Titel: Marechaux über die verschiedenen Methoden, das Getreide mehrere Jahre ohne Nachtheil für dasselbe, aufzubewahren.
Autor: Marechaux, Peter Ludwig
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XLII . (S. 223–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005042

XLII. Würdigung sämmtlicher bis jezt bekannt gewordener Methoden, das Getreide, mehrere Jahre hindurch, ohne Nachtheil für dasselbe, aufzubewahren.

Von K. B. Professor Hr. Marechaux in München.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

1. Einleitung.

Meine Absicht ist nicht, in diesem Aufsaze, meinen deutschen Zeitgenossen neue Ideen vorzulegen, dahin deutet schon der Titel desselben. Ich sammle bloß, in möglichst gedrängter Kürze, was über den Gegenstand, den ich abhandle, in ökonomischen Schriften zerstreut liegt, trage die verschiedenen Methoden, die von erfahrnen Männern benüzt oder angegeben worden sind, vor, und prüfe ihre Zwekmäßigkeit, sowohl in Bezug auf den Landmann, als in Bezug auf die Getreidehändler und die Staatsverwaltungen. Ich fühle, daß dieser Gegenstand, von mir behandelt, mangelhaft ausfallen muß, und wünsche, daß er einen theoretisch und praktisch gebildeten Oekonomen veranlasse, etwas vollständigeres zu bearbeiten.

2. Aufzulösende Aufgabe.

Die Aufgabe, die aufzulösen ist, besteht darin, daß das Getreide, mehrere Jahre hindurch, unverdorben, aufbewahret werden könne; die Hauptschwierigkeit, mit welcher man zu kämpfen hat, besteht in der Feuchtigkeit, die alles Korn, und vorzüglich Roggen und Weizen, bei sich führt, und die bald in größerer, bald in geringerer Menge vorhanden ist, je nachdem die Sommer nasser oder trokner sind.

Diese Feuchtigkeit, verbunden mit einer gewissen Temperatur der Atmosphäre, befördert die Entwikelung des Keimes, und bei diesem Processe wird jedesmal Wärme entbunden. Liegt das Getreide angehäuft, so theilt sich diese Wärme, mit der ausdünstenden Feuchtigkeit der Luft mit, die zwischen den Körnern unbeweglich ist; wodurch die innere Zersezung beschleunigt, und nach und nach die gänzliche Zerrottung des Korns herbeigeführt wird. Durch diese innere Gährung verliert das Mehl sehr bald seinen reinen Geschmak, |224| der ganze Haufen bekommt einen dumpfigen Geruch, der sich dem daraus verfertigten Brode mittheilt.

3. Mittel gegen dieses Uebel.

Es giebt nur zwei Mittel, diesem Uebel entgegen zu arbeiten.

Entweder zerstört man den Keim selbst, und macht dadurch die Entwikelung desselben unmöglich, oder man verhindert bloß dessen Entwikelung.

Dieses lezte läßt sich nur auf zweierleiweise bewerkstelligen.

1. Dadurch, daß man das Getreide in einer Temperatur hält, welche zur Beförderung des Vegetations-Processes zu niedrig ist.

2. Indem man dafür sorgt, daß alle innere Wärme, die vom Vegetationstrieb herrührt, und die weitere Entwikelung desselben befördern könnte, mit der Feuchtigkeit, die ihn unterstüzt, nach und nach abgeleitet werde.

Alle Conservations-Methoden, können nur auf dem einen oder dem andern dieser Hauptmittel beruhen.

4. Ursachen des Verderbens von außen her.

Jene Ursache des Verderbens liegt im Getreide selbst, andre sind zufällig, und kommen von außen her.

Das Getreide muß vor den Verwüstungen, welche die Ratten und Mause darin anrichten, geschüzt werden. Hundert Mäuse verzehren jährlich über 100 Pfund Getreide, und zerschroten wenigstens eben so viel; und die Ratten, nicht zufrieden sich daran an Ort und Stelle zu sättigen, gehen mit gesträubten Haaren rükwärts in den Getreide-Haufen ein, ziehen sie alsdann wieder an sich, und kehren mit ihrer Ladung in ihre Nester zurük.

Außerdem gibt es mehrere Insekten, die in unseren Getreide-Vorräthen einen beträchtlichen Schaden verursachen.

Dahin gehören der rothe Kornwurm, Curculio frumentarius longirostris sanguineus Linn; und der schwarze Kornwurm, Curculio granarius, longirostris, piceus, oblongus, longitudine Erytrorum. Beide gehören zur Gattung der Käfer, und sind selten größer als ein Floh. Sie pflanzen ihr Geschlecht durch Eier fort, die sie in das Korn legen, nachdem sie die Schaale durchbohrten. Aus diesem Ey entsteht ein kleiner Wurm, der sich vom Mehle des Kornes nährt, und in der leeren Hülse bloß seinen Unflath zurükläßt. Dieser Wurm verwandelt sich in eine Puppe, aus |225| welcher sich alsdann das kleine käferartige Thierchen entwikelt, welches nicht fliegen kann, weil es bloß Flügeldeken, aber keine Flügel hat103).

Der weiße Kornwurm verrichtet nicht minder große Verwüstungen. Diese Benennung ist zwei sehr verschiedenen Würmern gegeben worden.

Der in unserem Vaterlande am gewöhnlichsten vorkommt, entsteht aus den Eiern der Phalaena granella, Tinea alis albo nigroque maculatis, capite albo, Linn. Eine Nachtmotte, die ihre Flügel in Form eines Daches zu tragen pflegt.

Die Phalaena granella fliegt des Abends um die Kornböden herum, angezogen durch den säuerlichen Geruch, der sich vom Getreide erhebt. Sie hängt ihre Eier an die Getreidkörner an, und legt bis 60 Eier, aus welchen, nach wenigen Tagen, blasgelbe Würmer kriechen, die sich in das Korn hinein fressen; wenn sie das darin befindliche Mehl verzehrt haben, spinnen sie mehrere Körner zusammen, die sie sämmtlich zernagen. Nach völlig erlangtem Wachsthume sind diese Würmer 4 bis 5 Linien lang. Im Herbste kriechen sie an den Wanden hinauf, wo sie sich verpuppen; im Winter bleiben nur wenige im Getreide zurük. In den Monaten März, April oder Mai, wird die Puppe beweglich, und bald nachher erscheint die Motte.

Eine genauere Beschreibung desselben findet man in Reomur; – ferner im ersten Bande der Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Zürich, 1761.

Die andere Art des weißen Kornwurms entsteht aus den Eiern der Phalaena tritici, welche, zum Glüke unserer Kornfelder, und unserer Magazine, in Deutschland, sehr selten zu seyn scheint; indeß sie könnte auch einst hier zur Landplage werden.

Dreißig Jahre hindurch, verheerte, im Angoumois ein dort unbekanter Wurm die zwei Drittel der jährlichen Erndte. Niemand wußte sich mehr zu helfen; der Landmann hatte schon seit einigen Jahren angefangen, den Getreidebau aufzugeben, säete Haber, Erbsen, Wiken, Mais, und machte aus diesen Früchten Brod. Damals (1760) war Pajot de Marcheval Intendant der Generalität von Limoges, wovon das Angoumois ein Theil ist. Das Uebel, welches in diesem |226| Bezirk den höchsten Punkt erreicht hatte, fieng schon an, sich in den benachbarten Gegenden zu verbreiten, denn die Bewohner, die ihr Getreide um die niedrigsten Preise losschlugen, lokten die Käufer aus den angrenzenden Provinzen. Da fand sich endlich dieser Intendant bewogen, an den General-Controlleur Bericht abzustatten, und ihm zu melden, daß wenn nicht Rath geschaft werden könnte, alle Zahlung der Abgaben ohne weiters aufhören müßte; er erbath sich, zur näheren Untersuchung des Nebels, und zur Auswahl der schiklichen Rettungsmittel, Commissarien der Akademie der Wissenschaften aus. Mehrere Intendanten der benachbarten Generalitäten machten mit ihm gemeinschaftliche Sache. Auf die eingegangenen dringenden Vorstellungen, wurden nun einige Mitglieder dieser gelehrten Gesellschaft, die Hrn. Duhamel du Monceau und Tillet, dahin beordert, mit der Weisung, sich, vor Anfang der Aernte, an Ort und Stelle zu begeben.

Hier fanden sie wirklich das Uebel so groß, als man es vorgestellt hatte. Sie erkannten bald, daß der unbekannte Wurm, der so große Verheerungen anrichtete, aus den Eiern der Weizen-Motte (Phalaena tritici) entstand, die sich hier über alle Maßen vermehrt hatte. Sie war zwar schon von Reaumur nach wenigen, aber richtigen, Beobachtungen beschrieben, und unsre Naturforscher fanden in dieser Provinz hinlängliche Gelegenheit, mehrere neue Beobachtungen zu den bereits bekannten hinzuzufügen. Sie sammelten sie in einer eigenen kleinen Schrift, die zu Paris im Jahre 1762 erschien. Sie führt den Titel: Histoire d'un insecte qui dévore les grains de l'Angoumois, avec les moyens que l'on peut employer pour le détruire. Par Mess. Duhamel du Monceau et Tillet, de l'Academie royale des Sciences.

Die Weizen-Motte ist, so wie die Korn-Motte (Phalaena granella), ein Nachtvogel; beide sind von derselben Größe, mit dem Unterschiede, daß die erste ihre Flügel flach, und die andere dachförmig trägt. Beide legen ihre Eier an das Getreide, immer einige an jedes Korn, und ihre Fruchtbarkeit ist gleich groß, denn auch diese legt an 60 Eier; aber ihre Eier sind kleiner und so klein, daß ein jedes durch ein Loch durchgehen könnte, welches man, mit der feinsten Nähnadel, in ein Stük Papier gemacht hätte, und ihre Schale ist so dünn, daß man durch ein Vergrößerungsglas den Wurm darin deutlich wahrnehmen kann. Dieser Wurm der sich, so wie der Wurm der Korn-Motte, in das Körnchen hineinfrißt, sobald er aus dem Eie kriecht, verläßt |227| dieses Körnchen nicht mehr, er ernährt sich bloß von dem Mehle desselben, und verpuppet sich darin sobald es verzehrt ist: aus dieser Puppe entsteht nun die Phalaena tritici, die dem Getreide um so gefährlicher ist, da sie nicht, wie die Kornmotte bloß unsere Speicher besucht, sondern sie flattert auch des Nachts in den Kornfeldern herum, und legt ihre Eier an den noch in der Aehre befindlichen Weizen. Zur Zeit wo das Körnchen sich in der Aehre bildet, verlassen diese Nachtvögel gegen Sonnenuntergang schwarmweise die Söller, und ziehen nach den Getreidefeldern hin, so daß der Landmann, dessen Felder von dieser Plage heimgesucht sind, das schon wurmstichige Getreide in die Scheune führt, einen bedeutenden Theil desselben in der Aehre selbst verliert, einen andern nicht minder bedeutenden, nach dem Ausdreschen, auf seinen Kornböden, in taube Hülsen verwandeln sieht, wo endlich der gesundgebliebene Theil wiederum bald von den Eiern dieser Motten inficirt wird, die sich dort nach und nach aus ihren Puppen entwikeln. Selbst in lokerer Erde bleibt dieser Wurm in dem Korns lebendig, er geht hier durch keine Umwandelungen durch, und die Motte arbeitet sich alsdann durch den Staub und stiegt davon. Bei Tage erblikt man diese Insekten nirgends im Freien, und unsere Naturforscher haben nicht entdeken können, wo sie sich vor der Sonnenhize, die sie nicht vertragen, verkriechen, und da sie klein und grau sind, so haben sie viel Mühe gehabt, ihre Züge aus den Söllern, nach den Kornfeldern hin, zu entdeken.

Dieses Insekt hält sich indessen bloß an den Weizen, den Roggen und die Gerste. Es läßt den Mais und die Hülsenfrüchte unberührt, eben so auch den Haber in den Söllern; aber Haber, in einem Glase, mit Weizen und Gerste vermengt, blieb nicht verschont. Versuche haben auch gezeigt, daß, in Ermangelung ihrer Lieblingsfrucht, sie sich mit jeder mehligten Frucht begnügen, Erbsen, Bohnen etc. ausgenommen.

5. Mittel gegen dieses Uebel.

Die Erfahrung hat gelehrt, daß von den vielen, gegen diese verschiedenen Plagen, vorgeschlagenen Mitteln, kein einziges zureichend ist. Die Mäuse und die Ratten lassen sich nicht auf die Dauer vertreiben, und nicht alle wegfangen: auch ist es unmöglich, unsere gewöhnlichen Kornböden so von allen Seiten zu verschließen, daß sie dahin keinen Zutritt finden sollten.

Eine große Aufmerksamkeit kann eine Zeit lang die Speicher und die Kornhäuser von den Kornwürmern unangestekt |228| erhalten; wer aber kann versichert seyn, daß unter dem vielen aufgekauften Getreide sich nicht angestektes befindet, und für die Entfernung aller Umstände bürgen, welche die Vermehrung dieses Ungeziefers begünstigen.

Wenn bei Anwendung vielfacher Mittel, manche unbekannte und ungeahndete Ursachen die plözliche Verminderung der Kornwürmer, oder ihre gänzliche Vertilgung herbeiführten, so schrieb man dem leztgebrauchten das Wunder zu, und posaunte seine Wirkung in den öffentlichen Blättern. Die Wiederholung des Versuches unter andern Umständen, zeigte bald die frühere Täuschung.

Feuchtes Korn befördert ungemein die Erzeugung dieser Insekten. Die Erhizung desselben beschleunigt die Ausbrütung ihrer Eier. Kühle Söller vermindern daher ihre Fortpflanzung, wie auch die fleißige Umstechung des Getreides, welche die Erhizung desselben verhindert.

Man hat mannigfaltige Mittel vorgeschlagen, sie wegzufangen: manche mögen sinnreich seyn, aber sie lassen sich nur im Kleinen anwenden. So lassen sich z.B. die weißen Kornwürmer auffangen, wenn man über den Getreidehaufen ein dünngewebtes Laken ausbreitet, oder ein gewöhnliches aber angefeuchtetes. Im ersten Falle gehen sie durch das Gewebe durch, vermuthlich um frische Luft zu suchen, und werden so mit dem Laken fortgetragen, im andern Falle sezen sie sich an das feuchte Tuch an, daß man nur aufrollen darf, um sie fortzuschaffen: man kann sie indeß nur wegfangen, wenn sie erwachsen sind, und bereits einen großen Schaden verrichtet haben.

Ein schlechter Rath ist es, daß man den Kornhaufen den Würmern ruhig überlassen soll, da sie nur höchstens 3 bis 4 Zoll tief hineindringen, und alles tiefer liegende Getreide unangerührt bleibt: die Thatsache ist wahr, aber bei einer Aufschüttung von 18 Zoll hoch, geht der fünfte Theil des Getreides verloren, was gewiß keine Kleinigkeit ist; und Duhamel versichert, daß alles gesund gebliebene Korn gewöhnlich einen unangenehmen Geruch bekommt, der sich nicht verliert.

Der Schwefeldampf, den man zur Vertilgung dieses Ungeziefers vorgeschlagen hat, tödtet bloß die Würmer, die an der Oberfläche des Haufens sich aufhalten. Besondere Vorkehrungen müßten getroffen werden, wenn er durch die Masse selbst durchgeleitet werden sollte; und wenn diese Vorkehrungen auch in größern Magazinen ausführbar waren, so tödtet oder zerstöret doch in keinem Falle der Schwefeldampf die Eier.

|229|

Nur ein sicheres Mittel gibt es, Würmer und Eier zu vernichten, nämlich eine beträchtliche Wärme, die aber durch den ganzen Getreidehaufen, in dem dazu erforderlichen Grade, vertheilt seyn muß: ohne dieses, bleiben an den kühler gebliebenen Stellen die Würmer lebendig, oder sie verkriechen sich dahin, um der Wirkung der zu großen Hize zu entgehen.

Aber selbst auf stark geröstetem Korne haben sich nach zwei oder drei Jahren Würmer wieder gezeigt, obgleich in weit geringerer Menge. Das Rösten nämlich verhärtet die Schale, und macht es den schwarzen Kornwürmern fast unmöglich, sie durchzubohren, um das Ei in das Mehl zu legen, und dem weißen Kornwurm, der eben aus dem Ei kroch, sich durch die harte Hülse den Weg in das Innere zu bahnen: die ersten finden also dort keine Stelle für ihre Eier, die andern sterben ehe sie Nahrung finden. Aber vermuthlich mit der lange der Zeit erweicht die feuchtere Luft manche Hülse, so daß in dem der äußeren Luft ausgesehen Getreide manche Körner durch eingesogene Feuchtigkeit weicher geworden, den Forderungen jener Insekten wiederum entsprechen.

Es gibt daher kein anderes zuverläßiges Mittel, als die vollkommene Verschließung des Getreides in Behältern, die jenem Ungeziefer, von welcher Art es auch sei, ganz unzugänglich sind.

6. Unzuverläßigkeit unseres gewöhnlichen Verfahrens zu Vorbeugung beider Uebel.

Alles was ich bisher gesagt habe, ist eine scharfe Kritik, des in Deutschland, seit undenklichen Zeiten eingeführten Verfahrens. Unsere Anhänglichkeit an dasselbe zeugt bloß von der Macht der Gewohnheit, und von der Trägheit, mit welcher wir uns zu dem Besseren hin, selbst wenn wir es als solches anerkennen, bewegen.

Guter Rath, das Beispiel angränzender Länder, entscheidende Versuche, mit dem besten Erfolge im Großen ausgeführt, nichts hat uns aus dem betretenen Geleise gerissen; selbst nicht große Nachtheile, schmerzliche Verluste, die doch sonst so geeignet sind, die Menschen zu besseren Ansichten zu führen.

Wir gehen, wie unsere urältesten Väter, als sie vor Jahrtausenden ihre eben urbar gemachten Felder mit Getreide besäeten, denselben Gang, den sie damals aus Mangel an aller Erfahrung einschlugen, und leider! einschlagen mußten, weil sie nichts Besseres kannten, und von den Folgen ihres Verfahrens noch nicht unterrichtet seyn konnten.

|230|

Wir mähen nämlich unsere reifgewordenen Saaten, troknen sie dürftig im Sonnenscheine, wenn wir davon beglükt werden, oder an der Luft, wenn kein Sonnenstrahl durchdringen will; häufen die Garben aufeinander, warten die erste Erhizung derselben ab, hauptsachlich um das Ausdreschen zu erleichtern; dreschen nun das Korn aus, reinigen es, und breiten es alsdann in unseren Speichern aus; lüften es, damit es sich nicht erhize, und lassen es, wenn wir es für die Zukunft aufbewahren wollen, bei Fortsezung dieser Behandlungsart, mehrere Jahre liegen.

Dieser Gang ist freilich der einfachste, der leichteste; aber alles was einfach und leicht ist, ist deshalb nicht zu empfehlen, wenigstens nicht allgemein einzuführen. Eine Menge unerwarteter Umstände gebieten nicht selten Umwege, sie machen mühsame Vorkehrungen nöthig, um das Ziel zu erreichen.

Unsere Methode wäre vortrefflich, wenn unsere Sommer alle mäßig naß, und der Erntemonat anhaltend troken wäre; wenn die Umstechung des aufgeschütteten Getreides gewissenhaft vor sich ginge, wenn Ratten und Mäuse nicht fräsen, Kornwürmer unsere Vorräthe nicht heimsuchten, und wir nicht ungeheure Flächenraume brauchten, um den Segen unserer Ernten mehrere Jahre aufzubewahren, oder wenigstens bis wir ihn mit Vortheil umsezen können.

Da es uns aber in unseren Oekonomie-Gebäuden an zwekmäßigen Vorrichtungen fehlt, um unser Getreide in nassen Jahren gehörig zu troknen, können wir es nach nassen Sommern nicht aufspeichern, weil es leicht dumpfig wird, und müssen es daher schnell verkaufen und verbrauchen, wo dann nach einigen solchen Jahren, wenn nunmehr ein Mißwachs folgt, eine Hungersnoth unvermeidlich ist, weil keine Vorräthe vorhanden sind, den eingetretenen Mangel zu ersezen.

Noch ärger ist es, wenn die Erntezeit selbst anhaltend naß ist, und die Einfuhr dadurch aufgehalten wird. Aus Mangel an Vorkehrungen, das feuchte Getreide zu troknen, und da es unmöglich ist, es in solchem Zustande in der Scheune aufzuhäufen, müssen wir es nunmehr gelassen auf unseren Feldern auswachsen und zerrotten sehen: und dieser empfindliche Nachtheil, der manchen Landmann zum Bettelstab verhilft, macht uns nicht vorsichtiger. Bei der Anlage unserer Oekonomie-Gebäude denken wir nur an den Sonnensebein, den wir erwarten, als könne er nicht ausbleiben, und nehmen keine Rüksicht auf das Regenwetter, das sich unerwartet oft einfindet, und dann mit einemmale, da wir |231| auf die verderblichen Wirkungen desselben nicht vorbereitet sind, über die Hälfte unserer süßesten Hoffnungen vernichtet.

Bei unserer Methode unser Getreide langsam und gemächlich auszubrechen, um die Kosten fremder Hülfe zu ersparen, lassen wir es von der Zeit der Ernte an, das Jahr hindurch, fast bis zur neuen Ernte hin, in der Scheune von den Mausen zernagen; nicht zufrieden sie hier so gut zu bewirthen, schütten wir ihnen noch die Früchte unseres Schweißes auf die Kornböden hin, und überlassen ihnen großmüthig davon ein zweites Zehntel zu ihrem Verbrauch; und wer endlich sein Korn nicht um jeden Preis auf den Markt verkaufen will, und es aufspeichert, um bessere Preise abzuwarten, muß überdieses noch vor der Gefahr zittern, neben allen Kosten und Veruntreuungen, die mit dem Umstechen verbunden sind, ein Fünftel seines Vorrathes den Kornwürmern Preis geben zu müssen.

Die uralte Methode unserer Vater hat daher nur einen Werth für den kleinen Gutsbesizer, der bei seinen kleinen Aekern leicht nach einigen wenigen Sonnenbliken, sein Getreide vom Felde in die Scheune fordern kann; der mit dem Ausdreschen seiner kleinen Habe schnell fertig wird; der gerade so viel bauet, als zur Erhaltung seines Hauswesens und zur Zahlung seiner Steuern nöthig ist, und sein Getreide unmittelbar von der Tenne auf den Markt bringt.

So verhalt es sich aber nicht mit dem größeren Eigenthümer. Er hat die Zinsen eines weit größeren Kapitals zu verwerthen, und muß auf Umstände warten, dieses ohne Nachtheil möglich zu machen. Wollten alle großen Eigenthümer ihr Getreide, wie es ausgedroschen wird, sogleich, auf dem Markte, gegen baar Geld umsezen, so würde die Concurrenz die Preise so herunterdrüken, daß weder die Zinsen des Kapitals, noch die Kosten des Anbaues gedekt würden, und das gänzliche Verderben aller akerbauenden Classen unfehlbar erfolgen müßte.

Der große Eigenthümer muß daher, mit Hoffnung eines glüklichen Erfolges, sein Getreide auf mehrere Jahre aufspeichern können: und der Vortheil des Landes ist hier mit dem Seinigen in Einklang. Kornvorräthe, von mehreren Jahren her, retten uns allein vor den schreklichen Folgen einer Hungersnoth, und wer kann solche Vorräthe anlegen, wenn der bemittelte Gutsbesizer es unterläßt!

Zu solchen Getreide-Vorräthen wird er besonders in Ländern aufgemuntert, in welchen die Versplitterung der Güter nicht gestattet wird, und wo die Zahl der kleinen Landeigenthümer zu den größeren in einem festen Verhältniß |232| steht. Er kann hier ruhig der Concurrenz entgegen sehn, welche der Geldmangel unter denselben veranlaßt; er weiß, daß sobald ihre Scheunen leer seyn werden, die Reihe an ihn kommen wird, er kann daher, durch höhere Preise gelokt, mit dem Verkaufe seines Kornes zurükhalten; er kann sogar, da er die Zinsen seines Kapitals nicht verzehrt, mehrere Jahre auf angemessenere Preise warten.

Da es aus den eben angeführten, und von der Vermeidung eines in aller Hinsicht dem Staate so nachteiligen Getreidemangels hergenommenen Gründen, den hohen Landesbehörden nicht gleichgültig seyn kann, ob Getreide-Vorräthe auf mehrere Jahre im Lande sind oder nicht, so scheint das neue beliebgewordene System, nach welchem der Zersplitterung der Güter kein Gesez mehr entgegenwirkt, nicht auf den wahren Vortheil des Volkes berechnet zu seyn; und es dürfte als ein Hauptfehler in unseren neuen Constitutionen betrachtet werden, daß sie, aus individuellen Hinsichten, die Zersplitterung der Güter zuließen, ohne die Güter selbst zu classiren, ohne ein Verhältnis zwischen den kleinen, den mittleren und den größeren Besizungen festzusezen. Die Schwierigkeiten die solchen Normen entgegenarbeiten, sind kein Grund, der den Gesezgeber entschuldiget, daß er das allgemeine Wohl des Landes dem blinden Zufall überließ, anstatt ihn nach weisen Rüksichten zu berechnen, und auf festen Grundlagen zu gründen.

Der große Gutsbesizer ist es nicht allein, der die Notwendigkeit fühlt, Getreide mehrere Jahre hindurch, ohne Verlust, aufzubewahren, und der in der allgemein üblichen Methode seine Rechnung nicht findet; große Städte, Militärverwaltungen, Hospitäler, Armeninstitute, ganze Gemeinden, befinden sich in derselben Lage. Grundsäze einer gesunden Oekonomie erheischen den Ankauf des benöthigten Getreides, wenn es zu niedrigeren Preisen zu haben ist, und eine kluge Vorsicht gebietet, daß der Vorrath nicht allein von einer Erndte zur ändern berechnet sey. Wer aber kennt nicht die großen Boschwerden, über die vielen Nachtheile, die mit der Aufbewahrung dieses Getreides verbunden sind. Selten behält das Getreide in solchen Magazinen seinen reinen Geruch. Das aus demselben verfertigte Brod ist selten gut. Es ist nicht möglich, die Mause abzuhalten, und in den misten dieser Magazine richten die Kornwürmer große Verheerungen an. Die Gebäude, die zur Aufnahme dieses Getreides nöthig sind, müssen sehr weitläuftig seyn, weil das Korn, wenigstens das erste Jahr gewöhnlich unter 18 Zoll hoch aufgeschüttet werden muß: die Umstechung dieser großen |233| Getreide-Massen geht unordentlich vor sich, die dazu verwendeten Taglöhner, die nicht immer bewacht werden können, verrichten die Arbeit nur halb, der Wurmfraß, um den Verlust im Maaße zu vermindern, wird als gutes Getreide mit ausgemessen, gemahlen, und verbaten, und gewissenlose Inspektoren, die, bei solchen Umständen, keiner Kontrolle ausgesezt werden können, bereichern sich, in solchen Instituten, auf Kosten des Publikums. Daher haben von jeher wahrhaft patriotisch gesinnte Männer manches aufgeboten, um etwas Besseres an die Stelle jener mangelhaften Methode zu sezen, und wenn ihre wohlgemeinten Bemühungen nicht Bestand hatten, so lag lediglich die Schuld an den niedrigen Leidenschaften jener gewissenlosen Menschen, die bei den neuen Instituten ihren Vortheil nicht fanden, und alles aufboten, um die Machthabenden gegen das offenbare Gute einzunehmen, sie für das vorige Verfahren wieder zu gewinnen, und die wohlthätigen Früchte des besseren Verfahrens zu vernichten.

Während den Drangsalen, die der lezte allgemeine Miswachs uns zufügte, hörte man oft gegen die Regierungen bittere Klagen, daß sie, ohne Fürsorge für die Zukunft, den traurigen Folgen fehlgeschlagener Ernten durch die Anlage von Getreide-Magazinen, nicht vorbeugten. Diese Klagen können bloß den schmerzhaften Gefühlen des Augenblikes beziehen werden. Lassen sie uns erwägen ob, bei der in Deutschland üblichen Methode, ob überhaupt Magazine, die uns gegen eine allgemeine Hungersnoth schüzen sollen, räthlich und sogar möglich sind. Die Grundlage zu diesen Berechnungen kann freilich bestritten werden; ich gehe von Annähmen aus, die gewiß nicht vollkommen richtig sind, aber die äußerste Genauigkeit kann hier ohne Nachtheil übersehen werden; wenn von einem großen Staate die Rede ist, so kann man sich, ohne daß deshalb die Resultate trügen, um einige tausend Schaffet Korn verrechnen. Auch ziehe ich hier in keine Betrachtung die Verschiedenheit in der Menge des Verbrauches in den Städten und auf dem Lande; auch mache ich keinen Unterschied zwischen Roggen und Weizen, und Übersehe, daß auf dem Lands häufig Gerste mit dem Roggen zum Brod gemengt wird, und begnüge mich daher bloß mit einem approximativen Anschlag.

Duhamel glaubt annehmen zu können, daß ungefähr die zwei Drittel einer guten Ernte in Frankreich zur Erhaltung der Bewohner dieses Reiches hinlänglich sind, und daß bei sehr hohen Getreide-Preisen auch wohl die Hälfte einer solchen Ernte zureichen würde, weil man alsdann weniger |234| verzehrt; daß aber ein Drittel oder ein Viertel einer guten Ernte eine Hungersnoth zur Folge hat, wenn sonst in den Speichern kein Vorrath vorhanden ist.

Das Jahr 1740 war für Frankreich ein gesegnetes Getreidejahr. Die Speicher waren voll, und der Preis des Getreides war niedrig; allein in diesem Jahre hatten sich die Getreidewürmer dermaßen vermehrt, daß man gezwungen wurde, die Kornböden zu leeren, und äußerst wohlfeil zu verkaufen. Das Jahr 1750 konnte zwar nicht, der Menge des Getreides nach zu urtheilen, ein schlechtes Jahr genannt werden, aber das Korn war durchgehends von schlechter Qualität, und mußte ebenfalls schnell verkauft werden. Alle Vorratskammern waren also leer, als im folgenden Jahre (1751) die Ernte schlecht ausfiel, und eine Hungersnoth sich über ganz Frankreich verbreitete. – So nothwendig ist es, daß in einem Staate Getreide vorräthig und auf mehrere Jahre vorräthig sey.

Ohne uns viel zu verrechnen, können wir für Baiern gelten lassen, was Duhamel von Frankreich behauptet, daß nämlich auch hier zwei Drittel einer guten Ernte zur Erhaltung der Bewohner nöthig sind.

Da wir aber über die Quantität des Getreides, das in Baiern ausgedroschen und zur Verfertigung des Brodes, oder zur Nahrung der Einwohner Verwender wird, keine Nachweisungen haben, so müssen wir versuchen, durch Umwege der Wahrheit nahe zu kommen.

Wenn wir die Bevölkerung in Baiern auf 3,500,000 Seelen in runder Zahl, festsezen, so wird wenigstens ein Drittel davon aus Kindern bestehn: folglich wären unter der gedachten Zahl Menschen 2,344,444 Erwachsene, und 1,166,666 Kinder. Auf jede erwachsene Person, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechtes, rechne man im Durchschnitt 2 baiersche Schaffet, und 1 Schaffet für jedes Kind; dieses gibt zur Nahrung der Landesbewohner 5,855,554 baiersche Schaffet. Da nun eine gute Ernte ein Drittel mehr liefern soll, als zur gewöhnlichen Consumtion dient, so müßten in guten Jahren an 7,807,405 Schäffel ausgedroschen werden.

Sind im Lande keine Vorräthe vorhanden, so wird eine Hungersnoth veranlaßt, wenn die Ernte nur den dritten Theil dieser Schäffel-Anzahl liefert, also 2,602,435 Schäffel.

Da nach der sehr richtigen Duhamel'schen Bemerkung man weniger consumirt, wenn das Getreide theuer ist, so könnte man bei solchen Drangsalen, anstatt mit zwei Drittel einer guten Ernte, mit der Hälfte derselben, folglich mit 3,903,702 Schäffel auskommen.

|235|

Da aber, bei allgemeinem Mißwachse, eine ganze Ernte so fehlschlagen kann, daß man nur den vierten Theil einer guten bekommt, folglich nur 1,951,851 Schäffel, so müßten die Landes-Magazine auf diesen möglichen Fall eingerichtet seyn, und der für jedes Jahr im Staate befindliche Vorrath, müßte 1,951,851 Schäffel betragen, weil alsdann die Landesbedürfnisse sich mit der Hälfte einer guten Ernte, oder mit 3,903,702 Schäffel Getreide gedekt finden würden.

Vorausgesezt man könnte den Ankauf dieser großen Getreidemasse so bewerkstelligen, daß der Schaffet nur zu 8 Gulden zu stehen käme, so würde zu demselben ein baares Kapital von 15,614,808 Gulden nöthig seyn.

Was werden nun die Gebäude kosten, die zur Aufbewahrung einer solchen Menge Korn nöthig sind? Es versteht sich, daß Institute dieser Art, die bleibend und folglich auf viele Jahrhunderte berechnet seyn sollen, so dauerhaft seyn müssen, daß sie nicht nach einigen Menschenaltern zusammenstürzen, oder leicht ein Raub der Flammen werden können.

Unter allen zur Aufbewahrung des Getreides bestimmten Gebäuden, scheinet das Kornmagazin zu Lyon eines der vorzüglichsten zu seyn. Es wurde auf Kosten der Stadt errichtet.

Dieses Gebäude ist drei Stok hoch, und bildet daher drei übereinander liegende Söller. Jedes desselben ist nach einem, von Hrn. de Ville, Ingenieur des ponts et chaussées, aufgenommenen Plane (man findet ihn, Duhamel de la Conservation des grains, Seite 247), 354 Pariser Fuß lang, und 50 Fuß breit, im Lichten. Die Höhe jeden Stoks beträgt, bis zum Schluße des Gewölbes, 15 Fuß. Das ganze Gebäude, von dem Fuße an bis zum Gipfel, ist 63 Fuß hoch. Die Mauern sind 4 Fuß dik.

Die zur Aufbewahrung des Getreides in jedem Stoke befindliche Fläche beträgt 17700 Quadrat Fuß. Hievon muß man abziehen

1. den Raum, den die 44 Pfeiler, die das Gewölbe tragen, einnehmen, und deren jedem man 3 Quadrat Fuß gibt, folglich zusammen 132 Quadr. Fuß;

2. vier Fuß breit, für den Gang, der an der Mauer rings herum frei bleiben muß, theils für die Böschung des Korns, theils für den Raum, der zum Umstechen des Weizens nöthig ist. Diese 4 Fuß, die kaum zureichen, machen 3168 Quadratfuß, die zu den vorigen 132 Fuß hinzugethan, 3300 Quadratf. Fläche geben.

Wenn man nun diese von 17700 Quadr. F., nämlich von der ganzen Fläche des Kornbodens abrechnet, so bleiben für den Weizen 14400 Quadr. Fuß.

|236|

Es findet sich nicht angezeigt, wie viel dieses zwekmäßig eingerichtete Gebäude der Stadt Lyon gekostet hat: allein nach einem für Paris angefertigten Anschlage, hätte daselbst zu dessen Erbauung ein Kapital von 500,000 Livres, und folglich 230,000 Gulden verwendet werden müssen.

Wenn man das Getreide, wie es bei uns gewöhnlich ist, 18 Zoll hoch aufschüttet, so faßt jeder Kornboden 21600 Kubikfuß Korn, welches für alle 3 Stokwerke 64,800 Pariser Kubikfuß beträgt.

Da nun der baiersche Schäffel gleich 6,4867 Pariser Kubikschuh ist, so enthalten die drei Stokwerke, bei 18 Zoll Getreide-Höhe, 9989 baiersche Schäffel; und folglich müßten für 1,951,851 baiersche Schäffel wenigstens 195 solche Magazine aufgebauet werden.

Auf jeden Kreis kämen also 24 solche Kernhäuser, und in einigen sogar 25.

Da jedes wenigstens 230,000 Gulden kostet, so kosten alle 195, 44 Millionen 850 tausend Gulden; und das Ganze, zur Dekung einer Hungersnoth nöthige Institut, mit Inbegriff der zum Ankauf des Getreides nöthigen Summe, würde zur ersten Einrichtung ein Kapital von 60 Millionen 464 tausend 86 Gulden erfordern; ein Kapital, welches zweimal größer ist, als die ganze Einnahme des Königreiches.

Man sieht daher, wie wenig Umsicht diejenigen zeigen, die von einer Staatsverwaltung allgemeine Maasregeln, gegen die Folgen eines Miswachses fordern.

Wollte man auch verlangen, daß der Staat systematisch zu Werke ginge, und alle Jahre wenigstens ein solches Kornhaus aufbauen ließe, so würden 195 Jahre zur gänzlichen Ausführung eines solchen Planes erforderlich seyn.

Vorausgesezt aber, der Staat hätte wirklich die Kräfte zur Anlage solcher Institute; vorausgesezt ferner, daß der jährliche Verkauf, bei etwas höheren Preisen, die Verwaltungskosten, den Verlust, der von Würmern und Mäusen entsteht, und den neuen Ankauf dekte, so daß jedes Magazin wenigstens alle 10 Jahr seinen Vorrath erneuern könnte; vorausgesezt endlich, daß eine kraftvolle Administration die Mittel hatte, bei so großen Vorräthen eine genaue Controlle zu halten, die wenigstens große Veruntreuungen unmöglich machte, so würde dennoch der ganze Plan scheitern müssen, wenn man ihn von seiner politischen Seite betrachtet; denn wenn auch bei einem angehenden Kriege, ein Theil dieses Getreides zur Verproviantirung der Armeen und der festen Pläze benuzt werden könnte, so würde doch so viel Getreide, bei einem feindlichen Einfall nicht all gerettet werden |237| können; es würde die Beute des Feindes werden, falls man es nicht vernichtete, oder es dem Volke preis gäbe; in jedem Falle wäre das Kapital dahin, ehe eine eingetretene Hungersnoth, die alle Jahrhunderte höchstens einmal eintrifft, die Wohlthat dieser Institute fühlbar gemacht hätte.

Das Mittel gegen eine Hungersnoth kann daher allein in den Vorratskammern der größeren Landeigenthümer gesucht und gefunden werden. Die Pflicht der höheren Staatsverwaltungen ist, durch zwanglose Mittel, die ihnen hinlänglich zu Gebote stehn, wenn sie diese nur benuzen wollen, dahin zu wirken, daß die wohlhabenderen Unterthanen solche wohlthätige Spekulationen machen können; es liegt besonders in dem Beruf der landwirtschaftlichen Vereine, die Regierungen dazu zu veranlassen, und alle Bemühungen derselben, die auf diesen edlen Zwek gerichtet sind, kräftig zu unterstüzen, und vor allem sowohl durch Prämien, als durch unmittelbar angestellte Versuche, die Methoden zu verbessern, damit die Aufspeicherung erleichtert, und die Gutsbesizer nicht in ihren dem Lande so nüzlichen Spekulationen, anstatt eines belohnenden Vortheils, einen empfindlichen Schaden finden.

Indessen zwekmäßige Verbesserungen unseres Verfahrens von dorther ausgehen, prüfen wir, der Reihe nach, das Verfahren fremder Völker und die wohlgemeinten Vorschläge einiger Sachverständigen.

7. Methode der Est- Lief- und Kurländer.

Von uralten Zeiten her herrscht in Est- Lief- und Kurland die Sitte, alles Getreide vor dem Ausdreschen in stark erhizten Zimmern zu troknen. Die Scheunen sind daselbst zu diesem Zweke in drei Theile getheilt; in dem einem liegt das ungedroschene Getreide, der andere bildet die Dreschtenne, der dritte ist mit einem Ofen versehen, und dient zur Austroknung des noch in der Aehre befindlichen Kornes.

Die besondere Bauart dieser Korn- und Trokenhäuser findet man umständlich beschrieben in Hupel's topographischen Nachrichten von Est- und Liefland, Riga 1777 S. 294 u. f. Auch beschreibt sie der Professor Bejeke in Mitau, im Leipziger Magazin zur Naturgeschichte und Oekonomie. 1786. 1stes Stük. S. 30 u. f. und Hr. v. Fischer in den Zusäzen und Verbesserungen zu seinem liefländischen Landwirthschaftsbuch. Halle 1753. – Die Art und Weise wie in Kurland das Korn gedörrt wird, kann man in dem Vorberichte nachschlagen, welchen Hr. Prof. Titius seiner Uebersezung der Duhamel'schen Abhandlung von der Erhaltung |238| des Getreides vorangeschikt hat; – auch im 14. Bande der übersezten Abhandlungen der schwedischen Akademie der Wissenschaften, S. 271 liefert Hr. Capit. Karl Winblad die Beschreibung einer solchen Troken-Anstalt.

Diese Trokenhäuser nennt man in der Landessprache Rigen. Die Einrichtung derselben ist bei diesen verschiedenen Volksstämmen verschieden, und selbst bei den größeren Landeigenthümern schlecht.

Das zur Austroknung der Garben bestimmte Getreide wird in seinem Stroh, in der Trokenstube, längs den Wanden, und auf Latten geordnet. Hundert gewöhnliche kleine Roggenbünde, etwas mehr, etwas weniger, werden mit einemmale hereingebracht. Die Vorkehrungen werden daselbst, bei der schlechten Einrichtung der Oefen, und der Feurung, so gut wie möglich, zur Verhütung der Entzündungen, getroffen, die indeß doch öfters vorfallen. Jede Rige hat ihren Aufseher, der die Heizung besorgt, und die Garben durchstößt, um der Hize den Durchgang zu erleichtern. Zweimal des Tages wird eingeheizt. Gegen Abend versammeln sich die Drescher. Sie dreschen die Nacht hindurch, und füllen am Morgen mit neuen Garben das Trokenzimmer. Der Roggen wird mit leichten Dreschflegeln behandelt, wozu sogar vierzehnjährige Knaben gebraucht werden. Weizen, Gerste und Haber werden auf der Tenne durch Pferde ausgetreten.

Das ist im Wesentlichen das Verfahren jener Völker. Hr. v. Düsburg, ein Kurländer, wundert sich in seinem Schreiben an Hrn. Doctor Pauli in Hamburg (im 4. Stüke der Hamb. Addreßcomtoir-Nachrichten), daß diese, in einem so nahe an den deutschen Gränzen liegenden Lande, herrschende Gewohnheit, unter uns Deutschen keine Nachahmung gefunden habe, da doch deutsche Kaufleute oft in Kurland Korn aufkaufen, und auf die dortige Verfahrungsart durch die Preiscurranten aufmerksam gemacht werden, auf welchen stets getrokneter Roggen notirt wird.

Was jene Völker zu dieser Sitte bewogen hat, ist wahrscheinlich die Beschaffenheit ihres Klimas; da ihre Winter länger dauern, als die unsrigen, sind ihre Sommer kürzer, und die starken Regengüsse, oder die anhaltenden Nebel finden sich bei ihnen noch etwas früher ein als bei uns, so daß der Erntemonat daselbst weit häufiger naß als troken ist. Ein solches Verfahren scheint also bei ihnen eine Folge der Notwendigkeit zu seyn: aus eben dieser Ursache hat es in Schweden Eingang bekommen; allzuoft zerrotteten da die Feldfrüchte auf den Aekern, ehe sie troken genug zum |239| Einfuhren werden konnten, oder sie wurden feucht eingebracht, und verdarben in den Scheunen.

Bei uns ist freilich der Erntemonat öfter troken als naß; so daß wir für uns eine größere Wahrscheinlichkeit haben, daß wir unser Getreide troken einfahren werden; allein traurige Erfahrungen haben uns gelehrt, daß zuweilen das Gegentheil eintrifft, und die Frage ist, ob es nicht rathsam sei, aus weiser Fürsorge auch bei uns Vorkehrungen zu treffen, welche dort die Nothwendigkeit gebot.

Es folgt indeß aus den in dem vorigen Abschnitt angeführten Gründen, daß die kleinen Landeigenthümer von dieser Fürsorge befreiet seyn können, weil sie weit leichter als die größeren die günstige Zeit abwarten und wahrnehmen, weil sie ihre geringe Habe sogleich gegen Geld umsezen, und nie aufgefordert sind, ihr Korn aufzuspeichern. Auf jedem größerm Landgute sollte aber mit der Scheune eine Rige verbunden werden. Die Kosten dieser Einrichtung kommen in keinen Anschlag. Wenn das abgemähte Getreide auf dem Felde liegt, und das Regenwetter anhaltend ist, so fällt hier, in vierzehn Tagen, mehr Getreide aus, und mehr Getreide keimt in der Aehre, als die Kosten betragen, welche der Bau der Rige verursachen würde. Wenn man auch nicht die gut ausgetrokneten Garben gleich ausdreschen wollte, so würde doch täglich eine ganze Menge noch feuchter Garben von dem Felde, durch die Rige, in die Scheune kommen.

Indem ich auf diese Sitte jener Völker aufmerksam mache, bin ich weit entfernt, die Bauart, und die innere Einrichtung ihrer Rigen, als Muster zur Nachahmung zu empfehlen. Die Mängel derselben sind groß; die Mündung des Ofens ist im Zimmer selbst; viele werden mit Schilf oder Stroh geheizt, die Flamme schlägt oft Mann hoch aus dem Ofenloche heraus; der Rauch der durch keinen Rauchfang abgeleitet wird, verbreitet sich im Zimmer, und die nahe stehenden Garben können leicht Feuer fangen. Der Verstand unserer Baumeister wird leicht bei Entwerfung ähnlicher Anlagen, die Mängel derselben beseitigen, und sie so einrichten, daß die Feuersgefahr vermieden, und der Zwek vollständig erreicht werde.

Ein Oekonom der auf seinem Gute eine Rige anlegen, und das Ausdreschen seines Getreides darnach einrichten wollte, könnte sich zunächst von dieser Neuerung folgende wesentliche Vortheile versprechen.

Er könnte mit größerer Ruhe den Wechsel der Witterung, während der Erntezeit, ansehen. Er weiß, daß ihm Mittel zu Gebote stehn, sein Getreide dem verderblichen Einfluß |240| der Witterung zu entziehen. Die Kosten des Holzes, die ihm die Heizung der Rige verursachen, werden ihm reichlich durch die Erhaltung seines Getreides, die bessere Qualität desselben, und das leichtere Ausfallen der Körner auf der Tenne ersezt. Er hat es in seiner Gewalt, den Sonnenschein zu benuzen, wenn dieser seine Garben hinlänglich troknet, und sein Getreide dennoch troken in die Scheune zu bringen, wenn er eine anhaltende Nässe befürchten muß: denn es würde eine vergebliche Arbeit seyn, daß von der Sonne gehörig ausgetroknete Getreide in der Rige troknen zu wollen.

Welch ein trauriger Anblik, wenn man auf dem Felde die mühsam angebauten, und mit so vielen Kosten, bis zur Einfuhr gezeitigten Früchte, auf den Stoppeln vermodern sieht, und Mist anstatt gesegnete Garben einerntet! wer würde bei solcher Witterung die Wohlchat einer Rige nicht hoch schäzen, und die Kosten bereuen, die auf die Anlage derselben, und auf die Rettung des Getreides verwendet werden mußten!

Sollten auch, bei solcher traurigen Witterung, unter hundert Gutsbesitzern, zehn bis hieher immer das Glük gehabt haben, ihre Garben troken einzufahren, so werden sie doch einst, früh oder spät, zu ihrem großen Nachtheil erfahren, daß Glük, Witterung und Klugheit von einander unabhängig sind, daß ihr Bündniß nur scheinbar und von keiner Dauer seyn kann, und daß eine in günstiger Zeit aufgebaute Rige, eine sichere Zufluchtsstätte gegen die Launen beider ersten sind.

Was hilft es uns, daß wir auf Vermehrung unserer Aeker, auf bessere Benuzung unseres Bodens, auf gründlichere Bearbeitung unserer Felder überhaupt hinarbeiten, wenn wir auf die Mittel nicht denken, unsere reifgewordenen Früchte zur Zeit des Einbringens, vor dem Unheil der Witterung zu schüzen, und ohne Scheu, dem Risiko entgegenwandeln, am Ende von der Laune des Zufalls dasjenige zu erhalten, was wir mit so vielem Fleiße, mit so vieler Um, ficht vorbereiteten, da wir es doch in unserer Gewalt haben, uns von jenen Launen weit unabhängiger zu machen! nichts ist aber schwerer umzuwandeln, als die uralten Gewohnheiten der Volker, zumal wenn sie sich mit der früheren Erziehung der ärmeren Classen fortpflanzen, und in der Bauart des Landes, die ganz umgeändert werden müßte, mit ihren Grund haben.

Lokende Prämien, von hohen Landesregierungen, von landwirtschaftlichen Vereinen ausgestellt, für die zehn ersten |241| größeren Gutsbesizer, die im Lande Rigen von hinlänglichem Umfange, in Bezug auf ihre Kornfelder, nicht nur angelegt, sondern wenigstens fünf Jahre hindurch, und zwar besonders während nassen Jahren, und nassen Ernte-Monaten zwekmäßig benuzt hatten, würden gewiß die Einrichtung mehrerer veranlassen, und dem deutschen Vaterlande wesentliche und bleibende Vortheile sichern. Wenn man diese Landwirthe, in anhaltend feuchten Ernte-Tagen, ihre Habe retten sähe, so würden alle benachbarten Gemeinden um so brütender den Mangel ähnlicher wohltätiger Einrichtungen empfinden, und zur Nachahmung bereit werden, und überdieses würde der Staat, durch solche gut angebrachte und gemeinnüzige Opfer, seinen großen Gutsbesizern die Möglichkeit erleichtern, überflüßiges Getreide aufzuspeichern, und dadurch das Landes-Kapital zu vermehren; denn durch die Verschleuderung des Getreides um niedrige Preise, verliert nicht nur der Einzelne, sondern auch das Ganze. Zu niedrige Kornpreise sind nur ein scheinbarer Vortheil für einige Klassen, ein wahrer Verderb für alle.

8. Andere Vortheile, die mit der Benuzung der Rige verknüpft sind.

Wenn indessen der Hauptnuzen einer Rige ist, das Getreide in der Aehre zu troknen, um das Erhizen und Auswachsen derselben zu verhindern, so empfiehlt sie sich noch von andern Seiten; wenn man sich nicht bloß begnügt die Garben so auszutroknen, daß sie in der Scheune aufgeschichtet werden können, sondern sie der Hize der Rige länger aussezt, so wird das Getreide so dürre, wie es kaum am Ende des ersten Jahres, nach vielem Lüften und Umstechen werden kann. Es läßt sich also höher aufschütten und erfordert weniger Wartung.

Hr. v. Düsburg spricht in dem oben angeführten Schreiben, von einem in Kurland angelegten Magazine, wovon einige Speicher von 1747 an bis 1760 vollgeschüttet blieben. Das Getreide wurde nun an die Meistbietenden Bürger verkauft, und zum Brodbaken, zum Verschiffen, und zum Säen eben so gut befunden, als irgend frischer Roggen seyn kann. In den Söllern des dortigen Adels liegt oft das Getreide, unangerührt, 12 bis 15 Jahre.

Ein solches stark ausgetroknetes Getreide ist dem Wurm fraß weit weniger ausgesezt: und wenn sich wirklich einige Würmer darauf sehen lassen, so ist der Schaden den sie an richten, weit geringer, weil es höher aufgeschüttet, ihren |242| Verwüstungen eine kleinere Oberfläche darbietet, und es befördert ihre Fortpflanzung nicht, weil es sich nicht mehr erhizet.

Bei der mäßigen Hize einer Rige verliert das Korn die Fähigkeit zu keimen nicht, und in den oben angeführten Ländern werden die Körner, die schon von selbst in der Rige ausfallen, vorzugsweise zur Aussaat gebraucht.

Wollte man indessen den Keim selbst in den Körnern tödten, so müßte das ausgedroschene Getreide in der Rige auf Brettern oder Weidengeflechten dünn ausgebreitet einer größeren Hize ausgesezt werden. Ein so bearbeitetes Getreide läßt sich in Kasten hoch aufschütten, verdirbt nie, und wird von den Würmern verschont. In einer solchen Rige könnte indessen nur wenig Getreide mit einmal behandelt werden, und sie würde daher bloß den Bedürfnissen kleinerer und mittlerer Eigenthümer entsprechen. Große Magazine erfordern andre Vorkehrungen.

9. Bartholomeo Intieri's Verfahren.

Die Nothwendigkeit, Korn, welches auf feuchtem Grunde wuchs, mehrere Jahre ohne Nachtheil aufzubewahren, hat wohl Niemanden zur Erfindung der dazu nöthigen Mittel mehr angespornt als Bartholomeo Intieri. Dieser hatte zu Santa Maria di Capua, auf zwanzig Jahre die Kornzehnten des Hauses Corsini in Pacht genommen. Das Getreide wuchs durchgehends hier auf feuchtem Grunde, und bei der in Italien herrschenden Wärme gerieth es jedes Jahr schnell in Gährung, und verdarb ungeachtet allen darauf verwendeten Fleißes; so daß der Besizer an Aufbewahrung nicht denken durfte, und sich gezwungen sah, um die schlechtesten Preise zu verkaufen. Da er überdieses sehr niedrig aufschütten mußte, und folglich dazu große Flächenräume nöthig hatte, deren Miethe beträchtliche Summen verschlang, so wurde er, bei diesen widrigen Umständen, ein armer Mann.

Die Nothwendigkeit große Unglüksfälle zu vermeiden, macht erfinderisch. Intieri leuchtete es ein, daß die Hauptursache des Erhizens und des Verderbens seines Getreides in der Fähigkeit dieses zu feuchten Kornes läge, bei günstiger Temperatur seinen Keim zu entwikeln; er glaubte, daß wenn er diesen Keim selbst zerstören könnte, so würden die durch den Vegetations-Proceß sich entwikelnde Wärme, und die Folgen derselben, nicht mehr zu befürchten seyn. Das beste Mittel, diesen Zwek zu erreichen, glaubte er in hoher Temperatur zu finden.

|243|

Mit dieser Idee trug er sich lange herum, ehe er sie auf eine zwekmäßige Art verwirklichen konnte. Zuerst mußte er sich von der Richtigkeit seiner Ansicht überzeugen, und machte daher einige Versuche mit einem Kasten voll Getreide, den er in einen Bakofen schob. Wie groß war seine Freude, als er fand, daß in der Temperatur desselben das Korn durchgehends die Fähigkeit zu keimen verloren hatte: er säete 50 gedörrte und 50 ungedörrte Körner. Nach acht Tagen waren diese alle aufgegangen; von den anderen aber kein einziges, selbst nicht, nachdem er sie einige Monate begossen und gewartet hatte.

Da er sich, seiner Ansicht nach, durch die Vernichtung des Keimes gegen Erhizung vollkommen gesichert glaubte, mußte er nun das Verhalten dieses Getreides gegen die Würmer versuchen. Er schob also eine neue Quantität in den Bakofen, und wiederholte diese Operation so oft, bis er so viel hatte, daß er damit ein Faß füllen konnte. Ein anderes Faß füllte er mit ungedörrtem Korne, und stellte beide neben einander. Nach acht Tagen waren die Würmer schon in diesem lezten, und die Erhizung hatte darin über Hand genommen, wogegen das erste an keinem dieser Uebel litt.

Nun mußte noch versucht werden, wie das Brod von gedörrtem Korne ausfallen würde. Er ließ einen Theil davon mahlen; das Mehl war sehr schön, das Brod gieng gut auf, und schmekte vortrefflich.

Allein so glüklich er sich auch durch den erwünschten Erfolg seiner Versuche fühlte, so wurde doch seine Freude lange noch durch die Schwierigkeiten getrübt, die ihm von allen Seiten aufstießen, wenn er seine Erfindung auf größere Getreide-Massen anwenden wollte.

Anfangs schüttete er das Getreide in Kasten, worin er es dünn ausbreitete, und die er in einem stark geheizten Zimmer, auf zwekmäßigen Gestellen, neben und über einander, ordnete: aber das dünne Ausbreiten, das Füllen und Abnehmen der Kasten, war äußerst mühsam, und raubte viele Zeit.

Endlich glaubte er in der Glatte und Beweglichkeit der Getreidekörner ein Mittel zu finden, die Arbeit zu erleichtern und zu beschleunigen. Es gelang ihm auch wirklich, nach langem Hin- und Hersinnen, und nach manchen verunglükten Versuchen, eine Vorkehrung zu erfinden, die sich auf jener Eigenschaft gründete, und den Zwek vollkommen erreichte.

Von 1728 an hatte er auf Mittel gesonnen, das Getreide auf mehrere Jahre, in gutem Zustande, ohne großen |244| Kostenaufwand zu erhalten, und nachdem er über 20 Jahre von dem Erfolge seiner Erfindung, so wohl in seinen eigenen Magazinen, als an anderen Orten im Reiche sich überzeugt, und Methode und Apparat so weit als möglich vervollkommnet hatte, entschloß er sich erst sein Verfahren öffentlich bekannt zu machen, und er that dieses in einer Schrift, die im Jahre 1754 unter dem Titel: Della persetta conservatione del grano, zu Neapel (gr. 4. 84 Seiten) erschien.

10. Beschreibung Intieri's Apparats.

Ich werde mich bemühen seinen Apparat so zu beschreiben, daß jeder Leser sich von demselben einen deutlichen Begriff machen, und der Sachverständige ihn, ohne Model, verfertigen lassen kann.

Fig. 1. Tab. V. ist die äußere Form des Gebäudes.

Fig. 2. ist ein horizontaler Durchschnitt, des Socles, oder der Grundplan desselben.

Fig. 3. ist ein senkrechter Durchschnitt, nach der Linie AB und ab. Fig. 2.

Fig. 4. ist die Zeichnung eines Fachbretts.

Fig. 5. ist die Zeichnung der Deke.

a. Fig. 1. 2. 5. die Thüre, die doppelt seyn muß, um die Hize im Inneren des Gebäudes zu erhalten.

b. Fig. 1. ein rundes Fenster, welches zugleich die Dienste eines Ventilators thut, wenn die feuchten Dünste überhand nehmen.

c. Fig. 1. 2. 3. der Socle, oder Fuß des Gebäudes. Das Gebäude ist ein Vierek. Jede Seite desselben hält 13 neapolitanische Palmi. (Ein Palmo 117, 1 Pariser-Linien). Das neapolitanische Maaß ist in den Zeichnungen beibehalten worden. Es ist zu erinnern, daß wenn ein anderer Maaßstab gewählt werden sollte, die Entfernung der Fächer von einander nicht verändert wird.

d. Fig. 1 und 3. eine Terrasse, mit ihrem Geländer. Das Geländer ist 4 Palmi hoch. Auf diese Terrasse wird das Getreide gebracht, welches zum dörren in das Innere des Gebäudes geschüttet werden soll. Wenn dieser Behälter nicht in einem vor dem Regen geschüzten Gebäude aufgerichtet ist, so muß die um die Terrasse geführte Umfassung eine Mauer seyn, die hinreichend hoch sey, ein Dach darauf zu sezen. Die Treppe die auf die Terrasse führt, und die nicht zu zeichnen nöthig war, muß außerhalb an einen schleichen Ort angebracht werden.

|245|

e. Fig. 2 und 3. ist ein Mauerwerk, worauf die hölzernen Gerüste ruhen. Da wo es am niedrigsten ist, ist es 4 Palmi über den Boden erhoben; theils damit das auf dem Gerüste liegende Getreide Fall genug bekomme, um sich nach außen hin von selbst zu ergießen, theils auch um die Kohlenpfanne vom Holze entfernt genug zu halten.

f. Fig. 2. Ist die Stelle wo die eiserne Kohlenpfanne steht. Die Kohlenpfanne steht auf vier Rädern. Sie faßt ungefähr 50 Pfund Kohlen; wenn diese Quantität Kohlen verbrämet ist, hat das Zimmer seine nöthige Wärme. Die Thüre wird nur geöffnet, wenn zu einer frischen Ladung Getreide eine neue Ladung Kohlen nöthig ist. Man zieht alsdann den kleinen Rollwagen heraus, fällt und zündet ihn an, und schiebt ihn wieder an seine Stelle.

g. Fig. 3. das Gewölbe. Mit der einen Seite ruhet es auf der Mauer an welcher die Thüre ist, mit der anderen auf der Gegenüberstehenden. Die Höhe des Gebäudes, vom Boden bis an den Schluß des Gewölbes beträgt 19 Palmi, die Seitenmauern bis an die Wurzel desselben, sind vom Boden gerechnet 14 1/2 Palmi.

h. Fig. 3. und 5. ist eine von den sechs Oeffnungen die längs dem Schlusse des Gewölbes, in gleicher Entfernung von einander liegen. Sie halten 3 Zoll im Durchmesser. Durch diese Oeffnungen läuft das Getreide von der Terrasse d in das Innere, um sich auf die Fachbretter zu verbreiten.

i. Fig. 2. 3. 4 und 5. rechtwinklichte hölzerne Canäle, deren schmale Seite 4 Zoll, und deren breite Seite 4 Palmi mit Inbegriff der Holzdike, die 1 Zoll höchstens beträgt, breit ist. Sie sind ungefähr 5 Palmi lang, mit ihrer breiten Seite liegen sie an der Wand in welcher die Thüre ist, und mit ihrer schmalen an der Seitenwand rechts und links von der Thüre. Es sind ihrer 4, in jeder Eke des Zimmers einer. Das Getreide, welches durch die Oeffnungen im Gewölbe auf die Deke des ganzen Gerüstes fällt, ergießt sich, aus diesen Canälen die sich damit füllen, auf die, um den Seiten-Oeffnungen derselben in Verbindung gesezten Fächer. Sie haben jeder 9 solche Oeffnungen, und tragen folglich 9 Kasten oder Fächer. Jede Oeffnung ist ungefähr 4 Palmi lang und 1 Zoll breit. Die breite Seite dieser Canäle, die an der Wand anliegt hat keine Oeffnungen.

k. Fig. 2. 3. und 5. zwei rechtwinklichte, senkrechtstehende Canäle, wie die vorigen, 4 Palmi in ihrer breiten, und 4 Zoll in ihrer schmalen Seite haltend, die Dike des Holzes mitgerechnet. Ihre breite Seite läuft parallel mit der |246| breiten Seite der Canäle i, und sie stehen auf jeder Seite des Zimmers zwischen beiden Canälen i in der Mitte. Jeder liegt mit seiner schmalen Seite an seiner Wand an. Sie sind an 13 1/2 Palmi lang, und reichen fast bis an den Schluß der Deke hin. Jede ihrer breiten Seiten hat 18 Oeffnungen, die so lang und so breit sind, wie an den Canälen i, und in diesen Oeffnungen münden sich eben so viele Kasten.

l. Fig. 2. und 5. ein rechtwinklichter, senkrechtstehender Canal, ebenfalls 4 Palmi in seiner breiten, und 4 Zoll in seiner schmalen Seite haltend. Die breiten Seiten laufen parallel mit den Seitenwänden. Die eine schmale Seite stoßt nicht unmittelbar an die Wand der Thüre gegenüber, sondern an einen schmalen Canal n, der an dieser Wand mit seiner breiten Seite anliegt. Er reiche bloß bis an die Wurzel des Gewölbes. Seine nach der Mitte des Gebäudes zugekehrte breite Seite ist mit 12, 4 Palmi langen, und 1 Zoll breiten Oeffnungen versehen, mit welchen eben so viele Kasten in Verbindung stehen. Dieser Canal empfängt das Getreide, und es vertheilt sich aus demselben, in die damit in Verbindung gesezten Fächer.

m. Fig. 2. und 5. ein rechtwinklichter, senkrechtstehender Canal, der das Getreide von den Kasten empfängt, und es außerhalb hinführt: er hat, wie der gegenüberstehende Canal l, 12 Oeffnungen, um das andere Ende der Kasten aufzunehmen.

Diese beiden Canäle l und m sieben also in dem Raum, den die Seitengerüste übrig lassen, und der ungefähr 5 Palmi breit ist. Die Kasten sind also kürzer, als zwischen den Canälen i und k, und es können daher einige Fächer mehr angebracht werden.

n. Fig. 5. ein rechtwinklichter, senkrechtstehender Canal, der schmäler ist, als die vorigen, mit seiner breiten Seite an der Wand, der Thüre gegenüber, anliegt, und das Getreide empfängt, welches längs der schrägen Fläche des Daches des Gerüstes zwischen den Canälen l und m herunterrollet, und keinen Abfluß bekommen würde. Dieser Canal führt es nach der Rinne zu, die es nach außen hin schüttet, wenn die Fächer geleert werden.

o. Fig. 3. Ränder der Fachbretter auf welchen sich das Getreide ausbreitet. Sie machen mit dem Canal k einen Winkel von 51 Grad. Die andere Seite liegt an der Wand, und kann nicht gesehen werden.

Der Boden ist in diese Seitenwände eingelassen, die ihrer Seits mit Schwalbenschwänzen in die schmalen Seiten der Canäle i und k eingelassen sind, so weit diese Canäle |247| reichen. Man sieht diese Schwalbenschwänze auf der rechten Seite der Fig. 3, die nicht nach dem Maaßstabe gezeichnet worden ist, und weniger Fächer bekam, damit die Zusammenfügung deutlicher ausfiele.

Auf der linken Seite derselben Fig. 3. hat man diese Ränder weggelassen, damit man das Innere dieser Kasten sehen konnte, und zur größeren Deutlichkeit den Längendurchschnitt eines solchen Kastens nach einem größeren Maaßstabe, Fig. 4, gezeichnet.

p. Fig. 3 und 4, die Fächer auf welchen das Getreide sich von selbst ausbreitet. Sie münden sich in die Canäle i und k. Vom Canal i empfangen sie das Getreide und da sie unter einen Winkel von 51 Grad gegen den Horizont geneigt sind, so ergießen sie es, sobald das Zimmer geleert werden soll, in den Canal k, der es zu einer abschüssig gehenden Rinne führt, die sich nach außen hin öffnet.

Der Rand dieser Kasten ist ungefähr einen halben Palmo hoch. Die Boden aller laufen parallel: das untere Ende ist um 4 1/2 Palmi niedriger als das obere. Der lezte Kasten ruht unmittelbar mit seinem Boden auf dem Mauerwerk, das folglich auch abschüssig geht, wie die Kasten. Das unterste Ende der Canäle i und k hat also, der ganzen Breite nach, einen Ausschnitt durch welchen sich das Getreide ergießt. Das obere Ende des untersten Kastens steht 8 1/2 Palmi über den Boden, das untere steht davon 4 Palmi ab.

Die Kasten zwischen i und k sind 7 Zoll lang. Ueber den Canal i hinaus, mündet sich ihr oberes Ende in der Deke des ganzen Gerüstes; da diese Deke dachförmig, und folglich, der Richtung des Gewölbes nach, abschüssig geht, so werden diese Kasten immer kürzer, je höher sie sind. Die correspondirenden Oeffnungen in dieser Deke sind so lang und breit, wie die an den Canälen.

Vollkommen ähnliche Kasten sind zwischen den Canälen l und m angebracht, mit dem Unterschiede, daß sie hier alle gleich lang sind. Ihre Länge beträgt etwas über 4 Palmi.

q. Fig. 4. sind Querbretter, die von einer Seitenwand zur andern gehn, und sich auf einem an beiden Enden angebrachten Zapfen etwas drehen lassen. Sie stehen einen Zoll vom Boden ab; an jedem Kasten sind drei. – Ein sehr sinnreiches Mittel um zu verhindern, daß das Getreide sich nicht am untersten Ende des Kastens anhäufe, und überlaufe. Ueberdieß würde eine zu große Anhäufung die Austroknung hindern. Ohne diese Querblätter würde das Getreide sich nach der Linie rr ordnen. Die Punkte zeigen die Lage des Kornes in dem Kasten an. Durch die Beweglichkeit der |248| Querleisten hat man es in seiner Gewalt, die Hohe des Getreides in den Fächern zu ändern.

Man sieht diese Querleisten auf der linken Seite der Figur 3.

s. Fig. 5. die Deke des Fachwerkes mit ihren Oeffnungen, sowohl für die Canäle, als für die Fächer. Sie ist wie die Canäle und die Kasten von Holz, und zwar von derselben Art. Sie neigt sich dachförmig, auf der einen Seite nach der Thüre, auf der andern Seite nach der der Thüre gegenüberstehenden Wand bin, und bildet einen stumpfen Winkel von ungefähr 115 Grad.

Diese Deke ist rund herum mit einem Rande umgeben. Die Umfassung muß etwas höher seyn als an den Kasten, weil das Getreide, welches auf der Deke sich zulezt ausbreitet, hier eine stärkere Hize findet, und daher diker liegen kann, als in den Kasten. Wie die Kasten, und in derselben Absicht ist sie mit Querleisten versehn, die aber aus der eben angeführten Ursache etwas höher vom Boden abstehn.

t. Fig. 5. Ein Ausschnitt in der Deke, der der Hize einen Durchgang gestattet. Die, einen Dreiek bildende, Umfassung dieses Ausschnittes führt das, nach dieser Seite der Deke herunterrollende, Getreide in die beiden an dieser Wand anliegenden Canäle.

u. Fig. 1, 2 und 5. abhängig nach außen hin gehende Rinnen, in der Mauer, sie sind unmittelbar unter den Mündungen der senkrecht stehenden Canäle km und n angebracht; durch diese ergießt sich von selbst alles, in allen 9 Canälen, und auf allen Fächern enthaltene Getreide nach außen hin.

v. Fig. 2. Nuten in der Mauer, worin Schieber laufen, vermittelst welcher, die in den Mauern befindlichen Ablaßrinnen geöffnet oder verschlossen werden. Soll das Getreide ablaufen, so schiebt man sie in die Höhe, und hält die Säke unter ihre Mündung, die man deutlich Fig. 1. sieht.

Der ganze Mechanismus der Arbeit ist folgender: man trägt die Säke auf die Terrasse, oder bringt sie hinauf vermittelst eines Flaschenzuges oder einer andern Vorkehrung. Man leeret sie alsdann auf die Terrasse. Das Korn fällt von selbst durch die Oeffnungen l im Gewölbe, auf die dachförmige Deke ssss Fig. 5. Hier findet es zunächst die beiden mittleren Canäle k Fig. 3 und 5. die unmittelbar unter den Oeffnungen stehn; sind diese gefüllt, so rollt das Getreide auf beiden abhängigen Seiten der Deke herunter, und stößt rechts und links auf die nächstfolgende Oeffnung mit welcher der erste kürzeste Kasten in Verbindung ist. Da der Canal k bereits voll ist, so ordnet es sich zur nöthigen Höhe |249| in diesem Fache; solchergestalt werden auf beiden Seiten alle Fächer, die ihre Mündungen in der Deke haben, nach einander gefüllt. Nun kommt die Reihe an die Canäle i. Das Getreide fällt darin senkrecht hinunter bis auf den Boden derselben, und füllt zuerst den lezten auf dem Mauerwerk ruhenden Kasten, steigt dann zum zweiten, und wenn dieser voll gelaufen ist, zum dritten, und so weiter bis er selbst bis zur Deke gefüllt ist: nun füllt sich die Deke, bis das Getreide an die Oeffnungen im Gewölbe stößt.

Man sieht daß sich die, der Thüre gegenüber stehenden, Kasten, ungefähr auf dieselbe Weise füllen werden; mit dem Unterschiede, daß, da ihre beiden Canäle l und m nicht mit ihren breiten Seiten längs der Abdachung liegen, und der Ablaßungs Canal l nicht unmittelbar unter der Oeffnung im Gewölbe steht, das Getreide im Herabrollen in beide zugleich fällt; und was längs der Dachfläche zwischen diesen beiden Canälen rollt, sammelt sich in den schmalen Canal n, durch welchen auch alles, in dieser Gegend, auf der Deke liegen de Getreide, sich nach der Rinne zu ergießt.

Das Gerüste kann, wenn man mit einiger Thätigkeit arbeiten will, vier mal innerhalb 24 Stunden belegt und abgelassen werden, mit Bequemlichkeit aber drei mal in derselben Zeit.

Wenn 50 Pfund Kohlen abgebrannt, und das Getreide 6 Stunden in der von dem Brande entstandenen Hize geblieben ist, sind die Keime zur weiteren Entwikelung unfähig, und der Zwek ist erreicht.

Man öffnet alsdann die Schieber, und empfangt das aus den mit Brettern belegten Rinnen in der Mauer, selbst herauslaufende Getreide in die Säke. Denn die Canäle i und l und alle nach den Canälen k und m abschüssig gehenden Fächer ergießen ihre ganze Ladung in diese lezten Canäle, und vermittelst dieser in die unter denselben angebrachten Rinnen, die ebenfalls abschüssig nach außen zugehen.

In diesem kleinen Raume lagern sich jedesmal 43 × Kubik Palmi Getreide. Wenn der neapolitanische Palmo genau, wie die neueste Geld- Münz- Maaß- und Gewichtskunde, Nürnberg 1819. Seite 123. es angiebt 117, 1 pariser Linien enthält, so faßt sie 235, 6 pariser Kubik Fuß Korn; folglich kann man bei fortdauernder Arbeit alle 24 Stunden, drei mal soviel, oder 705, 18, ungefähr 100 baierische Scheffel fördern.

Ein kleiner, ummaurter und gewölbter Raum von 13 Palmi im Quadrate, ist also hinreichend ein beträchtliches Magazin zu bilden. Die Magazine, zu Lyon, welche |250| 64, 800 Kubikfuß enthielten, hätten daher, in einem einzigen Monate diese ganze Weizen Masse, über die Gerüste der Korndarre ablaufen lassen können. Zu dieser Arbeit wären 6 Mann und ungefähr 4500 Pfund Kohlen nöthig gewesen. –

Ein Kosten Aufwand, der wie jederman bei der bloßen Ansicht dieser Zahlen, und ohne weitere Berechnung sieht, ohne alle Bedeutung ist, und bei weitem die jährlichen Kosten des Umstechens und der Wartung nicht erreicht.

Das Getreide, wie es aus der Korndarre kömmt, wird nicht zum Erkalten ausgebreitet, sondern ganz warm, wie es abgelassen wird, bringt man es in große, hölzerne Kasten, wo es vor Mäuse- und Würmerfraß völlig gesichert ist. So hatte Intieri das Produkt der Zehnten der Jahre 1731 und 1732 in einem einzigen großen, hölzernen Kasten ohne Dekel, der 41 Palmi lang, 17 Palmi breit, und ungefähr 30 Palmi tief war. In diesem Kasten fanden neapolitanische königl. Kommissarien dieses Getreide wirklich 20 Palmi hoch im bestem Zustande. Ein Kasten, von angezeigten Dimensionen, faßt 11, 248 pariser Kubikfuß Getreide, folglich wären 6 solche Räume hinreichend gewesen, allen Weizen zu enthalten, der nach der gewöhnlichen Behandlungsart, die ungeheuren Flächenräume der Lyonschen Magazine erforderte.

Eine solche Korndarre, ist daher ein nothwendiges Requisit bei jedem Getreidmagazin, und es sind mir bis jezt keine Gründe aufgestossen, die auch nur einiger Massen die Sorglossigkeit der hohen Administrationen, die sich mit Anlegung großer Getreidevorräthe beschäftigen, beschönigen, und sie entschuldigen könnten, daß sie eine so nüzliche, so sinnreiche Vorkehrung entweder ganz außer acht, oder späterhin in Verfall gerathen ließen.

Eine Korndarre ist indeß nur ein unentbehrliches Bedürfniß in großen Getreidemagazinen, und ihre Einrichtung muß bei der Anlage derselben sogleich berüksichtigt werden, wie eine Küche in einem Wohnhause.

Sie dient bloß zur Behandlung des ausgedroschenen Getreides, und kann dem größeren Landwirthe die Wohlthat einer Rige nicht ersezen, da der Hauptzwek der Rige auf die Behandlung des Getreides in der Aehre gerichtet ist, und wesentlich dazu dienen muß den Landmann vor den Folgen einer in der Erntezeit ungünstigen Witterung zu schüzen.

Aber die Rige vertritt für den großen Landwirth die Stelle einer Korndarre: er kann sie, so wie es auch die Völker thun, die solche besizen, zum weiteren Austroknen des bereits ausgedroschenen Getreides benuzen: es ist leicht mehrere Vorkehrungen zu ersinnen, welche die Arbeit erleichtern: |251| so lassen sich von Weiden-Geflechte breite Körbe, 2 bis 3 Zoll tief machen, denen man eine beliebige, der Höhe der Rige angemessene Länge giebt: man füllt sie indem sie liegen, verschließt dann mit einem Dekel du eine schmale Seite, und stellt sie dann aufrecht. Solcher breiten, hohen Körbe, die zur Befestigung eine hölzerne, hinlänglich starke Umfassung haben müssen, können viele in einem kleinen Räume stehen, und ein Landwirth, wenn er auch nur alle 3 Stunden 10 Schaffe! zum Aufbewahren dörret, kann hier schon Stoff zu beträchtlichen Magazinen bereiten.

11. Einige Modifikationen, welche Duhamel an der Intieri'schen Korndarre angebracht hat.

Der glükliche Erfolg Intieris Methode hatte in Italien Aufsehen gemacht. Er, der früher bei allem seinem Getreide arm geworden war, erholte sich nach wenigen Jahren, und wurde bald ein reicher Mann. Er konnte jezt bessere Preise abwarten, in einem kleinen Räume viel aufschütten, und war von der Plage der Würmer befreit.

Als die Kunde dieser Ereignisse zu Neapel ankam, schikte die königl. Kornkammer Kommissarien dahin ab, um über den Grund dieser vorteilhaften Gerüchte ihre Meinung abzulegen. Sie fanden sogar mehr als die öffentliche Stimme gemeldet hatte; sie wurden überrascht, als sie 4000 Sake gedorrtes Korn, von den Jahren 1731 und 1732, von Mazoni, der schlechtesten Gegend des Königreiches 20 Palmi hoch, in einen ungeheuren, hohen, hölzernen Kasten aufgehäuft sahen; es wurde nach ihrer Zurükkunft beschlossen, für die Staatsmagazine eine ähnliche Vorkehrung zu treffen. Intieri bekam den Auftrag die Aufführung des Gebäudes und der dazu nöthigen Vorkehrungen zu besorgen, und 13 Jahr hindurch wurden die Getreide-Vorräthe in diesen Magazinen auf diese Weist behandelt.

Von Neapel kam durch Kaufleute ein Model der Intierischen Anstalt nach Marseille. Hier mußte der Professor der Mathematik, Pater Pezenas die Errichtung einer solchen Vorkehrung für die Stadt besorgen. Die in Gegenwart der Echevins angelegten Proben geriethen so gut, daß ein hierüber aufgeseztes Protokol nach Hofe geschikt wurde.

Bald hernach wurden auf königl. Befehl zu Kolmar und Lille dergleichen Korndarren angelegt, über deren Erfolg die Vorsteher derselben, die sich Anfangs dagegen ausgesprochen hatten, die günstigsten Berichte erstatteten.

Herr Du Pan, ein Mitglied der damaligen Genfer Spitalverwaltung, nachdem er von allen Seiten die bestimmtesten |252| Erkundigungen über den Erfolg des Intirischen Verfahrens eingezogen hatte, bewirkte auch die Einführung desselben, und die vorzüglichsten Schweizer Kantone, Bern, Zürch, Solothurn, die Stadt Basel, und andere Magazin-Verwaltungen nahmen dasselbe Prinzip an, und richteten in ihren Magazinen ähnliche Vorkehrungen ein, indem sie sich bald mehr bald weniger von dem Intieri'schen Model entfernten, und was sie nach dem Maaße ihrer Einsichten, Verbesserungen nannten, anzubringen suchten.

Obgleich manches hierüber in unseren deutschen Zeitschriften vorkam, so fand doch das Intieri'sche Verfahren bei uns keinen Eingang. Im Jahre 1776 ließ der Hofkammerrath von Kohlbrenner in München ein Model aus der Schweiz kommen, und nach demselben wurde in Wien im Jahre 1782 ein Gebäude aufgerichtet, mit dessen Wirkung man damals sehr zufrieden zu seyn schien, und in der Anzeige der Leipziger Oekonomischen Societät 1787, Seite 48 findet man die Beschreibung einer ähnlichen auf Burgscheidungen befindlichen Anstalt, mit angeblichen Verbesserungen.

Dagegen zeugen die Abhandlungen der königl. schwedischen Akademie der Wissenschaften von der Thätigkeit mit welcher man in diesem Lande die Einführung des Intieri'schen Systemes durchzuführen suchte, indem man die fast fortdauernden Feuer auf mehreren Hammerheerden zu benuzen, und Anstalten zur Troknung des Getreides damit in Verbindung zu sezen suchte, um den zahlreichen Arbeitern an diesen Werken, ein wohlfeileres und besseres Brodkorn zu sichern.

Indeß unter allen denen, die sich mit dieser neuen Dörr-Anstalt beschäftigten, wurde niemand lebendiger von ihren Vorzügen ergriffen, als Duhamel. Dieser wohlhabende Gutsbesizer hatte schöne Ländereyen in fruchtbarer Gegend an den Gränzen der Beauce und des Gatinois, und beschäftigte sich, ohne mit Intieris Bemühungen und Erfolge bekannt zu seyn, und lange vor Erscheinung dessen Werkes mit schlichen Mitteln das Getreide zu erhalten; unter andern hatte er auch den Einfluß der Wärme versucht, und war noch mit Ideen beschäftigt sie zwekmäßig anzuwenden, als Herr Marechal, Direktor der Festungswerke im Languedoc aus Italien ein Mooel der italienischen Korndarre mitbrachte.

Er verschmolz nun seine eigene Ideen mit den Intierischen, brachte beide Vorkehrungen um sie besser vergleichen zu können, in demselben Räume, neben einander, und gab ebenfalls im Jahre 1754. die Resultate dieser Arbeiten in einer kleinen Schrift heraus, unter dem Titel: Traité de la conservation des grains et en particulier |253| du froment, par Monsieur Duhamel du Monceau etc. avec figures en taille douce, Paris 1754.

(Fortsezung folgt.)

|225|

Der Leser findet eine genauere Beschreibung dieser Thierchen in dem 38. Bande der Kästnerischen Uebers. der Abhandlungen der schwed. Akad. der Wissensch. S. 276.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: