Titel: Ueber die ausgestellten Erzeugnisse des französischen Gewerbsfleißes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. XLV. (S. 345–363)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004045

XLV. Zweiter Auszug aus dem Berichte der Central-Jury über die Erzeugnisse des französischen Kunstfleißes.

Aus den Annales de Chemie et de Physique.

Metallurgie (Metallurgische Künste).

In diesem Auszuge begreifen wir die Kunst, die Metalle zu bereiten, in so ferne diese als Materialien für andere Künste dienen, ohne besondere Rücksicht auf ihren eigenthümlichen Gebrauch.

Bereitung der Metalle.

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Eisen.

Seit der Ausstellung von 1806 hat man in der Behandlung und Bereitung des Eisens merkliche Fortschritte gemacht.

Damals gab es nur ein Hammerwerk, das zu Creusot, wo das Eisenerz mittelst der karbonirten Steinkohle der sogenannten Coke geschmolzen wurde. Von erdkohligem Eisen (fer carbonaté terreux) einer Art von Erz, das in den Steinkohlengruben sich vorfindet, und dem allein gewisse ausländische Hammerwerke ihre Berühmtheit, so wie die Menge und Wohlfeilheit ihrer Erzeugnisse verdanken, machte man in Frankreich keinen Gebrauch; auch dachte man nicht auf ernstliche Nachforschung desselben. Bei der Ausstellung sahe man grauen Guß aus Erzen, wobei kohliges Eisen (fer carbonaté) aus den Steinkohlengruben des Loiredepartements war angewendet worden. Dieses Verfahren wird bald in den größeren Fabricken dieser Art Nachahmung finden. Wahrscheinlich wird man nun auch im Großen, und in einem regelmäßigen Gange die Läuterung mit roher Steinkohle in dem Reverbierofen, welche unter dem Namen der englischen Läuterung bekannt ist, einführen. Beides gehört zu den erwünschtesten und vortheilhaftesten Verbesserungen. Andere, wiewohl minder wichtige Erscheinungen, zeugen von einem regen Streben nach Vervollkommnung bei der metallurgischen Bearbeitung des Eisens.

Die Departemental-Jury des Jura kündiget an, daß die HHr. Lemire, Hammerschmiede zu Clairvaux, es dahin gebracht haben, immer sehr weiches Eisen durch ein Verfahren zu gewinnen, welches einzig in der Mischung des Gußes mit einer gewissen Menge von reinem, ihm ähnlichen Erze besteht, wobei sie harten Guß anwenden.

In dem Isere-Departement verbessern die katalanischen Hammerwerke eine fehlerhafte Art der Läuterung.

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In dem Departement de L'Allier, verfertiget Hr. Rambourg Eisenstangen, welche den stärksten Versuchen in kalter wie in warmer Temperatur widerstehen. Hr. Aubertot, Hammerschmidt von Vierzon im Cher-Departement, hat bei seinen großen Schmelz- und Läuterungs-Oefen auch Reverbieröfen angebracht, die mit der überflüssigen, sonst verlohrnen Wärme geheizt werden, welche nun zu andern Bearbeitungen von Eisen und Stahl dient.

In vielen Hammerschmieden haben Blasebälge mit Pumpen die alten Blasebälge verdrangt; aber unter allen Vervollkommnungen mechanischer Hülfsmittel ist die, welche seit zwei Jahren Hr. Dufaud bei den Hammerwerken zu Grossouvre anwendet, unstreitig die merkwürdigste.

Statt das Eisen durch den großen Hammer in Stangen auszutreiben, zieht man den Klumpen zwischen Zylindern einer mit hohlen Streifen versehenen Plattmühle durch, und gibt den Stangen die beliebige Form122). Diese Vorrichtung fördert die Arbeit beträchtlich, und gewährt viel Richtigkeit für die Formen selber. Höchst vortheilhaft in Hinsicht seiner Wirkung wird dieses Verfahren aber nur dann seyn, wenn man dabei diejenigen Mittel der Läuterung in Anwendung bringen wird, deren Schnelligkeit jener der rein-mechanischen Arbeit entsprechend ist, wo dann die Plattmühlen niemals feiern dürfen. Die Läuterung durch den Reverbierofen, |348| deren wir oben erwähnten, mag dabei am meisten genügen.

Jede Verbesserung für die Kunst der Verfertigung des Eisens, wie unbedeutend dieselbe auch immer scheinen möge, ist von großem Belange. Man zählt in Frankreich ohngefähr 350 Hochöfen, und 98 katalanische Hammerschmieden. In jedem Jahre liefern die Hochöfen ohngefähr 145,000 Pf. an Gußeisen; und 640,000 Pf. an geschmiedetem Eisen. Die katalanischen Hammerwerke geben ohngefähr 150,000 Pf. geschmiedetes Eisen ab. Man sieht also leicht ein, daß eine Verbesserung, die sich auf eine so große Menge von Erzeugnissen erstreckt, sehr wichtig seyn müsse.

Strenge und wiederhohlte Untersuchungen hatten die Jury von 1806 überzeugt, daß Frankreich an gutem Eisen reicher ist, als man bisher geglaubt hatte; und die Ausstellung von 1819 bestättigte dieß.

Man macht übrigens unserm Eisen den Vorwurf des zu hohen Preißes im Verhältnisse zu dem Eisen der Nachbarstaaten, was von einem Scheine gewisser Geringhaltigkeit herrührt, dem unsere Hammerwerkmeister abzuhelfen suchen müßten. Das Fortschreiten in den metallurgischen Künsten gibt dazu die Mittel an die Hand, und man wird nicht lange mehr deswegen verlegen seyn.

Stahl.

Obgleich die Kunst, Stahl zu verfertigen, schon lange Zeit her mit vielem Erfolge in Deutschland und England in Ausübung war, so muß man doch sagen, daß man erst seit dem Jahre 1786 die eigentliche Zusammensezung des Stahles, und worin er vom Eisen überhaupt verschieden sei, weiß, und daß dadurch die Bereitung des Stahles erst ins wahre Leben getreten ist. Europa verdankt diese Kenntniß den HH. Berthollet, Monge und Vandermonde, die |349| darüber ein äußerst wichtiges, und damals höchst merkwürdiges Werk herausgaben.

In Frankreich hatte man allerdings zuvor natürlichen Stahl bereitet; aber die Verfertigung des zementirten, und des gegossenen Stahles war noch eine fast ganz fremde Kunst gewesen. Jezt erst wurden mehrere Versuche angestellt, die mehr oder wenigen den Bemühungen entsprachen.

Bei der Ausstellung im Jahre IX. (1801) sah man noch keine Muster von Stahl; das Jahr X. (1802) lieferte einige dieser Art, und im Jahr 1806 erschienen sie schon in zahlreicher Menge. Die Jury ließ dieselben durch Künstler, welche sowohl in der Schmiedekunst, als in der Stahlbereitung erfahren waren, untersuchen; diese fanden alle Muster gut, und mehrere ganz vorzüglich. Auch machte man die Bemerkung, daß die Stahlfabricken sich vermehrt hatten, und nicht auf gewisse Orte nur beschränkt, sondern in verschiedenen Departements, weit von einander entfernt, verbreitet waren. Man zweifelt nicht, daß diese Kunst recht in Aufnahme kommen werde; aber sie hat noch große Fortschritte zu machen. Dabei wünscht man, daß die Kunst, natürlichen und zementirten Stahl zu läutern, und für die verschiedenen Künste die verschiedenen Qualitäten auszuwählen, allgemeiner sicherer und wohlfeiler werden möchte. Bei der Untersuchung des eingelieferten Stahles bedauerte man, daß sich kein Muster von gegossenem Stahl vorfinde. Erst im J. 1809 hatte die Bereitung desselben einigen Erfolg, und zwar im L'ourte-Departement, das jezt nicht mehr zu Frankreich gehört.

Die Ausstellung von 1819 verschaffte dem Publikum die Ueberzeugung, daß die wichtige Aufgabe der Verfertigung des Stahles von den französischen Fabrikanten vollkommen gelöset worden sei. Die in 21 Departements errichteten Stahlwerkstätten hatten Stahlmuster von allerlei Art zur Ausstellung |350| eingesendet. Der Werth dieser verschiedenen, und im Ueberfluße vorhandenen Erzeugnisse ist durch die allgemeine Stimme und die häufigen Handelsbestellungen hinlänglich bewährt; überdieß wurden sie aber auch von der Jury einer Untersuchung unterworfen, obgleich jene sich bei den Berichten, welche sie von der Administration der Minen über diesen Gegenstand erhalten hatten, vollkommen hätte beruhigen können.

Gegenwärtig werden nicht mehr einfache Versuche angestellt. Die Stahlverfertigung ist eingeführt, und gibt hinlänglichen Ertrag für das Handelsbedürfniß. Die Jury muß bei dieser Gelegenheit den verschiedenen Fabricken Gerechtigkeit wegen ihrer Verdienste wiederfahren lassen; vor allen aber der des Hrn. Milleret zu La Berardiere bei Saint Etienne im Loire-Departement. Diese Fabrick, deren Erzeugnisse bereits unter dem Namen Stahl von La Berardiere berühmt sind, besteht erst seit 3 Jahren. Ihre große und so schnelle Berühmtheit verdankt sie der Direktion des Hrn. Beaunier, Ingenieur en Chef der Minen, und Direktor der Schulen über das Bergwesen zu St. Etienne. Er hat dieser seiner neuen Schöpfung einen Theil seiner Zeit, seiner tiefen Kenntnisse, und seines Beobachtungs- und Schöpfergeistes gewidmet.

Die Jury bezeugt ihre Freude darüber, daß sie so viele Auszeichnungen für die Stahlverfertigungs-Fabricken zu bestimmen sich in den Stand gesezt siehet. Sonst hatte die französische Industrie eine Lücke in diesem Industriezweige; jezt ist diese ausgefüllt.

Messing und Zink.

Dem alten Gebiete Frankreichs ging im Jahre 1806 die Verfertigung von rohem Messing ganz und gar ab. Man erhält diese Legirung, indem man rothes Kupfer mit Zink mit einander verbindet. Dieses leztere Metall, welches im |351| Zustande des Oxyd auch Galmey heißt, war in dem Departement Roer und Ourte der Gegenstand einträglicher Anwendung. Obgleich man aber auch im alten Frankreich einige Gruben von solchem Zinkerz kannte, so dachte man doch nirgends an besondere Benüzung derselben. Seit dem Jahr 1810 ist endlich die Verfertigung des Messings auf dem alten Gebiethe Frankreichs einheimisch geworden. Vorher hatte eine solche Fabrick zu Landrichamp in den Ardennen bestanden, aber sie hörte auf, als die zu Fromelenne durch Hrn. v. Contamine eingerichtet wurde. In dieser verfertigte man Messing, indem man den Zink auf der Plattmühle und dem Zieheisen behandelte; aber man mußte den Zink von Lüttich kommen lassen.

Gegenwärtig ist die Verfertigung des rohen Messings in mehreren großen Werkstätten in vollem Gange. Dem ungeachtet reicht sie für den Bedarf der übrigen Künste in Frankreich nicht zu, sondern es muß noch eine beträchtliche Menge Messings vom Auslande bezogen werden.

Im Jahr 1818 machte man Versuche, den Galmey, von dem Frankreich kein einziges nuzbares Bergwerk mehr besizt, durch Blende (la blende) oder schwefellichten Zink, der bei uns in Ueberfluß vorkommt, aber bisher noch wenig war in Anwendung gebracht worden, zu ersezen. Diese unter der Oberaufsicht der Administration der Minen angestellte Versuche gaben wichtige Resultate. Man sahe bei der Ausstellung rohes Messing aus Blende statt des Galmeys bereitet, von der Fabrick des Hrn. Boucher zu Rouen. Die Jury nahm dieses Erzeugniß mit großer Theilnahme auf.

Platina.

Die Platina vereint viele Eigenschaften in sich, die sie schäzenswerth machen. Sie ist unter allen bekannten Metallen den Veränderungen der Temperatur in Ansehung der Ausdehnung am wenigsten unterworfen. Sie oxydirt sich sehr leicht, |352| und sie wird von den Säuren, die man gemeiniglich bei den übrigen Künsten anwendet, nicht angegriffen. Diese Eigenschaften machen die Platina vorzüglich geschikt zur Verfertigung sehr genauer Instrumente, zur Bereitung von Gefäßen und Schmelztiegeln für jene Fabricken, wo Säuren abgezogen werden, für chemische Laboratorien und für Küchen.

So wie wir die Platina als Handelsartickel erhalten, erscheint sie vermischt mit andern metallischen Substanzen, welche die ihr einwohnende Reinheit angreifen, und sie spröde, folglich schwer zu bearbeiten machen.

Hr. Jeannety war einer der ersten, der mit Platina-Geschirren einen Handel begann. Er brachte zu der Ausstellung im Jahre X. (1802) Schmuckwaaren, und chemische Instrumente von diesem Metalle, aber diese Gegenstände waren alle nach einem sehr kleinen Maßstabe verfertiget. Hr. Breant, Schäzer der Versuche an der Münze, untersuchte dieses Metall, und erfand ein Reinigungs-Verfahren, wodurch es sehr leicht hämmerbar wird. Durch diese Entdeckung wurde der Preiß der Platina-Geräthe und Gefäße so herabgesezt, daß sie nun sehr leicht von den Fabrikanten gebraucht werden können. Dieses Verdienstes wegen reihete die Jury Hrn. Breant in die Zahl derjenigen Künstler, die zum Fortschreiten der Industrie beitragen.

Alle aus Platina verfertigte Dinge, welche auf der Ausstellung von 1819 zu sehen waren, hatten Formen für einen bestimmten Gebrauch; aber alle waren auch als Resultate der Kunst, dieses Metall zu reinigen und zu bereiten, und als ein Beweiß des Fortschreitungsgrades in derselben, ausgestellt. Man muß sie vorzüglich als ein Erzeugniß der Metallurgie betrachten. Die Hrn. Cuoq und Couturier von Paris, Straße Richelieu Nro. 107 stellten von Platina Vasen, Capseln, Schmelztiegel und Caffeekannen von besonderer |353| Art aus; auch sehr schöne Medaillen, und Platina-Blättchen so fein und dünne wie Goldblättchen.

Für ein vorzügliches Erzeugniß galt eine aus einem einzigen Stück verfertigte 200 Littre haltige Vase.

Auch eine Vase von Kupfer mit Platina eingelegt, und sehr gut ausgearbeitet, war von ihnen zu sehen.

Diese Fabrikanten sezen die Platina in Menge im Handel um, und zwar so wohlfeilen Preises, daß gegenwärtig dieses Metall zu den Geräthen der Schwefelsäure-Manufakturen angewendet wird. Hr. Breant liefert ihnen im Großen die nöthige Platina.

Zinn.

Die Nuzung des Zinns ist seit 1806 in Frankreich einheimisch; zuvor kannte man keine solche Minen. Auf einige Anzeigen von Vaulry im Departement von Haute-Vienne, und später von Piriac in der untern Loire ließ die Regierung auf ihre Kosten durch die Administration des Bergwesens Untersuchungen anstellen, worauf die Eröffnung zweier Minen folgte, die bereits Erzeugnisse liefern. Behandelt man dieses Erz mit einiger Sorgfalt, so steht das französische Zinn in nichts dem von Banca und Malacca nach.

Aus den Minen von Vaulry und von Piriac fand man Produkte bei der Ausstellung. Neben dem Erze und Metall konnte man ein mit französischer Zinnplatte belegtes Spiegelglaß sehen; es war sehr rein und glänzend.

Das Zinn ist ein Metall, dessen Gebrauch sehr allgemein, und dessen Anwendung in den übrigen Künsten sehr häufig ist; man muß deswegen diese Entdeckung als äußerst wichtig für Frankreich ansehen, und das königliche Bergwesen hat sich gerechten Anspruch auf die öffentliche Dankbarkeit erworben, indem es Frankreich dieses Metall mittheilte, von dem man zuvor glaubte, daß es diesem Lande mangle.

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Plattmachen (Laminage.)

Die Verfertigung des Eisenblechs war im Jahre 1806 noch wenig in Frankreich verbreitet; nun ist man damit in mehreren Departementen beschäftiget. Die Ausstellung zeigte Eisenblech von den Fabricken in den Departements der Aude, der Ardennen, der Isere, der Nievre etc. In mehreren derselben war der Gebrauch der Plattmühle mit großem Erfolge eingeführt worden; die Fortschritte dieses Fabrickzweiges sind ausserordentlich. Vor 5 Jahren lieferten, wie man berechnete, die französischen Werkstätten nicht den 3ten Theil des für Frankreich nöthigen Eisenbleches; heut zu tage bringt Frankreich nicht nur, was sich mit Recht behaupten läßt, seinen vollen Bedarf an Eisenblech hervor, sondern es sind auch diese seine Erzeugnisse in jeder Hinsicht sehr empfehlenswerth.

Zur Zelt der vorigen Ausstellung war die Kunst, überzinntes Eisenblech zu verfertigen, in Frankreich weder so weit gediehen, noch so ausgebreitet, als man wünschen mußte. Die schönsten Muster lieferte damals das nun nicht mehr zu Frankreich gehörige Ourte-Departement.

Die Ausstellung von 1819 hingegen hatte zahlreiche Muster von überzinntem Eisenblech, welche die großen Fortschritte auch in diesem Kunstzweige bewiesen. Der Einfluß der Verfertigung eines recht guten Eisenblechs auf die Ueberzinnung desselben zeigte sich dabei augenscheinlich.

Durch die vergleichenden Untersuchungen, welche die Jury mit diesen überzinnten Eisenblechen in Hinsicht auf Glanz und Geschmeidigkeit angestellt hatte, ergab sich die besondere Güte derselben; und mit Recht genießen die Eisenblechschmiede das Vertrauen des handelnden Publikums. Gegenwärtig wird von diesem Artickel soviel in Frankreich |355| verfertiget, daß es dem innern Bedürfnisse zu genügen scheint123).

Drahtzieherei.

Eisendraht wird seit langer Zeit in Frankreich verfertiget; die Bereitung des Stahl-Drahtes ist jünger. Hr. Mouchel zu Aigle im Orne-Departement war der erste, welcher zu der Ausstellung von 1806 eine Auswahl von solchem verschiedengehaltigen Draht für den Bedarf der Künste einschikte.

Die französischen Drahtziehereien sind sehr berühmt, und sie werden es noch mehr werden durch die Erzeugnisse in Eisen und Messingdraht, welche auf die Ausstellung von 1819 gebracht wurden. Der Stahl-Draht ist von guter Qualität, und wird immer besser. Was man in diesen Artikeln verfertiget, übersteigt den Bedarf Frankreichs, und man verführt davon in das Ausland.

Die Fabrick des Hrn. Mouchel Sohn zu Aigle (Orne) ist sehr bedeutend; sie beschäftiget 300 Arbeiter. Ihre Erzeugnisse gehen ins In- und Ausland. Die Preise sind wohlfeil, und die Waaren von besonderer Güte.

Verfertigung von Werkzeugen.

Feilen und Raspeln.

Nicht sehr alt ist die Verfertigung von Feilen in Frankreich. Vor etwa 40 Jahren kannte man sie noch kaum, und |356| die Erzeugnisse dieser Gattung waren sehr unvollkommen. Man hatte solche Fabricken zu Amboise und zu Soupes bei Nemours angelegt; sie erfreuten sich aber keines günstigen Erfolges. Die dort verfertigten Feilen waren im Handel wenig gesucht. Hr. Raoul hat zuerst in Frankreich eine Feilen-Fabrick mit dem glücklichsten Gelingen errichtet. Er lieferte von seinen Erzeugnissen zu den Ausstellungen in den Jahren VI. (1798) IX. (1801) X. (1802), und jedesmal erschienen jene von ganz vorzüglicher Güte, und beurkundeten ein Fortschreiten in der Vervollkommnung.

Bei der Ausstellung 1806 waren aus den Departements der Indre und Loite, von Calvados (Ourte), und von der Kunst- und Gewerksschule zu Compiegne Feilen zu sehen, die recht sehr gut eingeschnitten, und von besonderer Qualität waren. Die Jury zeichnete sie jedoch nur durch eine silberne Medaille, und dreimalige Ehrenerwähnung aus, und legte dadurch den Wunsch der Vervollkommnung in diesen Arbeiten an den Tag. Ihre Erwartung wurde auch nicht getäuscht. Die Ausstellung von 1819 beweiset, daß die Verfertigung der Feilen bedeutend fortgeschritten ist, und sich vervollkommnet hat. Die Beschaffenheit der Feilen ist im Verhältnisse der weiter gediehenen Kunst, den Stahl zu bereiten, selbst besser, und der Schnitt richtiger geworden.

Sensen und Sicheln.

Schon lange wünschte man in Frankreich eine Sensen-Fabrick. In den Jahren 1794 und 95 versuchte die Kommission des Ackerbaues und der Künste die Errichtung einer solchen zu bewerkstelligen. Im Jahr X. (1802) wurden von Hrn. Borneque dem ältern, Fabrikanten von Bischwillers, auf die Ausstellung Sicheln gebracht, deren ehrenvoll erwähnt wurde. Allmählig dehnte sich dieser Industriezweig weiter aus, und die Verfertigung von Sicheln, die das Ausland lagen Zeit als eine ihm eigene Kunst betrachtet hatte, bot |357| im Jahr 1806 sehr befriedigende Resultate dar. Die Departementer der Vogesen, des Jura, des Ober-Rheins, der Moselle, des Doubs, der hohen Alpen, hatten Sensen und Sicheln zur Ausstellung geschikt, welche die goldene oder silberne Medaillen und Ehrenerwähnungen verdienten. Allein leugnen kann man dabei nicht, daß die Vervollkommnung der Kunst, Sicheln zu verfertigen, unmittelbar von der den Stahl gut zu bereiten, abhängt. Wir sahen diese beiden Industriezweige beinahe in einerlei Händen, und ihre Entwicklung zeigte sich ganz vorzüglich auf der Ausstellung von 1819. Die da vorgelegten Sensen und Sicheln waren alle aus den Departements der Isere, Calvados, Arriege etc. Man kann sich eine Vorstellung von dem schnellen und großen Wachsthum dieses Fabrickzweiges machen, wenn man bemerkt, daß noch 1816 und 17 ganz Frankreich jährlich nur 72,000 Sicheln lieferte, gegenwärtig aber allein in der Fabrick des Hrn. Garigou zu Toulouse 50,000 verfertiget werden. Dieß berechtiget zu der Hoffnung, daß Frankreich im Stande sei sich seinen Bedarf selbst zu bereiten, und daß die Einführung ausländischer Sicheln bald aufhören werde.

Sägen und Handwerkszeug von Eisen und von Stahl.

Die Verfertigung von Sägen kann man in Frankreich als einen neuen Kunsterwerbszweig ansehen. Wie bei den Feilen und Sicheln, hängt auch hier die Vollkommenheit der Arbeit von der Güte des Stahles ab. Als Beweise der Fortschritte in der Verfertigung der Sagen gelten die von den Departementen der obern Saone, der Loire und des Nieder-Rheins eingesendeten Stücke.

Gegen Ende des Jahrs 1817 haben zu Molsheim im Departement des Nieder-Rheins, die Gebrüder Coulaux, Manufakturherrn der Waffenschmieden zu Klingenthal, eine Fabrick für Schreiner- und andere Werkzeuge von Eisen und Stahl, in Verbindung mit einer Säge-Fabrick, eingerichtet.

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Sie zogen nach Molsheim eine Colonie von Landleuten, die gegenwärtig mit Erfolg alle diese Gegenstände für den Handel liefern. Diese Colonie zählte anfangs 30 Meister und 12 Gesellen. Am 10. July 1819 war sie bereits auf 90 französische Arbeiter angewachsen, welche früher in den Waffenschmieden zu Mutzig und Klingenthal angestellt, aber wegen des Friedenfußes, und des daher geringern Waffenbedarfs unnöthig geworden waren. Es ist ein vortreffliches Unternehmen, zwei Fabricken neben einander zu errichten, deren Lieferungen einen so entgegengesezten Zweck haben, indem die eine die Werkzeuge des verheerenden Krieges, die andere die des blühenden Friedens bereitet. Machen bei der einen die Umstände eine Verminderung oder Vermehrung der Arbeiter nöthig, so kann die andere dadurch die Zahl ihrer Arbeiter vergrößern, oder jener ihren Ueberfluß an solchen abgeben. Ein eben so glücklicher Gedanke war die Errichtung einer Messer-Fabrick in den durch den geringen Bedarf an Waffen leer gewordenen Gebäude.

Die auf die Ausstellung gelieferten Molsheimer Werkzeuge sind sehr gut gearbeitet, von besonderer Qualität, und ziemlich wohlfeil; es verdient daher diese Einrichtung zu Klingenthal den vorzüglichen Schuz der Regierung.

Kleine Waaren.

Hausgeräthe aus Gußeisen.

Hr. Baradelle von Paris hat Hausgeräthe, Werkzeuge, Nägel, Maschinenstücke, Tischbestecke etc. von Gußeisen geliefert, lauter Erzeugnisse, die alles bisher in Frankreich verfertigte dieser Art übertreffen.

Hr. Wurz von Strasburg gab zur Ausstellung Vasen von emaillirtem Gußeisen, die dem Feuer und den Veränderungen der Temperatur widerstehen.

Von Hrn. La Forge zu Kreuzwahl (Moselle) waren Oefen, Kohlenkästen und andere Gegenstände aus Gußeisen |359| zu sehen, alle sehr rein gegossen, und von guter Form. In Ansehung der Dicke hatte sich der Guß dieser Stücke nach der Verschiedenheit der jedem derselben nothwendigen Stärke gerichtet.

Uhrmacherei.

Fabrick-Uhrmacherei.

Der unter dem Namen Fabrick-Uhrmacherei bekannte Industriezweig liefert die rohen Räderwerke für Uhren und Pendeluhren, oder bloß die dem Uhrmacher unentbehrlichen Materialien, als Federn, Stahldraht fürs Getriebe etc., aber auch vollendete Arbeiten, jedoch nur von ganz gewöhnlicher Art, so wie sie eben mehr oder weniger beim Handel im Großen Abgang finden.

Zur Ausstellung kamen Arbeiten der Uhren-Fabricken in den Departements des Doubs, des Ober-Rheins, und der Nieder-Seine. Eine der ausgebreitesten Fabricken ist die der HH. Jappy zu Beaucourt im Ober-Rhein-Departement. Der Vater der gegenwärtigen Besitzer hat sie vor 40 Jahren gegründet. Man verfertigt dort mittelst Maschinen das Räderwerk für Uhren im Rohen, mit solcher Ersparniß von Handarbeit dabei, daß ein rohes Räderwerk, wovon das Stück ehehin 6–7 Franken kostete, gegenwärtig im Handel für 1 Fr. 40 Cent., bis 2 Franc. abgeht, woraus sich eine Verminderung von 71 zu 100, im Verhältnisse des Preißes bei dem alten Verfahren ergibt. Diese vortreffliche Manufaktur ging am 1. Juli 1815 bei der Anwesenheit der fremden Truppen in Feuer auf, und brannte völlig nieder, erhob sich aber bald wieder aus der Asche. Gegenwärtig beschäftigt sie 900 bis 1000 Arbeiter, die während eines Monats 14–1600 Duzend Uhrwerke liefern. Der 10 Theil davon bleibt in Frankreich, das übrige geht ins Ausland.

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Das Departement des Doubs hatte gleichfalls eine Fabrick, in der man durch Maschinen Uhrwerke verfertigte. Sie bestand zu Seloncourt bei Montbeliard, und gehörte den Gebrüdern Beurnier. Sie ist weniger ausgebreitet als die von Beaucourt. Monatlich liefert sie ohngefähr 340 Duzent. Der Preiß ist verschieden, von 19 Fr. 50 Cent. bis 20 Fr. 50 Cent. das Duzent, oder von 1 Fr. 63 Cent. bis 1 Fr. 71 Cent. das Stück. Nur den 20ten Theil sezte sie von ihren Arbeiten in Frankreich ab.

Im Jahr 1793 machte sich eine Colonie von Schweizer Uhrmachern, durch die Aufmunterungs-Erlasse des Gouvernements herbeigezogen, in Besancon ansässig, und stifteten eine Uhren-Fabrick, die gegenwärtig 800 Arbeiter männlichen und weiblichen Geschlechts zählt. Diese auf Industrie beruhende Bevölkerung, die jezt nach 26 Jahren noch sich erhält, beweiset, daß die Fabrick fest gegründet ist. Diese Uhrmacher leben nicht in einem einzigen Fabrick-Zunftverbande, sondern arbeiten in ihren eigenen Wohnungen, für Fabrikanten oder Komptoire, denen sie ihre Erzeugnisse liefern, welche sodann von diesen in Handel umgesezt werden. Das Uhrwerk beziehen sie aus Beaucourt und Seloncourt. Die Uhren aber werden in Besancon gemacht, und die Zahl derselben beträgt jährlich ohngefähr 30,000 Stück, mit goldenen, silbernen, kupfernen oder semilornen Gehäusen.

Die Vollendung und Ausarbeitung beschäftigt ausschließlich die Uhrmacherei, welche den vorzüglichsten Fleiß erfordert, und den größten Gewinn abwirft. Man bedauert nur, daß die Fabricken, die sich mit der vollendeten Fertigung abgeben, so wenig zahlreich verbreitet sind, daß sie kaum den 10ten Theil des rohen Räderwerks, das in Frankreich verfertiget wird, verarbeiten können. Es wäre |361| zu wünschen, daß unsere Uhrmacher nicht mehr eine so bedeutende Menge von Arbeit dem Auslande überlassen müßten.

Wir haben auch mechanische Fabricken für die Verfertigung des Pendeluhren-Räderwerkes. Eine solche ist die der Gebrüder Jappy im Doubs-Departement zu Badevel bei Montbeliard. Dort werden jährlich 4,800 Pendeluhren-Räderwerke gemacht, wovon 3/4tel an französische Uhrmacher kommen.

Es mag etwa 100 Jahre seyn, daß eine Fabrick für rohes Räderwerk zu Pendeluhren im St. Nicolas D'Aliermont im Nieder-Seine-Departement gegründet wurde. Sie beschäftigte ohngefähr 300 Arbeiter. Diese Kunst hat am allgemeinen Fortschreitungs-Gange keinen Antheil genommen, sondern ist auf der Stelle stehen geblieben, die sie zur Zeit ihrer Gründung einnahm.

Die bei dieser Arbeit anzuwendenden Mittel waren so unvollkommen, und die Resultate so unbeachtbar, daß sie im allgemeinen Wettgange zur Vollkommenheit nicht einhalten konnte; auch nährte der Verkauf nur sehr kärglich die angestellten Arbeiter. Im Jahre 1807 war die Fabrick ihrer Auflösung nahe, als einer ihrer geschikten Verwalter, Hr. Savoye von Rolin den Hrn. Honore Pons, berühmten Uhrmacher von Paris, der sich bei der Ausstellung 1806 eine silberne Medaille erworben hatte, nach St. Nicolas berief, und dort festzuhalten wußte. Hr. Pons traf eine ganz andere Einrichtung. Acht Maschinen von seiner Erfindung sind jezt im Gange für die verschiedenen Arbeiten, die vor ihm nur sehr mühsam durch die Hand, oder durch unvollkommene Instrumente zu Stande kamen. Die Geschiklichkeit der Arbeiter, unterstüzt von den neuen Hülfsmitteln, verschaffte den Erzeugnissen mehr Güte und Gehalt, und sie vermehrten sich in den meisten Werkstätten um das Zehnfache. Jezt ist diese Fabrick in vollem Schwunge. Sie |362| verkauft ihre Räderwerke an die ersten Pariser Uhrmacher, von welchen sie vollends ausgearbeitet werden.

Die Fabrick-Uhrmacherei ist ein sehr bedeutender Zweig. Sie liefert sehr viel Waare, vorzüglich in der Landschaft, wo ihre Werkstätten größtentheils errichtet sind. Ein neuer und beträchtlicher Handelszweig verdankt ihr sein Aufblühen. Die Jury hat ihr mehrere Auszeichnungen zugedacht.

Astronomische Uhrmacherei.

Unter dieser Benennung begreift man keinesweges jene Maschinen, durch deren Bewegung man das Sonnensystem versinnlichen will. Mehrere Künstler hatten ihre Zeit verschwendet mit der Erfindung dieser Art Maschinen, die die Kraft eines seltenen Kopfes, ein sehr erfindungsreiches, nachhelfendes Genie und eine äußerst geschikte Hand voraussezen. Die Jury glaubte nicht, daß es vortheilhaft sey, Künstler zum Weiterfortschreiten auf dieser Bahn anzufeuern. Denn die allervollendetsten Maschinen in dieser Art geben doch nur ein sehr unvollkommenes, oft sogar ein sehr falsches Bild vom Gange der Himmelskörper; sie sind oft noch verwickelter, als der allgemeine Mechanism, den sie darstellen sollen; wer in der Astronomie ein Fremdling ist, kann sie nicht verstehen, und wer mit jener bekannt ist, mag mit diesen nichts zu thun haben. Hiezu kommt, daß fast jedes Journal die genausten und vollständigsten Notizen über die Stellung der Gestirne in jedem einzelnen Augenblicke ertheilt; auch ist diese Maschine kein immergehender Handelsartickel.

Der wahre Zweck der Uhrmacherei ist genau und richtig, durch die einfachsten, sichersten, und der Nachhülfe am wenigsten bedürftigsten Mittel, das Zeitmaß anzugeben, und zwar so, daß der Gang der Maschine weder durch die Einwirkung der Temperatur, noch durch Veränderung der Stellung oder durch Umstellen der Maschine gehindert werde.

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Hr. Breguet und der verstorbene Louis Berthoud brachten auf die Ausstellungen von 1802 und 1806 See-Uhren und Zeitmesser von einer solchen Genauigkeit, daß sie den vollendetesten bekannten Instrumenten dieser Art in Nichts nachstanden. Seit 1806 hat diese bedeutende und schwierige Kunst noch mehr Fortschritte gemacht. (Wird fortgesezt.)

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Dieses ist eine englische Nachahmung, wo diese Art das Eisen mittelst Walzen statt dem Hammer gestreckt wird. In den Walzen sind die Formen, welche das zu streckende Eisen erhalten soll, eingedreht. Dieses Verfahren eignet sich aber nur für sehr große Werke, weil sowohl der Apparat als auch die Menge von Walzen, welche man nöthig hat, ein sehr bedeutendes Kapital voraussezen; auch ist hierzu eine große Kraft erforderlich, weil sonst das zu walzende Eisen stecken bleibt, und kostspielige Reperaturen verursacht. D.

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Die Fabrick von Imphy hat vorzüglich bearbeitete Eisenblechplatten von großem Umfange, und von mehr als 100 Kilogrammen an Gewicht geliefert.

Die Geschmeidigkeit des überzinnten Eisenblechs aus der Fabrick der HH. Mertian, Gebrüder (Oise), würde durch die genauesten Versuche erprobt, indem man getriebene Arbeit daraus machte, und einzelne Platten in kugelförmigen Globen oder trompetenartige Becher bog, wobei es alle Formen annahm, ohne Riße zu bekommen oder zu bersten.

Die Fabrick von Romilly (Eure) hatte schöne, durch bis Plattmühle gewalzte Kupferplatten von 4 Metr. Länge, und 2 Metr. Breite vorgewiesen.

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