Titel: Auszug eines Schreibens des Hrn. d'Arcet an Hrn. Hachette, Mitglied des Akerbau-Rathes, über die Wirkung der als Dünger angewendeten Knochen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1821, Band 5, Nr. LXIII./Miszelle 7 (S. 383–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj005/mi005063_7
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Auszug eines Schreibens des Hrn. d'Arcet an Hrn. Hachette, Mitglied des Akerbau-Rathes, über die Wirkung der als Dünger angewendeten Knochen.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. April 1821. S. 361.

Paris 1. März 1821.

„Es ist allgemein bekannt, daß Knochen als Dünger dienen können; ich fand aber nirgendwo gedrukt, wie sie dieß können. Hier ist das Resultat der Beobachtungen, welche ich über diesen Gegenstand zu machen Gelegenheit fand.“

„In der Nachbarschaft einer künstlichen Soda-Fabrik sah ich öfters einen bedeutenden Haufen von Knochen, der der Luft ausgesezt lag, sich mit einer dichten weißen Wolke, aus Ammonium-Salzen in Dampfgestalt, oder noch schwebend in der Luft, bedeken, sobald die sauren Dämpfe der Fabrik auf denselben hingewehet wurden. Ich habe diese der Luft ausgesezten Knochen öfters untersucht, und sie stets in einem geringen Grade alkalisch gefunden. Mit destillirtem Wasser abgewaschen ließen sie in dem Waschwasser immer thierische Materie aufgelöset zurük.“

„Ich breitete Knochen auf einer Wiese ein Jahr lang aus; sie wurden weiß, alles Fett, welches sie enthielten, hatte sich in der Nähe infiltrirt, und wurde entweder von der Erde eingesogen oder zersezt: diese Knochen hatten beiläufig, nur 2 p. C. Gallerte verloren.“

„Aus diesen Vorgängen schließe ich, daß, wenn man. Knochen als Dünger anwendet, das Fett, welches sie enthalten, durch die Hize der Sonne geschmolzen und zum Theile von der Erde eingesogen wird; daß die Knochen, auf diese mechanische Weise abgefettet, jezt der vereinten Wirkung der Luft und des Wassers leichter zugängig werden; daß dann erst chemische Gegenwirkung eintritt, in deren Folge ein Theil des Fettes und der Gallerte, welche in den Knochen enthalten ist, sich in Ammonium verwandelt; daß dieses Ammonium einen anderen Theil der Gallerte in Seife umwandelt, diese in Regenwasser auflösbar macht, und sodann über der Erde verbreitet, auf welche sie nun in diesem Zustande als Dünger wirkt. Solange nun Fett und Gallerte in den Knochen bleibt, bringen dieselben Ursachen dieselben Wirkungen hervor. Diese Wirkung geschieht aber desto langsamer, je fester, dichter oder älter die Knochen sind; und dieß ist die Ursache, warum die Knochen einen so andauernden Dünger bilden, dessen Wirkungen so sicher und so gleichförmig sind, indem sie eine beinahe unmerkliche Zersezung erleiden, und im Durchschnitte, an 40 p. C. thierische Materie enthalten: Wahrscheinlich wirken eine Menge anderer Dünger-Arten, wie Horn, Haare, altes Leder, thierische Reste etc. auf dieselbe Weise. Ich habe vor ungefähr 8 Monathen an die Wurzeln eines Pomeranzenbaumes 200 Gramme fein geraspeltes Horn gebracht; ich werde die Veränderungen, welche diese thierische Substanz erleidet, von Jahr zu Jahr verfolgen, und sehen, ob die oben geäußerte Idee richtig ist, oder ob sie berichtigt werden muß.“

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