Titel: Jak. Collier Verbesserungen an einer Tuch-, Rauch- und Zuricht-Maschine.
Autor: Collier, James
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. LII. (S. 425–429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004052

LII. Erklärung des dem Jak. Collier, bürgerl. Maschinisten zu Frocester in der Grafschaft Gloucester, ertheilten Patentes auf verschiedene Verbesserungen an einer jezt zum Rauhen und Zurichten des Tuches gebräuchlichen Maschine, die man Geige (Gig) nennt. Dd. 19. Febr. 1818.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. II. Series. N. CCXXVI. März 1821. S. 210.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Ich erkläre hiermit, daß meine Erfindung in Folgendem und in der anliegenden Zeichnung vollkommen erklärt ist. Fig. 5. Tab. V. stellt meine verbesserte Geige von einem Ende oder von der Seite Fig. 6. von vorne dar. Beide diese Figuren sind in einem so verjüngten Maßstabe gezeichnet, daß fünf viertel (engl.) Zoll auf einen Fuß kommen, und dieselben Buchstaben bezeichnen in beiden Figuren denselben Gegenstand.

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AA ist das Gestell der Maschine, welches aus Holz oder Stahl verfertigt seyn mag.

B ist die oberste Tuchwalze, deren Länge dem breitesten zuzurichtenden Tuche gleich seyn muß, und auf welcher das Tuch zuerst aufgerollt wird.

C ist die Leitwalze des Tuches.

D ist die Aufnahmswalze, welche das Tuch empfängt, so wie es von der obersten Rolle abgerollt wird.

BB und D sind beide mit Haken und Haartuch versehen, um die Enden des Tuches auf die gewöhnliche Weise daran zu befestigen, und wenn diese befestiget sind, so kann das Tuch abwechselnd auf eine oder die andere dieser Walzen aufgerollt werden, und zwar auf die später zu beschreibende Weise, jedoch immer so, daß es über die Leitwalze C in der Richtung aaaa läuft.

Der große und wesentliche Vortheil meiner Verbesserung besteht darin, daß dadurch die Kardenbretter die Karden (welche von der gewöhnlichen Art sind) mehr gerade in der Richtung der Kardenhaken oder Spizen bewegen, so daß sie weniger in Gefahr sind sich abzutragen, und daß dadurch die Gewalt vermindert wird, die sie erleiden, wenn sie auf dem gewöhnlichen Cylinder angebracht werden: diese Wirkung erhalte ich, indem ich dieselben in einer halben Elipse auf folgende Weise sich bewegen lasse. E und F sind zwei Walzen, welche zwei, drei oder mehrere Riemen oder Ketten ohne Ende an jedem Ende, und eine in der Mitte führen, wie SS in Fig. 5 zeigt. Auf diesen befinden sich die Kardenbretter PP in derselben Größe, Entfernung, und mit derselben Besezung von Karden, wie an der gewöhnlichen Walze. Diese Riemen oder Ketten werden aus ihrer geradlinigen Richtung durch die Walzen GGG gebracht, die gleichfalls eben so lang sind, als das Tuch breit ist, und deren |427| man sich in beliebiger Anzahl bedienen kann: ich finde aber, sowie die Zeichnung ausweiset, drei oder vier hinreichend.

Die Walzen E und F stehen fest, indem ihre Stangen oder Träger in dem Gestelle befestigt sind; GGG aber sind in horizontaler Richtung beweglich, um die Kette der Kardenbretter mehr oder minder vorwärts zu bewegen. In dieser Hinsicht sind ihre Träger von den Hältern TTT aus Gußeisen oder irgend einem anderen Materials gestüzt, welche sich bewegen lassen, und in ihrer Stelle durch geschlossene Einschnitte und Schrauben erhalten werden. U ist eine andere bewegliche Walze am Hintertheile der Maschine, um die Kette der Kardenbretter zu spannen, und dieselbe im Straff zu erhalten, nachdem die Walzen GGG in ihre gehörige Lage gebracht wurden. Die obere und untere Walze B und C haben ähnliche Hälter und Stellschrauben, um sie rückwärts und vorwärts zu bewegen, so daß das Tuch beim Auf- oder Abwinden von denselben in irgend einem erforderlichen Grade angedrückt werden kann. Wenn die Maschine im Gange ist, bewegt die Vorderseite der Kette der Karden sich abwärts, während das Tuch aufwärts läuft, wie die in der Figur angebrachten Pfeile zeigen.

Ich seze die Maschine durch Wasser, Dampf oder irgend eine andere Kraft in Bewegung. R ist das Hauptrad, welches mit der bewegenden Kraft in Verbindung steht, und dadurch stets in Bewegung erhalten wird. Es dreht sich ohne Verbindung an der Achse des oberen Kettenrollers E, welcher jedesmal durch die Verbindungs-Büchse X, die auf einem viereckigen Theile dieser Achse sich hin- und her bewegt, und mittelst ihrer Handhabe V in den Zug oder aus demselben gebracht werden kann. W ist ein anderes Spornrad, an der Spindel von D befestigt, und in das Sporn- oder Treibrad eingreifend. Das Rad N dreht sich frei auf der verlängerten Achse oder Spindel der oberen |428| Tuchwalze B, und das Rad W ruht auf ähnliche Weise auf der Achse der unteren Tuchwalze D. Diese Walzen können jedesmal in Bewegung gesezt werden, wenn man die Verbindungs-Büchsen LM, welche sich auf viereckigen Stücken dieser Achsen bewegen, durch ihre Handhabe oder durch den Hebel gg eingreifen läßt. Da aber dieser Hebel sich um eine Spindel oder um einen Mittelpunkt bewegt, so ist es offenbar, daß wenn man eine Verbindungs-Büchse wegnimmt, er die andere treiben muß, und umgekehrt, und so kann jede Walze nach Belieben des Arbeiters gedreht, und das Tuch auf derselben aufgerollt werden. Y ist ein Vorsprung von Holz oder Eisen mit Einschnitten, um die Hebel, durch welche die Büchsen gestellt werden, in ihrer erforderlichen Lage zu erhalten. ZZ sind Bremsen oder Räder an den Achsen der Tuchwalzen B und D, welche abwechselnd mit dem Rade wirken oder ausser dem Zuge bleiben können, um die Tuchwalze, an welcher sie ziehen, nie frei stehen zu lassen, und dadurch dem Tuche stets die gehörige Spannung zu geben. Diese Bremsräder werden durch den Hebel gg 133), und den Steller H in Thätigkeit gesezt, und sind so gebaut, daß wenn eines derselben durch den Steller gestellt ist, das andere frei wird.

Es ist offenbar, daß diese Maschine auch auf andere Weise, als auf die einzige hier angegebene, in Bewegung gesezt werden kann: es kommt einzig und allein darauf an, daß während das Tuch sich in einer Richtung bewegt, die Kardenbretter sich in der entgegengesezten, und zwar drei mal schneller als das Tuch bewegen, nämlich 3 Fuß in einer Sekunde, während das Tuch einen Fuß läuft. Ich nehme daher nicht dieses Räderwerk als Theil meiner Erfindung in Anspruch, die ich nur darauf beschränke, wie Tuch und Kardenkette |429| so gegen einander angebracht werden können, um irgend einen erforderlichen Grad von Druck zu erzeugen. Während die Maschine in Bewegung ist, kann man eine lange walzenförmige Kardenbürste in Form zweier entgegengesezten Schrauben, die von dem Mittelpunkte aus wirken, auf die Oberfläche des Tuches einwirken lassen, um das Haar desselben zu stürzen, wie II in beiden Figuren zeigt. Diese Walze kann auf irgend eine bequem erachtete Weise getragen und bewegt werden, auch kann das Bärsten, wenn der Fabrikant es so besser findet, durch die Hand des Arbeiters wie gewöhnlich geschehen. Urkunde dessen etc.

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So heißt es im Originale; es muß aber QQ heißen. A. d. Uebers.

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