Titel: Ives über Hopfen in chemischer und technischer Hinsicht.
Autor: Ives, Ansel. W.
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XXXVII. (S. 188–200)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005037

XXXVII. Ueber Hopfen.

In chemischer und technischer Hinsicht.

Nach dem Experimental Inquiry in the Chemical Properties et Economical et Medicinal Virtues of the Humulus Lupulus or common Hop, by Ansel. W. Ives, M. D. of new Jork in den Annals of Philosophy. II. Series. N. III. S. 194.85) Frey übersezt.

Der Hopfen ist ein ausdauerndes Gewächs mit getrenntem Geschlechte: die Individuen mit bloß männlichen Blumen sind, (obschon fälschlich), unter dem Namen wilder Hopfen bekannt, und jene mit weiblichen Blumen werden allein gebaut. Dieses Gewächs ward zum Behufe der Brauerey, in welcher Hinsicht es seit undenklichen Zeiten benüzt wurde, um das Jahr 1549 zuerst in England eingeführt, und seit dieser Zeit so häufig gebaut, daß es gegenwärtig ein Ausfuhrs-Artikel geworden ist.

Zur Untersuchung nahm ich Hopfen, welcher bereits drei Jahre lang in einem engen Sake aufbewahrt wurde. Bei dem Herausnehmen desselben zeigten sich im Grunde des |189| Sakes ungefähr zwei Unzen eines sehr seinen gelben Pulvers, welches, durch wiederholtes Durchsieben, vollkommen rein wurde. Dieser gewiß von vielen Personen beachtete Staub wurde, wie ich besorge, fast allgemein fälschlich für Blumenstaub (pollen) gehalten; er ist aber nur der weiblichen Pflanze eigen, und wird wahrscheinlich von eigenen Drüsen abgesondert. Der Landmann und Gewerbsmann scheint ihn genauer gekannt zu haben als der Gelehrte von Profession; wenigstens habe ich über diesen Staub in Büchern nichts gefunden. Ich will ihn in der Folge, der Kürze und Deutlichkeit wegen, Lupulin nennen.

1. Versuch. Ich kochte ein Quentchen Lupulin mit zwei Unzen Wasser in einer kleinen Retorte bis ein Drittel des angewendeten Wassers in die Vorlage überging. Die übergegangene Flüssigkeit hatte den eigenen aromatischen Geschmak und Geruch des Hopfens, war vollkommen durch scheinend, wenig gefärbt, und zeigte keine Spur von flüchtigem Oele. Das in der Retorte zurükgebliebene Wasser war aromatisch und bitter. Filtrirt und abgeraucht gab es zehn Gran eines blassen außerordentlich bitteren Extraktes, welches den eigenen ausgezeichneten aromatischen Hopfengeschmak in einem hohen Grade besaß.

2. Versuch. Zwei Unzen des besten käuflichen Hopfens wurden in einer Retorte mit 6 Unzen Wasser so lang distillirt, bis die Hälfte der Flüssigkeit in das in der Vorlage vorgeschlagene Wasser übergieng. Das Wasser erhielt einen leichten Hopfengeruch; es zeigte sich aber keine Spur von flüchtigem Oele.

3. Versuch. Zwei Drachmen Lupulin wurden in einer Retorte mit drei Unzen Alcohol gekocht. Der Alcohol gieng reichlich geschwängert mit Hopfenarom über; man fand aber keine sichtbare Spur von wesentlichem Oele. Der rükständige Alcohol hat eine sehr schöne gelbe Farbe und eine angenehme, |190| aber sehr starke, Bitterkeit: filtrirt und abgeraucht gab er eine Drachme Extraktes von der Consistenz eines weichen Wachses86).

4. Versuch. Man bereitete eine gesättigte Abkochung von Lupulin mit reinem Wasser. Sie war undurchsichtig und blaßgelb. Durch Zusaz eines Theiles von schwefelsaurer Eisenauflösung ward sie tief purpurfarben, dem Schwarzen sich nähernd: eine Auflösung von thierischer Gallerte gab einen häufigen aschgrauen Niederschlag, welcher die überstehende Flüssigkeit durchscheinend und klar zurükließ. Diese Flüssigkeit wurde abgegossen, und eine Eisenauflösung derselben zu geschüttet, wodurch sie blaßblau wurde. Essigsaures und unteressigsaures Blei erzeugte einen häufigen, wie geronnenen, gelben Niederschlag; salpetersaures Silber machte einen grünlichen flokigen Niederschlag; salzsaures Zinn brachte Anfangs keine Veränderung hervor, wenn es aber eine kurze M über mit demselben gemengt stand, gab es einen braunen Niederschlag; eine Auflösung von schwefelsaurer Thonerde brachte keine unmittelbare Veränderung hervor, wenn sie aber mit der Abkochung gekocht wurde, bildete sie einen dichten Niederschlag. Kieselsaure Potasche, Alkohol, und vegetabilisches Blau brachten keine Veränderung hervor.

5. Versuch. Zwei Drachmen Lupulin wurden in vier Unzen Wasser durch 6 Stunden im Sandbade digerirt. Der Aufguß gab durch Evaporation 6 Gran aromatisches und |191| bitteres Extrakt. Demselben Lupulin wurden zwei Unzen starken Weingeistes zugesezt, und durch 12 Stunden einer mäßigen Hize ausgesezt: nach dem Filtriren und Abrauchen blieben 6 Grane harzigen Extractes. Dasselbe Lupulin wurde durch 30 Minuten in kochendem Alkohole digerirt, wodurch man nach dem Abrauchen 62 Grane Extrakt erhielt. Das bei dem zweiten Prozesse erhaltene Extrakt war in reinem Alcohol auflösbar, und zugegossenes Wasser machte diese Auflösung trübe und milchig.

6. Versuch. Das in dem lezten Versuche gebrauchte Lupulin wurde mit starkem kaustischen Ammonium gesotten. Nachdem die Flüssigkeit filtrirt und mit distillirtem Weinessige übersättiget wurde, entstand ein häufiger Niederschlag, der in Alcohol unauflösbar war, und alle sichtbaren Eigenschaften eines unreinen Wachses besaß. Diese lezten drei Versuche zeigten ziemlich genügend, daß die wichtigsten nächsten Bestandtheile des Lupulin Harz, Wachs, Garbestoff, Gallapfelsame, Bitterstoff und Extraktivstoff sind. Die folgenden Versuche wurden in der Absicht angestellt, um die Verhältnisse dieser Bestandtheile sowohl als die ganze Menge der in einer gewissen Masse Lupulines enthaltenen auflösbaren Materie zu bestimmen.

7. Versuch. Zwei Drachmen Lupulin wurden fünf Stunden lang mit siedendheißem Wasser aufgegossen. Dem filtrirten Aufgusse wurden in Zwischenräumen fünf Grane einer Auflösung thierischer Gallerte zugesezt, bis kein Nieder schlag mehr erfolgte, und die darüber stehende Flüssigkeit vollkommen klar und durchsichtig wurde. Der getroknete Niederschlag wog 10 Gran. Der filtrirten Auflösung wurde eine Unze Alkohol zugesezt, die aber keinen Niederschlag hervorbrachte. Durch Abrauchung erhielt man 15 Grane eines sehr bitteren Extraktes. Dasselbe Lupulin wurde wieder in siedendem Wasser digerirt, und thierische Gallerte der filtrirten |192| Auflösung zugesezt ohne irgend einen Niederschlag zu erzeugen: durch neues Abrauchen erhielt man noch neue sechs Grane wässerigen Extraktes.

8. Versuch. Das in dem lezten Versuche erhaltene Extrakt wurde in reinen Alcohol gethan und häufig geschüttelt. Nach 24 Stunden wurde die Auflösung filtrirt: 10 Grane lösten sich wieder in Alcohol auf, und eine unauflösbare Masse, 11 Gran schwer, blieb auf dem Filtrum.

9. Versuch. Das in dem 7. Versuche gebrauchte Lupulin wurde nun in Alcohol digerirt. Der Aufguß schmekte sehr bitter, und hatte eine schöne gelbe Farbe. Durch Abrauchen erhielt man 24 Gran Harz. Durch Digeriren in einer neuen Portion Alcoholes erhielt man noch 12 Grane Harzes mehr, das weniger bitter, übrigens dem vorigen gleich war.

10. Versuch. Das in dem lezten Versuche gebrauchte Lupulin, nachdem es in Wasser gekocht und in Alcohol digerirt wurde, wurde in eine kleine Retorte gethan, und in zwei Unzen Aether gekocht. Während des Siedens wurde es in ein Gefäß filtrirt, welches kaltes Wasser enthielt, wodurch 12 Gran Wachs zum Vorscheine kamen87).

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11. Versuch. Eine halbe Unze Lupulin wurde nach und nach in Wasser, Alcohol und Aether gesotten. Beim Abwägen des unauflösbaren Notstandes zeigte es sich, daß fünf Achtel des Ganzen von den Auflösungs-Mitteln aufgenommen wurden.

Aus diesen vorausgeschikten Versuchen, welche alle, mit einiger Abänderung, öfters wiederholt wurden, schließe ich, daß das Lupulin ein sehr seines Arom enthält, welches dem Wasser und dem Alcohol sich mittheilt, und durch stärkere Hize plözlich verflüchtigt wird; daß man durch Distillation in keinem Theile des Hopfens ein wesentliches Oel entdeken kann; daß das Lupulin einen Extraktivstoff enthält, welcher bloß im Wasser auflösbar ist; daß es Gärbestoff, Galläpfelsäure, und einen Bitterstoff enthält, welche in Wasser und in Alcohol auflösbar sind; daß es ein Harz enthält, welches in Alcohol und Aether auflösbar ist, und Wachs, welches nur in Alkalien und im siedenden Wasser auflösbar ist; daß es weder Schleim, noch Gummi, noch Gummiharz enthält; daß die aromatischen und bitteren Bestandteile des Hopfens leichter und vollkommener von Alcohol als von Wasser aufgenommen werden, und noch früher von beiden, wenn sie heiß, als wenn sie kalt sind; daß ungefähr fünf Achtel der ganzen Substanz in Wasser, Alcohol und Aether auflösbar sind, und ungefähr drei Achtel derselben vegetabilischer Faserstoff. Diese nächsten Bestandtheile sind beinahe in folgendem Verhältnisse in der Lupulin enthalten: in zwei Drachmen (oder 120 Granen) bildet

der Gärbestoff 5 Grane;
der Extraktivstoff 10
der Bitterstoff 11
das Wachs 12
das Harz 36
Faserstoff oder Lignin 46
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12. Versuch. Zwei Drachmen Hopfenblätter88), von allem Lupulin gereinigt, wurden zwölf Stunden lang in 6 Unzen siedenden Wassers digerirt. Die Infusion war bitter und außerordentlich widerlich schmekend; sie hatte nichts von jenem aromatischen Geschmake und der eigenen Bitterkeit des Hopfens. Filtrirt und abgeraucht gab sie fünf Grane eines ekelhaften Extraktes. Dieselben Blätter wurden wieder in 6 Unzen starken Weingeistes digerirt, und nach 12 Stunden ward die Infusion filtrirt und abgeraucht, wodurch man 5 Grane eines dem lezteren ähnlichen Extraktes erhielt. Dieselben Blätter wurden 24 Stunden lang in Alcohol digerirt; die Aufgüsse zeigten keine sichtbaren Eigenschaften des Hopfens, und gaben durch Abrauchen vier Grane Extraktes. Der Geschmak keines dieser aus den Hopfenblättern erhaltenen Extrakte war so ausgezeichnet, daß man hätte vermuthen können, er wäre aus Hopfen bereitet worden89).

Aus diesem Versuche und aus anderen ähnlichen, die dasselbe Resultat gegeben haben, ist, wie es mir scheint, hinlänglich erwiesen, daß die Kraft des Hopfens ausschließlich in dem Lupulin gelegen ist; daß diese Blätter einen ekelhaften Extraktivstoff enthalten, welcher sich dem Wasser und dem Alcohole mittheilt, und welcher statt den bitteren und aromatischen Geschmak des Lupulines zu vermehren, denselben zum Theile neutralisirt oder zerstört.

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Das Erste, was aus diesen Resultaten sich ergibt, ist, daß Lupulin der einzige Theil am Hopfen ist, welcher zu technischen und ökonomischen Zweken vorzüglich anwendbar und wesentlich ist; ein Ergebniß, welches so wenig bisher vermuthet wurde, daß es der Mühe werth war zu untersuchen: ob praktische Brauer diesen Theil der Pflanze gehörig zu würdigen wußten? ob er von Schriftstellern für vorzüglicher geachtet wurde, als die Blätter? und wenn dieß der Fall ist, welches Hinderniß oder welche Betrachtung uns bisher abhielt, das Lupulin, wenn ich so sagen darf, von der Spelze zu sondern?

Bei meiner an mehreren Brauern dieser Stadt vorgenommenen Untersuchung zeigte es sich, daß ungefähr einer unter dreien diesen Staub als nüzlich erachtete, jedoch zugleich mit anderen Theilen dieser Pflanze. Die Brauer wußten alle, daß der Hopfen vorzüglich wegen seiner der Fäulniß widerstehenden Kraft, oder zur Verwahrung des Bieres vor Essiggährung gebraucht wird; allein weder praktische Brauer, noch Schriftsteller über die Brauerey scheinen diese Substanz besonders in's Auge gefaßt zu haben. Mehrere der ersteren betrachten sie als durchaus unnüz. Als ich in einem Brauhause um einigen gelben Staub bath, den man gewöhnlich unten in den Hopfensäken findet, sagte man mir, daß man nur mit wenigem dienen könne, indem man erst vor wenigen Tagen ein halbes Bushel desselben aus dem Speicher ausgelehrt habe.

Ich wollte nun, wo möglich, das Verhältniß finden, in welchem das Lupulin in dem gewöhnlichen käuflichen Hopfen vorkommt, auch ob es leicht und vollkommen von den Blättern wegzubringen ist. In dieser Absicht nahm ich 6 Pfund gepreßten Hopfen mitten aus einem Sake, der einige Zentner hielt, und sezte denselben solang der Hize aus, bis er vollkommen troken war. Den herausgenommenen Hopfen stekte ich hierauf in einen leichten Sak, und durch schlagen, reiben |196| und sieben erhielt ich in kurzer Zeit und mit geringer Mühe 14 Unzen (28 Lothe) reinen Pulvers.

Obschon die auf diese Weise erhaltene Menge Lupulines zum bewundern groß war, blieb doch noch ein bedeutender Theil desselben zurük, der nicht leicht von den Spelzen (Kelchblättern) zu trennen war. Wenn man daher den Hopfen in dem Augenblike pflükte, wo das Lupulin in der größten Menge vorhanden ist, und, statt ihn zu pressen und paken, der Sonne aussezte bis er vollkommen troken ist, so ist kaum zu zweifeln, daß nicht 6 Pfunde Hopfen ein Pfund dieses Pulvers geben sollten90).

Obige Versuche wurden erst spät im Frühjahre vollendet, wo die beste Zeit zum Brauen bereits vorüber war: indessen wurden auf den Rath und unter der Anleitung des Esquire Robert Barnes (eines erfahrnen und wissenschaftlich gebildeten Brauers, der für die Vervollkommnung seiner Kunst höchst thätig ist) zwei Fässer Bier (barrels) mit neun Unzen Lupulin statt mit fünf Pfund Hopfen (der gewöhnlichen Menge desselben) bereitet. Der Erfolg entsprach den sanguinischsten Erwartungen. Obschon die Menge Lupulins geringer war als jene, welche, nach obigen Angaben, gewöhnlich in dieselbe Menge Würze kommt, und obschon der darauf folgende Junius ungewöhnlich warm, und daher der Aufbewahrung des Bieres nichts weniger als günstig war, so ist doch das auf diese Weise bereitete Bier, jezt erst fünf Wochen alt, sehr gut. Es ist angenehm aromatisch und bitter, und vollkommen wohl behalten.

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Um mich von der Säure schüzenden Kraft des Lupulin durch einen mehr direkten Versuch zu überzeugen, nahm ich gleiche Mengen Bieres, und stellte dieselben in zwei unverstopften Flaschen der Einwirkung der Sonne aus. Dem Biere in einer Flasche sezte ich zwanzig Gran Lupulin zu. Das Bier, welchem ich kein Lupulin zusezte, war in 10 Tagen trübe und sauer; das andere, welchem Lupulin beigemengt wurde, blieb 15 Tage lang unverändert.

Nachdem ich, wie ich hoffe, erwiesen habe, daß Lupulin allein den bitteren Bestandtheil und den aromatischen Geschmak des Hopfens begründet, welche Heide für die Güte so wie für die Aufbewahrungsfähigkeit des Bieres, so wichtig und wesentlich sind; nachdem ich auch die Thunlichkeit des Absonderns des Lupulins von den Hopfenblättern gezeigt habe; will ich noch einige der offenbarsten Vortheile aufzählen, welche aus diesen Thatsachen hervorgehen, wenn anders das in praktischer Hinsicht anwendbar gefunden werden sollte.

1. Würden dadurch die Frachtkosten vermindert, wodurch ungeheuer erspart werden könnte. Sie betragen bei uns, wo aus Osten und Westen Hopfen herbeigeführt wird, ein bis zwei p. C. im Pfunde, und dieß mehr des Umfanges als des Gewichtes des Hopfens wegen. Lupulin betrüge kaum den sechsten Theil des Gewichtes des Hopfens, und nicht ein Zwanzigstel des Umfanges desselben. Es läßt sich in kleine Kistchen zusammen drüken, und auf diese Weise leicht und für eine Kleinigkeit transportiren, und noch leichter ausführen.

2. Ließe Lupulin sich leichter und wohlfeiler aufbewahren. So sehr man auch gegenwärtig, mehr um das Volumen des Hopfens zu vermindern, als um seine Kräfte zu erhalten, den Hopfen in Säken zusammenpreßt, so verursacht doch das Aufbewahren desselben bedeutende Auslagen, und ist eine nicht unbedeutende Last für den Brauer.

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3. Man drükt ferner den Hopfen auch noch deßwegen so fest als möglich in Säken zusammen, um ihn vor dem Zutritte der Luft zu sichern, welche, wie man sagt, zum Theile seine Kraft zerstört. Dieß mag nun wahr seyn oder nicht, so ist es Thatsache, daß Hopfen mit jedem Jahre schlechter wird und sehr alter Hopfen nichts taugt. Dieß würde bei dem Lupulin eben so wenig statt haben können, als bei unserem Thee, da man dasselbe, wie den Thee, in Kistchen paken und gegen alle Einwirkung der Luft sichern könnte.

4. Der Brauer würde ferner einen ungeheuren Verlust ersparen, welchen er gegenwärtig dadurch erleidet, daß so viele Würze von dem Hopfen eingesogen wird. Dr. Shannon, der vielleicht mehr Zeit und Geist auf die Brauerey verwendet hat als irgend ein englischer Schriftsteller, hat durch eine Reihe von Versuchen erwiesen, daß, bei dem gewöhnlichen Verfahren des Bierbrauens, jedes 60 Pfund Hopfen ein Faß, (Barrel91)) Würze einsaugt92). Zu London werden jährlich mehr als 1,500,000 Fässer (Barrels) Bier gebraut93); die kleinste Menge Hopfens, die man zu einem Fasse (Barrel) nöthig hat, ist 2 1/2 Pfund, oder 3,750,000 Pfund. Da nun jedes Faß (Barrel) Würze nicht weniger als 3 Bushel Malz halten kann, so folgt, daß jährlich zu London allein 187,500 Bushel94) Malz von dem Hopfen eingesogen werden und verloren gehen: ein Verlust, denn man wohl leicht auf eben so viele tausend Thaler an schlagen kann.

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5. Lupulin wird endlich den Reiz zu betrügerischer Verfälschung des Bieres mit anderen bitteren Substanzen vermindern, der jezt so allgemein ist. Aller Parlaments Verbothe ungeachtet gibt es keinen Artikel der so vielfältiger und ausgedehnter Verfälschung unterläge, als heute zu Tage unser Bier. Cocculus indicus, Quassia, Wermuth wurden abwechselnd als Surrogate für Hopfen gebraucht95); sie stehen aber alle dem Hopfen sowohl in Hinsicht auf Wohlgeschmak als auf antiseptische Kraft, oder in Hinsicht auf Fähigkeit, das Bier vor Essiggährung zu schüzen, so sehr nach, daß der Gebrauch jedes anderen Pflanzentheiles, als des Malzes und Hopfens, durch die Geseze streng verboten ist. Durch das Lupulin würde der Preis des Hopfens, rüksichtlich der Ersparung der Fracht- und Aufbewahrungs-Kosten, so sehr fallen müssen, daß man nicht leicht in Versuchung gerathen könnte, irgend einen anderen Artikel statt des Hopfens zu gebrauchen.

6. Lupulin ist außerordentlich bitter, aber nicht unangenehm, während der durch das Kochen aus den Hopfenblättern ausgezogene Extractivstoff sehr ekelhaft schmekt, und seinen unangenehmen Geschmak dem Biere mittheilt: ist der Hopfenblätter-Absud sehr concentrirt, so belästigt er sogar selbst den Magen. Es ist bekannt, daß mehrere Personen kein starkes Bier zu trinken vermögen, bis sie sich nicht nach und nach an dasselbe gewöhnt, und so zu sagen ihren Geschmak verdorben haben; es geht hier so, wie beim Angewöhnen des Opiums und des Tobakes. Als der Hopfen in die Brauereyen Englands eingeführt wurde, überreichten die Bürger Londons eine Bittschrift bei dem Parlamente, und bathen, daß man den Gebrauch des Hopfens im Königreiche |200| verbiethen möchte, indem derselbe ein garstiges und schädliches Ding wäre, und den Geschmak ihres Getränkes verdärbe. „Die Hopfenblätter sind also nicht bloß unnüz, sondern sogar nachtheilig für den seinen Geschmak des Bieres96).

Die Annals of Philosophy führen ein amerikanisches Journal als ihre Quelle an, ohne dasselbe näher als mit den Worten: from an American Scientific Journal, zu bezeichnen. Wir ließen, unseren Grundsäzen gemäß, alles medicinische aus dieser Abhandlung weg, und freuen uns einen der ersten Aerzte, den unsterblichen Fordyce, mit uns einerley Meinung aussprechen zu hören, wenn er sagt: wenn man irgend etwas zu gar nichts zu brauchen weiß, so probirt man's in der Medicin. A. d. Ueb.

|190|

Diese Versuche wurden mit einigen Abänderungen öfters wiederholt, um, wenn es möglich wäre, das flüchtige Oel, dessen die Schriftsteller so oft erwähnen als wesentliche Ursache des Eigengeschmakes des Bieres, zu entdeken: das Resultat war durchaus dasselbe. Das eigene Hopfenarom verrieth sich immer durch Geruch und Geschmak, nie war ich aber im Stande, dasselbe in Form eines wesentlichen Oeles auszuscheiden. A. d. O.

|192|

Die gewöhnliche Methode, das Wachs aus den Pflanzen durch Kochen derselben in kaustischem Ammonium und nachmalige Übersättigung desselben mit Weinessige oder verdünnter Schwefelsäure zu sättigen, ist langweilig, und die Resultate sind unzuverlässig. Folgendes Verfahren ist leichter und schöner. Nachdem die zu untersuchende Substanz in siedendem Wasser und kaltem Alcohol digerirt wurde, lasse man sie in Aether kochen, und die Auflösung, während des Siedens, in kaltes Wasser durchseihen. Das Wachs, welches durch den siedenden Aether aufgelöst erhalten wird, wird, sobald der Aether im Wasser erkaltet, niedergeschlagen, und, da feine specifische Schwere größer als jene des Wassers, und geringer als jene des Aethers ist, so bildet es eine schöne Abtheilung zwischen diesen beiden Flüssigkeiten. Wird der Aether verflüchtigt, so kann man das Wachs leicht vom Wasser abnehmen.

|194|

Unter Blättern versteht man hier, wie es von selbst klar ist, die Kelche der Blüthen, oder jenen Theil des Hopfens, den man gewöhnlich zum Brauen nöthig hat.

|194|

Ich muß hier bemerken, daß man alle Sorge dafür trug, die Blätter vollkommen frey von Lupulin zu erhalten, welches sich gewöhnlich in großer Menge auf demselben befindet. Dieß kann durch bloßes Ausschlagen nicht geschehen.

|196|

Ich würde hier nichts muthmaßlich aufgeführt haben, wenn es nicht in der Absicht geschähe, das Verhältniß des Lupulin so genau als möglich für den Fall zu bezeichnen, daß man dasselbe statt der Blätter beim Brauen gebrauchen wollte, damit man dann die gehörige Menge wisse. A. d. O.

|198|

Ein Barrel hält 216 Bier- oder 192 Alegallons, das Gallon zu 3,264 Wienermaß. A. d. Ueb.

|198|

Vergleich Dr. Shannon's treatise on Brewing. A. d. O.

|198|

Edinburgh Encyclopedia v. II. A. d. O.

|198|

Ein Bushel = 0,5734 Wienermezen. A. d. Ueb.

|199|

Accum's treatise on the Adulteration of Food. Auch das Edinburgh Review N. 65. A. d. O. (Auch in diesem Journal Bd. 3. Hf. 4. S. 466. D.)

|200|

Es scheint uns sehr der Mühe werth, auch bei uns im Großen Versuche mit diesem Lupulin zu machen. Und dann wäre es zu wünschen, daß man auch das Lupulin des männlichen Hopfens und selbst seinen Blumenstaub einer Untersuchung unterzöge. Bei uns in Deutschland kennt man die guten Eigenschaften des Lupulines unter dem Namen Hopfenmehl sehr wohl. Vergl. Böhmer's techn. Gesch. d. Pflanz. 1. B. S. 435. u. f.

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