Titel: Marechaux über die verschiedenen Methoden, das Getreide, mehrere Jahre ohne Nachtheil für dasselbe, aufzubewahren.
Autor: Marechaux, Peter Ludwig
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. LX. (S. 334–376)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005060

LX. Würdigung sämmtlicher bis jezt bekannt gewordener Methoden, das Getreide, mehrere Jahre hindurch, ohne Nachtheil für dasselbe, aufzubewahren.

Von K. B. Professor Hr. Marechaux in München.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

(Beschluß.)

12. Beschreibung einer Korndarre nach Duhamel'scher Einrichtung.

Folgende Kupfer werden einen Begriff von der Einrichtung geben, welche der Verfasser dieser Schrift in die Stelle der Italienischen sezte.

Fig. 6. Tab. V. zeigt die äußere Form des Gebäudes.

Fig. 7. ist der horizontale Durchschnitt derselben nach der Linie AB Fig. 6. für das Mauerwerk, und nach der Linie CD Fig. 6''. für die senkrecht stehenden Canäle.

Fig. 8. ist ein senkrechter Durchschnitt nach der Linie MN Fig. 7.

Fig. 9. ist ein senkrechter Durchschnitt nach der Linie GH Fig. 7.

Das Gebäude Fig. 6. ist ein Vierek, dessen jede Seite im Lichten 9 Pariserfuß hält. Die Mauern sind 3 Fuß dik.

a. Fig. 7. ist der Ofen.

b. Fig. 7. dessen Rauchfang.

|335|

c. Fig. 7. ein Canal, der die Wärme in das Gebäude leitet.

d. Fig. 7. senkrechte Träger für das Gerüste. Sie sind etwas über 11 Schuh lang, und reichen fast bis an den Schluß des Gewölbes. Sie ruhen auf einem erhöheten Mauerwerke; sie sind zwei zu zwei aneinander mit Schrauben befestigt, und alle 4 Paare stehen unmittelbar unter dem Schlusse des Gewölbes.

eeee. Fig. 7. kürzere Träger, die an der vorderen Mauer und an der gegenüberstehenden anliegen, sie sind nahe an 8 Fuß hoch, und reichen bis an die Wurzel des Gewölbes.

ff. Fig. 8. Seitenriegel, welche die senkrechtstehende Träger oder Pfeiler d und e, oben mit einander verbinden.

gg. Fig. 8. Seitenriegel, welche die unteren Enden derselben Pfeiler oder Träger verbinden.

Da die kürzeren Träger nur bis an die Wurzel des Gebäudes reichen, die längeren dagegen bis an den Schluß desselben, so gehen die oberen Querriegel abschüssig, von den mittleren höheren Pfeilern, nach den kürzeren hinunter. Dagegen gehen die unteren Querriegel abschüssig von den kürzeren hoher stehenden Seitenpfosten e, nach den tiefer stehenden mittleren d hin, wie es aus der Fig. 8. deutlich abzunehmen ist.

h. Fig. 8. solides Mauerwerk, worauf das ganze Gerüste ruht. Es geht abschüssig nach der Mitte der Seitenwände zu. Auf der höchsten Stelle desselben stehen die kürzeren Träger oder Pfeiler e und auf der niedrigsten die längeren d.

Man sieht an den Original-Zeichnungen die Bänder nicht, welche die senkrecht stehenden Träger d und d und e und e miteinander verbinden. Vermuthlich geschieht dieses durch die Bretter, die den Boden und die Deke des Gerüstes bilden. Der Boden, abschüssig wie das Mauerwerk, welches die ganze hölzerne Vorkehrung trägt, ruht unmittelbar auf demselben.

i. Fig. 8. die Röhren oder Canäle, die das zu dörrende Getreide aufnehmen. Sie bilden rechtwinklichte, senkrechtstehende Canäle. Die breite Seite derselben, hält, die Holzdike mitgerechnet, 2 Fuß 9 bis 10 Zoll, die schmale 7 Zoll. Die breite Seite eines solchen Canals zeigt Fig. 9, und Fig. 8. die schmale. Nach der rechten Hand zu, ist die schmale Seitenwand abgenommen, und man sieht das Getreide in den Röhren.

Die breite Seite dieser Canäle, Fig. 9. war ein Gatter von Eisendrath, in den ersten Konstruktionen. Späterhin zeigte |336| sich, daß ein Weidengeflechte bessere Dienste leistete, weil es wohlfeiler war, und mehr Raum für das Getreide ließ. Das eine oder das andere ist nöthig, damit die Hize in die Canäle dringe.

k. Fig. 9. Querriegel, welche in die schmalen Seitenwände der Canäle, mit Schwalbenschwänzen eingelassen sind, und dazu dienen, das Eisendrathgatter zu unterstüzen, wenn man sich der Weidengeflechte nicht bedienen will.

Die Stellen, wo diese Querriegel eingelassen werden, erkennt man Fig. 9. linker Hand, wo die vordere Seitenwand der Canäle abgenommen worden ist.

l. Fig. 7. ist ein Stük der Deke. Sie erstrekt sich abschüssig von dem höchsten Ende der mittleren senkrechten Träger d zu dem oberen Ende der senkrechten Träger e hin, die nur bis an die Wurzel des Gewölbes reichen, und ist daher Dachförmig.

In dieser Deke sind so viele länglichte rechtwinklichte Oeffnungen, als in dem gegebenen Raume senkrechte Canäle angebracht werden können.

Die Mündung eines jeden Canals steht unmittelbar unter einer solchen Oeffnung in der Deke, und ist eben so lang und breit.

Die schmalen Seitenwände aller dieser Canäle sind in die untersten Querriegel eingelassen. Der Boden des ganzen Gerüstes bildet vermittelst der untersten Querriegel eine Art von Kasten, in welchem das Getreide sich aus den untersten Mündungen verbreitet.

mmm. Fig. 3. Querleisten, die von einem Seitenriegel zum andern oben über der Deke, und unten über der Grundfläche angebracht sind. Sie verhindern, so wie an den Intierischen Fächern, die zu große Anhäufung des Getreides, und das Ueberlaufen desselben über die Ränder.

n. Fig. 6 und 8. Trichter, durch welche das Getreide in das Innere des Gebäudes fällt.

Wenn die Gerüste ihre Ladung bekommen sollen, so schüttet man das Getreide in diese Trichter. Die Oeffnung derselben steht unmittelbar über der oberen Mündung der mittelsten Canäle. Diese füllen sich also zuerst; dann ergießt sich das Getreide von beiden Seiten des Daches, und füllt zuerst die Canäle, die unmittelbar auf den Mittelsten folgen, und wenn diese voll sind, nach und nach die übrigen, bis der lezte ebenfalls voll ist; dann lagert es sich auf der Deke, bis es die untere Oeffnung des Trichters erreicht. Jezt haben die Gerüste ihre Ladung.

|337|

Sobald die Hize hinlänglich auf das Getreide gewirkt hat, öffnet man

o. Fig. 9. den Schieber, der die Rinne

p. Fig. 9. schließt, die in der Dike der Mauer und abschüssig, das getroknete Getreide nach außen hin führt, wo es durch

q. Fig. 6 und 9. in die Säke fällt.

13. Duhamelsche Behandlung des Getreides, und Vergleichung derselben mit der Intierischen.

Man sieht aus dieser Beschreibung, daß dem wesentlichen nach die Duhamel'sche Vorkehrung eine Nachahmung der Intierischen ist; nur sind in die Stelle der abschüssig gehenden Tafeln, senkrechtstehende Canäle angebracht, und in der Stelle der auf Räder stehenden Kohlenpfanne ist ein Ofen der mit Holz geheizt werden kann, und der folglich mit einem Rauchfange versehen ist.

Duhamel behauptet, daß seine Gerüste, in demselben Räume mehr Weizen fassen, als die Intierischen. Wenn das Getreide auf den Intierischen Tafeln 3 bis 4 Zoll dik liegt, so faßt ein Zimmer von 9 Fuß im Quadrat ungefähr 228 Kubikfuß, und ein eben so großer Raum mit senkrechtstehenden Canälen, enthält dagegen 372 Kubikfuß. Dieser Unterschied verdiente freilich Aufmerksamkeit, wenn sonst keine andre Nachtheile daraus entstünden.

Duhamel schreibt vor, das Feuer um 6 Uhr des Morgens anzuzünden, und die Hize bis 50 oder 60 Grad Reaumur zu steigern. Zu dem Ende hängt ein Thermometer durch eine Oeffnung im Gewölbe, bis gegen die Mitte der Höhe des Zimmers; sobald sich diese Temperatur einfindet, hält man mit der Feuerung ein: man schließt die Ofenthüre und die Register, wenn alles Holz bis zur bloßen Gluth abgebrannt ist. Den folgenden Morgen, um 6 Uhr öffnet man die Luftlöcher im Gewölbe, um die Dünste herauszulassen. Des Abends oder den folgenden Morgen leert man die Gerüste. Man schüttet nun den Weizen auf einen besondern Söller, läßt ihn erkalten, siebet ihn, um ihn von allem Staube zu reinigen, und hebt ihn dann in verschlossenen Kasten auf, um ihn vor dem Zutritte der Feuchtigkeit zu schüzen.

Es muß hierzu bemerkt werden;

1. Daß die Thermometrische Angabe zur Erreichung des Zwekes nicht sicherer ist, als die von Intieri angegebene Kohlenmenge. Der Zwek der ganzen Behandlung ist die Vernichtung des Keimes. Die dazu nöthige Wärme hängt von |338| Umständen ab, die bei verschiedenen Gattungen des Getreides verschieden sind. Jeder Magazin-Verwalter muß aber bei Anwendung dieser Methode von einem festen Punkt ausgehn, und dazu sind solche Angaben, die schon in mehreren Fällen zweckdienlich waren, brauchbar. Etwas von dem, unter diesen Wärmeverhältnissen behandelten Getreide, muß nun gepflanzt, und gehörig gewartet werden. Keimet von einigen hundert Körnern kein einziges, so hat man die wahre Wärme getroffen, und man muß diese festzuhalten suchen, keimen noch einige, so war entweder die Wärme zu geringe oder das Getreide lag zu dik. Es ist leicht beides auszumitteln.

2. Es fällt ferner zum Nachtheil der Duhamelschen Methode auf, daß er 36 bis 48 Stunden braucht, um eine Quantität Getreide zu behandeln, welche Intieri in 6 bis 8 Stunden zum Ziele führt. Angenommen daß Duhamel in 36 Stunden mit 228 Kubikfuß Weizen das Ziel erreicht, so fertiget Intieri, in derselben Zeit, 913 Kubikfuß.

3. Die Heizung der Zimmer mit einer Kohlenmasse die, nur einmal angezündet, ruhig und ohne weitere Wartung ab brennt, hat offenbar Vorzüge vor der Duhamel'schen, wo der Ofen anfänglich, bis die Wärme zu 50 Grad gestiegen ist, eine fortdaurende Wartung erfordert; – die Behandlung des Thermometers nicht einmal gerechnet, die selten die Sache eines gemeinen Arbeiters ist.

4. Duhamel bemerkt daß eine Hize zwischen 50 und 60 Grad zwar die weißen Kornwürmer tödtet, aber nicht alle schwarzen, und daß, unter dem, in dieser Temperatur, behandelten Weizen, sich immer einige Körner, und zwar gegen den 4ten Theil derselben, befinden, die wiewohl spät, aber am Ende doch noch aufgehn.

Alle Intierischen Versuche zeigen, daß so oft dieses der Fall war, irgend ein Versehn bei der Behandlung vorgieng, oder ein Fehler im Verfahren lag.

Dieser Umstand verdient alle Aufmerksamkeit und eine besondere Erwägung.

Mit vieler praktischer Einsicht hat Intieri folgende entscheidende Versuche angestellt.

In eine kleine hölzerne aus dünnen Brettern bestehende Kiste brachte er 8 Zoll hoch, (6 1/2 Pariser Zoll) bereits gedörrten Weizen. In die Mitte dieser Höhe legte er eine Schichte frisches Korn, und in dieselbe Gegend ein Ey. Das frische Korn lag zwischen dünnem Flor, um alle Vermischung zu verhindern. Diese kleine Kiste wurde in einen Bakofen gestellt, während man das Brod darin bakte, und wurde noch eine Stunde nachher darin gelassen; die Hize wurde zwar nicht |339| mit einem Thermometer versucht, sie war aber so stark, daß die Wände der Kiste anfiengen zu verkohlen, und die oberste Schichte des Getreides zu rösten. Als man nun Ey und Getreide untersuchte, war das Ey noch frisch, und von 97 Körnern, die man säete, gieng nur ein einziges nicht auf, alle übrigen waren nach 8 Tagen aufgegangen. – Eine Getreide-Schichte, die 3 1/2 Zoll hoch ist, verhindert das gleichmäßige tiefere Eindringen der Wärme, und den erwünschten Effekt.

Zweiter Versuch. Unter denselben Umständen wurde das Ey mit einem Zoll hoch Getreide bedekt, und nicht so lange im Ofen gelassen. Jezt wurde es hart gesotten. – Ein Beweis, daß die Hize im vorigen Versuch nicht gehörig eingedrungen war.

Dritter Versuch. Er befeuchtete bereits gedörrtes Getreide mit wenigem Wasser – und brachte es 3 Zoll hoch in dieselbe Kiste. Wie im ersten Versuch lag das frische Getreide, mit dem Ey, in der Mitte dieser Höhe. Der Ofen aber war minder warm, und er ließ die Kiste bloß drei Stunden darin. Jezt war das Ey vollkommen hart, und von dem frischen Getreide, welches in derselbe Kiste, worin das erste gesäet worden war, ebenfalls gesäet und gewartet wurde, gieng kein einziges Korn auf. – Ein wichtiger Versuch, welcher einen Beweis abzieht, daß die Feuchtigkeit des Getreides die Tödtung des Keimes befördert, indem sie, in dem Getreidehaufen, die Hize zu vermehren hilft, und deutlich darthut, wie wenig diejenigen verbesserten, welche an dem Gewölbe der Dörranstalt Ventilators anbrachten, um die, sich aus dem Getreide entwikelnde, Feuchtigkeit zu entfernen.

Diese Versuche mögen jezt zur Controllirung der Duhamel'schen, und zur näheren Würdigung seiner Einrichtung dienen.

Wenn die Feuchtigkeit im Getreide zur Zerstörung des Keimes wesentlich beiträgt, so muß man schließen, daß eine Temperatur die niedrig anfängt, und langsam nur den Grad erreicht, der zwekmäßig ist, ihren Effekt zum Theil verfehlen muß. Sie befördert ein langsames Ausdünsten, und unterhalt die dem Getreide beiwohnende Feuchtigkeit in einer Temperatur die auf den Keim nur dann einen nachtheiligen Einfluß haben kann, wenn sie unter Begünstigung einer troknen warmen Luft, nach anhaltender Einwirkung derselben, dem organischen Gewebe ganz entzogen worden ist.

Dieses erklärt, warum Getreide, welches Duhamel auf einem Teller, in der Nähe seines Thermometers gehängt |340| hatte, nur zum Theil die Fähigkeit zu keimen verlor. Die Feuchtigkeit wurde den Körnern entzogen, ehe sie im innern, den Grad der Hize annehmen konnte, der sie für den zarten Keim zerstörend macht, und sie hatten viel länger diesem Grade der Hize ausgesezt bleiben müssen, wenn der Keim in allen hatte absterben sollen. So verlieren auch nicht alle Getreidekörner mit einmal die Fähigkeit zu keimen, wenn sie mehrere Jahre einer troknen Luft ausgesezt sind.

Es folgt ferner aus jenen Versuchen, daß die Construction der Duhamel'schen Apparate fehlerhaft ist.

Duhamel lagert auf den Fächern seinen Weizen 3 bis 4 Zoll hoch: 1 Zoll höher als Intieri: und da man so eben gesehn hat, daß die Hize eines Bakofens nicht durch eine 3 1/2 Par. Zoll dike Getreidelage hinlänglich durchdringen kann, um die Keime des in dieser Tiefe liegenden Getreides zu zerstören, so wird man sich nicht wundern, daß bei der langsam anwachsenden Hize, im Duhamel'schen Apparate, ungefähr der vierte Theil dieser Körner unbeschädigt bleibt.

Noch größer ist dieser Fehler, indem Apparate, den Duhamel seine Erfindung nennt: seine Canäle sind 7 Zoll tief. Hier sezt nach und nach die mittelste Schichte ihre Feuchtigkeit an die benachbarten ab, und wenn die Hize endlich bis dahin durchdringt, so findet sie nicht mehr Wasser genug, um durch dessen erhöhte Temperatur, den Keim vernichten zu können. Innen dagegen giebt seinen Canälen die Bretter mit inbegriffen eine Dike von 4 Neapol. Zollen, und da die Dike des Brettes i Zoll beträgt, so bleiben 2 Neap. Zolle, oder 19,5 Par. Linien, für das Getreide.

Die Duhamel'schen Fehlgriffe entstanden, weil dieser sonst so scharfsinnige Mann die Wirkungen der erhizten Feuchtigkeit im Korne selbst nicht kannte, und er bloß die Austroknung desselben vor Augen hatte, auf welche allein er seinen Ofen, und sein ganzes Verfahren berechnete. Selbst Intieri leitete Anfangs nur ein glüklicher Zufall, bis bestimmte Versuche ihm mit der Ursache seines Gelingens näher vertraut machten.

5. Duhamel will, daß das Getreide an einem troknen Orte erkalte, und durchgesiebt werde, ehe man es in die Kasten bringt, und daß es dahin gebracht werde, so bald es abgekühlt ist, um es vor der Feuchtigkeit zu schüzen.

Er hat sich viele Mühe gegeben, um den Verlust an Maaß und Gewicht zu bestimmen, den das, auf den Gerüsten behandelte, Getreide erleidet, und die Eigenthümer damit getröstet, daß der erhöhete Preis dieses Korns für diesen Verlust reichlich entschädigte. Er hat dabei nicht bedacht, |341| daß das Getreide durch diese Behandlung seine hygroscopische Beschaffenheit nicht verliert, und deshalb, vermuthlich, hat er unterlassen, nach einiger Zeit, mit demselben Weizen die Probe zu wiederholen: und dort giebt er den Rath ihn schnell vor Annahme der Feuchtigkeit zu schüzen. Intieri ist jenes nicht entgangen, und durch mehrere sorgfältig angestellte Versuche zeigt er, daß nach wenigen Wochen das der Hize ausgesezte, und zum keimen unfähig gemachte Getreide nicht nur sein voriges Volumen wieder einnimmt, sondern, nach Beschaffenheit der Luft, auch wohl noch ein größeres. Allein diese Feuchtigkeit ist ohne nachtheilige Folgen.

Die verkehrte Ansicht die man sich von der eigentlichen Wirkungsart einer Korndarre machte, hat zu falschen Manipulationen verleitet.

Französische Intendanten haben die Vollkommenheit ihrer Arbeit in einer Art von Rostung des Getreides gesucht. Herr Maréchal zu Lille trieb sogar die Wärme bis zu 120 Grad R. Bei solcher Temperatur aber konnte der Weizen kaum 4 Stunden auf den Gerüsten bleiben, in den oberen Theilen fieng er wirklich zu rösten an, und wenn man ihn von den Gerüsten ablaufen ließ, so war er noch so warm, daß, innerhalb 1/4 Stunde, Eyer darin hart wurden und selbst bei dieser Behandlung giengen von 100 Körnern noch 4 auf; folglich lag auch in diesen Apparaten der Weizen zu dik.

Selbst Duhamel giebt als Kennzeichen der fertigen Arbeit, daß das Körnchen unter dem Zahn rein zerspringen muß, wie ein Reiskorn. Freilich hatte Intieri Anfangs auch ein solches Kennzeichen der vollendeten Arbeit gegeben, allein er hatte es bloß aus Besorgniß gethan, daß seine Landleute zu schwaches Feuer geben möchten. Das Getreide auf seinen Gerüsten bleibt weich, wird aber, wie es in den Kasten erkaltet, hart.

Dieses weichere Wesen bleibt ihm, weil die stark erhizten feuchten Dämpfe in dem kleinen verschlossenen Räume eine gänzliche Austroknung nicht gestatten. Gerade diese stark erhizten Dämpfe sind es, die zum Ziele schneller und sicherer führen, als eine trokne Wärme. Man hatte also sehr unrecht, in den königl. Magazinen zu Lille, durch mehrere im Gewölbe angebrachte Ventilatore, die Dünste aus dem Zimmer abzuleiten, um eine gänzliche Austroknung der Luft und des Getreides zu bewirken. Die Korndarre muß hauptsächlich als Dampfbad wirken, wenigstens erhöhen die erhizten Dämpfe ihre Wirkung.

Die königl. Verwaltung zu Lille, bei einer Wärme von 120 Grad, konnte mit hölzernen Gerüsten nicht ausreichen; |342| sie warfen sich, sie bekamen Risse, sie mußten alle Augenblike reparirt werden, und diese Reparaturen unterbrachen die Arbeit: man machte sie daher von Eisen. Indessen empfiehlt Intieri die Entfernung alles Eisens, selbst der eisernen Nägel. Das Eisen, sagt er, nimmt eine so große Wärme an, daß die Getreidekörner, die damit in Berührung kommen, zu rösten anfangen. Er will daß die Gerüste von weichem Holze, nur nicht von den Harzenthaltenden, seyn sollen, und verwirft das Eichenholz und andre hatte Holzarten, die sich in der Hize nicht gut halten. Duhamel dagegen hat seine Gerüste aus Eichenholz verfertigen lassen. Mir fehlen aus der Erfahrung geschöpfte Thatsachen, ohne welche sich über eine solche Verschiedenheit in den Meinungen nicht entscheiden läßt. Mir würde Intieris dreisigjährige Erfahrung zum Leitfaden dienen.

Hier drängen sich nun einige Fragen auf, die beantwortet werden müßen.

Die erste dürfte wohl diese seyn; warum blieben wir Deutschen, gegen die Italiäner, die Schweizer und die Franzosen zurük, und so lange Zuschauer des bewährten Guten, ohne die wohlthätigen Früchte desselben, in unseren eigenen Magazinen einzuführen. Die Unwissenheit des Besseren war daran nicht Schuld, denn die Zeitschriften der damaligen Zeit kündigten von mehreren Seiten her, was an mehreren Orten geschah: allein es ist ein National-Charakterzug, daß wir uns langsam bewegen. Oft durch das Neue irrgeleitet, glauben wir in Annahme, selbst des vielfach gerühmten, behutsam seyn zu müssen; und als man endlich anfieng eine dreisig Jahr hindurch, in vielen großen Städten, mit unleugbarem Nuzen, eingeführte Erfindung, benuzen zu wollen, da trat die französische Revolution ein, die theils auf ganz andere Gegenstande hin, unsere Aufmerksamkeit lenkte, theils alle unsere Magazine leerte, und uns sogar die Möglichkeit raubte, an deren Stelle andere anzulegen. Nach den mannigfaltigen Ereignissen, welche diese Revolution herbeiführte, hat man an andere Dinge zu denken gehabt, und den guten Intieri mit seiner sinnreichen Erfindung längst vergessen. Unser Krüniz hat, so gut es ihm möglich war, auf die Vorzüge dieser Einrichtung aufmerksam gemacht, aber wie wenig Administratoren durchblättern sein Werk.

Man wird ferner fragen, wie es zugieng, daß eine Erfindung, die in allen königl. Magazinen in Frankreich, nach und nach eingeführt werden sollte, jezt in diesem großen Reiche nirgends mehr anzutreffen ist? Auch auf diese Frage ist die Antwort nicht schwer.

|343|

In jener Revolution liegt der Grund warum die bestehenden Anstalten, die uns bekannt geworden sind, eingiengen. Die königl. Zehnten, und Zehnten überhaupt, wurden nicht mehr entrichtet; an Kriegsvorräthe für große Festungen wurde nicht mehr gedacht; die Marine, die in den Handels- und Kriegeshafen des Reiches starke Getreide-Vorräthe erforderte, theils zum Behufe der Schiffart, theils für die Colonien, die kein Getreide bauten, wurde auf 25 Jahre vernichtet. Die nunmehr unnüz gewordenen, zu jenen Vorräthen bestimmten Gebäude, wurden theils zu andern Zweken verwendet, theils wurden sie in den Stürmen der Revolution zerstört. Alle, vor diesem langen Zeiträume als nüzlich anerkannte Einrichtungen, geriethen in Vergessenheit, und machten neuen Speculationen Plaz.

Die Schweiz, abwechselnd der Tummelplaz der Deutschen, der Russen, der Italiener, der Franzosen, will, heißt es, die Sorgfalt für die Unterhaltung ihrer Bewohner, den Speculationen der Getreidehändler überlassen, bei welchen, so sagt man, sie sich besser befindet, als bei ihren früheren, mit großem Aufwande, und mit vielem Fleiße angelegten Magazinen, und hat diese schon vor Anfang der französischen Revolution eingehen lassen.

Endlich kann man noch nach der Ursache fragen, welche die königl. Neapolitanische Regierung bewog, die zum Behufe ihres großen Magazins errichtete Korndarre, 13 Jahre nach Anlegung derselben, wieder aufzugeben, da doch der Prinz von Corsini, eben derselbe, von welchem Intieri den Zehnten gepachtet hatte, gerade zur selbigen Zeit, mehrere auf seinen Gütern, auf eigene Rechnung erbaute Korndarren, nicht nur beibehielt, sondern auch die wohlthätigen Wirkungen derselben besonders rühmte, wie wir es aus einem Briefe des Herrn Marechal an den Cardinal Valenti, Staatssekretairs seiner Heiligkeit ersehen.

Auch hiervon ist der Grund nachzuweisen. Die Korndarre beschäftigt nur wenig Menschen; das in derselben behandelte Getreide erfordert keine weitere Wartung. Ein zahlreiches Personal, welches hier Nahrung, Wohlstand, große Emolumente fand, verlor plözlich die Gelegenheit, sich auf Kosten des Staates, auf leichten und sicheren Wegen, zu bereichern. Eine Methode, welche jenen ehemals Angestellten die Existenz theils raubte, theils verkümmerte, konnte ihnen nicht willkommen seyn. Sobald die Mächtigen am Ruder, die eine Kommission zur Besichtigung der Intierischen Magazine veranlaßt hatten, nicht mehr durch ihren unmittelbaren Einfluß, die niedrigen Leidenschaften der Administratoren |344| und ihrer jezigen und vorigen Verwandten und Gehülfen in Schreken und im Zaume hielten, wurde man von allen Seiten Segen das neue Verfahren laut. Die Angestellten waren natürlicher Weise die ersten, die von den Mängeln der neuen Methode sprachen; sie fanden in den Zurükgesezten, und in ihren Freunden treue Gehülfen. Unwissende ergriffen ihre abgeschmakten Mährchen, ihre bodenlose Gründe, und suchten sich damit vor dem unwissenden Publikum wichtig zu machen; kurz es gieng damals dem Intieri, wie es in unseren Zeiten unserem Achard gieng. Man fand sogar, daß das, aus dem durch die Korndarre gegangenen Getreide, versezte Brod, brandig schmekte, wie man bei uns an dem feinsten, aus der Runkelrübe verfertigten Zuker, den Geschmak der Runkelrübe schlechterdings wiederfinden wollte. Man trieb den Unsinn so weit, daß man behauptete, seine Methode sey kostspieliger als die gewöhnliche. Es gelang am Ende auch, daß man den Übeln Geschmak mehrerer tausend Sake Weizen, die zur See angekommen waren, und ohne Wartung in dem Magazin Monate gelegen hatten, der Behandlung in der Korndarre zuschrieb. Unwissende, sorglose, ihre Ruhe liebende Minister, müde des vielen Geredes, opferten endlich dem niedrigsten Eigennuze das Wohl des Ganzen.

Das ist leider! das Schiksal vieler Erfindungen, vieler wohlthätiger Vorschläge, wenn sie mit kleinlichen Ansichten, oder schmuzigen Leidenschaften in Conflikt kommen. Ehre jedem Biedern, der mit Muth, Umsicht und Ausdauer mit diesen in den Kampf tritt, und dem wahrhaft Guten den Sieg verschaft.

Intieri machte dieses Misgeschik nicht irre. Er beschämte durch den fortdauernden Flor seines Instituts die hohe Staatsverwaltung; er beschämte sie, und alle niedrigen Feinde des Guten, aber er besserte sie nicht. Man beschönigte die Rükkehr zum Alten, durch die unter anderen Umständen richtige Bemerkung, daß einem Particulier manches gelingt, was eine Staatsverwaltung nicht zum Ziele führen kann.

Der Beifall der Schweizer und der Franzosen, die sorgfältig nach der Ursache jenes Misgeschikes sich erkundigt hatten, ehe sie sich zu der neuen Getreide-Behandlung entschlossen, tröstete den Erfinder. Oft verschmäht das Vaterland das, in seinem Schooße entsprossene. Gute, indem im Auslande, leidenschaftlose Männer es zu würdigen wissen.

In den Schriften der damaligen Zeit findet man nirgend Spuren von Unzufriedenheit, über den Erfolg der neuen Manipulationen: aber die Administratoren der Schweizer-Getreide-Magazine waren rechtschaffene Männer, von Pflichtgefühl |345| durchdrungen, durch Vaterlandsliebe geleitet; Herr Marechal in Frankreich, dessen höherer Aufsicht die königl. Magazine anvertraut waren, war ein Mann von Charakter, bei den neuen Manipulationen selbst thätig, und reich an Kenntnissen.

Eine Begebenheit ereignete sich indessen in seinen nach der neuen Methode behandelten Magazinen. Auf dem Weizen, der darin 2 Jahr hindurch, an 5 Fuß hoch, ohne weitere Wartung, gelegen hatte, zeigten sich plözlich einige Würmer. Dieser unerwartete Vorfall beunruhigte ihn, er erkundigte sich in Italien, ob sich auch dort etwas ähnliches gezeigt hätte: allein, wenn ein solcher Zufall in den dortigen königlichen Magazinen statt gefunden hätte, wie begierig hatte man ihn nicht gegen die neue Erfindung benuzt!

Il a résulté, sagt Herr Maréschal in seinem Schreiben vom 2. Oktober 1753 an den Staatssekretär zu Rom, Cardinal Valenti; il a résulté de toutes les opérations qui ont été faites, que les grains ainsi desséchés, se sont conservés pendant deux étés de suite sans la moindre altération d'aucune espèce, et qú à la fin du second été il a paru des vers sur la superficie des couches. On ne sait a quoi attribuer cet incident, les grains ayant été trouvés extrêmement frais et beaux.

Es ist möglich, daß einige Eyer in einigen Körnern der Wirkung der Hize entgiengen; auch ist es möglich daß einige zu weich gebliebene Hülsen dem Stachel des schwarzen Kornwurms nicht wiederstanden; aber noch weit wahrscheinlicher ist es, daß diese Würmer absichtlich dahin gebracht worden sind, als ein erster Versuch, die öffentliche Meinung, über den Nuzen der neuen Methode, schwankend zu machen.

14. Das siedende Wasserbad.

Ehe wir den wakeren Intieri verlassen, um uns mit den Bemühungen anderer verdienstvoller Männer zu beschäftigen, wollen wir noch einen seiner lezten Versuche erwähnen.

Die auffallende Wirkung des Wassers, auf den befeuchteten, bereits schon in der Korndarre behandelten Weizen, (3ter Versuch §. 12.) führte ihn auf den Gedanken, das Verhalten des siedenden Wassers zum Korne zu untersuchen.

Er ließ höchstens eine Minute lang eine Quantität Weizen in siedendem Wasser, und troknete ihn nun an der Luft. Dieser Weizen hatte weder an Ansehen noch an seinem Geschmake das Geringste verloren. Von allen Körnern, die er davon pflanzte, gieng kein einziges auf.

|346|

Dieser Versuch bekräftigt die Meinung, daß in der Korns darre, die stark erhizten Dämpfe zur Beschleunigung der Operation vieles beitragen.

Intieri glaubt, daß man die Kosten jenes Instituts ersparen, und mit einem einzigen Kessel von gewöhnlichem Ums fange, in einem einzigen Tage eine große Menge Getreide wegarbeiten könnte. Dieser Meinung kann ich nicht beipflichten. Ich glaube wohl, daß eine Haushaltung, die, auf einige Jahre, ihr Brodkorn vorräthig halten wollte, mit diesem Mittel ausreichen würde, weil sie diese kleine Quantität Korn, nach und nach behandeln, und ohne großen Raum zu bedürfen, leicht troknen könnte: allein wenn alle 12 Stunden einige 800 Kubikfuß Getreide verarbeitet werden müßten, so würde diese Quantität schwerlich von einem Tage zum andern troken seyn. Diese Methode, so einfach sie auch scheint, würde daher zur Abtroknung des Getreides zu große Flächenräume erfordern, und ein Hauptvortheil der Korndarre besteht gerade darin, daß man vermittelst derselben, diese großen Räume nicht braucht.

Das erste Erhaltungsmittel des Getreides, – die Tödtung des Keimes scheint in chemischer Hinsicht erschöpft zu seyn. Es läßt sich außer der Wärme kein anderer, dazu paffender. Agens denken. Zur Leitung derselben, hat sich Duhamel der Luft bedient, die er stark erwärmte: diese Luft in den Duhamel'schen Apparaten ist freilich unbeweglich; es sind indeß Vorkehrungen denkbar, vermöge welcher stark erwärmte Luft durch große Getreidemaßen in Bewegung gesezt würde. Ein solches Mittel hätte den Vorzug, jedes Getreidekörnchen dem ganzen Einfluß der stark erhizten Luft auszusezen. Die Wirkung derselben müßte um so energischer seyn, da der fortdauernde Strom der Luft, diese, um jedes Körnchen, so lange erneuert, als frischer Zufluß statt findet, wir werden bald sehen, daß Duhamel an diesem Gedanken sehr nahe vorüber gieng. Er trieb durch Blasebalge die atmosphärische Luft durch Kasten, mit Getreide angefüllt. Wie geschähe es, daß er nicht auf den Einfall gerieth, die Austroknung des Getreides durch eine künstlich bewirkte Durchströmung der stark erhizten Luft zu bewirken? Es ließen sich mehrere Mittel vorschlagen, diesen Zwek zu erreichen. Bis jezt habe ich nicht erfahren, ob dergleichen schon versucht worden sind. Dieser Vorschlag scheint mir aber der Aufmerksamkeit des Landwirthes nicht unwürdig.

Intieri, außer der stark erwärmten Luft, benuzte die Wirkung der in Wasserdampf verwandelten Feuchtigkeit der Luft und des Getreides.

|347|

Endlich die Wärme des bis zum Siedepunkte erhizten Wassers.

Auch ist, bei Anwendung dieses Mittels für alle Klassen gesorgt: der kleine Gutsbesizer, der einiges Getreide für den jährlichen Gebrauch vorräthig halten will, wird sich mit Erfolg des siedenden Wassers bedienen. Der größere Landwirth benuzt dazu die Rige; wer große Magazine anlegen und auf mehrere Jahre in guten Zeiten viel Getreide austaufen will, für den ist die Intierische Korndarre.

Geben wir daher zum zweiten Erhaltungsmittel – Zurükhaltung des Vegetations-Prozesses.

15. Erhaltungs-Methoden, durch Zurükhaltung des Vegetations-Prozesses.

Zur Erwekung der Triebkraft ist Feuchtigkeit, und ein gewisser Grad von Temperatur nöthig: man wird daher jene Erhizung, die eine Folge der Entwikelung des Keimes ist, vermeiden, wenn man an dem Orte, wo das Getreide liegt, die Temperatur so niedrig halten kann, daß der Vegetationstrieb nicht aufgereizt werde.

In den Kellern, die vor der äußeren Luft gehörig geschüzt sind, hält sich die Temperatur auf 10 Grad ungefähr. Diese Temperatur ist für den Vegetationstrieb zu niedrig. Ein trokner Keller würde daher unserem Getreide eine desto sicherere Lagerstelle darbieten, da auch bei dieser niedrigen Wärme, die Eyer der Insekten, die unsere Vorräthe gern heimsuchen, nicht ausbrüten.

Der Zufall, dem wir viel Nüzliches verdanken, hatte einem Einwohner in Cormery, einer Stadt in der Landschaft Touraine, die Ehre dieser Erfindung verschaft, wenn wir dieselbe, nicht längst schon, von andern Seiten her gewußt hätten.

Nach einigen reichen Erndten fehlte ihm Plaz seinen Weizen zu lassen. In Ermanglung eines besseren Ortes, sähe er sich genöthigt, das frisch ausgedroschene Korn in einen Keller zu schütten. Der Haufen wurde ziemlich groß. Er zitterte nicht wenig über das Schiksal dieses Theils seines Vermögens, und besuchte es daher fleissig. Bald aber faßte er Muth, als er diesen Weizen jedesmal in demselben frischen Zustande antraf. Tief im Sommer war er noch eben so schön als im ersten Augenblike. Die fortdauernde Kühle des Ortes schüzte ihn vor jeder Veränderung. Kein übler Geruch! Ein wohlschmeckendes Brod! dies übertraf alle seine Erwartungen. Da ließ er einen anderen Keller bauen, den er mit einer Bretterwand bekleidete, und gegen die äußere Luft gut verwahrte. |348| Hierein schüttete er in den folgenden Jahren seinen Weizen, und sorgte bloß, daß er troken herein kam. Die Beschreibung desselben machte er in den Affiches de Tour vom 23. Julius 1774. bekannt126).

Aber was dieser gute Bürger durch einen Zufall so spät erst entdekte, war schon seit undenklichen Zeiten der Gebrauch vieler Völker, und selbst mehrerer seiner Landsleute. Menschen die anfänglich in der Erde wohnten, brachten als sie Akerbau zu treiben, und sich Häuser zu bauen anfiengen, ihr Getreide in die verlassenen unterirdischen Wohnungen. Sie fanden sich dabei wohl, und machten daher, als der Akerbau sich ausdehnte, neue Gruben, zur Aufbewahrung der Feldfrüchte. So wurden unterirdische Behälter ihre Speicher.

Kein Wunder also, daß man diese Erhaltungsart bei den urältesten Völkern, den Morgenländern, den Arabern, den Hebräern antrift. Sie hat sich längst der Afrikanischen Küste erhalten, und ist wahrscheinlich von dort nach Malta, Spanien, Sicilien, Italien übergegangen; man findet sie auch bei den Moscowiten, in Lithauen, in der Ukraine, in Ungarn, und in den südlichen Theilen Frankreichs.

Krüniz hat in seiner Encyclopädie vieles hierüber gesammelt, (unter dem Worte Korn) und seine Landesgenossen auf die Vorzüge dieser Conservationsart aufmerksam gemacht.

Dasselbe that der Graf Lasteyrie in einer kleinen Schrift, die im Jahre 1719 zu Paris unter dem Titel: des fosses propres à la conservation des Graines, et de la maniere de les construire, erschienen ist.

Die Form dieser Getreidekeller ist gleichgültig. Um Algier und Tunis sind sie vierekig; um Moscow herum Kegelförmig, in Spanien und Italien Cylinderförmig. Alle schließen sich oben mit einem Gewölbe, das sich in der Form des Halses einer Flasche öffnet. Fig. 10. zeigt deutlich die Gestalt einer solchen Grube. Fig. 11. ist die Vorkehrung vermittelst welcher man den Stein aufhebt, der das Gewölbe verschließt, und das darin enthaltene Getreide hinaufwindet.

Eine Hauptbedingung zu diesen Kellern ist, daß der Grund, in welchem sie angelegt werden sollen, so troken sey, wie es ein unterirdisches Behältniß nur immer zuläßt. Sie müssen tief genug unter der Erde liegen, um kühl zu bleiben; eine Erdschichte, 3 bis 4 Fuß dik, reicht hin. Am |349| vortheilhaftesten ist es, wenn sie in dichte Felsenmassen eingehalten werden können. In einem guten troknen Lehmboden, kann man Mauern, zur Unterstüzung der Erde entbehren. Man zünder Feuer in der Grube an, und brennt die Erde hart. Wo dieses nicht angeht, sind Mauern und zu diesen gut gebrannte Steine nöthig, welche die Feuchtigkeit abhalten. Auch muß der Mörtel so seyn, wie er zu wasserdichten Werken gebraucht wird. Sehr gut ist es, in einem Boden, der Feuchtigkeit besorgen läßt, eine doppelte Mauer zu ziehen, und den Raum zwischen beiden entweder leer zu lassen, oder ihn mit troknem Sande, oder besser noch mit zerflossenen Holzkohlen, oder Asche zu füllen. Es würde am zuträglichsten seyn, zur inneren Mauer an statt gebakener Steine, gut ausgetroknete Lehmsteine zu wählen, sie beschlagen sich nie, und halten den inneren Raum sehr troken. Auch muß der Boden dieser Keller ausgemauert werden. Lasteyrie will daß diese Mauern aus einem bloßen Mörtelguß, mit Feld- oder anderen Steinen, aufgerichtet werden. – So macht man sie in Toscana, – und daß man über dieses zwischen dieser Mauer und dem Erdreich, eine 13 Zoll dike Sandschichte anbringe, um durch diese die Feuchtigkeit in dem Grund und von den Mauern abzuleiten.

Vor dem Gebrauch der neu angelegten Keller, ist es gut sie auszubrennen. Die Kohlensäure, die sich entwikelt, verwandelt schnell den zum Mörtel verbrauchten Kalk, in kohlensauren Kalk, und giebt ihm, in kurzer Zeit, eine Harte, die er ohne das, nur langsam erhalten würde.

Herr Lasteyrie, der mit Recht glaubte, daß man hier nicht zu vorsichtig seyn kann, will sogar, daß man die innere Seite der Mauer mit einem Kitt bestreiche. Mehrere Erfahrungen haben den Nuzen des folgenden bewährt.

Erdharz 1 Pfund.

Leinöl 1/2 Pfund.

Leinöl Firniß 1/4 Pfund.

Silberglätte 1/4 Pfund.

Terpentinöl 1/4 Pfund.

Schwarzes Pech oder Harz (arcançon) 1/4 Pfund.

Man bringt diese Mischung zum sieden, und streicht damit zwei mal die Mauer an. Sie muß sehr troken seyn, und der zweite Anstrich wird 7 oder 8 Tage später gegeben.

Man kann dieser Mischung etwas Sand zusezen, um die Festigkeit und das Volumen desselben zu vermehren.

Es darf kein Getreide in den Keller geschüttet werden, bevor er nicht gut ausgetroknet ist. Ist der Keller neu angelegt worden, so schlägt Herr Lasteyrie folgendes Mittel vor, |350| um sich zu versichern, daß das Getreide von zu großer Feuchtigkeit nicht leider. Man läßt eine, in eine Spize auslaufende, cylindrische Röhre von Eisenblech verfertigen, die mit einem Dekel verschlossen ist. Die Büchse selbst ist an eine Stange befestigt, und an dem Dekel ist ein starker Bindfaden angebunden. Man senkt dieses Instrument längs der Mauer in das Getreide ein, und zieht, vermittelst der Schnur, wenn man tief genug gekommen zu seyn glaubt, den Dekel ab. Der Cylinder füllt sich hier mit Getreide, dessen Qualität man nun erkennen kann.

Will man einen Keller mit Getreide füllen, so legt man auf den Boden desselben eine hinreichend starke Schichte Stroh, und so füttert man auch die Wände damit. Das Stroh muß wenigstens 3 bis 4 Finger dik gelegt werden. Man kann es, an den Seitenwänden, vermittelst darin eingeschlagener Nägel, und Bindfäden befestigen, oder wo dieses nicht angeht, es von dem Getreide selbst unterstüzen lassen, wie es fast durchgehends in den Gruben geschieht, die von keinem Mauerwerk umringt sind.

Den Keller füllt man bis an die Oeffnung; unmittelbar auf das Getreide legt man eine Schichte Stroh, auf diese einen hölzernen Dekel, auf diesen wiederum Stroh, und zulezt den Stein, der die Oeffnung verschließt. Einige häufen über diese Oeffnung noch Erde an, damit das Wasser besser davon ablaufe. Indeß pflegt man nach 14 Tagen oder drei Wochen die Grube noch einmal zu öffnen, weil sich das Getreide darin etwas saket, man füllt den leer gewordenen Raum mit frischem Getreide, und verschließt nun vollkommen die Grube, bis zur Zeit wo man sie leeren wird. Der Stein wird mit etwas Mörtel in sein Lager eingelegt.

16. Einige Betrachtungen über dieses Verfahren.

Es läßt sich nicht leugnen, daß wenn der Keller gehörig troken ist, und die ganze Zeit hindurch auch troken bleibt, das darin niedergelegte, nicht zu feuchte Getreide sich eine lange Reihe von Jahren erhält. Man hat zu verschiedenen Zeiten solche Magazine entdekt, deren Eingang nur die Besizer selbst kannten, die wahrscheinlich durch gewaltsame Mittel ihrer Heimath entrissen wurden. Es kann also von ihrer Brauchbarkeit im allgemeinen nicht die Rede seyn.

So nüzlich aber auch die guten, troknen Getreidekeller sind, so verderblich werden die feuchten. Selbst in den trokensten, ist die, das Getreide umgebende, Strohschichte feucht; Lasteyrie fand es so in den Kellern, die er ausleeren |351| sah. Ist die Feuchtigkeit etwas größer, so dringt sie bis zum Getreide hin, und verdirbt die, dem Stroh näher liegenden Körner, die sie einsaugen. Ein höherer Grad von Feuchtigkeit erzeugt in den Mehltheilen eine Fermentation, die vermittelst der Wärme, welche sie entwikelt, den Vegetationstrieb wekt und unterstüzt, und dieselben Resultate hervorbringt, welche die Folge einer höheren Temperatur, bei geringerer Feuchtigkeit, sind. In solchen Gruben findet man nicht selten eine 3 bis 4 Zoll dike Getreide-Schichte, um die Seitenwände herum, verdorben und dicht zusammengewachsen. Ueber diese Schichte hinaus, bleibt das Getreide gut: allein man sieht, daß bei größerer Näße der Erde, der Schaden größer ausfallen muß, und daß es manche Umstände geben wird, die den Verderb ganzer Gruben nach sich ziehen müssen. So z.B. geschieht es oft in Ungarn, daß in solchen unterirdischen Lagerstatten Wasser eindringt, und sich darin sammelt. Wenn die Eigentümer solches gewahr werden, und bei Zeiten noch das Korn herausnehmen, so können sie es zum Theil retten, aber die Qualität leidet davon.

Es folgt hieraus, daß der Gebrauch der Getreidekeller, schon in Bezug auf Localität betrachtet; nicht allgemein werden kann. Sie lassen sich z.B. in Schweden nicht anbringen. Das Grundwasser liegt dort zu hoch, der Boden ist zu feucht. So werden sie in Ungarn, wo der gemeine Mann, sie bis jezt aus Mangel an Mitteln gebraucht, und weil er nichts besseres haben kann, durch den Verlust, den sie ihrem Besizer zufügen, aus der Mode kommen, wie die Kultur des Landmannes dort zunehmen, und der Wohlstand wachsen wird.

Beurtheilt man diese Methode in Beziehung auf die Beschaffenheit des Getreides, so erheben sich andere Bedenk-Weiten. Alles Getreide saugt Feuchtigkeit ein, nur nicht im gleichen Grade. Dieses hängt von seiner eigenthümlichen Beschaffenheit ab, die selbst von der Witterung, oder vom Boden abhängt.

Ist die Beschaffenheit des Getreides von der Art, daß es, durch sein hygroscopisches Vermögen, so viel Feuchtigkeit in sich zieht, als nöthig ist, um in den Mehltheilen eine Fermentation entstehen zu lassen, so wird ein solches Getreide in den Gruben leicht verderben. Die Kühle des Ortes wird diese Gährung, die eine Folge zu großer Feuchtigkeit ist, nicht unterdrüken. Dieses dürfte der Fall seyn, wenn die Sommer naß sind, oder wenn der Boden auf welchem die Frucht wuchs, an sich feuchte ist. Ein solches Korn hat mehr Feuchtigkeit in sich als anderes, und wenn |352| er sie unter Umständen an andere Körper absezt so nimmt er sie sogleich wieder, wenn diese Umstände sich ändern.

Intieri, der, so gut wie jeder andere, die Getreide-Keller kannte, hatte gewiß nicht auf die Erfindung seiner Korndarre so viel Aufwand an Kraft und Zeit verwendet, wenn das Getreide, welches er aufzubewahren wünschte, sich in unterirdischen Gewölben erhalten hätte. Er wußte daß die schlechte Beschaffenheit dieses Korns, sowohl unter als über der Erde, das Verderben desselben herbeigeführt hätte.

Von dieser Seite aus betrachtet, findet, in unseren Gegenden, der Gebrauch dieser Keller eine neue Beschränkung. Nach nassen Sommern, wird man denselben das Getreide nicht anvertrauen können; eben so wenig werden sie in Gegenden Glut machen, deren Boden feucht ist. Daher haben sie sich nur unter Himmelstrichen erhalten, unter welchen eine brennende Sonne die Feldfrüchte zeitiget, härtet, und dadurch die Capacität derselben zur Feuchtigkeit ändert: selbst in den Gegenden des Russischen Reiches, wo man sie noch antrifft, sind die Sommer zwar kurz aber gewöhnlich troken, und sehr heiß.

Duhamel, der die Getreidegruben ebenfalls gut kannte, erzählt, in seinen Elements d'Agriculture (1. Band. 5. B. 3. K. §. 2.) er habe im Gatinois einen Versuch damit gemacht. Das frische Getreide, welches er darein schüttete, verdarb bald. Diese Gegend ist sehr naß.

Herr Lasteyrie, der wahrscheinlich Unfälle dieser Art befürchtete, giebt folgenden Rath:

„Wenn das Getreide, sagt er, in einer nassen Jahreszeit eingeerndtet worden ist, so wird es nothwendig seyn, es vorher, eine geraume Zeit hindurch, in luftigen Söllern (Böden) umzustechen; oder es in einen Ofen, oder in eine Korndarre zu bringen. Dieses Mittel wird sogar zu den beträchtlicheren Magazinen der Pächter oder der Kornhändler angewendet werden müssen, so oft der Zustand des Getreides, oder der Zustand der Atmosphäre es erfordern wird.“

Was die Benuzung der Korndarre anbetrift, so scheint dieser Vorschlag nicht reiflich überlegt: denn es ist aus dem Vorhergehenden klar, daß man auf diesem Wege, in einem sehr kleinen Räume eine sehr große Menge Getreide, auf das vollkommenste, lange Jahre hindurch erhalten kann, und es würde eine Art von Verwegenheit seyn, dem dunklen Schöße der Erde anzuvertrauen, was sich weit sicherer auf der Oberfläche derselben erhalten ließe; es sey denn, man wollte diese Habe vor feindlichen Armeen verbergen. Also eine Korndarre und keine Gruben, oder Gruben und keine Korndarre.

|353|

Da indessen die Völker, die sich der Korngruben bedienen, ihr Getreide einige Tage an die Sonne legen, und Herr Lasteyrie, um denselben Zwek zu erreichen, in begeben angeführten Stelle, ein langes Lüften desselben empfiehlt, so wird es nicht undienlich seyn den Werth dieses Verfahrens näher zu beleuchten.

Folgende Versuche sind belehrend. Intieri nahm absichtlich zu denselben Weizen von schlechter Qualität.

1. Versuch. Er brachte, den 30. August 1752, 25 Maas Weizen in einen Bakofen, und ließ ihn darin 2 Stunden 50 Minuten. Das vorige Volumen fand sich bis zu 23 1/3 Maas vermindert. Aber es nahm nach und nach wieder zu, so daß er den 1. Jänner des folgenden Jahres sogar 25 1/3 Maas fand.

2. Versuch. Im Jahre 1753, den 18. August, brachte er wiederum 25 Maas Weizen in einen Bakofen. Nach 3 1/4 Stunden, fanden sich nur 24 Maas. Auch hier vermehrte sich nach und nach wieder das Volumen, und den 20. Febr. bei trokener Witterung fanden sich 25 1/2 Maas.

3. Versuch. Den 26. September 1753. erhielt er nach 3 1/4 Stunden, von 25 Maas, 24 1/2; und den 20. Februar, bei trokner Witterung waren diese zu 252/3 Maas angewachsen.

Auch Duhamel wußte, daß gedörrtes Getreide Wasser aus der Luft aufnimmt: Er will daher, daß man es bloß auf dem Lager erkalten lasse, es siebe, und sofort in die Getreidebehälter, die er verschließt bringe. Allein er gerieth nicht auf den Einfall, die Zunahme des Volumens von Zeit zu Zeit zu prüfen.

Jene Versuche strenge genommen, gelten indeß nur für Korn von schlechter Qualität, das heißt von feuchten Jahren, oder auf feuchtem Boden gewachsen. Da nun aber ein solches Korn, durch das Dörren, noch hygroscopischer wird, so folgt daß die vorgeschriebene Manipulation, zum Behuf der Korngruben, nicht allein unnüz, sondern sogar schädlich ist, weil sie das Vermögen des Getreides, Wasser einzusaugen, vermehrt.

Aber es hilft auch nicht, Getreide von guter Qualität, in der Sonne oder durch das Lüften, besonders noch auszutroknen, bevor man es in die Grube schüttet.

Herr Graf Lasteyrie meldet selbst, daß im Königreiche beider Sicilien es in die Felsen gehauene Keller giebt, in welche die Regierung das Getreide der Particuliers aufnimmt, und daß die Kosten für die Niederlage und die Verwaltung allein von dem Ueberschusse bestritten werden, welchen dieses |354| Getreide, durch Vermehrung seines Volumens abwirft. Die Zunahme beträgt ungefähr zwei Procent.

Ein Getreide auf feuchtem Boden gewachsen, oder in nassen Sommern gezeitiget, wird sich also weder in den Sonnenstrahlen, noch durch das Lüften, zu einem langen Aufenthalt in einem Keller vorbereiten lasten. Es wird sehr bald in der trokensten Grube nicht nur seine verlorene Feuchtigkeit wieder annehmen, sondern noch mehrere Procente dazu.

Bevor man in unseren nordischen Gegenden Kornkeller anlegt, muß man durch genaue Versuche die Quantität Feuchtigkeit ausmitteln, welche das Getreide der warmen Länder, wo man sich der Gruben mit Erfolg bedient, besizt, um daran einen Vergleichungspunkt für unser Getreide zu haben. Bis jezt ist hierin gar nichts gethan. Dasjenige was wir über diesen Gegenstand wissen beschrankt sich ungefähr auf Folgendes.

Aus Duhamel'schen Versuchen erfahren wir daß gedörrter Weizen im Gatinois 3 1/2 Procent seines Volumens verlor. Aus den Intierischen, daß Weizen von schlechter Qualität sich um 62/3 Procent vermindert hatte; aus Versuchen in Paris angestellt, daß ein Durchschnitt von 5 Versuchen, bei verschiedenen Wärmegraden, mit Weizen angestellt, nach völliger Erkaltung, einen Verlust von 422/57 im Maase gab, und aus Versuchen mit Hannövrischem Roggen, vom Jahre 1754, daß beinahe 5 Proc. und von Roggen vom Jahre 1755, sogar 8 1/3 Procente, Verlust, dem Volumen nach, erfolgte. Es ist kaum denkbar, daß Weizen mit 6 1/2 Procent Wasser, und noch viel weniger Roggen mit 8 1/3 Prozent sich, selbst in der besten Grube erhalten wird, indem es höchst wahrscheinlich ist, daß der Weizen wenigstens um 3 Procent und der Roggen wenigstens um 4 Procent zunehmen wird, und daß daher eine innere, durch diese große Feuchtigkeit bewirkte, Zersezung der Mehltheilchen, das Verderben dieses Getreides zur Folge haben wird.

Da solche Getreide-Keller mit einem male gefüllt werden müssen, so ist es auch sehr wahrscheinlich, daß man sie, im allgemeinen genommen, nicht nach und nach wird ausleeren können.

„Man hat mir zu Barcelona gesagt, schreibt Herr Lasteyrie, daß man diese Gruben innerhalb drei Tagen leeren muß, weil sich sonst das Getreide erhizt, und einen Geruch verbreitet, der für die Arbeiter tödlich ist. Ich verbürge nicht die Wahrheit dieser Behauptung, weil ich vielmehr in Toskana, aus diesen Behältern, zu verschiedenen malen, Getreide ohne Nachtheil für dasselbe herausholen sahe, so oft |355| man welches, für den eigenen Gebrauch, oder für den Handel nöthig hatte.“

Er gesteht indeß doch, daß wenn er die Hand in das eben herausgeholte Getreide stekte, er eine gewisse Wärme empfand. Die Keller von welchen er spricht waren nicht groß, mit Quadersteinen gemauert, sehr troken unter dem Hause, und doch spürte er in der Frucht etwas Wärme. Wie werden sich bei solcher Behandlung, große Getreidemaßen verhalten, in minder troknen Behältern, beim öfteren Zutritt der äußeren warmen Luft! Was Graf Lasteyrie in Toscana sah, widerlegt nicht was man ihm in Barcelona sagte.

Krüniz berichtet. Band 44, S. 655. folgendes: „In Lithauen und in der Ukraine verwahren die Leute ihr Getreide fast eben so in Gruben oder Löcher, die sie an troknen Orten machen. Allein bei Eröffnung dieser Vorrathspläze, müssen sie sehr sorgfältig verfahren; denn wenn Personen hineingestiegen sind, ehe genug frische Luft dazu kommen konnte, sind sie von dem Dampfe erstikt.“

In Schrebers Sammlung verschiedener Schriften, 10ter Th. Halle 1763. Nachricht von der Art wie die Kosaken in der Ukraine das Getreide aufbewahren, heißt es: daß wenn man einmal anfängt dergleichen Korngruben zu offnen, so muß man auch mit einem male den ganzen Haufen heraus nehmen, denn sonst entzündet er sich und verdirbt.

Diese übereinstimmenden Behauptungen, zumal da sie in Gegenden gemacht werden, die von einander so entfernt sind, verdienen gewiß große Aufmerksamkeit.

Man sieht hieraus, daß in gewissen Gegenden, unter gewissen Umständen, man, ohne Nachtheil für die Früchte, die Gruben oft öffnen und nach und nach leeren kann; daß in anderen Gegenden, sich in diesen unterirdischen Behältern ein Dunst einfindet, der tödtlich ist, wenn man nicht für frische Luft sorgt; dieser Dunst, oder wie es in Barcelona heißt, dieser Geruch, deutet offenbar auf eine anfängliche Zersezung des Getreides, die sich in dem Toscanischen durch eine gewisse Wärme verkündet, und in Barcelona, wo der Grund vielleicht minder günstig, oder das Getreide von anderer Beschaffenheit ist, in förmliche Erhizung übergeht.

Dieser unangenehme Umstand beschränkt wiederum den Gebrauch der Fruchtkeller. Sie scheinen daher besonders für den Fall brauchbar, wo das Getreide Jahre lang liegen bleibt, ehe sich ein vorteilhafter Handel schließen läßt; oder in Gegenden, in welchen große Getreide-Vorräthe der Raubsucht des Feindes zu entziehen sind; in Festungen, wo die |356| Kornvorräthe, vor Bomben und Brand geschüzt werden müssen; sie schiken sich für öffentliche Magazine die erst nach mehreren Jahren benuzt werden sollen. Aber in Gegenden, wo der öffentliche Verkehr, der wöchentliche Markt, eine große Bewegung im Kornhandel, die Oeffnung dieser Keller zu oft nöthig macht, scheinen sie entweder für den Eigenthümer unbequem und lästig, oder für die Frucht selbst nachtheilig zu seyn, und wenn man sie mit einem male leeren müßte, zur Zeit wo man nur wenig Korn braucht, wohin mit dem Uebrigen!

Eben so wenig sind Fruchtkeller zu Magazinen in Seehäfen brauchbar. Die großen Magazine des Königs in Neapel wurden, ungeachtet des großen Nachtheils, nach der gewöhnlichen Methode behandelt, obgleich die Regierung selbst an vielen Orten Fruchtkeller besaß. Wiederum ein Beweis, daß ihre Benuzung nur beschränkt ist. Und in der That wie würde sich wohl, auf den Schiffen, ein Getreide verhalten, das anstatt trokner zu werden, in der Grube um zwei Procent Feuchtigkeit mehr eingezogen hätte. Längs der Afrikanischen Küste kann solches Getreide leicht, in der brennenden Afrikanischen Sonnenhize, zum Transport brauchbar werden, aber in unseren nordischen Häfen ließe sich dieser Ueberschuß an Feuchtigkeit nicht so schnell entziehn. Selbst unser nordisches gut ausgetroknetes Getreide können die Holländer nicht, so wie sie es kaufen, einschiffen; sondern sie dörren in starker Hize einen Theil desselben, mischen es mit dem andern, und schiffen es so ein. Das ungedörrte Korn sezt nun einen Theil seiner Feuchtigkeit an das gedörrte ab, und beide können, eine Zeitlang, der Nässe der Seeluft ausgesezt werden, und an Ort und Stelle gelangen, ehe sie wieder so viel Feuchtigkeit einsaugen, daß eine Erhizung erfolgen kann.

Was endlich Herr d'Artigues von der Qualität des Mehls aus einem in Gruben aufbewahrten Getreide sagt, wird gewiß jedem Sachverständigen einleuchten.

L'expérience prouve, sagt er, que dans les pays méridionaux, où ce moyen est appliqué avec succés, son usage entraine cependant encore une grande détérioration dans la quantité et la qualité des farines provenans des bles enfermés.

Man bekömmt davon weniger Mehl, weil es zu feuchte ist, um es von der Kleie hinlänglich zu scheiden: und ein schlechteres Mehl vermuthlich weil eine anfängliche, durch die größere Feuchtigkeit hervorgebrachte Zersezung im Inneren, die gute Beschaffenheit des Mehls schon etwas modificirte.

|357|

17. Luftdichte über der Erde aufgerichtete Kornbehälter.

Der Uebergang der unterirdischen Fruchtbehälter zu ähnlichen Einrichtungen über der Erde, war leicht.

Horlemann, ein Schwede, machte seine Landsleute auf diese Konstruktionen aufmerksam, weil in seinem Vaterlande der fast durchgängig feuchte Boden, Getreidekeller nicht gestattet.

Seine Ansichten über diesen Gegenstand, findet man im siebenten Bande der Abhandlungen, der königl. schwedischen Akademie der Wissenschaften, Jahrgang 1745. Er benuzte eine Idee des Herrn von Buttler, der im Jahre 1739 auf 2 Bogen in Folio, und 3 Bogen dazu gehörigen Zeichnungen, diesen Vorschlag gemacht hatte. Später beschäftigte sich J. Fagot mit demselben Gegenstande, und brachte verschiedene Modifikationen an, die zu Stokholm, in einer Schrift erschienen, unter dem Titel: J. Fagot, Förbätting pä Kornhus byggnad. Stokholm 1758, von welcher man eine Uebersezung in Schrebers Sammlung etc. 9ter Theil. Halle 1762. findet.

Es ist leicht begreiflich, daß wenn über der Erde, dieselben Ursachen zusammentreffen, die unter der Erde zur Erhaltung des Getreides zusammenwirken, nämlich: Trokniß, Kühle, Entfernung der äußeren Luft, so werden die Resultate dieselben seyn. Nun kann man durch die Dike der Mauern, und Abwesenheit aller Fenster, eine große Kühle in einem solchen Behälter erkalten, und es ist sehr wahrscheinlich daß die Temperatur darin selbst in heißen Sommern, nicht über 10 Grad steigen würde. Es giebt keinen Grund warum solche Behälter feuchter seyn sollten als die trokensten Keller, man muß vielmehr erwarten, daß sie noch trokener seyn werden, weil die Luft die sie umgiebt die Feuchtigkeit, die bei feuchtem Wetter eindringen will, bald wieder an sich zieht.

Alles Getreide was sich in trokenen Kellern erhalten läßt, wird also auch hier eine eben so zwekmäßige Lagerstätte finden, und was zu feuchte ist, in Kellern gut zu bleiben, wird auch hier verderben.

Da die Feuchtigkeit in die Mauern eindringt, und alle mit denselben in Berührung stehenden Körper nach Capacitäts-Verhältnissen sie einsaugen, bis das hygroscopische Gleichgewicht hergestellt ist, so ist sehr wahrscheinlich, daß die Frucht hier, wie in den Gruben, einen Zuwachs von Feuchtigkeit bekommen wird, der auf die Qualität und die Quantität des Mehls einen Einfluß haben muß.

Vor den Gruben, haben diese Thürme den Vorzug, daß das Getreide von oben hineingeworfen, und unten wieder abgelassen |358| werden kann. Das Korn leide also nie in denselben, wenn man etwas davon heraus nimmt, vom Zutritt der äußeren warmen Luft, und sind zugleich bequemer als die Gruben.

Konstruktionen dieser Art bedürfen keine Zeichnungen. Man denkt sich sehr leicht, einen runden oder vierekigten Behälter, mit einer 3 bis 4 Fuß diken Mauer umgeben, unten gewölbt, um die Feuchtigkeit der Erde abzuhalten, auch oben gewölbt, mit einer Oeffnung im Gewölbe, um das Getreide hineinzuschütten, unten mit einer Rinne versehen, zu welcher eine abschüssig gehende Grundfläche das Getreide hinführt.

Will man der Feuchtigkeit das Eindringen erschweren, so machet man in diesem Behälter, einen Fuß von der Mauer, eine zweite ringsherum auf, die zuerst mir ihrem Gewölbe versehen werden muß, ehe das äußere herübergeschlagen wird. Die obere Oeffnung mit ihrer cylindrischen Seitenmauer verbindet alsdann beide Gewölbe.

Die innere Mauer kann aus bloßen Lehmsteinen versezt werden, die wohlfeiler sind; sich nie beschlagen, und den inneren Raum trokner erhalten als die gebrannten Steine.

Der Raum zwischen beiden Mauern kann leer bleiben, oder mit Sand, mit Kohlen, oder mit Asche gefüllt werden.

Zu großen Magazinen müßte man unter einem einzigen Dache mehr solcher Thürme neben einander aufbauen. Die inneren würden gewiß sehr kühl und troken seyn.

Nach Graf Lasteyrie findet man diese Idee im Kleinen in Italien, in mehreren Häusern ausgeführt. Er glaubt daß solche Magazine für kleine Gutsbesizer ganz passend sind, zu großen Magazinen findet er sie zu kostspielig.

Aus Herr d'Artigues bereits angeführten Abhandelung erfahren wir, daß die Pariser Regierung auch Versuche mit solchen überirdischen Getreide-Behältern befohlen hat. Die Resultate sind noch nicht bekannt.

Es wurde mir versichert, daß man auch in Ungern anfängt sich dieser Thürme zu bedienen. Das Wasser, welches daselbst oft in die Gruben kommt, sollte wenigstens in diesem Lande, den ersten den Vorzug sichern.

Uebrigens ist diese Idee nicht neu. Schon die Alten waren darauf gekommen. Plinius, Historia Nat. Buch XVIII. Kap. 73. sagt: Horrea operose tripedali crassitudine, pariete lateritio exaedificari jubent aliqui, praeterea superne impleri nec afflatus admittere, aut fenestras habere ullas.

Die Methode, das Getreide vermittelst einer Temperatur zu erhalten, die zur Entwikelung des Vegetationsprocesses |359| zu niedrig ist, scheint in allem Wesentlichen erschöpft zu seyn.

Sie hat das Unangenehme, daß der Erfolg derselben von der Natur des Bodens, und von der Beschaffenheit des Getreides abhängt, daß sie also nicht allgemein werden kann, überdieß auf die Qualität und die Quantität des Mehls einen nachtheiligen Einfluß hat.

Da man nun nicht über Localitäten gebieten, und eben so wenig die Beschaffenheit des Getreides andern kann, so bleibt nichts übrig, als sich nach einem anderen Wege umzusehn, indem es überdies unter mehreren Umständen nöthig ist, in dem aufzubeWährendem Getreide, die Vegetationskraft zu erhalten, und die gewöhnliche Methode, das Ziel zwar erreicht, aber mit zu großen Hindernissen verknüpft ist.

18. Hales und Duhamels Blasebälge.

Das einzige Mittel, das zu diesem Zweke übrig bleibt, ist dem Getreide die Feuchtigkeit die es besizt, durch Einwirkung der Luft, auf eine Art abzunehmen, welche die Entstehung der Würmer nicht zuläßt, die Erhizung verhindert, die Anhäufung einer größeren Maße in demselben Räume gestattet, und die sonst auf die Erhaltung der Frucht angewendete Arbeit und Kosten bedeutend vermindert.

Im Jahr 1742 schlug Stephanus Hales127) in der königl. Gesellschaft in London, vierekige Blasebälge von Holz vor, die an die unteren Theile der Kornböden angebracht werden sollten. Sie sollten durch ihr kaltes Blasen, die Entstehung der Würmer verhindern, die Gährung hemmen, die Feuchtigkeit vertreiben, und Schwefel- oder Tabaksdämpfe durch das Getreide jagen um damit die schon entstandenen Würmer zu tödten.

Auch diesen Vorschlag ergriff Duhamel, Den 13. November 1745 verlas er in der königl. Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung über die Art, auf diese Weise den Weizen zu erhalten.

Er verschließt nämlich das Getreide in hölzerne Kasten, mit doppeltem Boden. Beide Boden sind 4 1/2 Zoll von einander. Der obere besteht aus einem engen Drathgeflechte, oder auch aus einem dünngewebten Tuche, und liegt auf hölzernen Leisten, damit er die Last des Getreides tragen |360| könne. Diese Kasten sind mit einem Dekel versehen, und haben einige Oeffnungen, die mit Klappen geschlossen werden. Zwischen beiden Boden öffnen sich die Röhren zweier Blasebälge. Im Dekel sind Windlöcher angebracht, welche aufgemacht werden, wenn jene in Bewegung sind.

Diese Methode hat schon einigen Vortheil vor der gewöhnlichen. In den verschlossenen Kasten ist nämlich der Weizen vor dem Mäusefraße und größtentheils auch vor dem Wurmfraß gesichert. Sie schüzt ferner das, in dem verschlossenen Kasten befindliche Getreide, vor der Raubsucht der Arbeiter. Im Großen erspart sie Arbeitslohn, weil die Blasebalge alsdann vermittelst Windflügel in Bewegung gesezt werden müssen: im Kleinen aber muß man diese Arbeit durch Tagelöhner verrichten lassen. Wobei die Kosten des Umstechens, auf die Bewegung der Ventilatore verwendet werden.

Herr Stromayer in Hannover erhielt Befehl von seiner Regierung diese Methode zu prüfen. Er nahm absichtlich dazu noch feuchtes Getreide, und behandelte es in einem Kasten, der 6 Fuß im Quadrat hielt, und 5 1/2 Fuß hoch war. Er ließ mit Fleiß diesen Roggen in Säken stehen, bis er einen mulstrigen Geruch angenommen hatte. Dann erst wurde er in den Kasten gebracht. Man ventilirte ihn den 28ten und 29ten Dezember 1754, den 4ten und 11ten Jänner 1755; und nun war der mulstrige Geruch ganz verloren. Man fuhr jezt mit dem Ventiliren alle 4 Wochen fort, aber im Monat Mai wurde der Roggen ganz warm; man ließ daher die Blasebälge den 10, 12, 14, und 22ten dieses Monats in Bewegung sezen, wodurch sich Geruch und Wärme wieder verloren. Im Juni fieng er aufs neue an, warm zu werden, daher den 7, 12, 16, 18ten dieses Monats mit dem Lüften fortgefahren, und der vorige Zustand wieder hergestellt wurde, so daß man ihn nunmehr alle 4 Wochen ventilirte, bis endlich im Monat September, nachdem er 9 Monate in dem Behältniß gewesen war, man ihn gesund und von allem Gerüche befreit, herausnahm und verbakte.

Dieser unzweideutige und belehrende Versuch zeigt zwar die Zwekmäßigkeit dieser Methode, wenn sie zur rechten Zeit angewendet wird, zugleich aber macht er auf die Gefahr der geringsten Versäumniß aufmerksam. In den verschlossenen Kasten wird es nicht leicht seyn, zumal wenn sie groß sind, die anfängliche Erhizung wahrzunehmen, und die nöthigen Visitationen werden oft geschehen, wenn es mit dem Uebel zu weit gekommen seyn wird. Erwagt man ferner, daß die Taglöhner die Arbeit sehr oft nachlässig oder halb verrichten, daß in großen Magazinen gerade Windstille eintreten kann, |361| wenn der Wind am nothwendigsten seyn würde, so sieht man deutlich das Unzuverlässige dieser, sonst an sich guten Methode, ein. Sie löset also die Aufgabe auf keine befriedigende Art.

Schon Duhamel bemerkt, daß, zur Aufbewahrung, nur gutes, trokenes, in trokenen Jahren gewonnenes Getreide, welches vollkommen von allem Staube gesäubert werden muß, in die Kasten gethan werden darf. Er fühlte also selbst die Unzuverlässigkeit seiner Methode.

Dieses innere Gefühl, welches er indeß nirgend bestimmt ausspricht, bewog ihn später, die frühere Vorschriften zu modificieren, und für seine Kasten gedörrtes Getreide zu verlangen. Er hatte indeß zu seinen Blasebalgen, und seinen Windflügeln eine solche Vorliebe gefaßt, daß er diese, dem ohngeachtet, beibehielt, obgleich er aus dem Erfolge der Intierischen Bemühungen sehr gut wußte, daß sie bei gedörrtem Getreide vollends unnüz sind.

Sobald aber zu dieser Methode eine Fruchtdarre erfordert werden sollte, so wird in dieser der Keim größtentheils vernichtet, und Duhamel hat folglich die Aufgabe die uns jezt beschäftigt, nicht gelöset.

19. Herr Bildts Verfahren.

Knut Bildt, ein großer Landwirth in Schweden, berichtete im Jahr 1793 an die königl. Academie der Wissenschaften zu Stokholm, daß er durch ein besonderes Mittel, seit mehreren Jahren, und mit vielem Nuzen, sein Getreide aufbewahrte. Bei seiner Methode sey weder Umstechung, noch irgend eine andere Art von Pflege nöthig. Sie bestünde darin, daß er das ausgedroschene Getreide von seiner Spreu nicht reiniget, sondern den ganzen Ausdrusch, in einen Kasten wirft; daß sein Getreide sich darin, unangerührt, mehrere Jahre, ohne dumpfig zu werden, ohne irgend einen Schaden zu leiden, erhält; daß nach 3 bis 4 Jahren er jedesmal seinen Roggen zur Aussaat gleich gut fand, und von demselben die reichesten Erndten erhielt.

Was dieser Methode zuspricht ist die hinlänglich bewährte Erfahrung, daß alles Getreide in der Aehre, sich ohne zu verderben eine lange Reihe von Jahren erhalten läßt.

Herr Lasteyrie erzählt uns über diesen Umstand eine auffallende Anekdote. Ihm wurde auf seinen Reisen in Schweden versichert (certifié) daß man, im Norden des Reiches, mitten in den Wäldern, große Kornhaufen entdekt habe, worin das Korn noch vollkommen erhalten war, obgleich diese |362| Haufen zu einer Zeit mußten gemacht worden seyn, in welcher hier Felder und noch keine Waldungen waren.

Dieselbe Methode, nämlich die Garben zu großen Haufen aufzuthürmen, wird von einigen großen Gutsbesizern in Frankreich angewendet: man findet sie auch bei andern Völkern, und ich führe sie hier an, nicht um dieses Verfahren zur Nachahmung zu empfehlen, sondern bloß um den Einfluß der Hülse und der Umgebungen der Körner in der Aehre, auf die Erhaltung der Frucht begreiflich zu machen.

Ueber die Bildtsche Methode spricht sich Herr Lasteyrie folgendermaaßen aus:

Il ne faut pas oublier, sagt er, deux procédés, dont l'un est usité par quelques cultivateurs en France, et l'autre l'est en Pologne. Le premier consiste à conserver dans des Greniers ordinaires le grain avec la balle qui reste après le battage..... Nous ne pensons pas qù un pareil moyen, qù on ne sauroit employer dans les réserves un peu considérable, puisse garantir le grain des insectes et des souris, ni le soustraire aux influences de l'Atmosphère, et aux autres dégats, aux quels il se trouve exposé dans les greniers ordinaires.

Herr Lasteyrie sagt also zuerst, daß einige französische Landwirthe ihr Getreide wirklich auf diese Art aufbewahren, – daß er aber nicht glaube, daß dieses Mittel zureiche das Getreide vor Würmern und Mäusen, vor dem Einfluß der Atmosphäre, und vor den anderen Zerstörungsmitteln zu schätzen, die es auf gewöhnlichen Söllern verderben.

Es kann dem Herrn Grafen zugegeben werden, daß diese Methode nicht für große Magazine tauglich ist, weil sie einen großen Raum einnimmt, und zur Bildung einer Getreide-Niederlage große Unbequemlichkeiten nach sich ziehen würde. Aber diese Hindernisse verschwinden ganz, oder vermindern sich wenigstens sehr, wenn der Landeigenthümer selbst Getreide zurüklegen will. Er braucht nicht genau zu wissen, wie viel er ausgedroschen hat, eine ungefährige Schäzung kann ihm genügen; wenn er auch wirklich dadurch zwei drittel mehr aufzubewahren hätte, so kann er es um so viel höher aufschütten, und wenn er endlich etwas mehr Zeit oder Arbeiter gebraucht um dieses noch nicht gereinigte Getreide von der Tenne in die Kasten zu bringen, so erspart er später hin das Zehnfache, an Wartung und Umstechungskosten, und er reiniget es nach und nach, wie die Umstände es erfordern.

Aber die Unzulänglichkeit dieser Methode kann ich dem Herrn Grafen so geradezu nicht einräumen. Wir haben das Zeugniß eines Herrn Bildts in Schweden, welches keiner |363| seiner Landsleute widersprochen hat, wiewohl Niemand in diesem Lande, so weit ich es erfahren konnte, sich bewogen fand sein Beispiel nachzuahmen: allein die Rigen waren damals fast allgemein eingeführt worden. Wir haben ferner das Beispiel der französischen Eigenthümer, die sich bei dieser Methode wohl befinden, und sie nicht beibehalten wurden, wenn sie die Nachtheile der gewöhnlichen Methode hätte. Ich glaube daher nicht, daß ein bloßes Nous ne pensons pas des Herrn Grafen Lasteyrie, so schäzbar sonst auch das Unheil dieses thätigen Mannes ist, das Resultat jener positiven Thatsachen überwiegen kann.

Es leuchtet mir vielmehr ein, aus theoretischen Ansichten, daß diese Methode die Erhaltung der Frucht befördern muß: Erstlich werden durch die Spreu die Körner mehr von einander entfernt: dann entzieht ihnen diese Spreu die Wärme die sich im Inneren entwikelt, allmählig wie sie sich entwikelt, und leitet sie, zur äußeren Luft hin. Sie verbreitet sich überdieses in einer ungefähr dreimal größeren Masse, und würde schon in diesem Verhältnisse unschädlicher werden, wenn sie auch nicht nach und nach an die äußere Luft abgesezt würde. Endlich hält die Spreu die Feuchtigkeit lange nicht so fest, als das Korn. Nach den hygroscopischen Gesezen vertheilt sie sich in dem Kasten, jedesmal zwischen dem Getreide und der Spreu, und wie diese einen Theil davon an die Luft absezt, geschieht eine neue Vertheilung, bis sich ein hygroscopisches Gleichgewicht zwischen den anziehenden Kräften des Getreides, der Spreu und der Luft einfindet, dessen Oscillationen alsdann bloß noch von dem jedesmaligen Zustande der Atmosphäre abhängen. – Theoretische Ansichten die einen Werth bekommen, weil sie mit Resultaten der Erfahrung übereinstimmen.

Wenn nun die französischen Gutsbesizer ihren Austrusch aufschütten, ohne ihn wie Herr Bildt in Kasten aufzubewahren, so hat Herr Lasteyrie Recht, wenn er das Verfahren seiner Landsleute in dieser Beziehung tadelt; sie schüzen so ihr Getreide nicht vor den Verwüstungen der Mäuse. Dieser Vorwurf trift aber nicht das Hauptverfahren, sondern bloß die Nachlässigkeit jener Gutsbesizer, die den Vorschlag des Herrn Bildts unvollständig nachahmen.

Was die Würmer anbetrifft, so erwähnt sie Hr. Bildt gar nicht, auch Herr Lasteyrie hat für seine Meinung keine Thatsache. Ich will indeß nicht leugnen, daß sich nicht einige auf der Oberfläche der Kasten, bei günstigen Gelegenheiten, einfinden könnten; allein man wird die Phalänen leicht abhalten, wenn die Oberfläche des Getreides im Kasten, |364| mit bloßer Spreu, einige Finger hoch, bedekt ist, und es ist nicht wahrscheinlich, daß der schwarze Wurm, in die hohen Kasten kriechen, und sich durch diese Spreu den Weg nach den Körnern hin bahnen wird. Man weiß überdieses, daß dieses Ungeziefer sich nur einige Zoll tief unter der Oberfläche aufhielt. Da nun hier weniger Körner liegen, wird der Nachtheil, den er anrichtet, falls er dahin dringen sollte, nur geringe ausfallen, und da die Kasten sehr tief seyn können, so läßt sie ohne großen Verlust die beschädigte Oberfläche wegheben.

Endlich empfiehlt sich diese Methode noch durch ihre Allgemeinheit. Denn feuchtes schwedisches Getreide, und trokneres französisches lassen sich auf diese Weise sehr gut aufbewahren, woraus man schließen muß, daß die Beschaffenheit der Frucht bei diesem Verfahren gleichgültig ist. Und so zeigt sich diese Methode, unter allen Gesichtspunkten, als die brauchbarste unter allen bisher gewürdigten, für den Landmann.

Die zur Aufbewahrung dieses Getreides nöthigen Kasten, sind nicht kostspielig. Sie können aus mehreren Stüken bestehen; die über einander gelegt, und so hoch aufgeschichtet werden, als man will. Der unterste allein hat einen Boden, die übrigen sind bloße Rahmen, die mit hölzernen Klammern und Keilen an einander gezogen und befestigt, oder auf irgend eine andere Art zusammen gefügt werden können, will man sie verschließen, so läßt sich ein, mit einem Drathgitter versehener, Dekel anbringen.

In dieser Methode findet der Gutsbesizer ein sicheres Mittel sich in guten und wohlfeilen Jahren etwas Getreide für die Zukunft zurükzulegen. Wenn er alle Jahre nur etwas aufschüttet, so wird es ihn nicht schwer fallen sich einen Vorrath auf drei Jahre zu bereiten, und in schlechten Jahren hat er wohlfeiles Brod- und gutes Saatkorn. Alle drei Jahre könnte der alte Vorrath gegen frisches Getreide umgetauscht werden.

20. Anwendung dieser Methode zu Krieges-Vorräthen.

Dieses Aufbewahrungsmittel scheint mir das einzige zu seyn, welches der Staat ohne den Landmann zu drüken, benuzen könnte, um sich auf die unvermeidlichen Zeiten des Krieges mit wohlfeilerem Getreide zu versehen. Ich wage es meine Gedanken, über diese höchst wichtige Sache, hier niederzulegen.

|365|

Jeder Soldat erhält täglich eine Portion Brod, wenigstens zu 1 1/2 Pfund Brod. Ein Zentner Roggenmehl gibt 92 bis 93 solche Portionen, und demnach 139 bis 140 Pfd. Brod.

Zu einem Zentner Roggenmehl sind ungefähr 108 Pfd. Roggen nöthig.

Eine Armee von 50,000 Mann bedarf täglich 75,000 Pfund Brod; wozu täglich 57,857 Pfund Roggen erforderlich sind, und folglich sind 21,118,170 Pfund Roggen, für 365 Tag oder für das ganze Jahr, und wenn nichts zu Grunde geht, 63,354,510 Pfund Roggen für 3 Jahr nöthig.

Ein baierischer Scheffel, guter Roggen, (oder 6,4867 Pariser Kubikschuh) wiegt ungefähr 308 Pfund. Folglich würde eine Armee von 50,000 Mann, jährlich 65,406 Scheffel und auf drei Jahr, 206,216 Scheffel Roggen verbrauchen.

Da der baierische Scheffel 64,867 Pariser Kubikfuß enthält, so würden 206,216 Scheffel Roggen, oder der Vorrath für 3 Jahre, 1,272,807 Kubikschuh betragen.

Nehmen wir an, daß, bei einer Bevölkerung von vierthalb Millionen Menschen, die Zahl der Familien sich auf 90,000 belaufe; rechnen wir, daß nach Abzug der Stadtbewohner, der Handwerkstreibenden, der Tagelöhner, der kleinen Eigenthümer 30,000 Familien zur Aufbewahrung dieses Getreides in Anspruch genommen werden können, so würde im Durchschnitt eine jede dieser Familien 42 Kubikschuh Getreide aufzubewahren bekommen, sollte ich mich nun bei dieser Annahme verrechnet, und diese Zahl zu groß genommen haben, so würde doch die Zahl dieser Kubikschuh Getreide, nicht wesentlich anwachsen; denn, wenn es nur 15,000 solche Familien geben sollte, würden auf jede, anstatt 42, 84 Kubikschuh fallen.

42 Kubikschuh sind ungefähr 63/4 Scheffel.

Angenommen man zahlte den Scheffel, in guten Zeiten, zu 9 Gulden so würde dieser Roggen 1,855,944 Gulden kosten.

Wenn man erwagt, daß bei jedem angehenden Kriege, oder wenigstens bald nachher, der Preis des Roggens beträchtlich, und oft doppelt so hoch steigt, und daß man in diesem lezten Falle zum Ankauf desselben, ein Kapital von 3,711,888 Millionen Gulden verwenden müßte; erwägt man ferner daß man im Durchschnitt kaum 10 Jahr vor sich hat, ohne in einen Krieg verwikelt zu werden, so verdient gewiß eine Ersparniß, wie diese, beherzigt zu werden.

|366|

Es ist freilich wahr, daß der Staat, der zu seinen laufenden Bedürfnissen, seine regelmäßige Einkünfte verwendet, von diesen nichts abbrechen kann, um eine so bedeutende Summe mit einemmale zu bezahlen. Auch eben so wahr ist es, daß man diese Summe durch keine neue ausserordentliche Auflage herbeischaffen dürfte; indeß kann man eben so wenig leugnen, daß sämmtliche Gemeinden des Staates sie doch einst, früher oder später, werden zahlen müssen: denn die ausserordentlichen Krieges-Bedürfnisse werden am Ende auf alle Klassen repartirt.

Aber die große Schuldenlast, die sich seit Jahrhunderten angehäuft hat, und die abbezahlt werden muß, erschöpft, auf lange Zeit, die zu solchen wohlthätigen Einrichtungen sonst vorhandenen Kräfte: daher müssen die Eigentümer des zu liefernden Getreides, anstatt baares Geld, mit Billets au porteur bezahlt werden. – Zwar ein Papiergeld, aber doch ein Papiergeld von besonderer Art, welches mit den gewöhnlichen Staatspapieren nicht verglichen werden kann.

Die gewöhnlichen Staatspapiere haben zur Hypothek entweder Staatsdomänen, oder bestimmte indirekte Einkünfte. Die ersten können nach den konstitutionellen Gesezen der Staaten nicht veräußert werden, und haben also nur als Hypothek einen imaginairen Werth. Die anderen leisten eben so wenig eine hinreichende Garantie, weil es immer von der Allgewalt der höchsten Staatsbehörde abhängt, sie, gegen den Willen der Creditoren, zu anderen Zweken zu verwenden.

Im gegenwärtigen Falle aber, werden die Billets au porteur durch ein reelles Unterpfand repräsentirt; – ein Unterpfand, welches in den Händen der Particuliers bleibt; welches nicht dem Staate, sondern den einzeln Gemeinden gehört, die es zahlen, und die ein besonderes Interesse haben, für die Unterhaltung desselben zu sorgen. – Ein Unterpfand welches von sämmtlichen Gemeinden des Staats augenbliklich wieder in seinen vollen Werth hergestellt werden muß, sobald ein Theil desselben, zu dem bestimmten Zwek verwendet worden ist. – Ein Unterpfand für welches nicht die Finanzbehörde, sondern die Administration des Inneren, und unter ihrer Oberaufsicht die Kreisregierungen besonders zu wachen haben.

Dieser Getreide-Vorrath muß daher unter der unmittelbaren Aufsicht der Vorsteher einer jeden Gemeinde stehen. Dem Kriegesdepartement würde in Bezug auf denselben keine andere Befugniß obliegen, als sich durch angemessene Mittel |367| die Versicherung zu verschaffen, daß die nöthigen Vorräthe auch wirklich, und in der erforderlichen Güte, vorhanden sind.

Die Emission der zur Zahlung des anzukaufenden Getreides nöthigen Papiere liegt in den Attributen des Krieges-Ministers, weil er in Kriegeszeiten, der Regel nach, die Kontrakte schließt. Er unterzeichnet die Papiere. Damit aber jedem Misbrauch vorgebeugt und der willkührlichen Vervielfältigung derselben, ein unübersteigbarer Damm entgegenstellt werde, müssen sie, unter die Garantie beider Kammern gestellt von den beiden Präsidenten und Secretairen contrasignirt, und mit den nöthigen Cautelen, gegen möglichen Betrug, verfertigt werden.

Da diese Papiere an und für sich keine Zinsen tragen, sondern ein reelles deponirtes Kapital repräsentiren, so gibt es keinen Grund, warum sie unter ihren Nominalwerth sinken sollten, sie circuliren daher im Handel und Wandel als baar Geld, und werden, als solches, bei allen Rentämtern, und in allen königl. Kassen angenommen.

Es läßt sich sogar mit Gewißheit voraussehen, daß sie sehr gesucht seyn werden, besonders zu Zahlungen in die Ferne, und in dieser Hinsicht selbst über ihren Nominalwerth steigen würden: denn es ist nicht immer leicht auf Pläze hm, die außerhalb der Handelsstrassen liegen, Wechsel zu bekommen.

Um die Circulation derselben zu erleichtern, müßten sie nur kleine Summen repräsentiren; die niedrigsten, nicht unter zehn Gulden, die höchsten nicht über 50.

Tritt ein Krieg ein, so werden aus diesen Vorräthen die Feldmagazine und die Festungen verproviantirt, sämmtliche Distrikte, welche ihren Vorrath abgegeben haben, ersezen sogleich das Deficit, um die zur Zeit gangbaren Preise, und schiken den Etat der Ablieferung und des neuen Ankaufs an die Kreise.

Diese besorgen sogleich die Reparation und Einkassirung des auf ihren Kreis fallenden Kostenbetrages, und senden ihn an die betreffenden Kreisregierungen, damit er durch diese, sogleich den Gemeinden zugestellt werde, welche die Vorschüße besorgten. Auf diese Weise, wird der Ankauf niemals drükend, die Vorräthe werden nur immer theilweise ersezt, auf drei Jahr hinaus leidet die Armee keinen Mangel. Es häuft sich keine neue Staatsschuld an, es kann kein Unterschleif mit den zu zahlenden Summen statt finden, keine Lieferanten können sich beim Ankauf des Getreides auf Kosten des Staates bereichern, und die Papiere behalten ihr Unterpfand.

|368|

Was die Aufbewahrung dieses Getreides anbetrifft, so macht sie dem Eigenthümer keine Kosten, außer denen des Kastens; kein Risiko, als derjenige, der durch einen Brands schaden entstehen könnte; keine Mühe als die des Einschüttens, und der Reinigung zur Zeit der Ablieferung.

Ein Kasten, 5 Pariser Fuß ins Gevierte, und 5 bis 6 Fuß hoch, würde hinreichen, wenn wir anstatt 42 Kubikfuß reines Getreide, 126 mit der Spreu annehmen wollen. Da der Dekel mit einem starken Eisengitter versehen, verschlossen seyn würde, so hatte man gegen Veruntreuungen nichts zu besorgen. Niemand würde Ursache haben, sich zu beschweren, weil jeder Landwirth sein Getreide augenbliklich baar, das heißt hier in Billets au porteur, bezahlt bekommen würde. Die einzige Belästigung, die er haben könnte, würde seyn, daß er sich zuweilen, die Besuche des Gemeindevorstandes gefallen lassen müßte. Der Schlüssel zu dem Kasten könnte sogar in den Händen dieses Vorstehers seyn.

Sollte durch Vernachlässigung einiger Gemeindevorsteher, durch Veruntreuung einiger Eigenthümer hier und da dem Unterpfands Abbruch geschehen, so haben die Behörden hinlängliche Mittel in der Hand, das Deficit sogleich ersezen zu lassen.

Solche Magazine können nicht leicht vom Feinde zerstört werden. Werden ganze Dörfer abgebrannt, so kennen die Vorsteher derselben die Zahl der verbrannten Kasten; und in solchem Falle sind sämmtliche Gemeinden des Reiches zum Ersaz verpflichtet. Es wird immer ein geringes seyn, mit der Zerstörung großer Kornniederlagen verglichen.

Durch diese wohlthätige Einrichtung würden die großen Magazine nicht einmal mehr nöthig seyn, und, die Festungen ausgenommen, würde man nach und nach, auf die nöthigen Punkte hin, das Getreide hinführen lassen.

Getreide-Requisitionen des Feindes würden aus eben diesen Vorräthen bestritten, und der Ersaz auf demselben Wege wieder erstattet werden. Könnte die Reparation nicht sogleich geschehen, so würden die betreffenden Gemeinden, die Vorschüsse, zum nöthigen Ankauf, machen.

Sollte zur Zeit, wo die Kriegeskasten ausgeleert werden, kein ungedroschenes Getreide mehr vorhanden seyn, so müßte man freilich bis zur neuen Erndte mit der Füllung warten.

21. Methode des Herrn Marcet von Meziéres.

So gut auch dieses Verfahren ist, so hat es doch das Unangenehme, daß ein Gutsbesizer nie einen genauen Ueberschlag seines Getreides machen kann.

|369|

Herr Marcet de Meziéres, ein reicher Eigenthümer in Frankreich, hat sich einer Methode bedient, welche diesen Nachtheil nicht hat, vielmehr die Uebersicht des Fruchtbestandes außerordentlich erleichtert. Er hat sie seinen Mitbürgern in einer kleinen Schrift bekannt gemacht.

Sobald die Erndte eingebracht worden, läßt er, der dazu besonders eingerichteten Scheune so viel Luft geben, als möglich, um die Austroknung der Garben zu beschleunigen. Gegen die Mitte des August, also unmittelbar nach der Erndte, läßt er dreschen. Das ausgedroschene Korn wird sogleich in einen großen Saal getragen, dessen Fenster gegen Morgen und Mittag offen stehen, und er bedekt damit den Boden, zwei Finger hoch. Wenn das Korn troken ist, welches man an dem Ton erkennt, indem man es von der einen Hand in die andere fallen läßt, so läßt er es durch das lange Siebzehn, wodurch die kleinen Körner, das Unkraut und der Sand vom guten Getreide abgesondert werden.

Zum aufbewahren dieses Getreides bedient er sich diker Säke, die er vorher durch eine starke Lauge in der man ein paar Hände voll grüner Weidenblätter gelocht hat, ziehen läßt. Ein wohl angefüllter, und fest zusammengebundener Sak wiegt 185 Pfund. Wenn sein sämmtliches Getreide sich in den Säken befindet, stellt er 2 Böke (chevalets) 3 Fuß hoch, hin, deren obere Querbalken 8 Zoll in der Breite halten, und die an den Eken abgerundet worden. Auf diese zwei Böke legt er in die Queer 6 Säke, 1/2 Fuß weit von einander. Auf die Zwischenräume fünf; dann vier, auf diese nachher zwei, und endlich einen, so daß sie eine durchlöcherte Pyramide bilden; und so fährt er mit dem übrigen Getreide fort.

Ist dieses geschehen, so macht er die Windladen und die zwei Vorhänge des Saales zu, und ein Gleiches geschieht mit den doppelten Thüren, zu welchen er selbst die Schlüssel verwahrt. Diese Pyramiden berührt er nicht anders, als zum Gebrauch des Hauses und zum Verkaufe.

Da indeß eine zu lange Ruhe eine Gährung befördern könnte, so unterläßt er nicht, im nachfolgenden März, sein sämmtliches Getreide noch einmal durch den langen Sieb zu treiben, und die Säke wieder füllen zu lassen, damit ihr Gewicht beständig sey. Er läßt sie hierauf wieder, wie zuvor, auf einander legen. Zu Ende Junius begnügt er sich einen Sak in den anderen auszuschütten, und sie wieder an ihren Ort zu thun. Wenn er seinen Saal für das neue Getreide nöthig hat, läßt er die übrigen Säke nach der |370| Stadt bringen, und eben so wie auf dem Lande auf einander legen.

Im Weinmonat, läßt er das Getreide in der Stadt durch das runde Sieb laufen; damit ist es fertig gemahlen zu werden, und zum Gebrauche des künftigen Jahres bestimmt; so daß das Getreide von 1761 erst zum Gebrauche vom Jahre 1763 dient.

Da er jeder Zeit mehr als den benöthigten Vorrath nach der Stadt bringen läßt, besonders wenn das Getreide von guter Eigenschaft, und in einem niederen Preise ist, so hat er dessen oft 5 Jahr und länger aufbehalten, ohne daß das Auge einen Unterschied zwischen diesem und demjenigen, das nur ein Jahr alt war, erkennen konnte, und das Brod, mit Brod von neuem Getreide verglichen, war eben so gut befunden.

Indeß aus Furcht die allzugroße Dürre möchte beim mahlen schädlich seyn, läßt er es so lange waschen, bis das Wasser ganz helle davon abfließt, nachdem das erste unrein und braun gewesen war, wird das Korn genugsam wieder getroknet, so läßt es sich sehr gut mahlen. Das Brod wird viel weisser und schmakhafter. Er glaubte also hinzusezen zu können, daß das Getreide noch weit länger, ohne Nachtheil seiner Güte, aufbewahrt werden kann, um so viel wehr, da alle Gefahr von der Feuchtigkeit des Getreides entsteht.

So weit der Auszug aus Hrn. Mezieres Schrift, den ich aus Krüniz entlehne, weil ich die erwähnte Schrift hier nicht erhalten konnte.

An der Richtigkeit der obigen Angaben läßt sich um so weniger zweifeln, da Parmentier, der über unseren Gegenstand viel nachgedacht hat, dieser Methode vor allen übrigen den Vorzug giebt.

Und in der That ist ein so aufgeschichtetes Getreide vor den Mausen sicher, die an den steilen Füßen der Böke, nicht zu den Säken kommen können. – Die Kornwürmer, die sich etwa nicht aus den Körnern, in den Säken, entwikeln, haben dazu keinen Zutritt. – Die Arbeit des Umschüttens wird nur nach großen Zwischenräumen vorgenommen; – die Veruntreuungen werden nicht leicht möglich; – die Luft, welche jeden Sak fast rundherum berührt, leitet Wärme und Feuchtigkeit ab, und die Uebersicht des in einem Magazine enthaltenen Quantums Getreide findet leicht und zu jeder Zeit statt.

Der Ausführbarkeit, selbst im Großen, stehen keine wesentliche Hindernisse in dem Wege, es sey denn die Menge |371| der dazu nöthigen Säke, und die Mühe das Getreide zu troknen, ehe es eingesakt wird. Diese Austroknung geschieht aber schnell, weil das Getreide nur einige Finger hoch liegt, und was die Säke anbetrift, so ist die Auslage, wenn das Magazin groß ist, freilich ansehnlich, für kleine Niederlagen ist sie nicht bedeutend. Kostet jeder Sak 24 kr., so sind zu allem Getreide, welches die Lyonschen öfters erwähnten Magazine, nach der gewöhnlichen Methode, fassen, 6652 Säke nöthig. Wenn jeder Sak 185 Pfund enthält. Dagegen aber würde das Gebäude 1/3 kleiner seyn können, und hätte ungefähr 76,000 fl. weniger gekostet. Die Zinsen dieser Summe, zu 5 p. C., betragen 3800 fl. – und hätten nach 2 Jahren die Säke bezahlt. Einmal angeschaft, dauern sie lange, indem sie wenig angegriffen werden, und bei dieser Methode hätte dieses Institut guten, vor Würmern und Mausefraß gesicherten Weizen gehabt, dessen Umsakung nach langen Zwischenräumen vorgenommen, eine nicht große und leicht zu übersehende Arbeit, verursachet, und wobei der Abfall, unbedeutend, leicht zu berechnen ist, indem die Sake, welche gleich voll gehalten werden, ihr anfängliches Gewicht behalten, und die Verwaltung, an der Zahl derselben, ohne schwieriges Verfahren, sich zu jeder Stunde, mit dem jedesmaligen Betrag des Vorrathes bekannt machen kann.

Wenn indeß zu dergleichen Magazinen sich das Intierische Verfahren empfielt, so scheint das Meziéresche für jene Staatsmagazine brauchbar, die der Aufsicht der Rentämter anvertraut sind, und die zuck Empfang der Zehnten und des Dominical-Getreides bestimmt sind. Es ist notorisch, daß der Staat nach der jezigen Methode, von diesem bedeuteten Zweige seiner Einkünfte, wenig Nuzen hat. Die Verrechnungen des Abganges, durch Mause und Würmer, die Veruntreuungen der Arbeiter und der Aufseher, die Procente welche die Rentbeamten einziehen, schmälern über alle Maaßen den jährlichen Ertrag: da diese Einkünfte mit in das Budjet des Staates, unter die Rubrik der ordentlichen Einkünfte, aufgenommen werden, so sieht sich die Finanzbehörde genöthigt, wenn sie dem Staate etwas davon retten will, um jeden Preis loszuschlagen.

Der Administrator eines Getreide-Magazins, macht im 1 Theil der Sammlungen von landwirtschaftlichen Dingen, herausgegeben von der schweitzerischen Gesellschaft in Bern, Zürich 1760, folgende Berechnung des Verlustes, den man nach 20 Jahren, bei Anwendung der gewöhnlichen Methode erfährt. Ich bediene mich hier seiner eigenen Worte.

|372|

„Wann man gleich viel Kernen wie Dünkel würde aufbehalten, so würde solches (in dem Vorrathshause zu Bern) betragen 144,000 Mäs. Diese würden nicht viel höher als 2 Schuh hoch gelegt werden; und dennoch ist der Abgang im ersten Jahr, wenn der Kernen nicht sauber, noch recht troken, 4 bis 5, nachwärts 2, 1 1/2 endlich noch 1 vom Hundert, so daß zu Zürich in 20 Jahren wenigstens 20 oder 25 von Hundert, daß ist 1/5 oder 1/4 Abgang gerechnet wird.

Dieser würde sich also belaufen auf Mäs28,800
und das Mäs nur zu 12 1/2 Btz. gerechnet, an Geld. – Kronen oder Rthl.14,400
Das Werfen und Sieben rechne ich in den ersten 5 Jahren zu 1/2 kr. das Mäs in 5 Jahren 2 1/2 kr. würde von 144,000 Mäßen betragen 2,600
In übrigen Jahren zusammen rechne nur 1/4 so viel, also in 15 Jahren 3/4 von obigem 1,950
Das Mässen nicht gerechnet, würde also Abgang und Kosten sich belaufen in 20 Jahren18,950“

Rechnen wir dazu, die 2 Procent welche unsere Regierung den Rentämtern bewilligt, die Besoldung des Aufsehers, die Verschlechterung mancher Getreidemaßen, die unter dem Werthe verkauft werden müssen, die Reparaturkosten der Gebäude, so wird man unsere Finanzbehörden zwar nicht tadeln, daß sie diese Art von Gefallen verpachteten, man wird aber das Bedauern nicht unterdrüken können, daß sie die Bemühungen so vieler wakerer Männer unberüksichtiget ließen, oder die Energie nicht hatten das Bessere, wenn sie es kannten, einzuführen und durchzusezen.

Durch die schon eingetroffene Nothwendigkeit das Staatsgetreide unter dem Normalwerth zu verkaufen, entsteht in dieser Rubrik unseres Budjets ein Deficit, welches sich nur augenbliklich durch ein Anlehen deken, und durch höhere Preise, in künftigen besseren Jahren, ersezen läßt. Diese Operation kostet dem Staate die Zinsen dieses Kapitals, und den Verlust der künftigen höheren Preise, die nicht allein auf die Zahlung der Zinsen, sondern auch auf Ersaz des entstandenen Deficits verwendet werden müssen.

Könnte man dagegen, ohne Verlust am Normalwerth des Getreides und ohne weitere Kosten, mit dem Verkaufe, auf bessere Zeiten warten, so würden zwar die Zinsen des nach dem Normalpreise des Getreides aufgenommenen Kapitals von der künftigen Erndte bezahlt werden; das Kapital selbst aber, läge in dem aufgespeicherten Getreide, zur Abzahlung bereit, und wenn man auch auf diese Weise mehrere Jahre hintereinander Geld aufnehmen müßte, um bessere Preise abzuwarten, |373| so würde dem Staat nie dadurch ein Nachtheil erwachsen, denn dieses Geld hat sein Unterpfand, und wenn der Scheffel Roggen nur 11 fl. anstatt 10 kostet, so bezahlt dieser höhere Preis die Zinsen des Kapitals, und diese Rubrik unseres Budjets bliebe nicht einem fortdauernden Schwanken ausgesezt. Nach dem gegenwärtigen Systeme aber wird das Getreide unter seinem Normalwerthe veräußert, und eine Anleihe, die keine Hypothek hat, und die Gläubiger auf den Ertrag kommender Erndten hinweiset, muß ein Deficit deken, welches, ohne ein besonderes, nicht zu erwartendes Glük, auf eine furchtbare Art, von Jahr zu Jahr zunehmen wird, und den Tilgungsfond mit einer neuen Rubrik zu bedrohen scheint. Wer sieht nicht das Verderbliche solcher financieller Operationen ein!

22. Methode des Herrn d' Artigues.

Es ist in der Natur des Menschen Schwierigkeiten zu sehen, wo keine sind, und auch hier wird es nicht fehlen, daß die bloße Zahl der, zu jener Methode erforderlichen Sake vielen ein unüberwindliches Hinderniß erscheine: es könnte auch zu lästig scheinen Säke in Säke, wäre es auch nur ein mal des Jahres umzuschütten. Beide Unbequemlichkeiten beseitiget Herr d'Artigues, ein wohlhabender und edeldenkender Mann, der in seiner großen Manufactur viele Arbeiter beschäftigt, und die Wohlfeilheit des Getreides benuzen wollte, um Weizen für theuere Zeiten aufzuschütten, den er seinen Arbeitern alsdann um billige Preise überlassen wird.

Sein Verfahren hat er kürzlich der Aufmunterungs-Gesellschaft zu Paris vorgelegt. (Jahrgang 1820). Es besteht in folgendem.

Man verbindet auf eine schikliche Art 4 Pfeiler von 4 Zoll ins Gevierte, und die so lang sind, als die Höhe der Scheune, des Söllers, oder des Raumes, worin dieser Apparat angelegt werden soll. Je höher dieser Raum ist, desto mehr wird er fassen.

Die Queerriegel, zwischen den 4 Pfeilern, sind 3 bis 3 1/2 Fuß lang, und sind um 3 Fuß von einander entfernt: ihre Zahl hängt also von der Länge der Pfeiler ab.

Auf diesen Queerriegeln, ruhen zwischen den vier Pfeilern, die Getreide-Kasten. Sie stehen daher einer über dem anderen, und werden folgendermaßen gebildet.

In die senkrecht stehenden Pfeiler werden nämlich große Tafeln von Weidengeflechte eingelassen, und an den Pfeilern mit Zapfen befestiget; diese bilden die Seitenwände der Kasten, |374| deren Boden, die Form eines Mühlentrichters bekommt.

Fig. 12. Tab. XXI. im 3 Bde. ist der senkrechte Durchschnitt einer ganzen Reihe übereinander stehender Kasten.

Fig. 13. ist der horizontale Durchschnitt eines solchen Kastens.

Fig. 14. ist ein abgerissenes Stük von einer doppelten Reihe Kasten, die neben einander aufgerichtet werden.

Es ist klar, daß die Kasten hier die Stelle der Sake der vorigen Methode vertreten. Das Getreide in denselben ist den Mäusen unzugänglich. Es ist nicht wahrscheinlich, daß der schwarze Wurm sich in die Kasten einniste und da sie bedekt seyn können, so sind sie vor der Kornmotte gesichert. Die Luft umgiebt von allen Seiten die Kasten, und kühlet das Getreide, und anstatt daß, nach der vorigen Methode, ein Sak in den anderen geschüttet wird, darf hier nur das Getreide des oberen Kastens in den unmittelbar unterstehenden gelassen werden. Man fängt mit dem untersten an, den man in einen auf Räder stehenden Kasten ausleeret: ist alles Getreide aus demselben herausgelaufen, so verschließt man, vermittelst eines Schiebers, die Oeffnung, und öffnet nun die Mündung des unmittelbar darüber stehenden, und fährt so fort bis der oberste Kasten ebenfalls ausgelaufen ist. Dann bleibt nichts übrig als den obersten Kasten, mit dem Getreide zu füllen, welches man aus dem untersten in den Rollkasten abließ. Diese Operation vermindert ungemein die Arbeit, denn alle Behälter, den obersten ausgenommen, füllen sich von selbst. Die Lüftung des Getreides geschieht, indem es durch den Trichter in den Kasten fällt, und man kann sie dadurch befördern, daß man unter der Mündung des Trichters ein kleines Rost von Holz anbringt, durch welches die Körner im fallen mehr zerstreut, noch besser gelüftet werden. Auf diese Weise kann ein einziger Mann in sehr kurzer Zeit einige 50 Scheffel lüften, und hat bloß 3 oder 4 hinauf zu tragen oder zu winden.

Ein Kasten der 3 1/2 Pariser Fuß ins Gevierte hat, und 3 Fuß hoch ist, faßt gut 5 baierische Scheffel Getreide. Eine Reihe solcher Behälter, wenn sie 21 Fuß hoch ist, wird nahe an 35 Scheffel enthalten.

Bringt man 2 Kastenreihen neben einander so erspart man eine Reihe Pfeiler; alsdann aber müssen die mittelsten auf der einen Fläche breiter seyn, damit Luft zwischen den Kasten circulire, und 6 Zoll anstatt 4 haben. Dasselbe gilt auch für zwei neben einander parallel laufende Reihen.

|375|

In großen Magazinen, muß zwischen zwei solchen Systemen von Kasten, ein hinlänglicher Raum zu den nöthigen Operationen gelassen werden.

Herr d' Artigues hat jezt ein besonderes Local zu einem größeren Vorrath, nach dieser Methode, einrichten lassen. Es ist im Lichten, 20 Fuß breit, 56 Fuß lang, und 30 Fuß hoch. Er will darin 4000 Hectolitres Weizen (ungefähr 1709 baierische Scheffel) aufschütten. Die Kosten der Einrichtung werden sich auf 4 bis 5000 Francs belaufen. Auf der Nordseite hat er Ventilatoren anbringen lassen, um in diesen Raum, frische Luft einzulassen.

Wollte man die Kosten der Bretter, für den Boden der Kasten ersparen, so könnten diese auch durch ein Weidengeflechte, oder durch Leinwand ersezt werden. In diesem lezten Falle schneidet man die Stüke dreiekig heraus, und nähet sie zusammen; sie bilden alsdann eine trichterförmige Oeffnung, die man vermittelst einer Schnur zusammenzieht. Will man nicht dazu Leinwand anwenden, so kann man auch, aus Weidengesiechte, die vier Seitenwände des Trichters verfertigen lassen, alsdann aber müssen sie durch ein hölzernes Gerippe unterstüzt werden.

23. Schluß.

Das sind die vorzüglichsten Methoden, die zu meiner Kenntniß gekommen sind. Der Kreis, was das Wesentliche betrifft, scheint durchlaufen. Da der Keim die Hauptquelle des Verderbens ist, so drehen sich alle Methoden um diesen; man muß ihn entweder ganz vernichten, oder die Umstände entfernen die seine Triebkraft erregen. Ein drittes findet nicht statt. Wer in dem Getreide den Keim nicht mehr bedarf, der folge Intieri; wer den Keim erhalten will, dem steht zwischen zwei Verfahrungsarten die Wahl offen. Entweder muß er eine Temperatur zu erhalten suchen, in welcher die Triebkraft, selbst bei größerer Feuchtigkeit nicht rege wird, oder er muß durch allmählige Entziehung der Feuchtigkeit, und der inneren sich entwikelnden Wärme, einer äußeren höheren Temperatur die Mittel nehmen, auf den Vegetationstrieb zu wirken: für beides ist gesorgt worden; für den ersten Fall dienen die Fruchtkeller, wo sie sich anlegen oder benuzen lassen und die Getreide-Thürme; für den anderen Fall, haben Bildt, Meziéres und d'Artigues gesorgt. Die Wärme, die durch die Aktion der Triebkraft rege wird, und die innere Feuchtigkeit, welche sie unterstüzt, können entweder unmittelbar an die |376| Luft, oder an diese durch Hülfe anderer ableitender Stoffe abgesezt werden. Ein solches Ableitungsmittel hat Bildt in der Spreu gefunden; Meziéres und Lasteyrie erreichen auf dem anderen Wege denselben Zwek.

Man würde gegen die wakeren Männer, die auf Erfindung dieser Methoden so viel Nachdenken, Fleiß und Beharrlichkeit verwendet haben, undankbar seyn, wenn man so viel Gutes, und wahrhaft Brauchbares in Erwartung etwas Besseren unbenuzt lassen wollte. Was zu leisten möglich ist, scheint in der Hauptsache geleistet: an Nebendingen wird noch gekünstelt werden.

Es ist für die Staatsverwaltungen, für die Kornhändler, für den großen Eigenthümer, für den kleinen Landwirth hinlänglich gesorgt worden. Wenn sie bei der Benuzung der einen oder der anderen Methode ihre Rechnung nicht fanden, so lag die Schuld nicht an der Methode, sondern an einer mangelhaften Anwendung derselben. Den Regierungen fehlte entweder Sinn für das Bessere, oder Energie es durchzuführen. Der gewöhnliche Kornhändler hat selten die großen Kapitalien, die auf weit ausgehende Speculationen nöthig sind, er suchet schnelleren Umsaz, und wendet daher nichts auf die Anlagen, die nur brauchbar sind, wenn ein Kapital, mehrere Jahre hindurch, auf höhere Zinsen warten soll. Der Gutsbesizer scheuet sich vor Neuerungen, und wenn er auch wirklich Vortheile von denselben erwarten zu können glaubt, so fesselt ihn zugleich ein unüberwindlicher Hang zum Alten; und gewöhnt denselben Verlust mit jedem Jahre zu erfahren, fällt es ihm weniger auf.

N. S. Beim Schlusse dieser Schrift wird mir versichert, daß in einigen Gegenden des Russischen Reiches, und namentlich in Odessa, man den zu Versendung bestimmten Weizen, durch Ströme einer stark erhizten Luft, austroknet. Sobald etwas näheres hierüber bekannt seyn wird, werde ich es nachtragen.

|348|

Siehe auch Gazette Litteraire de Berlin. 1775.

|359|

Transact. Philos. 1742. n. 462. Description du Ventilateur, á Paris 1744. 12. traduit de l'Anglois par Mr. Demours.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: