Titel: Künste und Gewerbe in Italien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XXII. (S. 112–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005022

XXII. Künste und Gewerbe in Italien.

Der berühmte Redacteur der Biblioteca Italiana liefert im Märzhefte des laufenden Jahres S. 423–436 eine sehr interessante Uebersicht der Blüthen und Früchte der Industrie, welche das vorige Jahr in Italien zierten.

Wir haben, sagt Acerbi, im ersten Theile (dieses Aufsazes) den Ausspruch der Akademie der schönen Künste von Venedig bekannt gemacht, und die Namen der, mit dem Ehrenpreise belohnten, Preißwerber aufgeführt. Es ist Forderung der Gerechtigkeit, daß man nicht undankbar die Namen derjenigen unausgeführt lasse, welche kraftvoll gewirkt haben auf Förderung der mechanischen Künste und des Manufacturwesens. Ein Auszug soll uns über die Beurtheilung belehren, welche das Institut der Wissenschaften und Künste in solcher Beziehung gegeben hat, und welche bei der feierlichen Preise-Vertheilung zu Mailand40) öffentlich verlesen worden ist.

Wir wollen daher, da solche factische Angaben die zuverläßigste Scala bilden, um das Vorrüken der Industrie zu messen, in gedrängter Kürze das Interessanteste auch unseren Lesern mittheilen.

Das Institut begann am 6. Sept. v. J. die Versammlungen, welche das Urtheil über die Erzeugnisse der Industrie vorbereiten sollten. Die goldene Medaille, die silberne Medaille, und Ehrenerwähnung waren |113| als die Auszeichnungen bestimmt, welche nach diesem Urtheile zugetheilt werden konnten.

A. Die goldene Preis-Medaille erhielten mehrere:

Joseph Eduard Bonelli. Schon in dem J. 1818 bezeugte das Institut diesem Manne für Bereitung der brennzeligen Holzsäure (acido pirolignoso) verdientes Lob; die verspätete Vorlage der Erzeugniße machte es jedoch nicht möglich, die Zuerkennung der Prämie zu gewähren. Vier Produkte im Großen kamen zur Beurtheilung: Kohlenstoff, durch Destillation gewonnen, gereinigte Holzsäure, essigsaures Bley, und unterkohlensaure Soda. Die Commission überzeugte sich an Ort und Stelle von der Vortrefflichkeit und von dem wohl geregelten Mechanismus dieser Fabrik, von der darin üblichen Verfahrungsweise, und der seltenen Einsicht des Dirigenten, welcher die Rüksicht auf Oekonomie so künstlich mit der Vollkommenheit der Erzeugnisse zu vereinigen weiß.

Auch fanden sich noch andere interessante Produkte: flüßiger Theer, welcher, gereinigt von aller salzigen Substanz, zum Kalfatern der Schiffe ausgezeichnet gut ist, Essig-Aether, essigsaure Soda, essigsaures Kali, essigsaures Kupfer, kohlensaure Soda, Bleiweiß, und Silberweiß.

Johann Venanz Marc, ein sehr erfahrnes Metallgießer, hat das ausgezeichnete Verdienst in der großen Eisenfabrik des Herrn Cajetan Rubini, bei welchem er sich schon lange als Fabrik-Direktor befindet, zwei große cylindrische Strekwerke von gegossenem Eisen und zwar von solcher Harte zu bereiten, daß man sie zur Bearbeitung von Kupfer- und Eisenplatten gut gebrauchen kann.

Die Platten, welche im Instituts-Saale ausgestellt waren, zeichneten sich eben so sehr durch Regelmäßigkeit der Bearbeitung, als durch die vollkommene Gleichheit, Elasticität und Biegsamkeit, so wie durch die seine Glättung aus, Welche der ganzen Oberfläche einen Lichtglanz giebt.

Die Prämie, welche Hr. Marc erhielt, gewährt auch dem verdienstvollen Fabrik-Unternehmer Lob.

Andreas Vernay, der seit sechs Jahren schon eine große Seidenband-Fabrik gegründet hat. Dieser Mann hat zum großen Vortheile des Landes die Maschinen aus Frankreich hierher verpflanzt, auch einen großen Theil tüchtiger Arbeiter von daher bezogen, und bereits andere im Lande selbst abgerichtet; über 140 Personen beschäftiget und ernähret diese Fabrik.

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Pascal Citelli. Die früher gewährte Aufmunterung hatte bei diesem Künstler den besten Erfolg; er gab seiner Arbeit (Nivellirwagen mit Luftblase) größere Vollkommenheit, und die besondere Beweglichkeit, welche bei den frühern Versuchen vermißt wurde, ist nun hergestellt.

Gleichzeitig hat dieser Künstler eine andere von ihm vervollkommnete Maschine ausgestellt, welche dazu dient, architektonische Arbeiten, welche Parallellinien erfordern, auf Kupfer zu zeichnen; mittelst derselben kann man nach Gefallen die Distanzen zwischen den Linien mit höchster Feinheit und Genauigkeit andern und vermindern, was der Kupferstecherkunst wesentlichen Nuzen schassen kann; Zeit-Ersparung und höhere Vollkommenheit sind Vorzüge, welche durch diese Maschine gesichert werden.

Die Gebrüder Manfredini, haben die zur Zeit des Benvenuto Cellini bekannt gewesene Kunst, die Formen der Thiere, Pflanzen, Früchte in Metall nach der Natur selbst zu kopiren, wieder erfunden, sie haben zwei Körbchen von vergoldetem Bronz ausgestellt; – es fehlt beim Abdruke der Thiere und Vegetabilien auch nicht der kleinste Zug der zartesten äußeren Formen. Auch zeigten dieselben einen sehr reichen Degen, mit Griff und Scheide, mit goldenem Schmelzwerke, und mit verschiedenen Verzierungen und Medaillen herrlich geschmükt.

B. Die silberne Medaille erhielten:

Graf Ludwig Porro-Lambertenghi. Dem Hrn. Grafen verdankt man die erste Einführung einer vollständigen Gasbeleuchtung unter uns; er hat diese mit bestem Erfolge in seinen weitläuftigen Appartements angebracht.

Diese äußerst sonderbare Erfindung, welche in England an's Tageslicht trat und dort auch ausgebildet wurde, schien bisher bei uns in ökonomischer Hinsicht, wegen des ungeheueren Verbrauches von Brennmaterial Hindernisse zu finden. Die vom erwähnten Herrn Grafen im Großen gemachten Erfahrungen könnten vielleicht dazu dienen, unsere Ansichten in Beziehung auf diesen Punct zu berichtigen, und zugleich die vortheilhafteste Material-Auswahl näher bezeichnen.

Das Institut bezeigte dem Eifer des Grafen Friedr. Confalonieri, dessen Sorgfalt und einsichtsvoller Mitwirkung der glükliche Erfolg dieser Unternehmung verdankt wird, die verdienten Lobsprüche.

Leo Antonini. Die zur Ersezung der chinesischen Tusche von Leo Antonini bereitete Tusche übertrifft alle bisherigen Erzeugnisse ähnlicher Art, die bisher in Europa verfertiget |115| worden, und in den Handel gekommen sind, und wetteifert gleichsam mit den Produkten der chinesischen Fabriken.

Die wiederholten, von Sachverständigen angestellten, Untersuchungen gaben den überzeugenden Beweis, daß diese Proben die möglich wünschenswerthesten Eigenschaften hinsichtlich der Reinheit der Materie, der vollkommenen Auflösbarkeit und Theilbarkeit der Tinte bis auf die zarteste Stufe, der Beschaffenheit der Tinte endlich selbst, welche dem Auge angenehm ist, und der vollkommnen Dauerhaftigkeit besizen.

Ludwig Locatelli. Dieser hat es durch fortgeseztes Studium und beharrlich angestellte Versuche dahin gebracht, von bloßer Seide harmonische Saiten mittelst eines eben so neuen als sinnreichen Verfahrens zu bereiten. Die Gleichförmigkeit und Dauerhaftigkeit derselben räumt ihnen den Vorzug vor den Darm-Saiten ein, welche bekanntlich stets manche Ungleichheit von dem ursprünglichen Gewebe der Materie beibehalten, aus welcher sie gemacht werden; welche überdieß durch die Einwirkungen der Trokne und Nässe leiden, sich auch leicht aufdrehen, und nicht selten in der Mitte entzweispringen. Die neuen Saiten von Seide geben, nach den bisherigen Versuchen, einen angenehmen, kräftigen und gleichen Ton, welcher selbst von dem Tone der besten Darmsaiten kaum zu unterscheiden ist.

Franz Taccani. Dieser verständige Mechaniker hat die Cymbale mit Darmsaiten, welche durch Bestreichen mit einem Seidenbande, das statt des Bogens dient, zum Tönen gebracht wird, und in der Enciclopedia metodica beschrieben ist, auf eine entsprechende Weise vervollkommnet. Vorher fanden sich, selbst nach den vom berühmten Mechaniker Elli angebrachten Verbesserungen, noch zwei bedeutende Gebrechen an diesem Instrumente, deren einer nämlich darin bestand, daß der Bogen gleichzeitig mehr als zwei Saiten berührte, nur die äußersten einen hinlänglich starken Ton von sich gaben; das andere aber darin, daß nach der Verschiedenheit der Compression der Tasten der Ton der bald mehr bald minder gespannten Saite sich änderte.

Dem Franz Taccani verdanken wir nun ein Instrument mit Tasten, welches den modulirten und fortdauernden Ton der Bogen-Instrumente sehr gut gibt.

Antonio Tori, Uhrmacher. Dieser hat eine Uhr vollendet, welche binnen 8 Stunden mittelst einer einzigen Walze acht Spiele macht. Auf zwei andere Wechsel-Walzen hat er noch weit ausgedehntere Stüke gebracht.

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Joachim Alberti hat an der Pendeluhr einige Verbesserungen bewirkt. Er hat statt des Ankers ein Triebrad, und an diesem einen Hammer angebracht, der bei jeder Doppelschwingung die Bewegung fördert.

Franz Viande und Komp. Dieses Haus stellte mehrere Saffiane und saffianartige gearbeitete Felle von verschiedenen Farben aus. Die durchaus nur inländischen Ziegen- und Widder-Felle sind wegen ihrer Zubereitung, Konsistenz, wegen der Lebhaftigkeit und Reinheit der Farbe, sowie wegen der Weiße der Rükseite sehr schäzbar.

Ludwig Ripamonti. Schon im J. 1818 hat das Institut den Firniß des Hrn. Ripamonti, welcher über Mahlereien auf Papier, über Zeichnungen und Kupferstiche aufgetragen wird, um diese gegen die Unbilden der Zeit zu schüzen, dieses Preises würdig erklärt, wenn die Dauerhaftigkeit dieses Mittels durch die Erfahrung einiger Jahre außer Zweifel gesezt seyn würde, welches sich nun in jeder Beziehung als bewahrt dargestellt hat.

Johann Catlinetti, Doctor Ludwig Sacco und Dominikus Galloto.

Der Preis, welchen das Institut bei der lezten Ausstellung für Einführung der bekannten Christian'schen Maschine bestimmte, hat den Wetteifer der Physiker und erfahrnen Mechaniker mächtig aufgeregt.

Catlinetti faßte die glükliche Idee, statt der gekehlten Trommel eine horizontale, aber gleichfalls gekehlte, Scheibe zu wählen, und statt der kleinen Cylinder eben so viele Kegel zu nehmen, die auf dieser Scheibe sich umhertreiben. Diese Vorrichtung sichert die Dauerhaftigkeit, und bewirkt, daß der Zwek, das Brechen der Flachs-Büschel nämlich, desto besser erreicht wird. – Bereits sind mehrere solche Maschinen in den Industrie – Häusern eingeführt. Auch die Reinigung des Flachses von seinen gummiartigen Bestandtheilen hat er nicht aus dem Auge gelassen, und eine sinnreiche Maschine ausgedacht, durch welche man die Zähigkeit der Faden bestimmen kann.

Sacco gab der Brechmaschine mehr Einfachheit und Stärke, was bei Maschinen, deren Einführung für den Akerbau berechnet ist, wesentlich nothwendig bleibt. – Der ganze Mechanismus ist auf eine Säule oder auf einen Cylinder von ausgekehltem Holze zurükgeführt, welcher an den Enden in zwei schwere Scheiben von Stein eingreift. Dieser Cylinder läuft über eine Fläche, welche auf ähnliche Art ausgekehlt und an beiden Enden etwas ausgehöhlt ist. Die Bewegung ist leicht hervorzubringen, und fordert nur die geringe Anstrengung |117| einer einzigen Person. Der Zeitaufwand, welchen die Zubereitung des Flachses hierbei erfordert, wird reichlich ersezt. –

Die erste Christian'sche Brechmaschine hatte Dominikus Galloto unter Leitung des Abbate Joh. Bapt. Pizzochero mit einigen schäzbaren Abänderungen hergestellt. Man verminderte die Anzahl der Cylinder und den Durchmesser des großen Cylinders, wodurch die Maschine an Solidität gewann; deren Thätigkeit gleichzeitig durch Anwendung einer Spindel und eines Zahnrades verstärkt wurde. –

Stephan Dufour. Dieser zeichnet sich unter den italienischen Künstlern, welche zum Vortheile der Geodäsie und Physik feine und genaue Instrumente verfertigen, sehr vorteilhaft aus; gegenwärtig legte derselbe eine äußerst künstliche Maschine zur Theilung der Kreise vor. Sie bestellt aus einem Sector, dessen Halbmesser 26 Zoll lang ist, und 40 Grade begreift. Er bewegt sich concentrisch mit einem Kreise, der 20 Zoll im Durchmesser hat. Auf diesem Sector zeigen sich die kleinsten Brüche eines Grades. Die Theilung geschieht durch das bloße Eingreifen einer Schraube an einer langen Spindel, welche mit unendlichem Fleiße am Bogen des Sectors angebracht ist, so daß die Hand hier mehr arbeitet, als das Auge, und doch weniger Fehler zu besorgen sind.

Christoph Sieber hat ein Cäment erfunden, welches zur Fügung der Steine dient, sich leicht bereiten läßt, der Feuchtigkeit, Wärme und Kälte gleichkräftig widerstehet, und welches sich bereits durch neunjährige Proben sowohl im Wasser als im Troknen bestätigte. –

Kajetan Rosina, Chemiker, erregte durch mehrere vorgelegte Proben besondere Aufmerksamkeit, nämlich ächt gefärbte Wolle, verbessertes blaugesäuertes Eisen, Muster von Leinen nach einer neuen Methode gebleicht, und reines, zerreiblich gemachtes und zu pharmaceutischem Gebrauche bereitetes Eisen.

Lorenz Ghisi und Bassian Cavezzali, welche bereits im J. 1818 wegen ihrer Druker-Schwärze belobt worden sind, haben die gute Beschaffenheit ihres Produktes neuerdings noch mehr nachgewiesen; das Schwarz des Ersteren wird stark gesucht, Lezterer hat eine ansehnliche Fabrik und zur sicherern und gleichförmigeren Bereitung seines Fabrikats hydraulische Vorrichtungen dabei in Anwendung gebracht. –

Joseph Bellini, Paul Uboldi und Joseph Ponzie verdienten sich gleichfalls Auszeichnung durch ihre Bemühungen |118| um Verbesserung der Vorrichtung an Weberstühlen zur Verfertigung von Blonden, Düntuch, Tull, Felpe etc.

Joseph Martini. Stoff und Arbeit zusammen erhöhet den Preis der Stikerei in Gold und Silber. Hr. Martini hat es dahin gebracht, mit Ersteren zu sparen, ohne Lezterem etwas an Werthe zu benehmen, und somit die Kunst des Stikers im eigentlichsten Sinne zu vervollkommnen.

Rosa Stroppa-Pesatori. Die Stikkunst beschränkt sich jedoch nicht bloß auf Luxus, indem die Nadel den Pinsel nachahmend oft kostbare Zeichnungen aufbewahrt, oder Originale in's Leben gerufen hat; aus solche Art hat sich Signora Rosa Stroppa-Pesatori in einem Gemälde ausgezeichnet, welches sie stikte, und in welchem die Lebhaftigkeit und Mannigfaltigkeit der Farben und Alles, was den Werth eines Gemäldes ausmacht, sich vereinigt findet.

Die Gebrüder Ciliani lieferten verschiedene orientalische Granaten, welche sie schliffen und auch durchbohrten.

Michael Rolletti, hat der Kunst, verschiedene Schmuksachen von cämentirtem Eisen zu bereiten, so daß diese auf eine sehr vorteilhafte Art an die Stelle der Stahlarbeiten treten können, auf die Stufe hoher Vollkommenheit erhoben.

Ignaz Pizzagali zeigte künstliche anatomische Präparate in Wachs, ein äußerst empfindliches Metall Thermometer, und ein Areometer zur Anzeigung der specifischen Wichtigkeit und Güte der Goldmünzen ohne einer weiteren Berechnung zu bedürfen. Leztere Erfindung, ganz dazu geeignet, Betrügereien zu entdeken und zu vermindern, stellt sich wegen der besonderen Nüzlichkeit vorzüglich preiswürdig dar.

Eugen Locatelli, wegen Bereitung der Schuhe ohne Naht nach englischer Art schon vor zwei Jahren mit der goldenen Medaille beehrt, hat zur Ausdehnung seiner Fabrikate und zur größern Wohlfeilheit derselben hei dem bedeutenden Verbrauche kleiner Nagel von Kupfer und Eisen eine Maschine erfunden, um in kürzester Zeit sogleich eine große Anzahl derselbe zu verfertigen, wofür ihm der Preis zuerkannt wurde.

Die Gebrüder Bruni haben die Spinnereien mittelst Dampfanwendung auf einen hohen Grad von Vollkommenheit gebracht. Der Bau ihrer Oefen, mehrere Vorrichtungen an der Maschine selbst, vorzüglich aber ihre Art zu löthen, zeichnen sich vor ähnlichen Einrichtungen aus.

Aquilin Ripamonti hat eine sehr einfache und befriedigende Weise die auf dem Lande so hochwichtige Oelpresse bedeutend verbessert.

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Romuald Reggiani versuchte die der Agrikultur in den Reisfeldern so schädliche Nymphäa eine sehr gewöhnliche Wasserpflanze zu benüzen, und von der adstringirenden Eigenschaft der Wurzel und der darin enthaltenen Galläpfelsäure Vortheil zu ziehen; er schlug daher vor, bei der Zubereitung der Häute, beim Wollfärben und bei Bereitung der Dinte hiervon Gebrauch zu machen. Der Erfolg entsprach vollkommen. (Vergl. Dingler's Magaz. der Färbekunst, Bd. 3.)

Dominik Ancilloto, von Venedig, ein hochverdienter Pfleger der Seidenwürmer, hat große Anstrengung für die Fortpflanzung der Maulbeerbäume auf den wüsten Inseln um Venedig gemacht. Er hat ihrer über 7000 gepflanzt.

Ambros Seregni – bereits wegen Errichtung einer Manufaktur von Hüten von gefirnißtem Pappendekel, welcher mit Seiden-Felpe überzogen wird, mit einer Prämie belohnt, hat zum Besten minder wohlhabender Personen statt der Seide ein Gewebe von inländischer Wolle gewählt, welches von außen wie gewöhnlicher Filz aussieht. Dieses Gewebe ändert wenig an der Schwere des Hutes, sichert die Undurchdringlichkeit, und gestattet auch beim Verkaufe sehr geringe Preise.

Gerhard Solari erhielt wegen seinen Verbesserungen bei den Kesseln für die Hutmacher einen Preis; er bemühte sich nämlich bei den nun üblichen Einrichtungen mit dem Wärmestoffe wirtschaftlicher umzugehen, und mittelst besserer Benüzung des Rauches und der erwärmten Luft, welche durch den Kamin zieht, indem durch Leitung derselben in langen Röhren ein großer Theil ihrer Wärme in einen aufgesezten großen Kessel übertragen wird.

Dominik Urio hatte unter andern auch flüßigen Carmin, marmorirtes, die Farbe der Marmorarten nachahmendes Papier etc. vorgelegt.

Aldini, welcher von einer wissenschaftlichen Reise zurükgekommen ist, und mehrere auserlesene Maschinen, besonders in Hinsicht auf Gasbeleuchtung aus England mitgebracht, auch bereits nach den Modellen die Nachbildung durch inländische Künstler bewirkt hat, trug zur Erhöhung des Interesses der Ausstellung wesentlich bey. – Andere Maschinen sind von Aldini's eigener Erfindung.

Ehrenvolle Erwähnungen hielten vierzehen Individuen wegen verschiedenen Gegenständen z.B. Giuriati wegen eines Mörtels, Joseph Gerlin wegen vorzüglicher Leder-Bereitung, Franz Duranton wegen Weberstühlen zum Weben der Seidenbänder, Michel Bellossi wegen Verfertigung wasserdichter Schuhe, Felix Bosiz wegen Perüken |120| neuer Art, Jakob Huber wegen eines Assortiments künstlicher Zähne, Anton Gabrieli wegen erster Ausführung der Christian'schen Maschine etc.

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Es ist eine wahre Ermunterung für jeden Freund der Industrie wahrzunehmen, daß beinahe in allen Staaten das Streben für Emporhebung der Industrie an die Tagesordnung kömmt, – daß durch öffentliche Verkündung preiswürdiger Erzeugnisse und der Namen ausgezeichneter Künstler und Gewerbsleute diesen selbst jener Vorzug nach Maaß des Verdienstes gesichert wird, dessen sich der Kunststeiß vorhin beinahe nur in England erfreuen konnte. – Immer mehr wird dieses Verfahren dahin wirken, daß nüzliche Industrie ihre verdiente Werthschäzung erhalte, daß Wetteifer selbst und wohl noch mit größrer Vollkommenheit erzeuge, was sonst nur dem Auslande abgekauft werden konnte, daß bei solcher würdevollen Stellung eine Menge junger Männer zum Nuzen des Vaterlandes ihre Kräfte industriösen Unternehmungen widmen werden, die vorhin in diesem schönen bürgerlichen Leben keinen Reiz finden wollten. – Man vergleiche hiemit den kurzen Auszug Bd. 4. S. 244. Anm. d. Uebers.

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