Titel: Ueber die größte bisher vorhandene Dampf-Maschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. LXIII./Miszelle 5 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/mi005063_5

Ueber die größte bisher vorhandene Dampf-Maschine.

Ende Decembers vorigen Jahres errichtete man an den consolidirten Gruben (consolidated mines) bei Redruth in Cornwall die dritte neue Dampfmaschine, welche, so wie noch eine der früheren, zu den riesenhaftesten Maschinen dieser Art gehört. Man will dadurch vier oder fünf Kupfergruben retten, welche ehevor mit Vortheil belegt, und seit 16 Jahren wegen Grubenwassers aufgelassen wurden. Die Gesellschaft, die sich zur Wiedererhebung dieser Gruben verband, schoß ein Kapital von 65,000 Pfd. Sterl. zusammen, und übertrug die Leitung des Unternehmens dem Capitän Wilh. Davey und Hrn. Joh. Taylor.

Die Streke unter der Erde, welche troken gelegt werden soll, beträgt ungefähr eine (engl.) Meile in der Länge, und hat, an der niedrigsten Stelle, ungefähr 130 Lachter (fathoms) Tiefe. Um diesen ungeheuren Raum troken zu halten, und noch mehr abteufen zu können, brachte Hr. Arthur Woolf 3 Maschinen an. Die eine am westlichen Ende dieser Streke hat einen Cylinder von 70 Zoll im Durchmesser und treibt eine Pumpe meiner Tiefe von 70 Lachter: die andere ist in der Mitte, die dritte am westlichen Ende angebracht.

Diese beiden lezteren Maschinen haben Cylinder von 90 Zoll im Durchmesser; die Stämpel steigen bei jedem Schlage 10 Fuß tief in dieselben, und der Mittelpunkt der Balken ist so befestigt, daß die Stangen acht Fuß tief in die Pumpe schlagen, folglich auf diese Weise bei dem gewöhnlichen Druke eine Last von 85,000 Pfd. heben. Jede dieser Maschinen hat sechs Kessel von geschlagenem Eisen um Hochdruk-Dampf zu erzeugen, welcher übrigens auf die gewöhnliche Weise angebracht wird. Drei Kessel sind so verbunden, daß sie mit zwei Feuern geheizt werden können, und reichen zu, um die Maschine in Thätigkeit zu sezen: die drei anderen dienen nur als Aushülfe, wenn die drei vorigen gereinigt oder ausgebessert werden müssen.

Diese ungeheuren Maschinen, die an Kraft und Größe alle bisher erbauten Dampfmaschinen übertreffen, sind wunderschön gebaut, arbeiten ohne alle Erschütterung, und haben oft Tagelang 12–13 Schläge in einer Minute so gleichförmig geführt, als ob ein Schwungrad sie in Bewegung sezte. Die erstere dieser Maschinen brauchte in 35 Tagen 3,800 Bushel Kohlen, oder 111 Bushel131) täglich, und für jeden Bushel Kohlen hob sie 38,500,000 Pfd. Wasser: mehr als jede Maschine bisher leistete. – Der Cylinder dieser Maschine wiegt, ohne Dekel und Bodenstük, ungefähr 12 1/2 Tonne, und stekt in einem Gehäuse von noch größerem Umfange. Der Balken mit Zugehör wiegt beinahe 25 Tonnen. Die Pumpenstangen in dem Schafte sind die stärksten Mastbäume, die man in England auftreiben konnte, und 16 Zoll im Gevierte in bedeutender Tiefe: das Ganze wird, mit allem übrigen Verbindungs-Apparate von Eisen, an 40 Tonnen |383| wiegen. Rechnet man hierzu das Gewicht der Wassersäule und des halben Balkens, so kommen beinahe 100 Tonnen auf den einen Arm des Hebels, und folglich ein gleich starkes Gegengewicht auf den anderen, so daß hier 200 Tonnen132) um den Stüzpunkt sich drehen. Der Stämpel durchläuft hier nicht selten 240 Fuß in jeder Minute, und theilt der übrigen ungeheueren Masse diese Geschwindigkeit mit.

Diese Werke wurden erst im Jänner 1819 begonnen, und werden wahrscheinlich an diesem einzigen Bergwerke in der Welt in wenigen Wochen alles Wasser gewältigt haben133). (Aus den Annals of Philosophy. N. III. und in Tilloch's Philosophical Magazine. April 1821. S. 309.)

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1 Bushel = 5734 Wiener Mezen. A. d. Ueb.

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Die Tonne wiegt nach Johnson 2000 engl. Pfd. A. d. Ueb.

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Wie viele ersäufte Gold- und Silbergruben haben wir nicht auf dem festen Lande in Siebenbürgen, Ungern und Steyermark; und was ist bisher für die Wiederbelegung derselben geschehen! Verlobt hat man die Bergwerke nach Mariazell und Mariatäferl, aber gethan hat man nichts für sie. Wir wollen hoffen, daß man sie bald zu dem herrlichen kaiserl. Eisengußwerke zu Mariazell verloben, und dort Dampfmaschinen für sie fertigen lassen wird, die besser helfen werden als die kleinen Weihrauch-Dampfmaschinen.

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