Titel: Ueber das Verfahren Extraktivstoffe zu erhalten, (Realsche- und Rommershausensche Pressen).
Autor: Marechaux, Peter Ludwig
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. LXIV. (S. 385–415)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005064

LXIV. Ueber die Fortschritte in dem Verfahren, die Extractivstoffe der Vegetabilien vermischt oder abgesondert zu erhalten. (Realsche- und Rommershausensche Pressen). Vom Professor Marechaux in München.

Mit Abbildungen auf Tab. V. VI. VII. und VIII.

Die Kunst den Vegetabilien die Stoffe, welche die Organisation darin bildet, abzugewinnen, hat sich wie jede andere, nur nach und nach entwikelt, erweitert, vervollkommnet.

Dem Nachdenken und der Industrie kam die Natur zuvor, die unmittelbar, nach außen hin, die Säfte verschiedener Pflanzen und Bäume absondert. Von der Rinde lasen die Menschen das Gummi und die Harze ab, die sich an derselben verhärteten.

Es war ein leichtes dem gegebenen Winke zu folgen, und durch absichtliche Verlezungen dem Abfluß der Säfte den Weg zu bahnen. So gab mancher Baum ergiebiger, was er sonst nur kärglich abwarf; so entdekte man unter mancher Rinde, die nichts zu versprechen schien, verborgene, ungeahndete Schäze. Wir gewinnen heutiges Tages, noch, durch diesen einfachen Prozeß den Terpentin, verschiedene Balsame, Pflanzenschleime, den Saft der Birke, des Ahorns, etc.

Auch war nur ein geringer Grad von Nachdenken nöthig, um einzusehen, daß die Pflanzenstoffe, welche die Natur freiwillig hergab, oder abzugeben genöthigt wurde, nicht die einzigen waren, die sie im inneren Gewebe der Vegetabilien |386| verschloß; der Geruch, der Geschmak verschiedener Theile derselben verräth solches sogleich, und selbst in dem rohesten Zustande der Menschen mußte die Lust wach werden, und sich ein Mittel finden lassen, auf diesem Felde neue Entdekungen zu machen. Die Zermalmung der Pflanzen war zu diesem Zweke unentbehrlich, und anfangs vertraten zwei Steine die Stelle unserer Mörser, und das bloße Ausdrüken mit der Hand, ersezte unsere Pressen. So entziehen wir heutiges Tages noch mehreren Früchten und Pflanzentheilen ihren Saft, mehreren Saamenkörnern und Fruchtkernen ihr Oel, mit dem Unterschiede, daß wir in den Zermalmungs- und Auspressungsmitteln sinnreicher geworden sind, und nur sehr selten und zu unbedeutenden Processen die bloßen Hände noch gebrauchen. Auch haben wir jene Mittel nach und nach den verschiedenen Stoffen, deren Principien wir bedürfen, besser angepaßt; so zerstampfen wir durch Mühlenwerke die Baumrinden; so walzen wir, durch die Kraft der Pferde, des Wassers oder der Dämpfe, große schwere Steine über die ölenthaltenden Saamen. Sehr wahrscheinlich hat die Mechanik in diesen Schöpfungen die Gränzen der Möglichen erreicht. Von der Handmühle, die durch Sclavenhände in Bewegung gesezt wurde, bis zur Benuzung der Kraft der Pferde, des Windes und des Wassers, ist der Schritt eben so groß, als es der lezte war, der uns zur Errichtung der Dampfmaschinen führte. Alles was die Zermalmungsmittel der vegetabilischen Substanzen betrift, deren Bestandtheile wir verlangen, scheint geleistet worden zu seyn. In Ansehung der Ausscheidung der darin enthaltenen Stoffe blieb die Industrie auch nicht zurük.

Die Erfahrung lehrte bald, wie leicht das Wasser die Pflanzenstoffe aufnimmt. Selbst die harzigen, von den schleimigten fortgerissen, lösen sich gemeinschaftlich mit diesen darin auf. Auch dieser Kunstgriff wurde überall, wo es angieng, |387| neben den erst genannten angewendet. Man macerirte die Pflanzen, oder ihre härteren Bestandtheile, bald in kaltem, bald im lauligen, bald im siedenden Wasser; man benezte damit die Preßrükstände, um wo möglich alles darin Zurükgebliebene, durch wiederholte Auspressungen zu gewinnen. Dadurch bekam man, in flüßiger Form, einen Pflanzenauszug, der alle Stoffe, die im Wasser neben einander bestehen konnten, enthielt. Hier vereinigte sich das Süße und das Bittere, das Salzige und das Saure, das Schleimige und das Mehligte, kurz alle Produkte der Organisation, die sich nach Zerstörung des organischen Lebens nicht einander aufheben, oder wechselseitig zersezen.

Indessen waren die sogenannten Kräfte der Pflanzen in vielem Wasser vertheilt, und wenn sie auch unter dieser Form nicht zu den meisten Zielen unbrauchbar geblieben waren, so hätte man sie doch nicht für den entfernteren Augenblik der Benuzung aufbewahren können. Die meisten Aufgüsse hätten früh wesentliche Veränderungen erlitten; hier hätte sich Schimmel gezeigt, dort wäre die eine oder die andere Gährung eingetreten. Die Erfahrung lehrte, daß die Concentration dem einem und dem anderen Uebel vorbeugte. Man verwandelte also durch Abdunstung die Auszüge in Extrakte, und gab ihnen nach Verschiedenheit der Zweke eine größere oder geringere Consistenz.

So weit war dieser Zweig der Industrie gediehen, als Dionysius Papin gegen das Jahr 1681 (an new Digestor, London 1681) seinen Digestor erfand. Nun erwachte bei manchem die Hoffnung mit der Behandlung der Pflanzenstoffe ein neues Glük zu machen. Der Erfinder, ein französischer Arzt, ein Schüler Huygens und Boyle's trug sich selbst mit dem Gedanken herum auf diesem Wege, leichter und wohlfeiler, die Säfte und die Extractivstoffe der Pflanzen und besonders der harten Holzarten auszuziehen. |388| Die Erfahrung lehrte früh, daß man sich täuschte. Die Pflanzenstoffe werden bei einer über den Siedpunkt hinaus getriebenen Hize, theils zersezt, theils verkohlt. Die sinnreiche Vorkehrung fand aber bei thierischen Substanzen eine Anwendung, und erinnert noch unter veränderter Form, und zu nüzlichen Zweken des gemeinen Lebens angewendet, dankbar an den Erfinder.

Die Kunst aus den miteinander gemischten Pflanzenstoffen den einen oder den anderen abzusondern, blieb lange in ihrer Kindheit. Mehrere Jahrtausende hindurch beschränkte man sich auf die Gewinnung einiger Schleimtheile und Harze, wie sie die Vegetation selbst absondert, auf einige Niederschlage, die sich von selbst, und durch die Ruhe aus ausgepreßten Pflanzenstoffen oder verschiedenen Auszügen bildeten, auf welchem Wege man Salzmehl, einige Salze, und Pigmente erhielt; aber viele dieser Stoffe, die selbst noch einer näheren Zerlegung fähig waren, konnte man in ihren Bestandtheilen nicht auflösen, und noch eine weit größere Anzahl flüchtiger Bestandtheile entgiengen der äußerst beschränkten Kunst.

Einen wesentlichen Schritt vorwärts machte die Analyse der Pflanzenstoffe, als die Destillation kunstgemäße Destillirapparate bekam. Ueber den Erfinder derselben, und die Zeit der Erfindung schweigt die Geschichte. Nun erst lernte man das Flüchtigere von dem Flüchtigen zu scheiden, und aus den Pflanzen, Früchten und Blüthen Stoffe zu gewinnen, deren Daseyn man allenfalls ahnen möchte, die man aber nie einzeln darstellen, oder, vermittelst anderer Substanzen, festhalten konnte. Von diesem Augenblike an öffnete sich die Industrie ein neues Feld, die Pharmacie vermehrte nach und nach das Verzeichniß ihrer ätherischen Medicamente, und die Parfumerie, die sich bis dahin höchstens auf unmittelbare Naturprodukte, und auf die verschiedenartige Mischung der Blätter der Blumen beschränkt hatte, bekam eine überraschende |389| Entwikelung. Dieses wichtige erste Schritt zur Annalyse der Pflanzenstoffe scheint in Persien oder in Indien gemacht worden zu seyn. Im Jahre 1569 kannte man schon im Hindostan das Rosenwasser. Nach Hrn. Langle's, wird in den dasigen Schriften die Entdekung des Rosenöls gegen das Jahr 1612 gesezt.

Auch schweigt die Geschichte über den Zeitpunkt, in welchem man zuerst entdekte, daß in gewissen Pflanzenstoffen eine Gährung von selbst eintritt, welche die Bildung eines besonderen entzündlichen Stoffes veranlaßt, die Bildung des Alkohols. Diese Erfindung wurde vermutlich nicht lange nach Benuzung der Destillirapparate gemacht. Unser europäisches Vaterland scheint an der Ehre derselben keinen Antheil gehabt zu haben. Sie scheint zu uns von den Arabern übergangen zu seyn. Auch blieb sehr lange unter uns die Erzeugung und Gewinnung des Alkohols ein rein pharmaceutisches Geschäft. Indeß wenn dieses geistige Wesen, nur nach und nach und sehr langsam als Getränk allgemeines Bedürfniß wurde, so beobachtete man doch gewiß bald das Verhältniß desselben zu den Pflanzenstoffen, und die Industrie fand darin ein leichtes Mittel verschiedene in den Pflanzenextrakten enthaltene Stoffe, aus diesen abzusondern. Von nun an verfertigte man Tincturen, wohlriechende geistige Wasser. Ein neuer großer Schritt, bei welchem die Heilkunde gewann, die Toilette ihre Rechnung fand, und der Scheidekünstler das Mittel erhielt, Stoffe einzeln darzustellen, die ohne dasselbe von den übrigen Pflanzenstoffen nicht hatten abgeschieden werden können.

Auf dieser Stuft blieb die Kunst einige Jahrhunderte. In diesem langen Zeiträume, mit dem, bis dahin in Anwendung gebuchten, beschäftigt, wendete sich der Geist sogar ganz, von aller Speculation weg, die eine nähere Untersuchung der inneren Bestandtheile der Pflanzen, und ihrer Bearbeitung |390| beabsichtigen konnte. Irregeleitete Forschungen, auf unerreichbaren Zweke gerichtet, verzehrten die edelsten Kräfte. Die Umwandlung der unedlen Metalle in die edlen, die Aufsuchung einer Universal-Medicin im Mineralreiche wurde die Lieblings-Beschäftigung aller Eingeweihten. Wie viel Nützliches, worauf der Zufall führte, wurde verachtet, vernachläßigt, gieng ganz verlohren, indem man emsig nach Dingen haschte, die außer dem Bezirk der damaligen, vielleicht der menschlichen Kräfte überhaupt, liegen!

Indeß singen einige höhere Geister schon gegen das Ende dieser, der, für die Wissenschaft fast ganz verlohrne Periode, das Nichtige der bisherigen Speculationen einzusehen, und hatten sich in der Schule des Irrthums überzeugt, daß auf dem betretenen Wege kein heilbringender Lichtstrahl zu finden ist. Diese Männer singen an, die Naturstoffe in ihrem inneren Wesen zu studieren; sie begriffen, was einige Jahrhunderte hindurch nicht begriffen worden war, daß wenn man im Buche der Natur lesen will, man das ABC ihrer Sprache kennen muß, und es fanden sich nach und nach wieder Männer die neben den übrigen Zweigen der Chemie, welche damals die Hauptaufmerksamkeit an sich zogen, auch den Pflanzenstoffen einen Plaz einräumten.

Gegen diese Zeit fällt die Entdekung der Modification die der Alkohol vermittelst der Schwefelsäure enthält. Hoffmann der sie zuerst machte, trat ohne sein Wissen, in die Reihe der Beförderer der Analyse der Pflanzenstoffe. Der Vitrioläther der nicht lange nachher aus dem Liquor Anodinus abgeschieden wurde, erleichterte die Absonderung einiger Stoffe, und vermehrte die Forschungsmittel.

Von jezt an diente das Mineralreich selbst, über die inneren Reichthümer der Pflanzenwelt ein neues Licht zu werfen, und uns in den Besiz mancher Stoffe zu sezen, die noch |391| bis dahin, mit den übrigen Säften vermischt, ihrer Natur nach, unbekannt geblieben waren.

Diese neue Methode die Pflanzenstoffe zu behandeln, wurde in Schweden entdekt. Von Europas Polargegenden ströhmen oft zu uns leuchtende Strahlen, die ein großes Licht über dem Felde der Wissenschaften verbreiten. Gegen das Jahr 1784, also ein Jahrhundert nach Papins fehlgeschlagenen Hoffnungen, machte der unsterbliche Scheele die Methode bekannt, verschiedene Säuren, die in den Vegetabilien ganz gebildet vorhanden sind, einzeln und vollkommen rein darzustellen, und sein Scharfsinn, verbunden mit einer seltenen Fertigkeit im Zergliedern, vergrößerte das Feld des Wissens, und der Industrie.

Von diesem Zeitpunkte an, ist die innere Pflanzenkunde mit ein Lieblingsstudium unserer Chemiker geworden. Seit die Kunst der Analyse in vielen geübten Händen, und eine tiefere Kenntniß der chemischen Kräfte allgemeiner geworden ist, und die Forschungen leiten und begünstigen, sind eine beträchtliche Menge neuer Pflanzenstoffe entdekt worden, unter welchen mehrere sich in unseren Pharmacien das Bürgerrecht bereits erworben haben, und manche noch, in der Heilkunde, wesentliche Dienste leisten werden.

Indeß hatte man, bei allen Fortschritten in der Behandlung der Pflanzenstoffe noch mit einem wesentlichen Hindernisse zu kämpfen, das sowohl der bloßen Extraktion, als der Analyse selbst nicht selten unübersteigbare Schwierigkeiten in den Weg sezte. Die Extraktion der Pflanzenstoffe muß nämlich nothwendig der Analyse derselben vorangehen. Diese Extraktion kann nur, wenn die unmittelbare Auspressung der Säfte nicht zureicht, durch flüßige Mittel bewerkstelligt werden, und zu diesen flüßigen Extraktionsmitteln ist oft ein größerer oder geringerer Grad von Wärme nöthig: und man lernte nach und nach die zerstörende Wirkung der Wärme |392| auf Stoffe kennen, die von der Lebenskraft nicht mehr unterstüzt, durch die Organe nicht mehr abgesondert gehalten, dem Einfluß der Temperatur überlassen werden. Einige werden verflüchtigt, manche zersezt, es bilden sich andere Mischungsverhältnisse, und man irrt sich, wenn Man glaubt, man besize im Auszuge die Stoffe, wie sie in der lebendigen Pflanze beschaffen waren. Noch verderblicher wirkt die Wärme, wenn ihre Thätigkeit lange unterhalten werden muß, was besonders bei den Extrakten unvermeidlich ist; und die Erfahrung lehrte täglich, daß solche Präparate, in verschiedenen Officinen bereitet, den Geruchsorgan ganz anders afficirten, und folglich unter einander unähnlich geworden waren. Geringe Modifikationen in der Temperatur, bei anhaltender Wirkung, haben einen nicht zu berechnenden Einfluß, und konnten bei aller Sorgfalt, bei den bekannten Methoden, nicht vermieden werden.

Das Zwekmäßigste was man in einigen großen Pharmacien, um jenem Uebel vorzubeugen, angewendet hatte, war ein Verdunstungs-Apparat, der zu den verschiedenen Zweken, beständige Wärmegrade lieferte. Ein solcher war in einer großen Apotheke in London. Eine ungefährige Zeichnung desselben findet man Fig. 17. Tab. VII. wie sie aus dem V. Bd. des Journal de Pharmacie et des Sciences accessoires entlehnt ist. Er hat den Vortheil die Infusionen und die macerirten Stoffe bei einer mäßigen Hize zu concentriren, folglich alle Nachtheile einer zu großen Hize zu vermeiden, während der Operation eine große Menge destillirten Wassers zu liefern, und Destillir-Gefäße, und Vorkehrungen zur Filtrirung, wie auch zur Austroknung der Pflanzen anbringen zu können. Ein ähnliches, aber nach einem kleineren Maasstabe, wurde in der Centralapothek zu Paris angebracht. Er besteht in Folgendem.

a Fig. 17. Tab. VII. der Ofen.

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b ein Rohr, das bis gegen den Boden des Kessels reicht, und als Regulator dient.

c der Kessel mit seinem Dekel.

d Ansazrohr, oder Oeffnung, zur Füllung des Kessels.

eeee kupferne Röhre, mit Tuch umfuttert.

ff Hähne, den Dampf zu dirigiren.

ggg Abdunstungs-Gefäße.

h gekrümmte gläserne Röhre, die in ein mit Wasser gefülltes Gefäß taucht.

i kupferne Blase, zum Dampfbade eingerichtet, mit zinnernem Helme.

k Ableitungsrohr, um die überflüßigen Dämpfe abzuleiten.

l Hähne, zur Ausleerung der Gefäße.

m zinnerne Schlange, in einem kupfernen Gefäße.

n Trichter, mit langer Röhre, um dem Refrigerator m kaltes Wasser zuzuführen.

o Abflußröhre für das warmgewordene Wasser.

Man kann mehrere Abdunstungsgefäße gleichzeitig anbringen, und wenn man will beide Röhren, welche den Dampf unmittelbar aus dem Kessel leiten, dazu verwenden.

Der Apotheker kann in einem Tage den verlangten Extrakt bereiten.

Es versteht sich, daß man gegen das Ende der Operation den Extrakt umrühren muß, um die Abdunstung zu beschleunigen.

Die Temperatur des Extrakts erhebt sich

im 1. Gefäß zu 92 Hundertg. 74 Reaumur.

im 2. Gefäß zu 91 Hundertg. 73 Reaumur.

im 3. Gefäß zu 90 Hundertg. 72 Reaumur.

im 4. Gefäß zu 57 Hundertg. 46 Reaumur.

Wenn es auch ein großer Vortheil ist, den Grad der Hize genau zu kennen, den man zu diesem oder jenem |394| Zweke anwendet, so werden vermittelst dieses Apparats die Wirkungen einer anhaltenden Wärme nicht vermieden.

Es gelang dem Grafen Real zu Paris, im Jahre 1816 dieses wesentliche Hinderniß zu heben. (Journal de Pharmacie, N. IV. Avril 1816. p. 165). Eine Vorkehrung der Engländer wekte in ihm die Idee dazu, sie filtriren nämlich das Oel durch eine dike, in einem Kasten von Gußeisen liegende, Schichte gröblich verpulverter Kohlen, und durch den Zusaz einer langen an dem Dekel befestigten Röhre, durch deren oberen Mündung sie das Oel eingießen, geben sie diesem Apparate die Gestalt und zugleich die Wirkung einer hydraulischen Presse.

Diese glüklich ausgedachte Vorkehrung glaubte Herr Graf Real mit gutem Erfolge auf die Ausziehung aller im Wasser und anderen Flüßigkeiten auflösbaren Stoffe anwenden zu können, und ließ sich zu diesem Ende folgenden Apparat Fig. 36. Tab. VI. verfertigen.

a zinnerner Kasten, worin das Pulver oder der Stoff gethan wird, dessen auflösliche Theile verlangt werden. Die zum Einschütten dienende Oeffnung verschließt man mit einer Schraube.

b Form der zwei zinnernen fein durchlöcherten Siebe, sie liegen in dem zinnernen, an den durch b'b'' bezeichneten Stellen. Der eine in b' ist im Drittel der Höhe desselben angebracht, der andere in b'' bildet den Boden des Kastens.

c lange zinnerne Röhre, welche im Dekel des Preßgefäßes eingeschroben ist. Man kann sie so lang machen als das Gebäude worin man arbeitet es zuläßt. Je länger sie ist, desto größer wird der Druk den das, in dem Kasten enthaltene, Wasser auf das darin befindliche Pulver ausübt. Dieses Pulver muß ein wenig zusammengedrükt werden, damit |395| es die Flüßigkeit nicht zu leicht und zu schnell durchlasse.

d Hahn, der die Verbindung zwischen der Röhre und dem Kasten verschließen kann.

e Hölzernes Gestell, auf welchem der Preßkasten ruht, und das in seiner Mitte eine Oeffnung haben muß, die der Größe des Siebes entspricht, damit, die durchsinternde Flüßigkeit aufgefangen werden könne.

f Gefäß, worin der Extrakt aufgefangen wird.

Die mit dieser äußerst einfachen Einrichtung gemachten Versuche gaben Resultate, wie sie nur gewünscht werden konnten. Die meisten Aufgüße kamen schon in Extraktform zum Vorschein. Sie unterschieden sich durch Geruch und Farbe von den, durch Hülfe der Wärme bewirkten, Concentrationen, und öffneten mehreren Zweigen der Industrie neue Aussichten.

Jezt erst sehen wir ein, daß wenn wir auch nicht seit vielen Jahren die Wirkung des hydraulischen Hebels gekannt hätten, wir mit unseren gewöhnlichen Pressen dieselben Resultate hätten erhalten können. Oft durchnezten wir Preßrükstände mit Wasser, um die lezten darin noch befindlichen Extraktivstoffe zu erhalten, und fielen dabei nicht auf den Gedanken, unsere Pflanzenstoffe mit sehr wenigem Wasser zu behandeln, und dieses mit den Pflanzenkräften gesättigte Wasser auszupressen, oder es durch den fest zusammengedrükten Stoff, vermittelst besonderer leicht einzurichtenden Vorkehrungen durchzupressen. Anstatt der langen Röhre in Fig. 36. hätte eine gewöhnliche Pumpen-Vorkehrung, ein Stiefel mit seinem Kolben dasselbe geleistet, wobei die Kraft des Drukes auf mannigfaltige Art nach Belieben vergrößert werden konnte, was hier um so leichter gewesen seyn würde, da die Flüßigkeit nur langsam durch die Pflanzenstoffe durchsintern muß.

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Da die auflöslichen Theile der Substanzen bei dieser Vorkehrung sehr dicht an einander liegen, und nur sehr wenig Wasser gleichzeitig durchdringen kann, so können sich hier wenige Wassertheile mit vielem Extraktivstoffe sättigen; was nicht möglich ist, wenn das Wasser ohne angewendeten Druk durchziehen muß. Ist in diesem Falle der Stoff dicht zusammengepreßt, so geht ohne Druk die Flüßigkeit gar nicht, oder viel zu langsam durch. Ist dagegen der Stoff loker, daß er das Wasser durchläßt, so fließt dieses zu schnell, und geht in zu großer Menge durch. Im ersten! Falle bleibt der meiste Extrakt im Stoffe selbst zurük, im andern wird der Auszug wäßrig, weil nur die Wassertheilchen die den Stoff unmittelbar berühren, die gewünschten Auflösungen Aufnehmen, und mit sich fortreissen. Im ersten Falle verhindern die wechselseitigen anziehenden Kräfte das Abfließen, im andern vertheilt sich unter vielem Wasser wenig Extraktivstoff. Unter diesen lezten Umständen entweicht das Wasser durch eigene Schwere, in jenem durch einen Druk, der die Verwandschaftskräfte die es zurükhalten, überwiegt.

Diese einfache Ansicht erklärt befriedigend ein Phänomen, dessen Ursache Döbereiner in Bedingungen gesucht hat, die mir nicht klar werden konnten336).

Zugleich ergiebt sich aus dem vorhergehenden, der wesentliche Dienst, den die neue Methode leistet.

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Wir stellen die Pharmacien an die Spize der Anstalten, für welche dieses neue Verfahren unentbehrlich seyn muß. Abgesehen hier von der größeren Schnelligkeit mit welcher die Operation vor sich geht, was in Pharmacien von einigem Werthe seyn kann, und von manchen Kosten-Ersparnissen, welche in diesen Instituten, in keinen Anschlag gebracht werden müssen, kommt es, bei Berechnung der Arzneymittel nothwendig darauf an, daß die zu verschreibenden Substanzen, während der Bearbeitung, im Wesentlichen das bleiben, was sie sind: was bei der bisherigen Methode, sehr oft der Fall nicht war, indem nicht selten Extrakte, von denselben Substanzen, aber in verschiedenen Officinen bereitet, an Geruch und Geschmak große Unterschiede darboten.

Es ist freilich wahr, daß alle zum medicinischen Gebrauche dienende, vegetabilische Stoffe sich nicht zur neuen Extraktionsmethode bequem einrichten lassen; es wird indeß schon ein Gewinn seyn, wenn ein Theil derselben sich nach dieser leicht behandeln läßt.

Die Methode ist um so vorzüglicher, daß sie die Extrakte vermittelst Alkohol, und Oele nicht ausschließt. Man darf bloß die Pflanzenstoffe damit behandeln, und die mit den Pflanzenkräften bereicherte flüßige Substanz weicht unter dem Druke des Wassers, und kommt, ohne alle Beimischung mit diesem, zum Vorschein.

Auch lassen sich mit diesem Apparat alle Auszüge bereiten, zu welchen Wasser von höherer Temperatur erforderlich ist, diejenigen ausgenommen, die den Siedepunkt erfordern.

Die Heilkunde wird indeß zu entscheiden haben, ob die beabsichtigte Wirkung des Extrakts, den unzersezten Pflanzenkräften, öder den neuen, durch den Einfluß der anhaltenden Wärme herbeigeführten Modifikation zugeschrieben |398| werden muß. Wo dieses lezte der Fall ist, müßte allerdings die ältere Methode beibehalten werden.

Es läßt sich erwarten, daß die Extraktion verschiedener Farbstoffe auf diesem Wege weit vortheilhafter vor sich gehn wird. Das lange Sieden der harten Holzarten ist an sich schon zeitraubend, und das darauf verwendete Brennmaterial kostspielig. Auch ist man zu erwarten berechtigt, daß bei Anwendung dieses kräftigen Extraktionsmittels, verschiedene Pigmente, bei niedrigerer Temperatur behandelt, schöner ausfallen werden.

In wie fern große Lohgerbereyen zur Extraktion der Lohe die neue Vorkehrung anwenden könnten, läßt sich nur von der Erfahrung selbst abnehmen. Man müßte alsdann zu der Segurschen Methode zurükkehren, die in den meisten Sohlenleder-Fabriken wiederum verlassen worden ist, weil das dike Leder, gegen die Mitte, nicht gahr wurde: vielleicht würden concentrirtere Brühen erfreulichere Resultate liefern.

In den Bierbrauereyen könnte die Realsche Presse, zu Malz- und Hopfen-Auszügen mit Nuzen verwendet werden. Der Geruch der sich vom siedenden Malze erhebt deutet auf die Verflüchtigung eines Aroms, welches alsdann im Extrakt zurükbleiben würde. Nach der Beschaffenheit der übrigen, vermittelst dieser Presse erhaltenen, Resultate zu urtheilen, würde ein so bereitetes Bier einen anderen, wahrscheinlich einen besseren Geschmak bekommen: müßte es, zur Erhaltung desselben, gesotten werden, so würde alsdann das Sieden weniger Zeit und Holz kosten.

Auch der Liqueur-Fabrikant wird sich zur Bereitung einiger Extrakte, dieser Presse mit Vortheil bedienen, besonders bei Behandlung einiger Pflanzenstoffe, in welchen der Riechstoff nur sparsam vorhanden ist.

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Vielleicht würde sie auch in unseren Branntweinbrennereyen nüzlich seyn, um unsere Kessel von der Last der Treber zu befreien. In mehreren englischen Brennereyen sondert man diese von der Flüßigkeit ab, die allein in die Blase kommt. In einigen unserer Anstalten, wo ich zum Versuch dieser Methode anrieth, brachte man, jedoch ohne den Versuch selbst anzustellen, manches dagegen vor, man fand das Verfahren weitschichtig, zeitraubend, lästig. In einer kleinen Brennerey, die ich vor 6 Jahren zum Behufe einiger Versuche angelegt hatte, und die ich, da sie mir zu diesem Zweke zu kostspielig ausfiel, wieder aufgab, ließ ich diese Operation vornehmen. Die Flüßigkeit wurde durch Flanel gegossen, der Rükstand unter eine gewöhnliche Hebelpresse gebracht, was freilich mehr Zeit und Mühe erforderte, als wenn dazu eine Realsche Presse verwendet worden wäre. Mit dieser wird ohnstreitig die Operation erleichtert, und beschleunigt. Die Blase könnte mehr destillirbare Stoffe fassen und die Gefahr des Anbrennens würde vermindert werden.

Auch dürfte sich nach und nach die Realsche Presse in unseren Haushaltungen Eingang verschaffen, und zur Bereitung einiger Getränke, besonders des Kaffes gute Dienste leisten. Der Kasse-Extrakt auf diesem Wege bereitet, ist concentrirter, und aromatischer, da alles flüchtige Wesen der Bohne darin aufgenommen wird.

Das sind wichtige Vortheile welche die Realsche Presse verspricht, auch säumte der Erfinder, so wie seine Freunde, nicht, auf Mittel zu sinnen, sie für Künste und Gewerbe zwekmäßig einzurichten.

Man sahe sehr bald ein, daß der erste Entwurf derselben sie zu den meisten Zweken nicht eignete: denn sie bekommt, nach ihrer ersten Einrichtung, eine gehörige Kraft, lediglich von der Länge ihres senkrecht stehenden Rohrs, und wo die wirkende Kraft groß seyn muß, wüßte dieses Rohr zu der |400| ungeheuern Höhe von vierzig bis fünfzig Schuh anwachsen, und den Giebel der meisten Häuser übersteigen. Welche Unbequemlichkeit!

Da Queksilber ungefähr fünfzehnmal schwerer ist als Wasser, so gerieth der Graf Real auf den Gedanken, den Druk anstatt durch Wasser, durch Queksilber zu bewirken, wodurch die Höhe des etwa nöthigen Drukrohrs fünfzehnmal geringer werden konnte.

Fig. 37. Tab. VI. zeigt den dazu nöthigen Apparat.

a ein Kasten von Gußeisen, der mit Queksilber gefüllt wird.,

b ein, aus mehreren in einander geschrobenen Flintenröhren bestehendes, oben trichterförmig auslaufendes Rohr, welches durch den Dekel des Kastens, bis auf den Boden desselben reicht. Ein an diesem Kasten angebrachter Hahn, dient das Queksilber abzulassen.

cc gebogene eiserne Röhre, die den eisernen Kasten a, mit einem zinnernen Gefäße e in Verbindung sezt.

d trichterförmiges, mit einem Hahn versehenes Rohr, zum Eingießen des Wassers in das gebogene Rohr c, c.

e zinnernes cylinderförmiges Gefäß, worin die zu extrahirenden Pflanzenstoffe gebracht werden. Die innere und äußere Construktion desselben, ist wie in Fig. 36. a.

f Gestell, worauf der Cylinder e ruht. Unter dem Boden des Gefäßes ist in diesem Gestelle eine Oeffnung angebracht, die den Auszug durchläßt.

g untergestelltes Gefäß, zum Auffangen der ausgepreßten Flüßigkeit.

Das Verfahren mit diesem Apparate ist folgendes. Man ordnet wie im vorigen Apparate die Pulver in e: füllt alsdann den Kasten a ganz mit Queksilber, und gießt hierauf durch d Wasser in die Röhre cc, bis sie voll ist, und verschließt den Hahn. Jezt gießt man durch b Queksilber in a; |401| dieses treibt das Queksilber des Kastens a in den einen Schenkel der Röhre c, und nöthigt folglich das Wasser sich einen Ausgang durch die zwischen beiden Sieben liegenden Pulver zu verschaffen.

Wenn dieser Apparat nun auch wirklich ein übersteigliches Hinderniß des vorigen aus dem Wege räumt, so sind doch mit demselben andere nicht mindere bedenkliche Umstände verbunden, die dessen Gebrauch sehr beschränken.

Wenn ich auch von den Kosten der erstern Einrichtung nicht sprechen wollte, die zum pharmaceutischen Gebrauch von geringerem Gewicht sind, so sieht man doch, daß die Anschaffung der Menge Queksilbers, die hier nöthig seyn würde, bei anderen Zweigen der Industrie, die Anwendung einer solchen Vorkehrung geradezu unmöglich macht. Dieses Queksilber selbst, welches so leicht verschüttet oder versprizt werden kann, macht zu pharmaceutischen Präparaten den Gebrauch desselben durchaus nicht rathsam, und die leichte Entwendung dieses theuern Materials, verbunden mit dem, beim täglichen Gebrauche, unvermeidlichen Verluste, verschließt diesem Apparate, zu allen gemeinen Zweken, den Eingang. Die elegantere Form, die ihm Döbereiner zu geben wußte, hilft keines dieser Uebel ab, und verschaft keinen neuen Vortheil.

Er selbst mußte es fühlen, da er in die Stelle des Queksilbers eine andere wirkende Drukkraft zu sezen suchte, die comprimirte atmospärische Luft.

Die nähere Beschreibung dieses Apparats ist deshalb nicht nöthig, weil die dabei wirkende Compressions-Pumpe die gewöhnliche ist, und hier anstatt des Wassers oder des Queksilbers die comprimirte Luft, auf die über das Pulver gegossene Extraktions-Flüßigkeit wirkt.

Herr Obermedicinal-Assessor Schrader zu Berlin, hat sich einer solchen Presse zu den Versuchen bedient, die er zu |402| machen den Auftrag erhielt; sie wich, durch einige Modificationen, die sie zum Gebrauche bequemerer und sicherer machten, von der Döbereiner'schen ab.

Diese Einrichtung könnte schon eine wirkliche Verbesserung genannt werden, weil sie, bei pharmaceutischen Präparanten, die Gefahr die vom Queksilber zu besorgen ist, beseitigt überdieses die Vortheile jener Presse besizt, ohne das Kostspielige derselben zu haben.

Demungeachtet befriediget sie noch nicht ganz. Wenn man auch an den, mit einem Hahn versehenen Pressen, den Grad der Verdichtung der Luft, an der Schnelligkeit mit welcher der Kolben wieder zurükgetrieben wird, einigermaßen schäzen kann, so ist eine solche Schäzung viel zu unvollkommen, um vor der Gefahr des Zerspringens der Gefäße zu schüzen. Zu pharmaceutischen Arbeiten, und wenn die Masse, auf welche gewirkt werden soll, nur geringe ist, könnten minder geübte Hände vielleicht ohne Gefahr mit einem solchen Apparat umgehn, zu großen Operationen aber, wo mechanische Kräfte, benuzt und sogar Wind, Wasser oder Dampfmaschinen verwendet werden müßten, dürfte man nie zur Anwendung derselben rathen.

Gewöhnlich gelangt der Geist auf Irrwege zum Ziel, das Einfachste findet er zulezt. Wie leicht war es nicht, das lange Rohr der Realschen Presse zu verkürzen, und vermittelst eines Drukkolbens, was schon mit allen hydraulischen Pressen geschah, denselben Zwek zu erreichen, den man vermittelst Queksilber, oder Luftcompressions-Apparate zu bewerkstelligen suchte. Dem Doktor Rommershausen blieb das Verdienst vorbehalten, die einzige Einrichtung vorzuschlagen, welche geeignet seyn konnte, die Realsche Presse ins Leben einzuführen.

Indeß kaum hatte dieser siegreiche Mann diesen glüklichen Gedanken gefaßt, so gab er ihn wieder, nach den ersten |403| Versuchen, auf. Er fand es zu unbequem, daß man zu dem Gefäße, worin die zu extrahirenden Stoffe waren, nicht von oben her kommen konnte, weil der Raum, über diesen Substanzen, mit Wasser angefüllt war. Durch diese Unbequemlichkeit zurükgeschrekt, wandte sich sein Geist von der Realschen Presse weg, um die Anwendung anderer Drukkräfte zu versuchen.

Indeß, da Hr. Doktor Rommershausen, die Ehre selbst Erfinder zu seyn vorzog, und die Vervollkommnung der Realschen Presse aufgegeben hat, so wage ich es folgende Construktion vorzuschlagen, die das lezte Hinderniß aus dem Wege zu räumen scheint.

Fig. 17. Tab. VII. stellt diese Einrichtung vor.

a das Beschikungsgefäß: ganz nach Rommershausen's Einrichtung.

bb ein durchlöcherter Stellboden, von Holz zu Arbeiten im Großen, von Zinn zu Arbeiten im Kleinen.

c Raum für die zu extrahirenden Stoffe.

dd Seihe-Vorrichtung, wie sie in den Rommershausischen Pressen, nach Beschaffenheit der zu extrahirenden Substanzen, eingerichtet werden muß.

e Rohr durch welches die Extrakte abfließen.

f Gefäß zum Auffangen der Extrakte.

gg Rohr welches das Beschikungs-Gefäß a mit dem Drukrohre in Verbindung bringt.

h Hahn, welcher die Verbindung des Beschikungsgefäßes mit dem Stiefel der Pumpe verschließt.

i Stiefel der Pumpe.

k Drukkolben, mit gezahnter Stange, Getriebe und Kurbel, deren Verbindungs-Mittel leicht anzubringen sind.

l Hahn, welcher die Verbindung der Pumpe mit dem Wasserbehälter m in Verbindung sezt, der das zum Beschikungs-Gefäße nöthige Wasser hergibt.

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m Wasser-Behälter. Dieser ist hier ein Kessel, worin das Wasser siedend erhalten werden kann, wenn siedendes Wasser zu den Extrakten nöthig ist. Auch kann man der darin enthaltenen Flüßigkeit alle erforderlichen Grade der Wärme geben.

Wollte man mit Alkohol arbeiten, so könnte eine Destillirgeräthschaft die Stelle des Kessels vertreten, um die aufsteigenden Dünste zu condensiren.

n Ofen zur Feuerung.

o Mündung des Ofens.

p Hahn, am Beschikungs-Gefäße a, um das darin gebliebene Wasser abzulassen, wenn es gereinigt wird.

So gebildet, scheint mir die Realsche Presse alle Bequemlichkeiten zu vereinigen, die zu den meisten Zweken der Pharmacie und der Gewerbe gewünscht werden können.

Sie dient, wie man sieht, gleich gut, zur Anwendung des kalten, des warmen und des siedenden Wassers.

Wenn man gleich Anfangs, anstatt eines Kessels, eine Destillir-Geräthschaft mit Kühlfaße, anbringt, so kann man nach Bedürfniß mit Alkohol oder mit Wasser arbeiten, und in diesem lezten Falle zugleich noch destillirtes Wasser auffangen, was in Liquer-Fabriken, und in Apotheken von Nuzen ist.

Man irrt, wenn man sich einbildet, daß man zu diesen Extraktionen eine sehr große Kraft nöthig hat. Sie muß bloß hinreichend seyn, um die Schwere des in den zu extrahirenden Stoffen befindlichen Wassers, und die Wirkungen der Verwandtschafts-Kräfte zu überwinden. Da sich hier die wirkenden Kräfte wie die Quadrate der Durchmesser des Beschikungs-Gefäßes und des Drukrohrs verhalten, so sieht man leicht, wie man auf diese Weise, die Kraft nach Bedürfniß verstärken kann, erstlich durch das Verhältniß |405| zwischen diesen beiden Durchmessern, dann durch Anbringung schiklicher Hebel-Vorrichtungen.

Da einfache Vorkehrungen, früh oder spät, über die künstlicheren den Sieg davon tragen, so läßt sich voraus sehen, daß man sowohl in großen Pharmacien als in Fabrikanstalten, zu dieser Construktion zurükkehren wird, wenigstens überall, wo Wasser das Extraktions-Mittel seyn wird.

Indeß anstatt das eben vorgeschlagene Drukrohr, mit Anwendung einer hinlänglichen Kraft, zwekmäßig zu benuzen, zog Hr. Dr. Rommershausen vor, die Kräfte der Dämpfe ins Spiel zu ziehen.

Es ist klar, daß es an sich gleich viel ist, ob man auf der Oberfläche des zu hebenden Wassers einen Kolben oder Dämpfe drüken läßt, wenn in beiden Fällen die Kraft dazu nur groß genug ist.

Die Einrichtung dieser Dampfpresse findet man, in diesem polyt. Journal Bd. 4. Tab. V. Fig. 4. abgebildet und wie sie zur Ausziehung der Lohe, und folglich zu Arbeiten im Großen brauchbar ist auf S. 420. ebds. beschrieben.

Der Arbeiter muß sich beim Gebrauche dieser Presse vor der Gefahr schüzen, die so leicht mit der Wirkung der Dämpfe verbunden ist; er muß nicht versäumen die Hähne bei Zeiten aufzumachen, und sich nie von dem Kessel entfernen, wenn an diesem der Ausgang der Dämpfe verschlossen ist.

Fig. 16. Tab. VII, ist nach dieser Zeichnung abgebildet, nur ist der Dampfkessel weggelassen, und das Pump- und Drukwerk an dessen Stelle gesezt.

Mit der Realschen Presse Fig. 36. Tab. VI. kann man wo es nöthig seyn sollte, kaltes Wasser anwenden. Mit der Rommershausenschen Dampfpresse muß das Wasser einen gewissen Grad Wärme erreicht haben, ehe die Drukkraft der |406| Dämpfe wirksam werden kann. Was die Leichtigkeit in der Behandlung betrift, so scheint die eine keinen Vorzug vor der andern zu besizen. Die Rommershausensche läßt aber die Einwirkung der reinen Dämpfe auf die aufzulösende Stoffe zu, was unter besonderen Umständen von größerm Nuzen seyn kann; dagegen erfordert sie eine größere Aufmerksamkeit, indem, bei saumseligen Arbeitern, welche die Kräfte der Dämpfe nicht beachten, das Zerspringen des Kessels erfolgen könnte.

Wenn inzwischen zu den meisten Operationen im Großen die Realsche- und die Dampfpresse mit gleichem Vortheile angewendet werden dürfen, so ließe sich dieses nicht eben so von verschiedenen Arbeiten im Kleinen behaupten, zu welchen die leztere Vortheile darbietet.

Besonders glüklich ist der Einfall des Erfinders, sie zu häuslichen Gebräuchen einzuführen, wo sie besonders zur Bereitung des Kaffees allgemeiner werden dürfte.

Fig. 14 und 15. Tab. V. zeigen diese kleine Geräthschaft.

a ist der mit einem Hahne versehene Wasserkessel, und seiner darunterstehenden Weingeistlampe.

b ist das Beschikungsgefäß. Der Boden desselben ist fein durchlöchert. Es paßt genau in die Mündung des Kessels. Die Seitenröhre leitet den Kasse-Extrakt in ein untergestelltes Gefäß.

c Gefäß worin der Kaffee-Extrakt aufgefangen wird. Es ist hier zur Maschine besonders eingerichtet, und kann mit der Seitenröhre des Beschikungs-Gefäßes in unmittelbare Verbindung gesezt werden. Es kann aber auch durch jedes andere, unter der Oeffnung der Abschlußröhre stehendes ersezt werden.

d Deksieb mit seinem Zapfen, zur Feststellung desselben. Beide Figuren zeigen nur veränderte Formen derselben Geräthschaft.

|407|

Beim Gebrauche hat man folgendes zu beobachten.

Nach Oeffnung des Hahnes füllt man den Wasserkessel a, bis etwa drei Viertel seiner Höhe, mit siedendem Wasser, indem man es in das Beschikungs-Gefäß b gießt. Das Wasser fließt von hier, durch die feinen Löcher des Bodens in den Kessel.

Ist dieses geschehen, so wird der fein gemahlne Kaffee, in das Beschikungs-Gefäß b, so weit es die Seitenröhre erlaubt, gethan.

Alsdann legt man eine Scheibe Fließpapier auf den Kaffee, mit der Vorsicht, daß der Rand derselben, zur genauen Schließung der Zwischenräume, etwas umgeschlagen sey.

Nun drükt man den Deksieb d etwas fest auf den, mit der Fließpapier-Scheibe bedekten Kaffe, und befestigt ihn mit dem Stifte.

Jezt wird der Hahn des Dampfkessels geschlossen; das Gefäß wird unter die Ausflußröhre gestellt und die Lampe wird angezündet.

Das Wasser fängt sehr bald zu sieden an. Die Dämpfe ziehen durch den Kaffee, und in wenig Minuten ist der Extrakt fertig, und im unterstehenden Geschirr abgelaufen.

Hat man die nöthige Quantität, so muß der Hahn sogleich geöffnet, die Lampe ausgelöscht, das Beschikungsgefäß abgehoben, und durch Neigung desselben, der noch darin befindliche Extrakt abgegossen werden.

Gleich nach dem Gebrauch reinigt man die Geräthschaft, die, wenn der Kaffee immer gleich gut schmeken soll, täglich gebraucht werden muß.

Der Erfinder bemerkt, daß man bei Anwendung dieser Maschine 1/3 des zeither gebrauchten Kaffees ersparen kann.

|408|

Schon hatte Trommsdorf (Journ. d. Pharmacie B. 21. St. 1.) in einem dazu eingerichteten hölzernen Apparat, Dämpfe durch die auszuziehenden Substanzen durchstreichen lassen, um den Gebrauch der gefallenen Gefäße entbehrlich zu machen und die verderbliche Wirkung einer zu starken Hize zu vermeiden, aber diese Versuche hatten keine Nachahmer gefunden.

Dokter Dingler scheint mit mehr Glük denselben Gegenstand wahrgenommen zu haben.

Als Dokter Rommershausen seine Dampfpresse einzurichten suchte, beschäftigte sich Dr. Dingler mit Dampfapparaten, die, neben anderen Zweken, auch zu Extrakten dienen könnten.

Er benuzte zwar nicht wie Dokter Rommershausen die Drukkraft der Dämpfe, um wenig Flüßigkeit durch die zu extrahirenden Stoffe zu treiben, aber er ließ die Wärme derselben, auf das wenige Wasser einwirken, womit diese Stoffe mehr benezt, als übergossen waren, und vereinigte bei dieser Methode den doppelten Vortheil, einen hohen, sich immer gleich bleibenden und nicht verderblichen Grad von Wärme, mit der größtmöglichen Concentration der Extrakte zu verbinden.

Herr von Kurrer, dessen chemisch-technische Einsichten aus mehreren öffentlichen Schriften, hinlänglich bekannt sind, hat die Richtigkeit der Dinglerschen Angaben vollkommen bestätigt, und die Zwekmäßigkeit des Dinglerschen Dampf-Kochapparats, zur Extraktion der Farbstoffe, außer Zweifel gesezt.

Es würde in dieser Abhandlung eine Lüke zurükbleiben, wenn die Zeichnung des Apparats hier fehlte. Ich entlehne sie aus der besonderen Schrift, die über die Benüzung der Dämpfe zum Kochen und Heizen, Augsburg 1818. herausgekommen ist.

|409|

Sie führt den Titel: Beschreibung und Abbildung mehrerer Dampfapparate zur Benuzung der Wasserdämpfe zum Kochen und Heizen, in verschiedenen öffentlichen Anstalten, in der Haus- und Landwirthschaft, in Fabriken, Manufakturen und Gewerben etc. von Dr. Joh. Gottfr. Dingler, etc. Mit 4 Kupfertafeln, Augsburg 1818.

Fig. 12. Tab. VIII. zeigt die Gestalt und das geschmükte Aeußere des zu pharmaceutischen Zweken bestimmten Apparats. Er ist mit 8 Töpfen und einer Vase, die das Wasserreservoir ausmacht, versehen. Der Ofen wird aus starkem Eisenblech verfertigt. Die Zierrache, wenn man welche anbringen will, sind von getriebenem Kupfer verfertigt, vergoldet.

Fig. 11. Tab. VIII. ist ein Längen-Durchschnitt dieses Ofens.

a ist ein verzinnt kupferner Kessel, an dessen Boden sich eine Röhre, mit einem Hahne zum Ablassen des Wassers befindet.

bb Brazen oder platte Heben (4 an der Zahl), an den Seiten dieses Dampfkessels; sie werden an eben so viele andere angenietet, welche an den Seitenwänden des Ofens befestigt sind.

cc Dekel der auf dem Kessel mit Schrauben befestigt ist.

d mittlere Oeffnung an diesem Dekel.

e senkrechtstehender Cylinder, der in die mittlere Oeffnung d eingeschraubt ist. Das Gewinde muß mit Kitt unterlegt werden, damit keine Dämpfe entweichen. In diesen Cylinder erheben sich die Dämpfe, er hat oben einen weiteren Raum, in welchem sich Röhre ff öffnen.

ff Röhren mit Hahnen-Röhren, welche die Dämpfe in die Kochgefäße leiten. Solche Röhren werden so viele angebracht, als Töpfe oder Kochgeschirre vorhanden seyn sollen.

|410|

g Röhre, welche durch die zweite Oeffnung im Dekel geht.

h Wasserbehälter, er ist unten mit der Röhre g verbunden. Das Wasser fließt aus diesem in den Kessel, vermittelst einer Vorkehrung, die unten angegeben werden wird. Eine der Seitenröhren f geht in diesen Behälter, und reicht bis auf den Boden desselben. Man läßt durch diese die Dämpfe hinein, die nicht nüzlicher angewendet werden können.

i Hahn, der die Röhre e öffnet oder verschließt. Von der Axe dieses Hahnes gehen zwei Arme aus, an welchen ein hohler luftdicht verschlossener Cylinder k angelöthet ist. Wie sich durch die Veränderung des Wasserstandes dieser Cylinder hebt oder senkt, schließt oder öffnet sich die Röhre. Man sieht ihn nach einem größeren Maßstabe in l Fig. 9.

l die Röhre e nach einem größeren Maßstabe.

m Ventil. Man sieht in l das Gewicht, welches das Ventil beschwert. Es ist hier eine nach Bedürfniß schwere metallene Kugel. Man kann an dessen Stelle jeden beliebigen Zierrath verfertigen lassen.

Dieses Ventil weicht dadurch von den gewöhnlichen ab, daß es nicht konisch gebildet ist; sondern genau flach geschliffen. Es ruht auf dem ebenfalls genau flach geschliffenen Rande der Röhre e. Mehrere Erfahrungen haben den Vortheil dieser Vorkehrung dargethan337).

|411|

n dünne metallene Stange, an dem unteren Ende derselben ist eine Kette, welche diese Stange mit dem hohlen Schwimmer k verbindet. Die Fig. 11. war zu klein, um daran diese Vorkehrung genau zeigen zu können.

Sobald das Ventil sich hebt, kühlt schon kälteres Wasser die Heftigkeit des Siedens, und vermindert die Gefahr.

o Quersteg, der die Bewegung der Stange n vertikal erhält.

pp Dekel, welcher den oberen Theil des Ofens verschließt; er hat zwei Oeffnungen, durch welche die Röhre e, und die Röhre g durchgehen, der Rand des Dekels ragt 1 1/2 Zoll vor. Auf diesem Dekel stehen die Töpfe oder Häfen im Kreise.

q Fig. 12. eine blecherne Röhre, an der Seite, oberhalb des Ofens, die zur Ableitung des Rauches dient.

Diejenigen, welche diesen Apparat, zur Extraktion der Farbestoffe im Großen zu benüzen wünschen, können die obenangeführte Schrift nicht unbenuzt lassen. Da diese Abhandlung bloß eine gedrängte Uebersicht des bisher Geleisteten liefert, konnte sie, die Beschreibung der Vorkehrungen zu großen Apparaten bloß andeuten.

Auf diese Weise wurde es unseren Technikern möglich, zwei hundert Jahre nach Papins Tode eine Aufgabe zu lösen, an welcher der Scharfsinn des Erfinders des Digestors scheiterte.

Papins Fehlgriff war, daß er die Drukkraft, und die höhere Kraft der Dämpfe gleichzeitig benuzen wollte. Ein Erfolg war nur möglich, als man beides zu trennen wußte. Rommershausen wendete in seiner Dampfpresse die Drukkraft der Dämpfe an, Dingler in konstante eindringende Wärme.

Nach solchen wesentlichen Verbesserungen in der Kunst die Principien der Vegetabilien zu extrahiren, hätte man glauben sollen, daß die lezten Gränzen derselben, erreicht |412| worden wären. Aber Rommershausens rastloses Streben nach neuen Modifikationen des bereits erzielten, hat uns noch einen neuen, vielleicht einen bequemeren Weg gebahnt.

Durch die Wirkung des Drukes der Dämpfe ermuthigt, versuchte er bald darauf die Drukkraft der Luft, und gab, wie es in der Natur der Dinge zu liegen pflegt, diesem jüngsten, aus dem Schooße seiner Erfindungskraft entsproßenen Kinde, den Vorzug vor den älteren, besonders vor der Realschen Presse, deren Vervollkommnung er ganz aufgegeben hat.

Von dieser Luftpresse sieht man Zeichnungen Fig. 12 und 13, auf Tab. V.

Sie sind von seiner lezten lithographirten Anzeige, vom Dec. 1820. entnommen.

Diese Zeichnungen, wie man aus denselben sieht, geben keinen Aufschluß über den inneren Mechanismus der Pumpe und ihrer sonstigen Einrichtung: wir können bloß hier Folgendes angeben.

a ist das Infundir-Gefäß.

b das Beschikungs-Gefäß.

c der Pumpen-Kolben.

d Fig. 12. die Röhre, vermittelst welcher das Infundir-Gefäß, und das Beschikungs-Gefäß mit einander verbunden werden.

e der Filtrirapparat.

Es wäre unnüz, in einer Abhandlung, welche die Auffassung der wesentlichsten Fortschritte der Extraktions-Kunst, zur Absicht hat, die früheren Einrichtungen der Luftpressen abzuzeichnen. Man findet sie, wiewohl dunkel genug, im dritten Hefte, des 2ten Bandes der allgemeinen nordischen Annalen der Chemie, nach Grindel, (siehe dessen medicinisch. pharm. Bl. Heft 3.) abgebildet, und beschrieben. Da aber die, vor uns liegenden, und hier mitgetheilten, Zeichnungen |413| davon verschieden sind, und der Erfinder in seiner oben erwähnten Anzeige von wesentlichen Verbesserungen spricht, die hier nicht angedeutet sind, so ist es unmöglich zu errathen, worin sie bestehen.

Es würde uns ein Leichtes seyn, diese Lüke durch die eigene Angabe einer Luftpresse zu füllen, die zur Erreichung des beabsichtigten Zwekes gewiß geeignet seyn dürfte; da der Erfinder aber, durch frühere fehlgeschlagene Versuche gewizigt, das Ziel erreicht zu haben vorgibt, und er nunmehr, unterstüzt durch ein Erfindungs-Patent, solche um jede beliebige Größe fabriciren läßt, und vorräthig hält, so wollen wir, durch unsere Ideen, keiner seiner Verbesserungen, auf einem Felde, wo er noch thätig ist, vorgreifen. Auf jeden Fall ist es besser ein Modell vor Augen zu haben, dessen Einrichtung einigermaßen bewährt befunden worden ist, als eine bloße Zeichnung, die aus Mangel an gehöriger Ausführung ihren Zwek versagen könnte.

Wenn inzwischen dem Dr. Rommershausen die Ehre der Ausführung gebührt, so darf nicht unerinnert bleiben, daß Kastner, in seinem Gewerbsfreund, B. 3. S. 27. etc. bei Gelegenheit der Realschen Presse die erste Idee dazu gegeben hat.

Es sey uns jezt gestattet diese Presse mit der von uns vorgeschlagenen Realschen Presse, welche den Extrakt, so wie die Dampfpresse, die oben hin treibt, zu vergleichen.

Dr. Rommershausen und seine Freunde behaupten, daß die Luftpresse aromatisirtere Extrakte liefert. Angenommen dieses verhielte sich wirklich so, so läge die Ursache darin, daß die ätherischen Substanzen, in äußerst kleinen Kapseln die der Wirkung jeder, auch noch so kräftigen Presse, widerstehen, eingeschlossen, durch Entziehung der äußeren, sie umgebenden Luft, zersprängen, oder in der Expansivkraft dieser Arome, die sich in einem luftverdünnten Raume leichter |414| ausbreiten, und sich solchergestalt leichter mit dem Auflösungsmittel vermischen. Es könnte indeß wohl möglich seyn, daß weder das Eine noch das Andere statt fände, und daß diese Vorzüglichkeit in der Qualität der Extrakte, auf bloßen Tauschungen sich gründete. Man müßte, um jenen Vorgang zu begründen, comparative Versuche, mit großer Genauigkeit, anstellen, und in allen, mit unter der Hand liegenden Quellen, finden sich keine solche. Dazu sind Stoffe von derselben Quantität und Qualität, vermittelst beiden Auspressungsmethoden behandelt, durchaus nöthig.

Doktor Rommershausen, um die Vorzüge der Luftpresse zu begründen, vergleicht sie mit der Realschen langröhrigen Presse. Hierin hat er recht. Vergleichen wir sie aber mit der kurzröhrigen von uns angegebenen mechanischen Presse Fig. 16. Tab. VII., so fallen die dagegen vorgebrachten Ein. Wendungen weg. Erstlich, ist hier von keiner Unbequemlichkeit in der Behandlung eines so langröhrigen Apparats die Rede mehr: dann fällt die Unbequemlichkeit bei der Beschikung ebenfalls weg, denn bei unserer Presse verhindert nichts, daß man, von oben her, die auszuziehenden Stoffe, leicht und nach Belieben in dem Beschikungs-Gefäße behandle; endlich kann man durch diese, eben so als durch die Luftpresse, Extrakte von beliebiger Stärke bekommen; denn man hat es genau in seiner Gewalt, so viel Flüßigkeit durchzupressen als man für gut befindet, und jede abgeflossene Extrakt-Quantität von der kommenden abzusondern.

Von dieser Seite betrachtet steht die kuzröhrige Realsche Presse, der Luftpresse nicht nach.

Da diese lezte durch ein Saug- oder Drukwerk wirket, so konnte man für das Zerspringen der Gefäße, bei großer Kraftäußerung besorgt seyn, aber wir haben schon früher bemerkt, daß es hier auf Anwendung einer sehr großen Kraft nicht ankommt; die Flüßigkeit muß durch das Material |415| durch, und muß deßhalb nicht zu fest und nicht zu loker seyn. In großen Gefäßen muß die zu extrahirende Schichte nicht zu dik angelegt werden, und die Mächtigkeit derselben lehrt bald die Erfahrung, es ist also hier eben so wenig an ein Zerspringen der Gefäße zu denken, als beim Gebrauch der Luftpumpe.

Endlich ist auf die Leichtigkeit der Bearbeitung einer Luftpresse, gegen die Realsche ein Gewicht gelegt worden. Wir geben zu, daß die Luftpresse in dieser Hinsicht einen Vorzug hat, sie kann von Blech gemacht werden: die Realsche kurzröhrige, mechanische Presse dagegen erfordert in ihren Verbindungen eine größere Festigkeit. Jeder Blechschläger könnte nothdürftig die erste machen, die andere aber erfordert mechanische Fertigkeiten und Kenntnisse, die nicht in jedem Arbeiter gefunden werden. Dieser Unterschied wird die erstere zu Arbeiten im Kleinen empfehlen, dagegen aber wird die andere zu Arbeiten im Großen vorgezogen werden, weil man hier Solidität und Dauer vorzieht, und keinen Kostenaufwand scheuet, um diese zu erhalten; und wahrscheinlich liegt hierin die Ursache, die den Dr. Rommershausen bewog von der Vervollkommnung der Realschen Presse abzugehen, und dagegen zwei andere in die Stelle zu sezen, die Dampfpresse zu warmen, die Luftpresse zu kalten Extrakten.

Wir behalten uns vor eine Beschreibung seiner neuen Infusions- und Evacuations-Pressen zu geben, sobald wir mit seinen lezten Verbesserungen bekannt seyn werden. Alsdann werden wir auch die Literatur dieses Gegenstandes, wenn auch noch unvollständig, anhängen.

|396|

Er meint, daß eine vollkommene Trennung der flüßigen Verbindung von fester unauflößlicher Substanz, und somit die Extraktion, nur dann möglich ist, wenn mit mechanischem Druke die Vernichtung der Capillaritätsäußerung der lezten gegen die ersten, durch Verwandlung der zu extrahirenden Stoffe in Hydrate steigender Grade bedingt wird.

|410|

Dieses Ventil wurde später dadurch vervollkommnet, daß zwischen der obern Ventil-Platte und der Beschwerungs-Kugel ein hohles Cylinderstük, welches mehrere Oeffnungen bei xx Fig. 10. hat, angebracht wurde. In der Mitte der Ventil-Platte ist eine, zu dem Verhältniß des Durchmessers des Ventils passende Oeffnung, in die wieder eine andere Platte als Ventil paßt, angebracht, und innerhalb an einer spiralförmigen Drahtfeder befestigt. Dieses Ventil öffnet sich, wenn in dem Kessel ein luftleerer Raum entsteht, und verhindert so das Zurüktreten der Flüßigkeit, wenn das Oeffnen des Hahnen übersehen wurde. D.

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