Titel: Besondere in einem Kohlentheer-Apparat entdekte Substanz.
Autor: Garden, A.
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. XLIV./Miszelle 3 (S. 255–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/mi005044_3

Besondere in einem Kohlentheer-Apparat entdekte Substanz.

In einem der zur Verdichtung angebrachten Gefässe bei einem Apparate, der ohne Destillirung des Kohlentheers, und um verschiedene Körper der Einwirkung dieser Substanz bei einer Siedhize auszusezen, aufgerichtet war, fand sich eine ansehnliche Quantität einer dichten Materie, welche mit flüchtigem Oele überträufelte. In dem Zustande, in welchem ich die Substanz erhielt, war sie mit einer Portion dunkelfarbigen Theeröls vermischt, aus dem es sich bei Ruhe in der Gestalt einer körnerartigen Krystallmasse niederschlug. Nachdem das Oel davon abgelaufen, und der übriggebliebene Theil soviel möglich, mittelst Filtrirung durch Löschpapierlagen gesondert war, wurde er in mäßig erwärmten Alkohol digerirt; auf diese Weise kam fast das Ganze in Auflösung. Die Auflösung selbst sezte beim Abkühlen eine Menge Krystalle in Würfelform ab, welche noch ein wenig von einer geringen Quantität anklebender Oelmaterie gefärbt waren. Durch wiederholte Auflösung der Krystallisation nahm die Masse die Gestalt von blendend weissen, schuppichten Krystallen an, ähnlich der Benzoesäure, nur mehr silberartig glänzend.

Diese krystallisirte Substanz hatte folgende Beschaffenheit: der Geruch war ganz eigends stechend (scharf), etwas aromatisch, und völlig ungleich mit irgend einer andern mir bekannten Substanz.

Sie schmolz bei einer Temperatur 184°, und verflüchtigte sich dann, aber auch bei einer geringem Temperatur, ganz. Sie zeigt sich Unauflöslich in Wasser, Auflößlich in wirklichen und ausgepreßten Oelen, und schnell auflößlich in Alkohol, von welchem es durch Wasserzusaz wieder gesondert wird.

Rauchende Salpetersäure, unterstüzt von gelinder Wärme, äußerte eine starke Wirkung auf dieselbe, indem sie dieselbe in ein braunfärbig klebriges Oel umänderte, welches aufgelößt, und dadurch beim Kühlen eine Gruppe kleiner sternartiger Krystalle gebildet wurde, ähnlich der Kampfersäure.

Eßigsäure, mäßig erwärmt, lößte die Substanz schnell auf, ließ sie aber beim Kühlen minder fallen.

Alkalische Auflösungen schienen keine merkliche Wirkung darauf zu haben.

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Die Auflösung in Alkohol änderte weder die Kurkumafarbe, noch das Kurkumapapier.

Aus dieser Darstellung erhellet, daß diese Substanz die größte Analogie mit Kampfer in vielen seiner Merkmale hat. Kampfer ist auflößlich in Eßigsäure, sie sey kalt oder warm, und beharrt beständig in der Auflösung; jene Substanz aber, aufgelöst in der nämlichen Säure, scheidet sich, wenn die Auflösung erkaltet, in Krystalle.

Eine noch strengere Untersuchung als ich zu machen Gelegenheit hatte, würde die wahre Natur dieses Körpers ins Licht sezen, es mag verstekter Kampfer oder etwas anderes seyn, es trift in vielen seiner Eigenschaften mit den konkreten essentiellen Oelen zusammen. (Philosophical Magazin. Dezemb. 1819. S. 74.)

A. Garden.

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