Titel: [Delneufcourts Beschreibung der Erleichterungsmittel.]
Autor: Delneufcourt,
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XXVI. (S. 129–133)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005026

XXVI. Beschreibung einer Vorrichtung, die als Zugabe zu den Erleichterungsmitteln, Lasten aus Brunnen und Schächten zu fördern, dienen kann. Von den Hrn. Delneufcourt, Vater und Sohn.

Aus den Annales générales des sciences physiques. par M. M. Bory de St. Vincent, Drapiez, et Van Mons. 7. Livraison. Janvier 1821.66)

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Es handelt sich hier darum, mit der kleinsten Kraft die größten Lasten von Wasser, Kohlen, Steinen etc. aus Brunnen, Schachten, Steingruben etc. zu Tage zu fördern.

Die Schwierigkeit, die hier zu beseitigen war, bestand darin, ein wohlfeiles und einfaches Mittel, das ununterbrochen und nicht stoßweise wirkt, aufzufinden. Bei unserem |130| Auffördern der Steinkohlen war immer desto mehr Kraft nöthig, je tiefer die Gruben und Stollen waren: denn es ist offenbar, daß die Kraft in dem Verhältnisse vermehrt werden mußte, als die Schwere der Ketten, Taue, Seile im Verhältnisse der Tiefe dieser Gruben und Stollen zunahm.

Unser erster Versuch bestand darin, ein Seil von der Länge des Schachtes unter jedem der beiden Punkte, an welchen die aufzuziehende Last angehängt wird, zu befestigen: der Versuch gelang; er pachte aber Umständlichkeiten und doppelte Auslage nöthig.

Wir ließen eines dieser beiden Seile weg, und verbanden das andere an seinen beiden Enden mit jedem Ende desjenigen Seiles, wodurch nach und nach durch abwechselnde Bewegung das Auf- und Absteigen gefördert werden sollte: durch die Verbindung dieses Seiles von gleicher Länge mit der Grube mit den beiden Enden des Förderungsseiles erhielten wir dieselbe Wirkung, wie durch die beiden einzelnen Seile von welchen wir sprachen.

Was wir hier mit einem Seile leisteten, kann auch durch ein Tau, durch eine Kette etc. geleistet werden.

Wir haben unsere erste Vorrichtung hier nicht in einer Figur dargestellt, weil man sich leicht ein Seil an einem Punkte frey, und an diesem Punkte unter der Last ein zweites Seil befestigt denken und sich vorstellen kann, daß der Theil dieser beiden Seile, der auf der Sohle des Schachtes liegt, nicht schwer ist. Wir haben aber unser zweites Verfahren hier bildlich dargestellt, weil dieses mehr allgemein angenommen werden wird. Dieses Verfahren ist in Fig. 1 und 2. Taf. III. versinnlicht.

Diese Figuren zeigen mehrere Arten dieses Seil zu befestigen und zu leiten; wir glauben aber, daß, wenn es sich darum handelt, Körbe, Kufen, Fässer und andere Gefäße auszufördern, die umgestürzt werden sollen, es zuträglicher ist, |131| dieses Seil einige Metres67) unterhalb denselben zu befestigen, damit sie sich leichter und freyer bewegen können: indessen wird es doch gut seyn, zwei einzelne Seile mittelst einer Stange oder eines Stokes zu verbinden, und so eine Oeffnung zu bilden, in welcher sich die Körbe etc. halten können. In der Mitte dieser so ausgespannten Seile kann man diese Körbe leichter festhalten, und dadurch, daß sie fester sizen, leichter jene häufigen Zufälle vermeiden, die so oft durch das Hängenbleiben der Kufen oder Fässer, wenn sie aneinander stossen, entstehen. Es ist überflüssig zu bemerken, daß diese beiden Seile sich ein wenig unterhalb des Fasses oder des Kübels vereinigen. Man kann das Gegengewichtsseil dadurch stüzen, daß man dasselbe während des Austeerens an der Zimmerung befestigt.

Unsere Entdekung rief zugleich auch alle ihre Ersazmittel hervor, und dieß bestimmte uns die Figuren 3, 4, 5 hier beizufügen. Man läßt hier das Gegengewicht über Walzen oder Trommeln von kleinerem Durchmesser laufen: allein die Schwere dieser Gegengewichte muß bei gleicher Tiefe in demselben Verhältnisse vermehrt werden, als der Raum, den sie durchlaufen, kleiner ist. Man seze einen Schacht von 100 Toisen, in welchem daher das Förderungsseil oder die Kette eben so lang seyn muß; man seze ferner eine Walze oder eine Trommel zur Aufnahme des Gegengewichtes, die nur ein Zehntel derjenigen beträgt, auf welcher das Förderungsseil sich aufwindet, so wird das Gegengewicht nur zehn Toisen durchlaufen, und daher zehn mal schwerer seyn müssen als das Förderungsseil; oder, mit anderen Worten, die 10 Toisen des Gegengewichtes müssen eben so viel wiegen, als das ganze große Seil oder die große Kette. Auf diese leztere Weise verliert man an Reibung.

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Diese Zugabe zur Kraft, die wir hier erfanden, läßt sich unter allen ihren Formen auf jede Förderung, die Maschine mag durch Dampf, Pferde, oder Menschenhände getrieben werden, anwenden. Sie ist ein stätiges Gegengewicht.

Erklärung der Abbildungen.

Fig. 1 und 2. Tab. III. a Förderungs-Schächte,

  • b Röderrahmen. (Chassis à molettes).
  • c Walze auf welcher sich das Seil oder die Kette aufwindet.
  • d Seil oder Kette, woran der Kübel oder die Last befestigt ist.
  • e Seil oder Kette, welche dem Seile oder der Kette d als Gegengewicht dient.
  • f Eiserne Stange, welche den Kübel von dem Seile e entfernt hält.
  • g Befestigungspunkt des Seiles e unter dem Kübel.

Fig. 3. abcd wie oben.

  • h Rollen, auf welchen das Seil, welches das Gegengewicht trägt, und welches über die Walze c lauft, getragen wird.
  • i Gegengewicht des Seiles d.

Fig. 4. abcd wie oben.

  • h Ende der Achse der Walze c, auf welcher das Gegengewicht sich aufwindet.
  • i Gegengewicht des Seiles d.

Fig. 5. r Walze der Rädermaschine. (Maschine á molettes).

  • s Achse der Walze.
  • t Kleines Zahnrad an der Achse i.
  • u Großes Zahnrad, um die Bewegung mitzutheilen und langsamer zu machen.
  • v Gleich großes Zahnrad mit dem Vorigen, auf der Achse der Walze w.
  • w Walze, auf welcher das Gegengewicht sich aufwindet.
  • x Gegengewicht des Hauptseiles dieser Maschine.

Diese Zeitschrift, wenn auch nicht ausschließlich den Künsten und Gewerben geweiht, ist eine der gehaltvollsten in dem physischen Theile des menschlichen Wissens. Der ehemalige Obrist Bory de St. Vincent, einer der geistreichsten Naturforscher und edelsten Männer Frankreichs, und Herr Van Mons, einer der ersten Physiker Belgien, können, vereint mit dem gelehrten Drapiez wohl nichts, wie Vortreffliches und Ausgezeichnetes liefern. Wer immer Naturgeschichte und Physik in allen ihren Zweigen als Basis der Oekonomie und Technologie ehrt, wird an dieser gehaltvollen Zeitschrift, einer der besten des Auslandes in ihrem Fache, reichlich Belehrung und Unterhaltung finden. A. d. Ueb.

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Ein Metre ist: 3,1635 Wien. Fuß. A. d. Ueb.

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