Titel: Marechaux geschichtliche Darstellung der neuen Brenneinrichtungen etc.
Autor: Marechaux, Peter Ludwig
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. L. (S. 385–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004050

L. Erster Nachtrag zur geschichtlichen Darstellung der neuen Brenneinrichtungen, mit und ohne Zutritt der atmosphärischen Luft.

(Vergleiche den ersten Jahrg. dieses Journals 2. Bd. S. 377 u. f.)

Vom Professor Marechaux in München.

Mit Abbildungen auf Tab. IV und V.

1. Vorwort.

In meiner geschichtlichen Darstellung der neuen Destillir-Apparate, hatte ich hauptsächlich zum Zwecke, die Entwicklung des, von den Franzosen mit vielem Erfolge benuzten Prinzips, unter seinen verschiedenen Modifikationen zu verfolgen, und zu zeigen, daß bei der Thätigkeit, mit welcher man in Frankreich auf Erfindung neuer Kombinationen, zur Benüzung des hier anwendbaren Wärme-Ableitungsmittels hingearbeitet hatte, der Kreis der wesentlichen Modifikationen durchlaufen war, und daß den benachbarten Völkern nichts weiteres übrig blieb, als jene Kombinationen, auf die Destillation unserer Getreide- oder Kartoffel-Branntweine anzuwenden, und nunmehr bei dieser Anwendung die einfachsten Mittel einzuschlagen.

Zu dieser Absicht wählte ich bloß die französischen, zur öffentlichen Kenntniß gekommenen Apparate, an welchen irgend eine neue Anwendung dieses Prinzips gezeigt werden konnte: und nachdem ich den Unterschied zwischen unseren Branntweinbrennereien und den französischen auseinander gesezt |386| hatte, beschrieb ich einige, bereits in Deutschland, Schweden und Rußland, mit mehr oder weniger Erfolg versuchte Rectificatoren, und erzählte bei Gelegenheit des neuen patentirten, mir noch unbekannten Lenormandischen Apparates, einige von mir, mit Hoffnung eines günstigen Erfolges angestellte Versuche, im luftleeren Raume zu destilliren.

Dieser Aufsaz hat Leser gefunden, denen eine Uebersicht, wie diese, nicht unwillkommen gewesen ist. Es sind indessen dem Verfasser, aus Briefen über denselben, einige Auszüge mitgetheilt worden, die ich hier mit wenigen Worten berühren will.

»Es ist auffallend, heißt es unter anderen in einem derselben, wie vieles, was dort (im nördlichen Deutschland) längst erfunden und allgemein eingeführt ist, in Augsburg und München theils noch unbekannt ist, theils als dortige Erfindung, gewiß bonafide betrachtet, zum Theil als Geheimniß behandelt wird. Zum Beispiel, die in Hinsicht der verbesserten Branntweingeräthe oder Apparate (2. Bd. Heft 4. des P. Journ. S. 417) als wahrscheinlich von Lenormand angewandt, beschriebenen kleinen Apparate zum Operiren im luftleeren Raume. Dieses (nur um vieles einfacher) wird seit fast drei Jahren von den meisten Branntweinbrennereien in Benin mit Nuzen gebraucht. Der Kaufmann Pistorius hat solches zuerst bei seinem patentirten Apparat (welchen Hr. Marechaux nicht zu kennen scheint) angewandt.«

Da Herr Pistorius ungeachtet verschiedener mündlichen, schriftlichen, sogar öffentlichen Aufforderungen des Hrn. Prof. Gilbert, nicht damals für gut fand, seinen Apparat zur öffentlichen Bekanntmachung in den schäzbaren Annalen der Physik zu beschreiben, so hielt ich es nicht für rathsam, dasjenige, was ich davon wußte, und mangelhaft oder unrichtig seyn konnte, dem Publikum mitzutheilen, und zwar da dieser Apparat, in Bezug auf die Anwendung des Prinzips, dessen |387| Entwickelung der Gegenstand meiner Abhandlung war, nichts neues darbot, und das Problem der Destillation im luftleeren Raume, so weit mir damals bekannt war, nicht lösete. Ich wurde um so weniger veranlaßt, mich zum Behufe jenes Aufsazes, nach den Apparaten anderer Branntweinbrenner, sowohl in Berlin als in anderen Gegenden umzusehen, da ich ohne eine weitläuftige, kostspielige und nicht selten undankbare Korrespondenz, in öffentlichen Blättern bereits mehr fand, als ich zu meinem damaligen Zwecke brauchte. Wenn ich indeß hier dem Kunststeiße der Norddeutschen volle Gerechtigkeit widerfahren lasse, und das offene Zeugniß gern ablege, daß sie in Anlegung der neuen Apparate, und in Verbesserung der älteren, unzweckmäsigeren Formen, weit thätiger waren als wir, so müssen sie jedoch ihrer Seits nicht fordern, daß man Nachahmungen für Erfindungen halte, auf bloße Formveränderungen, die auf den Erfolg keinen Einfluß haben, einen Werth seze, und sich vor allen Dingen nicht einbilden, daß man in Augsburg oder in München, dasjenige nicht kennt, von dem man nicht spricht.

Wenn ich daher der ehrenvollen Aufforderung eines öffentlichen Recensenten meines Aufsazes, von Zeit zu Zeit eine Fortsezung desselben in dieser polytechnischen Zeitschrift nachzutragen, Folge leiste, so werde ich zu derselben keine Zeichnungen von Apparaten aufsuchen, deren Einrichtung noch bloßer Privat-Besiz ist; es sey denn daß die Eigenthümer mir solche selbst zu dieser Absicht zukommen ließen. Zum Gegenstand einer besonderen Aufmerksamkeit werde ich nur solche wachen, die durch öffentliche Bekanntmachung das Eigenthum des Publikums geworden sind, um ihre Vorzüge oder ihre Fehler aufzudecken, sie zu empfehlen, oder von ihrer Nachahmung abzurathen; nicht, daß ich dem denkenden Publikum meine Meinung aufdringen wollte, sondern damit die Nichtunterrichteten, die Gründe |388| und die Gesichtspunkte kennen lernen, die, bei Würdigung solcher Geräthe, in Erwägung gezogen werden müssen, und Niemand durch die Wahl eines fehlgeschlagenen Apparats, an dem Nichtgelingen einer kostspieligen Einrichtung Ursache nehme, die Wissenschaft zu beschuldigen.

Mit den Brennereien der Hrn. Pistorius und Dorn in Berlin, und des Hrn. Schirmer in Lichtenau, und den Apparaten des Hrn. Dr. Romershausen werde ich den Anfang machen. Ich finde die Beschreibung der drei ersteren in der landwirthschaftlichen Zeitung für daß Jahr 1820. (Herausgegeben von H. Schnee, Halle bei Hemmerde und Schwetschke.)

2. Brennerei des Hrn. Pistorius in Berlin.

a. Fig. 1. Tab. IV. Maischblase, mit ihrem gebogenen Helmrohr.

b. Maischwärmer, mit seinem gebogenen Rohr.

Jede dieser beiden Blasen hält ungefähr 35700 Pariser Kubikzoll, – ungefähr 11 baiersche Eimer; der Eimer zu 3233 1/2 Pariser Kubikzoll.

Wenn die Zeichnung nach einem Maßstabe, der indeß hier fehlt, entworfen ist, so ist die Blase ungefähr im Durchschnitt 5 mal so breit als sie hoch ist. Sie könnte also auf 10 Zoll Höhe, 5 Fuß im Durchmesser halten. Sie läuft in weniger als einer Stunde ab.

Wir erfahren nicht, ob die Konstruktion dieses Apparats auf Erfahrungen und Versuche gebaut wurde, oder bloß die Ausführung einer Idee ist, die ein befriedigendes Resultat einigermaßen gerechtfertigt hat. In diesem Dunkel kann es gestattet seyn, mit dem Maßstabe der Theorie, die Wirkung desselben auszumessen.

Man sieht bald, daß die Maischblase hier die Stelle des ersten Eyes im Adamschen Apparate vertritt, mit dem Unterschiede, daß Adam den, in seinem ersten ovalen Gefäße enthaltenen, Wein bloß durch die darin strömenden Dämpfe |389| der Blase zum Sieden bringt, wogegen Pistorius ausser diesen Dämpfen, noch einen bedeutenden Theil der Hize des Ofens dazu verwendet; und daß jener kein Gefäß leert, bis die Destillation überall vollendet ist, wogegen Pistorius den Maischwärmer in die erste Blase abläßt, sobald diese an Alkohol erschöpft ist, um die zweite alsdann mit frischer Maische zu füllen.

Man sieht ferner ein, daß Adam, der wenigstens drei solche große, mit Wein angefüllte Gefäße aneinander reiht, alle geistige Dampfe der vorhergehenden in den lezten anhäuft, und folglich den Rectificatoren ein schon an Alkohol reiches Produkt zuführt.

Dieses aber thut Hr. Pistorius nicht; sein einziges, zwischen dem Rectificator und der ersten Blase stehendes Gefäß ist der Maischwärmer, und aus diesem erheben sich Produkte, die von denen des lezten Adamschen mit Wein gefüllten Eyes sehr verschieden sind.

Man muß in den Verhältnissen, unter welchen die beiden Kessel in Verbindung stehn, drei Momente in der Temperatur des 2ten Kessels wohl unterscheiden. Anfangs ist die Maische so kalt, daß alle Dämpfe, sowohl die des Wassers als die des Weingeistes, sich darin condensiren. So lange diese Periode dauert, nimmt im Maischwärmer die Menge des Alkohols und des Wassers zu, in demselben Verhältnisse, wie sie in der ersten Blase abnimmt.

Die 2te Periode fängt von dem Augenblicke an, wo die Temperatur im Maischwärmer schon so zugenommen hat, daß die Alkohol-Dämpfe nicht mehr condensirt werden. Da durch die Niederschlagung der Wasserdämpfe viele Wärme frei wird, die sich in die Umgebung der ausströmenden Dämpfe vertheilt, so läßt sich der eigentliche Grad der Wärme der Flüssigkeit nicht theoretisch bestimmen, bei welchem die Entweichung des Alkohols in Dampfform anfängt.

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In dieser zweiten Periode, die aber nicht von langer Dauer ist, weil der Kessel vom Heerde aus stark geheizt wird, thut der Maischwärmer die Dienste eines Rectificators. Da aber die Dampfe bei ihrem ersten Aufflug reichlicher Alkohol mit sich führen, und sie während der Zeit, wo sie am gehaltreichsten sind, bei ihrem Eintritte in die Maische condensirt werden, so ist es klar, daß sie durch diese ganze zweite Periode ärmer an Alkohol sind, als während der ersten.

Auch geht der Maische an wahrem Gehalte größtentheils alles wieder verloren, was sie in der ersten Periode gewonnen hatte; denn wenn sich früher darin eine größere Menge Geist verdichtete, so bleibt jezt bloß Pflegma zurück, und kein Alkohol mehr.

Wenn also die dritte Periode antritt, diejenige nämlich in welcher der Maischkessel selbst zu sieden anfängt, so werden sich aus der darin enthaltenen Maische Dämpfe erheben, die kaum so gehaltreich seyn können, als sie der erste Kessel geliefert hatte, und sie werden noch mehr durch die Dämpfe geschwächt werden, die aus dem ersten Kessel kommen, und die immer mehr Pflegma dem Rectificator zuführen, weil der Unterschied in den Temperaturen immer geringer wird.

Da nun die Maische in dem Kessel kaum ein Fuß hoch ist, und das Rohr mehrere Zolle tief darin taucht, so ist in dieser Tiefe die Hize dem Siedepunkte so nahe, daß die Ausscheidung des Pflegmas nur noch sehr gering seyn kann.

Alle diese Betrachtungen bekommen noch mehr Gewicht, wenn man erwägt, daß bei fortgesezter Destillation, der erste Kessel eine Maische bekommt, die wenigstens schon zur Hälfte an Alkohol erschöpft worden ist, wodurch der 2te Kessel gleich anfangs mit sehr wenigem Alkohol, und mit vielem Wasser bereichert, und sein eigener Alkoholgehalt offenbar bedeutend geschwächt wird.

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Diese theoretische Ansicht stimmt mit der Erfahrung am Adamschen Apparate überein, nach welcher das erste Ey nur z.B. einen Branntwein von 16 Grad liefert, wenn die Blase ohne Verbindung mit demselben einen Branntwein von 18 Grad gegeben hätte.

Der zweite Kessel kann also nicht zu einem Rectificator dienen, und schadet als solcher mehr als er nüzet.

Vielleicht könnte man ihn von einer andern Seite betrachten, und die Frage aufwerfen, ob man durch die hier bestehende Verbindung an Zeit gewinnt. Denn auch dieses kann für eine Fabrick, die keine starke Brandweine braucht, ein großer Vortheil seyn.

Ich gestehe, daß mir zur theoretischen Entscheidung dieser Frage einige Data fehlen. Man müßte wenigstens wissen, wie viel Zeit nöthig ist, ehe jeder Kessel zu sieden anfängt. Es ist nicht zu leugnen, daß die ganze Zeit, wo die Dämpfe des ersten Kessels in der Maische des andern condensirt werden, für die Destillation verlohren geht; daß diese Dämpfe, die sich bloß an der Oberfläche der Flüssigkeit verdichten, zur Erwärmung der ganzen Masse nicht viel beitragen, da die meiste Hize von dem Heerde kommt; und sehr wahrscheinlich, daß wenn die beiden Kessel nicht in einander wirkten, die erste Blase eben so schnell ablaufen, und die Destillation der zweiten nicht langsamer vor sich gehn würde. Sie könnte sich alsdann in die zweite öffnen, damit die Dämpfe beider gemeinschaftlich zu dem Rectificator gelangten.

c. Röhre, durch welche die siedende Maische aus dem zweiten Kessel in den ersten gelassen wird. Die Oeffnung, durch welche frische Maische eingelassen wird, wird mit einem hölzernen Stöpsel verstopft. Man sieht sie auf der Zeichnung nicht.

d. Rührer, der in Bewegung gesezt wird, wenn die Maische aus dem Kessel b in den Kessel a fließt.

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e. Verlängerung des Helmrohrs des zweiten Kessels. Es ist in die Maische gesenkt, um diejenige die etwa überkochen könnte, in den Kessel zurückzuführen.

f. Seiten-Rohr, welches sich in den Rectificator öffnet. Wenn die Maische so stark übergehn sollte, daß sie nicht alle durch e in den Kessel zurückstießen könnte, so ergießt sich der Ueberschuß in dieses Seiten-Rohr.

g. Verlängerung des Seiten-Rohrs f, welches nach oben hinauf gebogen ist. Dieses Rohr ist während der Destillation mit Wasser angefüllt. Strömet die überlaufende Maische in das Seiten-Rohr f, so treibt sie das Wasser aus g heraus, und findet hier einen Ausgang, wodurch das Abspringen des Helms verhindert wird.

h. Rost zur Feuerung.

i. Canal, der dem Roste frische Luft zuführt. Die Feuerung ist sehr zweckmäsig. Die Flamme brennt unter dem ersten Kessel, zieht zum zweiten hin, vertheilt sich hier in zwei Canäle, circulirt in denselben um diesen Kessel, senkt sich durch das Mauerwerk zum ersten hinunter, und verliert sich in den Rauchfang.

k. Der Rauchfang.

l. Rectificator. Die Dampfe werden demselben durch die Röhre f zugeführt. Er besteht aus drei Gefäßen von gleicher Größe und gleicher Gestalt. Sie werden übereinander luftdicht, vermittelst dazwischen gelegter Pappendeckel an einander geschroben. Ihr Durchmesser hält 3 Fuß 4 Zoll. Ihre Höhe wird nicht angegeben, sie kann aber 4 bis 5 Zoll betragen, nach der Zeichnung zu urtheilen. Der untere Boden an allen dreien ist etwas nach unten zu gewölbt, was durch ein Versehn an der Zeichnung nicht bemerkt worden ist. Parallel mit dem oberen Boden wird der innere Raum durch eine Scheibe durchschnitten, die, weil der untere Boden nach unten zu gewölbt ist, den Dämpfen den Raum |393| verengt, wie sie sich nach dem Rande der Gefäße hin begeben. Diese mittlere Schichte sieht rund herum von den Seitenwänden um einen Zoll ab, und durch diese Oeffnung erheben sich die Dämpfe zu jedem darüber stehenden Gefäße hin.

m. Rohr durch welches das Pflegma, welches sich in dem Rectificator sammlet, abfließt.

n. Eine Wasserschichte, die auf der Oberfläche eines jeden der dreien Gefäße des Rectificators, vermittelst eines einige Zolle hohen Randes gehalten wird.

Auf dem untersten Gefäße erreicht das Wasser 70° Reaumur, auf dem mittleren 60°, auf dem obersten 50°.

o. Röhre, durch welche das Wasser aus dem Refrigerator oder Kühlfasse dem oberen Gefäße des Rectificators zugeführt wird.

Dieser Rectificator ist zum Theil nach der Isaak Berardschen irrigen Ansicht zusammengesezt. Dieser bildete sich ein, daß die Zerlegung der Dämpfe besonders befördert wird, wenn man ihrer Zirkulation Hindernisse in den Weg legt: da doch die Zerlegung derselben nur unter diesen Umständen befördert werden kann, wenn die Dämpfe bei einer zur Trennung des Wassers vom Alkohol günstigen Temperatur verlangsamt werden, es sei durch Anstoß an dazwischen liegende Körper, oder indem man sie zwingt, längs derselben oder in denselben, wenn sie durch eine Flüssigkeit gehn, einen längeren Weg zu nehmen.

Diese Bedingung entging Berard, der sich einbildete, daß es hinlänglich sei, um das Pflegma vom Geiste zu scheiden, den Dämpfen die Durchgänge zu erschweren.

Obgleich er auf diese neue Ansicht sein Erfindungs-Patent bekam, so sorgte er dabei doch, daß bei seinen vielen Querwänden die Dämpfe von einem Diaphragma zum andern, durch das sich auf denselben sammelnde Pflegma, |394| sich den Weg bahnen mußten, und betrachtete auch dieses als ein neues Hinderniß.

Wie kann man aber hoffen, daß diese Metallwände, mitten in den Dämpfen, die niedrigere Temperatur lange behalten werden, die zur Condensation der Wasser-Dämpfe erforderlich ist, da diese unaufhörlich durch ihre frei gewordene Wärme die Wärme dieser Bleche erhöhen, zumal da sie von der äußeren Luft zu sehr entfernt, an diese keine oder nur wenige Wärme absezen können.

Die drei mit Wasser belegten Oberflächen sind daher in diesem Apparate die rectificirenden Flächen, gemeinschaftlich mit denen, welche die Luft umgibt. Das Metall und die Luft sind an sich schon solche gute Wärme-Ableiter, daß ich an meinem Rectificator keinen Unterschieb an den Produkten wahrnehme, die Temperatur mag tief unter Null, oder viele Grade darüber seyn; selbst in den heißesten Sommertagen, wo das Thermometer 18 bis 20 Grad angab, ist bei zweckmäsiger Leitung des Feuers das Resultat dasselbe gewesen, und so oft sich Unterschiede zeigten, wurde die Destillation durch zu starkes Feuer zu sehr beschleunigt, so daß die Dämpfe alsdann zu schnell den rectificirenden Mitteln und Flächen entzogen wurden, und dieses geschahe eben sowohl bei 10 Grad Kälte, als bei 15 Grad Wärme. Die Zahl der Rectificatoren muß daher mit der Schnelligkeit, mit welcher die Blase abgetrieben werden soll, in Verhältniß stehn.

p, p' Zwei Kühlfässer mir ihrer Schlange.

q, q' Röhre, welche die Dampfe zu den Schlangen leiten.

p ist der Haupt-Refrigerator, der die Dämpfe durch das Rohr q empfängt.

p' ist ein kleiner Refrigerator, der die Dämpfe aus der Blase a empfängt, wenn man versuchen will, ob sie noch Alkohol enthalten.

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r. Röhre, durch welche die condensirten Dämpfe in das darunter stehende Faß laufen. Die Röhre stekt luftdicht in dem Spundloche des Fasses. Dieser Theil der Zeichnung ist in dem Original nicht deutlich angegeben, und die Konstruction dieses Theils des Apparats kann nicht von der Figur abgelesen, sondern muß bloß errathen werden.

s. Gebogenes Rohr, welches mit der Schlange im Kühlfasse mit dem Fasse durch das nach unten zu gebogene Rohr r, und mit t, einem Wasserbehälter, in welchem es sich öffnet, taucht.

Da sich aus der Maische eine große Menge kohlensaures Gas entwickelt, so wird dieses vor der Röhre s durch das in dem Gefäße t befindliche Wasser abgeführt, so wie es sich anhäuft; zugleich wird auch der aus dem Fasse, durch den Branntwein der sich darin sammelt, herausgetriebenen Luft auf eben diesem Wege, der Ausgang verschafft.

Das ist also die Zusammensezung eines Apparats, von welchem viel gesprochen worden ist.

Wenn die Zeichnung nicht trügt, und ich sie recht verstanden habe, so folgt aus dem bisher Gesagten:

1) Daß die Verbindung der ersten Blase mit der zweiten zur Rectification der Dämpfe, wenig und zur Beschleunigung der Arbeit kaum beiträgt.

2) Daß das Mittelblech im Rectificator ohne Nachtheil wegbleiben konnte.

3) Daß dagegen die Rectification gewinnen wurde, wenn das Wasser auf dem ersten Rectificator minder warm gehalten würde.

4) Daß die Destillation in keinem luftleeren Raume vor sich geht, es sei denn, daß man dadurch die Abwesenheit der atmosphärischen Luft versteht; aber auch diese ist in den unteren Windungen der Schlange zurückgeblieben, wenn sie auch sonst aus den übrigen Theilen des Apparats durch |396| den Druck und die Hize der elastischen Dämpfe herausgetrieben, oder äußerst verdünnt worden wäre. Ueberdieses ist die Schlange voll kohlensaurem Gase, welches sich aus der Maische in großer Menge entwickelt, und auf beide in dem Apparate befindlichen Luftarten drückt nun vermittelst des Gefäßes t und der Röhre s die atmospärische Luft; und dieser Druck wird noch durch den Druck einer wenigstens zwei Zoll hohen Wassersäule vermehrt, die dem Druck einer 1600 zölligen Luftsäule gleichkommt.

Dieses heißt nicht in einem luftleeren, oder luftverdünnten Raume destilliren, und wenn der Pistoriusche Apparat in dieser Hinsicht eine Nachahmung des Lenormandischen seyn sollte, so würde es nicht der Mühe werth seyn, sich weiter nach diesem lezten umzusehn.

Unter Destillation im luftleeren Raume versteht man aber eine solche, bei welcher kein andrer elastischer oder expansiver Stoff auf die Oberfläche der siedenden Flüssigkeit drückt, ausser den Dämpfen selbst, die sich aus derselben erheben, und die nur sehr wenig drücken, weil sie in der kühlen luftleeren Schlange wenigstens gegen die Mitte derselben ihre expansive Form verlieren.

Der Vortheil, den man durch die Destillation im luftleeren Raume zu bewirken sucht, ist ein schnelleres Sieden der Maische bei geringerer Feuerung. Es ist bekannt, daß im luftleeren Raume das Wasser schon bei 45 Grad siedet, das heißt in Dampf aufgeht. Es würde also an Feuermaterial gewonnen werden, wenn man ein leichtes, in großen Brennereien anwendbares Mittel hätte, die Luftleere in den Apparaten zu erzeugen und zu erhalten. Bei dieser niedrigeren Feuerung, gesezt auch sie müßte etwas höher seyn, würden die Pflanzenstoffe in der Maische nie Gefahr laufen einen brandigen Geschmack zu bekommen, was in unseren Brennereien um so wichtiger ist, weil unsere Maischen an solchen |397| Stoffen einen großen Ueberfluß haben, und wenn man bemerkt hat, daß Brandweine in luftleeren Räumen erzielt, einen besseren Geschmack hatten, so rührte dieses lediglich von jenem Umstande her, und nicht von der Berührung der Alkohol haltenden Dämpfe mit der atmosphärischen Luft. – Ein Vorurtheil, welches ich mich erinnere schon anderswo gelesen, oder wenigstens gehört zu haben.

Der Verfasser des oben angeführten Schreibens scheint daher mit den Grundsäzen der Naturlehre, und mit den Haupterfordernissen der Destillirkunst nicht bekannt zu seyn, und meinen Aufsaz hierüber sehr flüchtig gelesen zu haben. Ich besorgte sogar damals über so allgemein bekannte Dinge zu umständlich gewesen zu seyn. Man sieht hieraus, wie ungerecht der Sachverständige verfährt, wenn er demjenigen, der die Grundsäze der Wissenschaft zu verbreiten sucht, deshalb tadelt, weil er das längst bekannte umständlich wiederhohlt.

Herr Pistorius erhält aus einem Berliner Scheffel (2753,952 Par. Kubikzolle 10 Berliner Quart. (59 1/2 Paris. Kubikschuh) Brandwein, zu 60 Prozent nach dem Richterischen Alkoholometer. Da der baiersche Scheffel 11209,5989 Pariser Kubikschuh enthält, so ist er viermal größer, und würde daher 44 baiersche Maß Branntwein zu 60 pCt. abwerfen. 60 pCt. entsprechen ungefähr 25 Grad Beaume Brandwein zu 25 Grad Beaume, wenn er in Branntwein zu 20 Grad verwandelt wird, nimmt dem Volumen nach um 1/4 zu. Hrn. Pistorius Apparat würde daher von einem baierschen Scheffel 55 Maß Brandwein erhalten, welches das wenigste zu seyn scheint, was man hier zu Lande aus einem Scheffel Roggen zieht.

Wenn man von diesen lezten Angaben ausgeht, so läßt es sich nicht leugnen, daß Hrn. Pistorius Apparat den Zweck erreicht, den er sich wahrscheinlich vorgenommen hat; denn |398| der Branntwein, den er erzeugt, ist stärker als er zum gewöhnlichen Gebrauche erforderlich ist: es folgt bloß aus der obigen Würdigung der dazu angewendeten Mittel, daß dieser Zweck mit geringerem Kostenaufwande hätte erreicht werden können. Hr. Graf Subow kann mit seinem einfachen Rectificator Branntweine von demselben Gehalte erzielen. Wer die vorzüglich gute Feuerung des Hrn. Pistorius, und die flache Form seiner Blasen beibehalten will, welche beide sehr zweckmäßig sind, so darf man nur um eine hinlängliche Rectification zu erhalten, das Helmrohr der zweiten Blase bis nahe an den Boden eines hölzernen oder kupfernen Gefäßes führen, die Hälfte dieses Gefäßes mit einer Querwand durchschneiden, den oberen Theil mit Wasser füllen, und die in den unteren Raum des Gefäßes geleiteten Dampfe durch ein durch die Querwand und das Wasser gehendes Rohr in die Schlange führen. Stärker würde der Branntwein seyn, wenn, anstatt des Rohres, der Solimanische in Zigzag gebogene Rectificator in dem oberen mit Wasser gefüllten Theile angebracht wäre. Sehr leicht wäre es alsdann, wenn man noch stärkeren Branntwein verlangte, die Zahl solcher Rectificatoren zwischen dem Kessel und der Blase zu vermehren. – Die Vorkehrung, die zur Destillation im luftleeren Raume dienen soll, müßte als vollkommen zwecklos wegbleiben.

Diese Art von Rectificatoren, welche den Zweck dadurch erreichen, daß die Dämpfe durch das sich sammelnde Pflegma ziehen, sind deshalb vorzuziehen, weil der Weg, den die Dämpfe durchstreichen, sich verlängert, wie die Destillation fortschreitet, das heißt, wie die Dämpfe wasserreicher werden.

3. Brennapparat des Hrn. Fabrick-Kommissarius Dorn in Berlin.

Hr. Joh. Fried. Dorn hat ebenfalls in seiner Brennerei Rectificatore angebracht. Sein Apparat besteht aus folgenden Elementen.

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a. Fig. 2. Tab. IV. Heerd, mit seinem Roste und Aschenbehälter.

b. Blase, ebenfalls nach schottischer Art.

c. Der Helm, ein sogenannter schwedischer: eine Form, die ehemals einige Vortheile verschaffen konnte, weil sie den aufsteigenden Dämpfen eine breite, mit Luft umgebene Fläche darbot, und dadurch einige Wasserdämpfe absonderte, die aber, seitdem man das Prinzip dieser Zerlegung kennt, die Kosten der Blase ohne Noth vermehrt. Bei Gelegenheit des Rectificators werde ich das fehlerhafte dieser Konstruktionen berühren.

d. Ein kleiner Cylinder. Die Zeichnung, die ich vor Augen habe, ist so schlecht gemacht, daß ich den Mechanismus derselben, den die Beschreibung ebenfalls sehr dunkel angibt, bloß errathen muß.

Wenn ich also richtig errathe, so ist diese Vorkehrung eine Nachahmung der Isaak Berardschen. Die Dämpfe, die gegen den oberen Theil des Helms bei ihrem Aufsteigen anstoßen, werden genöthigt, da sie keinen andren Ausgang finden, durch das kleine Rohr d durchzugehn. Dieses Rohr steckt in einem zweiten, welches in einer kleinen Entfernung vom Boden, den Dämpfen, die sich in dem Raume zwischen beiden durchdrängen, den Durchgang gestattet. Da nur wenige mit einemmale durch diese kleine Oeffnung durchgehn können, so vergrößert sich nicht nur dadurch der Druck den die übrigen gegen die Seitenwände des Helms ausüben, sondern sie werden auch langer in dem Helm aufgehalten, Umstände, die der Rectification günstig sind.

ee'e'' Räume, in welchen sich die Dämpfe ausbreiten, sobald sie durch d den Helm c verlassen. Die Höhe eines jeden beträgt ungefähr 7 Zoll.

Bei Entwerfung dieses Rectificators ist ein wichtiger Versuch eines, mit den Grundsäzen der Wissenschaft und |400| der Kunst vollkommen vertrauten Physikers unbeachtet geblieben. Solimani, dessen Apparat in allen seinen Theilen den Prinzipien und der Erfahrung treu ist, fand, daß eine in Wasser getauchte Schlange, ungeachtet sie in seinem kleinen arbeitenden Apparate die erwünschten Dienste leistete, in dem großen diese Dienste versagte. Die Ursache lag darin, daß in der kleinen Schlange die Dämpfe vom Mittelpunkte an, rund herum eine Linie ungefähr von den kühlenden Seitenwänden abstanden, da hingegen in der großen Schlange diese Entfernung weit größer war. Es strichen daher durch die Windungen der Schlange zu viele Dämpfe durch, die der Einwirkung der niedrigeren Temperatur entgingen, und folglich mit allen ihren wässerigen Theilen dem Condensator zugeführt wurden. Den erwünschten Effekt konnte er nur erhalten, nachdem er die Seitenwände seines Rectificators um 2 Linien von einander entfernt hatte. So entstand sein aus verzinntem Kupferbleche in Form eines Zigzacks gebogener Apparat.

Welche Rectification kann man sich daher von einer Vorkehrung versprechen, welche die in der Mitte des Raumes liegenden Dämpfe um 4 Zoll von den beiden nächsten rectificirenden Flächen entfernt?

ff'. Zwei Zwischenräume, die mit Wasser angefüllt sind. Dieses Wasser kühlt also in f' die Decke des Rectificators e und den Boden des Rectificators e', und in f' die Decke des Rectificators e', und den Boden des Rectificators e''.

g. Decke des Rectificators e''. Sie ist mit einem höheren Rande umgeben, und mit Wasser angefüllt.

h. Rohr, welches kaltes Wasser dem obersten Theile des Rectificators e'' zuführt.

i. Rohr, welches das Wasser nach f' leitet.

k. Rohr, welches das Wasser in f führt.

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l. Großer Wasserbehälter, aus welchem das kalte Wasser durch h dem Rectificator zugeführt wird.

Nach der Zeichnung scheint das Wasser in den Leitungs-Röhren, und zwischen den Rectificatoren in einer fortdauernden Circulation zu bleiben. Nach dieser Vorkehrung läßt sich der Grad der Temperatur der am zweckmäßigsten ist, weder bestimmen noch festhalten. Ist die Temperatur zu niedrig, so condensirt sich in der Nähe der rectificirenden Flächen der Alkohol mit dem Pflegma, und der Zweck wird nur halb erreicht. Es ist fast nicht zu denken, daß man beim ununterbrochenen Abfließen die nöthige Temperatur erhalten kann, so schwach auch der Strahl sei. Da aber doch ein Verhältniß denkbar ist, bei welchem dieses möglich seyn dürfte, so läßt sich aus Mangel an näheren Angaben über die Temperatur, welche das Wasser in diesem Rectificator annimmt, nichts bestimmtes sagen.

m. Röhre, durch welche dies Pflegma aus e'' e' und e, in die Blase zurückfließt.

n. Gebogenes Rohr, durch welches die rectificirten Dämpfe aus den Rectificatoren sich nach der Schlange des Refrigerators begeben.

o. Trichterförmiges Gefäß, in welchem die Mündung des Rohrs n sich öffnet, und durch welches die Dämpfe sich in die Schlange begeben. Der untere Theil desselben wird von dem Wasser des Refrigerators benezt.

p. Schlange.

q. Refrigerator mit seinem Hahne, das zu warm gewordene Wasser abzulassen.

r. Maischwärmer mit seinem Rührer, der in Bewegung gesezt werden muß, wenn die erwärmte Maische nach vollendeter Destillation in die Blase gelassen wird.

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s. Rohr, welches das in den Rectificatoren erwärmte Wasser zu der schlangenförmigen, in dem Maischwärmer befindlichen Röhre führt.

t. Windungen, die das von den Rectificatoren abfließende warme Wasser von der Röhre t empfangen.

u. Mündung der schlangenförmigen Röhre t, durch welche das Wasser abfließt.

Dieser Maischwärmer wird also von innen durch das aus den Rectificatoren kommende Wasser, und von unten durch die Dampfe erwärmt, die sich durch o nach der Schlange ins Kühlfaß q begeben.

v. Oeffnung an dem Helm C, die während der Destillation mit einem Deckel verschlossen ist.

ww Rohr, welches nach vollendeter Destillation durch die Oeffnung v in den Helm gesteckt wird. Es ist an seinem äußersten Ende breiter, und wie der Kopf einer Gartensprize mit vielen kleinen Löchern durchbohrt. Bei Oeffnung des an dem Kühlfasse befindlichen Hahnes sprizet das Wasser nach allen Seiten gegen die Wände des Helms und in die Blase. Ein gut ausgedachtes Reinigungsmittel.

x. Rohr, welches mit dem Maischwärmer in Verbindung gebracht wird, sobald die Blase vermittelst des Rohres ww gereinigt, und dieses Rohr wieder herausgenommen worden ist. Man läßt durch dasselbe die erwärmte Maische in die Blase.

y. Kleiner Helm an dem Maischwärmer, der die sich darin erhebenden Dämpfe sammelt, und sie einer kleinen Schlange zuführt.

z. Schlange mit ihrem Kühlfasse für den Maischwärmer.

Es wäre allerdings zweckmäßiger gewesen, diesen Refrigerator zu ersparen, und die Theile des Apparats so zu ordnen, daß auch diese Dämpfe ihren Ausgang zu den Rectificatoren gehabt hätten.

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Herr Fabrick-Inspektor Dorn brennt täglich 8 Scheffel Kartoffeln mit der nöthigen Menge Malz, und er erhält vom Berliner Scheffel Kartoffeln 5 bis 6 Quart Branntwein, zu 36 Grad Richter. Da dieser Branntwein nur 36 Grad Richter hat, so ist er sehr schwach, und das Resultat bestätigt die über seine Rectificatoren gemachten Bemerkungen.

4. Brennapparat des Hrn. Schirmer zu Lichtenau.

Dieser Apparat ist nach dem Modell eines schwedischen verfertigt worden. Seine Bestandtheile sind folgende:

a. Fig. 3. Tab. IV. Die Blase. Das Verhältniß des Durchmessers zur Höhe ist für die Destillation nicht vortheilhaft, sowie auch der nach aussen gewölbte Boden.

b. Hoher schwedischer Helm, über welchen das nöthige bei Gelegenheit des Dornschen Apparats gesagt worden ist.

ce. Rinne, worin sich die in dem Helme condensirten Dämpfe sammeln.

d. Rohr, welches das in der Rinne cc gesammelte Pflegma in die Blase zurückführt.

ee Erster Rectificator: er ist mit Wasser gefüllt, und umgibt die oberen Theile des Helmes.

f. Rohr, welches die Dämpfe dem zweiten Rectificator zuführt.

g. Innerer Raum des zweiten Rectificators. Er ist bis zur Hälfte seiner Höhe in sechs Zellen eingetheilt, die alle oben offen sind. Man sieht unter jeder den Hahn, durch welchen das sich darin sammelnde Pflegma abgelassen wird. Fig. 2. zeigt den Querdurchschnitt dieses Rectificators.

Die innere Gestaltung dieses Rectificators scheint zur Absicht zu haben, die Dämpfe in dem Apparat länger aufzuhalten, und sie oft von unten nach oben, und umgekehrt circuliren zu lassen, ehe sie durch die an dem andren Ende desselben befindliche Oeffnung wieder herausgehn.

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Er hätte überdieses den Vortheil, daß er anzeigt, ob das auf die Rectificatoren fließende Wasser darauf zu kalt gehalten wird oder nicht. Wenn die Temperatur dieses Wassers die zweckmäßige ist, so sammelt sich in die lezte Zelle kein Pflegma; oder nur selten etwas weniges. Findet sich aber mehr Pflegma darin, so ist es ein Zeichen, daß sich Geist mit niedergeschlagen hat, und dieses geschieht, wenn die Temperatur des Wassers auf den Rectificatoren zu niedrig ist. In diesem Falle muß das Pflegma wieder in die Blase gelassen werden.

Diese Zellen, die sinnreich sind, würden mehr Nuzen stiften, wenn der innere Raum dieses Rectificators nicht so tief wäre; ungeachtet der wirbelnden Bewegung, welche diese viele Zellen den Dampfen mittheilen, müssen sehr viele den Rectificator verlassen, ohne die Wirkung der kühlenden Flächen erfahren zu haben: und alles, was von solchen Konstruktionen früher gesagt worden ist, gilt auch von diesem Apparat.

h. Oberer Theil des Rectificators. Er bildet einen Behälter, der mit Wasser angefüllt ist.

i. Trog, der unter dem Rectificator steht, und worin das Pflegma aus den Zellen des Rectificators abgelassen wird.

k. Rohr, welches das zu warm gewordene Wasser von dem ersten Rectificator in den Trog i abläßt.

l. Rohr, welches das zu warm gewordene Wasser von der Decke des zweiten Rectificators h in den Trog i führt.

m. Rohr, welches die rectificirten Dämpfe in den Condensator leitet.

n. Kühlfaß.

o. Kupferner Kasten, der im Kühlfasse steht, und worin die Verdichtung der Dämpfe eben so gut vor sich gehn soll als in der Schlange.

|405|

5. Bei dieser Gelegenheit muß ich auf einen andren ebenfalls schwedischen Condensator aufmerksam machen. Fig. 4. auf Tab. IV. stellt ihn vor.

Er besteht aus zwei kegelförmigen Cylindern, die in einander stehn, so daß zwischen beiden ein leerer 1/4 Zoll breiter Raum rund herum ist, in welchem die Dämpfe sich condensiren. Der Branntwein fließt sehr kalt heraus. Die Kühlung geschieht an beiden Flächen innen und aussen. Der Hauptvorzug dieses Condensators ist, daß die beiden inneren Flächen verzinnt und gereinigt werden können.

Dieser, der in der Brennerei des Herrn Grafen Reuß zu Burkersdorf bei Neustadt in Sachsen sich befindet, ist so eingerichtet, daß der innere Cylinder herausgezogen werden kann; da die Oeffnung oben zwischen beiden Cylindern auf diese Weise nie vollständig verschlossen werden kann, so muß sie während der Destillation gut verkleistert werden, und kann folglich nicht unter Wasser seyn. Besser ist, wo die Gelegenheit es gestattet, sie mit Zinn zulöthen zu lassen; um die inneren Theile zu reinigen, löthet man den ringförmigen Deckel ab, und nach der Reinigung, die von Zeit zu Zeit nur nöthig ist, wird alles wieder zusammengelöthet.

a. Fig. 4. Tab. IV. Innerer kegelförmiger Cylinder, er ist mit Wasser gefüllt. Seine Aussenseite ist verzinnt.

b. Aeußerer Cylinder, in welchem der andere a steckt. Er ist von innen verzinnt.

Der innere Cylinder a hat oben einen hervorstehenden Rand, der auf den Rand des äußeren Cylinders genau passet.

cc. Zwei Griffe, vermittelst welcher der innere Cylinder aus dem äußeren herausgehoben werden kann.

dd. Füße des Condensators.

|406|

Dieser Condensator hat einen Boden, so daß das Wasser nicht aus dem Kühlfasse von unten herein kann; es ist also nöthig einen besondern Wasserstrahl hinein zu führen. Der innere Cylinder hängt indeß mit diesem Boden nicht zusammen, der bloß zu dem äußeren gehört.

ee'. Zwei Oeffnungen in der Rinne, durch e wird das Wasser in den Refrigerator, und durch e' in den Condensator geführt.

Wenn beide Cylinder vermittelst eines flachen Ringes verbunden, und an diesem mit einer Zinnlöthung befestigt werden, so braucht man diese doppelten Wasserstrahlen nicht.

Hr. Schirmer brennt täglich 3 Berliner Scheffel Korn mit etwas Malz, welches 7 bis 8 Blasen gibt, und wovon er ungefähr 45 Quart Branntwein gewinnt. Nach der Einrichtung der Rectificatore zu urtheilen, scheint dieser Branntwein kaum 18 Grad Beaume erreichen zu können. Seine Stärke wird nicht angegeben.

Den Besizern dieser Apparate werde ich den verbindlichsten Dank schuldig seyn, wenn sie so geneigt seyn wollen, die so leichten Verirrungen der Theorie durch die Resultate ihrer Erfahrung zu berichtigen. Es ist nicht genug Apparate mit großem Kostenaufwande zu errichten, man muß sich auch bemühen an denselben zu verbessern, was zu verbessern möglich ist.

6. Destillir-Apparate des Hrn. Dr. Romershausen.

Die Beschreibung dieser Apparate ist in folgender kleinen Schrift enthalten.

»Destillir- und Abdunstungs-Apparat von Dr. Elard Romershausen, Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. Nebst 3 Zeichnungen, und einigen die Ausführung leitenden Modellen. Gedruckt auf Kosten des Verfassers bei A. Füchsel in Zerbst. Preis 4 Friedrichsd'or.«

Die kleine Schrift dieses bereits rühmlich bekannten Verfassers verdient um so mehr eine gründlichere Würdigung, |407| da sie von der Gegenwart der atmosphärischen Luft in der zu destillirenden Flüssigkeit ausgeht, um auf derselben die Zusammensezung eines neuen Apparats zu gründen.

Ehe ich mir irgend eine Bemerkung über denselben erlaube, werde ich die Beschreibung dieses Apparats vorausschicken, unter der Voraussezung, daß alles sich wirklich so verhält, wie es gesagt wird, und mit der Handmaschine anfangen. Fig. 1. ist der Durchschnitt derselben.

a. Fig. 1. Tab. V. Ein gewöhnlicher Blasebalg, mit einem an einer schiebbaren, eisernen Stange hängenden Gewichte, und dem Gestelle auf welchem er ruht. Man sieht die Schnur die an demselben befestigt ist, und durch welche ein Arbeiter ihn in Bewegung sezt.

b. Ein gebogenes Rohr, dessen eines Ende die Mündung des Blasebalges empfängt, indem das andere senkrecht steht, um das eine Ende der gebogenen Röhre c zu empfangen.

cc. Eine Röhre, deren beiden Enden nach unten zu gebogen sind, und zwar so, daß das eine Ende das senkrecht stehende Ende der Röhre b aufnimmt, und das andere auf das obere Ende der Röhre gesteckt wird. Ueber der Mündung der Röhre b ist ein Ventil angebracht, welches sich nach oben hin öffnet, und den Wind des Blasebalges durchläßt, dagegen von der andren Seite her den Weg sperrt. Diese Röhre hat überdieses in ihrer Mitte einen Hahn, um den Durchgang nach Willkühr zu öffnen und zu verschließen.

d. Ein hölzerner Stöpsel, in welchem das Rohr e luftdicht verkittet ist. Es wird mit Flachs oder Werg umwunden, und gehörig verkleistert, um die Luft abzuhalten.

ee Oeffnung in der Blase i, in welche der hölzerne Stöpsel d ebenfalls luftdicht eingelassen wird130).

|408|

f. Rohr, dessen oberes Ende so gebogen seyn muß, daß es in das andre nach unten zu gebogene Ende der Röhre c luftdicht eingepaßt werden kann.

gg. Eine messinge, mit vielen Löchern durchbohrte Scheibe, die über der Wölbung h auf dem Boden des Kessels i liegt. An dieser Platte befindet sich in der Mitte derselben ein röhrenförmiger Ansaz, der mit der Oeffnung e in der Blase i correspondirt, so daß das Rohr f, welches durch e in die Blase gesteckt wird, in diesen Ansaz, der inwendig ein Schraubengewinde hat, eingeschroben werden kann.

h. Wölbung in der Blase i, über welcher die durchlöcherte Scheibe gg liegt. Wenn der Blasebalg in Bewegung gesezt wird, und der Hahn an der Röhre c offen ist, wird die Luft, die unter diese Scheibe getrieben wird, genöthigt, sich durch die vielen kleinen Löcher derselben in die darüber stehende Flüssigkeit zu begeben; so daß die Maische, die durch die Wirkung der Wärme, die damit verbundene Luft verliert, immerwährend frische Antheile Luft aufzunehmen gezwungen ist.

i. Maischblase mit ihrem Ablaßrohr und dem nöthigen Mauerwerke. Unter den hier obwaltenden Umständen ist es zweckmäßig, daß sich ihre Höhe zu ihrem Durchmesser verhalte ungefähr wie 1 zu 2. Die schottländischen flachen Blasen würden hier nicht solche gute Dienste thun.

k. Helmrohr. Der Verfasser, der für die Dämpfe einen freien Spielraum will, verlangt, daß die Oeffnung |409| der Blase wenigstens die Hälfte des Durchmessers des Bodens halte. Die Breite dieser Oeffnung bestimmt die Breite der auf der Wölbung h liegenden Scheibe gg.

Dieses Helmrohr, welches genau in die breite Mündung der Blase paßt, ist seitwärts hin gebogen, und fügt sich mit seiner oberen Mündung, deren Verhältniß die Zeichnung anzeigt, in die obere Oeffnung der Röhre l.

l. Ein Rohr, welches die Dämpfe aus k in die zweite Blase o führt. Es geht durch dieselbe schräg bis nahe an ihren Boden hin, wo es an der Scheibe mm angelöthet ist.

mm. Fein durchlöcherte Scheibe, die den ganzen Boden der Blase o bedeckt, und in welcher sich das Rohr l öffnet. Sie ist vermittelst eines Charniers in zwei ungleich große Theile getheilt; an dem größeren ist das Rohr l angelöthet. Dieser größere Theil hält ringsherum an dem Kessel o fest, aber der kleinere Theil kann aufgeklappt, und muß aufgeklappt werden, wenn der Boden des Kessels gereinigt wird.

n. Wölbung des Bodens des Kessels o, unter der Scheibe m. Die Dämpfe, die sich aus der ersten Blase i erheben, werden genöthigt durch die vielen kleinen, in dieser Scheibe befindlichen Löcher durchzuziehn.

o. Zweite Blase. Sie vertritt hier die Stelle eines Rectificators. Es wird nämlich in dem Raume derselben eine beträchtliche Menge, größtentheils wässriger Dämpfe niedergeschlagen, die sich auf dem Boden dieses Kessels sammeln; vermittelst dieses Pflegmas geschieht hier eine Zerlegung der aus dem Kessel i sich erhebenden Dämpfe.

p. Helmrohr für die Blase o. Der Durchmesser der Oeffnung dieser Blase ist auch hier zu dem Durchmesser der Blase selbst, wie 1 zu 2, und eben so groß ist die untere Oeffnung des Helmrohrs. Dieses Helmrohr wird seitwärts abgebogen, wie das des ersten Kessels. Die Größe der |410| oberen Oeffnung läßt sich an der Zeichnung leicht abnehmen.

qqqq. Ein Gaetascher oder schwedischer Condensator. Der Verfasser seiner Meinung treu, daß die Dämpfe zu ihrer Ausbreitung einen weiten Raum haben müssen, läßt zwischen den beiden Cylindern einen sehr weiten Raum. Zwei ringförmige Scheiben verbinden beide oben und unten. Die Abkühlung geschieht also hier von innen und von aussen, von oben und von unten. Oben hat der äußere Cylinder ein Ansazrohr, durch welches die Dämpfe aus dem Kessel o hineingehn, und die noch elastisch gebliebenen entweichen durch das untere, an demselben äußeren Cylinder angebrachte Ansazrohr.

rr. Ein Faß, in welchem die Maische, die in die Blase i kommen soll, gewärmt wird. Sie wird nämlich hier durch die Dämpfe gewärmt, die sich in dem Condensator qqqq niederschlagen.

ssss. Ein gewöhnlicher Umrührer.

tt. Ein Rohr mit einem Hahn versehn, dessen eines Ende sich in dem Maischwärmer rr, und das andere in der Blase i öffnet. An diesem Rohr zwischen dem Hahne und dem ersten Kessel befindet sich ein kleines, ebenfalls mit einem Hahne versehenes Ansazrohr, welches sich in dem zweiten Kessel öffnet.

uu. Ein zweiter schwedischer Condensator von derselben Konstruktion wie der erste qqqq, mit dem Unterschiede, daß das obere Ansazrohr gegen die Mitte des äußeren Cylinders angebracht ist, und das untere senkrecht auf dem ringförmigen Boden steht, in welchem es sich öffnet.

vv. Ordinaires Kühlfaß.

x. Trichterförmiger Körper. An seinem Deckel ist eine röhrförmige Oeffnung, in welcher das untere Ansazrohr des |411| zweiten Condensators uu paßt. Seine Spize lauft in ein langes rechtwinklicht gebogenes, mit einem Hahn versehenes Rohr zu, welches seitwärts durch die Wände des Kühlfasses geht. Oben, dicht am untern Deckel ist ein Ansazrohr, welches sich in der oberen Mündung der Schlange öffnet, in welcher es wasserdicht paßt. Ein Theil der Dämpfe, die aus dem zweiten schwedischen Condensator kommen, condensiren sich in diesem trichterförmigen Gefäße. Die elastisch gebliebenen ziehn nach oben zu in die Schlange y.

yy. Gewöhnliche Schlange; der Trichter x steckt mitten in den Windungen derselben, und ist durch sein horizontal gehendes Ansazrohr mit derselben wasserdicht verbunden.

z. Gewöhnliches Kühlfaß.

Dieser Apparat ist also mit 4 Refrigeratoren versehn. Der Verfasser versichert, daß die Dampfe bei seiner Methode sich in solcher Menge erheben, daß man sie bei gewöhnlicher Kühlung mit einer Schlange aus derselben herausströmen sieht.

Die Verfahrungsart und der Gang des Destillir-Processes sind folgende:

Man schraubt zuerst die Röhre f in den an der Scheibe gg befindlichen Ansaz, und sorgt daß die Oeffnung ee luftdicht verschlossen werde. Alsdann wird die Röhre cc auf die Ansazröhre luftdicht gesteckt, und die Blase i mit Maische gefüllt. Nun sezt man das Helmrohr k auf die Mündung der Blase, und verkittet sie luftdicht. Man zündet jezt das Feuer an. Sobald die Flüssigkeit zu sieden anfängt, öffnet man den Hahn in cc, und bewegt nach kurzen Zwischenräumen den Blasebalg. Der Hahn muß verschlossen seyn, wenn der Blasebalg ruht, weil sonst der Druck der Dämpfe die Flüssigkeit aus der Blase i in das Rohr f, und folglich durch cc in den Blasebalg treiben würde; auch dient |412| dieser Hahn um den Windstrom, den man geben muß, zu reguliren, indem ein zu starker nachtheilig seyn könnte.

Sobald der Blasebalg in Bewegung ist, muß das Feuer verstärkt werden, weil die kalte Luft die Flüssigkeit abkühlt und sie nie über den Siedpunkt warm werden läßt.

Die Dämpfe steigen durch das Helmrohr k, rectificiren sich zum Theil in der Blase o, und gehn von dort durch das Helmrohr p in den Condensator qqqq, wo sie durch den Wärmestoff den sie absezen, die in dem Maischwärmer rr befindliche Maische erwärmen; von hieraus ziehn sie durch den zweiten Condensator uu theils in den Trichter x, wo sie sich condensiren, theils in die Schlange.

Anfangs bleibt der Hahn unten am Trichter x verschlossen, damit Flüssigkeit sich in der Röhre sammle; sobald dieses geschehn ist, wird der Hahn so weit nur geöffnet, daß der Abfluß dem Zufluß gleich bleibe, was die Erfahrung bald lehrt. Ohne diese Vorsicht würden sich die Dämpfe durch die untere Oeffnung des Trichters verlieren, und nicht zur Schlange hinauf ziehn.

Man kann die Produkte aus dem Trichter und aus der Schlange abgesondert empfangen, oder sie in ein Gefäß zusammen fließen lassen.

Sobald die Destillation geendet ist, wird cc abgenommen; das Rohr f etwas gelüftet, und die Schlämpe abgelassen. Man öffnet alsdann den an dem Verbindungs-Rohr zwischen dem Kessel o und der Röhre tt befindlichen Hahn, damit das in o befindliche Pflegma ablaufe, und durch seinen Fall die am Boden der Blase i unter der Scheibe gg befindliche Oeffnung reinige. Sobald alles abgelaufen ist, wird dieser Hahn wieder verschlossen, die Röhren cc und f werden wieder eingesezt, der Hahn an der Röhre tt wird geöffnet, die Maische aus rr wird in die Blase i gelassen, und nach |413| verschlossenem Hahne der Maischwärmer wiederum gefüllt: und so geht die Destillation wieder an.

Diesen Apparat bestimmt der Verfasser für gewöhnliche Brennereien. Für große Institute dieser Art ist der folgende Fig. 2. Tab. V.

a. Der Brennkessel mit seinem Ablaßrohr und seinem Heerde. Alle Verhältnisse der Kessel und der Röhren wie im vorigen.

bb. Oeffnung an der oberen Wölbung der Blase.

c. Hölzerner Stöpsel, der in die Oeffnung bb genau und luftdicht passen muß.

d. Röhre, oben mit einem Hahne versehn, und die luftdicht in den hölzernen Stöpsel c verkittet werden muß.

Anstatt dieses Stöpsels ist es auf jeden Fall besser die Vorkehrung Fig. 3. zu wählen.

ee. Fein durchlöcherte Scheibe die zwischen Stüzen liegt, die das Verrücken derselben hindern, mit einem Ansazrohr versehn, welches so geneigt seyn muß, daß das Rohr d am untersten Ende desselben ein Schraubengewinde ist, in dieses Ansazrohr fest eingeschroben werden könne. Je größer sie ist, desto besser ist es. Ihre Größe richtet sich aber nach der Größe der Mündung der Blase.

f. Wölbung am ersten Brennkessel a, über welcher die Scheibe ee liegt.

g. Helmrohr.

hhhh. Ein kupfernes Gefäß, in welchem die Blase i so steht, daß die Dämpfe die aus g dahin kommen, rund herum frei spielen.

iiii. Der Gaetasche Condensator, in welchen die Dämpfe sich aus h ergießen. Er dient im Maischwärmer zz zur Erwärmung der Maische.

k. Rohr, welches die Dämpfe aus iiii zur Pumpe l führt.

|414|

l. Pumpe mit ihrem Stiefel, ihrem Kolben und ihrem nach obenhin sich öffnenden Ventile.

Wenn der Kolben in die Höhe gezogen wird, so hebt sich unter dem Drucke der Luft, der Dämpfe, und des dahin strömenden Pflegmas das Ventil, und diese füllen den leeren Raum des Stiefels.

mn. Vorkehrung, mit einem nach oben sich öffnenden Ventil versehn, vermittelst welches die in dem Stiefel vorhandenen Stoffe, Dämpfe, Luft, Pflegma, in n getrieben werden.

oo. Eine mit n luftdicht verbundene Röhre, oben mit einem nach oben hin sich öffnenden Ventil versehn. Durch diese Röhre treibt der Stiefel der Pumpe l Luft, Dämpfe, und Pflegma in den Blasenkessel p.

p. Blasenkessel mit einem Ansazrohr an seinem Boden, woran sich ein Hahn befindet.

qq. Fein durchlöchertes Blech, welches den ganzen Boden des Blasenkessels p bedeckt.

r. Wölbung des Kessels, über welcher das Blech qq liegt.

s. Helmrohr der Blase p.

t. Rohr, welches das Helmrohr s mit dem Condensator uu verbindet.

uu. Zweiter Condensator. Er ruht auf dem Boden des Refrigerators vv, theils auf Füßen, theils auf einer an seiner Ableitungs-Röhre befindlichen hervorstehenden ringförmigen Scheibe.

vv. Refrigerator.

x. Trichter, wie im vorigen Apparat, verbunden mit der Schlange.

y. Refrigerator.

zz. Maischwärmer, mit seinem Umrührer, und dem Rohr durch welches die Maische aus dem Maischwärmer, |415| und das Pflegma aus dem Kessel p in die Blase a gelassen wird.

Bei diesem Apparat muß bemerkt werden, daß die Bewegung des Kolbens mit Menschenhänden nicht leicht möglich ist. Es ist dazu eine Wassermühle, eine Pferdemühle oder eine Dampfmaschine nöthig; und bei größeren Vorrichtungen sind sogar 2 Pumpen erforderlich.

Man verfährt damit folgendermaßen. Die durchlöcherte Scheibe ee wird zwischen ihre Stüzen auf den Boden der Blase a gebracht. Die Röhre d wird in den Ansaz der Scheibe ee eingeschroben, und bei bb luftdicht befestigt. Nun wird die Blase beinahe bis zum Rande der oberen Wölbung gefüllt, das Helmrohr aufgesezt und verkittet. Sobald die Flüssigkeit den Siedpunkt erreicht hat, wird die Pumpe in Bewegung gesezt. Die Verdunstung in a wird beschleunigt, so lange noch Luft in der Maische befindlich ist. Jezt, um zu verhindern daß die ganze Masse nicht augenblicklich in Dampf übersteiget, muß der Hahn am Rohre d geöffnet werden. Die Luft dringt alsdann mit Gewalt durch die Scheibe ee in die Flüssigkeit, und erhält sie im starken Aufwallen. Die fortwährende Abkühlung läßt die Flüssigkeit den Siedepunkt nicht übersteigen, und da alles vom Grunde aus in heftiger Bewegung erhalten wird, kann kein Anbrennen Statt finden. Die Dämpfe vermittelst der Pumpe in die Blase p getrieben, gehn dann ihren gewöhnlichen Gang, und erwärmen bei ihrem Durchzuge die Maische in zz.

Da aber in dem Rückstande in p noch einige geistige Theile vorhanden sind, so kann man nach vollendeter Destillation, und ehe die erwärmte Maische in den Kessel a gelassen wird, das in p gesammelte Pflegma in den Kessel ablaufen lassen, den Hahn an der Ableitungs-Röhre schließen, und einige Augenblicke noch Feuer geben.

|416|

7. Einige Bemerkungen über diese Apparate.

Bis hieher bin ich den Ansichten der kleinen Schrift in allen Stücken, selbst in der Anzeige der Resultate treu geblieben, so daß ich in der Voraussezung, daß alles sich auch wirklich so verhalten wird, wie sie es angibt, gesprochen habe.

Da aber die Resultate dieser beiden Apparate noch durch keine unmittelbare Erfahrung, nicht einmal an einem arbeitenden Model bestätigt worden sind, und lediglich auf einige Versuche mit der Luftpumpe, und auf theoretischen Ansichten beruhen, so ist es um so mehr Pflicht, die Grundsäze, welche diesen Constructionen zum Grunde liegen, und die wirklichen Resultate, die etwa zu erwarten seyn können, einer ernsten Prüfung zu unterwerfen.

Abgesehn von der Richtigkeit der Voraussezung, welche diese Constructionen veranlaßte, würden sie schwerlich Eingang finden, weil sie in einer Branntweinbrennerei nothwendig zwei Arbeiter erfordern. Es ist allgemein bekannt, daß ein Arbeiter an der Bereitung der Maische, an der Füllung der Blase, an der Leitung des Feuers, an der Reinigung der Fässer, und an vielen damit verbundenen, namenlosen Beschäftigungen seine volle Arbeit hat, und daß ihm keine Zeit übrig bleibt den Blasebalg zu bewegen. Nur einzelne Brennereien könnten zur Bewegung desselben, oder der an seiner Stelle vorgeschlagenen Pumpe, ein vorhandenes Mühlenwerk benuzen. Wer auf die Idee geräth, das Feuer des Ofens mit zur Erzeugung der Dämpfe anzuwenden, die nöthig sind, eine Dampfmaschine arbeiten zu lassen, der weiß nicht, wie viel Wärme erforderlich ist, die dazu nöthigen Dämpfe zu bilden; und dann würden die Zinsen des auf die Einrichtung der Dampfmaschine verwendeten Capitals eben so wenig, als die Kosten eines zweiten Arbeiters, durch den Ertrag der Brennerei gedeckt werden, besonders bei der |417| großen Konkurrenz so vieler Brennereien, die seit mehreren Jahren auf allen Landgütern errichtet, mehr Branntwein liefern, als konsumirt werden kann, und folglich die Preise so herabdrücken, daß die Benuzung der Schlampe abgerechnet, man das auf die Branntweinbrennereien angewendete Kapital auf jede andere Art besser verzinsen könnte, so daß nur ein sehr großer Absaz einigen nahmhaften Vortheil noch gewähren kann. Da dieser Absaz sich aber hier nicht durch die Güte der Produkte (denn der Qualität nach sind sie sich in der Regel alle gleich), sondern nur durch eine besondere Lage, oder durch einen Einfluß besonderer Umstände, herbeiführen läßt, so sind die übrigen, die einen solchen Absaz nicht haben, oder nicht haben können, genöthigt, ihr Kapital zu den niedrigsten Zinsen zu verarbeiten. Für alle diese taugt also eine Einrichtung nicht, welche die Kosten des Arbeitlohns so bedeutend vermehrt.

Würdiget man aber näher die Voraussezung, auf welcher der neue Vorschlag beruht, so überzeugt man sich bald, daß er ebenfalls denen, die durch größeren Absaz unterstüzt, die Zinsen größerer Auslagen tragen können, keinen Vortheil verspricht.

Es ist zwar wahr, daß in der Luftleere die mit dem Wasser verbundene Luft schnell entweicht, und bei dieser Entweichung viel Wasser mit sich fortreißt, welches sich in seiner Verbindung mit der Luft, in Dunstgestalt zeigt. Diese Bedingung findet aber nicht in den Apparaten des Verfassers Statt. Bei Anwendung des Blasebalges ist über der Oberfläche der Flüssigkeit, durch welche die Luft streicht, keine Luftleere vorhanden, und wenn bei Bewegung des Kolbens eine Luftverdünnung Statt findet, so streicht die Luft schnell durch die Flüssigkeit durch, und zu schnell, um eine hinlängliche Verbindung mit dem Wasser einzugehn; denn es ist bekannt, daß mehrere Stunden nöthig sind, ehe ein von |418| aller Luft befreites Wasser sich mit der Quantität Luft wieder sättigt, die es fassen kann. Die anziehenden Kräfte zwischen Luft und Wasser sind zu schwach, um so mächtig und so schnell zu wirken, und bei der größten Vertheilung, die das Sieb hervorzubringen im Stande ist, wälzt sich die Luft in Kügelchen, die desto größer werden, wie sie sich mehr erwärmen durch die Masse der siedenden Flüssigkeit durch.

Es ist also hier nicht die Rede von einer kalten oder schwach erwärmten Flüssigkeit, sondern von einer Flüssigkeit, die so weit erhizt ist, daß sie unterm Drucke der Atmosphäre die damit verbundene Luft nicht mehr durch die Kraft ihrer Verwandtschaft halten kann. Wenn man Wasser in einem metallenen Gefäße siedet, so weiß man, wenn dieser Zeitpunkt eintritt. Man sagt dann, daß das Wasser singt, und jederman weiß, daß wenn dieses Statt findet, der Siedepunkt nicht weit entfernt ist. Die Capacität der Luft zur Wärme scheint daher von der Capacität des Wassers zur Wärme nicht sehr verschieden zu seyn. Wenn es nun auch wirklich wahr ist, wie man es nicht leugnen kann, daß die stark erwärmte Luft, wenn das Wasser dem Siedepunkt nahe ist, bei ihrem Entweichen viel Wasser mit sich nimmt, so folgt aus dieser richtigen Thatsache doch noch nicht, daß wenn man einem siedenden, von seiner Luft befreitem Wasser immer frische Luft zuführt, die Verdunstung dadurch beschleunigt werden wird. Obgleich ich mich davon überzeugt, und mir von dem hier obwaltenden Prozesse einen ziemlich deutlichen Begriff gemacht zu haben glaubte, so wollte ich doch der theoretischen Ansicht nicht trauen, und um die Erfahrung zu Rathe zu ziehn, machte ich gestern folgenden Versuch, den ich zweimal wiederhohlt habe.

In eine eiserne Pfanne goß ich drei Maß Wasser, nach 16 Minuten, von dem Augenblick des Siedens an gerechnet, war ohne Hülfe der in die Flüssigkeit geblasenen Luft |419| ein Maß Wasser verdunstet. Zweimal hintereinander wiederhohlte ich unter den möglichst gleichen Umständen denselben Versuch, mit dem Unterschiede, daß ich vom Augenblicke des Siedens an, vermittelst eines schräg liegenden Blasenbalges, frische Luft langsam auf den Boden der Pfanne hinströmen ließ, und nach Verlauf von 16 Minuten fand ich jedesmal nicht mehr nicht weniger Wasser verdunstet, obgleich das Wasser nicht zu sieden aufhörte, obgleich die hineingebrachte Luft sich in unzähligen kleinen Blasen vertheilte, und das Wallen beträchtlich vermehrte, obgleich endlich ein weit dickerer Dunst sich von der Oberfläche des Wassers erhob.

Dieser entscheidende Versuch bestätigte meine Vermuthung, daß hier eine Kompensation nothwendig Statt finden mußte. Alle Wärme nämlich, die auf die Expansion der Luft verwendet wird, geht hier für die Dampfbildung verlohren, und was an Dunst gewonnen wird, wird an Dampf eingebüßt, um mich hier der Sprache des Verfassers zu bedienen, die mir jeder Physiker nicht gerade zu gut heißen wird, da viele zwischen Dunst und Dampf keinen Unterschied gestatten wollen.

Der neue Apparat verschafft also keinen Vortheil in Bezug auf die Geschwindigkeit der Destillation.

Die Hoffnung, daß auf diesem Wege das Anbrennen verhütet werden kann, könnte eher gegründet seyn, weil die Luft, die in die Flüssigkeit dringt, eine große Wallung derselben, und folglich eine immerwährende Bewegung der schweren Stoffe unterhält. Allein die Rührer thun dasselbe, und der Graf Subow erreicht mit geringeren Kosten denselben Zweck vermittelst seiner Dampfdestillation.

Die Meinung, daß Fusel und brandiges Wesen eben und dasselbe sind, ist ungegründet. Das brandige Wesen, welches die gemeinen Korn und Kartoffelbranntweine gar zu oft an sich haben; ist eine Wirkung des zu starken Feuers, |420| und die Folge der Nachlässigkeit des Brenners, der seine Maische nicht umrührte, oder das Feuer nicht zu leiten wußte. Der Fusel ist ein flüchtiges Oel, welches sich aus unseren mehligten Substanzen in dem Gährungsprozesse bildet. Dieses Oel ist nicht vollends so flüchtig als der Alkohol, so daß es zum Theil zurückbleibt, wenn die Destillation bei sehr mäßiger Wärme geschieht, bei stärkerer Hize aber geht er mit herüber, daher je geschwinder die Branntweine herübergetrieben werden, desto mehr fuseln sie. Da indeß auch das Wasser von diesem flüchtigen Oele in sich aufnimmt, so bietet uns die vorgeschlagene Methode kein Mittel, reinere Branntweine zu erhalten.

Was die breiten Röhren anbetrifft, in welchen Herr Dr. Romershausen die Dämpfe sich herumwälzen lassen will, so habe ich hinlänglich die Gründe angegeben, warum diese Constructionen zu verwerfen sind.

|407|

Dieser Schluß kann bei einer vollkommnen Einrichtung durch die in Fig. 3. vorgestellte Schraubenvorrichtung bewirkt werden.

|408|

aa ist der oben weitere Ansaz des Blasenkessels, im inneren mit einem Schraubengewinde versehn. Er wird an der Wölbung des Kessels fest angelöthet. Das Rohr f, welches willig durch ein in diese Wölbung gemachtes Loch durchgeht, wird in dem Röhransaz an der Scheibe gg eingeschroben, alsdann wird der hohle Raum mit nassem Werg gefüllt, und dieses mit der Schraube bb fest zusammen gedrückt. –

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