Titel: Senefelder's Beschreibung einer tragbaren lithographischen Presse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XLV. (S. 257–261)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005045

XLV. Beschreibung einer tragbaren lithographischen Presse von der Erfindung des Herrn Aloys Senefelder,105) rue Servandoni, Nr. 13. Paris.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement pour l'Industrie nationale. N. CC. Februar 1821. S. 47.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Diese tragbare Presse, deren Gebrauch eben so leicht als ihre Erfindung sinnreich ist, ist 16 Zoll lang, 8 Zoll breit und eben so hoch. Sie besteht aus einer hölzernen Lade a, Fig. 1. Tab. VI. die den ganzen Mechanismus enthält und auf einem Tische b mittelst eines mit einer Ohrschraube versehenen Zapfens c befestigt wird. Der Dekel d läßt sich, da er mittelst einer Scharniere befestigt ist, zurükschlagen, und ruht dann auf einer hakenförmig gekrümmten Stüze. Die untere Fläche dieses Dekels ist mit einem vollkommen |258| ebenen Stüke Brettes belegt, auf welchem eine Metallplatte e befestigt ist, die das lithographirte Steinpapier aufnimmt, welches mittelst eines dazu bereiteten Kleisters auf dieselbe aufgeklebt wird: dieses Steinpapier läßt sich sehr leicht ablösen und durch ein neues ersezen. Das Blatt Papier, welches bedrukt werden soll, kommt auf ein Stük starken Leders g zu liegen, welches in einem Rahmen f, der der Länge nach über die Lade a hinläuft, kräftig eingespannt ist. Eine Kurbel h an einer eisernen Achse i macht mittelst dreier Riemen oder Gurten lll, wovon die beiden äußersten an dem Wagen oder Streicher befestigt sind, diesen, indem sich die Riemen oder Gurten auf der Achse i aufwinden, von der Linken zur Rechten ziehen; der Riemen oder die Gurte l', die sich in entgegensezter Richtung aufwindet und im Boden der Lade über die eisernen Stangen m und n, Fig. 2. läuft, ist an der Sohle des Wagens oder Streichers, bei o, befestigt, und führt denselben zurük, wenn man die Kurbel zurükdreht.

Der Druk geschieht mittelst des Hebels p, dessen beide Arme, beweglich auf ihren Stüzen tt, auf der eisernen Querstange q ruhen; das Ende dieses Hebels greift unter dem Haken r, Fig. 2 und 6, ein. Ein hakenförmiger |259| Griff s dient den Dekel der Lade d zu heben, und, wenn er zurükgeschlagen ist, denselben zu stüzen.

Man bedient sich zum Auftragen der Schwärze auf das lithographirte Steinpapier entweder einer Walze, wie Fig. 7. deren Achse mit zwei ledernen Aermeln uu versehen ist; oder einer kleinen Handwalze, wie Fig. 8, oder eines Drukerballens, wie Fig. 9.

Um diese Presse zu gebrauchen, fängt man damit an, daß man den Hebel p und den Dekel c zurükschlägt, den man von seiner Stüze s tragen läßt. Nachdem man das lithographirte Steinpapier auf die Metallplatte e aufgeklebt hat, trägt man die Schwärze mittelst der Walze oder des Drukerballens auf, breitet das zu bedrukende Papier auf dem Leder g aus, schlägt den Deckel und den Hebel p wieder zu, und befestigt lezteren mittelst des Hakens r, und dreht die Kurbel. Der Streicher k, der nun von einem Ende der Lade nach dem anderen gezogen wird, drukt nach und nach das Leder und das Papier an das lithographirte Steinpapier, und erzeugt auf diese Weise einen netten Abdruk. Wenn der Zug vollendet ist, hebt man den Dekel auf und nimmt den Abdruk weg, führt dann den Streicher auf die entgegengesezte Seite zurük, indem man die Kurbel zurükdreht, welche dann die Gurte l' auf der Mitte der Achse aufrollt, und beginnt nun die Operation wieder von vorne.

Die tragbare Presse des Herrn Senefelder besizt Kraft genug um Geschriebenes, Zeichnungen mit der Feder oder mit der Kreide, und selbst hohl gravirte Zeichnungen in dem Steinpapiere abzudruken; Abdrüke von Zeichnungen und Kupferstichen auf gewöhnlichem Papiere etc. zu machen. Sie kann auch zum Copieren der Briefe gebraucht werden. Da sie nur 30 Pfund wiegt, so läßt sie sich leicht von einem Orte zum anderen bringen. Sie kostet 300 Franken, und man erhält mit ihr zugleich 1) eine gewisse Anzahl Steinpapierblätter |260| von verschiedener Größe; 2) Papier zu den Abdrüken; 3) lithographische Zeichenstifte und Tinte, und das Recept diese Tinte selbst zu bereiten; 4) das übrige Zugehör, Walzen, Drukerballen etc.; 5) auf englische Art bereitete Tinte zum Copieren der Briefe.

In Hinsicht der Vorzüge des lithographischen Steinpapieres verweisen wir unsere Leser auf den Bericht des Herrn de Lasteyrie in unserem Bulletin Nr. 193. 19ter Jahrg. S. 212.

Erklärung der Figuren.
Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände.

Fig. 1. Tab. VI. Die lithographische Presse offen, um das Innere des Mechanismus derselben zu zeigen.

Fig. 2. Durchschnitt der geschlossenen Presse.

Fig. 3. Ansicht von oben über den Wagen oder Streicher und über die Riemen oder Gurten.

Fig. 4. Der Wagen oder Streicher von vorne, auf seiner Sohle aufgesezt, die unten ausgeschweift ist um den Riemen l' durchzulassen.

Fig. 5. Durchschnitt des Dekels und des Rahmens von der Büchse abgehoben.

Fig. 6. Die Presse von oben gesehen,

Fig. 7. Die große Walze zum Auftragen der Schwärze.

Fig. 8. Kleine Handrolle zu demselben Zweke.

Fig. 9. Drukerballen, dessen man sich statt der Walze bedienen kann.

a, die Lade; b, der Tisch auf welchem sie befestigt ist; c, der Zapfen mit einer Ohrschraube um die Presse zu befestigen; d, der Dekel; e, die Metallplatte; f, der Rahmen; g, das in diesem Rahmen eingespannte Leder; h, die Kurbel; i, die Achse der Kurbel; k, der Streicher von Holz mit zugerundetem Grahte, um das Papier nicht zu spießen; |261| l' die beiden äußeren Gurten; ll, die mittlere; mn, Eisenstangen unter welchen die Gurte durchläuft; o, die Sohle des Streichers; p, der Hebel; q, Querstange, auf welche der Hebel drukt; r, Haken, um ihn zu halten; s, Hakenbraze, die dem Dekel als Stüze dient; tt, Stüze des Hebels; uu, lederne Aermel der großen Walze.

Wer sich mit der Geschichte der Erfindung der Steindrukerei, so wie mit den nothwendigen technischen Kenntnissen zu ihrer Ausführung bekannt machen will, dem empfehlen wir das sehr lehrreiche Werk: „Vollständiges Lehrbuch der Steindrukerei, enthaltend eine richtige und deutliche Anweisung zu den verschiedenen Manipulations-Arten derselben in allen ihren Zweigen und Manieren, belegt mit den nöthigen Musterblättern, nebst einer vorangehenden ausführlichen Geschichte dieser Kunst von ihrem Entstehen bis auf gegenwärtige Zeit. Verfaßt und herausgegeben von dem Erfinder der Lithographie und chemischen Drukerei Alois Senefelder. Mit einer Vorrede des Gen. Secret. der k. Akad. der Wissenschaften zu München, des Direktors Fr. v. Schlichtegroll. München, bei Karl Thienemann. Wien, bei Karl Gerold 1818“ Unter mehreren anderen über die Steindrukerei erschienenen Schriften verdient auch die früher schon erschienene, unter dem Titel: „das Geheimniß des Steindruks in seinem ganzen Umfange praktisch und ohne Rüksicht nach eigenen Erfahrungen beschrieben von einem Liebhaber“ im Verlage der J. G. Cottaschen Buchhandlung 1810. die Aufmerksamkeit der sich für diese Kunst interessirenden, welche zur Verallgemeinung derselben wesentlich beigetragen hat. D.

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