Titel: Grüner Lack aus Kaffeh. Von Hrn. B. Bizio.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. LXVII./Miszelle 2 (S. 500–501)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/mi004067_2

Grüner Lack aus Kaffeh. Von Hrn. B. Bizio.

Wir finden in dem Giornale di Fisica etc. T. III. p. 151 folgenden Auszug aus der Memoria sopra una lacca verde ottenuta dal caffé con alcune nuove osservazioni sulla natura e proprietà della materia colorante di cotesta semenza di Bart. Bizio. Venezia 1819, welcher hinreichend seyn wird, unsere Leser auf die Entdeckung des Hrn. Bizio sowohl als auf dieses Werk aufmerksam zu machen.

Man nehme ein Hektogramm gut zerstoßenen Kaffeh's, und bereite daraus acht Hektogramme Absud. In diesen gieße man andere acht Hektogramme Kupfer-Vitriol-Auflösung. Wenn man nun kaustische Soda zusezt, so schlägt sich aller Färbestoff in einem 105 Grammen schweren Niederschlage nieder, welcher der Luft ausgesezt eine schöne grüne Farbe annimmt: die übrig bleibende Flüssigkeit hat eine sehr lichte kastanienbraune Farbe. Der Lack erhält, je länger er der Luft ausgesezt und befeuchtet wird, eine desto schönere grüne Farbe, und verbleicht, nur Gummi-Wasser auf Papier aufgetragen, auch in 16 Monathen nicht. Er ist in kaltem wie in siedendem Wasser unauflösbar und unveränderlich; der reinste Alkohol so wie der Aether, kohlensaure Soda und kohlensaures Kali verändern seine Farbe nicht im Geringsten. Ammoniak entdeckt jedoch das Daseyn des Kupfers; Kali verwandelt es in himmelblau und wird grün; Soda erhält kaum eine sehr leichte Spur von Grün, ohne jedoch die grüne Farbe des Lackes zu andern. Kalkmilch bringt nicht die mindeste Veränderung in der Farbe hervor.

Dieser Lack widersteht auch hinlänglich der Einwirkung der Säuren; denn ausser der Schwefel- und Sauerklee-Säure vermögen alle übrigen nicht den Farbestoff jemals gänzlich zu zerstören. Auch die reine Essigsäure löst den Färbestoff auf, und liefert eine Auflösung von der herrlichsten grünen Farbe. Verbindet man den Lack mit einem Fünftel sehr concentrirter Essigsäure, so erhält man eine neue gleichfalls sehr schöne Farbe. Wenn man den Lack nur mit Essigsäure besprizt, ehe man ihn der Luft aussezt, so wird die Farbe desselben dadurch sehr erhöht, und dieses Verfahren ist noch besser, als wenn man ihn bloß der Luft ausstellt, um |501| die Farbe zu beleben. Die mit dieser neuen Farbe angestellten Versuche sind vollkommen gelungen.

Hr. Bizio hofft diese Farbe noch zu vervollkommnen, und wird Alaun statt des Kupfer-Vitrioles versuchen. Er bemerkt bei dieser Gelegenheit, daß er in den Getreide-Samen Adipocir entdeckte.

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