Titel: Stiftung des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. LXIV. (S. 486–494)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/ar004064

LXIV. Ueber die Stiftung eines Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, nebst dessen Statut.

Zur Zeil der wohlbekannten Kontinentalsperre erfreute sich die deutsche Industrie manigfaltiger Vortheile, vorzüglich durch die Verbannung der alles überschwemmenden Manufakturen Englands. Nun stehen längst wieder diesem Wuchergeiste, welcher durch leichte Preise den Käufer an sich lokt, alle Häfen und Markte Deutschlands offen. In dieser Lage kann der deutsche Gewerbsfleiß sich anders nicht behaupten, als durch originelle Vortrefflichkeit seiner Erzeugnisse; – er muß das eigenthümliche Charakter-Gepräge des Deutschen auch seinen Erzeugnissen aufdrüken. So wird die Solidität derselben bei sorgfältiger Benuzung der innern Kräfte, unterstüzt durch patriotische Aufopferung, nicht nur das verrufene Schleudersystem des englischen Fabrikanten vernichten, sondern auch, was noch weit wichtiger und folgenreicher ist, den Sieg über die Qualität des ausländischen Erzeugnisses erringen.

Alles aufzusuchen, was den einzelnen Industriezweigen Aufschwung zu geben vermag, kein noch so unbedeutend scheinendes Mittel dabei unbenuzt zu lassen, und vom wohlberechneten kleinen Anfange zum großen fortzuschreiten auf dem unermeßlichen Felde der Industrie – dieß ist die zu lösende wichtige Aufgabe. Sie gehört aber für den Techniker mit geübtem Forscherblike; soll die Industrie des Inlandes den Kampf mit jener des Auslandes glüklich bestehen, so muß der Gewerbtreibende selbst auf dem Kampfplaz erscheinen; er allein ist im Stande die Vortheile des Terreins und der Stellung zu erforschen und zu benüzen. Immer waren es daher die Vereine solcher Männer, denen man Resultate zu verdanken hatte, welche außer dem Gebiete der Möglichkeit zu liegen schienen, und durch keine legislative Aussprüche ins Daseyn gerufen werden konnten. England selbst hat seit 1754 vornehmlich durch eine Gesellschaft den Gewerbfleiß ermuntert und gepflegt, unter dem Schuze des Staates; – auch Frankreichs glänzende Fortschritte sind zunächst das Werk der im Jahr 1802 gestifteten Gesellschaft zur Aufmunterung der National-Industrie.

In Baiern hat der polytechnische Verein, ohne ein Kapital von 200,000 Fr. wie die französische Ermunterungs-Gesellschaft, |487| zu besizen168), schon einiges Gute gewirkt, und sich überhaupt das Verdienst erworben, den Sinn für Polytechnik in den Ländern deutscher Zunge immer mehr gewekt zu haben.

Die neueste Stiftung eines solchen Vereins in Preußen, dessen höchst zwekmäßig abgefaßtes Statut wir hier mittheilen, ist ein erfreulicher Beweis von der weitern Verbreitung dieses industriösen Bestrebens.

»Ein Verein von Männern, belebt von dem Sinn fürs öffentliche Beste, belebt von dem Stolz: gegen keine Nation zurükzustehen; ein Verein, der seine Ideen austauscht, sich über gegenseitige Interessen aufklart, wird durch die Thätigkeit seiner Mitglieder einen soweit verbreiteten Einfluß auf die vaterländischen Gewerbe üben, als auf keinem andern Wege zu erreichen ist.« So drükt sich die Rede, mit welcher der Verein für Preußen eröffnet wurde, wahr und kräftig aus.

Dieses schöne Industrie-Bündniß wird dort so, wie anderwärts desto einflußreicher wirken, weil es durch die Sanktion des Staates, des Schuzes desselben gewiß ist.

Als auf eine besondere Begünstigung von Seiten des Preußischen Staates glauben wir darauf aufmerksam machen zu müssen, daß diesem Vereine vom General-Postmeister die Portofreiheit bis zum Betrage von 10 Pfund für einen Posttag zugesagt ist. Besser und rühmlicher kann wohl die öffentliche Theilnahme nicht sich aussprechen, als wenn Staats-Anstalten zu solchen Opfern für eine gemeinnüzliche Verbindung bereit sind.

Aber alle diese Vereine werden nur kümmerlich ihren Beruf erfüllen, ihrem Zweke entsprechen, wenn sie, bloß mit Phrasen und Formeln sich beschäftigen; wenn sie nicht zum Wort die That auch fügen. Mögen diese Vereine hundert Jahre nach einander zum Bessermachen aufmuntern, so wird damit nicht eine Messerklinge wirklich besser werden, wenn sie nicht den Gewerben theoretisch und praktisch |488| zeigen, wie sie das Bessermachen anfangen müssen. Wir haben in dieser Hinsicht ein redendes Beispiel vor Augen. Unsre Weberzunft in Augsburg war verfallen, und alles Ermuntern zur Nacheiferung des Auslandes wäre vergeblich gewesen, wenn nicht patriotische Männer ihnen verbessertes Arbeitszeug in die Hände gegeben hätten. Diese brevi-manu Verbesserung geht indessen wohl bei solchen Gewerben an, wo die Ausbildung des Gewerbetreibenden keine besonderen Vorkenntnisse erfordert; wo aber dieser Fall eintritt, da ist selbst nur Herbeischaffung der besten und vervollkommnetsten Arbeitszeuge noch nicht die Hälfte gethan. Der eine Fabrik oder ein Gewerb-Treibende selbst muß die Bildung seines Faches erhalten, durch welche seine Kunstgenossen im Auslande (wenn nicht in England, doch in Frankreich et vice versa) sich auf die Höhe hinaufgeschwungen, auf der sie stehen; er muß in die Fortschritte der Wissenschaften, die seiner Kunst, seinem Gewerbe, helfend und rathend an die Hand gehen, eingeweiht, und dadurch in den Stand gesezt werden, aus sich selbst eine neue Schöpfung hervorgehen zu lassen; der Geselle muß den Wahn ablegen, als habe er den Gipfel der Bildung erstiegen, wenn er so gut arbeitet als sein Meister; der Meister muß den Irrthum abstreifen, als habe er alles geleistet, was zu leisten möglich, wenn er den Forderungen entspricht, die man an sein Gewerbe, seine Kunst vor zehn Jahren stellte. Wie können aber alle diese Umwandelungen bewirkt werden? – Wohl nicht anders, als wenn die oben bezeichneten Vereine dafür sorgen, daß der angehende Gewerbsmann oder Künstler die ihm nöthige Ausbildung erhalte. Wie können sie aber dieselbe – solange nicht aus öffentlichen Fonds polytechnische Institute wie in Wien und Paris errichtet werden – ihm wohl verschaffen, wenn sie nicht uneigennüzig und patriotisch es auf sich nehmen, ihm die theoretischen Kenntnisse, die sie durch höhere Bildung und Erfahrung sich selbst eigen gemacht, in seinen Nebenstunden beizubringen, und durch freiwillige Beitrage für das zu sorgen, was zur praktischen Ausbildung nur mit Geld angeschafft werden kann?

Nur da, wo die Vereine auf solche Art für die höhere technische Ausbildung der für Fabriken und Gewerbe bestimmten Individuen sorgen, nur da werden sie von ihren Bemühungen nicht bloß taube – wenn gleich schillernde – Blüthen, sondern auch Früchte erhalten; nur da werden sie mit Erfolg unsern Fabriken und Gewerben unter die Arme greifen, die sonst, immer mehr und mehr vom Auslande überflügelt, in Erbärmlichkeit und am Ende in Zahlungs-Unfähigkeit |489| versinken müssen. Regierungen wollen nicht alles thun, können nicht alles thun; wenn sie aber solch thätigen Glauben bei den patriotischen Vereinen verspüren, da werden sie ihnen bald auch thätige Begünstigungen angedeihen lassen; da wird auch bald durch großmüthige Privat-Beiträge zu Prämien und zur Ermunterung des Kunst- und Gewerbfleißes sich die öffentliche Theilnahme immer deutlicher bewähren; denn das herrlichste Kapital, der höchste National-Reichthum ist das Ziel und der Gewinn solcher Bemühungen.

Folgendes ist das

Statut für den Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.

I. Abtheilung.
Zwek des Vereins und Mittel ihn zu erreichen.

1. Der Zwek des Vereins ist, die Entwikelung und den Aufschwung der Gewerbe im Preußischen Staate möglichst zu befördern.

2. Kenntnißnahme von dem Zustande der Gewerbsamkeit im Inlande und Auslande, Prüfung von Entdekungen und Erfindungen, Unterricht, Aufmunterung durch Belohnung bedeutender Erfindungen, Konkurrenz durch das Aussezen von Prämien sind die Mittel, deren sich die Gesellschaft bedient, ihren Zwek zu erreichen.

3. Zu dem Ende wird sie sich insbesondere durch Korrespondenz mit ihren Mitgliedern in allen Theilen des Staats von dem Bedürfnisse der Gewerbe in Kenntniß sezen und den Fabrikanten und Künstlern durch Belehrung nüzlich zu werden suchen, indem sie ihnen geprüfte Neuerungen mittheilt; sie wird Erfindungen des Vaterlands belohnen, die ihr mitgetheilt werden, und die sie nach vorgängiger Prüfung für nüzlich hält; sie wird Gegenstände zur öffentlichen Preisbewerbung bringen und die Lösung der Aufgabe in Gelde oder durch Denkmünzen belohnen; sie wird ihre Verhandlungen zur öffentlichen Kenntniß bringen, namentlich alle Preisaufgaben, die Verhandlungen darüber, die Lösung der Aufgaben, die Nachmessungen der vertheilten Preise; sie wird Sammlungen von vorzüglichen Produktionen des In- und Auslandes, desgleichen von Modellen und Zeichnungen für Maschinen und andere Einrichtungen veranstalten; sie wird, so viel es ihre Mittel erlauben, die vorzüglichsten periodischen und andern Schriften, welche technische Gegenstände behandeln, anschaffen oder sich Auszüge davon zu verschaffen suchen.

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II. Abtheilung.
Bildung des Vereins.

4. Mitglieder. Zur Aufnahme in den Verein reicht der schriftliche Vorschlag zweier Mitglieder hin, und die darunter bemerkte Einwilligung des Aufzunehmenden, für Berlin einen Beitrag von wenigstens 10 Rthlr., für Auswärtige von wenigstens 6 Rthlr. am ersten Januar eines jeden Jahres zu zahlen, verbunden mit der Uebersendung der ersten Beitrags-Zahlung.

5. Jedes Mitglied des Vereins, welches Einwohner des Preuß. Staats ist, hat das Recht den Versammlungen des Ganzen beizuwohnen und zu stimmen, mit Ausnahme der §. 22. und 31. verzeichneten Fälle.

6. Mitglieder, die ihren Wohnsiz im Auslande haben, dürfen den Versammlungen beiwohnen, haben aber kein Stimmrecht.

7. Verwaltungs-Abtheilungen. Aus den in Berlin wohnenden Mitgliedern werden durch jährliche Wahl folgende Verwaltungs-Abtheilungen gebildet, deren jede aus folgender Personenzahl besteht: für das Rechnungswesen aus 3 Personen, für die Chemie und Physik aus 3 Personen, für die Baukunst und die schönen Künste in besonderer Beziehung auf die Gewerbe aus 6 Personen, für die Mathematik und Mechanik aus 8 Personen, für die Manufakturen und den Handel aus 24 Personen.

Der Abgang im Laufe des Jahres wird durch Wahl in der nächsten monatlichen Versammlung ersezt.

Jede dieser Abtheilungen versammelt sich auf die Aufforderung des Vorstehers.

8. Mit Ausnahme der Mittheilung allgemeiner wissenschaftlicher Gegenstände bearbeitet jede Abtheilung in Beziehung auf den Verein nur dasjenige, was ihr dieser überweiset und erstattet ihre Berichte, giebt ihre Gutachten nur dem Verein.

9. Die Berichte der Abtheilungen sollen neben dem Beschluße die abweichenden Meinungen einzelner Mitglieder enthalten.

10. Die Nachweisung der Gegenstände, mit deren Bearbeitung sich die Abtheilung beschäftigt, und die der Sizungstage, an welchen sie verhandelt werden, soll in dem Versammlungszimmer öffentlich aushängen.

11. Ein von dem Verein zur Bearbeitung überwiesener Gegenstand darf in der Abtheilung nur dann zur Berathung kommen, wenn wenigstens vier Mitglieder zugegen sind.

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12. Jeder Aktheilung liegt die Redaktion der Korrespondenz und der Herausgabe der Verhandlungen des Vereins bei den sie betreffenden Gegenständen ob.

13. Aemter. Der Verein wählt jährlich einen Vorsizenden, zwei Stellvertreter desselben und einen Vorsteher für jede Verwaltungsabtheilung aus den Mitgliedern derselben. Abgang im Laufe des Jahres wird wie oben §. 7. ersezt.

Mit diesen Aemtern ist keine Besoldung verbunden.

14. Der Verein wählt ferner eine besoldete Person, welche die Rechnungen und Schreiberei besorgt, die Aufsicht auf dessen Bibliothek, Sammlungen und Lokal führt.

15. Der Vorsitzende oder seine Stellvertreter und die Vorsteher sollen allen Versammlungen beiwohnen; die Debatten ordnen; die Fragen nach den verschiedenen, von der Versammlung geäußerten Meinungen stellen; die Vorschriften des Statuts ausführen und auf deren Ausführung halten; die, welche dagegen handeln, zur Ordnung weisen.

Dem Vorsizenden liegt ins besondere ob, den neuen Mitgliedern die Bescheinigung ihrer Eintragung in die Verzeichnisse des Vereins, ein Exemplar dieses Statuts, so wie die Quittung des Rechnungsführers über den ersten Beitrag zu übersenden.

16. Der besoldete Beamte soll allen Versammlungen des Vereins und seiner Abtheilungen beiwohnen; das Verzeichniß der Mitglieder und der Beiträge, zu welchen sie sich verpflichtet haben, führen; desgl. das der ausgesezten und bewilligten Preise; das der vorhandenen Bücher, Zeichnungen, Werkzeuge, Modelle, Beschreibungen, endlich soll er die Uebersichten der Jahres-Rechnungen fertigen, und nach Vorschrift der Abtheilung für das Rechnungswesen, Rechnung über Einnahme und Ausgabe führen, die Nachweisungen der Rükstände und des Kassenzustandes vorlegen und überhaupt die Ordnung in den Papieren der Gesellschaft erhalten.

17. Form der Verhandlungen. In den Versammlungen soll der Vorsizende oder Vorsteher die Gegenstände in folgender Ordnung zur Berathung bringen: Vorlesung des lezten Protokolls: die eingegangenen Berichte der Abtheilungen oder in diesen deren Erstattung; die Korrespondenz; die neuen Gegenstände.

18. Wenn ein Mitglied das Wort hat, steht es auf und darf während seiner Rede von Niemand unterbrochen werden.

Reden mehrere zugleich; so bestimmt derjenige, der den Vorsiz hat, die Reihefolge, worin sie reden sollen. – Mengt der Redende nicht zur Sache gehörige Gegenstände in seine Rede, so soll der Vorsizende ihn unterbrechen.

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Ueber denselben Gegenstand soll dasselbe Mitglied während der Debatte nur einmal sprechen.

Wer einen Vorschlag thut, hat das Recht, die Einwürfe eines Jeden zu widerlegen.

19. Beschlüße. Die Beschlüße des Vereins werden in den monatlichen Versammlungen und in der Haupt-Versammlung gefaßt, wovon erstere auf den ersten Montag eines jeden Monats fallen, leztere aber am ersten Montag im Jahre statt findet.

20. Um einen gültigen Beschluß des Vereins zu fassen, muß der Vorschlag von einer Sizung zur andern schriftlich im Versammlungszimmer ausgehängt worden seyn, es ist die Gegenwart von 15 Mitgliedern erforderlich, und die Uebereinstimmung von 2/3 der Stimmenden durch Aufheben der rechten Hand.

21. Preisaufgaben und Preisvertheilungen müssen in den Verwaltungsabtheilungen genehmigt und in zwei Versammlungen durch gültige Beschlüße angenommen seyn.

22. Vater und Söhne haben gegenseitig kein Stimmrecht bei Preisbewerbungen, so wie Lehrherren in Hinsicht auf ihre Lehrlinge und Mitglieder, welche sich selbst um einen Preis bewerben. Lezteren ist der Zutritt bei den Diskussionen über eine solche Preisbewerbung oder Ertheilung überall untersagt.

23. Vorschläge zur Aufhebung gefaßter Beschlüße über organische Einrichtungen dürfen erst gemacht werden, nachdem der frühere Beschluß drei Monate hindurch zur Ausführung gekommen ist.

24. In den Verwaltungsabtheilungen entscheidet die absolute Stimmenmehrheit für eine Meinung.

25. Die Wahlen zu den Aemtern und die der Mitglieder der Abtheilungen geschehen in der Jahresversammlung durch absolute Stimmenmehrheit von wenigsten 15 versammelten Mitgliedern, so daß der Stimmende von dem Schreiber ein Verzeichniß der jedesmaligen Stellenbesezung erhält, darauf die Namen ausstreicht und andere dafür einträgt, und so das abgeänderte oder unabgeänderte Verzeichniß dem Vorsizenden übergiebt, der es unbesehen in ein Behältniß legt. Nachdem alle Anwesende gestimmt haben, wird das Resultat in derselben Sizung ermittelt und festgestellt.

III. Abtheilung.
Zutritt Fremder.

26. An Wahltagen und in den Abtheilungen ist der Zutritt Fremder unzulässig, sonst aber nur dann, wenn |493| nachdem sich der Verein zur Berathung niedergelassen hat, der Fremde, welcher der Sizung beiwohnen will, dem Vorsizenden laut namhaft gemacht worden, und die Versammlung ihre Einwilligung in der §. 20. bemerkten Form giebt.

IV. Abtheilung.
Preisbewerbung.

27. Wer sich um einen von dem Verein ausgesezten Preis bewirbt, oder auf eine der Gesellschaft gemachte Mittheilung den Anspruch auf Belohnung gründet, ist verpflichtet, den Gegenstand genau und vollständig zu beschreiben und ihn, wo es seine Natur zuläßt, in einer vollständigen korrekten Zeichnung, im Modell oder in völliger Ausführung vorzulegen.

28. Die Gesellschaft ist befugt, wenn sie es nöthig erachtet, das Urtheil eines Sachverständigen, der nicht Mitglied des Vereins ist, über die Preisfähigkeit eines Gegenstandes einzuholen.

29. Die Beschreibung, die Zeichnung der Werkzeuge oder das Modell, worauf ein Preis ertheilt worden, bleiben Eigenthum der Gesellschaft und sie hat das Recht, den Gegenstand öffentlich bekannt zu machen. Gegenstände, worauf der Staat Patente ertheilt hat, sind nur dann belohnungsfähig, wenn sich der Bewerber mit dem Verein über die Beschränkung seines Patentrechts geeinigt hat.

30. Es soll in den Versammlungen allemal erst über die Preisfähigkeit überhaupt, dann aber über die Art der Belohnung gestimmt werden.

V. Abtheilung.
Strafen.

31. Ein Mitglied, welches einen Monat nach erfolgter Erinnerung mit seinen Geldbeiträgen im Rückstande ist, verliert sein Stimmrecht bis zur Tilgung des Rükstandes, so wie das Recht, Mitglieder vorzuschlagen oder Fremde einzuführen.

Ein zweijähriger Rükstand schließt, bis er getilgt worden, von dem Reckte aus, den Versammlungen beizuwohnen.

Berlin, am 29. April 1820.

Vorstehendes Statut für den Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in den Preußischen Staaten, wird von den unterzeichneten Ministerien in allen seinen Punkten hiedurch genehmigt. Berlin, am 24. November 1820.

Ministerium des Handels Ministerium des Innern
Bülow. (L. S.) Schuckmann.
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Die Zahl der in Berlin wohnenden Mitglieder betrug 1821 am 5. Febr. 170, und die in den Provinzen 15. Nach dem Namensverzeichnisse der Mitglieder läßt sich erwarten, daß diese Gesellschaft ihrem hohen Berufe entsprechen, und für das Fabrik- und Gewerbswesen von den fruchtbringendsten Folgen seyn wird, indem die Verwaltungs-Abtheilungen fast durchgängig aus Gliedern bestehen, die dem In- und Auslande längst schon rühmlichst bekannt sind.

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Im Jahre 1813 zählte die Société d'Encouragement pour l'industrie nationale 1100 zu einem jährlichen Beitrage von 36 Fr. verpflichtete Mitglieder und im Jahre 1818 hatte sie schon einen Fond von 200,000 Franken. Die Zahl ihrer Gegenwärtigen Mitglieder betrug am 8 März 1821 nach einem uns von dieser Gesellschaft mitgetheilten Verzeichnisse 681 inländische Mitglieder, darunter 3 Akademien und 7 gemeinnüzige Gesellschaften. Die Zahl der auswärtigen Mitglieder beträgt 77, darunter 3 auswärtige gemeinnüzige Gesellschaften, und der jeweilige Präsident der Akerbaugesellschaft in Lausanne.

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