, wie man sie in Norddeutschland antrift, und womit mich meine Reisen, vorzüglich ein langer Aufenthalt in Berlin, genau bekannt gemacht haben.

Nehmen wir, wie Hr. R. selbst will, Rücksicht auf Landessitten und Gewohnheiten, so ist zu bemerken, daß man in Süddeutschland nicht gerne zur ebenen Erde wohnt. Es beliebt wohl zuweilen dem Herrn vom Hause zur Verrichtung verschiedener Geschäfte einige Zimmer im Res-de-Chaussee einzunehmen; aber selten findet man sein ganzes Appartement daselbst. Ich mußte nach dem Willen des Bauherrn mich richten, und ich habe in meinem Aufsaze Seite 313 ausdrüklich gesagt, daß ich meine Beschreibung keineswegs als Grundregel zur Entwerfung eines Bauplans angesehen wissen wolle, und daß örtliche Verhältnisse eine andere Eintheilung verlangen würden.

Die übrigen Bemerkungen des Hrn. R. sind großentheils von der Art, daß sie in der Hauptsache meinen Angaben nicht widersprechen. So verlangt z.B. Hr. R., daß die Haupttreppe geheizt und mit Glaswänden eingeschlossen werden soll. Eine solche Einrichtung mußte ich wohl der Treppe geben, wenn ich anders darauf bedacht seyn wollte, daß alle Gange geheizt werden könnten. Welchen Nuzen aber eine gleich neben der Haupttreppe angebrachte, verborgene Nebentreppe für Bediente haben soll, das kann ich noch nicht einsehen. –

Ein Escalierdérobé führt in einen besondern Gang, in ein Schlafzimmer u.s.w. Aber wozu zwei Treppen nebeneinander? – In einiger Entfernung von der Haupttreppe kann eine Nebentreppe einen doppelten Zweck erfüllen.

In dem von mir beschriebenen Gebäude sind die beiden Appartements in der Bel-Etage, welche das erste Stokwerk ausmacht. Das zweite Stokwerk hat einen großen Saal in der Mitte, welcher durch zwei Stokwerke geht. Durch diesen Saal wird also im zweiten Stockwerk nichts unterbrochen, und es entsteht nicht die entfernteste Unbequemlichkeit daraus. Daher kann hier von einem Baufehler |237| die Rede nicht seyn. Unter andern Umständen finde auch ich in einem Saal in der Mitte fehlerhaft, wenn er ein Stockwerk unterbricht, das zu einer beständigen Wohnung bestimmt ist. Das 3te Stockwerk wird nicht ganz unterbrochen; denn die Zimmer zur linken und rechten Seite des Saals werden durch einen Gang verbunden. Uebrigens sind diese Zimmer bloß zu Gastzimmern angelegt, welche Hr. R. entbehrlich findet, die aber im gastfreien Süddeutschland keinem solchen Hause fehlen dürfen.

Ueber die Höhe eines Hauses von 3 Stockwerken mit einem Res-de-Chaussee wundert man sich hier nicht; denn beinahe alle angesehene Häuser haben so viele Stockwerke.

Ich erinnere dieses mit der Bitte an meinen Hrn. Recens. in ähnlichen Fällen seine Bemerkungen mitzutheilen, damit solche wichtige Gegenstände der Architektur von mehr als einer Seite beleuchtet werden.

Möchte es auch Hrn. R. gefallen, Aufsäze über verschiedene andere technische Gegenstände, über Erfindungen Fabrikate und Fabrikationen in dem nördlichen Deutschlande dem polytechnischen Journal zukommen zu lassen, um dadurch einen wissentschaflichen Wechselverkehr zwischen Süd- und Norddeutschland einzuleiten.

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