Titel: Ueber den Bau der Möhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. XLIV. (S. 314–345)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004044

XLIV. Ueber den Bau der Möhren. Von dem Sekretäre des Ackerbau-Büreau's, auf Befehl dieses Büreau's.

(Aus Tilloch's Philosophical Magazine et Journal. N. 272. December 1820. S. 416. Im gedrängten Auszuge übersezt 107)).

I. Kap. Klima.

Da die Möhren (gelbe Rüben, Daucus Carotta L.), bekanntlich in Schottland mit vielem Vortheile gebaut werden, so unterliegt es keinem Zweifel, daß auch das Klima in jeden Theile von England ihrem Baue nicht entgegen seyn kann.

II. Kap. Boden.

Der beste Boden für Möhren ist ein fruchtbarer tiefer Sandboden. In dem eigentlichen Möhren-Lande in Suffolk ist der Boden ein rother Sand, der nicht mehr Zusammenhang besizt, als nöthig ist um kleine Klümpchen zu bilden, welche bei der leichtesten Berührung sich zerbröckeln. An diesem Sandboden gewinnt man zwischen 500 und 700 Bushel auf Einem Acre108), und zuweilen noch mehr; masäet aber auch auf ärmeren Gründen Möhren, die nur 200 Bushel auf dem Acre tragen, und beschränkt sich nicht bloß auf Sand, sondern benüzt auch, nach einem allgemein angenommenen Grundsaze, jeden trockenen Lehmboden, der Turnips bringt, welche die Schafe fressen mögen, auf |315| Möhren. Ich baute diese Wurzel mehrere Jahre lang im Großen mit Vortheile auf Turnips-Lehmboden, und selbst auf solchem, der zu naß war, als daß die Schafe bei ungünstiger Jahreszeit die Turnips hätten abweiden können. Die Möhre fordert auch keine besondere Tiefe, da ich bei gewöhnlichem Pflügen mit nur sechs Zoll Tiefe sehr große Stücke zog; die Wurzeln hatten zwar nicht immer schönes Ansehen, waren aber als Futter eben so gut, als die übrigens schönsten Stücke. Sie gediehen sogar auf trocken gelegten Sumpf-Mooren und anderen Torf-Gründen. Es ist von hoher Wichtigkeit, daß man das Vorurtheil, als ob Möhren nur auf Sand-Gründen gebaut werden können, allgemein verbanne, indem es Thatsache ist, daß sie auf jedem trockenen Boden gedeihen.

III. Kap. Wechsel im Baue.

Der Wechsel im Baue ist von der höchsten Wichtigkeit; von ihm hängt großen Theiles der glückliche Ertrag der Ernte ab. Die größten, erfahrensten und glücklichsten Pächter in Suffolk, in dem Möhren-Lande, halten Turnips109), die von Schafen abgeweidet wurden, für den besten Vorbau auf Möhren; nach diesem hält man, so wie es auch meistens wirklich geschieht, es für das Beste, die Möhren in Gerstenstoppeln zu säen, nachdem nämlich Gerste, jedoch ohne alles Gras, auf Turnips unmittelbar gebaut wurde. Da die Gerste nur eine kurze Zeit über auf dem Grunde stehen bleibt, und dieser durch Pflügen dazu gehörig vorbereitet und auf Turnips gedüngt wurde, da er ferner, indem die Schafe die Turnips abweideten, dadurch nur noch verbessert wurde, so sieht der Acker nach der Gersten-Ernte ganz in gehörigem Stande um Möhren in denselben zu |316| bauen. Folgende Arten von Wechsel werden also sehr vortheilhaft befunden werden:

1. Turnips. 4. Kiee.
2. Möhren. 5. Weizen.
3. Gerste.
Auch 1. Turnips. 4. Gerste.
2. Gerste. 5. Klee.
3. Möhren. 6. Weizen.

Wenn der Boden lehmig ist:

1. Turnips. 5. Weizen.
2. Möhren. 6. Bohnen.
3. Gerste. 7. Weizen.
4. Klee.
Auch 1. Turnips. 5. Bohnen.
2. Möhren. 6. Weizen.
3. Gerste. 7. Winter-Wicken.
4. Klee. 8. Gerste oder Weizen.

Es gibt auch Pächter in Suffolk, wie auch in Schottland, welche durch vier bis fünf Jahre ununterbrochen auf demselben Grundstücke Möhren bauen. Man hat öfters Möhren mit hohem Ertrage nach dem ersten Umpflügen eines Landes, das drei bis 7 Jahre lang ruhte, in dasselbe gesäet. Ein trefflicher Pächter in Suffolk, der sehr armen Sandboden hat, säet seine Möhren als erste Ernte in den Umbruch einer Ray-Gras-Wiese (Quecken, Triticum repens oder jezt Agropyrum repens), Wiese, die drei Jahre lang ruhig lag, und erhält reine und gute Ernte.

Man hat bisher ziemlich allgemein den Fehler begangen, daß man Möhren nach Weizen baute: ein sehr schlechtes Verfahren. Weizen steht so lang auf dem Felde, daß in seinen Stoppeln weit mehr Unkraut, als in jenen der Gerste vorkommt, wodurch die Kosten des Behackens sehr vergrößert werden. Hr. Burrows in Norfolk erwähnt einer Möhrensaat |317| in Weizenstoppeln, wo der Weizen nach Erbsen gebaut wurde, und diese Erbsen kamen auf einen Grund, der zwei Jahre lang ruhte: bei einem solchen Wechsel darf es nicht befremden, wenn das Unkraut so sehr überhand nahm, daß man dasselbe durch Schafe mußte abweiden lassen.

IV. Kap. Pflügen.

Die Landleute in Suffolk pflügen den Acker auf Möhren, einer Reihe von Erfahrungen zu Folge, nur ein mal, und zwar unmittelbar vor dem Säen. Sie pflügen so tief wie möglich, indem ein Pflug dem anderen in derselben Furche folgt, was indessen durch Hrn. Ducket's Rigol- oder Reinigungs-Pflug (Skim-Coulter-plough) weit besser geschehen kann. Ein häufig in vielen Gegenden des Königreiches begangener Fehler, in welchen auch ich verfiel, als ich Möhren zu bauen anfing, ist der, daß man zwei mal, im Herbste und später noch einmal im Frühjahre, den Acker umpflügt, wodurch Unkraut und Kosten zugleich vermehrt werden. Ich habe bei Zeiten Hrn. Burrows in Norfolk über dieses sein Verfahren Vorstellungen gemacht, und er gestand endlich seinen Fehler. Hr. Billing blieb indessen bei demselben stehen, und fuhr auch noch fort die Möhren in Weizenstoppeln zu bauen: die Folge hiervon war, daß er den Möhrenbau gänzlich aufgab.

Eine Vorsichts-Maßregel müssen wir jedoch hier noch empfehlen. Wenn die Möhren in ein Land gebaut werden, welches vorher noch nicht bis zu der für Möhren nothwendigen Tiefe gepflügt worden ist, wird die Oberfläche bis zu der gewöhnlich umgeworfenen Tiefe rein seyn: wenn man aber diese leztere durch tieferes Pflügen vergrößert, so kann man ein sehr unreines Feld erhalten: es wird daher eine nothwendige Maßregel, wenn man Möhren nach Turnips, oder Gerste nach Turnips baut, im Herbste auf die Turnips neun |318| Zoll tief zu pflügen, damit, wenn durch tieferes Pflügen Unkraut entsteht, dieses im Turnips-Jahre wieder zerstört wird. Diese Tiefe ist für Turnips eben so zuträglich, wie für Möhren.

V. Kap. Düngen.

Der einzige Dünger, den man in Suffolk auf Möhren anwendet, ist der bereits erwähnte, welchen man zu den vorbereitenden Turnips braucht; säet man die Möhren in ausgeruhtes Land, so ist es eben soviel, als ob man gedüngt hätte. Der Vortheil bei dem Baue der Möhren besteht eben darin, daß man sie ohne Dünger erzielen kann, während jede andere Zwischen- oder Brachernte (fallow-crop), mit Ausnahme der Winter-Wicken, der Erbsen und des Brachweizens, Dünger fordert. Möhren düngen wollen, würde also, wie wir unten zeigen werden, sehr gefehlt seyn. Hr. Burrows erwähnt in seiner lezten Mittheilung an das Büreau zweier Möhrenernten, die er in Weizenstoppeln säete, die eine mit, die andere ohne Dünger: leztere kostete ungefähr 10 Schillinge weniger für Behacken auf jedem Acre als die erstere.

VI. Kap. Bauzeit.

In dem Möhrenlande in Suffolk pflegt man allgemein um den 25. März zu säen: man versuchte andere Bauzeiten, Erfahrung zwang aber die Möhrenbauer, sie bald wieder aufzugeben. Schon vor vierzig Jahren sagten mir die Sandgärtner in Bedfordshire, die eine große Menge Möhren bauen, daß der Frauentag auch ihre Saatzeit wäre. Hr. Billing versuchte später zu bauen, und litt dadurch viel an seiner Ernte.

VII. Kap. Same u. Einweichen desselben.

Ueber diesen Punkt gibt es mehr Abweichungen als über jeden anderen. Einige rechnen drei Pfunde, andere vier; in |319| Suffolk nimmt man gewöhnlich fünf: Hr. Burrows zu Norfolk säete acht, zulezt zehn Pfund110). Auf fruchtbarem trockenen Sandboden braucht man weniger als auf Lehmen: ich selbst baute bei mir 5 Pf., habe aber Grund zu vermuthen, daß 6, 7, 8 Pf. besser gewesen seyn würden: die Kosten des Behackens werden jedoch mit der Menge des Samens zunehmen. Auswahl des Samens ist eine höchst wichtige Sache. Der Same muß immer frisch seyn, da alter Same stets um eine Woche später aufgeht, wodurch las Behacken erschwert wird. Guter Same muß, wenn er in der Hand gerieben wird, angenehm aromatisch riechen. Sorgfältige Möhrenwirthe weichen ihn auf 48 Stunden in Wasser, und Hr. Burrows mengt ihn in gleicher Absicht eine Woche lang gut mit Erde durch. Es ist durchaus nothwendig, die Hacken an diesem Samen zu brechen, durch welche er sich so leicht an einander hängt, zusammenballt, und selbst so schwer zu säen wird. Einige drücken ihn in dieser Hinsicht wiederholt durch ein Drahtsieb; andere klopfen ihn mit Dreschflegeln; der Erfolg hiervon mag seyn, welcher er wolle, man muß trachten, diesen Zweck auf irgend eine Art zu erreichen, da unter allen Samen keiner so schwer zu säen ist, wie dieser. In jedem Falle muß man dafür sorgen, daß die Möhren bei windstillem Wetter gesäet werden, sonst ist an keine gleichförmige Vertheilung der Samen zu denken. Ich hielt mir Woodbridger-Säeleute, die ungefähr 30 (engl.) Meilen weit herkamen, zur Saat; da sie aber auf den Wind nicht gehörig Rücksicht nahmen, konnte ich den Fehler bei der Ernte gar bald deutlich wahrnehmen.

VIII. Kap. Saat in weitem Wurfe.

In Suffolk säet man allgemein in weitem Wurfe, und die Pächter leben so sehr der Ueberzeugung, daß dieses Verfahren |320| das beste ist, daß sie vom Drillen durchaus nichts hören wollen. Sie glauben, die Wurzeln dürften nicht weiter als neun bis zehn Zoll von einander stehen, wodurch, ihrer Meinung nach, das Drillen unmöglich wird.

IX. Kap. Drillen.

Man hat in verschiedenen Gegenden des Königreiches Versuche über das Drillen der Möhren angestellt, einige derselben mit, andere aber ohne Erfolg. Hr. Ray aus Suffolk erhielt wiederholt Ernten von 650–700 Bushel auf Einem Acker, indem er die Samen 14 Zoll weit legte. Hr. Hewitt in Yorkshire hatte 640 Bushel bei zwölf Zollen. Hr. Legrand in Kent drillte eilf Zoll weit, und erhielt zwischen zwanzig und dreißig Tonnen111) von Einem Acre: zwanzig Tonnen sind 800 Bushel. Zu Wolverlei in Worcestershire hat man Einen Fuß weit gedrillt, und fünfzehn Tonnen oder 600 Bushel von einem Acre erhalten. Hr. Butterworth in Schottland drillte seine Möhren gleichfalls Einen Fuß weit, und bekam 13 3/4 Tonnen auf einem schottischen Acre112). Ich habe eine Uebersicht mehrerer mißlungenen Versuche vor mir; da sie aber zu keinem brauchbaren Resultate führen, so begnüge ich mich mit der Bemerkung, daß, wenn irgend eine Verfahrungsart durch Versuche als vortheilhaft erwiesen wurde, Gegenversuche, welche mißlingen, nicht viele Achtung verdienen; wir sind dabei immer berechtigt zu vermuthen, daß bei diesen Gegenversuchen, so schwer es auch seyn mag, die Ursache ihres Mißlingens zu entdecken, weil das Detail derselben nicht umständlich genug |321| angegeben ist, in weiterem Verlaufe derselben etwas versehen worden seyn müsse. Es ist einmal durch Erfahrung erwiesen, daß Möhren, wenn sie gedrillt werden, sehr gut gedeihen, und wir wissen aus einer noch mehr im Großen gemachten Erfahrung, daß sie eben so gut im weiten Wurfe gedeihen. Die Hauptsache bei diesem Puncte ist zu bestimmen, unter welchen Umständen, und in welcher Lage die eine oder andere dieser beiden Arten zu säen den Vorzug verdient. Wo man das Behacken der im weiten Wurfe gesäeten Saat als gewöhnliche Wirthschaft treibt, und gehörig verrichtet, da läßt sich nichts gegen den weiten Wurf einwenden; wo man aber das Behacken nicht recht versteht, und die Leute erst in demselben unterrichtet werden müssen, da verdient gewiß das Drillen den Vorzug, indem das Reinigen und Reihen der Pflanzen, nachdem die Männer die Zwischenräume behackt haben, leicht durch Weiber und Kinder geschehen kann. Man muß aber ja nicht glauben, daß die Auslagen auf diese Weise vermindert würden; sie werden im Gegentheile höher laufen, als das Behacken des weiten Wurfes in Suffolk, bis nämlich die Weiber und Kinder die drei- bis vierzölligen Hauen mit kurzen Handgriffen führen gelernt haben. Zwei bis drei mal müssen die Möhren schnell nach einander behackt werden; damit die Pflanzen so regelmäßig als möglich in einer Entfernung von 8–9 Zoll reihenweise zu stehen kommen; später bedarf es nicht mehr Aufmerksamkeit, als gewöhnlich nöthig ist, um alles Unkraut auszurotten. Wer immer das Jäten und Behacken der Möhren aus Erfahrung kennt, dem müßte es an aller Aufmerksamkeit gebrechen, wenn er nicht die unerläßliche Nothwendigkeit der bereits erwähnten drei Puncte einsehen sollte: 1. Möhren nur auf reines Ackerland nach Turnips oder nach Gerste, die nach Turnips gebaut wurde, zu säen; 2. daß |322| man die Möhren nicht düngen, und 5. daß man nur ein mal für sie pflügen dürfe.

Die Schwierigkeit Möhren-Samen zu drillen ist so groß, daß man bedauern muß, daß noch keine Gesellschaft oder Auctorität einen Preis für eine Maschine ausgeschrieben hat, durch welche diese Arbeit mit Genauigkeit verrichtet werden könnte: ich meine nicht ein Prämium von 10, 20 oder 30 Pfund Sterling, sondern einen Preis, welcher die darauf gewendete Zeit und das Genie belohnt. Ich glaube, daß die beste bisher bekannte Methode jene des Hrn. Honeyburne ist, welcher Sägespäne so genau als möglich mit dem Samen vermischte, und mit den Weizenbechern in Cooke's Maschine drillte: die Entfernung der Reihen ist Ein Fuß.

X. Kap. Pflege während des Wachsthumes.

§. 1. Jäten.

In dem Möhrenlande von Suffolk wird mit der Hand nur durch Weiber gejätet, die zuweilen auf das Feld geschikt werden, um jenes Unkraut auszureißen, welches der Handhaue entging; und selbst dieß ist nicht immer nöthig. Gewöhnlich dingt man Männer, die bei dem Behacken zugleich alles Uebrige, was da nothwendig ist, besorgen. Wenn man aber Möhren in Gegenden drillt, wo man in dem Behacken nicht sehr geübt ist, da gehört das Jäten und verdünnen zu denjenigen Operationen, welche viele Aufmerksamkeit erfordern: es muß dann durch Weiber verrichtet werden, welche man nach dem Tage bezahlt, und Männer mit den Hauen müssen unmittelbar nach ihnen zu Felde geschikt werden. Nachdem das Verdünnen und Ausspäten hinlänglich vollendet worden ist um die Pflanzen rein und in Ordnung dastehen zu lassen, müssen die Weiber während des Sommers wiederholt hinausgeschikt werden, um alles Unkraut, das sich wieder |323| neu zeigt, und alle Möhren, die in Samen ausgewachsen sind, auszureißen.

§. 2. Behacken mit der Hand.

In dem so oft angeführten Möhrenlande wird das ganze Geschäft des Verdünnens und Reinigens der Möhren allgemein durch Arbeiter verrichtet, welche man nach dem Acre unter der Bedingung bezahlt, daß sie nach dreimaligem Behacken mit der Hand das Möhrenfeld rein und im gehörigen Zustande herstellen: vor dreißig bis vierzig Jahren geschah dieß um 18 Shilling für jeden Acre; gegenwärtig muß man 25–28 Shillings dafür bezahlen. Hr. Burrows bemerkt in seiner ersten Mittheilung, »daß das erste Behacken mit Hauen, die vier Zoll lang und 2 1/4 breit sind, das zweite aber mit Hauen, die sechszöllig, und 2 1/4 Zoll breit sind, zu geschehen habe.« Die Idee, nur 2 1/4 Zoll breite Hauen zu haben, damit weniger Erde über das abgehauene Unkraut aufgezogen werde, ist sehr nüzlich, und verdient Befolgung.

In Suffolk behackt man das Feld, wenn es wohl besäet und rein ist, mit Einem male mit sechszölligen Hauen. Wenn das Feld gedrillt wurde, so sollten die Zwischenräume, die wir Einen Fuß breit annehmen, zuerst mit sieben, acht oder neunzölligen Hauen behackt werden, je nachdem genau gedrillt wurde, und die Arbeiter geschikt sind; dann können die Weiber jäten, und die Reihen verdünnen, welche später mit vier- oder fünfzölligen Hauen behackt werden müssen. Was die Wiederholung dieser Operation betrifft, so steht hierüber eine auf alle Möhrenfelder, sie mögen gedrillt oder mit breitem Wurfe bestellt seyn, passende Regel fest: diese Operation muß so oft wiederholt werden, als es nöthig ist, um das Feld durchaus rein zu halten; kann dieß um 20 Shill. geschehen, gut; ob aber 30 oder 40 Shill. nöthig sind, |324| darüber muß man wohl mit sich zu Rathe gehen, um das Werk gehörig zu vollenden.

§. 3. Behacken mit Pferden.

Man hat einige Versuche gemacht, die Möhren mit Pferden zu behacken, und wenn irgend ein Landwirth diese Wurzeln auf einem nicht für denselben geeigneten Boden, der tiefe Furchen fordert, um denselben troken zu legen, ziehen will, so kann dieses Verfahren nothwendig werden: allein solche Fälle verdienen nicht, daß man sie besonders bemerkt.

§. 4. Mähen der Spizen (Serpen).

Man hat Versuche bekannt gemacht, welche beweisen sollen, daß man die Spizen einer Möhrensaat abmähen, und damit eine Herde mit bedeutendem Vortheile füttern könne, ohne daß die Wurzeln dabei Schaden litten: allein wir haben auch die Resultate von Gegen-Versuchen, welche mit großem Fleiße, und mit vieler Aufmerksamkeit gemacht wurden, vor uns liegen, durch welche erwiesen wird, daß dieses Verfahren höchst verderblich ist: es muß daher nothwendig verworfen werden.

XI. Kap. Ausziehen.

In Suffolk läßt man die Möhren im Grunde, und nimmt sie im Winter heraus, so wie man sie eben nöthig hat: so verfuhr auch Hr. Billing und Hr. Burrows, und so werden wahrscheinlich alle verfahren, die Möhren im Großen113) bauen. Die Wurzeln bleiben vor dem Froste gesichert. Doch dieß ist ein Grund mehr gegen das Abmähen der Spizen: indessen erfordert es die Vorsicht, daß man einen hinlänglichen Vorrath unter Dach habe, im Falle daß ein Frost am Ausziehen derselben hindern sollte. Die |325| Weise, wie man die Wurzel ausnimmt, ist diese: ein Mann sticht mit einer Schaufel oder mit einer vierzackigen Gabel gegen die Wurzel hin in die Erde, lockert sie auf, und ein Knabe zieht sie heraus, schneidet die Spizen weg, und wirft die Möhren auf Haufen zum Heimfahren mit den Karren. Die Kosten des Ausziehens sind nach dem verschiedenen Boden verschieden, und betragen etwas mehr als einen Farthing bis zu einem Halfpenny oder einem Penny114) für das Bushel, da in Lehmgründen das Reinigen der Wurzel die Arbeit sehr erschwert, auch der Mann dieselbe nicht so leicht herausbringt. Hr. Billing pflügte sie aus, eggte das Land, und ließ die Möhren von den Schafen fressen: auf diese Weise kostet zwar das Ausziehen nichts; allein dieses Verfahren fordert viele Aufmerksamkeit, und ist im Ganzen genommen minder empfehlenswerth.

Das Einfahren verursacht eine neue Ausgabe, welche, nach den verschiedenen Berechnungen des Hrn. Burrows von 6D.–14 D. auf eine Last von 20 Bushel stieg. Bei Hrn. Rodwell betrug sie 13 1/2 D.; bei Hrn. Brower 22 1/2 D.; allein lezterer fügt seiner Post: Heimfahren, ein etCaetera bei, worunter wahrscheinlich die Ausgabe zu verstehen ist, welche das Aufschichten der Möhren in einer kleinen Scheune verursacht. Diese Ausgabe hängt nothwendig von der Entfernung des Feldes vom Hause ab: man rechnet eine einspännige Fuhr zu 20 Bushel; und ich nehme daher die Auslage bei einer dreiräderigen (Tumbril) Wagenladung von 40 Bushel als doppelt so groß an.

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XII. Kap. Aufbewahren.

Wenn der Boden des Möhrenfeldes trockener Sand ist, so ist es besser die Möhren auf dem Felde zu lassen, indem die Wagen und Karren auf einem solchen Acker den ganzen Winter über ohne Nachtheil zufahren können: ganz anders ist es aber auf Lehmgründen, wenn diese auch hinlänglich trocken sind, um Möhren tragen zu können, nicht aber schwer beladene Karren im Winter. In diesem Falle müssen die Möhren an einem trokenen Wintertage ausgenommen, und die ganze Ernte muß zu Hause zum Bedarfe aufgespeichert werden. Man hat mehrere Methoden versucht dieß zu bewerkstelligen, kann sich aber indessen nicht bergen, daß sie in mehreren Fallen mißlangen. Wo Erdäpfel gegen Frost sicher sind, da kann man diese auch mit Sicherheit aufbewahren; dieß ist aber nicht der Fall mit den Möhren, einer Wurzel, welche mehr in Gefahr ist sich zu erhizen und zu faulen, als zu erfrieren. Ich habe selbst verschiedene Methoden angewendet, und die Verfahrungsweisen anderer erfahrner Pächter gesehen; die besten und brauchbarsten hiervon sind Folgende: bei dem Ausnehmen der Möhren sollen die Knaben die Haufen derselben klein und lieber etwas loker machen, damit die Wurzeln desto leichter troknen können, und diese Haufen sollen, wenn es die Witterung erlaubt, so lang liegen bleiben, bis die Wurzeln ganz troken sind: dieser wichtige Umstand darf nie vernachlässigt werden. Wenn die Wurzeln troken sind, können sie in einem hölzernen Verschlage mit nur wenig Stroh umgeben, dicht übereinander gelegt werden. Sie können auch in einem kegelförmigen Haufen von vier Fuß Durchmesser, und sechs oder sieben Fuß Höhe aufgeschichtet werden. Wenn an der Spize eine Möhre auf zwanzig kommt, so ist man gegen den Frost hinlänglich gesichert; indessen ist eine dünne Lage von Häckerling ein noch sichereres Verwahrungsmittel gegen denselben.

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Man hat die Möhren auch mit Vortheil in Haufen, wie die Kartoffeln, aufgeschichtet, aber dünner gegen den Frost bedeckt. Man mag indessen was immer für eine Methode befolgen, so darf der Pächter nicht einen Augenblik vergessen, daß er seine Möhren mehr gegen das Erhizen und Faulen, als gegen den Frost zu schüzen hat: wenn sie trocken auf einander gelegt und gut gegen Regen verwahrt werden, und aller Dampf zwischen dem Häckerlinge leicht durchziehen kann, so werden sie sich gut erhalten. Hr. Burrows bediente sich eines Verfahrens, welches von allen übrigen ganz verschieden ist, und welches wir hier, da das Aufbewahren der Möhren ein Gegenstand von höchster Wichtigkeit bei dem Baue derselben ist, mit seinen eigenen Worten anführen wollen. »Dieses Verfahren besieht darin, daß die Möhren in großen Haufen, jeden zu fünf bis sechshundert Bushel, auf dem Felde, auf welchem sie wuchsen, aufgeschobert und mit soviel Stroh oder Stoppeln, als nöthig ist, um sie vor Frost zu schüzen, bedeckt werden. Eine dünne Lage von Stroh ist alles, was man bei jenen Haufen nöthig hat, welche man bald wird angehen müssen, indem man die Möhren nur deßwegen in Haufen aufschichtet und bedeckt, um die Hasen und Kaninchen davon abzuhalten, welche, wenn diese Wurzeln zerstreut umher liegen, großen Schaden unter denselben anrichten. Es ist wichtiger die Möhren gegen die Verheerungen dieser Thiere, als gegen die Gefahr eines leichten, oder selbst eines harten Frostes zu sichern. Die Fröste vor Weihnachten sind selten so stark, daß sie den Möhrenwurzeln einigen Schaden zufügen könnten, zumal wenn man die Haufen mit einer dünnen Schichte von Stroh oder Stoppeln bedeckt. Was den Nachtheil vom Regen betrifft, so kann ich nur soviel sagen, daß ich so etwas nicht bemerkte: denn nach einem starken Regen ließ ich alle Haufen abdecken, und sezte sie am ersten trocknen Tage der Sonne und dem Winde |328| aus, und bedeckte sie dann wieder. Einen Umstand muß ich jedoch bemerken, daß ich nämlich stets dafür sorgte, die Wurzeln rein und trocken zu haben, ehe ich dieselben auf Haufen aufschichten ließ, und auf diese Weise wurden sie durch spätere Regen nie wieder schmuzig. Da ich ferner die Haufen eine Stunde oder zwei Stunden vorher, ehe der Karren vor denselben anfuhr, abdecken ließ, so kamen die Möhren so rein in den Stall nach Hause, als ob sie vorläufig gewaschen worden wären. Jene Haufen, welche ihrer Bestimmung nach den ganzen Winter über auf dem Felde bleiben mußten, bedeckte ich ungefähr sechs Zoll tief mit Erde auf dieselbe Weise, wie man Erdäpfel aufbewahrt: diese Haufen waren meine Vorrathskammer bei recht harter Witterung, wenn alle übrigen Möhrenhaufen bereits verzehrt, und der Boden entweder bedeckt mit Schnee oder zugefroren war. Diese Aufbewahrungsweise der Möhren fand ich vortheilhafter, und weniger kostspielig als jene, nach welcher dieselben bei Hause aufgespeichert werden, sie bleiben auch süßer; denn, wenn man bei Hause zu viele über einander legt, so erhizen sie sich, machen viele Arbeit und öfters auch großen Schaden. Allem diesen wird ausserdem, daß man bedeutende Kosten erspart, dadurch glücklich vorgebeugt, daß man sie auf dem Felde aufspeichert.«

XIII. Kap. Benüzung der Möhren.

Sie läßt sich unter folgende Unterabtheilungen bringen: 1. bei Pferden; 2. bei Mastvieh; 3. bei Kühen; 4. bei Schafen; 5. bei Schweinen.

§. 1. Pferde.

Im Möhrenlande in Suffolk machten die Möhren das Hauptwinterfutter der Pferde seit undenklichen Zeiten: die ältesten Männer, die fünfzig und mehr Jahre daselbst |329| lebten, wissen es nicht anders, und der Verfasser dieses Aufsazes hat schon vor vierzig Jahren das Verfahren mehrerer Individuen bei dem Möhrenbaue beschrieben. Damals war das Möhrenland noch ein kleiner Strich Landes in der Nachbarschaft des Meeres, und die Pächter sandten einen Theil ihrer Ernte auf den Markt nach London; ein Umstand, dessen einige Schriftsteller sich bedienten, um zu erweisen, daß der Mohrenbau ohne einen solchen vortheilhaften Absaz nicht weiter ausgedehnt werden könnte. Glücklicher Weise wurde dieser Einwurf vollkommen dadurch widerlegt, daß der Möhrenbau sich in jeder Richtung, wo der Boden dazu tauglich war, verbreitete, bloß um Pferde damit zu füttern. Ich habe auf meinen landwirthschaftlichen Reisen im Königreiche die Versuche mehrerer Individuen aufgezeichnet, welche die Möhren in dieser Hinsicht eben so vortheilhaft fanden, als die Pächter in Suffolk dieselben bereits seit langer Zeit gefunden hatten.

Im J. 1763 fütterte Hr. Billing von Weasenham in Norfolk sechzehn bis achtzehn Pferde mit Möhren ohne alles Heu, und ohne allen Hafer, ausser wenn diese Thiere Korn fünfzehn Meilen weit fahren mußten, oder ihre Arbeit bei dem Gerstenbaue sich sehr vermehrt hatte. In diesen Fällen gab er den Pferden etwas Hafer als Zubiß. Zwei Fuhren Möhren ersparten ihm eine Fuhr Heu, erstere zu vierzig Bushel, leztere zu einer Tonne; diese kostete 2 Pf. Sterl., jene standen 9 D. das Bushel.

Im J. 1765 fütterte Hr. Hewitt in Yorkshire seine Pferde mit vielem Nuzen mit Möhren; sie arbeiteten wie gewöhnlich, aber ohne Hafer, und sahen eben so gut aus. Hr. Cook, aus derselben Grafschaft, fand die Möhren äußerst vortheilhaft, und schüzte sie zugleich dadurch gegen eine heftige Krankheit. Hr. Feliowes in Norfolk fütterte seine Pferde zu voller Zufriedenheit vom J. 1765 bis 1770 |330| mit Möhren. Zu Woodbridge gab man im J. 1770 ein Bushel täglich ohne alles Korn. Hr. Acton in Suffolk fütterte gleichfalls Möhren ohne Korn, und die Pferde befanden sich nie besser. Hr. Legrand in Kent fütterte wöchentlich eine Tonne Möhren bei seinen vier Pferden, und fand, daß diese Thiere nie besser aussahen; dieß gibt beiläufig 1 1/3 Bushel für jeden Tag. In Schottland erkannte man die Möhren als ein treffliches Surrogat für Hafer. In dem Buche, in welchem ich das Resultat verschiedener Untersuchungen, die ich bei Möhren-Pächtern in Suffolk im J. 1784 anstellte, aufgezeichnet habe, finde ich das Mittel der während einer Woche verfütterten gelben Rüben zu 13 Bushel ohne allen Hafer, in einigen Fällen sogar ohne alles Heu, in anderen mir der Hälfte Heues angegeben; auch daß ein Bushel täglich allen Hafer überflüssig machte. Dieß ist das Verfahren vieler gemeinen Pächter. Ein Fall ist mir vorgekommen, in welchem ein Bushel täglich, nachdem er zu Häckerlinge geschnitten wurde, nicht bloß allen Hafer, sondern sogar alles Heu überflüssig machte. Ich habe noch eine Menge Beispiele von mir, die dasselbe beweisen; ich gehe aber zu einem der neuesten Beweise, der nach einer Reihe von Jahren uns von Hrn. Burrows in Norfolk gegeben wurde, über, welcher während 6 Jahre, wovon das Jahr 1810 das lezte war, zehn Pferde mit täglich 70 Pf. Möhren fütterte, und dabei allen Hafer, und auch einen guten Theil des sonst gewöhnlich gegebenen Heues ersparte. Die Möhren kamen auf 10 1/4 D. im Bushel, das Bushel zu 60 Pf. gerechnet; während das Quarter115) Hafer 32 Shilling kostete. Im Winter 1811 fütterte er 30 Pferde mit dieser Wurzel durch 210 Tage, und gab jedem Pferde |331| täglich zwei Bushel; wenn sie sehr hart arbeiten mußten, erhielten sie für die Nacht ein wenig Heu. Die Ersparniß, welche er an Hafer und Heu hierdurch machte, war 10 1/2 D. an jedem Bushel, da die Tonne Heu 4 Pf. Sterl., und der Quarter Hafer 43 Sh. galt. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Resultate von Burrows Versuchen jene Thatsachen vollkommen bestättigen, welche ich bereits vor 30 Jahren dem Publikum vorgelegt habe.

Eine Vorsichtsmaßregel muß ich hier hinzufügen, nämlich diese, daß wenn die Wurzeln vorher gewaschen werden müssen, ehe man sie den Pferden vorlegt, man sie vollkommen trocken werden lassen muß, ehe man sie verfüttert.

§. 2. Mästen.

Im J. 1763 mästete Hr. Billing 33 Stücke Mastvieh, und hatte alle Ursache damit zufrieden zu seyn. Hr. Cope, in Nottinghamshire, fand schon vor 40 Jahren, daß Ochsen und Kühe auf eine sehr vortheilhafte Weise mit Möhren gemästet werden können. Die bei weiten wichtigsten Versuche aber, welche jemals über diesen Zweig der Möhren-Benüzung gemacht worden sind, sind jene des Hrn. Moody in Retford; er war ein Mezger, und betrieb die Mästung mit der höchsten Aufmerksamkeit. Er bauete ein höchst vollkommenes Ochsenhaus, welches aus 26 Ställen bestand, um darin die Rinder regelmäßig mit Oelkuchen zu mästen. Als er im J. 1776 nicht Oelkuchen genug erhielt, und in großer Gefahr war, daß sein Mastvieh vom Fleische fiele, gerieth er auf den Einfall Möhren zu versuchen, mit welchen er eben ein Feld bestellt hatte, und zu seinem Erstaunen fielen seine Ochsen nicht nur nicht ab, sondern wurden so feist, und bezahlten die ihnen vorgelegten Möhren so reichlich, daß er mehrere Jahre lang mit dieser Mästung zu seinem großen |332| Nuzen fortfuhr. Ein halber Acre und eine halbe Rood116) Möhren ersparten ihm zwei Tonnen und 18 Ztr. Oelkuchen, während ihm die Tonne Möhren nur zu 2) Shilling zu stehen kam. Das Detail seines Versuches ist zu umständlich, als daß es hier angeführt werden könnte: Möhren-Pächter werden aber sehr wohl thun, wenn sie dasselbe aufmerksam lesen. Hr. Linn in dem Möhrenlande von Suffolk mästete im J. 1784 bis spät in das Frühjahr hinaus Stiere zu seinem großen Vortheile mit Möhren. Hr. Kirby, aus derselben Gegend, betrachtete die Mästung als die nüzlichste aller Anwendungen, die man von den Möhren machen kann. Hr. Cotton mästete gleichfalls jährlich zehn bis zwölf Stiere mit diesem Futter zu seinem großen Nuzen: er gab dasselbe statt der Oelkuchen ohne allen Nachtheil für das Mastvieh. Sein Nachbar, Hr. Fuller, bediente sich desselben Verfahrens mit dem besten Erfolge. Er fand, daß die Ochsen nach ihrer verschiedenen Größe, ein bis drei Bushel des Tages über fressen; andere sahen aber große Rinder fünf bis sechs Bushel an einem Tage verzehren; ein anderer gab drei Bushel des Tages. Ein Pächter in Esser mästete mit dem Ertrage von vier Acres 15 Stiere. Im J. 1809 mästete Hr. Burrows vier Galloway Stiere, die eine Zeit über (16 Wochen lang) täglich Ein Bushel und ein halbes bekamen, und auch etwas Heu. Sie frassen in 16 Wochen 796 Bushel Möhren und 28 Ztr. Heu: nach Hrn. Burrows Rechnung ist dieß der Ertrag eines Acre ungefähr wie bei jenem Pächter in Essex. Bei einem zweiten von eben demselben mit aller Genauigkeit angestellten Versuche, wo kein Heu gegeben, und das Mastvieh lebendig gewogen wurde, kam das Pfund Fleisch des zugenommenen Gewichtes auf 9 D., während das Bushel zu 54 Pf. auf 7 1/4 D. bis 8 D. zu stehen kam, |333| nebst jedem 2 1/2 Bushel, welche in den ersten 28 Tagen, jedoch ohne Heu, gefüttert wurden.

Aus diesen Angaben wird es hinlänglich klar, daß Möhren zuverläßig als ein höchst brauchbares Mastfutter betrachtet werden können, und daß man allen Grund zu glauben hat, daß die Anwendung desselben auch vortheilhaft ist.

§. 3. Kühe.

Man hat nur wenige bisher bekannt gemachte Versuche über das Resultat der Fütterung der Kühe mit Möhren, und selbst diese sind nicht auf genügende Art entwikelt; sie reichen aber hin um zu beweisen, daß Möhren ein treffliches Futter in Hinsicht auf Beschaffenheit der Herde, der Menge der Milch, und der Güte der Butter sind. Hr. Billing war mit der Wirkung derselben höchlich zufrieden. Hr. Cope erhielt ein noch mehr genügendes Resultat, indem er seinen Kühen zwei Bushel während des Tages gab. Hr. Onley erhielt mit Einem Bushel täglich, und bei Hafer Stroh, im Jänner wöchentlich 5 Pf. der schönsten Butter. Wenn wir das Pf. Butter zu 20 D. rechnen, so kommen 8 Sh. 4 D. auf sieben Bushel Möhren, oder 1 Sh. 2 1/4 D. auf das Bushel. In Sussex fand man Möhren vortheilhafter als Erdäpfel. In Suffolk fand man sie vorzüglich wohlthätig beim Entwöhnen der Kälber. Von Cambray bis Bouchaine in Flandern fand ich die Möhren als das beste Futter für Kühe gepriesen, und es verdient bemerkt zu werden, daß sie der Milch nie einen unangenehmen Geschmack ertheilen.

§. 4. Schafe.

Man würde sich lächerlich machen, wenn man zweifeln wollte, daß Möhren ein treffliches Futter für Schafe sind: die einzige Frage, die man hier stellen kann ist, wie hoch sie als solches Futter zu stehen kommen. Hrn. Billing's |334| Schafherde befand sich bei dieser Wurzel besser, als der Besizer desselben in dieser Jahreszeit sie nie gesehen hat. Hr. Cope war nie im April und Mai in Verlegenheit um Futter für seine Schafe, seit er Mohren baute. Hr. Legrand in Kent machte im J. 1770 einen sehr sorgfältig angestellten Versuch über das Mästen der Widder mit Möhren; zwanzig derselben fraßen in einer Woche eine Tonne, und vier Zentner Heu, welches davon abgezogen, die Tonne Möhren zu 14 Shill. stellt; da sie während zwanzig Wochen auf Wiesenland gefüttert wurden, so kann die dadurch erzweckte Verbesserung gering auf 3 Pf. Sterl., oder 3 Sh. für die Tonne geschäzt werden. Da nun im J. 1770 Schaffleisch 4 D. das Pfund galt, so kommt der Werth einer Tonne Möhren auf 23 Shill., wenn man das Pf. Schaffleisch nur zu 3 D. rechnet; steht es aber zu 9 D., so ist der Werth einer Tonne 31 Sh. 6 D.; steht es auf 10 D., so ist der Werth einer Tonne 35 Sh.; und rechnet man das Bushel Möhren zu 56 Pf.; so gilt dasselbe unter der lezten Voraussezung 10 1/2 D., ohne die Verbesserung der Wiese. Im J. 1780 machte ich einen ähnlichen Versuch, wie Hr. Legrand, und gab sechs und zwanzig Widdern Möhren auf Heu in einer geflochtenen Pferche: ich leitete selbst den Versuch mit der höchsten Sorgfalt, und die Möhren kamen auf 4 D. im Bushel; die 26 Widder fraßen im Durchschnitte vier Bushel des Tages, und düngten einen Acre Landes gehörig. Im J. 1780 war der Preis des Schaffleisches 4 D. das Pf., wodurch der Werth der Möhren zu 10 D. das Bushel, wenn das Pf. Schaffleisch 10 D. kostet, bestätigt wird.

§. 5. Schweine.

Meines Wissens hat man nie gezweifelt, daß Möhren zum Füttern der Schweine taugen; die über das Mästen derselben mit Möhren aufgestellten Versuche sind jedoch nicht gleich entscheidend, da die Resultate etwas widersprechend |335| sind. Hr. Turner und Hr. Hewitt, beide in Yorkshire, haben mit gutem Erfolge Schweine mit Möhren gemästet. Hrn. Ray in Suffolk mißlang der Versuch gänzlich. Hr. Cope mästete große Schweine mit dem besten. Erfolge. Dasselbe Resultat erhielt man auch zu Woodbridge. Hr. Legrand mästete sechzig Schweine: ihr Fleich war vortrefflich und kostbar. Hr. Burke (der später so berühmte und hochehrenwerthe Staatsmann) sagte mir im J. 1770, als ich bei ihm zu Beaconsfield war, daß es ihm zwei Jahre hintereinander gänzlich mißlang Schweine mit Möhren zu mästen. Dasselbe Resultat erhielt auch Hr. Baker in Irland. Im J. 1779 bestimmte Hr. Billingsley den Werth der Möhren unter dieser Anwendung zu 3 Sh. den Sack117). Hr. Burrows von Norfolk findet die Möhren sehr brauchbar um große Herden von Schweinen zu halten, und verwandelte auf diese Weise vieles Stroh in trefflichen Dünger. Kohl, schwedische Turnips118), und Möhren, unter einander als Futter für Zuchtschweine (Store-pigs) verglichen, und diese lezteren lebendig gewogen, wenn sie zu und von dem Futter gehen, gaben bei weiten den Ausschlag für die Möhren. Auf zwei Umstände muß man bei dem Mästen dieser Thiere mit Möhren vorzüglich Acht geben; erstens muß die Race genau unterschieden werden, indem diese hierbei von ausserordentlichem Einflusse ist; die chinesische Race gab mir bei verschiedenem Futter schönen Vortheil, während ich an Schweinen anderer Race bei demselben Futter Verlust hatte. Es gibt noch andere Racen, die vielen Vorzug vor denjenigen besizen, welche in einigen Distrikten gewöhnlich gehalten werden: daher kommt nun offenbar die Verschiedenheit der Resultate. Zweitens dienen Möhren im Frühjahre bei weiten besser zum Masten als im Herbste; je trockener und |336| welker sie sind, desto nahrhafter sind sie; was auch bei den Kartoffeln der Fall ist. Daß Möhren zum Füttern magerer Schweine von großem Nuzen sind, unterliegt keinem Zweifel.

XIV. Kap. Ertrag und Werth.

Der Ertrag der Möhren sieht, wie bei jeder anderen Feldfrucht, im geraden Verhältnisse mit der Güte des Bodens und der Geschiklichkeit bei dem Baue derselben. Unter der großen Menge von Notizen, die ich hierüber vorlegen könnte, will ich nur einige wenige anführen, die hinreichen werden. Hr. Billing gibt den Ertrag in seinem so oft angeführten Aufsaze von guten Gründen zu 700, von den schlechtesten zu 300 an, unter der Voraussezung nämlich, daß jede seiner Fuhren 30 Bushel hielt; wenn aber seine Fuhren, wie in Suffolk, jede 40 Bushel hielten, so steigt sein höchster Ertrag über 300 Bushel, und sein niedrigster ist 400. Die Herren Cope, Mellish, Wharton, und Moody hatten alle jeder 20 Tonnen, oder, das Bushel zu 56 Pf. gerechnet, 300. Hr. Fellow zu Norfolk hatte 600. Hr. Gardner 4–500. Im Suffolker Möhrenlande hat man 480–800. Hr. Acton hatte 760 bis 960. Hr. Hilton zu Faversham hatte auf einem außerordentlich reichen Boden 17 Fuhren so schwer, als vier Pferde sie ziehen mochten, was wenigstens 1200 Bushel betragen muß. Hr. Taylor in Kent hatte im niedrigsten Ertrage 3 Tonnen oder 320 Bushel, gewöhnlich aber sechzehn Tonnen. Hr. Legrand aus derselben Grafschaft hatte gewöhnlich von 20–30 Tonnen; das Mittel hiervon gibt 1000 Bushel. Der ehrwürd. Hr. Carter hatte 329 Bushel. Die Herren Gerard, Weeden und Wimper hatten auf 105 Land119) 400 Bushel; auf Land, worauf Schafe zur Weide getrieben wurden, 200 bis 220. Hr.

|337|

Thomson in der Nähe von Stockton hatte 30 Tonnen. Eben soviel Hr. Bakewell zu Dishley. In Surrey steht der Ertrag im Durchschnitte auf 550 Bushel. Hr. Burrows in Norfolk hatte im J. 1807 760 Bushel; im J. 1810 gewann er 11 Tonnen 16 Ztr.; er spricht von 7–800 Bushel als dem gewöhnlichen Ertrag; er hatte aber auch 900 Bushel. In Schottland wurden über 17 1/2 Tonnen auf einem englischen Acre gewonnen.

Bei sorgfältiger Prüfung der oben angeführten Thatsachen, und Vermeidung aller Behauptungen, welche bei denjenigen, die sich zu einem Versuche im Möhrenbaue geneigt fühlen, zu hohe Erwartungen erregen könnten, können wir den Ertrag der schlechtesten Gründe auf 200 Bushel, des mittleren Bodens auf 450, und der besten Gründe auf 700 Bushel sezen. Es gibt Fälle ungewöhnlicher Fruchtbarkeit, in welchen der Ertrag höher steigen mag; indessen lassen dieselben sich nur bei jenen Pächtern erwarten, welche sich bei ihren Versuchen durch die in den vorigen Kapiteln angegebenen Rücksichten leiten lassen.

Was den Werth betrifft, so haben wir, um von den Pferden anzufangen, bereits gesehen, daß sie Hrn. Billing, bei einem Preise des Heues von 3 Pf. Sterl. die Tonne, 9 D. am Bushel trugen. Zu Woodbridge ersparte ein Bushel täglich allen Hafer. Rechnet man diesen zu zwei Bushel wöchentlich, so werden, wenn der Hafer 32 Shill. das Quarter kostet, sieben Bushel Möhren auf 8 Shill. kommen, oder Ein Bushel auf 1 Shill. 1 3/4 D. Nach einer anderen Rechnung ersparte man zu Woodbridge mit wöchentlich 13 Bushel Möhren zwei Bushel Hafer, und die Hälfte Heues; dieses kann man zu 14 Pf., also wöchentlich auf 98 Pf. anschlagen: man ersparte also an Hafer 8 Shill.; an Heu 2 Shill. 7 D., zusammen 10 Shill. 2 D., oder 9 3/4 D. auf den Bushel Möhren. In einem anderen Falle |338| ersparten, bei nicht so stark gefütterten Pferden, sieben Bushel Möhren Einen Bushel Hafer oder 4 Shill., und 5 Shill. 2 D. an Heu; zusammen 9 Shill. 2 D., welches l Shill. 3 3/4 D. auf den Bushel Möhren wirft. In einem anderen Falle kommen auf lezteren 10 3/4 D., und noch in einem anderen 10 1/2 D.: in diesem wurde das Heu zu 4 Pf. Sterl. die Tonne, und der Hafer zu 43 Shill. das Quarter gerechnet. Diese sechs Angaben stellen den Werth eines Bushels Möhren als Pferdefutter im Durchschnitte auf 11 1/2 D.

Hrn. Moody galt bei seiner Ochsenmast im J. 1767 die Tonne Möhren 20 Shill.; nun stand damals das Pf. Rindfleisch auf 4 D.: wenn aber das Pf. Fleisch 9 D. gilt, so muß die Tonne Möhren 45 Shill. gelten. Rechnet man nun 40 Bushel auf eine Tonne, so kommt 1 1/2 D. auf das Bushel. Bei Hrn. Burrows Versuch kam das Bushel auf 7 1/2 D. Es ist nicht der Mühe werth ein Mittel aus diesen beiden Summen zu nehmen; da aber in Hrn. Burrows Angaben nichts auf die Verbesserung des mageren Fleisches der Ochsen gerechnet wurde, so glauben wir vielleicht keine Uebertreibung fürchten zu dürfen, wenn wir die Möhren als Mastfutter zu 9 D. das Bushel ansezen.

Wir haben bloß eine Rechnung in Bezug auf Kühe, welche das Bushel zu 1 Shill. 2 1/4 D. stellt.

In Hrn. Legrand's Versuche mit Schafen ist der Werth zu 11 1/4 D., in meinem eigenen zu 10 D. angegeben.

Hrn. Billing's Versuch mit Schweinen im J. 14779 gab, wie wir oben bemerkten, den Werth eines Bushels zu 1 Shill. an. Hr. Reynolds in Kent, ein sehr bekannter, verständiger, und allgemeiner Pächter machte dieselbe Angabe im J. 1770; da aber das Schweinfleisch damals ungefähr 5 D. das Pfund stand, und auch im J. 1779 noch derselbe Preis blieb, so müssen, wo das Schweinfleisch |339| auf 10 D. steht, beide Preise verdoppelt werden. Uebrigens muß der Leser nicht vergessen, daß bei mehreren Versuchen die Schweine durchaus nicht fett werden wollten, und daß folglich jede Schäzung hier nur mit dem größten Zweifel angenommen werden könnte. Der Werth der Möhren ist also in dieser Hinsicht noch nichts weniger als feststehend bestimmt.

Recapitulation. Sh. D.
Werth des Bushels Möhren bei Pferden 0 11 1/2
Werth des als Mast bei Ochsen 0 9
Werth des bei Kühen 1 2 1/2
Werth des bei Schafen 0 10 1/2
–––– ––––––
Allgemeiner Durchschnitt 0 11 1/4

Wenn der unerfahrene Möhrenbauer seine Erwartung auf 9 D. das Bushel stellen sollte, so ist es wahrscheinlich, daß er keine Täuschung zu besorgen haben wird; rechnet er aber bloß auf 6 D., so ist er, selbst bei einer mittleren Ernte, sicher einigen Gewinn zu machen, ohne übrigens der Vortheile zu gedenken, welche durch Reinigung des Bodens und hohe Verbesserung des Düngers entstehen.

XV. Kap. Auslagen und Gewinn.

Ich habe in den lezten vierzig Jahren zu verschiedenen malen mehrere Rechnungen über die Auslagen bei dem Möhrenbaue bekannt gemacht: die Zeiten haben sich aber zeither in Bezug auf Abgaben, Zehend, Armensteuer, Reparaturen, Arbeitslohn so sehr geändert, daß es überflüssig wäre jezt mehr auf dieselben zurückzukommen. Hr. Burrows in Norfolk und Hr. Rodwell in Suffolk haben dem Büreau eine detaillirte Rechnung für die gegenwärtige Zeit dargelegt, welche ich hier einrücken will.

Folgende Rechnung ist Hrn. Burrows lezte vom J. 1811, in sofern sie nämlich Artikel betrifft, die eines allgemeinen Ueberschlages fähig sind.

|340|
Pf. St. Sh. D.
Pflügen 0 16 0
Eggen 0 2 9
Walzen 0 0 4 1/2
Same 0 10 0
Säen 0 0 3
Behacken 1 19 4
Ausnehmen 1 3 0
Aufhäufen 0 5 2
Heimfahren 1 7 9. – 6 Pf. Sterl. 4 Shill. 7 1/2 D.120)

Folgendes ist Hrn. Rodwell's Rechnung:

Pf. St. Sh. D.
Ein Mal Doppelpflügen 1 0 0
Eggen und Säen 0 2 6
Same 4 Pf. zu 2 Sh. 0 8 0
Behacken 1 5 0
Ausnehmen 0 10 0
Heimfahren 1 2 9.
4 Pf. St. 4 Sh. 3 D.
–––––––––––––––
Der Durchschnitt dieser beiden Summen ist 5 Pf. St. 6 Sh. 5 D.

Wenn wir nun auf diese Rechnungen den oben aufgestellten Maßstab des wahrscheinlichen Ertrages, nämlich von 200 Bushel für die schlechtesten, von 450 für die mittlere, und von 700 für die besten Gründe anwenden, und hierzu den Betrag von 15 Shilling auf jeden Acre an Steuer, Zehend, und Abgaben für den schlechtesten, auf 40 Shill. für den mittleren, und auf 4 Pf. Sterl. für den besten Boden rechnen, und überdieß Hrn. Burrows Ausgaben als die höchsten annehmen, so wird die Rechnung stehen, wie folgt:

|341|
Pf. St. Sh. D.
Bei dem schlechtesten Boden, allerlei Ausgaben 6 4 7
Abzug beim Ausnehmen und Einfahren 1
––––– ––––– –––––
Bleibt 5 4 7
Abgaben 15
––––– ––––– –––––
5 19 7
Beim mittleren Boden, allerlei Ausgaben 6 4 7
Abgaben 2
––––– ––––– –––––
8 4 7
Bei dem besten Boden, allerlei Ausgaben 6 4 7
Abgaben 2
––––– ––––– –––––
10 4 7

200 Bushel zahlen also auf dem schlechtesten Boden, wenn das Bushel 7 D. gilt, ungefähr die Auslage; eben so 400 Bushel auf mittlerem Boden, wenn das Bushel 4 1/2 D. gilt; und eben so 700 Bushel auf dem besten Lande, wenn das Bushel 3 1/2 D. gilt.

Um in Hinsicht des reinen Ertrages alle Uebertreibung zu vermeiden, wollen wir annehmen, daß das Bushel 8 D. werth sey; und dann steht die Rechnung wie folgt:

Pf. St. Sh. D.
Auf dem schlechtesten Bod. 200 Bush. zu 8 D. 6 13 4
Ausgaben 5 19 7
––––– ––––– –––––
Reiner Ertrag = 0 13 9
Auf mittlerem Boden 450 Bushel zu 8 D. 15 0 0
Ausgaben 8 4 7
––––– ––––– –––––
Reiner Ertrag 6 15 5
Auf dem besten Boden 700 Bushel zu 8 D. 23 6 8
Ausgaben 10 4 7
––––– ––––– –––––
Reiner Ertrag 13 2 1
|342|

Der Möhrenbau verdient also allerdings die Aufmerksamkeit eines Pächters, selbst wenn der reine Ertrag auf einem Acre nicht mehr als 15 Shilling von einem Zehn-Schilling Lande wäre; er gibt allein schon den Pachtzins, ist ihm vollkommen gleich, oder übertrifft denselben sogar im Verhältnisse zu dem Durchschnitte des Gewinnes, welchen man aus allen anderen Früchten auf einem Pachthofe machen kann: denn ausser dem Vortheile der Consumption wird das Ackerland rein, und man erhält vielen Dünger. Was den reinen Ertrag bei den übrigen Gründen betrifft, so ist derselbe zu offenbar, als daß er besonders bemerkt zu werden verdiente, indem er ganz augenscheinlich jeden anderen bei der gewöhnlichen Benüzung des Grundes und Bodens übertrifft.

XVI. Kap. Erschöpfen oder verbessern die Möhren den Acker?

Wenn wir nach Analogie schließen dürfen, so ist es kaum möglich zu zweifeln, daß die Mohren den Boden verbessern; doch aller Zweifel wird verschwinden, wenn wir einige Fälle anführen, welche diese Thatsache beweisen. Hr. Cope in Nottinghamshire befolgte ein System von Bewirthschaftung, das wohl beachtet zu werden verdient. Er ließ seine Möhren so lang im Grunde zum Frühlingsfutter, daß er es nicht mehr wagen durfte Gerste oder Hafer nach denselben zu bauen; er säete Turnips. Diese beiden behackten Früchte nach einander gebaut reinigten den Acker auf eine so ausserordentliche Weise vom Unkraute, und verbesserten den Boden so sehr, daß die darauf gebaute Gerste zwischen sechs und zehn Quarter Gerste auf jedem Acre trug. Hr. Moody zu Retford erntete nach den Möhren eilf Quarter und fünf Bushel Hafer.

|343|

In Cambridgeshire fand man, daß es besser ist Gerste nach den Möhren zu bauen, wenn man dieselben einführt, als nach Turnips, wenn man diese abweiden läßt. Dasselbe Resultat erhielt man auch im Möhren-Lande in Suffolk. Eben so Hr. Cotton in Hesgrave, vorausgesezt, daß die Gerste zu gehöriger Zeit gesäet wird.

In Nottinghamshire war die Gerste besser nach den Möhren, die keinen Dünger erhielten, als nach Turnips, die gedüngt wurden. Hr. Billing düngte den mittleren Theil eines Feldes zu Turnips, und baute an beiden Enden Möhren ohne Dünger, und die Gerste stand nach den Möhren schöner als nach den Turnips. Andere male erhielt er nach den Möhren Gerstenernten, die, nach seinem eigenen Ausdrucke, wundergroß waren; er erhielt von Einem Acre nicht weniger als drei Wagen voll Garben. Hr. Kirby säete die Möhren nach den Turnips, und nach diesen Gerste; er erntete ein Quarter Gerste mehr auf jedem Acre, als das Land sonst getragen haben würde, wenn die Gerste auf die Turnips unmittelbar, ohne Dazwischenkunft der Möhren, gebaut worden wäre.

Hr. Harvey in Worcestershire machte eine eben so gute Gerstenernte nach Möhren ohne Dünger, als nach Turnips mit Dünger.

Nach mehreren Versuchen des Hrn. Burrows war die nach den Möhren gebaute Gerste sehr ergiebig, und gab selten weniger als fünf Quarter auf jedem Acre.

Diese Thatsachen reichen hin um zu beweisen, daß die Möhren, weit entfernt den Boden auszusaugen, denselben vielmehr bis auf einen hohen Grad zu verbessern im Stande sind.

XVII. Kap. Zufälle und Unfälle.

Wenn man die Möhren mit jeder anderen Brachfrucht vergleicht, so zeigen sie vielleicht in keiner anderen Hinsicht |344| so entschiedenere Vorzüge vor allen anderen, als in dieser. Wenn der Same gut ist, so kann man der Ernte gewiß seyn. Sie sind keinen Verheerungen von Fliegen, Schnecken, Raupen, oder anderen Feinden ausgesezt, oder mindestens so wenig, daß in allen Berichten, welche ich hierüber durchlas, ich nicht einen einzigen vollkommenen Mißwachs aufgezeichnet gefunden zu haben mich erinnere. Wenn man die Menge Zufälle, welchen andere Brachfrüchte ausgesezt sind, bedenkt und hiermit vergleicht, so muß dieser Umstand allein einen kräftigen Eindruck auf die Seele des Lesers hervorbringen. Ich habe nur von zwei Feinden der Möhren, von Kaninchen und Hasen gehört; diese können zuweilen so zahlreich seyn, daß sie Schaden machen, wenn der Bau nicht im Großen getrieben wird.

XVIII. Kap. Wichtigkeit des Möhrenbaues für Verbesserung der trockenen Gründe.

Die Wichtigkeit einer Frucht, welche, nachdem sie das tiefere Pflügen und stäte Behacken reichlich bezahlte, reichlichen reinen Ertrag als Futter für die Hausthiere gewährt, und eine große Menge des besten Düngers liefert, kann wohl keinen Augenblick bezweifelt werden, indem es Thatsache ist, daß der Pächter durch den Möhrenbau im Ganzen genommen mehr gewinnt als durch jede andere gewöhnliche Feldfrucht. Der Umstand, daß man mittelst der Möhren im Stande ist alles Vieh seines Hofes zu füttern und zu mästen, ohne auch nur ein Loch Düngers nöthig zu haben, ist eben so einzig als entscheidend. Bei so entschiedenen und ausgezeichneten Vortheilen ist es in gewisser Hinsicht unbegreiflich, daß der Möhrenbau nicht auf allen dazu geeigneten Gründen allgemein betrieben wird; und doch ist es Thatsache, daß man denselben beinahe nirgendwo zu kennen scheint. Die Nachbarschaft um London ausgenommen, wo die Möhren |345| wegen des Marktes der Hauptstadt gebaut werden, ist nur ein einziger Strich Landes im Königreiche, wo sie allgemein gebaut werden. Was mag die Ursache dieser sonderbaren Erscheinung seyn? vielleicht dieselbe, die wir so oft bei ähnlichen Untersuchungen finden – Mangel an Kapital. Diese Ursache läßt sich aber weder auf die Zugpferde, noch auf die Kühe und Widder anwenden, welche sich bereits auf dem Pachthofe finden. Wir können also in dieser Hinsicht die Vernachlässigung des Möhrenbaues einzig und allein der Unwissenheit zuschreiben, und es ist wirklich sehr zu bedauern, daß man bisher keine wirksameren Maßregeln ergriffen hat, die Landwirthe des Königreiches über einen Gegenstand von so hoher Wichtigkeit aufzuklaren121).

Da man in England jezt Pferde mit 70–120 Pfund gelben Rüben täglich, und mit Vortheile füttert, so ist es der Mühe werth in Deutschland zu sehen, wie man in England gelbe Rüben baut, um bei uns dasselbe zu thun. A. d. Uebers.

|314|

Ein Bushel ist bald 54, bald 56, bald 60 Pfund. Ein Acre ist 1125 □ Wiener Klafter. A. d. Uebers.

|315|

Weise Rübe, Brassica Rapa. A. d. Uebers.

|319|

Vermuthlich per Acre, wovon jedoch im Originale nichts vorkommt. A. d. Uebers.

|320|

Eine Tonne ist 1620 Wiener Pfund. A. d. Uebers.

|320|

Wie viel ein schottischer Acre hält, weiß Uebersezer nicht; ein englischer ist 40 Perches lang, 4 breit, und hält 4840 Yards. Ein Perch ist 5 1/2 Yards. Ein Yard 3 engl. Fuß. A. d. Uebers.

|324|

In England, aber nicht bei uns. A. d. Uebers.

|325|

Ein Farthing ist der vierte Theil eines Penny, die kleinste englische Scheidemünze. Ein Halfpenny ist ein halber Penny. Der Shilling hat 12 solche Penny, und ein Pf. Sterling 20 Shillings. Das D. in der folgenden Rechnung bedeutet einen Penny, Denarium. A. d. Uebers.

|330|

Ein Quarter ist 8 Bushel, das Bushel zu 4 5/8 Nied. Oest. Wezen. A. d. Uebers.

|332|

Eine Rood ist der vierte Theil eines Acre in □ Maß. A. d. Uebers.

|335|

3 Bushel. A. d. Uebers.

|335|

Ruta Baga der Schweden. A. d. Uebers.

|336|

Vermuthlich soviel Land, als man für 10 Shill. pachtet. A. d. Uebers.

|340|

Dieß sind die Durchschnitte, welche Hr. Burrows im MS. von seinen lezten Rechnungen einsandte.

|345|

Es fiel dem Uebersezer auf, daß, da es mehrere Varietäten von Möhren gibt, von welchen die eine unter bestimmten Verhältnissen entschiedene Vorzüge von der anderen besizt, der Hr. Verfasser dieses Aufsazes nicht auf dieselben aufmerksam machte. Man findet diese Varietäten im VI. B. der neuen von Römer und Schultes besorgten Ausgabe des Systema Vegetabilium; eines Werkes, das kein Landwirth, dem es um gründliche Kenntnisse der Gewächse, die er baut, zu thun ist, entbehren kann. A. d. Uebers.

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