Titel: Neues Verfahren, Granitblöcke von beliebiger Länge zu brechen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 4, Nr. LXVII./Miszelle 7 (S. 502–503)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj004/mi004067_7

Neues Verfahren, Granitblöcke von beliebiger Länge zu brechen.

Der Kaufmann Ssuchanow in Friedrichsham in Finnland ist, bloß durch Erfahrung geleitet, dahin gelangt, einen Block von jeder beliebigen Länge und Dicke zu erhalten, sobald die Felsenschicht nur diesem Maße entspricht. Das frühere Verfahren, den Felsen durch Pulver zu sprengen, ist gefahrvoll, und zur Erreichung des von Ssuchanow beabsichtigten Zweckes nicht anwendbar; daher kam er auf den Gedanken, ganze Felsen durch Keile, wie Holzblöcke, zu spalten, welches Verfahren auch schon bei den Säulen der casanschen Cathedrale in St. Petersburg von ihm angewandt worden ist, und gegenwärtig wieder beim Bau der Isaakskirche befolgt wird. Er übernimmt es sogar, aus einer von ihm aufgefundenen Schicht, wenn es allerhöchsten Orts verlangt wird, eine Säule von 24 Faden Länge, und von einer verhältnißmäßigen Dicke zu stellen. Die Verfahrungsart dabei ist folgende. Zuförderst sucht er eine Felsenschicht von der gegebenen Länge und Dicke der Säule, zieht darauf in gerader Linie eine Furche, die die Richtung bestimmt, nach welcher der Fels gespalten werden soll; dann werden längs dieser Furche Löcher gebohrt, etwa anderthalb Arschin auseinander, so tief als die Schicht dick ist, und so breit, daß zwei Rinnen von Eisen hineingehen, zwischen welche die eisernen Keile gelegt werden. Nun läßt er von 100 bis 150 Arbeitern, die zu beiden Seilen hingestellt sind, auf ein Zeichen zu gleicher |503| Zeit die Kelle mit Schmidshammern hineinschlagen, und nach einigen wiederholten Schlägen bricht der Felsblock ab.

Auf diese Weise hat Ssuchanow (im J. 1820) bereits vier Granitsäulen, jede von 56 Fuß Höhe, und verhältnißmäßiger Stärke, für den Bau der neuen Isaakskirche in St. Petersburg, in deren zwei Vorhallen 38 solcher corinthischen Granitsäulen zu stehen kommen werden, geliefert. Am Hochaltar dieser Kirche, deren Länge 298 Fuß, und innere Breite 178 Fuß beträgt, werden acht Säulen von grünem sibirischen Jaspis von 10 Fuß Höhe, und vier von Porphyr von 7 Fuß Höhe prangen. (Allg. Anz. Nr. 92.)

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