Titel: Deacon's Verbesserungen in Verfertigung der Stiefel, Schuhe etc.
Autor: Archer Deacon, William
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XXXVI. (S. 183–187)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005036

XXXVI. Erklärung des dem Wilh. Archer Deacon, in Pilgram's Hatch, in der Pfarre von South Weald, Grafschaft Essex Gentleman, ertheilten Patentes auf gewisse Verbesserungen in Verfertigung der Stiefel, Schuhe und Ueberschuhe durch Anwendung gewisser, bisher hierzu noch nicht angewendeter, Materialien. Dd. 1. November 1819.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. II. Series. N. CCXXVII. April 1821. S. 276.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Ich erkläre, daß die Erfindung meiner Verbesserungen bei Verfertigung der Stiefel, Schuhe und Ueberschuhe in der Anwendung von Barden oder Fischbein82) unter verschiedenen Gestalten und verschiedenen Bereitungen entweder zur äußeren oder inneren Sohle derselben besteht, welche ich auf |184| folgende Weise zubereite und anwende. Ich wähle die flachsten und an ihrer Oberfläche ebensten Barden, und sage sie quer nach der Richtung ihrer Fasern in Stüke von solcher Länge zu, daß sie in der Folge im Schraubstoke gehörig bearbeitet werden können. Zuerst will ich die Weise beschreiben wie ich die zur inneren (oder Brand)- Sohle bestimmten Materialien zurichte und bereite. Dieses Materiale ist die äußere Schale oder die Haut der Barde oder des Fischbeines, welche ihrer inneren weichen und faßerigen Lage beraubt wird. Um diese Schale zu erhalten wird jedes nach obiger Weise quer geschnittene Stük der Breite nach, und so viel als möglich in der Mitte, mittelst eines Messers und hölzernen Hammers so gespalten, daß es zwei Blätter oder flache dünne Stüke von ungefähr der Hälfte der ursprünglichen Dike der Barden gibt, welche vorläufig in dem Schraubstoke eingespannt werden. Die auf diese Weise durch das Spalten erzeugten Stüke kommen wieder, jedes einzeln für sich in den Schraubstok, wo das Fleisch (the core) oder der innere faßerige Theil ausgepuzt werden muß, indem die Fasern soviel möglich gesplissen werden. Dieß geschieht leicht mittelst eines kleineren Messers, mit welchem man alles solang wegnimmt, bis nur mehr ungefähr ein zwei und dreißigstel Zoll dikes Stük, oder bis kaum mehr etwas anderes als die harte Schale oder nur der äußere glänzende Theil des Fischbeines mehr übrig bleibt. Diese lezte Operation erfordert Aufmerksamkeit, denn nie darf mehr als ein kleiner Theil der Fasern auf ein mal weggenommen werden, weil sonst die äußere glatte Seite beschädigt werden könnte. Wenn dieses geschehen ist, müssen die auf diese Weise erhaltenen dünnen Blätter auf einen flachen Werktisch mit ihrer glatten Seite unten gelegt, und mittelst einer Schraube oder anderen Klammer darauf so befestigt werden, daß die noch übrigen Fasern und Ungleichheiten mit Raspeln oder Feilen weggenommen, und |185| die ganzen Blätter so ziemlich eben und beinahe gleichdik werden können. Nun werden sie in die zu den Sohlen an Stiefeln, Schuhen oder Ueberschuhen nöthige Länge zugeschnitten, und auf folgende Weise aufgezogen und angewendet. Nachdem man die innere oder Brandsohle auf die gewöhnliche Weise zugeklopft und zugerundet hat, wird, wenn man eine Korksohle gebrauchen will, das auf obige Weise zugerichtete Stük Fischbein in der Größe und Form einer Brandsohle zugeschnitten, ehe aber kleiner als größer. Am Fersenende muß ein Einschnitt gemacht werden, der am besten in Form eines Winkels geschnitten wird, wie A Tab. V. zeigt, damit sie hohl liegen kann, und dadurch für die Ferse desjenigen, der sie trägt, das erzeugt, was man Siz nennt. Nachdem dieß geschehen ist, werden alle äußeren Kanten mit Sandglas oder Schmergelpapier abgerieben um die scharfen oder drahtigen Kanten wegzubringen; die Sohle kommt hierauf in heißes Wasser, um in demselben anzuziehen, und ist nun zur Ansezung an Stiefeln, Schuhen oder Ueberschuhen fertig. Um sie anzusezen, nehme man Schaf- oder anderes zähe Leder von hinlänglicher Größe um die Sohle oder den unteren Theil des Leistens zu bedeken, und noch ungefähr drei Viertelzoll weit auf allen Seiten über demselben hervorzuragen. Dieses Leder bildet die innere sichtbare Ausfütterung des Stiefels, Schuhes oder Ueberschuhes, und dient zugleich die fischbeinerne Sohle zu deken und nieder zu halten. Dieses Leder muß daher zuerst auf den Leisten gelegt werden, und dann erst die zugerichtete fischbeinerne Sohle, worauf endlich die Brandsohle kommt. Alle diese drei Sohlen werden auf dem Leisten mittelst kleiner eiserner Zweke befestigt, die so nahe als möglich an dem Rande oder der Feder der Brandsohle eingeschlagen werden müssen, damit die Löcher, welche dadurch nothwendig entstehen, so nahe als möglich an die Naht an der Kante der Sohlen kommen; denn sie könnten |186| die fischbeinerne Sohle spalten, und auch auf eine andere Weise derselben nachtheilig werden, wenn sie durch die Mitte derselben giengen, und ließen Näße und Feuchtigkeit durch. Fünf oder sieben solche Zweke sind für einen geschikten Arbeiter hinlänglich: ich befestige sie zu jeder Seite bei BB Fig. 1., dann an jeder Seite des Ausschnittes CC, und schlage einen oder drei vorne bei den Zehen DDD ein.

Nun fange ich an den Stiefel, Schuh oder Ueberschuh mit Schusterdraht auf dieselbe Weise am Leisten zu bearbeiten, wie Schuster den Vordertheil eines Stiefels oder Schuhes an die Brandsohle anzunähen pflegen: man darf hier aber weder Zweke noch Nägel gebrauchen, ausser den oben erwähnten, und zwar aus den daselbst angegebenen Gründen, und diese müssen bei der Arbeit ausgezogen und nur dann, wo es nöthig ist, um das Oberleder niederzuhalten, an ihrem eigentlichen Orte befestigt werden. Das Schenkelstük, welches man bei Stiefelsohlen gebraucht, muß an die Brand, sohle mit kleinen kupfernen oder eisernen Zweken gehaftet werden, jedoch mit vieler Vorsicht, damit sie nicht durch die Brandsohle in die fischbeinerne Sohle durchstechen. Das Uebrige muß genäht werden83).

Die äußere Sohle wird mit Schusterdrath an das Zehenstük am Umschlage befestigt, und nicht, wie gewöhnlich, mit Nägeln am Leisten. Endlich wird die äußere Sohle und das Oberstük auf die gewöhnliche Weise angenähet: um das leztere mehr zu befestigen, braucht man auch einige kupferne, messingene, oder eiserne Stifte statt der gewöhnlichen Hölzernen Schuhnägel: man muß aber dafür sorgen, daß sie nicht |187| zu lang sind, und nicht durch die innere lederne Sohle durchgehen. Da keine Löcher von Zweken in diesen Sohlen vorkommen, so wird es auch ganz unnöthig den Stecher hier zu gebrauchen. Das Materiale, welches ich äußerlich an den Sohlen und Absäzen der Stiefel, Schuhe und Ueberschuhe anwende, ist Fischbein, welches jedoch nicht auf obige Weise gespalten und zubereitet, sondern ganz gebraucht wird, nachdem es mittelst einer seinen Säge oder eines anderen Werkzeuges in gehöriger Größe zugeschnitten, und mittelst Raspel und Feile geebnet und gehörig zugerichtet wurde. Die Sohlen müssen aus mehreren Stüken, wie E, F, G, H in Fig. 2 84), gebildet, oder mit denselben bedekt werden, und es müssen Löcher durchgeschlagen werden an dem äußeren Rande dieser Stüke, um die Schrauben, Nagel oder Nieten, mittelst welcher sie fest an die Sohle gewöhnlicher Stiefel, Schuhe oder Ueberschuhe, oder an Schuhe mit einer inneren fischbeinernen Sohle gehörig befestigt werden, wie die Figur zeigt, aufzunehmen. Meine Erfindung läuft also keinesweges auf das Annähen, Anschrauben, oder irgend eine andere Befestigungsweise der Theile der Stiefel, Schuhe, oder Ueberschuhe hinaus, sondern bloß auf Einführung und Anwendung des bereiteten Fischbeines zur inneren Sohle und des gewöhnlichen Fischbeines außen an der Sohle. Urkunde dessen etc.

|183|

Es verdient wohl kaum bemerkt zu werden, daß wir auf dem festen Lande hei dem bestehenden Preise des Fischbeines von dieser Erfindung wenig Gebrauch machen können, und daß, würde diese Erfindung selbst in England allgemein, die Wallfische aller Meere kaum zu Schuhen und Stiefeln hinreichen würden. Wir werden im nächsten Häfte eine zwekmäßige Art von Sohlen aus unseren Graswallfischen, unseren Ochsen bereitet, beschreiben, ohne uns dafür ein Patent geben zu lassen. Anmerk. d. Uebers.

|186|

The split lift is to be stitched on, as also the piece sole which is to be stitched on to the joint of the outsole.

|187|

Wir werden auf diese, ursprünglich einem Baier angehörige, Erfindung, die Sohlen so zu wappnen, bei dem Braun'schen Schuhe zurük kommen. Anmerk. d. Uebers.

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