Titel: Hall Gower's Beschreibung einer Canal-Schleuse.
Autor: Gower, Richard Hall
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. LXV. (S. 416–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/ar005065

LXV. Beschreibung einer für die Regenten-Canal's Compagnie gezeichneten Schleuse. Von Hrn. Richard Hall Gower zu Ipswich338).

Aus Tilloch's Philosophical Magazine et Journal, N. CCLXXVIII. Junius 1821. S. 401.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Der Plan einer doppelten Schleuse, in welcher bei halbem Wasser-Aufwande der Durchgang der Schiffe noch ein Mal so leicht wird, ist folgender:

A und B Tab. VIII. sind Beken, welche mittelst der Schleusenlöcher W und Z in dem Mittel-Pfeiler in Verbindung stehen. Sezen wir, daß A voll, und B leer ist, und daß in diesem Augenblike zwei Barken ankommen, wovon die eine auf- die andere abwärts will: die abwärts fahrende wird natürlich in das Beken A kommen, welches zu ihrer Aufnahme bereit ist, während die andere in das Beken B eintreten |417| wird. Da nun die Schleusen und Thore geschlossen sind, lasse man die Schleusen-Löcher in dem Mittelpfeiler sich öffnen, so daß das Wasser aus dem Beken A in das Beken B herüber fließen kann, (man sehe den Querdurchschnitt) damit die Barke in A sich senkt, und jene in B sich hebt, bis beide gleich hoch stehen: in diesem Falle ist dann die Barke in A halb oben, und in B halb unten. Nun schließe man die Schleusenlöcher in dem Pfeiler W und X, und öffne die Seiten-Schleusenlöcher Y und Z: auf diese Weise wird das Beken A fortfahren sich zu entleeren, und B fortfahren sich zu füllen, bis das Wasser in beiden mit jenem in dem oberen und unteren Canale gleich hoch steht. Wenn man dann die Thore C und D öffnet, kann jede Barke frei abfahren auf- wie abwärts. Die Zeit, welche man braucht um diese beiden Barken aus der Doppelschleuse zu bringen, beträgt nicht mehr, als jene, welche man zur Durchförderung Einer Barke aus einer einfachen Schleuse nöthig hat, und doch ist hier zur Erreichung dieses doppelten Zwekes nicht mehr als Ein volles Beken Wassers nöthig, welches dem oberen Theile des Canales entzogen wurde.

Die Schleusen-Thore können hier auf die gewöhnliche Weise gebaut seyn; da aber die ältere Weise der Einrichtung |418| derselben manchem Leke unterworfen ist, und durch Verstopfung öfters in Unordnung geräth, z.B. durch Eis bei kaltem Wetter, so schlägt Erfinder vor diesen Nachtheilen durch folgende Vorrichtungen abzuhelfen.

Fig. 1. Tab. VIII. ist eine halb kreisförmige Rinne mit übergebogenem Rande, welche abfallend in den Thorpforten eingelegt, und daselbst mit Nägeln an dem übergebogenen Rande befestigt wird. In diese Rinne wird im Mittelpunkte eines jeden Endes derselben eine Spindel aus Gußeisen eingetrieben. An dieser Spindel ist das Thor befestigt, wie der Durchschnitt Fig. 4. darstellt.

Fig. 2. ist ein Hahn aus Gußeisen, welcher, insofern er in einer starken Wasserströmung sich befindet, als eine Art von Schleuse dienen kann.

Fig. 3. ist gleichfalls ein zu demselben Zweke bestimmter Hahn, jedoch so gebildet, daß er in dem Mittelpunkte der cylindrischen Wasserleitung aus Gußeisen eingefügt werden kann.

Es ist offenbar, daß durch diese Vorrichtungen die Nachtheile, welche aus dem Lekwerden und durch Verstopfungen entstehen, auf eine sehr bedeutende Weise beseitigt werden; und wenn die ganze Schleuse mit allen ihren Vorrichtungen gut ausgeführt ist, die Wasserleitungen aus Gußeisen gut angebracht sind, so ist kein Grund zu behaupten, daß eine solche Schleuse nicht eine Reihe von Jahren dauern sollte. Die Hähne müssen mittelst Hebeln gedreht werden, welche in die Treiblöcher derselben, die Brusthoch über der Erde zu stehen kommen, eingesezt werden: und da die Hahne in dem Mittelpunkte dieser verschiedenen Wasserleitungen liegen, so läßt sich erwarten, daß sie nicht einfrieren339).

Hr. R. Hall Gower, Verfasser mehrerer Werke über Seeschifffahrt und Seegegenstande, war einer der Mitwerber um den von der Regenten-Canal's Gesellschaft ausgeschriebenen Preis für den besten Plan einer einfachen oder doppelten Schleuse. Der Preis war 100 Guineen. Hr. R. Hall Gower sah die Schleusen an diesem Canale nach seiner Zeichnung gebaut, und erhielt weder Preis noch Dank, wie aus der dieser Beschreibung angehängten Korrespondenz, welche wir übrigens nicht der Mühe werth fanden zu übersezen, leider zur Genüge erhellt. Da wir hoffentlich auch in Baiern einst Canäle erhalten werden, etc. (wo ist ein Land geeigneter beide Meere zu verbinden im Herzen von Europa!) wenigstens dann hoffentlich, wann die Strafhäuser nicht mehr Canonicate für Verbrecher, und als Verbesserungs-Anstalten für diese nicht mehr Verderbungs-Anstalten für den rechtlichen Bürger seyn werden, der schwere Abgaben für das Recht bezahlen muß, mit kleinem Kapitale das zu fertigen, was im Arbeitshause nur einem Kapitale von Tausenden zum sicheren Verderben seines und seiner Gewerbsgenossen Fleißes sehr leicht wohlfeiler und besser gefertiget werden kann, wollen wir diese Beschreibung übersezen, des Glaubens, daß nicht zum Schiffe ziehen, wohl aber zum Graben von Canälen, wo Pferde die Barken ziehen, der Arm der Verbrecher der beleidigten Menschheit zu höherem Vortheile für diese, als durch Fabrikation von Tüchern, Loden etc. verwendet werden könne. Anm. d. Uebers.

|418|

Dieß wird indessen diesen Hähnen, so wie den Canälen selbst, bei uns in jedem Winter begegnen. Allein, dieß darf uns nicht abschreken; |419| so wenig als wir uns abschreken lassen, vom März bis December unsere Flüße zu befahren, weil vom December bis März das Eis gewöhnlich jede Schiffahrt auf denselben unmöglich macht. Anm. d. Uebers.

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